„Jedenfalls…", Stefan platzierte sich auf dem Flur, genau zwischen mir und Elena: „…ist es doch schön, dass du wieder hier bist, nicht wahr, Elena?"
Besagte antwortete darauf nichts, sondern verschränkte die Arme vor der Brust.
Noch immer sah ich sie an.
„Ich würde mal gern mit dir reden, unter vier Augen, meine ich.", sagte er dann und ich hatte das unangenehme Gefühl, dass er mich dabei ansah.
Trotzdem reagierte ich nicht.
Noch immer waren meine Gedanken irgendwo bei Elena und dieser bescheuerten Unterstellung, die sie über mich losgelassen hatte.
Wieso sagte sie so was?
Ich kannte sie so nicht.
So kalt und rational…
Das klang viel zu sehr nach Katherine!
Und sie war nicht Katherine, weder vom Inneren, noch vom Äußeren.
Gut, eigentlich gab es vom Aussehen her kaum einen Unterschied, aber für mich war Elena dann doch etwas…attraktiver.
Wie auch immer…
„Damon? Kommst du jetzt oder was ist?", holte mich eine nur allzu bekannte Stimme aus meiner gedanklichen Zwischenwelt.
Es war Stefan, der abwartend auf der Treppe stand.
Er sah mich fragend an und ich nickte schnell.
Er hatte gesagt, er wollte mit mir reden.
Ich fügte mich meinem Schicksal und folgte ihm widerwillig.
…natürlich nicht, ohne vorher noch einmal ein paar Blicke mit Elena zu tauschen.
Sie wirkte für mich merkwürdig verschlossen und unantastbar und ihre Augen waren unergründlich.
Klar, ihre Meinung konnte sich nicht innerhalb so kurzer Zeit geändert haben, aber dennoch verstand ich das nicht.
Irgendwas bedrückte sie und so, wie sie mich gerade ansah und dann zu Stefan blickte, hatte das ausnahmsweise Mal nichts mit mir zu tun.
Stefan wollte sie mit einem Kuss verabschieden, aber sie blockte diese Zärtlichkeit ab.
Was war da los, verdammt noch mal?!
Ich lief mit Stefan die Treppe nach unten und schnappte mir dort meine schwarze Lederjacke, die auf einem der Kleiderhaken hing.
„Wo gehen wir hin?", fragte ich, während ich mir das Kleidungsstück überstreifte und währenddessen mit meinem Bruder ins Freie ging.
Er drehte sich beim Laufen zu mir um: „Erstens, laufen wir nicht und Zweitens…es wird dir gefallen."
EINIGE MINUTEN UND GLÄSER SPÄTER…
„Also, Brüderchen, was hast du auf dem Herzen?", fragte ich ihn belustigt.
Er sah von seinem Bier auf – ertappt und auch ein wenig erschrocken.
„Ich?
Es soll nicht um mich gehen.
Du, Damon, bis weg gewesen!
Ich dachte, du könntest mir etwas von den 2 Jahren erzählen, in denen du herumgezogen bist?!", kam es von ihm und tatsächlich war diese Schockiertheit auf seinem Gesicht verschwunden.
Er sah mich aus ernsten und ehrlichen Augen an und für einen Moment glaubte ich ihm diesen Umschwung wirklich.
…für den Moment.
„Du wolltest ‚reden', also tu nicht so!
Raus mit der Sprache.", konterte ich und freute mich, als er die Augen verdrehte.
Elena wusste nicht, ob sie weinen oder lachen sollte, wenn sie mich sah; außerdem ließ sie Stefan nicht an sich ran; der wiederum schien das gar nicht mitzubekommen und dann die bedrückte Stimmung und vor allem diese Einladung hier…
Es sollte endlich mal jemand Klartext reden!
„Ich wollte hören, wie du die Zeit totgeschlagen hast und…warum du wieder hier bist, ganz einfach.
Jetzt verdrehte ich die Augen.
Der war ganz schön widerspenstig…
Sonst hatte es kaum eine Minute gedauert, bis ich ihn weich geklopft hatte!
„Ich war in New York, mal eben.", sagte ich schließlich und kippte einen weiteren Whiskey in meinen Rachen.
Stefan runzelte die Stirn: „New York?
Nicht ein wenig zu…bewohnt?
Ich hoffe, du warst ordentlich bei Aufräumen."
Als ich mir dabei gespielt verlegen auf die Lippe biss, erreichten mich sofort seine tadelnden Blicke.
„Mit ordentlich meinst du hoffentlich…ganze Bars voller blutleerer Leichen, oder?", scherzte ich.
Doch er nahm das wirklich ernst!
Sofort sprang er auf: „Bist du jetzt völlig von allen guten Geistern verlassen?"
In seiner Stimme schwang ernsthafte Sorge und besonders Wut mit.
Er war völlig außer sich und so ziemlich alle im Grill hatten ihre Aufmerksamkeit inzwischen uns
gewidmet.
