Vom Morgen danach
V o r w o r t : ja, hihi, ich weiß, ich bin gemein..ich sag bloß: je mehr reviews ich bekomme, desto mehr spornt mich das an, desto schneller kommen die kaps, desto weniger gemein bin ich ;-) @robbyn : ich hatte ja keine ahnung, wie sehr dich die geschichte aufregt! Wie's aussieht, hab ich einen neuen "Fan" gewonnen. Merci beaucoup für die lieben Reviews...und ein kleiner Hinweis: In wen soll sich Oxana denn verlieben, wenn unser Held tot ist? * g * **************************************************************************** ***********
Zu guter Letzt hatte der Regen aufgehört und die junge Sonne strahlte zögerlich auf die namenlose Hafenstadt herab und ließ die feuchten Stroh- und Schindelgedeckten Hausdächer matt glänzen. Ein Unwetter, wie man es in diesen Breitengraden schon lange nicht mehr erlebt hatte, ließ die Menschen noch vor wenigen Stunden angstvoll in ihre Behausungen flüchten.
Doch nun war es vorbei- und nichts, bis auf ein paar abgetragene Schindeln und einige überflutete Keller erinnerten mehr an die Naturgewalten, die gestern hier gewütet hatten.
Auf der Straße vor der Taverne karrten Händler ihre Waren zum Hafen hinunter. Ein paar zersauste Köter liefen kläffend durch die Straßen und eine Kinderschar spielte Verstecken, verfolgt vom lautstarken Geschimpfe ihrer Mütter, die zum Fischmarkt gingen und befürchteten, ihr Nachwuchs würde auf den verschlammten Straßen ausrutschen und sich das Gewand ruinieren.
In einer unscheinbaren kleinen Scheune, weitab vom Lärm der Straße einsam hinter der Taverne "zum singenden Fisch" gelegen, lagen zwei reglose Gestalten auf einem Heuhaufen: Ein Elb und eine junge Menschenfrau, auf seltsamste Weise ineinander verschlungen.
Für einen Außenstehenden musste es den Anschein haben, als hielten die beiden einander in einem verzweifelten Kampf umklammert: Die Hände der Frau waren fest in die Tunika des Elben gekrallt, selbst im Schlaf hielt sie ihn am Kragen fest, als drohte er zu entfliehen. Ihren Kopf hielt sie an seinen Hals gedrückt.
Ihre feuerroten Locken vermischten sich im staubigen Heu mit dem blonden Haar des Elben. Als ein paar vereinzelte Sonnenstrahlen auf die Schlafenden fielen, schien es fast, als vermengten sich über ihren Köpfen die kräftigen, feurigen Strahlen der Sonne mit dem ruhigen, silbernen Mondenschein.
**************************************************************************** ****
Als sie in der staubigen Scheune erwachte, wurde sie vom Wiehern hungriger Pferde und dem durchdringenden Geruch nach Pferdemist und tierischen Ausdünstungen empfangen.
Das Heu unter ihr stach und juckte unangenehm auf der Haut, und ihr Nacken war steif wie ein Brett, weil jemand seinen Arm daruntergeschoben hatte.
Sie gähnte ausgiebig, streckte ihre Glieder und öffnete die Augen. Ihr Händen waren in eine Tunika gekrallt. Darüber hinaus spürte sie die Wärme, die von dem Körper ihr gegenüber ausging.
Es durchfuhr sie wie ein Blitz. Das Gift. Das Bier. Legolas. Sie hob den Kopf.
Der Elb war bereits wach und beobachtete sie.
"Guten Morgen. Gut geschlafen?", fragte er lächelnd.
Sie stieß einen heiseren Schrei aus und schnellte in die Höhe.
"DU LEBST?!?"
Aber....das war einfach völlig unmöglich!!!!
Kein Lebewesen, nicht einmal ein Elb konnte- DURFTE!- eine solche Vergiftung überleben!! Eine Sinnflut an widersprüchlichen Gefühlen brach über sie herein. Bestürzung, Freude,Wut, Angst...........und vor allen Dingen Überraschung. Sie hatte bereits fest mit seinem Tod gerechnet.
"Nun, es sieht ganz danach aus", grinste der Elb, "du hast mir immerhin ausdrücklich verboten zu sterben --ich hatte also gar keine andere Wahl."
