Vom Schiff und den Sternen

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Mondscheinreigen

Blass sein Spiegelbild

im See erzittert.

Schleier zieren seine Bahn.

Sorgenfrei die Welt

in tiefem Schlummer.

Tanzende Lichter

erglimmen den goldenen Strahl.

Lautlos gleiten

seine Lippen über Wellen sanft.

Tauchen ein

liebkosend in Uferloses

küssen nasse Blüten wach.

Schwebend betten seine Nebel,

hüllen ein den Lebenstraum,

Kreisen um des Lebens Fülle,

sich erheben über schwarzen Saum.

Schwingen prachtvolle Töne,

gleiten in Pracht und Rausch,

drehen berauscht sich Gedanken,

federleicht im Kreis,

bis sie versinken

im nächtlichen Glanz.
®by Elke Anita Dewitt

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Ob sie wohl noch immer vergebens am Stadttor auf sie warteten?

Was würden sie tun, wenn sie ihr Versagen erkannten?

"Verrat wird mit Tod, Unvermögen mit Ausschluss bestraft", hatte es damals geheißen. Es waren ihre eigenen Worte gewesen. Sie hatten einen Bluteid darauf geleistet. Nun hatte sie versagt und war somit nicht mehr länger ein Teil der Gruppe. Doch warum fürchtete sie um ihr Leben? Vielleicht, weil sie nicht wusste, wie die anderen ihr Versagen deuten würden.... Wieder einmal versuchte Oxana sich in Rawen hineinzuversetzen. Was würde die Elbe als nächstes tun? Aufgeben? Nein, Rawen gab nicht auf. Rawen gab nie auf. Sie hatte noch nie einen Auftrag verpatzt. Und sie würde in diesem Fall keine Ausnahme machen.

Dollaur spürte ihre Anspannung, schnaubte unruhig und stieß sie mit seinem feuchten Maul an die Schulter. "Halt endlich still", knurrte Oxana und gab ihm einen ärgerlichen Klaps zwischen die Augen.

"Du kannst ihn mir jetzt geben!", rief Obhart. Sie drückte ihm die Zügel in die Hand und sah geistesabwesend dabei zu, wie der Schiffführer ihren Hengst in die letzte freie Box führte. Am Ende des schmalen Raumes standen zwei weitere dunkelbraune Tiere in strohgefüllten Boxen und warfen, ungestört durch die Ankunft ihrer neuen Mitreisenden und gemächlich ihren Hafer fressend, ab und zu einen Blick zu ihnen hin. Diese Pferde waren es bereits gewohnt in einem wankenden Schiffsbauch zu reisen.

"Wann werden wir ablegen?", erkundigte sie sich.

Obhart trat, Dollaurs Zaumzeug in den Händen, aus der Box und verriegelte sie sorgfältig. Er hatte sein Haar nachlässig im Nacken zusammengebunden und sah in den trockenen Kleidern nicht halb so heruntergekommen aus wie bei ihrem ersten Treffen. Ihr war aufgefallen, dass seine Hände kräftig und übersäht von lange verheilten Schwielen und Narben waren. Die Hände eines Kriegers.

"Sobald Sarnir endlich aus der Stadt zurückkommt", antwortete der Schiffführer.

Er hängte den Sattel an einen Nagel in der Wand und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Es war ein ganzes Stück Arbeit gewesen, diesen sturen Hengst dazu zu bringen, sich an Bord zu begeben. Dollaur hatte ihn dabei tatsächlich zweimal in die Hand gebissen.

Oxana verdrehte die Augen. Nîthiel hatte Sarnir vor einer halben Stunde in die Stadt geschickt, um "noch kurz" einige Einkäufe für sie zu tätigen. Legolas hatte ihm zudem noch aufgetragen, neue Pfeile und Waffen einzukaufen. Auch wollte der Prinz Sarnir begleiten, doch alle anderen hielten das für eine schlechte Idee. Nach dem gestrigen Abend war jedem klar, hinter wem die Blutjäger her waren.

Oxana fragte sich, was die Elbe denn noch alles auf die dreitägige Reise mitnehmen wollte- an Bord gab es schließlich genug zu essen und zu trinken und auch ausreichend Decken und Mäntel, falls es noch weiter abkühlte.

