V o r w o r t :
@all:
ich bin krank. Hab kopfweh. Blöder föhn grummel. Danke für eure reviews! @Neogoddess: sehr lieb, danke! * g* und: hallo! Du bist ja neu!!! Das freut mich natürlich besonders!!
@Vicky: is ja nicht so schlimm, ich weiß ja, dass du im gedanken bei mir bist ;-) ich übrigens auch bei dir. Wann geht's mit Eron weiter?? @jinx: danke für die aufmunterung!! @Rachel: schön, daste dich wieder mal meldest! Danke fürs review.
@all: schon gesehen?? 75 reviews!! Und dabei hab ich noch so viele ideen im kopf, was ich noch alles einbringen will!!!!ich hab angst, dass die geschichte zu lang wird!!! Aber es macht einfach soviel spaß!!
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ja, ich kann mich schützen
wirksam schützen
keiner tut mir weh
keiner kommt mir zu nah
keiner lacht mich aus
mir passiert
nichts
nichts
nichts
einfach gar nichts.
°°
(Von Hans Curt Flemming)
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Der Wind hatte, gottlob, nicht gedreht.
In Zweiergruppen kamen die Blutjäger den Pfad entlang.
Oxana begann zu zählen.
Ein, zwei, drei, vier Paar dunkel gekleidete Gestalten. Dann zwei Frauen, eine blonde, eine schwarzhaarige. Nîthiel und Rawen.
Beide gingen sie aufrecht nebeneinander her Nîthiels Haltung wies weder auf Erschöpfung noch eine Verletzung hin. Im Gegenteil. Stolz, mit erhobenem Kopf ging sie daher, und hielt offenbar mühelos mit dem scharfen Tempo der Blutjäger mit.
Nîthiels Hände waren gefesselt, das Seil hielt ein glatzköpfiger Blutjäger, der vor ihr ging. Wenn sie ihre Augen nicht täuschten, dann war sie ebenfalls geknebelt. Nun, zumindest das konnte sie Rawen nicht verübeln.
Nîthiels Stimme war.....nun ja. Außergewöhnlich.
Den beiden Frauen folgten ein Dutzend weiterer Männer.
Eine missgebildete, schwarze Kreatur lief an letzter Stelle, blieb aber alle Meter einmal kurz stehen und sah sich misstrauisch nach allen Richtungen um und schnüffelte in die Luft.
Silaid.
Sein schwarzer Mantel umwehte ihn wie eine sichtbar gewordene, dunkle Aura. Einen Moment lang glaubte Oxana, seinen Blick auf ihr ruhen zu spüren.
Erschrocken zog sie den Kopf ein.
Zwanzig Blutjäger. Und Rawen und Silaid, von denen einer für etwa drei Blutjäger aufkam.
Also insgesamt 26 Feinde.
"Mach dich nicht hysterisch", flüsterte sie zu sich selbst, "das sind weniger als du erwartet hast."
Natürlich waren es weniger. Legolas, Sarnir und Obhart hatten ja in Rohan einige getötet.
So wäre es also gewesen, wäre sie eine professionelle Kriegerin geworden. Den Göttern sei Dank, dass kein König sie hatte haben wollen!
Langsam hob sie die Armbrust, legte sie behutsam auf den Felsen und visierte den Glatzkopf an.
"Noch nicht!", hauchte Colen erschrocken.
"Ich weiß, ich wollte bloß die Entfernung abschätzen, nicht schießen", flüsterte sie beruhigend zurück und warf einen fragenden Blick zu Legolas und Obhart hinauf.
Legolas machte ihr mit Gesten zu verstehen, dass es noch zu früh sei.
Er und Obhart hockten vor einem der Steine, beide Handflächen auf den Brocken gelegt.
Über sich glaubte Oxana für eine Sekunde eine Bewegung auszumachen, dort, wo Sarnir saß, war sich aber nicht völlig sicher.
Die Blutjäger kamen immer näher. Nur noch wenige Sekunden, und sie würden die Stelle des Pfades erreicht haben, die direkt am Fuße des Abhangs und somit genau unter ihnen lag.
Als sie das nächste Mal zu Legolas und Obhart hinaufsah, hatte der Elb seinen Bogen bereits in den Händen und spannte einen Pfeil ein.
Für eine Sekunde kreuzten sich ihre Blicke, ein zuversichtliches Lächeln stahl sich auf seine Lippen.
Sie erwiderte es milde, und spürte, wie ihre Angst wich und sich in gespannte Erregung verwandelte.
Dann nickte der Prinz, wandte den Kopf und schoss.
Nun ging es also los.
Legolas' Pfeil fuhr exakt in den Hals eines Blutjägers. Der Mann brach augenblicklich tot zusammen.
Sarnir ließ den Kameraden des Toten gar nicht erst Zeit zu erschrecken, sondern feuerte den nächsten Pfeil ab und streckte damit einen zweiten nieder.
Erst jetzt schienen die Blutjäger zu begreifen, laute, wütende Schreie wurden hörbar und die Männer zückten ihre Bögen und Schwerter.
In dem Moment, in dem sie erkannten, woher sie angegriffen wurden, rollten die ersten Felsen den Abhang hinunter.
Sie lösten auf ihrem Weg eine wahre Lawine aus Schnee und Schutt vom Boden und rissen sie mit in die Tiefe.
Zweien der dunklen Gestalten gelang es nicht mehr rechtzeitig, den Gesteinstrümmern auszuweichen. Sie wurden getroffen und mitsamt den Felsbrocken auf der anderen Seite des Pfades in die Tiefe gerissen.
Einer der Blutjäger umklammerte im Fall einen weiteren und zerrte ihn mit sich in den Tod.
Ihre Todesschreie schienen erst nach einer kleinen Ewigkeit zu verhallen.
