7. Die Wahrheit


Zusätzliche Pairings: Malcolm/Rebecca und ein wenig Malcolm/Rip


Als Malcolm der Geruch entgegenschlug, konnte er nicht anders als zu denken: „Nicht auch das noch." Das war vielleicht ein unfairer Gedanke, aber in den letzten Monaten war er zu dem naheliegenden Schluss gekommen, dass Rip Hunter die Schuld an all seinen Problemen trug.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Mit dem Speer des Schicksals hatte Malcolm alles zurückbekommen, was er verloren hatte: seine Frau, seinen Sohn, die Liebe seiner Tochter, die Liga der Assassinen, Olivers Bewunderung und Vertrauen, seine Firma, sein Geld, und seinen Ruhm. Er war nicht mehr auf der Flucht, war wieder Ras al Gul, und Nyssa war für ihre Ketzerei die Liga einfach so aufzulösen bestraft worden, indem sie nun in einem heruntergekommenen Appartement im mittleren Westen der USA leben musste, ohne Liga, ohne Familie, ohne Freunde.

Natürlich wusste Nyssa nicht, wofür sie eigentlich bestraft wurde, was der ganzen Maßnahme irgendwie ihren Biss nahm, aber zumindest ging es ihr miserabel. Und darum ging es bei dieser ganzen Strafe letztlich doch.

Malcolms Familie lebte in dieser neuen Realität sogar unter einem Dach, es gab keine Moira, die versuchte seine Tochter von ihm fernzuhalten, keinen Robert, der ihn ständig enttäuschte – nein es gab nur Malcolm und Rebecca und die Kinder. So wie es sein sollte.

Das bedeutete, dass Malcolm eigentlich das perfekte Leben führen sollte, allerdings hatte er nicht bedacht, welche Auswirkungen Rip Hunter auf sein Familienleben haben würde.

Nachdem die anderen Malcolms ursprünglichen Vorschlag die Legends einfach umzubringen abgelehnt hatten, hatten Damien und Eobard eigentlich vorgehabt Rip Hunter einfach in seinem Schiff einzusperren und ihn auf unbestimmte Zeit dort zu lassen.

Eobard bezeichnete sich war als Prime Alpha, was eine überlegende Alpha-Art zu sein schien, doch Malcolm hatte den Verdacht, dass er diese Geschlechterbezeichnung nur erfunden hatte, und Damien war zwar ein Alpha, aber er hatte auch kein Problem damit gehabt Hunter zu foltern, als dieser noch gedacht hatte er sei ein Filmstudent namens Phil Gasmer. Beiden war auf jeden Fall gemein, dass sie gewisse unterentwickelte Alpha-Instinkte zu haben schienen. Und dabei warfen sie Malcolm immer vor, dass er „kein richtiger Alpha" wäre.

Malcolm war jedoch ein richtiger Alpha, er war es nicht immer gewesen, und man konnte ihm viel vorwerfen, aber er war niemand der Omegas grundlos quälte. Hunter alleine einzusperren würde ihn umbringen. Omegas waren nicht dazu geschaffen in Einsamkeit zu leben.

Also bot er san sich um Hunter zu kümmern. Die anderen hatten sich immerhin auch Legends-Mitglieder als Spielzeuge zugelegt. Doch als ehemaliger Time Master war Hunter ein Risiko – keiner wusste, ob ihn der Speer überhaupt beeinflussen konnte, und wenn ja wie weit. Also nützten sie ihn nur um die Existenz der Legends aus seinem Gedächtnis zu löschen, damit er das Gefühl hatte vollkommen alleine zu sein.

Alles weitere war einfach: Malcolm würde Rips Wächter sein, ihn persönlich gefangen halten und überwachen und daran hindern den Plänen von ihm selbst und seinen Verbündeten in die Quere zu kommen. Es hörte sich einfach an, bis Malcolm klar wurde, dass er seiner Familie irgendeine Erklärung für den fremden Omega, den er mit nach Hause brachte, liefern musste.

Natürlich hätte er die Wahrheit sagen können, doch er konnte sich lebhaft Rebeccas Reaktion vorstellen. Und auch die der Kinder. Rebecca war immer eine Omega-Rechtlerin gewesen (und auch eine Alpha-Rechtlerin), wenn sie erfuhr, dass Malcolm einen Omega gegen seinen Willen gefangen hielt, würde sie ihn vermutlich verlassen. Thea wäre als Alpha angewidert und wütend auf Malcolm. Und Tommy und Oliver würden ihn mit ganz anderen Augen sehen und vielleicht damit beginnen einen näheren Blick auf seine Geschäfte und seine Vergangenheit in dieser speziellen Zeitlinie zu werfen, und dabei könnten sie Dinge entdecken, die Malcolm vor ihnen verbergen wollte.

