2. Träume


Zusätzliche Warnings: Rassistische Implikationen

Zusätzliches Pairing: Blinkandyouwillmissit CaptainCanary


Es war ein Morgen wie jeder andere auch. Sie erwachte aus einem verschwommenen Traum um einen männlichen Omega, der in ihren Armen gelegen hatte, und versuchte sich die Details ins Gedächtnis zurückzurufen. Umsonst.

Diese Träume hatte sie seit einigen Tagen jede Nacht. Sie träumte nicht immer von dem Omega, manchmal träumte sie auch von einem weiblichen Alpha mit dunkler Haut und einladenden Geruch, manchmal von einem männlichen Alpha, mit dem sie stritt, manchmal träumte sie auch von Betas, einen, den sie küsste, einen, der ihr Ratschläge erteilte, und einen, von dem sie wusste, dass sie sich auf ihn verlassen konnte. Und manchmal war es nicht nur ein männlicher Omega in ihren Träumen, manchmal waren es drei.

Laurel würde sagen, dass sie nie genug bekommen konnte, und sie hätte wohl recht damit. Wenn ich nur wüsste, was diese Träume zu bedeuten haben…

„Sara, steh auf, Damien will uns sehen!" Sie blinzelte sich die letzten Schlafreste aus den Augen und fing dann gerade noch das T-Shirt, das Laurel ihr ins Gesicht geschleudert hatte, ab, bevor es sein Ziel traf. „Zieh dich an! Du kannst nicht den ganzen Tag im Bett bleiben!"

Sara war da anderer Meinung. Aber, wenn Damien sie sehen wollte, dann musste sie wohl wirklich aufstehen und sich anziehen. Damien Darhk war ihr Adoptivvater, er hatte sie und Laurel aufgenommen, nachdem ihre Eltern gestorben waren.

Seit dem war Damien zum mächtigsten Mann in Starling City aufgestiegen, und seine Töchter halfen ihm aus Dankbarkeit für seine Güte dabei, dass das auch so blieb. Was nicht immer leicht war.

In der letzten Zeit hatte sich… Widerstand gegen Damien geregt. Es gab Individuen, die ihm unglaubliche Dinge vorwarfen und ihn ins Gefängnis werfen oder gar tot sehen wollten – Journalisten, Anwälte, Polizisten – mit den meisten von denen konnte Damien ohne Hilfe zurechtkommen – aber auch jene, die zu den Waffen griffen, die sich selbst als Helden bezeichneten. Gegen diese halfen ihm seine Töchter. Seit der erste Trottel sich eine Eishockey-Maske aufgesetzt hatte und mit einer Waffe auf Damien losgegangen war, hatten die Lance-Schwestern eine Freude daran diesen Leuten zu zeigen, wo ihr Platz war und wie sehr sie sich irrten, wenn sie dachten, sie kämen mit ihren Akten des Terrorismus davon.

Sara wusste nicht, worum es heute ging, aber vermutlich machte wieder jemand Ärger. Was er bald bereuen würde.

Sara zog sich an, wusch sich ihr Gesicht und war dann bereit zum Gehen. Laurel schüttelte nur den Kopf, als sie sie erblickte. „Wirklich? In einem alten T-Shirt und Schabberhosen willst du dort aufkreuzen?", wollte sie in einem verurteilenden Tonfall wissen, der Sara gar nicht gefiel.

„Was? Ist doch nur Damien", meinte Sara und musterte ihre Schwester. Diese wirkte wie immer makellos. Sie trug ein teures enggeschnittenes dunkelblaues Kostüm, war geschminkt, und hatte ihre Haare irgendwie dazu gebracht geordnet auf ihren Kopf liegen zu bleiben, und das obwohl sie sie offen trug. Sara, die ihr Haar für dessen natürliche Neigung zu Dauerwellen hasste, wusste nicht, wie sie das machte. Wenn sie so aussehen wollte, dann musste sie ihr Haar stundenlang glätten und dann auch noch mit Haarspray befestigen. Laurel hingegen … nun für die schien das alles kein großes Problem darzustellen. Wie schaffte sie es nur immer so perfekt zu sein?

