8. Vertrauen aufbauen


Zusätzliche Pairings: Coldflash, Erw. von Eobard/Barry, Westallen, und Iris/Eddie


Als Iris ihm gesagt hatte, dass Leonard Snart nach ihm suchte, und zwar nicht irgendein Leonard Snart, sondern der Leonard Snart, war Barrys erste Reaktion Misstrauen gewesen. Was konnte der scheinbar mächtigste Mann von Central City schon von ihm wollen? Diese ganze Geschichte mit seiner Schwester klang doch ein bisschen zu passend um glaubwürdig zu sein.

Und im Endeffekt lief es einfach auf Folgendes hinaus: Barry traute anderen Menschen nicht. Nicht mehr. Er war sein Leben lang ein fröhlicher Mensch geblieben, selbst als sein Vater für den Mord an seiner Mutter eingesperrt worden war, einen Mord, von dem Barry wusste, dass er ihn nicht begangen hatte. Seit jener Nacht hatte er sich zum Ziel gesetzt seine Unschuld zu beweisen, und egal wie unwahrscheinlich die Aussicht auf Erfolg gewesen war, er hatte dieses Ziel niemals aufgegeben.

Bis es endlich soweit gewesen war, dass er die Unschuld seines Vater beweisen konnte. Dachte er zumindest. Aber in Wahrheit kam alles anders.

Alles begann mit der Nacht, als Barry vom Blitz getroffen wurde. Er fiel ins Koma, und als er neun Monate später wieder erwachte, stellte er fest, dass er Superkräfte besaß. Er war schneller als alle anderen. Wirklich schnell. Er konnte die Schallmauer durchbrechen, sogar durch die Zeit reisen und durch die Dimensionen. In den ersten Wochen und Monaten waren Dr. Thawne und seine Mitarbeiter eine große Hilfe für ihn, wenn es darum ging seine Kräfte zu entdecken.

Doch Barry beschäftigte die Frage, woher seine Kräfte gekommen waren, umso mehr, wenn man bedachte, dass er nicht der Einzige zu sein schien, der in Central City auf einmal Superkräfte besaß. Er war vom Blitz getroffen worden, ja, aber was war mit den anderen?

Als Caitlin die dunkle Materie in seinen Zellen nachwies, wurde er misstrauisch. Und er war nicht der Einzige. Irgendetwas war geschehen, etwas Großes, das vertuscht worden war. Und es war schmerzhaft festzustellen, von wem es vertuscht worden war. Es war schmerzhaft die Wahrheit über Dr. Thawne und seine Machenschaften herauszufinden.

Noch mehr als der gute Doctor ihn dann eines Tages das Wesen präsentierte, das laut ihm Barrys Mutter getötet hatte. Einen anderen Speedster wie Barry, aber auch ein Monster, ein Monster, das schwarz trug und schwarze Haut hatte (oder bestand es nur aus Knochen?), und das Dr. Thawne gefangen nahm und in einem Käfig hielt. Offiziell um es zu studieren, aber Barry kam es eigentlich so vor, als würde Dr. Thawne es eher verspotten.

Nein, Barry wusste, was er in jener Nacht gesehen hatte, es war kein Monster gewesen, das seine Mutter getötet hatte, es war ein Mann gewesen, ein Mann in Gelb. Ein Speedster wie Barry, ja, aber nicht dieses Monster.

Als Barry die Wahrheit klar wurde, tauchte er unter. Sein Vater war endlich frei, aber er konnte es sich nicht leisten ihn oder die Wests zu gefährden, daher brach er so gut wie jeden Kontakt ab. Zu den meisten von ihnen jedenfalls. Iris war etwas schwieriger loszuwerden.