Er wirkte ein wenig blässer als sonst. Unter seinen Augen lagen graue Schatten, und seine Augen waren seltsam dunkel. Ansonsten schien es ihm gut zu gehen. Jedenfalls machte er nicht den Eindruck, als hätte er sich noch vor wenigen Stunden sterbend am Boden gewälzt.
"Aber das ist....!!" Ihre Stimme versagte.
"Was? Freust du dich etwa nicht?"
Er richtete sich auf und zog dabei ihren Mantel von seinem Leib. Sie erinnerte sich verschwommen daran, ihm diesen irgendwann in der vergangenen Nacht übergebreitet zu haben.
Was war geschehen? Sie erinnerte sich nur noch undeutlich an die Begebenheiten....hatte sie ihn tatsächlich angefleht, am Leben zu bleiben? Bei allen Göttern, hatte sie etwa selber etwas von dem Gift abbekommen?
Ihre Hand wanderte über ihre Augen und sie tastete erschrocken über ihre Wangen.
HATTE SIE GEWEINT???
Hatte der Elb sie weinen gesehen???? Sie begann aufgewühlt an ihren Fingern herumzukneten.
"Ich glaube, ich bin einige Male kurz in Ohnmacht gefallen", erklärte Legolas und gähnte herzhaft, "du hast mir jedes Mal ins Gesicht geschlagen und mich angeschrieen. Das ist dir mit der Zeit wohl zu anstrengend geworden und du bist eingeschlafen."
Oxana starrte ihn an. Ja, er hatte Recht....sie erinnerte sich verschwommen an das, was er da eben erzählt hatte. Aber es kam ihr unwirklich vor. Als hätte sie alles bloß geträumt. Sie erinnerte sich aber nicht mehr daran, eingeschlafen zu sein. Dadurch drängte sich ihr eine weitere Frage auf, die sich wohl jeder Frau aufgezwungen hätte, die ohne deutliche Erinnerung an die vorangegangene Nacht in den Armen eines Mannes erwachte, den sie kaum kannte.
Doch sie brauchte ihre Gedanken gar nicht erst auszusprechen- Legolas schien sie an ihrem Gesicht ablesen zu können. Er schüttelte beschwichtigend den Kopf. "Keine Angst, du wolltest zwar, aber mir war nicht danach", beruhigte er schmunzelnd und hob seine Augenbrauen bedauernd. Oxana funkelte ihn böse an. "Träum weiter, Elb". Dabei musste sie aber selbst unfreiwillig grinsen.
Legolas ergriff plötzlich ihre Hand und drückte sie sanft. "Danke", lächelte er, wobei seine Stimme sonderbar weich klang. Doch seine Augen blickten ernst. Sie waren blau, so blau wie das Meer, nach dem er sich so sehnte. Warum waren ihr seine Augen bisher noch nicht aufgefallen? Sein Blick nahm sie gefangen, und noch bevor sie begriff wie ihr geschah, küsste er sie freundschaftlich auf die Stirn.
Plötzlich begannen die Pferde in freudiger Erwartung auf frisches Futter zu wiehern, als sich jemand draußen am Tor zu schaffen machte.
Es war Sarnir, der mit der Sonne um die Wette in die graue Scheune hereinstrahlte.
"Guten Morgen!", rief er fröhlich und sein Gesicht war ein einziges großes Grinsen, obwohl er kaum etwas von dem Kuss mitbekommen haben konnte, denn sowohl Legolas als auch Oxana waren eiligst aufgesprungen und sahen interessiert in je eine andere Richtung. Vielleicht eine Kleinigkeit zu interessiert, um glaubwürdig zu wirken.
"Alae Sarnir", sprach Legolas, bevor Sarnir sprechen konnte, dem man bereits ansah, dass er irgendetwas loswerden wollte, "schön, dass du dich auch wieder einmal blicken lässt. Ich hätte mich gestern Nacht noch mehr über deine Anwesenheit gefreut- ich wurde nämlich vergiftet."
Nicht nur Sarnir erbleichte, als Legolas fertig gesprochen hatte.
"Vergiftet?", ächzte Sarnir, "aber wer....? Wie...? Wie geht es Euch, Herr??" Er trat hastig zur Seite, als Legolas, sich das Heu aus der Kleidung klopfend, die Scheune verließ.
"Es geht schon wieder. Aber noch vor wenigen Stunden hatte ich bereits mit allem abgerechnet. Irgendjemand hat mir wohl etwas ins Bier gemischt. "
Wie blass konnte man eigentlich werden? Mit schnellen Schritten näherten sie sich der Gaststätte.