„Wenn du dir ein bisschen Mühe geben würdest, dann wäre das nicht verkehrt", meinte Laurel.

„Was? Vor der Arbeit gebe ich mir Mühe", erinnerte Sara ihre Schwester. Ihr besonderes Arbeitsoutfit bestand aus schwarzen figurbetonenden Leder, Stiefeln, geglätteten Haar in Pferdeschwänzen, und extra bedrohlich wirkenden Make-Up. Sara wusste nicht mehr, wessen Idee das Ganze gewesen war, aber sie wusste, dass es wirkte. Die Lance-Schwestern schafften es so respekteinflößend zu wirken, eine leise Bedrohung auszustrahlen, die zu ihren offiziellen Jobs als Damiens Leibwächterinnen passte. Und außerdem sahen sie verdammt gut aus.

Laurel seufzte nur. „Wir sind immer bei der Arbeit, Sara", erinnerte sie sie, „Es ist nie niemand hinter Damien her."

„Ach was. Damien kann sehr gut auf sich selbst aufpassen, genau wie wir, egal, was wir gerade anhaben", erwiderte Sara abfällig, „Immerhin sind wir alle Alphas. Und tödliche Krieger." Was bedeutete, dass es sich die Leute normalerweise mehrmals überlegten, bevor sie sich mit ihnen anlegten. Trotzdem schien Laurel immer und überall mit Gefahr zu rechnen.

„Ich weiß überhaupt nicht, wen du mit diesen Outfit täuschen willst", fuhr Sara fort, „Du siehst aus wie eine Anwältin, aber jeder der dich kennt, der weiß, dass…" Sie unterbrach sich selbst und war für einen Moment verwirrt. Wieso kam ihr das auf einmal so richtig vor? Laurel als Anwältin…

„Lassen wir das Thema", meinte Laurel und riss sie damit aus ihrer Verwirrung, „Wir kommen sonst noch zu spät."

„Was wir uns natürlich nicht leisten können, da Damien sonst verärgert sein könnte", ätzte Sara, die in letzter Zeit irgendwie Lust darauf hatte genau das zu tun: Damien zu verärgern, warum konnte sie sich nicht erklären. Vielleicht hing es mit ihren schlechten Schlaf zusammen.

Sie verließen also ihre gemeinsame Wohnung und machte sich auf zu Damiens Büro. Im Rathaus, im Büro des Bürgermeisters, erwartete Damien sie. Er trug wie immer einen schmucken Anzug (vielleicht hatte Laurel ihren „Immer gut angezogen sein"-Fimmel von ihm übernommen), und er war nicht alleine.

In seinem Büro bei ihm befand sich ein weiblicher Alpha mit dunkler Haut, der einen auffälligen Halsschmuck trug und ansonsten vor allem eine Lederkombination zur Schau stellte, die der Arbeitskleidung der Lance-Schwestern ähnelte. Sara konnte nicht anders als die fremde Frau erstaunt zu begaffen. Ich habe von dir geträumt, hätte sie fast gesagt.

„Laurel, Sara, kommt nur herein, meine Lieben. Das hier ist Amaya", erklärte Damien, „Ich komme leider erst jetzt dazu sie euch vorzustellen, aber ich möchte, dass sie in Zukunft mit euch zusammen arbeitet."

Laurel wirkte nicht gerade begeistert. „Ich weiß nicht, Damien", meinte sie, „Wir haben ziemlich hohe Standards…"

„Denen Amaya gerecht werden wird", versicherte ihr Damien, „Sie ist eine hochausgebildete Elite-Soldatin."