Oxana blieb ruhig sitzen und beobachtete abwartend, was weiter geschah.
Die Blutjäger waren nun gewarnt, die Pfeile, die folgten, verfehlten immer öfter ihr Ziel. Nur noch zweimal trafen sie einen der Söldner.
Rawen hatte Nîthiel von der Gruppe fortgezerrt und rücksichtslos hinter einen niedrigen Felsen gestoßen, der nur hinlänglich als Deckung für sie beide diente. Die Elbe hielt Pfeil und Bogen bereits in den Händen und spähte zu ihnen hinauf.
Doch noch verbargen sich die Angreifer hinter Felsen und der einzige Pfeil, den sie abschoss, verfehlte sein Ziel, weil sie während sie schoss wieder in Deckung gehen musste.
Oxana legte an, zielte sorgfältig und verschoss ihren ersten Bolzen.
Ihre Armbrust war nicht einmal halb so groß wie die Bögen der Elben, doch rissen ihre Geschosse furchtbare Wunden in die Körper ihrer Feinde.
Die Wucht, mit der ein Bolzen sein Ziel traf, war beiweiten größer als die eines Pfeiles.
Sie traf, wie erwartet.
Der Mann brüllte vor Schmerz, aber nicht lange, denn der kräftige Stoß des Geschosses riss ihn von den Füßen und beförderte auch ihn über den Rand des Abgrundes.
Oxana lächelte zufrieden.
"Was würde ich dafür geben, einen Bogen dabeizuhaben!", grollte Colen wehmütig. Er war bei dem Kampf bisher noch nicht zum Einsatz gekommen. Oxana war das nur Recht. Dem Alten würde die ganze Aufregung bloß unnötig zusetzen.
"Ausgezeichneter Schuss übrigens", nickte der Alte anerkennend.
Sie grinste, spannte rasch den nächsten Bolzen ein.
Sie musste sorgsam mit ihrer Munition umgehen, Armbrustbolzen ließen sich oft nicht so mühelos aus den Wunden ziehen wie Pfeile.
Einige der Blutjäger hatten Deckung hinter niederen Felsen genommen und schossen wahllos Pfeile zu ihnen hinauf, andere, es waren etwa sechs oder sieben, hielten Schilde vor sich und versuchten, den Hang hinaufzulaufen.
Wieder kamen die schweren Steine zum Einsatz.
Es waren die letzten drei.
Diesmal stießen Legolas und Obhart die Felsbrocken zur selben Zeit hinunter. Für die Männer wurde es so beinahe unmöglich, ihnen auszuweichen.
Drei wurden getroffen und rollten den Hang hinunter, wo sie tot oder verletzt liegen blieben. Ein Mann hatte das große Pech, unter den größten der drei Felsbrocken zu geraten und wurde zerquetscht.
Oxana sah hastig weg und zielte auf einen der Bogenschützen auf dem Pfad.
"Colen, Oxana! Kümmert euch um Nîthiel!", rief Legolas ihnen zu.
Colen nickte gehorsam. "Gerne, Hoheit!", antwortete er laut "Mädchen, gib mir Deckung!"
Und damit sprang er bereits auf, zog sein Schwert und rutschte den Abhang hinunter.
Oxana fluchte ungehemmt und beeilte sich, seiner Forderung nachzukommen.
Sie legte schnell einen Bolzen auf, schoss einen Blutjäger nieder, der Colen auf dem Pfad abpassen wollte und einen weiteren, der ihm nachlief und in den Rücken fallen wollte.
Mit klopfendem Herzen beobachtete sie, was weiter geschah. Colen hastete geduckt zu dem Felsen, hinter dem Nîthiel und Rawen sich verbargen, blieb aber plötzlich stehen und warf einen ratlosen Blick zu Oxana hinauf.
"DA IST KEINER!", brüllte er ihr zu.
Das war auch nicht verwunderlich, Oxana hätte sich an Rawens Stelle ebenso schnellstens in Sicherheit gebracht. Sie zögerte.
Dann drehte sie sich um und rief: "Sarnir! Gib mir Deckung!", und folgte dem alten Rohir.
Atemlos kam sie neben ihm zu stehen, packte ihn unsanft am Oberarm und zog ihn mit sich.
Drei Sölder waren bereits auf sie aufmerksam geworden und liefen mit gezückten Waffen auf sie zu.
Als sie erkannten, dass sie eine Armbrust hielt, drosselten sie augenblicklich ihr Tempo und duckten sich hinter jede Deckung, die sich ihnen anbot- auf diese Weise näherten sie sich ihnen schnell und beinahe unaufhaltsam.
Oxana fluchte wieder- was sie eigentlich seitdem der Rohir in offensichtlich selbstmörderischer Absicht den Hang hinuntergelaufen war, ununterbrochen tat- und zählte rasch die Bolzen an ihrem Gürtel.
Die Hälfte ihrer Munition hatte sie bereits verbraucht- vier Bolzen standen ihr noch zur Verfügung.
"Ihr könnt die Prinzessin nicht alleine befreien!", zischte sie über die Schulter zurück, "ich habe es keinem gesagt- aber die Frau, die bei Nîthiel ist, ist eine Elbe, und sie ist sehr gefährlich. Außerdem war da noch so eine kleine Gestalt am Ende des Zuges- habt Ihr sie gesehen?"
Oxana stutze, als keine Antwort kam, und drehte sich um.
Verdammt!
Colen war verschwunden.
Die drei Söldner nutzten ihre kurze Unaufmerksamkeit und stürmten wie auf Kommando gleichzeitig auf sie los.
Oxana reagierte schnell, aber nicht schnell genug:
Es gelang ihr, einen der Männer mit der Armbrust zu verletzen, ein zweiter hob aber plötzlich unerwarteter Weise einen Stein auf und schleuderte ihn nach ihr.
