3. Der erste Tag
Zusätzliche Pairings: vages Malcolm/ Rip, Malcolm/Rebecca, Erw. von Malcom/Moira, Erw. von Malcolm/Rebecca/Robert/Moira
„Du kannst von Glück reden, dass es so gekommen ist. Die anderen wollten dich alleine in der Waverider einsperren, aber ich konnte mich durchsetzen. Im Gegenzug dazu erwarte ich von dir einfach nur höflich zu meiner Familie zu sein", erklärte ihm Malcolm Merlyn, bevor er ihn mit in seine Villa in Keystone City nahm.
Rip konnte immer noch nicht fassen, dass er versagt hatte, dass er nicht verhindern hatte können, dass der Speer des Schicksals Eobard Thawne und seinen Verbündeten in die Hände gefallen war – der Liga der Verdammnis. Wieso nennen die sich eigentlich so? Das klingt nicht gerade nach einem Titel, der einem von diesen werten Herren eingefallen ist, wunderte sich Rip. Wenn er versuchte an die Ereignisse zurückzudenken, die dazu geführt hatten, dass die Realität mit dem Speer umgeschrieben wurde, dann traf er meistens auf eine Art Mauer in seinem Geist, die Abfolge der Geschehnisse schien nicht vollkommen klar zu sein, und außerdem kam es ihm manchmal so vor, als würden ihm essentiell wichtige Erinnerungen fehlen. Er war sich fast sicher, dass die Liga in seinem Gehirn herumgepfuscht hatte. Die Frage war nur warum. Die Tatsache, dass er verloren und sie gewonnen hatte, blieb doch gleich, egal ob er genau wusste, wie es dazu gekommen war oder nicht.
Auf jeden Fall hatte er eigentlich damit gerechnet getötet zu werden, doch stattdessen war er nun Malcolm Merlyns Gefangener, was ihn doch ein wenig nervös machte, immerhin wussten die Mitglieder der Liga, dass er in Wahrheit ein Omega war und immer nur vorgegeben hatte ein Beta zu sein. Und Malcolm war ein Alpha, also….
„Hör auf mich so erschrocken anzusehen. Immerhin mache ich das hier für dich, vergiss das nicht", wies ihn Malcolm zurecht, „Ein wenig Dankbarkeit wäre durchaus angemessen."
Rip schaffte es nicht in sich Dankbarkeit zu finden. Also schwieg er.
Sie hatten endlich ihr Reiseziel erreicht und stiegen aus der Limousine aus, die sie hierher gebracht hatte. Natürlich hatte Merlyn keine Zeit verschwendet und den Speer dafür benutzt seinen Reichtum und seine Macht wiederherzustellen.
Rip betrachte die protzige Villa und war gegen seinen Willen beeindruckt. Merlyn wusste eindeutig, wie man in Luxus lebte. Rip war von dem ihm sich bietenden Anblick des mehrstöckigen viktorianisch wirkenden Gebäudes derart abgelenkt, dass er zusammenzuckte, als Malcolm ihm eine Hand auf die Schulter legte und in Richtung Villa vorschob. „Zeit hineinzugehen", meinte der Alpha.
Rip warf ihm einen zutiefst misstrauischen Blick zu und ging dann in Richtung Eingang der Villa. Ein Beta-Bediensteter öffnete ihnen die Türen und musterte Rip unverhohlen unzufrieden. Glaub mir, ich bin noch weniger gerne hier als du mich hier hast, dachte Rip bekümmert, doch natürlich war ihm klar, wie das wirkte. Der Alpha brachte eines Tages aus dem Nichts heraus einen jüngeren Omega mit in sein Haus. Jeder musste denken, dass Rip Merlyns Geliebter war.
„Oh, da sind sie ja schon!", freute sich Malcolm, „Rip, das hier ist meine Frau Rebecca, und das hier sind meine Kinder…"
Rebecca Merlyn war ein gutaussehender Beta in den besten Jahren, der nicht sehr erfreut wirkte Rip zu sehen, doch das war nichts gegen unverhohlene Feindseligkeit mit der Malcolms Kinder Rip betrachteten. Tommy Merlyn, ein Beta, schüttelte seine Hand, während er eine Grimasse schnitt, während seine Alpha Schwester Thea einfach nur mit gerunzelter Stirn daneben stand und sich weigerte Rip zu berühren. Und sogar Oliver Queen hatte eine missbilligende Miene aufgesetzt, aber er schüttelte zumindest Rips Hand.