"Geht es Nîthiel gut? Wo waren Obhart und du? Schließlich bist du für die Sicherheit von meiner Verlobten und mir zuständig! Ich kann mich nicht daran erinnern, dir erlaubt zu haben, dich den Freuden ortsüblicher Getränke hinzugeben".
Legolas war stehen geblieben und blickte Sarnir eindringlich in die Augen.
Sein Gesicht hatte einen harten Zug angenommen, den Oxana noch nie gesehen hatte, und der ihr ein ganz klein wenig Angst einflößte. Wie es aussah konnte dieser "verweichlichte" Elb äußerst böse werden, wenn ihm etwas gegen den Strich lief......
"Eurer Verlobten geht es gut. Verzeiht mir bitte, Hoheit", antwortete Sarnir zerknirscht und senkte demütig das Haupt, "ich habe mich gehen lassen. Ich wollte Euch zwar folgen, doch Obhart hielt mich zurück."
Sarnir sah auf und runzelte misstrauisch die Stirn. "Vielleicht hat er ja etwas mit dieser Sache zu tun..."-
"Nein", unterbrach ihn Legolas bestimmt, "das hat er nicht", Oxana fragte sich, woher er denn das so genau wissen wollte, "ich werde noch einmal über deinen Ungehorsam hinwegsehen. Wir werden die Sache auf sich beruhen lassen und die Stadt so schnell wie möglich verlassen. Wir sind hier nicht mehr länger sicher."
Sie betraten die Taverne und durchquerten die Wirtstube, ohne sich um die neugierigen Blicke der wenigen Gäste zu kümmern.
Im Moment war es egal, ob sie jemand erkannte oder nicht. In wenigen Stunden würden sie abgelegt und die namenlose Hafenstadt hinter sich gelassen haben und mit ihr Rawen, Silaid und all die andern Söldner, die sich hier noch herumtrieben.
"Ob vielleicht Wynna...?", murmelte Sarnir. Zu gerne hätte Oxana ihm zugestimmt, aber es behagte ihr nicht, der Wirtstochter ein solches Vergehen unterzuschieben, egal, was sie von dem Mädchen hielt.
"Nein. Egal wer es war- er hält sich sicher gut verborgen. Es hat keinen Sinn, nach einem Verdächtigen zu suchen. Nîthiel hat es ja gesagt- es könnte jeder sein..."
Sarnir nickte widerwillig und ging zu seiner Zimmertür hin. Oxana schloss die Tür hinter sich und begann ihre wenigen Habseeligkeiten zusammenzusuchen. Bemüht versuchte sie sich abzulenken, ihre Gedanken auszuschalten, doch es gelang ihr nicht.
Nein, sie hatte die gestrige Abmachung nicht vergessen. Im Gegenteil. Sie war sich völlig darüber bewusst, versagt zu haben.
Eines stand von diesem Morgen an fest:
Legolas war aus noch am Leben- wussten die Götter, warum. Sie war wütend, aber nicht auf den Elben, sondern auf sich selbst, denn sie schaffte es einfach nicht, Ordnung in ihre Gedanken zu bringen, die wie Schneeflocken in einem Sturm durch ihren Kopf stoben. Bloß einer Sache war sie sich im Moment sicher: Nichts würde je mehr so werden wie zuvor.
*Obhart: Bitte fragt nicht. Der Name ist so dämlich, dass er schon wieder gut klingt. Ich wollte einen einfachen, klingenden Namen unterbringen, bei dem man sich keinen Knoten in die Zunge redet wenn man ihn ausspricht. **************************************************************************** *********** N a c h w o r t : @Robbyn : geht's dir jetzt wieder gut? * gg *. Mit deinem Review hast du mir übrigens zu denken gegeben. Legolas hatte gerade die erste hautnahe begegnung mit dem Tod. Schon wieder etwas, das die beiden verbindet. Sonne und mond....wie fandet ihr den vergleich? Die Elben, die den Mond lieben, und die Menschen, die mit der Sonne auf die Welt kamen....mhmmm...romantisch. Und zu der "nicht jugendfreien Szene": sie wird kommen, und ich werde mich bemühen, sie so schön wie möglich zu schreiben. Bloß WANN sie kommt sag ich noch nicht. Verzeiht bitte, falls ich eure Reviews nicht ordentlich, bzw. gar nicht beantworte. Natürlich lese ich jedes einzelne und freu mich voll darüber!