Oxana duckte sich im letzen Moment, was ihr wiederum Zeit kostete. Als sie wieder voll aufgerichtet war, war bereits einer der Männer heran und hieb mit seinem schartigen Schwert nach ihr.
Mit einem erschrockenen Schrei warf sie sich zur Seite, brüllte vor Schmerz, als sie unglücklich auf ihrer verletzten Schulter aufkam und ließ zu allem Überdruss die Armbrust fallen.
Der Söldner setzte ihr erbarmungslos nach, hob sein Schwert, um seine am Boden liegende Feindin zu töten.
Diese allerdings entsann sich noch rechtzeitig ihrer Beine und versetzte ihm einen brutalen Tritt ins Schienbein.
Der Mann keuchte erschrocken, als sein Bein plötzlich unter ihm nachgab und er beinahe hinfiel.
Irgendwie schaffte er es doch, das Gleichgewicht zu halten, brauchte aber einige Sekunden dazu, in denen Oxana aufsprang, Schwert und Dolch ziehend.
Der zweite Blutjäger war nun ebenfalls heran. Es war der Glatzkopf, der Nîthiel an den Fesseln geführt hatte.
Nun, da sie ihn aus der Nähe betrachten konnte, stach ihr sofort seine neuartige Rüstung ins Auge, insbesondere seine sauber gearbeiteten, ledernen Schienbeinschützer.
Seine Waffe war ein breiter, geschwungener Säbel, mit dem er, wohl als Demonstration seines Könnens, die Luft zwischen ihnen zerteilte.
Der erste Blutjäger hob seine Klinge und stellte sich neben seinen Kameraden.
"Oh, sieh an!", grinste der Glatzkopf, "die Armbrust...der Dolch...das flammende Haar- Ihr müsst Oxana sein. Von Euch habe ich bereits einiges zu Ohren bekommen! Man sagt, Ihr seid eine der besten in diesem Beruf. Stellt Euch vor, ich war sogar eine zeitlang einer Eurer größten Bewunderer...auf jeden Fall bis dass Ihr Eure eigenen Kollegen verraten habt...."
Oxana beugte den Oberkörper etwas nach vor und wich langsam vor den beiden recht stattlichen Gegnern zurück.
Drohend ließ sie die Spitze des schlanken Schwertes zwischen den Gesichtern der beiden hin- und herwandern.
Mit dem Dolch stach sie immer wieder in die Luft, wenn einer von ihnen ihr zu nahe kommen wollte.
"Die Chefin meinte, du hast sie und den Halbork übers Ohr gehauen", meinte der andere.
Oxana wölbte die Brauen.
"Rawen? Sie hat sich also zu eurer Anführerin ernannt!"
Sie stieß einen obszönen Laut aus.
"Wo ist sie denn nun, Eure Chefin? Es sieht ganz so aus, als hätte sie euch im Stich gelassen!"
Der Glatzkopf zuckte mit den Schultern. "Sie kümmert sich um die Geißel. Das Ziel ist immer wichtiger als der Weg."
"Weise Worte aus dem Mund eines Mörders", meinte Oxana hämisch, "ich nehme an, jemand hat euch eine hübsche Summe dafür geboten, den Prinzen einzufangen. Um nicht zu sagen...eine unglaubliche Summe, die euch den Verstand vernebelt hat- denn hinter dem Prinzen steht ein König, und hinter dem König ein ganzes Volk, meine Freunde! Oder wusstet ihr das etwa nicht?"
Der Glatzkopf lachte, doch es klang ein wenig verunsichert. "Rawen meinte erst kürzlich, ihr seid eine geborene Lügnerin. Wie ich sehe, hatte sie Recht."
Oxana schnappte empört nach Luft. "Sie nannte mich eine Lügnerin?!? Einst schworen wir uns einen Eid, einander niemals zu verraten oder zu schaden! Sie hat ihn gebrochen, nicht ich!"
"So?"
Der Glatzkopf machte eine nachdenkliche Miene.
"Soweit ich mich erinnern kann, konntet Ihr diesen spitzohrigen Elbenbastard nicht umbringen und habt somit in Eurem Beruf versagt. Ihr seid Schuld am Tod unserer Kameraden! In meinen Augen ist das Verrat genug!"
Oxana schnaubte wütend und umfasste den Schwertgriff fester. Ihre Augen blitzten vor Zorn.
"Halt den Mund!", donnerte sie, "halt den Mund und kämpfe!!"
Gegen zwei körperlich überlegene Gegner gleichzeitig anzutreten war keine Leichtigkeit.
Sie war schnell und geschickt mit dem Schwert, doch der Pfad war schmal, und hinzu kam, dass die beiden Männer eine gemeine Taktik eingeschlagen hatten:
Sie trieben sie so vor sich her, dass sie sich rückwärts Schritt für Schritt dem Abgrund näherte.
Oxana kämpfte wie noch selten zuvor in ihrem Leben, erfüllt von unglaublichem Zorn, der ihr Kraft verlieh.
Sie nannten sie eine Lügnerin! Eine Verräterin an den ihrigen!
Wer wusste, vielleicht hätte sie die beiden auf dem Kampfplatz sogar besiegen können.
Hier aber auf dem Pfad gelang es ihr nicht.
Ihr Fuß stieg plötzlich ins Leere.
Sie schrie vor Überraschung und Entsetzen laut auf, ruderte verzweifelt mit den Armen und schaffte es irgendwie, sich wieder auf sicheren Boden zurück zu retten.
Der Glatzkopf lachte schallend, nutzte ihr Erschrecken aus und prellte ihr das Schwert aus der Hand.
Keuchend wich sie vor dem nächsten Hieb des anderen zurück und- fiel.