Barry tauchte unter, nutzte all die Kontakte, die er in den letzten Jahren aufgebaut hatte, um nicht gefunden werden zu können und tat sein Bestes um Dr. Thawnes böse Pläne zu durchkreuzen, wo immer er konnte. Aber ungesehen. Cisco, Caitlin, Ronnie – er wusste nicht, ob er ihnen noch trauen konnte, ob es nicht ein Fehler gewesen war ihnen jemals zu trauen. Sie mussten doch einfach mit Thawne unter einer Decke stecken, oder etwa nicht? Selbst wenn sie unschuldig wären, es würde ein unnötiges Risiko bedeuten mit ihnen in Kontakt zu treten, also mied er sie und ließ sie bei seinen Plänen außen vor.

Er wusste, dass er keinem trauen konnte. Oder fast keinem. Und was die wenigen anging, denen er trauen konnte, nun die musste er um jeden Preis schützen. Deswegen wusste er auch, dass Leonard Snart Ärger bedeutete und mit Sicherheit nicht die Wahrheit sagte. Was immer er von Barry wollte, es war nicht das, was er vorgab.

Nach ihren ersten Treffen stellte Barry ein paar Nachforschungen an, die das bestätigten. Snart war öfter in StarLabs zu Gast. Hatte Dr. Thawne ihn vielleicht sogar auf ihn angesetzt?

Ein kluger Mann würde sich kein weiteres Mal mit ihm treffen, aber Barry wusste mit Sicherheit, dass Snart eine einmalige Chance für ihn darstellte. Ein Insider von seiner Größenordnung würde ihm nicht noch einmal ins Netz gehen. Es bot sich ihm die einmalige Chance einen Blick in Dr. Thawne Inneren Kreis zu werfen, eine Chance, die er nicht ungenützt lassen konnte, wenn er Leben retten wollte.

Er glaubte nicht, dass er seine Fähigkeiten überschätzte. Er redete sich selbst ein, dass er wusste, was er tat. Immerhin war ihm nicht entgangen wie Snart auf ihn reagiert hatte. Zwar war Snart dafür bekannt mit allen zu flirten, die er traf, aber Barrys Nase hatte ihm verraten, dass der Beta nicht nur mit ihm gespielt hatte, er war wirklich an Barry interessiert gewesen. Das konnte er ausnützen. Natürlich war es riskant. Immerhin war Snart kein Alpha, er war ein Beta, was bedeutete, dass er nicht mit seinem Schwanz dachte, sondern mit seinem Hirn, aber Barry rechnete sich trotzdem gute Chancen auf Erfolg aus.

Also traf er sich erneut mit Snart, obwohl Iris ihn dringend davon abriet.

„Ich war nicht sicher, ob du kommen würdest", meinte Snart, als Barry neben ihm im Saints and Sinners auf den Barhocker glitt.

„Ich wäre auch fast nicht gekommen", erwiderte Barry, „Meine Nachforschungen deuten nicht gerade darauf hin, dass Sie ein vertrauenswürdiger Mensch sind, Leonard Snart. Aber die Geschichte über Ihre Schwester hat mich berührt. Ich will ihr helfen, auch wenn ich Ihnen nicht traue."

Snart musterte ihn von Oben bis Unten als würde er einschätzen wollen, ob Barry das, was er sagte, auch wirklich ehrlich meinte. „Und ich vertraue dir nicht", meinte er, „Ich weiß praktisch nichts über dich, abgesehen von den Diensten, die du angeblich anbietest. Aber dann hat niemand jemals diejenigen, die du vorgibst gerettet zu haben, jemals wiedergesehen, also…." Er zuckte vielsagend die Schultern. „Und warst du nicht einst ein heimlicher Projekt von Eobard Thawne?"

Barry zog eine ungläubige Miene. „Gehen Sie nicht ständig in StarLabs aus und ein? Und ich bin derjenige von uns beiden, der mit Thawne zusammenarbeiten soll?!", entgegnete er und erhob sich langsam und gab vor gehen zu wollen.

Snarts Hand schoss hervor und umklammerte seinen Ellenbogen. „Bitte. Geh noch nicht", meinte er, „Wir trauen also einander nicht. Das ist verständlich. Lass uns darüber reden. Ungestört." Er blickte sich vielsagend um. Das Saints and Sinners war gesteckt voll, und sie waren umgeben von zwielichtigen Gestalten, von denen wer weiß wie viele Snart bereits erkannt hatten, nachdem seine einzige Verkleidung aus Kapuzenpulli und Sonnenbrille bestand.