„Mhm." Laurel, das wusste Sara, würde sich nicht einfach mit seinem Wort begnügen, sie würde das testen wollen. Auch wenn sie dazu falsch angezogen war.

„Sie könnte uns ja ein wenig von ihrem Können zeigen", meinte Sara, „Ich biete mich freiwillig an." Sie trat vor und warf der fremden Frau einen auffordernden Blick zu. Diese sah Damien fragend an. Der nickte und meinte dann: „Aber bitte ohne Tote, ich kann euch beide noch gebrauchen."

Sara nickte Amaya zu und forderte sie dann mit einer Handbewegung dazu auf sie anzugreifen. Von Damien hatten Sara und Laurel die Kampftechniken der Liga der Assassinen gelernt und außerdem noch eine Menge weitere Tricks, die ihr unsterblicher Adoptivvater im Laufe der Jahre so aufgeschnappt hatte. Wer mit ihnen mithalten wollte, der musste schon einiges auf den Kasten haben.

Amaya sah sie einen Moment schweigend an, und dann – ganz ohne Vorwarnung – griff sie an. Sie war so schnell, dass sie Sara fast übertölpelt hätte, aber eben nur fast. Sara war selbst nicht ohne. Sie fing den ersten Schlag ab und sah dann schon den nächsten kommen. Sie wich zurück und blockte die auf sie einprasselnden Angriffe ab und versuchte einen Weg zu finden aus der Defensive hinauszukommen, was nicht so einfach war mit dieser Gegnerin. Sie war noch dabei deren Beinarbeit zu bewundern, als besagte Beine sich auch schon in Waffen verwandelten. Dieser Alpha hatte es drauf, soviel war sicher.

Aber Sara Lance war Sara Lance. Es gelang ihr ihre Gegnerin in den Bauch zu treten, und damit hatte sie den Vorteil endlich auf ihrer Seite. Mit ein paar gezielten Schlägen drängte sie nun ihrerseits Amaya zurück, und schließlich gelang es ihr sogar den anderen Alpha zu Fall zu bringen. Die am Boden liegende Frau griff nach der Halskette, die um ihren Hals trug, doch in diesem Moment verkündete Damien: „Nun gut, das reicht. Kein Anasi-Totem im Übungskampf."

„Ein was?", wollte Sara wissen, ohne ihre Gegnerin aus den Augen zu lassen.

„Magie", erklärte Damien, „Dieser hübsche Halsschmuck ist der wahre Grund, warum ich will, dass sie in euer Team kommt. Es gestattet ihr Zugriff auf das Ashai des Tierkönigreichs zu nehmen."

Sara hatte keine Ahnung, was das heißen sollte.

„Was genau soll das bedeuten?", wollte Laurel wissen.

„Ich denke", sagte Amaya und sprach zum ersten Mal seit die Lance-Schwestern den Raum betreten hatten, „das kann ich besser zeigen als erklären." Sie griff auf ihren Halsschmuck und im nächsten Moment schienen dieser und ihre Augen blau aufzuglühen, und dann baute sie sich vor Damiens Schreibtisch auf, griff nach diesem, und hob ihn problemlos hoch, als würde er nichts wiegen. Sie hielt ihn einige Momente lang in die Höhe gestemmt und setzte ihn dann wieder ab, ohne auch nur das geringste Anzeichen von Anstrengung zu zeigen.

Sara tauschte einen Blick mit Laurel, die Amaya abwägend betrachtete. „Eindrucksvoll", meinte sie. „Allerdings", stimmte ihr Sara zu.

„Dieses Totem ist ein Erbstück meiner Familie", erklärte Amaya, „Es diente dazu meine Heimat Zambesi zu beschützen, doch nun gibt es nichts mehr, was ich beschützen kann."

„Amayas gesamtes Dorf wurde von Vandalen niedergebrannt, und alle Bewohner wurden tragischer Weise dabei getötet", schaltete sich Damien an dieser Stelle erklärend ein, „Zum Glück war ich in der Lage zumindest sie zu retten."

