4. Einen Schritt näher
Zusätzliche Pairings: Coldwest, Coldflash, CaptainCanary – also Leonard in Action
Zusätzliche Warnings: Mordpläne
Es kann doch nicht so schwer sein eine einzelne Person zu finden, oder? Nun offenbar war es das doch, wenn niemand etwas davon bemerken sollte. In diesem Fall schien es keine Rolle zu spielen, dass man der mächtigste Mann der Stadt war. Ganz im Gegenteil. In diesem Fall war das hinderlich.
Und mit Mick war ja auch nichts mehr anzufangen. Er war nicht besonders hilfreich und verkündete immer beleidigt, dass er nicht einsehen würde, warum er für Thawne den Laufburschen spielen sollte. In letzter Zeit war noch irgendetwas anderes ebenfalls mit Mick los. Er verschwand immer wieder mal, und Leonard wusste nicht wohin.
Sollte ich mir Sorgen machen?, fragte er sich. Vielleicht kam Mick ja nur seinem Rat nach und hatte sich einen Omega zugelegt, den er heimlich besuchte, doch wenn das der Fall war, warum verspürte er dann den Drang das vor Leonard geheim zu halten?
Ich hoffe nur, er stellt nichts an. Ihn zwischen Thawne, Merlyn, und Darhk am Leben zu halten ist gar nicht so leicht. Nicht diesen Mick, für den es nicht mehr nur Leonard und sich selbst und gerade mal noch Lisa gab, sondern auch die Legends, die ihm wirklich wichtig waren, die er nicht tot sehen wollte, was alles Verhandlungsgeschick über das Leonard verfügte erfordert hatte.
Aber auch das wird vergehen. Mit etwas Zeit wird er sie vergessen und ihm wird wieder klar werden, wer wirklich wichtig ist. Zumindest hoffte er das. Die Tatsache, dass die beiden anderen Alphas der Legends nun für Darhk als dessen Vollstreckerinnen arbeiteten, rückte diese Aussicht allerdings in weitere Ferne.
„Diese Journalistin schnüffelt uns nach. Sie ist dabei unsere Verbindung zueinander aufzudecken", beklagte sich Merlyn gerade, „Sie ist bei mir zu Hause aufgetaucht und hat Fragen gestellt. Fragen, die meine Familie verwirrt haben."
Merlyn war immer erpicht darauf sein wahres Leben vor seiner Familie geheim zu halten, was auf Dauer gar nicht gut gehen konnte, aber das war sein Problem. Leonard wusste schon, warum er Lisa niemals angelogen hatte.
„Wir werden sie aus dem Weg schaffen", meinte die ältere Lance-Schwester, „Wie ist ihr Name?" Diese Frage schien auch Mick zu interessieren, was Leonard merkwürdig vorkam, doch er schien jedes Interesse daran zu verlieren, nachdem er die Antwort erfuhr. „Susan Williams", erklärte Merlyn, „Sie ist überaus gut informiert."
„Bald nicht mehr", meinte die jüngere Lance-Schwester nur und grinste böse.
Leonard fand ihr Grinsen beeindruckend, wie die Frau als Ganzes überhaupt. Unter anderen Umständen hätte er vielleicht einen Vorstoß gewagt, doch er wusste, dass er keine Chance hatte. Sara Lance hatte nur Augen für ihre Partnerin in der Jagd, Amaya Jiwe. Und außerdem war sie eine der Legends, mit diesen sollten sie besser nicht herumspielen, es wäre zu riskant. Auch wenn Thawne diese Meinung nicht zu teilen schien, wenn die Gerüchte über ihn und Ray Palmer stimmten.
„So viel also dazu", meinte Thawne, „Gibt es sonst noch etwas? Nein, gut, dann … sehen wir uns beim nächsten Arbeitstreffen."
Merlyn rauschte ab, gefolgt von Darhk und seinen dreien Vollstreckerinnen, und es blieben nur Thawne, Leonard, und Mick zurück. „Habt ihr Fortschritte bei dieser Sache gemacht, um die ich euch gebeten habe?", wollte Thawne wissen, offenbar nachdem er sich selbst vergewissert hatte, dass seine Partner auch wirklich außer Hörweite waren.
„Noch nicht", gab Leonard zu, „Es ist fast so, als würde dieser Mann nicht gefunden werden wollen. Wenn wir irgendeinen Anhaltspunkt hätten…."
„Er wurde vor einigen Jahren vom Blitz getroffen und lag monatelang im Koma", erklärte Thawne, „Im Central City-Hospital müsste es Aufzeichnungen geben."