Natürlich wäre es verrückt mit ihm auch nur irgendwohin zu gehen, wo sie nicht mehr von vielen Fremden umgeben waren. Soweit Barry wusste, müssten sie nur die Bar verlassen, und er würde schon von Thawnes Leuten geschnappt und verschleppt werden.

Aber wenn er Snart aushorchen und eventuell verführen wollte, dann konnte er das nicht hier tun. „Gegen etwas Geld bekommt man hier sein eigenes Hinterzimmer", informierte Barry den Beta.

„Verstehe", meinte dieser, „Nun Geld habe ich genug, nicht wahr? Was für einen Drink soll ich den Herrn Omega denn ausgeben, wenn ich schon dabei bin zu bezahlen?"

„Bring Whiskey mit", meinte Barry.

Das Hinterzimmer war mehr eine kleine Abstellkammer mit einem Tisch für zwei darin. Zumindest waren sie hier ungestört. Snart stellte eine Whiskeyflasche und zwei Gläser auf den Tisch und deutete Barry Platz zu nehmen. „Also", wollte er dann wissen, nachdem Barry Platz genommen hatte, und sie angestoßen hatten, „Vor einigen Monaten bist du untergetaucht. Warum?"

„Das ist doch wohl meine Sache", meinte Barry und leerte sein Glas in einem Zug. Snart wusste vermutlich nicht, dass Alkohol keine Wirkung auf Barry hatte. Wenn er Barry also betrunken machen wollte um so Informationen aus ihn herauszulocken, dann würde sein Plan scheitern.

„Du bist ein zäher Verhandlungspartner", gestand ihm der Beta zu, „Siehst du, wie soll ich Vertrauen zu dir aufbauen und mich dazu bereit erklären dir meine Schwester anzuvertrauen, wenn du mir nichts über dich erzählst?"

„Du erzählst mir doch auch nichts über dich", gab Barry zurück.

„Ich bin ein offenes Buch. Jeder weiß alles über mich", behauptete Snart, „Es gibt eine ganze Dokumentationsreihe über meinen Aufstieg."

„Propaganda", erwiderte Barry abwertend, „die verabsäumt hat die richtigen Fragen zu stellen."

„Fragen wie…?"

„Was hast du mit Eobard Thawne zu schaffen?"

„Wir sind Geschäftspartner. Das war eine Antwort für dich, wie wär's, wenn ich jetzt eine von dir bekomme? Was sind deine Meta-Kräfte?", wollte Snart wissen.

Meta- nicht Super, fiel Barry auf, Das ist das gleiche Vokabular, das Dr. Thawne und seine Mitarbeiter benutzen. Aber wenn Thawne Snart geschickt hatte, warum fragte er ihn dann nach seinen Kräften? Oder tut er das nur um Barry glauben zu lassen, er würde nicht mit Thawne zusammenarbeiten? „Ich bin schnell", erklärte Barry.

„Wie schnell?", wollte Snart wissen und beugte sich mit einem seltsamen Glitzern in seinen Augen in die Richtung von Barrys Seite des Tisches nach Vorne. Barry beugte sich ebenfalls in seine Richtung vor. „Schneller als du dir vorstellen kannst", erklärte er.

„Worüber hast du dich mit deinem Pflegevater gestritten?", wollte Snart wissen.

Barry schenkte ihnen beiden noch ein Glas Whiskey ein. „Er war mit meinen Entscheidungen nicht einverstanden", meinte er, „Ich bin wieder dran. Wieso überfällst du immer wieder deine eigenen Banken? Doch wohl nicht wirklich um ihr Sicherheitssystem zu testen?"

Snart lachte. „Nein. Ich tue das, weil es mich an … meine Vergangenheit erinnert. Und weil es Spaß macht. Mir gefällt die Herausforderung."

„Deswegen trifft du dich wohl auch hier mit mir. Weil ich eine Herausforderung bin", vermutete Barry.