„Rip wird von nun an bei uns leben, Thea, du würdest gut daran tun dich damit abzufinden", meinte Malcolm.
„Ich kann mich damit abfinden, dass du scheinbar in der Midlife Crisis bist, Dad, aber damit, dass du einen Omega als dein Spielzeug mit nach Hause bringst, werde ich mich nie abfinden. Und jetzt entschuldige mich: Ich habe eine Reitstunde!", erwiderte seine Tochter schnippisch, wirbelte herum, und stolzierte dann davon.
„Ich muss auch los zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung", meinte Rebecca und ließ die beiden Neuankömmlinge ebenfalls stehen.
„Ich habe ihr versprochen sie zu fahren", behauptete Tommy und war dann auch schon verschwunden.
Malcolm seufzte. „Oliver, lass wenigstens du mich nicht im Stich und beweise unserem Gast, dass er sich hier nicht im Heim einer Gruppe Wilder befindet", wandte er sich dann an den einzigen übrig Gebliebenen.
„Natürlich, kein Problem, Malcolm", meinte dieser, und Rip fiel zum ersten Mal seit er hereingekommen war auf, dass diese Version von Oliver Queen ein Beta war und kein Alpha, wie es eigentlich der Fall sein sollte. Natürlich, er ist niemals auf Lian Yu gestrandet, also wurde seine Umwandlung in einen Alpha niemals ausgelöst, wurde ihm klar.
Rip warf noch einmal einen unsicheren Blick auf Malcolm und folgte dann Oliver in das Innere der Villa hinein. „Sie müssen Tommy und Thea vergeben, die beiden sind nur etwas verstört über Ihre Ankunft hier", meinte Oliver, „Wer wäre das an ihrer Stelle nicht? Aber sie werden sich schon noch an Sie gewöhnen."
Rip plante eigentlich nicht hier lange genug zu bleiben damit sich die Kinder seines Wärters an ihn gewöhnen könnten, aber das konnte er natürlich nicht sagen. Oliver Queen dachte wie alle anderen auch, dass Rip Malcolms Omega war und nicht sein Gefangener.
„Und Sie sind weniger verstört?", wollte er wissen.
Oliver zuckte die Schultern. „Ein wenig. Malcolm ist nicht mein leiblicher Vater, zumindest behaupten das alle. Rebecca ist herzensgut, aber ich empfinde es nicht als Beleidigung, dass ihr Gefährte sich andere Liebhaber nimmt. So was kommt vor", meinte er.
„Entschuldigen Sie die Frage, aber wenn Sie nicht Malcolms Sohn sind, warum…", begann Rip, doch Oliver winkte ab. „Ja, das, das fragen viele oft. Sehen Sie, meine Eltern und die Merlyns waren so eine Art Rudel - Swinger würde man das heute vielleicht nennen. Thea ist meine Schwester, aber auch die Schwester von Tommy. Nachdem meine Eltern vor einigen Jahren gestorben sind, hat Malcolm Thea und mich bei sich aufgenommen", erklärte er und hörte sich tatsächlich wie jemand an, der diese spezielle Geschichte schon öfter erzählt hatte.
Bei dem Wort Rudel empfand Rip einen ziehenden Schmerz in seiner Brust, den er sich aber nicht erklären konnte. Er hatte nie ein Rudel gehabt, nur Frau und Sohn. Aber vielleicht waren es ja sie, die er gerade vermisste, auch wenn er sie auf gewisse Weise sowieos immer vermisste.
„Darf ich fragen, was mit Ihren Eltern passiert ist?"
„Vor fast zehn Jahren sind Sie mit unserer Familienyacht, der Queen's Gambit, am Meer untergangen", erklärte Oliver.
„Das tut mir sehr leid", meinte Rip, woraufhin der Beta die Schultern zuckte. „Keiner kann etwas dafür, schätze ich, obwohl es uns niemals gelungen ist herauszufinden, was eigentlich passiert ist", erwiderte er, „Damals sind wir aus Starling weggezogen, haben alle Brücken hinter uns abgerissen, und sind alle gemeinsam hierher gezogen." Er wirkte nachdenklich. „Seit dem scheint sich viel in Starling verändert zu haben."
Rip beschloss, dass es sicherer war dazu nichts zu sagen. Das Thema Damien Darhk war kein ungefährliches Thema.
„Hier sind wir. Das ist Ihr Zimmer", erklärte Oliver und öffnete die Türe zu einem edel eingerichteten Raum mit einem großen Doppelbett, vielen prall gefüllten Bücherregalen darin, einen kleinen Schreibtisch, einer Stereoanlage mit beeindruckenden Boxen, und einem Großbildfernseher. Malcolm schien zu erwarten, dass Rip seine Zeit hier vor allem lesend zubringen würde.