Das war endlich einmal ein tatsächlicher Ansatzpunkt. „Nun gut, ich kümmere mich darum", meinte Leonard und deutete Mick mit ihm zu kommen - es war an der Zeit zu gehen. „Geh du schon vor, ich muss noch was erledigen", meinte Mick überraschend auf halbem Weg.
Leonards angeborenes Misstrauen regte sich. Was genau musste Mick noch bei StarLabs erledigen? Traf er sich etwa heimlich mit einem Angestellten? Doch hoffentlich nicht mit Stein oder Jackson?
Nein, Mick würde mich nie so hintergehen. Er ist Mick, er ist im Grunde genommen ein treuer Labrador, rief sich Leonard in Erinnerung. „Na gut, wir sehen uns dann später", meinte er und beschloss gleich zum Central City Hospital zu gehen. Offiziell würde er behaupten eine Spende machen zu wollen, doch in Wahrheit würde er sich vor allem über Barry Allen erkundigen. Trotzdem ich frage mich immer noch was Thawne eigentlich von ihm will. Er glaubte Micks Behauptung, dass der Speedster nur in diesen Omega verschossen wäre, nicht ganz. Da musste doch einfach mehr dahinter stecken.
Um seine Anwesenheit im Krankenhaus wurde großes Aufsehen gemacht. Leonard verführte einen männlichen Beta-Pfleger mit ein wenig Geld und Flirterei dazu ihn am Abend wieder zu treffen und Zugang zu den Akten zu gewähren. Mick war zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht wieder aufgetaucht.
Leonard fand heraus, dass Barry Allen hier tatsächlich nach dem Blitzschlag aufgenommen worden war und dann an eine private Einrichtung überstellt worden war, die die Pflege übernommen hatte – eine Einrichtung von StarLabs, wie es schien. Ich wusste ja gleich, dass Thawne mir etwas verschweigt.
Mehr konnte er mit den Kontaktdaten anfangen. Diese gehören ausgerechnet zu einem gewissen Detektiv Joe West vom Central City Police Departement. Leonard war einen Moment lang so erschrocken, dass er sich erst wieder daran erinnern musste, dass er in dieser neuen Welt nicht im Konflikt mit dem Gesetz stand.
Leonard suchte also die Wache auf und plauderte mit Captain Singh über Sicherheitsfragen für einen angeblich geplanten Geldtransport zu einer seiner Banken. Nachdem er damit fertig war, suchte er den für die Sicherheitsmaßnahmen zuständigen Detektiv auf, einen gewissen Joe West, und ließ im Gespräch mit diesem zufällig den Namen Barry Allen fallen. Die Reaktion des Detektiv war so verblüfft wie aussagekräftig. Seine Miene verschloss sich sofort wieder, und er betrachtete Leonard misstrauisch.
„Nein, ich habe Barry schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen", meinte er, „Gibt es einen speziellen Grund, warum ausgerechnet Leonard Snart nach ihm sucht?"
„Ach, nein, keinen wichtigen Grund … Da war nur dieser eine Abend in dieser Bar, und ich dachte, wir könnten das vielleicht irgendwann wiederholen…"
West maß ihn mit steinerner Miene und wütenden Augen. „Denken Sie nicht, dass der Altersunterschied zwischen Ihnen und Barry ein wenig unangemessen ist, Mister Snart?", wollte er kalt wissen.
„Jetzt verletzten Sie mich aber, Detektiv West. Es ist ja nicht so, dass ich mich an einem Teenager vergriffen habe. Barry ist Mitte 20 und sehr gut in der Lage selbst zu entscheiden, mit wem er sich trifft", erwiderte Leonard und klang dabei absichtlich beleidigter als er war, „Und was geht Sie das überhaupt an? Immerhin sind Sie nicht sein Vater."
„Hat er das gesagt, ja?", murmelte Joe West nur düster, und alles an ihm sagte aus, dass er sehr eindeutig der Vater des besagten jungen Omegas war, „Nun wie gesagt, ich weiß nicht, wo er ist. Er führt das Leben, was er führen will."
Offenbar hatten sich die beiden zerstritten, was Leonard auch nicht gerade bei seiner Suche half. Aber immerhin hatte er jetzt einen Anhaltspunkt.
Da er den Geldtransport angekündigt hatte, musste er ihn wohl oder übel auch arrangieren. Es würde so viel Spaß machen ihn auszurauben. Vielleicht tue ich das ja sogar. Und sei es nur um die Polizei ein wenig auf Trab zu halten….
„Mister Snart? Eine Reporterin ist hier und will sie sprechen", teilte ihm die Empfangschefin der Bank mit, während er gerade die letzten Papiere unterschrieb.