V o r w o r t : ja, hihi, ich weiß, ich bin gemein..ich sag bloß: je mehr reviews ich bekomme, desto mehr spornt mich das an, desto schneller kommen die kaps, desto weniger gemein bin ich ;-) @robbyn : ich hatte ja keine ahnung, wie sehr dich die geschichte aufregt! Wie's aussieht, hab ich einen neuen "Fan" gewonnen. Merci beaucoup für die lieben Reviews...und ein kleiner Hinweis: In wen soll sich Oxana denn verlieben, wenn unser Held tot ist? * g * **************************************************************************** ***********
Zu guter Letzt hatte der Regen aufgehört und die junge Sonne strahlte zögerlich auf die namenlose Hafenstadt herab und ließ die feuchten Stroh- und Schindelgedeckten Hausdächer matt glänzen. Ein Unwetter, wie man es in diesen Breitengraden schon lange nicht mehr erlebt hatte, ließ die Menschen noch vor wenigen Stunden angstvoll in ihre Behausungen flüchten.
Doch nun war es vorbei- und nichts, bis auf ein paar abgetragene Schindeln und einige überflutete Keller erinnerten mehr an die Naturgewalten, die gestern hier gewütet hatten.
Auf der Straße vor der Taverne karrten Händler ihre Waren zum Hafen hinunter. Ein paar zersauste Köter liefen kläffend durch die Straßen und eine Kinderschar spielte Verstecken, verfolgt vom lautstarken Geschimpfe ihrer Mütter, die zum Fischmarkt gingen und befürchteten, ihr Nachwuchs würde auf den verschlammten Straßen ausrutschen und sich das Gewand ruinieren.
In einer unscheinbaren kleinen Scheune, weitab vom Lärm der Straße einsam hinter der Taverne "zum singenden Fisch" gelegen, lagen zwei reglose Gestalten auf einem Heuhaufen: Ein Elb und eine junge Menschenfrau, auf seltsamste Weise ineinander verschlungen.
Für einen Außenstehenden musste es den Anschein haben, als hielten die beiden einander in einem verzweifelten Kampf umklammert: Die Hände der Frau waren fest in die Tunika des Elben gekrallt, selbst im Schlaf hielt sie ihn am Kragen fest, als drohte er zu entfliehen. Ihren Kopf hielt sie an seinen Hals gedrückt.
Ihre feuerroten Locken vermischten sich im staubigen Heu mit dem blonden Haar des Elben. Als ein paar vereinzelte Sonnenstrahlen auf die Schlafenden fielen, schien es fast, als vermengten sich über ihren Köpfen die kräftigen, feurigen Strahlen der Sonne mit dem ruhigen, silbernen Mondenschein.
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Als sie in der staubigen Scheune erwachte, wurde sie vom Wiehern hungriger Pferde und dem durchdringenden Geruch nach Pferdemist und tierischen Ausdünstungen empfangen.
Das Heu unter ihr stach und juckte unangenehm auf der Haut, und ihr Nacken war steif wie ein Brett, weil jemand seinen Arm daruntergeschoben hatte.
Sie gähnte ausgiebig, streckte ihre Glieder und öffnete die Augen. Ihr Händen waren in eine Tunika gekrallt. Darüber hinaus spürte sie die Wärme, die von dem Körper ihr gegenüber ausging.
Es durchfuhr sie wie ein Blitz. Das Gift. Das Bier. Legolas. Sie hob den Kopf.
Der Elb war bereits wach und beobachtete sie.
"Guten Morgen. Gut geschlafen?", fragte er lächelnd.
Sie stieß einen heiseren Schrei aus und schnellte in die Höhe.
"DU LEBST?!?"
Aber....das war einfach völlig unmöglich!!!!
Kein Lebewesen, nicht einmal ein Elb konnte- DURFTE!- eine solche Vergiftung überleben!! Eine Sinnflut an widersprüchlichen Gefühlen brach über sie herein. Bestürzung, Freude,Wut, Angst...........und vor allen Dingen Überraschung. Sie hatte bereits fest mit seinem Tod gerechnet.
"Nun, es sieht ganz danach aus", grinste der Elb, "du hast mir immerhin ausdrücklich verboten zu sterben --ich hatte also gar keine andere Wahl."
