Hi :) nur eine kleine Anmerkung am Rande. Also um noch mal sicher zu gehen, dass es keine Missverständnisse gibt; Finch ist Fuchsgesicht.
Okay, das wars auch schon. Ich würde mich sehr über Rückmeldungen freuen.
Lg Katniss139

Kein besseres Heilmittel gibt es im Leid als eines edlen Freundes Zuspruch. (Euripides)

Bei unserer Ankunft im Kapitol werden wir schon sehnsüchtig erwartet.
Distrikt 2 liegt noch näher an dem Kapitol als Distrikt 1, weshalb unsere Tribute immer als erste ankommen.
Da es mir unangenehm wäre, wenn ganz Panem Julius sehen würde, habe ich Lyme gebeten ihn in seine Decke einzuwickeln.
Es ist nicht so, dass mir mein Sohn peinlich wäre. Nein, er ist das süßeste Baby in ganz Panem und mein ganzer Stolz. Ich möchte ihn lediglich davor schützen, zur neuen Hauptattraktion zu werden.
Flora verlässt als erste den Zug gefolgt von Enobaria und mir und dann Cato und Brutus, Lyme bildet das Schlusslicht unserer kleinen Gruppe. Bei den Distrikt 2 Tributen ist es üblich, dass immer erst die Eskorte, dann der weibliche Tribut mit seinem Mentor und danach der männliche Tribut mit dessen Mentor den Zug verlassen. Auf diese Weise sollen die Kapitolbewohner schon mal ein Bild davon bekommen, welcher Sieger für wen den Mentor spielt. Das schlimmste wäre, wenn die Bewohner den Mentor verwechseln und dadurch den falschen Tribut sponsern.
Die Menge dieser bunt gekleideten Menschen tobt, als wir an ihnen entlang geführt werden.
Ich gebe mich so gefühllos wie möglich und versuche keine Miene zu verziehen. Ich schätze Mal, das wäre auch ein guter Winkel für mein Interview. Auf diese kalte, emotionslose Art könnte ich irgendwo auch meinen Protest Ausdruck verleihen und verdeutlichen, dass ich absolut nicht glücklich über das alles hier bin.
Cato hinter mir gibt sich so charmant wie immer, er zwinkert den Anwesenden zu und fängt eine Kusshand nach der anderen auf, die ihm zugeworfen wird. Es ist widerlich mit anzusehen, sogar durch die Spiegel wird es nicht besser. Ich weiß jetzt schon, dass er vermutlich mehr Sponsoren haben wird als ich. Cato ist so der Typ Mann ganz von der Marke Finnick Odair; gut aussehend, charmant und gefährlich.
Es würde mich ehrlich gesagt nicht überraschen, wenn er noch vor der Arena einige sehr unmoralische Angebote erhält, wie früher die Rockstars. Ich habe Geschichten gehört, dass früher als Panem noch Amerika war, die Mädchen ihre Unterwäsche auf die Bühne warfen und herumschrien, sie wollen ein Baby von ihrem Idol. Ich finde das ja ehrlich gesagt ziemlich lächerlich, diese Weiber haben doch alle keine Ahnung, was für eine Verantwortung so ein winziges Baby ist.
Das Vorbereitungsstudio für die Wagenparade ist wahnsinnig still im Vergleich zur Bahnstation.
Ich hätte auch hier mit kreischenden Fans gerechnet, doch es ist so leise, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören.
Der einzige Vorteil der daraus entsteht, dass die äußeren Distrikte alle erst in der Nacht oder sogar erst in den nächsten zwei Tagen ankommen, ist dass man mehr Zeit hat den Luxus des Kapitols zu genießen.
In der Tat hat Enobaria erzählt, dass die Distrikte 1, 2, 3, 5 und 6 sogar das Privileg haben an einer Führung durch das Kapitol teilzunehmen. Die Teilnahme ist freiwillig, aber Baria meinte, es wäre absolut empfehlenswert.
Flora ist wahnsinnig aufgeregt, denn dieses Jahr wird Finnick Odair die Führung übernehmen.
Er ist anscheinend extra für diesen Job schon ein paar Tage früher ins Kapitol gereist, wenn man unserer Eskorte glauben darf. Brutus und Lyme haben sich allerdings darüber unterhalten, dass er wieder einen Auftrag hatte.
Es ist eines der am schlechtesten gehütetsten Geheimnisse in den wohlhabenderen Distrikten, dass einige sehr attraktive Sieger von dem Präsidenten als Prostituierte an die Kapitolelite verkauft werden. Lyme wurde dieses Angebot ebenfalls gemacht, doch sie hat ebenso wie Johanna Mason abgelehnt und ihre Familien mussten den Preis zahlen. Niemand sagt Nein zum Präsidenten und kommt ungestraft davon.
