6. Lösung


Zusätzliche Warnings: Brutaler graphischer Character Death


Jede Nacht, wenn sie die Augen schloss, sah sie ihr brennendes Dorf vor sich. Sah den grausamen Tod ihrer Freunde und ihrer Familie und ihre eigene Unfähigkeit etwas dagegen zu tun. Wie sie von den Fesseln zurückgehalten wurde, das Paralyse-Gift durch ihre Adern fließen fühlte und nichts unternehmen konnte um ihre Heimat zu retten. Es war furchtbar.

Sie hätte ebenfalls sterben sollen. Das wusste sie tief im Herzen. Doch Damien und seine Leute waren aufgetaucht um sie zu retten. Wenn sie nicht gekommen wären, nun dann wäre sie jetzt tatsächlich ebenfalls tot. Manchmal war sie ihm für seine Rettung nicht wirklich dankbar, manchmal wünschte sie sich, dass er niemals aufgetaucht wäre und sie hätte sterben lassen. Es wäre besser gewesen zu sterben als mit dieser Erinnerung zu leben.

Doch als Totemträgerin schätze Amaya das Leben, und Selbstmord kam für sie nicht in Frage. Sie musste irgendwie lernen mit dem zu leben, was ihr zugestoßen war.

Damien hatte ihr vorgeschlagen von ihrem Hass zu leben. „Als man mich aus der Liga der Assassinen verbannt hat, habe ich mich daran festgehalten und dadurch meinen Frieden gefunden – mein Hass hat mir zur Unsterblichkeit verholfen", erklärte Damien, „Und zu meiner Magie. Auch dir kann er zu einem neuen Leben verhelfen, wenn du es nur zulässt."

„Ich bin mir nicht sicher, ob das für mich eine Option ist", hatte Amaya zugeben, „Alles rund um mich herum wird mich immer an das erinnern, was ich verloren habe."

„Nun vielleicht hätte ich in diesem Fall eine Lösung für dich", schlug Damien vor, „Eine radikale Lösung um genau zu sein." Und dann hatte er ihr erzählt, dass er ein Zeitreisender war und ihr angeboten sie mit in die Zukunft zu nehmen. Angeblich war er an ihrem Totem interessiert gewesen, hatte aber erfahren, dass es bei der Zerstörung ihres Dorfes 1942 verloren gegangen war und deswegen beschlossen via Zeitreise einen Blick darauf zu werfen, und er war genau rechtzeitig angekommen um zumindest sie zu retten.

„Veränderungen in der Zeitlinie vorzunehmen ist verboten, auch weil man nie weiß, was es für Auswirkungen haben wird, doch ich wollte dein Dorf trotzdem retten. Leider wurde ich bei dem Erwerb eines Transportmittels von betrügerischen Händlern länger aufgehalten als geplant, und da ich keine genauen Daten über die Zerstörung deiner Heimat hatte, bin ich zu spät gekommen. Noch einmal an die gleiche Stelle der Zeitlinie zurückzureisen hätte katastrophale Auswirkungen. Es tut mir leid. Aber wenn ich dich mitnehme, dann sind du und dein Totem aus Geschichtsschreibung verschwunden, und somit hätte ich nach wie vor einen Grund herzukommen und dich zu retten", meinte Damien.

Amaya verstand von dieser Zeitreisegeschichte nicht besonders viel. Das alles klang ihr zu kompliziert, und sie wusste nicht, ob sie Damien tatsächlich glaubte. Trotzdem begleitete sie ihn, da sie nicht wusste, wo sie sonst hinsollte. In der Stadt, in die er sein Auto zurückbrachte, verlor sie dann die Kontrolle und tötete die Händler, die dafür die Verantwortung trugen, dass Damien zu spät gekommen war.

Es war das erste Mal, dass sie ihr Totem benutzte um Zerstörung statt Frieden zu bringen, und es fühlte sich seltsam an. Nicht unbedingt schlecht, aber auch nicht gerade gut. Einfach nur merkwürdig.

Sie folgte dem Zauberer in die Zukunft und begann dort als seine Vollstreckerin zu arbeiten und blickte nie mehr zurück. Zumindest nicht, wenn sie wach war. Ihre Nächte waren eine andere Geschichte, sie besaß keine Macht über ihre Träume.

Die Jagd bot ihr eine willkommene Abwechslung. In Wahrheit wäre es ihr lieber gewesen, wenn sie alleine jagen könnte, doch sie hatte Partnerinnen. Beides waren tödliche Alphas, so wie sie selbst und Damien, und es waren Frauen, die von Damien aufgezogen waren worden, also waren auch sie Damien etwas schuldig.