Retten? Ach so nennt man heutzutage, dachte Sara ironisch. Sie kannte Damiens Sammlerleidenschaft – vermutlich hatte er das Dorf selbst vernichtet und es dann so gedreht, dass Amaya in seiner Schuld stand. Laurel schien in ähnlichen Bahnen zu denken.

„Dankbarkeit ist schön und gut, aber wer für Damien Darhk arbeitet, sollte auch bereit sein sich die Hände schmutzig zu machen", erklärte sie, „Bist du das?"

Amaya nickte. „Wenn es nötig ist, dann bin ich es. Ich werde nicht mehr zögern, so wie zuvor. Ich bin nun bereit so weit zu gehen, wie es nötig ist um die Ordnung in dieser Welt aufrecht zu halten", versicherte sie allen Anwesenden, „Und diejenigen zu bestrafen, die Chaos bringen."

Das klang ja schon mal vielversprechend. Sara blickte in Amayas Gesicht und sah kalten Zorn in ihren Augen lodern. Es war kein leeres Gerede, sie wollte wirklich bestrafen.

„Das ist es, was wir tun", erklärte sie, „Wir bestrafen diejenigen, die Chaos bringen."

„Gut", meinte Amaya, „Dann bin ich hier ja richtig."

Sara sah etwas anders in ihren Augen lodern, etwas, das sie nicht zuordnen konnte, das sie aber anzog. Ich will sie, wurde ihr klar, Ich wollte sie schon, als ich sie zum ersten Mal gesehen habe, aber nun nach dem Kampf, und nachdem ich sie den Schreibtisch hochheben gesehen habe, und mit ihr gesprochen habe, will ich sie noch mehr.

Nun, wenn sie zusammen arbeiten würden, dann sollte sie doch wohl die Möglichkeit bekommen sie zu verführen, nicht wahr? Natürlich war die andere Frau ebenfalls ein Alpha, aber Sara hatte sich von solchen Dingen wie Geschlechterangehörigkeit noch nie beeindrucken lassen. Ich wünschte nur, ich hätte einen besseren ersten Eindruck gemacht. Laurel hatte recht, ich hätte mich zurecht machen sollen, und nicht in T-Shirt und Schlabberhose hier auftauchen sollen.

Nun, aber immerhin hatte sie sie hoffentlich mit ihren Kampffähigkeiten beeindruckt.

„Damit wären wir uns wohl einig. Da Amaya neu in der Stadt ist, wäre es nett, wenn ihr sie ein wenig herumführt und ihr … die Regeln erklärt", sagte Damien schließlich, „Ach ja, und eines noch … das hab ich bisher vergessen zu erwähnen: Amaya stammt nicht aus dieser Zeit. Sie kommt aus den 1940'ern."

Sara prustete ungläubig. „Aber sicher doch", spottete sie, „Also soweit zurück ist Afrika im Vergleich zu uns auch wieder nicht."

„Ich denke, er hat das wortwörtlich gemeint", schaltete sich Laurel ein.

„Oh ja, klar, weil es Zeitreisen wirklich gibt", meinte Sara spöttisch-ungläubig, „Lasst uns gehen. Damien hat eindeutig zu viel Zeit in seinem Büro verbracht. Er hat schon einen Koller erlitten." Zeitreisen! Wie lächerlich! Damien erwartete doch hoffentlich nicht wirklich von ihr, dass sie ihm das glauben würde?

Sie ging voraus hinaus aus dem Büro und überlegte sich, wie sie Amaya am besten verführen könnte, und verschwendete keinen weiteren Gedanken mehr an diese Zeitreise-Geschichte. Und in dieser Nacht träumte sie von gar nichts.


Fin.


A/N: Im nächsten Kapitel vermutlich Rip bei den Merlyns (und Queens). Mehr von Sara und Amaya vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt.

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