Wir werden in unsere Zimmer eskortiert und bekommen erstmal ein paar Stunden Freizeit.
Ich nutze diese Zeit um zu duschen und mich umzuziehen.
Ich hasse es Kleider zu tragen, weshalb ich eine Hotpants und ein einfaches Top anziehe. Es war gar nicht so leicht im Kleiderschrank, welcher von Kapitolstylisten gefüllt wurde, etwas Normales zum Anziehen zu finden. Turnschuhe waren jedenfalls schonmal keine vorhanden, weshalb ich zwangsweise Ballerinas anziehen musste, aber alles ist besser als Highheels.
Zu meiner großen Überraschung hat entweder Lyme oder Enobaria eine ganze Tasche mit allen notwendigen Dingen für Julius aufgetrieben. Ich habe Julius erst heute Morgen gebadet von daher lasse ich ihn einfach in dem süßen Strampler und wechsele nur seine Pampas.
Cato weigert sich an der Tour durch das Kapitol teilzunehmen, da er erstens schon oft hier war und zweitens lieber Zeit mit seinem Sohn nachholen möchte.
In der Lobby angekommen erkenne ich nur den Tribut aus Distrikt 1 wieder. Ich hätte bei der Ernte wirklich besser aufpassen sollen.
Finnick Odair, der in echt noch viel heißer ist als im Fernseh, löst mein Problem allerdings schnell, indem er auf eine kurze Vorstellungsrunde besteht.
Es nehmen bei weitem nicht alle zehn der schon anwesenden Tribute teil, sondern nur Marvel aus Distrikt 1, Ian aus Distrikt 3, Finch aus Distrikt 5 und ich.
Ohne weitere Umschweife beginnt Finnick die Tour, der sich im allerletzten Moment noch Lyme anschließt.
Sobald wir das Vorbereitungscenter verlasse haben, schlingt jemand seinen Arm um meine Schultern.
Ich muss gar nicht aufsehen um zu wissen, dass es der Tribut aus Distrikt 1 ist. Niemand sonst hier hätte den Mumm sowas zu tun, außer vielleicht Finnick Odair und der fasst mich sicher nicht an.
Ich stoße Marvels Arm sofort weg und funkele ihn wütend an. "Fass mich nicht an", fauche ich ihn sauer an.
"Ist ja schon gut", hebt er lachend die Hände. "Wir beide müssen doch zusammen halten."
Ich verdrehe nur die Augen. "Was willst du?"
"Nichts", zuckt Marvel die Schulter. "Ich will nur ein bisschen Smalltalk machen. Wie ist es gleich zwei Siegerinnen als Mütter zu haben?"
"Ich wüsste nicht, was dich mein Privatleben angeht", versuche ich sofort die Unterhaltung im Keim zu ersticken.
"Sei keine Spaßbremse", knufft er mich in die Seite. "Erzähl schon."
"Nur das du es weißt, du gehst mir jetzt schon tierisch auf den Keks", stöhne ich frustriert, gebe jedoch nach. "Wie soll es schon sein die Tochter von Aliena Hamleigh zu sein? Ich habe sie die ersten sechs Jahre meines Lebens gar nicht gekannt und auch jetzt sehe ich sie nur selten. Genau genommen wurde ich von Enobaria großgezogen."
"Sie ist doch erst, ich weiß nicht 26?", sieht Marvel mich überrascht an.
"Neunundzwanzig", verbessere ich ihn seufzend. "Ob man es sich vorstellen kann oder nicht, aber sie war vor ihren Spielen meine Babysitterin und hat sich so das Elitetraining finanziert. Keine Ahnung und dann irgendwann hat es zwischen ihr und meinem Dad gefunkt."
"Wie ist sie so als Mutter?", harkt er sofort nach. "Und ist dein Vater nicht viel älter?"
"Ich würde Enobaria nicht als meine Mutter bezeichnen", erkläre ich ihm mit gesenkter Stimme. "Sie ist mehr wie eine große Schwester für mich. Sie ist wirklich großartig, ich bewundere sie sehr. Enobaria hat mir alles beigebracht, was sie weiß und mich schon von klein auf gecoacht. Außerdem war mein Dad gar nicht so viel älter nur 8 Jahre. Brutus ist dreizehn Jahre älter als Talina und trotzdem sind sie eines der glücklichsten Paare, die ich kenne. Das Alter ist immerhin nur eine Zahl, vor allem hier in Panem."