Also sagte er niemanden, dass der Omega sein Gefangener war, sondern ließ sie ihre eigenen Schlüsse ziehen, und hoffte auf ihre Vergebung. Polygamie war nicht ungewöhnlich, viele besaßen mehrere Partner. Natürlich wurde ein dritter Partner in einer Triaden-Beziehung normalerweise von beiden Partnern ausgewählt, aber es gab auch die anderen Beziehungen, in denen nicht alle Partner mit allen zusammen waren.

Malcolm hätte wirklich erwartet, dass seine Familie Verständnis zeigen würde. Er hatte nicht erwartet, dass Rebecca so verletzt sein würde. Und dass Tommy ihm das alles deswegen so übel nehmen würde. Und dass Thea so bösartig auf das alles reagieren würde.

„Das kommt so total aus dem Nichts. Und ich habe wirklich versucht stark zu sein und verständnisvoll, aber … ich kann nicht anders als mich zu fragen, warum ich dir nicht genug war!", schluchzte Rebecca, nachdem sie von dem ersten gemeinsamen Abendessen davon gestürmt war und sich in ihrem gemeinsames Schlafzimmer eingeschlossen hatte. Es hatte Malcolm viel Überzeugungsarbeit gekostet sie dazu zu bringen ihn überhaupt hineinzulassen und mit ihm zu reden. „Jedes Mal, wenn ich ihn ansehe, dann … wird mir klar, dass ich dich nicht befriedigen konnte. Dass ich alt werde."

„Nein, nein, das hat mit deinem Alter gar nichts zu tun", versicherte ihr Malcolm schnell, „Er ist nicht einmal mein Liebhaber Rebecca. Es ist nur …" Wie sollte er ihr das nur erklären, ohne sich zu verraten? „Alphas und Omegas brauchen einander, und Rip hat seine Familie verloren, und auch ich hatte das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Es ist ein Business-Arrangement, mehr nicht. Eine platonische Alpha-Omega-Beziehung, die uns daran hindert uns anderweitig nach Sex umzusehen, weil wir das nicht wollen."

Das klang natürlich unglaubwürdig. Obwohl es solche Fälle gab. Oder zumindest in der alten Realität gegeben hatte. Besonders in der Transcommunity. Alphas und Omegas konnten natürlich auch mit Betas glücklich werden oder mit Angehörigen des eigenen Geschlechts, aber es gab gewisse biologische Grundbedürfnisse in ihnen, die nur das jeweilige andere Geschlecht erfüllen konnte. Deswegen war es in Mode gekommen, dass verheiratete Alphas in mittleren Jahren sich nach einem platonischen Omega-Partner umsahen und umgekehrt. In diesen Partnerschaften gab es so gut wie keinen oder gar keinen Sex, gerade mal oder eben nicht einmal während Hitze- und Brunftperoiden, stattdessen leisteten die beiden Partner einander nur Gesellschaft und verhinderten, so dass ihren Ehen mit ihren Beta-Partner in die Brüche gingen.

„Ich habe immer befürchtet, dass dieser Tag kommen würde. Seit ich im Krankenhaus aufgewacht bin und gerochen habe, was mit dir los ist", weinte Rebecca, „Und ich habe mir immer geschworen, dass ich stark sein würde. Dass ich dich gehen lassen würde, wenn die Zeit gekommen ist. Aber ich kann dich einfach nicht verlieren!"

„Du wirst mich nicht verlieren", versicherte Malcolm ihr, „Er ist nicht mein Liebhaber, Rebecca. Er ist nur mein Omega."

„Das sagen sie am Anfang immer. Aber nie bleibt es dabei!", meinte seine Frau bitter, „Ich hasse es nur ein Beta zu sein und dir nicht geben zu können, was du brauchst."

Malcolm schüttelte nur hilflos den Kopf, und von da an ging es bergab mit seiner Ehe. Und auch mit der Beziehung zu seinen Kindern. Tommy und Thea schienen ihm nicht zu glauben, dass er keinen Sex mit Rip hatte, egal was ihnen ihre Nasen sagten, und blieben weiterhin feinselig sowohl ihm als auch dem Omega gegenüber. Und selbst Olivers Augen zeigten Zweifel, auch wenn er diesen nie aussprach.

Deswegen brauchte Malcolm noch einmal den Speer. Er musste seine bröckelnde Ehe wieder in Ordnung bringen. Ihm war zwar nicht ganz klar, wie er das anstellen sollte, aber es musste irgendwie möglich sein. Es musste irgendetwas geben, das Rebecca Selbstvertrauen verleihen würde.

Doch Eobard weigerte sich den Speer noch einmal zu benutzen, und in der Zwischenzeit wurde Rebecca immer distanzierter und trauriger, woran ihm Tommy wiederum die Schuld gab, während Thea nur trockenen Spott für ihn und seinen Omega übrig zu haben schien.

Und dann bekam Rip auch noch seine erste Hitze. Obwohl er die meiste Zeit in seinem Zimmer verbrachte, schien das ganze Haus danach zu stinken. Oliver und Tommy setzten sich mit Grimassen an diesen Wochenende nach Starling ab, und Rebecca verkündete, sie würde ihre Mutter besuchen und war dann auch schon weg.