Diesmal endgültig.
Ein purer Reflex rettete ihr das Leben. Zumindest für die folgenden Sekunden.
Denn irgendwie schaffte sie es, ihren Dolch tief in die Erde zu rammen und sich daran festzuklammern.
Der Rest ihres Körpers baumelte über einem bodenlosen Abgrund. (nun ja, nicht bodenlos, aber immerhin tief genug, um sich alle Knochen zu brechen, wenn man unten aufkam...)
Die beiden Männer lachten böse, der Glatzkopf bückte sich und begann bedächtig an dem Dolchgriff zu rütteln und ihn aus der Erde zu ziehen.
"Ihr seht- alle Verräter bekommen was sie verdienen, früher oder später. Lebt wohl oder...." Er sah nachdenklich an ihr vorbei, "Alä, wie es die Elben wohl sagen würden!"
Oxana grinste.
Der Glatzkopf erstarrte, als eine kalte Klinge sich an seine Kehle legte.
Sarnir nahm sich des zweiten Söldners an.
"Wenn du sie fallen lässt, schneide ich dir den Hals durch, das schwöre ich", zischte Legolas kalt in das Ohr des Glatzkopfes.
Dieser schien klug genug zu sein, um die Ernsthaftigkeit in seiner Stimme zu erkennen und erbleichte.
"Schon gut", knurrte er und zog die Hand hastig zurück.
Obhart trat von der Seite heran, fasste nach Oxanas Handgelenken und zog sie mühelos herauf.
Sie atmete tief durch, wartete, bis ihr Puls sich beruhigt hatte. Diese ständigen Nahtoderlebnisse taten ihrem Kreislauf nicht gut.
Noch immer hielten die beiden Elben die Männer fest, pressten ihnen ihre Waffen an die Hälse.
"Und nun werdet ihr uns verraten, wer euer Auftraggeber ist", forderte Legolas im scheinbaren Plauderton. Oxana jagten kalte Schauer über den Rücken, als sie ihn hörte.
Der Glatzkopf lachte leise und spie gehässig aus.
"Ich werde dir gar nichts verraten, elbischer Bastard!", zischte er.
Oxana legte den Kopf schräg. Etwas in seiner Stimme gefiel ihr nicht.
Legolas verstärkte den Druck auf seine Kehle. "Sprecht oder sterbt!"
"Oh, ich zittere vor Angst. Denkt Ihr, ich hätte Angst vor dem Tod? Gerade Ihr solltet es besser wissen, nachdem, was in Rohan geschehen ist. "
Oxana runzelte die Stirn. Er meinte zweifellos den Söldner, der sich im Lager der Rohirrim selbst getötet hatte.
Erkannte er denn nicht, dass Legolas Ernst machen würde? Es klang ganz so, als würde der Mann wirklich seinen Tod miteinberechnen! Bei allen Göttern, wie hoch war die versprochene Belohnung, dass diese Narren ihre Leben dafür gaben??
Sie blinzelte.
Wo war eigentlich Silaid hinverschwunden?
"Wir sollten Nîthiel und die anderen suchen", murmelte sie und hob ihre Waffen auf. "Lass ihn. Er wird nicht reden. Es ist wichtiger, sich um die Prinzessin zu kümmern."
Legolas nickte. "Du hast Recht. Wir sollten sie töten."
Oxana nickte steif. "Das wäre wohl das beste", meinte sie flach.
Aus irgendeinem Grund ließ er die beiden doch am Leben.
Sie nahmen ihnen sämtliche Waffen, Oxana erlaubte sich, dem glatzköpfigen seine schicken Beinschienen abzunehmen, und fesselten die beiden an einen Stein.
"Falls sie es schaffen sollten sich zu befreien, wird es spät sein und sie werden sich mit weit gefährlicheren Gegnern herumzuschlagen haben, als wir es sind", meinte Legolas.
Gleichgültig fügte er hinzu: "Falls nicht, wird ihnen das widerfahren, was sie verdienen."
Oxana schauderte.
Da war soviel alter, tiefsitzender Hass in seiner Stimme.
Und sie wusste, woher er kam. Leute wie die beiden Männer hatten seinen Bruder getötet. Leute wie diese. Sie war eine von ihnen. Nein....sie war eine von ihnen gewesen.
Was immer sie gerade war- eine Blutjägerin war sie nicht mehr.
Colens und die Spuren der entflohenen Blutjäger führten sie den Pfad entlang ins Tal hinunter.
Der Weg war unerwartet lang.
Sie liefen beinahe eine Viertel Stunde lang bergab, bis die Spuren den Weg verließen und zu eine steil abfallende Felswand führten. Legolas blieb stehen und starrte vorsichtig in die Tiefe.
Der Höhenunterschied zum darunterliegenden Boden war hier nicht mehr allzu groß, aber der Abstieg führte über nackte, spitze Felsen fast senkrecht in die Tiefe.
Unten befanden sich die Ausläufer eines riesigen Nadelwaldes, der sich über zahllose Hügel weit nach Süden erstreckte. Es waren Tannen und Fichten, ab und an auch Föhren und Pinien, die nur im südlichen Teil des Landes wuchsen.
"Meinst du, dass du...?", fragte Legolas zweifelnd.
Sarnir hatte sich bereits ohne zu zögern an den Abstieg gemacht.
Sie sah ihn tadelnd an. "Du solltest aufhören, mich mit einem Kind zu verwechseln, Elb! Natürlich kann ich da hinunterklettern. Du müsstest mich inzwischen besser kennen."
Legolas zuckte mit den Schultern. "Wenigstens kenne ich dich gut genug um zu wissen, dass es keinen Sinn hat, dich davon abbringen zu wollen", seufzte er.