"Vermutlich lässt sie ihr Kleid ausbessern oder kauft sich ein neues", mutmaßte Obhart und sprach damit in etwa das aus, was sie gerade dachte. Sie grinste breit. Es klang nicht unbedingt so, als könne ihr Schiffführer Nîthiel besonders gut leiden.

"Nun, man muss ja einen guten Eindruck auf seinen Verlobten machen. Nach zweihundert Jahren besteht die Gefahr, dass er das Interesse an ihr verlieren könnte."

"Zweihundertsiebenundsechzig", verbesserte Obhart grinsend, "und du hast Recht- jetzt, wo sie ihn endlich soweit hat..."

Er drehte sich zu den Boxen um und überprüfte ein letztes Mal, ob sie auch ordentlich verschlossen waren. "Was willst du damit sagen? Weißt du denn über die beiden Bescheid?" "Oh, und ob!", rief Obhart lachend, "ich transportiere nur selten Leute den Anduin runter. Meiste Zeit sitze ich in dieser Stadt fest, praktisch eingeklemmt zwischen den beiden Elbenwäldern. Du hast keine Vorstellung davon, wie viel in einer so kleinen Stadt getratscht wird...."

Er schnalzte mit der Zunge und deutete zu einer Luke, durch die eine Leiter nach oben führte. "Sprechen wir oben weiter. Nach Euch!" Oxana schüttelte energisch den Kopf. "Nach Euch. Ich bestehe darauf."

Obhart gehorchte grinsend.

Die Leiter endete nicht an Deck, sondern eine Etage tiefer , wo sich die engen Kabinen der Besatzung befanden.

Obhart öffnete ein quadratisches Gitter, und half ihr, aus dem Loch zu klettern, bevor er es wieder schloss. Der Geruch nach Pferd war selbst hier oben noch durchdringend und würde sich im Laufe der Reise sicherlich noch verstärken. Oxana dachte lieber nicht daran, wie es dann hier riechen würde. Der Gang war so niedrig, dass Obhart den Kopf einziehen musste und so eng, dass sie nebeneinander keinen Platz mehr fanden

"Sagst du mir jetzt vielleicht, wie ihr dieses scheußliche Bier braut?", fragte sie neugierig, rechnete aber schon gar nicht mehr mit einer Antwort. In dieser Hinsicht war der Kapitän stur wie ein Ochse.

"Nein. Und wenn du dich auf den Kopf stellst- es bleibt ein Geheimnis. Einst musste ich...."- "Dem Braumeister, der dir davon erzählte, schwören, nie ein Wort darüber zu verlieren", beendete Oxana gelangweilt, "danke, aber das hast du mir nun bereits ein halbes Dutzend Male erklärt".

"Doch wie es scheint noch nicht oft genug für dich", meinte Obhart. "Es müsste schon ein kleines Wunder geschehen, damit du die Zutaten aus mir rausbekommst."

Oxana machte ein verdrießliches Gesicht. Sie hatte nicht vor, mit dem Rezept zur Konkurrenz zu gehen. Nein, im Gegenteil- eine solche Delikatesse wollte sie den Menschen nicht zumuten. Sie wollte bloß herausfinden, warum das Gift nicht gewirkt hatte. Noch glaubte sie daran, dass es für jedes wundersame Ereignis eine Erklärung gab. Vermutlich verdankte sie diesem Getränk ihr Versagen.

Endlich erreichten sie die kurze Holzstiege, die bis aufs Deck hinaufreichte. Oxana atmete genüsslich die frische, kühle Luft ein und bemerkte erst jetzt in vollem Maße, wie stickig es unter Deck gewesen war.

"Nun?", sie gingen backbord und beobachteten über die Relings den belebten Fischmarkt im Hafen. Obharts Schiff war etwa doppelt so groß wie einer der Fischerkähne, die im Hafen angetaut waren und auch etwa doppelt so hoch, sodass sie einen schönen Überblick über die Menschenmenge hatten.

"Du wolltest mir mehr über Nîthiel erzählen! Du solltest dich beeilen bevor sie und Legolas ebenfalls an Deck kommen!", drängte Oxana.

"Hast du etwa Angst vor ihr?"

"Angst?" Oxana lachte abfällig. "Vor DER? Sie sollte eher Angst vor mir haben!"

Beide grinsten sie, aber aus verschiedenen Gründen.