Snart leerte sein Glas. „Du bist der Flash, natürlich bist du eine Herausforderung", murmelte er.

„Ich bin wer?", wunderte sich Barry verwirrt.

„Spielt keine Rolle", meinte Snart, „Also, du und Thawne, was ist das für eine Geschichte?"

„Das wäre mehr als nur eine Antwort", sagte Barry, „Wieso stellst du mir all diese Fragen, wenn er dich geschickt hat?"

„Weil er ein verdammter Lügner ist, und ich ihm kein Stück weit traue", erklärte Snart, „Du bist sein kleines Geheimnis, und ich will wissen warum."

„Also gibst du zu, dass deine Schwester keine Kräfte besitzt und nicht außer Landes geschmuggelt werden muss?"

„Ich gebe gar nichts zu", erwiderte Snart, „Sag mir, Flash, was hast du Thawne getan?"

„Ich habe keine Ahnung. Er ist es, der mit etwas getan hat, er hat meine Mutter umgebracht und dann vorgeben mein Freund zu sein und mir helfen zu wollen ihren Mörder zu fangen", meinte Barry bitter.

„Jetzt wird es interessant", kommentierte Snart, „Und als dir das klar geworden ist, bist du gegangen, nehme ich an."

Barry schenkte sich noch ein Glas ein und nickte nur.

„Ist es das, was ich ihm sagen soll? Dass du weggelaufen bist, weil du die Wahrheit kennst?", wollte Snart wissen.

Barry beugte sich vor und sah dem Beta fest in die Augen. „Du kannst ihm sagen, dass ich weggelaufen bin, weil er zwar denken mag, dass er ein Monster in einem Käfig gefangen hält, aber er in Wahrheit nur sein eigenes Spiegelbild eingesperrt hat", sagte er ruhig.

„Das hört sich aber nach einem ziemlich ernsten Streit unter Liebenden an", bemerkte Snart.

„Wir sind keine Liebenden", belehrte ihn Barry kühl.

„Oh? Nun das freut mich zu hören", schnurrte Snart und seine Nase berührte beinahe Barrys, so nahe lehnte er sich nach vorn, „Und die junge Miss West?"

„Ist mit einem anderen Thawne verheiratet", gab Barry nur zurück. Noch jemand, von dem er nicht wusste, ob er ihm trauen konnte.

„Bedeutet das, du bist ein alleinstehender Omega? Was für eine Schande", stellte Snart in einem Tonfall fest, der auf das Gegenteil hinwies.

„Nicht so schnell", ermahnte ihn Barry, „Jetzt weißt du alles von mir, was du wissen musst, aber ich weiß immer noch nichts Brauchbares von dir."

„Ich", meinte Snart verschwörerisch, „will Eobard Thawnes Macht brechen, sein wahres Gesicht dieser Welt offenbaren, und ein Leben frei von seinem Einfluss und dem seiner Geschäftspartner führen. Ich will der alleinige Herr meines Schicksals sein."

„Mhm", machte Barry, „Das hört sich doch schon mal ganz gut an."

„Und ich denke, dass du mir dabei helfen kannst, Barry Allen", gab Snart zu.

Barry wog nachdenklich den Kopf. „Vielleicht", meinte er, „Vielleicht kann ich das ja wirklich."

Barry traute dem anderen Mann immer noch nicht. Aber er plante ihn und seine Ressourcen trotzdem zu nutzen so gut er konnte. Was dabei herauskommen würde, war eine andere Frage, aber sein Gefühl sagte ihm, dass der Beta die Wahrheit sagte und genauso die Nase voll von Dr. Eobard Thawne hatte wie Barry, und das war etwas, worauf sie aufbauen konnten.

Das hier, das konnte Barry spüren, war der Beginn von Etwas Großen.

Und darauf stieß er mit Leonard Snart an.


Fin.


A/N: Die Fortsetzung hiervon zu einem späteren Zeitpunkt.

Nächstes Mal: Was ist eigentlich los mit Caitlin, Cisco, und Ronnie in dieser Welt?

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