"Wenn der Alte und Nîthiel das geschafft haben, werde ich es wohl auch hinbekommen", lächelte Oxana, "und nun los. Wir wollen doch deine Verlobte finden."
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N a c h w o r t : Ich hör an dieser Stelle mal auf. Bin völlig geschafft. Tut mir leid, aber auch ich bin nur ein Mensch.... * gähn *... und habe meine Bedürfnisse. Hab mir gestern "das Leben des Brian" angesehen. Wieder mal. Ich LIEBE den Film!! Einfach nur genial. Bis bald! Conna
@all:
ich bin krank. Hab kopfweh. Blöder föhn grummel. Danke für eure reviews! @Neogoddess: sehr lieb, danke! * g* und: hallo! Du bist ja neu!!! Das freut mich natürlich besonders!!
@Vicky: is ja nicht so schlimm, ich weiß ja, dass du im gedanken bei mir bist ;-) ich übrigens auch bei dir. Wann geht's mit Eron weiter?? @jinx: danke für die aufmunterung!! @Rachel: schön, daste dich wieder mal meldest! Danke fürs review.
@all: schon gesehen?? 75 reviews!! Und dabei hab ich noch so viele ideen im kopf, was ich noch alles einbringen will!!!!ich hab angst, dass die geschichte zu lang wird!!! Aber es macht einfach soviel spaß!!
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ja, ich kann mich schützen
wirksam schützen
keiner tut mir weh
keiner kommt mir zu nah
keiner lacht mich aus
mir passiert
nichts
nichts
nichts
einfach gar nichts.
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(Von Hans Curt Flemming)
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Der Wind hatte, gottlob, nicht gedreht.
In Zweiergruppen kamen die Blutjäger den Pfad entlang.
Oxana begann zu zählen.
Ein, zwei, drei, vier Paar dunkel gekleidete Gestalten. Dann zwei Frauen, eine blonde, eine schwarzhaarige. Nîthiel und Rawen.
Beide gingen sie aufrecht nebeneinander her Nîthiels Haltung wies weder auf Erschöpfung noch eine Verletzung hin. Im Gegenteil. Stolz, mit erhobenem Kopf ging sie daher, und hielt offenbar mühelos mit dem scharfen Tempo der Blutjäger mit.
Nîthiels Hände waren gefesselt, das Seil hielt ein glatzköpfiger Blutjäger, der vor ihr ging. Wenn sie ihre Augen nicht täuschten, dann war sie ebenfalls geknebelt. Nun, zumindest das konnte sie Rawen nicht verübeln.
Nîthiels Stimme war.....nun ja. Außergewöhnlich.
Den beiden Frauen folgten ein Dutzend weiterer Männer.
Eine missgebildete, schwarze Kreatur lief an letzter Stelle, blieb aber alle Meter einmal kurz stehen und sah sich misstrauisch nach allen Richtungen um und schnüffelte in die Luft.
Silaid.
Sein schwarzer Mantel umwehte ihn wie eine sichtbar gewordene, dunkle Aura. Einen Moment lang glaubte Oxana, seinen Blick auf ihr ruhen zu spüren.
Erschrocken zog sie den Kopf ein.
Zwanzig Blutjäger. Und Rawen und Silaid, von denen einer für etwa drei Blutjäger aufkam.
Also insgesamt 26 Feinde.
"Mach dich nicht hysterisch", flüsterte sie zu sich selbst, "das sind weniger als du erwartet hast."
Natürlich waren es weniger. Legolas, Sarnir und Obhart hatten ja in Rohan einige getötet.
So wäre es also gewesen, wäre sie eine professionelle Kriegerin geworden. Den Göttern sei Dank, dass kein König sie hatte haben wollen!
Langsam hob sie die Armbrust, legte sie behutsam auf den Felsen und visierte den Glatzkopf an.
"Noch nicht!", hauchte Colen erschrocken.
"Ich weiß, ich wollte bloß die Entfernung abschätzen, nicht schießen", flüsterte sie beruhigend zurück und warf einen fragenden Blick zu Legolas und Obhart hinauf.
Legolas machte ihr mit Gesten zu verstehen, dass es noch zu früh sei.
Er und Obhart hockten vor einem der Steine, beide Handflächen auf den Brocken gelegt.
Über sich glaubte Oxana für eine Sekunde eine Bewegung auszumachen, dort, wo Sarnir saß, war sich aber nicht völlig sicher.
Die Blutjäger kamen immer näher. Nur noch wenige Sekunden, und sie würden die Stelle des Pfades erreicht haben, die direkt am Fuße des Abhangs und somit genau unter ihnen lag.
Als sie das nächste Mal zu Legolas und Obhart hinaufsah, hatte der Elb seinen Bogen bereits in den Händen und spannte einen Pfeil ein.
Für eine Sekunde kreuzten sich ihre Blicke, ein zuversichtliches Lächeln stahl sich auf seine Lippen.
Sie erwiderte es milde, und spürte, wie ihre Angst wich und sich in gespannte Erregung verwandelte.
Dann nickte der Prinz, wandte den Kopf und schoss.
Nun ging es also los.
Legolas' Pfeil fuhr exakt in den Hals eines Blutjägers. Der Mann brach augenblicklich tot zusammen.
Sarnir ließ den Kameraden des Toten gar nicht erst Zeit zu erschrecken, sondern feuerte den nächsten Pfeil ab und streckte damit einen zweiten nieder.
Erst jetzt schienen die Blutjäger zu begreifen, laute, wütende Schreie wurden hörbar und die Männer zückten ihre Bögen und Schwerter.
In dem Moment, in dem sie erkannten, woher sie angegriffen wurden, rollten die ersten Felsen den Abhang hinunter.