"Das solltest du aber", meinte Obhart, "nach allem, was man sich so erzählt..." - "Was erzählt man sich denn so?" Sie hatte es noch keinem Menschen gegenüber erwähnt- aber sie liebte Gerüchte. Das war ihr vermutlich noch aus ihrer Kindheit in Edoras erhalten geblieben und hatte sich über die Jahre gehalten. Obhart versicherte sich kurz, dass sie auch wirklich alleine an Deck waren. Dann beugte er sich nach vor und flüsterte: "Man sagt, sie hätte sämtliche Rivalinnen mit allen nur erdenklichen Mitteln aus dem Weg geräumt."

"Wenn das so ist, brauche ich ja nichts zu fürchten", grinste Oxana, "denn zum einen bin ich nicht an ihrem Verlobten interessiert und zum anderen glaube ich kaum, dass sie mir etwas antun kann. Nun ja..." , sie machte ein ernstes Gesicht, "vielleicht doch....sie könnte mit ihrer Stimme meinen Schädel zum Platzen bringen."

Obhart lachte herzhaft. Ein nüchterner Obhart war eindeutig sympathischer als ein betrunkener.

"Worüber lacht ihr?", rief eine altbekannte Stimme hinter ihnen.

Es war Nîthiel. Sie trug ein enggeschnittenes, dunkelrotes Kleid und hatte wieder das Collier mit dem grünen Stein umgehängt.

Ihr Haar war heute hochgesteckt und sie hatte trug weniger Schminke als sonst. Bloß ihre Augen waren dunkel bemalt. Warum sie das nur immer tut, wunderte sich Oxana, sie wäre doch sicher auch schön wenn sie nicht aussieht, als wäre sie in einen Farbtopf gefallen. Es musste doch furchtbar unangenehm sein so herumzulaufen.

Nîthiel lächelte, aber wirkte lauernd und alles andere als humorvoll. "Lauernd" hätte es wohl eher getroffen.

"Es ist nichts", winkte Oxana ab und drehte sich zu ihr um.

"Also habt ihr nicht über mich gesprochen?"

Oxana spannte unbewusst ihre Schultern. Zum Teufel mit den Elben und ihrem verflucht guten Gehör!!

"Nein."

"Dann ist es ja gut", lächelte Nîthiel kühl und maß sie wieder mit diesem " Du -bist- unter - meiner - Würde- und - das - weißt - du - auch"- Blick, den Oxana schon längst nicht mehr wahrnahm.

"Oh, ich sehe, Sarnir kommt endlich zurück."

Oxana kniff die Augen zusammen und versuchte unter all den Menschen den dunklen Haarschopf Sarnirs ausfindig zu machen, doch sie schaffte es nicht.

Als sie sich wieder umwandte, sah sie gerade noch das denunzierende Lächeln auf dem Gesicht der Elbe, als die sich umwandte und mit den Worten: "Ich werde ihm entgegengehen", wieder unter Deck verschwand.

"Warum tut sie das immer??", grunzte Oxana, "ich könnte sie..." Sie rang hilflos mit den Händen in der Luft und kniff die Augen böse zusammen. Wäre Nîthiel nicht Nîthiel und wären sie einander unter anderen Umständen begegnet, sie hätte gewusst, was zu tun war. Gewalt war zwar keine Lösung, aber manche Probleme ließen sich mit ihr einfach schneller und endgültiger aus der Welt schaffen...

"An deiner Stelle würde ich mir mehr Sorgen um mich selbst machen. Die letzte, die Legolas zu nahe gekommen ist, soll unglücklich von dem Baum gestützt sein, auf dem sie ihr halbes Leben zugebracht hat. Einige Augenzeugen wollten Nîthiel ganz in der Nähe gesehen haben, aber als man sie ein zweites Mal befragte, waren sie sich plötzlich doch nicht mehr ganz so sicher und zogen ihre Aussagen zurück. Du musst wissen- ihre Familie ist steinreich und hat großen Einfluss."

Oxana runzelte unwillig die Stirn. "Ich sagte doch bereits- ich habe kein Interesse an..." Sie brach ab und verstummte, als sie ein amüsierten Funkeln in Obharts Augen treten sah. Ach, sollte dieser dämliche Kapitän doch denken was er wollte! Angesäuert starrte sie in eine andere Richtung und schüttelte den Kopf.

Nîthiel eine Mörderin?? Lächerlich! Die konnte ja nicht einmal einen Dolch richtig herum halten.