Von Trollen und Geräuschen in der Dunkelheit

Misslaunig betrachtete Edembo* die zappelnde Beute. Es war wirklich erstaunlich, wie stur dieser dünne Rotschopf war. Seit einer geschlagenen Stunde riss und zerrte das schwächliche Wesen nun schon an seinen Ketten.

Sie war wirklich ausdauernd. Dabei war es doch völlig umsonst! Die massiven Eisenhalterungen hatten die letzten Jahrzehnte gehalten, und es hatten beileibe schon kräftigere Geschöpfe daran gehangen als dieses zerlumpte Wesen!

Vorhin hatte es auch gebrüllt und nach ihm gespuckt. Daraufhin hatte er es niedergeschlagen und mit einem dreckigen Lumpen geknebelt.

Mit der Zeit ging einem dieses unerträgliche Gekreische, besonders in der Tonlage, die dieses Menschenwesen anschlug, ja wirklich auf die Nerven. Zusätzlich verstärkte die Akustik der Höhle die Lautstärke und verwandelte das -er nannte es "Quietschen"- in einen Heidenlärm. Und es war nicht gut, wenn man unter tonnenweise Schneemassen saß und großen Krach machte.

Es gab nicht vieles, wovor Bergtrolle sich fürchten mussten- aber der weiße Tod machte vor nichts und niemanden Halt. Raste erst einmal eine Lawine auf sie zu, so nützten Edembo und den seinen auch ihre enormen Körperkräfte nicht mehr viel.

Nun war der Rotschopf wieder wach und begann erneut wie verrückt herumzuhüpfen. Klugerweise hatte er ihr auch die Hände gefesselt, als sie bewusstlos gewesen war. So konnte sie den Knebel nicht entfernen.

Edembo rülpste, sah zufrieden auf den abgenagten Knochen hinab und kickte ihn in eine Ecke der Höhle. Dort stapelten sich bereits Unmengen von bleichen Schädeln und Gerippen.

Edembo hatte keinen feinen Geruchsinn- aber einem Menschen wären bei dem Gestank, der von dem Haufen ausging, sicherlich die Sinne geschwunden.

"Man i had hen?[Wo bin ich]", hallte eine Stimme dünn durch den runden Höhlenraum.

Oh, nun begann sich auch die andere Beute zu regen. Sie war am Fuß auf dieselbe Weise mit der Wand verbunden wie das rothaarige Menschenwesen.

Der Troll musterte aufmerksam den hochgewachsenen, schlanken Mann.

Die spitzen Ohren, die hohe Stirn.....diese ekelerregende, selbstsichere Ausstrahlung und nicht zuletzt der wunderbare, wertvolle Bogen....ohne Zweifel, seine Brüder hatten einen Elben gefangen. Nun, Abwechslung auf dem Speiseplan war immer willkommen, besonders, wenn man in diesem trostlosen Gebirge leben musste und sich fast das ganze Jahr von zähem Orkfleisch und irgendwelchem namenlosen Getier ernähren musste, das sich in den dunkelsten Winkeln der Höhlensysteme tummelte.

Gierig leckte er sich über die grauen Lippen und stand auf.

Er hatte soeben einen Menschen verspeist. Nun wurde es Zeit für den Hauptgang.

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"Mmmmmm!!! Mmmmooaaa!!"

Sarnir blinzelte. Sein Kopf dröhnte wie ein herannahendes Gewitter. Bei Eru, da hatte ihm aber jemand gewaltig eins übergezogen!

Er richtete sich auf, so schnell wie nur möglich.

Nicht schnell genug in Oxanas Augen.

Was, bei allen Göttern, hatte sie verbrochen, um ihr ganzes Leben lang immer bloß in Schwierigkeiten zu stecken?? Konnte denn nicht einmal, ein einziges Mal, irgendetwas NICHT schief gehen? Sie waren in diesem Gebirge, WEIL etwas schief gegangen war. Und jetzt war schon wieder etwas schief gegangen! Womit hatte sie das verdient?

"MMMMMMMM!!"

Warum trödelte Sarnir so?!?