Thea grinste ihn beim Frühstück nur hämisch an. „Willst du, dass ich auch noch verschwinde, damit du endlich freie Bahn hast?", wollte sie wissen.

„Ich habe ihm ein Zimmer gegeben, in dem er sich selbst einsperren kann, wenn so was passiert", entgegnete Malcolm.

„Oh, bitte, willst du es immer nur leugnen? Ich weiß nicht, was du erwartet hast, also du ihn hierher gebracht hast. Dass wir deine Geschichte mit einem platonischen Omega-Partner wirklich glauben? Jeder weiß, dass Alphas von Omegas nur eine Sache wollen. Vor allem, wenn sie sie mit nach Hause bringen", meinte Thea herablassend.

„Ich habe erwartet, dass ihr euch erwachsen verhaltet", knurrte Malcolm.

„Erwachsen. Tja, dann werde ich dir beweisen, wie erwachsen ich sein kann und den Rest des Tages bei Stacy zu Hause verbringen", meinte seine Tochter, „Viel Spaß auch."

Malcolm knurrte warnend, aber sie ließ sich davon nicht beeindrucken und ignorierte ihn den Rest des Frühstücks über, bevor sie wirklich wegfuhr und ihn alleine mit dem Personal und dem nach Hitze stinkenden Omega im Haus zurückließ.

Vielleicht sollte ich einfach mit ihm schlafen. Wenn sowieso alle denken, dass ich das tue, was für einen Unterschied macht es dann, ob ich es tue oder nicht?, fragte er sich frustriert, Ich quäle mich hier, und keiner scheint es zu schätzen zu wissen.

Wütend machte er sich auf den Weg zu Rips Zimmer. Der Omega war nicht zum Frühstück erschienen, was für einen Omega, der unter Hitze litt, immer ein guter Ratschlag war, wenn er mit Alphas frühstücken sollte. Er war in seinem Zimmer und lag vollkommen bekleidet aber doch zitternd auf seinem Bett.

„Eigentlich solltest du dich einsperren", meinte Malcolm statt einer Begrüßung.

Rip hob müden den Kopf und musterte ihn. „Ich war nicht sicher, ob das gerne gesehen wäre", erwiderte er.

Malcolm seufzte. Warum nur gingen alle davon aus, dass man als Alpha automatisch mit jedem Omega, den man traf, schlafen wollte?

„Hätte ich dich einfach alleine auf der Waverider lassen sollen?", wollte er müde wissen.

„Zumindest wüsste ich dann, was mich erwartet", gab Rip zurück.

Malcolm seufzte und nahm neben Rip auf dem Bett Platz und fuhr diesem nachdenklich durchs Haar. „Du musst raus aus diesen Klamotten und dann ein kaltes Bad nehmen", beschloss er, „Außerdem musst du hier dringend lüften, es ist ja kaum auszuhalten hier drinnen. Wie verbringst du eigentlich sonst deine Hitzen?"

„Gar nicht. Unterdrücker", murmelte Rip.

Malcolm nickte nachdenklich. „Die sind in dieser schönen neuen Welt nicht so leicht zu kriegen, aber ich werde welche für in zwei Monaten besorgen", bot er an, „Und dieses Mal … Ein Vater sollte so was zwar nie zu Gesicht bekommen, aber ich werde Theas Zimmer durchsuchen nach … Sex-Spielzeug."

Malcolm versuchte nicht daran zu denken, was Thea mit den Gegenständen, die er bei ihr finden würde, wohl machte. Und er wollte auch nicht daran denken, was Rip mit ihnen machen würde. Das war alles einfach … falsch und ekelig.

Rip schien ihn ungläubig anzustarren. „Was?", wollte Malcolm wissen, „Wie oft muss ich denn noch sagen, dass ich mich nicht an dir vergehen werde, bis du es auch glaubst?"

Rip zuckte die Schultern, und Malcolm seufzte. Das würde ein langes Wochenende werden. Und sobald es vorbei war, würde er sofort losgehen und Unterdrücker besorgen. Ein weiteres Mal wollte er das nicht durchstehen müssen. Danken würde ihm alle seine Mühe niemand. Nicht einmal Rip, aber die schlichte Wahrheit war: Auch wenn alle dachten, er würde etwas tun, machte es doch einen Unterschied, ob er es tatsächlich tat oder nicht, da er derjenige war, der wissen würde, was die Wahrheit war. Und letztlich kam es nur darauf an.

„Nun dann, zieh dich aus und wasch dich, während ich in Theas Zimmer gehe", meinte er noch und machte sich dann an die Arbeit.


Fin.


A/N: Ich fürchte, ich bin einer dieser Menschen, die Malcolm Merlyn viel mehr mögen als sie eigentlich sollten.

Nächstes Mal: Mehr von diesem geheimnisvollen Barry Allen.

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