Trotzdem hatten sie so gut wie nichts mit Amaya gemeinsam. Sie stammten aus dieser seltsamen Zeit, waren in ihre Technologien und absonderliche Denkweisen hineingeboren worden. Die Hälfte von dem, was sie von sich gaben, verstand Amaya nicht. Aber sie bewunderte deren Kampffertigkeiten.

Laurel war ihre Anführerin, und Amaya ordnete sich ihr bereitwillig unter. Sie hatte noch nie Probleme damit gehabt sich anderen unterzuordnen, und Laurel war eine gute Anführerin. Das wurde ihr spätestens klar, als sie diesen ehemaligen Soldaten-Alpha jagten und töteten, der sich gegen Damien stellte. Laurel führte die Jagd an und führte sie zum Sieg. Der Mann hatte einen seltsamen Helm getragen und mit einer Pistole um sich geschossen, und Amaya hatte sich nur am Rande gefragt, wer er war. Er bedrohte ihren Retter, also musste er weg. Seine Hautfarbe und sein Geschlecht mochte er mit Amaya teilen, doch deswegen hatten sie noch lange nichts gemeinsam. Da hatte sie schon mehr mit Laurel gemeinsam.

Nein, Laurel war kein Problem. Das Problem war Sara.

Der jüngere Alpha war irgendwie seltsam. Sie war eine gute Kämpferin, das stimmte, aber ihr Verhalten erschien Amaya noch befremdlicher als das aller anderen in dieser Zeit. Vielleicht lag es aber auch an ihr. Vielleicht verhielt sich Sara nur ihr gegenüber seltsam. Als sie Laurel einmal darauf angesprochen hatte, hatte diese so etwas Ähnliches angedeutet. Aber was ist an mir so besonders?, wunderte sie sich.

Auf diese Frage erhielt sie keine Antwort. Sara schien oft die Konfrontation mit ihr zu suchen, aber nur mit ihr. Andere Alphas schien sie zu tolerieren, doch Amaya schien sie andauernd herausfordern zu müssen, und sie schien aus allem einen Wettbewerb machen zu wollen, aus der Jagd, aus dem Essen, sogar daraus, wer früher zur Arbeit auftauchte und wer besser angezogen war.

Überhaupt schien Sara ständig beweisen zu wollen, wie gut sie in allem war. Immer, wenn sie etwas tat, warf sie Amaya einen auffordernden Blick zu, als würde sie von dieser Lob erwarten. Amaya hatte keine Ahnung, wie sie auf dieses Verhalten reagieren sollte.

„Entweder du hoffst, dass es von selbst vorbeigeht, oder du nützt es aus", meinte Laurel dazu, „Sara hat öfter solche Phasen, irgendwann geht es vorbei. Wenn du vorher noch deinen Spaß haben willst, dann ist das natürlich deine Sache, aber ich erwarte, dass ihr beide deswegen trotzdem einsatzfähig bleibt."

Amaya hatte keine Ahnung, was sie damit meinte. Manchmal wünschte sie sich ein Wörterbuch für die moderne Sprache. Es gab so viele Nuancen und versteckte Bedeutungen, von denen sie nichts wusste.

Und dann kam der Einsatz, bei dem Laurel ausfiel, weil sie sich die Grippe eingefangen hatte. Also mussten Amaya und Sara alleine losziehen. Ihr Zielobjekt war ein Beta mit seltsamen Kräften. Er schien Lumpen zu besitzen, die ihm seine Fähigkeiten verliehen. Vermutlich steckte Magie dahinter. Mit Magie konnte Amaya umgehen. Trotzdem wäre ihr wohler gewesen, wenn Laurel dabei gewesen wäre.

Es gelang ihnen mittels moderner Technik einen Weg zu finden den Lumpenkerl aufzuspüren. Er schien eine Art Signatur zu hinterlassen – eine radioaktive Signatur. Dieses Wissen machte Amaya wütend. Wenn er radioaktiv war, dann gefährdete er seine Mitmenschen. Warum also benutzte er diese Lumpen? Nur um Damien eins auszuwischen?

Es gelang ihr und Sara das Zielobjekt in die Enge zu treiben. Es war nur ein Beta, und er hatte Angst. Sie konnten seine Angst riechen. „Wir haben deinen Alpha-Freund getötet, wir werden auch dich töten", verkündete Sara, „Deine magischen Lumpen werden dich nicht retten."