Dieses komische Monstrum war vielleicht schwerfällig, aber einer seiner Schritte maß soviel wie ein Mann, wenn er lag. Und zwischen ihnen und dem Troll fanden nicht mehr viele Männer Platz!!

Sie begann zu versuchen, ihren Knebel irgendwie auszuspucken. Als ihr das nicht gelang, versuchte sie den widerlichen Fetzen, der vermutlich von der letzten Malzeit des Trolls stammte, irgendwie an ihrer Schulter abzustreifen. Erfolglos.

Sarnir war ENDLICH vollständig aufgerichtet. Sein Haar hing ihm wirr ins Gesicht, er strich es sich beiseite und ..... seine Hände! Sie waren nicht gefesselt! Ein winziger Hoffnungsfunke glimmte in ihr auf. Doch dann traf es sie wie ein Blitz: Sie waren beide entwaffnet. Der Troll hatte ihr Schwert, Dolch und Armbrust abgenommen, ebenso wie er dem ohnmächtigen Sarnir die Waffen geraubt und irgendwo in den hinteren Teil der Höhle, der im Dunklen lag, verräumt.

Verzweifelt zerrte sie an der Kette. Ein breiter Eisenring umfasste eng ihr Fußgelenk und eine zwei Meter lange Kette endete in einer leider ziemlich stabil aussehenden Vorrichtung im Felsen. Ihr Blick schweifte zum Höhleingang, bzw. Ausgang hin. Nichts. Das runde Stück weißen Himmels blieb leer.

Überdies war der niedrige Eingang so weit entfernt, dass sie nicht einmal mehr die kühle Luft spüren konnte.

Heiße Tränen bildeten sich in ihren Augen.

Das konnte doch nicht das Ende sein!

Sie sah den Troll hasserfüllt an. Er überragte sie fast um das Doppelte, war dreimal so massig wie sie. Seine Gesichtszüge hatten entfernte Ähnlichkeit mit dem eines Menschen, aber wirklich SEHR entfernte.

Er trug fleckige Kleider, die aus allen möglichen anderen Teilen zusammengeflickt zu sein schienen und stank bestialisch.

Je näher er kam, desto mehr beunruhigende Einzelheiten wurden ihr enthüllt: Eine Reihe äußerst scharf aussehender, in alle Richtungen stehende Zähne, ein Speichelfaden, der ihm aus dem Mundwinkel auf seinen Kragen tropfte, schwarze, entzündete Augen, narbenübersäte, grobporige Haut, die in etwa die Farbe des Gesteins um sie herum angenommen hatte.

Der Troll leckte sich die Lippen. Automatisch wanderte Oxanas Blick zu dem Knochenhaufen hin.

So ein Ende war nicht bloß furchtbar und unpassend- es war widerwärtig. Sie wollte nicht wie diese armen Pechvögel als ein Haufen abgenagter Knochen enden!

"Wo sind die anderen?"

Sarnir hatte die Sprache wiedergefunden. Endlich!

Sie durchbohrte ihn mit Blicken, der Elb begriff zuerst nicht, dann machte er ein bestürztes Gesicht. "Oh. Hoppla, das habe ich nicht gesehen...." Er griff nach den Knebel und befreite sie davon.

"Was spielt das jetzt für eine Rolle wo die anderen sind? Wir haben zur Zeit größere Probleme!!!" Sie wies mit dem Kopf auf den Troll, die Hände konnte sie ja nicht heben, die waren hinter ihrem Rücken gefesselt.

"Mach irgendwas!"

Sarnir hob eine Braue und sah sich um. Dann nickte er. Schließlich legte er den Kopf schräg. "Tut mir Leid- ich wüsste nicht was!"

"Aber du bist doch ein Elb!", rief Oxana völlig entgeistert, "Elben wissen immer, was zu tun ist!"

"Ich bin ein Elb, kein Zauberer!", beschwerte sich Sarnir, "warum sollen eigentlich immer wir Elben euch Sterblichen aus der Patsche helfen?!"

"Weil der Ältere dem Jüngeren nun Mal hilft, deswegen!", begehrte Oxana auf, "ihr habt auch verdammt noch Mal genug Zeit gehabt, um Erfahrungen zu sammeln! Du kannst auf dem Schnee gehen!" Sie machte eine Geste. "Dann kann es doch nicht so schwer sein, einen blöden Troll zu vertreiben! Und warum hast du dich überhaupt einfangen lassen???"