Susan Williams? Offenbar hat Merlyn recht, sie ist uns auf der Spur. Nun, ich sollte mir anhören, was sie zu sagen hat, beschloss Leonard und meinte: „Schicken Sie sie herein."
Doch die junge Frau, die hereinkam und sich vor ihm aufbaute, war nicht Susan Williams. „Mister Snart, mein Name ist Iris West, ich arbeite für die Picture News und…", begann der gutaussehende weibliche Alpha, und Leonard überlegte ernsthaft Joe West endgültig gegen sich aufzubringen, indem er seine laut West für ihn viel zu junge Tochter verführte.
„Miss West, was für ein unerwartetes Vergnügen. Ich hatte mit einer Ihrer Kolleginnen aus Starling gerechnet", erklärte Leonard, „Setzen Sie sich doch. Kann ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?"
„Nein, danke. Ich bin eigentlich hier, weil ich mit Ihnen über Ihren angekündigten Geldmitteltransport sprechen wollte", nahm Miss West den Faden wieder auf, doch Leonard ließ sich gar nicht erst auf das Spiel ein. „Nein, das sind Sie nicht", meinte er, „Wie wäre es, wenn Sie mir stattdessen sagen, warum Sie wirklich hier sind?"
Der Alpha verstummte und sah ihn einen Moment lang kalt an. Leonard konnte ihren Vater in diesem Blick wiedererkennen. Was für eine genetisch gesegnete Familie, dachte Leonard nicht unbeeindruckt, Und eindeutig wert weiter im Auge behalten zu werden.
„Also gut", sagte sie dann hart, „Sie haben sich nach Barry Allen erkundigt. Warum?"
„Wie ich Ihren Vater schon sagte, ist das eine persönliche Sache, die…."
„Nein", unterbrach ihn der Alpha, „das ist eine hübsche Geschichte aber auch eine Ausrede, denn ich weiß mit Sicherheit, dass Barry Allen niemals betrunken genug wäre um ausgerechnet jemanden wie Sie zu verführen."
Interessant. Ich frage mich warum. Weil er es vermeiden will mit jemanden, der im öffentlichen Leben steht, in Verbindung gebracht zu werden, vielleicht? Leonard seufzte theatralisch. „Na gut, Sie haben recht", räumte er ein, „Es war eine erfundene Geschichte. Ich benötige … gewisse Dienste. Dienste, von denen ich weiß, dass Mister Allen Sie mir zur Verfügung stellen kann. Allerdings ist er äußerst schwer zu finden, deswegen die Lüge. Ich dachte mir, dass Ihr Vater möglicherweise weiß, wo er steckt."
„Das tut er nicht", erwiderte Iris West nur.
Leonard wartete ab, doch sie sagte nichts mehr. Das hier war der kritische Punkt, das wusste Leonard, wenn er jetzt einen Fehler machte, dann verlor er vermutlich jede Chance Barry Allen zu finden. Der West-Alpha würde den Omega warnen, und er würde noch vorsichtiger werden als er ohnehin schon war. Es kam also auf die richtigen Worte an.
„Ich habe eine Schwester, wissen Sie? Sie ist ein Omega, so wie Barry, und etwas ganz Besonderes. Ich meine, ich weiß, dass jeder über seine Schwester denkt, sie wäre etwas ganz Besonderes, aber meine ist es wirklich. Sie war schon immer besonders, doch seit ein paar Jahren ist sie besonderer, wenn Sie verstehen, was ich meine. Sie war in Central City, als der Teilchenbeschleuniger aktiviert wurde. Offiziell ist damals natürlich nichts Außergewöhnliches passiert, doch wir wissen, dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht, nicht wahr?", meinte Leonard. Er hatte das Datum von Barry Allens Einlieferung ins Krankenhaus durchaus wiedererkannt. Es war nicht wirklich schwer eins und eins zusammenzuzählen.
Iris West schwieg. Dann meinte sie: „Sie sind ein sehr mächtiger Mann, Leonard Snart. Die Sorgen und Wünsche von normalen Menschen sind Ihnen doch fremd."
„Auch meine Macht hat Ihre Grenzen", gestand Leonard, „Letztlich bin ich nur ein Beta in einer Welt von Alphas. Gegen einen Thawne oder einen Darhk bin ich ein kleiner Fisch."
Er wartete ab, ob seine Worte ihre Wirkung tun würden. Dann meinte die Reporterin: „Es gibt da eine Bar. Das Saint and Sinners. Wenn Sie dorthin gehen, dann finden Sie vielleicht, was Sie suchen. Auf Wiedersehen."