Oliver führte Rip durch das Zimmer zu einem angeschlossenen Raum. „Sie haben Ihr eigenes Badezimmer", erklärte er und zeigte Rip ein kleines aber hübsches Bad, „Außerdem ist dieser Raum hier omegasicher. Das heißt Sie können ihn während Ihren Hitzeperoiden verriegeln."
Das bedeutete aber auch, dass Malcolm ihn hier einsperren konnte. Natürlich. Rip hatte so etwas erwartet. Aber er hält mich hier nicht. Ich muss fliehen und den Speer des Schicksals an mich bringen.
„Nun, danke für die Führung, schätze ich", wandte sich Rip an Oliver.
„Kein Problem. Ich nehme an Ihre Sache werden nachgeliefert?", erkundigte sich Oliver.
Rip, der als Gefangener eigentlich überhaupt keine Sachen besaß abgesehen von denen, die er am Leib trug, nickte trotzdem bestätigend. Ich muss Gideon anfunken und dann nichts wie raus hier, dachte er. Oliver nickte ihm noch einmal zu und ließ ihn dann alleine und schloss die Türe hinter sich. Rip wartete noch einige Momente ab, bevor er damit begann die Stereoanlage auseinanderzunehmen. Es müsste ein Leichtes sein einen Sender zu basteln.
Er war noch nicht besonders weit gekommen, als er hörte wie sich Schritte näherten. Schnellt tat er sein Bestes um die Stereoanlage heil aussehen zu lassen und wartete dann ab, wer herein kommen würde.
Es war Malcolm.
„Prinzipiell bist du kein Gefangener in diesem Raum", meinte er und sah sich dann prüfend um. Sein Blick verharrte einen Moment lang auf der Stereoanlage, und Rip hielt unweigerlich den Atem an, doch dem Alpha schien nichts aufzufallen, da er weitersprach: „Aber du solltest meiner Familie vielleicht fürs Erste besser aus den Weg gehen."
„Natürlich könnten wir ihnen auch einfach die Wahrheit sagen", schlug Rip unschuldig vor.
„Das wäre keine gute Idee", meinte Malcolm, „Und es wäre besser für dich gar nicht erst zu versuchen ihnen falsche Ideen zu vermitteln. Ich kann auch unangenehm sein, weißt du?"
„Ich erinnere mich, dass Darhk der unangenehme von euch beiden war", gab Rip zurück.
„Ja, aber davon solltest du dich nicht täuschen lassen. Ja, ich halte es für falsch Omegas zu foltern, aber das bedeutet nicht, dass ich dich nicht disziplinieren würde, wenn es nötig werden sollte. Und ganz abgesehen davon, wenn ich dich nicht unter Kontrolle halten kann, dann wird Damien das übernehmen", erinnerte ihn Malcolm, „Übrigens ist der Raum hier ein Funkloch, nicht, dass du mir also auf dumm Gedanken kommst. Essen gibt es um Acht im Speisesaal."
Dann war er wieder verschwunden.
Rip hatte auch nicht erwartet, dass Merlyn es ihm leicht machen würde. Es bastelte weiter an seinem Sender und ging dann zum Abendessen. Thea warf ihm einen aburteilenden Blick zu, als er das Esszimmer, das er zuerst in der riesigen Villa nicht hatte finden können, betrat. „Hat sich nicht einmal umgezogen", murmelte sie.
Da Rip nur eine Garnitur Kleidung besaß, war es ihm natürlich nicht möglich gewesen sich umzuziehen, wenn man davon absah, dass er seinen Mantel in seinem Zimmer zurückgelassen hatte. Ansonsten trug er immer noch sein Standartoutfit.
„Ist das Steampunk? Ich hörte das gehört zu den immer wiederkehrenden Trends", meldete sich Oliver zu Wort.
„So was ähnliches", murmelte Rip und nahm auf den freien Sessel Platz. Malcolm saß am Haupt des langen Tisches. Auf der einen Seite neben ihm waren seine Frau, Tommy, und Thea aufgereiht, auf der anderen saß Oliver, und zwischen ihm und Malcolm musste sich Rip hinsetzen. Er wünschte sich eigentlich, dass er einfach am anderen Ende der langen Tafel sitzen könnte, aber dieser Wunsch würde ihm offensichtlich nicht gewährt werden.