"MOMENT", unterbrach eine grollende Stimme, "ICH VERBIETE MIR, SO GENANNT ZU WERDEN. ICH BIN VIELLEICHT GROSS, ABER NICHT BLÖD."

Oxana erbleichte.

Sarnir kämpfte um seine Fassung.

Der Troll war stehen geblieben und war offensichtlich ihrer kleinen Kontroverse gefolgt.

Oxana schluckte, ihre Kehle fühlte sich wie ausgedörrt an. "Du.... verstehst uns!", quetschte sie mit heiserer Stimme hervor, "wie..... kommt das?"

Der Troll machte ein beleidigtes Gesicht. Zumindest glaubte Oxana das. Es war schwer, Gefühlsregungen an der riesenhaften Visage abzulesen.

"WIR SIND, WIE IHR, FÜHLENDE UND DENKENDE WESEN. WIR HABEN NAMEN, BRÄUCHE UND SITTEN. UND WIR LERNEN."

"Du meinst du sprichst mit deinem Essen, bevor du es...?", warf Sarnir ein.

Der Troll nickte eifrig.

Oxana legte den Kopf schräg und wich unauffällig bis an die Steinwand zurück. "Dann besteht also die Möglichkeit, dass du uns frei lässt?"

Der Troll sah sie an und schien lange zu brauchen, um ihre Worte verstehen zu können. "DU SPRICHST SEHR SCHNELL", bemerkte er, "UND AUSSERDEM KENNST DU VIELE WORTE VON DENEN ICH NOCH NIE ETWAS GEHÖRT HABE. WAS WOLLTEST DU ZUM BEISPIEL DAMIT SAGEN, ALS DU MICH EINEN °VERDAMMTEN...."

"Du hast ihr noch keine Antwort gegeben!", fiel Sarnir ihm hastig ins Wort.

Der Troll hielt inne, runzelte unwillig die Stirn, schien nachzudenken. Er war wirklich schwerfällig.

Dann sagte er: "NEIN."

"Aber du sagtest doch du bist ein intelligentes Wesen!", rief Oxana verärgert, "und ein intelligentes Wesen kann Mitleid empfinden! Wozu brauchst du uns denn? Du hast doch gerade gegessen! Außerdem sind wir mager und zäh! Ich wüsste da ein paar Leute, die würden euch sicher besser schmecken! Besonders eine von ihnen, eine Elbe mit dunklem Haar und...."

"Oxana!"

"Was?!" Sie zog ein gekränktes Gesicht. "Was ist?"

Sarnir schüttelte den Kopf, ignorierte aber ihr kindisches Aufbegehren und richtete seine Worte an den Troll:

"Wie lautet dein Name?"

Das Wesen zögerte. Dann wischte es sich nachlässig über den Mund und grunzte: "EDEMBO."

"Gut, Edembo, dann hör mir zu", begann Sarnir eindringlich und trat vor, soweit es ihm die Kette erlaubte, "wen hast du da gerade gegessen?"

Die Antwort ließ wieder auf sich warten. Oxana begann ungeduldig zu werden. Ihre Hände tasteten hinter ihren Rücken über die Felswand. Vielleicht befand sich dort ja ein lockerer Stein. Eine kleine Waffe war besser als keine Waffe.

Endlich antwortete der Troll. "EINEN MENSCHEN, GLAUBE ICH."

Glaubte er? Oxana schluckte. "Was soll das heißen- glaube ich?", fragte sie aggressiv.

"ICH ACHTE DA NIE SO GENAU DRAUF. AUSSERDEM SEHT IHR DOCH ALLE IRGENDWIE GLEICH AUS..."- rechtfertigte sich Edembo.

"War es einer von denen, die mit uns gereist sind?", fragte Sarnir ruhig.

Einen Herzschlag lang verstummte das leise Heulen des Windes vor der Höhle, verklang das leise Klirren der Ketten, verschwand der höllische Gestank in der Höhle und all ihre Sinne fokussierten sich auf die Antwort, die Edembo gab. Daraus wurden zwei Herzschläge. Drei. Vier.