Sie lösten auf ihrem Weg eine wahre Lawine aus Schnee und Schutt vom Boden und rissen sie mit in die Tiefe.
Zweien der dunklen Gestalten gelang es nicht mehr rechtzeitig, den Gesteinstrümmern auszuweichen. Sie wurden getroffen und mitsamt den Felsbrocken auf der anderen Seite des Pfades in die Tiefe gerissen.
Einer der Blutjäger umklammerte im Fall einen weiteren und zerrte ihn mit sich in den Tod.
Ihre Todesschreie schienen erst nach einer kleinen Ewigkeit zu verhallen.
Oxana blieb ruhig sitzen und beobachtete abwartend, was weiter geschah.
Die Blutjäger waren nun gewarnt, die Pfeile, die folgten, verfehlten immer öfter ihr Ziel. Nur noch zweimal trafen sie einen der Söldner.
Rawen hatte Nîthiel von der Gruppe fortgezerrt und rücksichtslos hinter einen niedrigen Felsen gestoßen, der nur hinlänglich als Deckung für sie beide diente. Die Elbe hielt Pfeil und Bogen bereits in den Händen und spähte zu ihnen hinauf.
Doch noch verbargen sich die Angreifer hinter Felsen und der einzige Pfeil, den sie abschoss, verfehlte sein Ziel, weil sie während sie schoss wieder in Deckung gehen musste.
Oxana legte an, zielte sorgfältig und verschoss ihren ersten Bolzen.
Ihre Armbrust war nicht einmal halb so groß wie die Bögen der Elben, doch rissen ihre Geschosse furchtbare Wunden in die Körper ihrer Feinde.
Die Wucht, mit der ein Bolzen sein Ziel traf, war beiweiten größer als die eines Pfeiles.
Sie traf, wie erwartet.
Der Mann brüllte vor Schmerz, aber nicht lange, denn der kräftige Stoß des Geschosses riss ihn von den Füßen und beförderte auch ihn über den Rand des Abgrundes.
Oxana lächelte zufrieden.
"Was würde ich dafür geben, einen Bogen dabeizuhaben!", grollte Colen wehmütig. Er war bei dem Kampf bisher noch nicht zum Einsatz gekommen. Oxana war das nur Recht. Dem Alten würde die ganze Aufregung bloß unnötig zusetzen.
"Ausgezeichneter Schuss übrigens", nickte der Alte anerkennend.
Sie grinste, spannte rasch den nächsten Bolzen ein.
Sie musste sorgsam mit ihrer Munition umgehen, Armbrustbolzen ließen sich oft nicht so mühelos aus den Wunden ziehen wie Pfeile.
Einige der Blutjäger hatten Deckung hinter niederen Felsen genommen und schossen wahllos Pfeile zu ihnen hinauf, andere, es waren etwa sechs oder sieben, hielten Schilde vor sich und versuchten, den Hang hinaufzulaufen.
Wieder kamen die schweren Steine zum Einsatz.
Es waren die letzten drei.
Diesmal stießen Legolas und Obhart die Felsbrocken zur selben Zeit hinunter. Für die Männer wurde es so beinahe unmöglich, ihnen auszuweichen.
Drei wurden getroffen und rollten den Hang hinunter, wo sie tot oder verletzt liegen blieben. Ein Mann hatte das große Pech, unter den größten der drei Felsbrocken zu geraten und wurde zerquetscht.
Oxana sah hastig weg und zielte auf einen der Bogenschützen auf dem Pfad.
"Colen, Oxana! Kümmert euch um Nîthiel!", rief Legolas ihnen zu.
Colen nickte gehorsam. "Gerne, Hoheit!", antwortete er laut "Mädchen, gib mir Deckung!"
Und damit sprang er bereits auf, zog sein Schwert und rutschte den Abhang hinunter.
Oxana fluchte ungehemmt und beeilte sich, seiner Forderung nachzukommen.
Sie legte schnell einen Bolzen auf, schoss einen Blutjäger nieder, der Colen auf dem Pfad abpassen wollte und einen weiteren, der ihm nachlief und in den Rücken fallen wollte.
Mit klopfendem Herzen beobachtete sie, was weiter geschah. Colen hastete geduckt zu dem Felsen, hinter dem Nîthiel und Rawen sich verbargen, blieb aber plötzlich stehen und warf einen ratlosen Blick zu Oxana hinauf.
"DA IST KEINER!", brüllte er ihr zu.
Das war auch nicht verwunderlich, Oxana hätte sich an Rawens Stelle ebenso schnellstens in Sicherheit gebracht. Sie zögerte.
Dann drehte sie sich um und rief: "Sarnir! Gib mir Deckung!", und folgte dem alten Rohir.
Atemlos kam sie neben ihm zu stehen, packte ihn unsanft am Oberarm und zog ihn mit sich.
Drei Sölder waren bereits auf sie aufmerksam geworden und liefen mit gezückten Waffen auf sie zu.
Als sie erkannten, dass sie eine Armbrust hielt, drosselten sie augenblicklich ihr Tempo und duckten sich hinter jede Deckung, die sich ihnen anbot- auf diese Weise näherten sie sich ihnen schnell und beinahe unaufhaltsam.
Oxana fluchte wieder- was sie eigentlich seitdem der Rohir in offensichtlich selbstmörderischer Absicht den Hang hinuntergelaufen war, ununterbrochen tat- und zählte rasch die Bolzen an ihrem Gürtel.
Die Hälfte ihrer Munition hatte sie bereits verbraucht- vier Bolzen standen ihr noch zur Verfügung.
"Ihr könnt die Prinzessin nicht alleine befreien!", zischte sie über die Schulter zurück, "ich habe es keinem gesagt- aber die Frau, die bei Nîthiel ist, ist eine Elbe, und sie ist sehr gefährlich. Außerdem war da noch so eine kleine Gestalt am Ende des Zuges- habt Ihr sie gesehen?"