„Vielleicht könnten wir uns tatsächlich wiedersehen. Auf einen Drink möglicherweise", rief Leonard ihr nach.
Iris West zeigte ihm ihre rechte Hand. „Mein Mann wäre davon nicht sehr begeistert", meinte sie und stellte ihren Ehering zur Schau. Leonard zuckte entschuldigend mit den Schultern, als er versöhnlich anbot: „Nun, er könnte sich uns ja auch anschließen."
„Ich denke nicht", meinte sie nur noch und ging.
Das Saints and Sinners ausgerechnet. In der alten Realität war dies sein Stammlokal gewesen.
Mick meldete sich nicht und nahm keinen Anruf entgegen. Also ging Leonard alleine dorthin. So undercover wie möglich. Er zog seine Kapuze tief ins Gesicht und trug eine Sonnenbrille. Eigentlich war es unmöglich, dass er nicht erkannt wurde.
Er bestellte sich einen Drink und wartete, er wusste selbst nicht worauf. Dann nahm mit einem Mal jemand neben ihm Platz. Angenehmer Omega-Geruch drang in Leonards Nase ein, und er wandte sich um. Es war ein attraktiver männlicher Omega, Mitte 20, schlank, aber muskulös, wie man unter seinen T-Shirt erkennen konnte, braunhaarig. „Ich habe gehört Sie suchen nach mir", sagte er mit angenehmer Stimme, die Leonard irgendwie bekannt vorkam, aber der Geruch des Mannes lenkte ihn so ab, dass er im Moment nicht sagen konnte woher. Er konnte nicht anders als sich automatisch zu fragen, wie der Omega wohl klingen würde, wenn er lustvolle Laute von sich geben würde.
Sein Mund wurde trocken. Was stimmt denn mit mir nicht?, fragte er sich.
„Barry Allen?", vergewisserte er sich dann.
Der Omega nickte. „Mir wurde gesagt, Sie brauchen meine Dienste", erklärte er.
Leonard nickte automatisch. „Könnten wir das über einen Drink besprechen?", fragte er dann und hob seine Hand um den Barkeeper ein Zeichen zu geben, „Ich bezahle."
Der Omega berührte seine Hand und drückte diese wieder hinunter. Seine Hand fühlte sich angenehm auf Leonards Haut an. Vielleicht war Mick nicht der Einzige, der hier einen Omega brauchte. „Danke nein", sagte der Omega.
„Also, Sie sagten, es handelt sich um Ihre Schwester?", fuhr er dann fort.
„Ja, und sie liegt mir sehr am Herzen. Ich kann ihr Wohlergehen nicht jedem dahergelaufenen Fremden anvertrauen", sagte Leonard, „Egal, was für ein vertrauenserweckendes Gesicht er hat."
„Und ich traue nicht jedem über den Weg, egal wie berühmt er ist", konterte Barry.
„Mhm, wie verbleiben wir dann?", wunderte sich Leonard, „Vielleicht müssen wir uns noch ein bisschen besser kennenlernen, bevor wir ins Geschäft kommen. Vielleicht sollten Sie sich doch von mir auf einen Drink einladen lassen."
„Oder besser nicht", entgegnete Barry, „Irgendetwas an Ihnen sagt mir, dass ich Ihnen nicht trauen kann."
„Lassen Sie zu, dass ich Sie vom Gegenteil überzeuge", schlug Leonard vor.
„Nächste Woche, selbe Zeit, selber Ort. Bis dahin habe ich Informationen über Sie eingeholt", sagte der Omega, und es klang nach einer Drohung. Leonard ließ sich davon nicht beeindrucken. „Dann ist es ein Date", meinte er nur.
Der Omega erhob sich und verschwand aus der Bar. Leonard seufzte. Heute sprang einfach niemand auf seine Verführungskünste an, wie es schien.
Nun, egal, jetzt musste er Thawne nur noch wissen lassen, dass er Barry Allen gefunden hatte und was dieser so trieb, und mit dem Alpha absprechen, wie er weiter vorgehen sollte. Und Thawnes ewige Dankbarkeit brachte ihn den Speer des Schicksals hoffentlich einen Schritt näher. Und darauf trank er, alleine aber mit einem Ziel vor Augen.
Fin.
A/N: Euch sind inzwischen vermutlich ein paar Dinge aufgefallen: Erstens, dass diese One-Shots nicht unbedingt chronologisch geordnet sind, zweitens, dass sie aber trotzdem irgendwie zusammenhängen, und drittens, dass die meisten eine Fortsetzung versprechen. So auch dieser hier.
Zunächst geht es aber mal zurück zu Mick und Ray.
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