Zu guter Letzt antwortete der Troll: "NEIN."

Oxana atmete tief durch. Sarnir ebenfalls. Sie sahen einander erleichtert an. Dann gab es noch Hoffnung, dass man sie rettete.

"WIR KONNTEN SIE NICHT ERWISCHEN, DIE ANDEREN DREI. ABER MEINE BEIDEN BRÜDER SUCHEN GERADE NACH IHNEN. SIE MÜSSTEN JEDEN MOMENT WIEDER HIERSEIN".

Er sah zum Höhleingang hin, zuckte mit den Schultern und fügte hinzu: "NA JA, ES SIND JA AUCH DREI."

"Du hast sicher vor, mit dem Essen auf deine Brüder zu warten, nicht wahr?", fragte Oxana hoffnungsvoll.

Edembo, nach seiner üblichen Nachdenkpause, schüttelte den Kopf. "EIGENTLICH NICHT. ICH HABE EUCH GEFANGEN, DARUM GEHÖRT IHR MIR. ICH WOLLTE MIR EIGENTLICH BLOSS EIN MESSER HOLEN."

Damit ging er selenruhig an ihnen vorbei in den hinteren Teil der Höhle.

Oxana starrte ihm mit offenem Mund nach.

"So ist das also", sagte sie, "die Trolle haben sich zivilisiert! Vermutlich werden wir noch in kleine Stücke geschnitten und gesalzen, bevor er uns auffrisst! Wirklich äußerst human!"

Edembos riesenhafte Gestalt war bereits nicht mehr zu sehen, seine Schritte verklangen zusehends.

Wie tief diese Höhle wohl in den Berg hineinführen mochte und welche Gefahren in ihrem Innersten lauerten? Nun, dieses Geheimnis würde sie wohl in einem anderen Leben ergründen müssen.

Sie seufzte und ließ sich mit dem Rücken an die Wand gelehnt zu Boden sinken. Sarnir ging zur Wand hin, brach mühevoll einen Stein aus der Mauer und begann damit ihre Fesseln durchzuscheuern.

"Es ist fast peinlich, so zu enden", murrte sie, umschlang ihre angezogenen Beine und legte den Kopf auf die Knie.

Sie beobachtete Sarnir dabei, wie er an seiner Fußfessel zu rütteln und zu ziehen begann. "Es hat keinen Sinn", erklärte sie, "die Ringe sitzen wie angegossen, die Kette scheint aus reinem Mithril gemacht worden zu sein..."

Sarnir sah stirnrunzelnd auf die Glieder der Kette hinab. "Du hast Recht", murmelte er, "sie scheinen aus einer elbischen Schmiede zu kommen!"

Oh, ein weiteres Geheimnis, das sie mit sich ins Grab nehmen würden. Sie hatte keine Lust, überrascht zu sein. "Denkst du, sie werden noch kommen?"

Sarnir sah sie lange nachdenklich an.

Dann ließ er plötzlich von seiner Fußfessel ab und setzte sich neben sie.

"Falls nicht...", begann er zögerlich.

Oxana sah überrascht auf. Er klang verunsichert, ungewohnt nervös und wich ihrem Blick aus.

"...dann möchte ich, dass du etwas Wichtiges weißt."

Er schien allergrößte Schwierigkeiten zu haben, die passenden Worte zu finden.

Dann sah er plötzlich auf und blickte ihr fest in die Augen. Sie hatte das Gefühl, dass ein Feuer in ihnen tobte, ein dunkles, sehnsüchtiges Feuer, das in seinem Innersten brannte.

Irgendwo weit hinten in der Dunkelheit ertönten leise Geräusche, doch keiner von ihnen beiden nahm sie wirklich wahr.

"Ich liebe dich".

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N a c h w o r t :

Nun gut, die letzte Reviewwelle war ja nicht gerade umwerfend. Ich hab bereits besseres erlebt. Also, jetzt hängt euch aber mal ins Zeug oder ich bekomme noch das gefühl, dass eh keiner mitliest * schnief * !!!!!!

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