Er wirkte ein wenig blässer als sonst. Unter seinen Augen lagen graue Schatten, und seine Augen waren seltsam dunkel. Ansonsten schien es ihm gut zu gehen. Jedenfalls machte er nicht den Eindruck, als hätte er sich noch vor wenigen Stunden sterbend am Boden gewälzt.
"Aber das ist....!!" Ihre Stimme versagte.
"Was? Freust du dich etwa nicht?"
Er richtete sich auf und zog dabei ihren Mantel von seinem Leib. Sie erinnerte sich verschwommen daran, ihm diesen irgendwann in der vergangenen Nacht übergebreitet zu haben.
Was war geschehen? Sie erinnerte sich nur noch undeutlich an die Begebenheiten....hatte sie ihn tatsächlich angefleht, am Leben zu bleiben? Bei allen Göttern, hatte sie etwa selber etwas von dem Gift abbekommen?
Ihre Hand wanderte über ihre Augen und sie tastete erschrocken über ihre Wangen.
HATTE SIE GEWEINT???
Hatte der Elb sie weinen gesehen???? Sie begann aufgewühlt an ihren Fingern herumzukneten.
"Ich glaube, ich bin einige Male kurz in Ohnmacht gefallen", erklärte Legolas und gähnte herzhaft, "du hast mir jedes Mal ins Gesicht geschlagen und mich angeschrieen. Das ist dir mit der Zeit wohl zu anstrengend geworden und du bist eingeschlafen."
Oxana starrte ihn an. Ja, er hatte Recht....sie erinnerte sich verschwommen an das, was er da eben erzählt hatte. Aber es kam ihr unwirklich vor. Als hätte sie alles bloß geträumt. Sie erinnerte sich aber nicht mehr daran, eingeschlafen zu sein. Dadurch drängte sich ihr eine weitere Frage auf, die sich wohl jeder Frau aufgezwungen hätte, die ohne deutliche Erinnerung an die vorangegangene Nacht in den Armen eines Mannes erwachte, den sie kaum kannte.
Doch sie brauchte ihre Gedanken gar nicht erst auszusprechen- Legolas schien sie an ihrem Gesicht ablesen zu können. Er schüttelte beschwichtigend den Kopf. "Keine Angst, du wolltest zwar, aber mir war nicht danach", beruhigte er schmunzelnd und hob seine Augenbrauen bedauernd. Oxana funkelte ihn böse an. "Träum weiter, Elb". Dabei musste sie aber selbst unfreiwillig grinsen.
Legolas ergriff plötzlich ihre Hand und drückte sie sanft. "Danke", lächelte er, wobei seine Stimme sonderbar weich klang. Doch seine Augen blickten ernst. Sie waren blau, so blau wie das Meer, nach dem er sich so sehnte. Warum waren ihr seine Augen bisher noch nicht aufgefallen? Sein Blick nahm sie gefangen, und noch bevor sie begriff wie ihr geschah, küsste er sie freundschaftlich auf die Stirn.
Plötzlich begannen die Pferde in freudiger Erwartung auf frisches Futter zu wiehern, als sich jemand draußen am Tor zu schaffen machte.
Es war Sarnir, der mit der Sonne um die Wette in die graue Scheune hereinstrahlte.
"Guten Morgen!", rief er fröhlich und sein Gesicht war ein einziges großes Grinsen, obwohl er kaum etwas von dem Kuss mitbekommen haben konnte, denn sowohl Legolas als auch Oxana waren eiligst aufgesprungen und sahen interessiert in je eine andere Richtung. Vielleicht eine Kleinigkeit zu interessiert, um glaubwürdig zu wirken.
"Alae Sarnir", sprach Legolas, bevor Sarnir sprechen konnte, dem man bereits ansah, dass er irgendetwas loswerden wollte, "schön, dass du dich auch wieder einmal blicken lässt. Ich hätte mich gestern Nacht noch mehr über deine Anwesenheit gefreut- ich wurde nämlich vergiftet."
Nicht nur Sarnir erbleichte, als Legolas fertig gesprochen hatte.
"Vergiftet?", ächzte Sarnir, "aber wer....? Wie...? Wie geht es Euch, Herr??" Er trat hastig zur Seite, als Legolas, sich das Heu aus der Kleidung klopfend, die Scheune verließ.
"Es geht schon wieder. Aber noch vor wenigen Stunden hatte ich bereits mit allem abgerechnet. Irgendjemand hat mir wohl etwas ins Bier gemischt. "
Wie blass konnte man eigentlich werden? Mit schnellen Schritten näherten sie sich der Gaststätte.
