Ihr Blick war enorm wütend!

Fragend hielt ich mir meine Wange und rieb sie leicht.

Das hatte gerade wirklich wehgetan…

„Nichts ist gut!", schrie sie: „Ich weiß immer noch nicht, wo du gewesen bist und was das sollte!

Du kannst nicht einfach abhauen und niemandem was sagen!

Wir haben uns verdammt noch mal…Sorgen gemacht."

Sie…hatte sich Sorgen gemacht…?

Um mich?

Ich war glücklich.

Ich bedeutete ihr wirklich etwas!

Wenn sie sich sogar schon Sorgen machte…

Verträumt sah ich sie an und verlor mich dabei irgendwo in diesem schokoladigen Braun.

„Und du findest das lustig?", fuhr sie mich an und schüttelte fassungslos den Kopf: „Ich fand es nicht lustig, mir Tag für Tag Stefans Schuldgefühle anzuhören, ihm beizustehen und ganz nebenbei so zu tun, als würde es mich nicht auch schmerzen, dass du weg bist."

Mit diesen Worten und einer ziemlich ernsten Miene machte sie kehrt und stieg die Treppen wieder nach oben.

Ich brauchte eine Weile, um zu realisieren, was sie gerade gesagt hatte, bevor ich begriff, dass sie gerade dabei war, mich hier einfach stehen zu lassen.

„Elena!", rief ich und lief ihr hinterher.

Ich fasste ihren Arm und hielt sie zurück, ein paar Stufen, bevor sie das Obergeschoss erreicht hatte.

Sie drehte sich zu mir herum.

„Bitte…lass uns wenigstens reden!

Lass es mich erklären!", flehte ich und bemerkte, dass meine Finger ihren Arm leicht streichelten.

Sie schüttelte den Kopf und riss sich genervt los.

Ich ließ sie ziehen, nur, um im nächsten Moment zu entscheiden, dass ich sie nicht ziehen lassen würde.

Nicht so!

Ich folgte ihr erneut, diesmal in eines der Zimmer.

Stefans Zimmer.

„Elena!"

Wieder hielt ich sie zurück, diesmal duldete sie es allerdings nicht, dass ich sie festhielt.

Geschlagen nahm ich ein wenig Abstand und wartete darauf, dass sie mich ansah.

Sie hob den Kopf ein wenig und ich glaubte, erneut in tausend Teile zu zerspringen, als ich erneut Tränen auf ihrem Gesicht sah.

„Bitte.", wiederholte ich und sah sie dabei eindringlich an.

„Ich möchte, dass du jetzt gehst.", sagte sie fest, als hätte sie es irgendwo abgelesen.

Vielleicht stand es ja auf meiner Stirn…

Ich sollte gehen?

Ich konnte nicht gehen.

Nicht, seitdem ich wusste, dass sie mich brauchte.

Nie wieder würde ich sie allein lassen.

Und…ich würde sie nie wieder aufgeben oder gar vergessen wollen, denn das konnte ich ja sowieso nicht.

„Bitte."

„Du brauchtest Zeit, jetzt brauche ich Zeit."

Die Entschlossenheit in ihrem Blick bestärkte ihre Worte.

Zeit?

Ich wusste, ich konnte nicht mehr darauf waren, ihr endlich alles zu erklären!

Ihr zu erklären, dass ich sie liebte…

Auch, wenn es dafür keine wirkliche Erklärung gab und ich ihr das eigentlich nicht erneut sagen wollte.

Denn ertragen konnte ich so eine Abfuhr nicht noch einmal.

Trotzdem musste es sein.

Es würde passieren, gewollt oder ungewollt, denn irgendwann überkam mich dieser ganze Gefühlsmist eh wieder.

Zögerlich streckte ich einen Arm nach ihr aus und strich dann mit meinen Fingern ganz vorsichtig und liebevoll über ihre Wange.

Ich wischte die Nässe von ihrer weichen Haut, dann zog ich meine Hand wieder zurück.

„Ich bin drüben in meinem Zimmer.", sagte ich leise und ging – auf ihr Nicken hin – zum besagten Ort.

Ich wollte ihrer Bitte nachkommen und…ja, ich brauchte einen Moment für mich.

Sie würde irgendwann kommen, da war ich mir sicher.

Aber wann?

Das konnte lange, sehr lange dauern…