„Und, Rip, was machen Sie so?", wollte Rebecca schließlich von ihm wissen, offenbar in dem Versuch Konversation zu machen.
„Im Moment bin ich zwischen Jobs", erwiderte Rip ausweichend, „Ich war lange Zeit … Bewahrer alter Gegenstände."
„Sie hatten also eine Art Antiquariat?", hackte Oliver nach.
„In gewisser Weise. Außerdem habe ich einige Zeit im Filmbusiness gearbeitet. Ich war auch Berater der NASA und zuletzt im Verteidigungsministerium beschäftigt", meinte Rip und konnte spüren, dass Malcolm ihn anstarrte – und das nicht auf die nette Weise.
„Und keine dieser Stellungen haben Sie lange behalten, was?", wollte Thea herausfordernd wissen.
„Das war den Umständen geschuldet", behauptete Rip.
„Natürlich", ätzte Thea, „den Umständen. Und nun sind Sie dann wohl … Berater für meinen Vater."
Das wohl eher nicht, dachte Rip und sein Blick traf Malcolm, der genau das Gleiche zu denken schien.
„Entschuldigung, mir ist schlecht geworden", murmelte Rebecca, erhob sich vom Tisch, und flüchtete aus dem Speisesaal.
Malcolm schob seinen Sessel zurück und meinte: „Ich sollte wohl besser nach ihr sehen" und folgte ihr und ließ Rip so alleine mit seinen Kindern zurück.
„Sie sollten sich was schämen", meinte Tommy wütend, „Meine Mutter hat wahrlich genug mitgemacht, mit all den Skandalen rund um Theas Vaterschaft – ist nicht Böse gemeint, Speedy – aber das hier ist doch jetzt wohl die Höhe. Hätten Sie nicht mit einem anderen Businessmann schlafen können und dabei dessen Familie zerstören?!"
„Tommy", begann Oliver, doch der dunkelhaarige Beta unterbrach ihn: „Nein, Ollie, wage es jetzt nicht ihn zu verteidigen! Leute wie er sind einfach … ekelig! Mir ist der Appetit vergangen!" Wütend warf er seine Serviette auf den Tisch und verließ dann ebenfalls den Speisesaal. Er schien das Schlimmste von Rip zu denken. Vermutlich hatte er sich das selbst zuzuschreiben, weil er so vage bei seinen früheren Tätigkeiten geblieben war.
„Ich frage mich, ob der Alpha-Antiquar, dem Sie früher den Schwanz gelutscht haben, an Altersschwäche gestorben ist oder daran, dass seine Kinder ihn ermordet haben, weil Sie sich so für ihn geschämt haben", bemerkte Thea.
„Speedy!", wies Oliver sie scharf zurecht, aber sie zuckte nur mit den Schultern, als wäre ihr das alles gleich, und machte sich dann daran ebenfalls zu gehen. Rip sah ihr nicht einmal hinteher.
Stille senkte sich über den Tisch. „Nun… noch Wein?", fragte Oliver dann irgendwann.
Als Rip später in sein Zimmer zurückkam war die Stereoanlage verschwunden, genau wie der Fernseher und sämtliche andere elektronische Gerät, die nicht gerade irgendwo eingebaut waren. Sogar der Föhn im Bad war konfisziert worden. Stattdessen lag ein Zettel auf Rips Bett, auf dem geschrieben stand: „Netter Versuch, Rip, aber Strafe muss sein."
Rip nahm den Zettel in die Hand, seufzte, und ließ sich dann auf das Bett fallen. Nun, er hatte ja gleich gewusst, dass es Merlyn ihm nicht einfach machen würde. Auch egal, er hatte immer noch den Prototyp des Senders in seiner Hosentasche, und er hatte Zeit. Es war ja nicht so, als ob ihn irgendetwas davon laufen würde. Er musste nur irgendwie hier in dieser Villa unter diesen Leuten, die ihn hassten, durchhalten – das war alles. Nur solange bis er einen Fluchtplan zusammengestellt hätte, der auch funktionieren würde. So schwer konnte das ja nicht sein, nicht wahr?
Und für seinen ersten Tag bei der Familie Merlyn hätte es auch katastrophaler laufen können. Zumindest ein wenig. Und morgen war ein neuer Tag, der hoffentlich neue Ideen und Erfolge bringen würde. Und weniger Beleidigungen.
Nun, ja, vielleicht.
Fin.
A/N: Mehr zu Rip später. Ich weiß selbst noch nicht genau, was das nächste Mal kommt, also lasst euch überraschen.
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