Oxana stutze, als keine Antwort kam, und drehte sich um.
Verdammt!
Colen war verschwunden.
Die drei Söldner nutzten ihre kurze Unaufmerksamkeit und stürmten wie auf Kommando gleichzeitig auf sie los.
Oxana reagierte schnell, aber nicht schnell genug:
Es gelang ihr, einen der Männer mit der Armbrust zu verletzen, ein zweiter hob aber plötzlich unerwarteter Weise einen Stein auf und schleuderte ihn nach ihr.
Oxana duckte sich im letzen Moment, was ihr wiederum Zeit kostete. Als sie wieder voll aufgerichtet war, war bereits einer der Männer heran und hieb mit seinem schartigen Schwert nach ihr.
Mit einem erschrockenen Schrei warf sie sich zur Seite, brüllte vor Schmerz, als sie unglücklich auf ihrer verletzten Schulter aufkam und ließ zu allem Überdruss die Armbrust fallen.
Der Söldner setzte ihr erbarmungslos nach, hob sein Schwert, um seine am Boden liegende Feindin zu töten.
Diese allerdings entsann sich noch rechtzeitig ihrer Beine und versetzte ihm einen brutalen Tritt ins Schienbein.
Der Mann keuchte erschrocken, als sein Bein plötzlich unter ihm nachgab und er beinahe hinfiel.
Irgendwie schaffte er es doch, das Gleichgewicht zu halten, brauchte aber einige Sekunden dazu, in denen Oxana aufsprang, Schwert und Dolch ziehend.
Der zweite Blutjäger war nun ebenfalls heran. Es war der Glatzkopf, der Nîthiel an den Fesseln geführt hatte.
Nun, da sie ihn aus der Nähe betrachten konnte, stach ihr sofort seine neuartige Rüstung ins Auge, insbesondere seine sauber gearbeiteten, ledernen Schienbeinschützer.
Seine Waffe war ein breiter, geschwungener Säbel, mit dem er, wohl als Demonstration seines Könnens, die Luft zwischen ihnen zerteilte.
Der erste Blutjäger hob seine Klinge und stellte sich neben seinen Kameraden.
"Oh, sieh an!", grinste der Glatzkopf, "die Armbrust...der Dolch...das flammende Haar- Ihr müsst Oxana sein. Von Euch habe ich bereits einiges zu Ohren bekommen! Man sagt, Ihr seid eine der besten in diesem Beruf. Stellt Euch vor, ich war sogar eine zeitlang einer Eurer größten Bewunderer...auf jeden Fall bis dass Ihr Eure eigenen Kollegen verraten habt...."
Oxana beugte den Oberkörper etwas nach vor und wich langsam vor den beiden recht stattlichen Gegnern zurück.
Drohend ließ sie die Spitze des schlanken Schwertes zwischen den Gesichtern der beiden hin- und herwandern.
Mit dem Dolch stach sie immer wieder in die Luft, wenn einer von ihnen ihr zu nahe kommen wollte.
"Die Chefin meinte, du hast sie und den Halbork übers Ohr gehauen", meinte der andere.
Oxana wölbte die Brauen.
"Rawen? Sie hat sich also zu eurer Anführerin ernannt!"
Sie stieß einen obszönen Laut aus.
"Wo ist sie denn nun, Eure Chefin? Es sieht ganz so aus, als hätte sie euch im Stich gelassen!"
Der Glatzkopf zuckte mit den Schultern. "Sie kümmert sich um die Geißel. Das Ziel ist immer wichtiger als der Weg."
"Weise Worte aus dem Mund eines Mörders", meinte Oxana hämisch, "ich nehme an, jemand hat euch eine hübsche Summe dafür geboten, den Prinzen einzufangen. Um nicht zu sagen...eine unglaubliche Summe, die euch den Verstand vernebelt hat- denn hinter dem Prinzen steht ein König, und hinter dem König ein ganzes Volk, meine Freunde! Oder wusstet ihr das etwa nicht?"
Der Glatzkopf lachte, doch es klang ein wenig verunsichert. "Rawen meinte erst kürzlich, ihr seid eine geborene Lügnerin. Wie ich sehe, hatte sie Recht."
Oxana schnappte empört nach Luft. "Sie nannte mich eine Lügnerin?!? Einst schworen wir uns einen Eid, einander niemals zu verraten oder zu schaden! Sie hat ihn gebrochen, nicht ich!"
"So?"
Der Glatzkopf machte eine nachdenkliche Miene.
"Soweit ich mich erinnern kann, konntet Ihr diesen spitzohrigen Elbenbastard nicht umbringen und habt somit in Eurem Beruf versagt. Ihr seid Schuld am Tod unserer Kameraden! In meinen Augen ist das Verrat genug!"
Oxana schnaubte wütend und umfasste den Schwertgriff fester. Ihre Augen blitzten vor Zorn.
"Halt den Mund!", donnerte sie, "halt den Mund und kämpfe!!"
Gegen zwei körperlich überlegene Gegner gleichzeitig anzutreten war keine Leichtigkeit.
Sie war schnell und geschickt mit dem Schwert, doch der Pfad war schmal, und hinzu kam, dass die beiden Männer eine gemeine Taktik eingeschlagen hatten:
Sie trieben sie so vor sich her, dass sie sich rückwärts Schritt für Schritt dem Abgrund näherte.
Oxana kämpfte wie noch selten zuvor in ihrem Leben, erfüllt von unglaublichem Zorn, der ihr Kraft verlieh.
Sie nannten sie eine Lügnerin! Eine Verräterin an den ihrigen!
Wer wusste, vielleicht hätte sie die beiden auf dem Kampfplatz sogar besiegen können.