"Wie ist Brutus so privat?", Marvel ist wahnsinnig neugierig.
Ich frage mich ob er jemals die Klappe hält, wahrscheinlich wird seine Taktik für die Arena seine Konkurrenten tot zu quasseln.
"Was fragst du mich das?", verdrehe ich die Augen. "Frag Cato, wenn du was über seinen Vater wissen willst. Wenn du mich jetzt bitte entschuldigen würdest, ich würde gerne etwas vom Kapitol sehen."
Ich bleibe urplötzlich stehen, woraufhin das Mädchen von 5 mich in mich hineinläuft.
"Tut mir Leid", entschuldigt sie sich sofort, als wäre es ihre Schuld gewesen.
"Schon okay", winke ich ab. "Finch, richtig?"
"Ja", nickt sie bestätigend. "Distrikt 5."
"Clove", stelle ich mich kurz und knapp vor. "Distrikt 2."
Marvel hat vor uns mittlerweile den Distrikt 3 Jungen in ein Gespräch verwickelt. Der Arme sieht aus als würde er sich jeden Moment vor Angst in die Hose machen, als er sich hilfesuchend zu Finch umdreht.
"Er ist nicht unbedingt der Hellste", deutet Finch mit dem Kopf auf Marvel.
"Scheint so", stimme ich ihr lachend zu. "Er versteht einfach keinen Wink mit dem Zaunpfahl."
"Wenigstens ist er süß", gibt sie zu und wird so rot wie ihre Haare. "Ich meine, wenn ich schon sterbe, kann ich vorher ja noch gucken."
"Meine Großtante sagte immer, den Appetit holt man sich woanders, aber gegessen wird Zuhause, wenn du verstehst, was ich meine", knuffe ich Finch sachte in die Seite.
Überraschenderweise fällt es mir total leicht mit diesem Mädchen, das so anders ist als ich, Scherze zu machen. Es überrascht mich, dass sie überhaupt keine Angst vor mir hat. Normalerweise zucken alle Tribute immer schon allein vor der Nummer des Distrikts zusammen. Ich bin aber froh, dass Finch anders ist. In Zeiten wie diesen ist es schön einen Freund zu haben, wenn es auch nicht von langer Dauer ist.
"Ich bin Single, also muss ich nicht zuhause essen", wird sie womöglich noch röter. "Nicht, das ich jemals irgendwo gegessen hätte."
"Dein Ernst?", sehe ich sie geschockt an. "Du bist noch Jungfrau?"
In Distrikt 2 ist es völlig normal sehr früh seine Jungfräulichkeit zu verlieren von daher bin ich irgendwie davon ausgegangen, dass es in allen anderen Distrikten auch so ist. Offensichtlich habe ich mich getäuscht, aber wahrscheinlich ist in den ärmeren Distrikten auch einfach die Angst vor einer Schwangerschaft zu groß. Bei uns in Distrikt 2 ist es eigentlich sehr leicht an Verhütungsmittel zu kommen, dafür dass diese jedoch nicht immer 100 Prozent wirken bin ich allerdings ja das beste Beispiel.
"Ja, du nicht?", erwidert Finch mir.
"Nein, wenn man mit einem Jungen wie Cato zusammen ist, behält man die Knie nicht lange zusammen", rutscht es mir einfach so raus bevor ich mich stoppen kann. "Er kann sehr überzeugend sein."
"Ihr seid ein Paar?", weiten sich ihre Augen vor Überraschung.
"Nein, ich habe mich vor knapp acht Monaten von ihm getrennt", zucke ich bedauernd die Schultern. "Größter Fehler meines Lebens."
"Warum sagst du ihm das nicht einfach?", zieht sie irritiert eine Augenbraue hoch. "Ich meine, dass du es bereust und die womöglich letzten Wochen deines Lebens mit ihm verbringen willst?"
"Warum tust du nicht das gleiche bei Marvel?", kontere ich.
Ich mag es nicht, wenn andere Leute sich in mein Liebesleben einmischen. Vor allem keine Fremde, aber irgendwie kommt Finch mir gar nicht vor, wie jemand den ich so gesehen überhaupt nicht kenne.
"Wenn du mir hilfst, versuch ich es", sieht Finch mir genau in die Augen. "Aber nur wenn du es auch mit Cato probierst."
Eigentlich habe ich ja nichts zu verlieren, immerhin hat Finch Recht, in ein paar Wochen könnten wir alle tot sein.
"Na schön", gebe ich nach und grinse sie ein wenig an.
"Also haben wir einen Deal?", hält sie mir ihre Hand hin.
"Ja, den haben wir", schüttele ich ihre Hand.