"Geht es Nîthiel gut? Wo waren Obhart und du? Schließlich bist du für die Sicherheit von meiner Verlobten und mir zuständig! Ich kann mich nicht daran erinnern, dir erlaubt zu haben, dich den Freuden ortsüblicher Getränke hinzugeben".
Legolas war stehen geblieben und blickte Sarnir eindringlich in die Augen.
Sein Gesicht hatte einen harten Zug angenommen, den Oxana noch nie gesehen hatte, und der ihr ein ganz klein wenig Angst einflößte. Wie es aussah konnte dieser "verweichlichte" Elb äußerst böse werden, wenn ihm etwas gegen den Strich lief......
"Eurer Verlobten geht es gut. Verzeiht mir bitte, Hoheit", antwortete Sarnir zerknirscht und senkte demütig das Haupt, "ich habe mich gehen lassen. Ich wollte Euch zwar folgen, doch Obhart hielt mich zurück."
Sarnir sah auf und runzelte misstrauisch die Stirn. "Vielleicht hat er ja etwas mit dieser Sache zu tun..."-
"Nein", unterbrach ihn Legolas bestimmt, "das hat er nicht", Oxana fragte sich, woher er denn das so genau wissen wollte, "ich werde noch einmal über deinen Ungehorsam hinwegsehen. Wir werden die Sache auf sich beruhen lassen und die Stadt so schnell wie möglich verlassen. Wir sind hier nicht mehr länger sicher."
Sie betraten die Taverne und durchquerten die Wirtstube, ohne sich um die neugierigen Blicke der wenigen Gäste zu kümmern.
Im Moment war es egal, ob sie jemand erkannte oder nicht. In wenigen Stunden würden sie abgelegt und die namenlose Hafenstadt hinter sich gelassen haben und mit ihr Rawen, Silaid und all die andern Söldner, die sich hier noch herumtrieben.
"Ob vielleicht Wynna...?", murmelte Sarnir. Zu gerne hätte Oxana ihm zugestimmt, aber es behagte ihr nicht, der Wirtstochter ein solches Vergehen unterzuschieben, egal, was sie von dem Mädchen hielt.
"Nein. Egal wer es war- er hält sich sicher gut verborgen. Es hat keinen Sinn, nach einem Verdächtigen zu suchen. Nîthiel hat es ja gesagt- es könnte jeder sein..."
Sarnir nickte widerwillig und ging zu seiner Zimmertür hin. Oxana schloss die Tür hinter sich und begann ihre wenigen Habseeligkeiten zusammenzusuchen. Bemüht versuchte sie sich abzulenken, ihre Gedanken auszuschalten, doch es gelang ihr nicht.
Nein, sie hatte die gestrige Abmachung nicht vergessen. Im Gegenteil. Sie war sich völlig darüber bewusst, versagt zu haben.
Eines stand von diesem Morgen an fest:
Legolas war aus noch am Leben- wussten die Götter, warum. Sie war wütend, aber nicht auf den Elben, sondern auf sich selbst, denn sie schaffte es einfach nicht, Ordnung in ihre Gedanken zu bringen, die wie Schneeflocken in einem Sturm durch ihren Kopf stoben. Bloß einer Sache war sie sich im Moment sicher: Nichts würde je mehr so werden wie zuvor.
*Obhart: Bitte fragt nicht. Der Name ist so dämlich, dass er schon wieder gut klingt. Ich wollte einen einfachen, klingenden Namen unterbringen, bei dem man sich keinen Knoten in die Zunge redet wenn man ihn ausspricht. **************************************************************************** *********** N a c h w o r t : @Robbyn : geht's dir jetzt wieder gut? * gg *. Mit deinem Review hast du mir übrigens zu denken gegeben. Legolas hatte gerade die erste hautnahe begegnung mit dem Tod. Schon wieder etwas, das die beiden verbindet. Sonne und mond....wie fandet ihr den vergleich? Die Elben, die den Mond lieben, und die Menschen, die mit der Sonne auf die Welt kamen....mhmmm...romantisch. Und zu der "nicht jugendfreien Szene": sie wird kommen, und ich werde mich bemühen, sie so schön wie möglich zu schreiben. Bloß WANN sie kommt sag ich noch nicht. Verzeiht bitte, falls ich eure Reviews nicht ordentlich, bzw. gar nicht beantworte. Natürlich lese ich jedes einzelne und freu mich voll darüber!