Amaya aktivierte ihr Totem und griff auf das Ashai eines Gepard zu – der schnellste und tödlichste Jäger, den sie kannte, würde auch mit diesem Beta fertig werden. Sie jagten den Fliehenden in eine Sackgasse und hielt ihn knurrend in Schach, bis er versuchte sich zu wehren, und sie einen seiner Lumpen, den er ihr wie eine Peitsche entgegenschleuderte, packte und festhielt. Dann tauchte Sara auf.

„Ich habe es dir ja versprochen", meinte sie und stürzte sich auf den Mann, den Amaya festhielt. Amaya tat es ihr gleich. Sie benutzten keine Waffen, sondern nur ihr Hände, Füße, und Zähne, doch sie ließen ihn nicht entkommen, sie hielten ihn fest und zerrissen ihn als wären sie beide tatsächlich Raubkatzen und er ihre Beute.

Er hatte keine Chance. Von den Lumpen blieben nur Fetzen über, von ihren Besitzer nichts mehr, was man wieder zusammenflicken konnte.

Wir waren wie Tiere, dachte Amaya schockiert. Sie wischte sich das Blut von den Mundwinkeln. Sara tropfte ebenfalls Blut aus dem Mund, und sie warf Amaya einen funkelnden abwartenden Blick zu – fast so als wäre Amaya ihr nächstes Opfer.

„Das war anders", stellte Sara fest, „Laurel wäre nicht begeistert. Sie hätte das niemals zugelassen. Viel zu unsauber. Aber ich fand es befreiend, das wilde Tier in mir einmal loszulassen anstatt es immer einzusperren. Ist es immer so für dich?"

Amaya nickte wortlos.

Sara trat dich vor sie, und Amaya wich ein wenig zurück und ging in Verteidigungsstellung. Wenn Sara sie angreifen würde, dann würde sie es ihr nicht leicht machen.

„Töten macht mich immer geil", meinte Sara, „Wie steht es mit dir? Hast du es überhaupt schon mal mit einer anderen Frau gemacht? Oder einem anderen Alpha, was das angeht?"

Schon wieder Worte, die Amaya nicht verstand. Geil. Gemacht. Was gemacht? Ihre Unsicherheit schien sich auf ihrer Miene widerzuspielen.

„Sex, Amaya. Hattest du schon mal Geschlechtsverkehr mit einem anderen weiblichen Alpha?", wollte Sara wissen.

Amaya schüttete ihren Kopf. Sara trat noch einen Schritt näher und war ihr nun nahe genug um sie ihren Atem auf ihren Gesicht spüren zu lassen. „Willst du es einmal ausprobieren?", fuhr sie fort. Amaya fühlte eine Adrenalinspitze durch ihren Körper fließen und stellte fest, dass sie feucht wurde.

Und dann fielen sie wieder übereinander her, als wären sie Tiere. Mitten in dieser Gasse über den Überresten ihrer Beute paarten sie sich - wenn man das so nennen konnte- und danach waren sie beide nackt, schweißüberströmt, und erschöpft. Und in dieser Nacht schlief Amaya traumlos, da sie zu müde für Alpträume war.

Als Laurel am nächsten Tag wissen wollte, ob irgendetwas Ungewöhnliches vorgefallen war, sagten sie beide nein. Am Ende des Arbeitstages, der hauptsächlich daraus bestand Damien Bericht zu erstatten und die Lumpen- und anderen Überreste endgültig zu entsorgen, fragte Sara sie, ob sie mit auf einen Drink kommen wollte. Obwohl Amaya keinen Alkohol trank, sagte sie zu.

Immerhin, so redete sie sich ein, war alles, was ihr dabei half keine Alpträume mehr zu haben, zu begrüßen. Und Sara schien ein gutes Mittel gegen ihre Alpträume zu sein. Und mehr musste da auch nicht dahinter stecken, und selbst wenn doch, wen kümmerte es?

Als ihr Dorf vernichtet worden war, war auch Amaya Jiwe gestorben. Wer oder was auch immer sie jetzt war, dieses Wesen würde alles tun, was nötig war, um sich selbst glücklich zu machen anstatt wie zuvor vor allem für andere zu leben.


Fin.


A/N: Wow, das wurde etwas … kranker als eigentlich geplant. Armer Rory, dabei mag ich eigentlich. Sorry.

Nächstes Mal zurück zu Rip.

Reviews?