Hier aber auf dem Pfad gelang es ihr nicht.
Ihr Fuß stieg plötzlich ins Leere.
Sie schrie vor Überraschung und Entsetzen laut auf, ruderte verzweifelt mit den Armen und schaffte es irgendwie, sich wieder auf sicheren Boden zurück zu retten.
Der Glatzkopf lachte schallend, nutzte ihr Erschrecken aus und prellte ihr das Schwert aus der Hand.
Keuchend wich sie vor dem nächsten Hieb des anderen zurück und- fiel.
Diesmal endgültig.
Ein purer Reflex rettete ihr das Leben. Zumindest für die folgenden Sekunden.
Denn irgendwie schaffte sie es, ihren Dolch tief in die Erde zu rammen und sich daran festzuklammern.
Der Rest ihres Körpers baumelte über einem bodenlosen Abgrund. (nun ja, nicht bodenlos, aber immerhin tief genug, um sich alle Knochen zu brechen, wenn man unten aufkam...)
Die beiden Männer lachten böse, der Glatzkopf bückte sich und begann bedächtig an dem Dolchgriff zu rütteln und ihn aus der Erde zu ziehen.
"Ihr seht- alle Verräter bekommen was sie verdienen, früher oder später. Lebt wohl oder...." Er sah nachdenklich an ihr vorbei, "Alä, wie es die Elben wohl sagen würden!"
Oxana grinste.
Der Glatzkopf erstarrte, als eine kalte Klinge sich an seine Kehle legte.
Sarnir nahm sich des zweiten Söldners an.
"Wenn du sie fallen lässt, schneide ich dir den Hals durch, das schwöre ich", zischte Legolas kalt in das Ohr des Glatzkopfes.
Dieser schien klug genug zu sein, um die Ernsthaftigkeit in seiner Stimme zu erkennen und erbleichte.
"Schon gut", knurrte er und zog die Hand hastig zurück.
Obhart trat von der Seite heran, fasste nach Oxanas Handgelenken und zog sie mühelos herauf.
Sie atmete tief durch, wartete, bis ihr Puls sich beruhigt hatte. Diese ständigen Nahtoderlebnisse taten ihrem Kreislauf nicht gut.
Noch immer hielten die beiden Elben die Männer fest, pressten ihnen ihre Waffen an die Hälse.
"Und nun werdet ihr uns verraten, wer euer Auftraggeber ist", forderte Legolas im scheinbaren Plauderton. Oxana jagten kalte Schauer über den Rücken, als sie ihn hörte.
Der Glatzkopf lachte leise und spie gehässig aus.
"Ich werde dir gar nichts verraten, elbischer Bastard!", zischte er.
Oxana legte den Kopf schräg. Etwas in seiner Stimme gefiel ihr nicht.
Legolas verstärkte den Druck auf seine Kehle. "Sprecht oder sterbt!"
"Oh, ich zittere vor Angst. Denkt Ihr, ich hätte Angst vor dem Tod? Gerade Ihr solltet es besser wissen, nachdem, was in Rohan geschehen ist. "
Oxana runzelte die Stirn. Er meinte zweifellos den Söldner, der sich im Lager der Rohirrim selbst getötet hatte.
Erkannte er denn nicht, dass Legolas Ernst machen würde? Es klang ganz so, als würde der Mann wirklich seinen Tod miteinberechnen! Bei allen Göttern, wie hoch war die versprochene Belohnung, dass diese Narren ihre Leben dafür gaben??
Sie blinzelte.
Wo war eigentlich Silaid hinverschwunden?
"Wir sollten Nîthiel und die anderen suchen", murmelte sie und hob ihre Waffen auf. "Lass ihn. Er wird nicht reden. Es ist wichtiger, sich um die Prinzessin zu kümmern."
Legolas nickte. "Du hast Recht. Wir sollten sie töten."
Oxana nickte steif. "Das wäre wohl das beste", meinte sie flach.
Aus irgendeinem Grund ließ er die beiden doch am Leben.
Sie nahmen ihnen sämtliche Waffen, Oxana erlaubte sich, dem glatzköpfigen seine schicken Beinschienen abzunehmen, und fesselten die beiden an einen Stein.
"Falls sie es schaffen sollten sich zu befreien, wird es spät sein und sie werden sich mit weit gefährlicheren Gegnern herumzuschlagen haben, als wir es sind", meinte Legolas.
Gleichgültig fügte er hinzu: "Falls nicht, wird ihnen das widerfahren, was sie verdienen."
Oxana schauderte.
Da war soviel alter, tiefsitzender Hass in seiner Stimme.
Und sie wusste, woher er kam. Leute wie die beiden Männer hatten seinen Bruder getötet. Leute wie diese. Sie war eine von ihnen. Nein....sie war eine von ihnen gewesen.
Was immer sie gerade war- eine Blutjägerin war sie nicht mehr.
Colens und die Spuren der entflohenen Blutjäger führten sie den Pfad entlang ins Tal hinunter.
Der Weg war unerwartet lang.
Sie liefen beinahe eine Viertel Stunde lang bergab, bis die Spuren den Weg verließen und zu eine steil abfallende Felswand führten. Legolas blieb stehen und starrte vorsichtig in die Tiefe.
Der Höhenunterschied zum darunterliegenden Boden war hier nicht mehr allzu groß, aber der Abstieg führte über nackte, spitze Felsen fast senkrecht in die Tiefe.
Unten befanden sich die Ausläufer eines riesigen Nadelwaldes, der sich über zahllose Hügel weit nach Süden erstreckte. Es waren Tannen und Fichten, ab und an auch Föhren und Pinien, die nur im südlichen Teil des Landes wuchsen.
"Meinst du, dass du...?", fragte Legolas zweifelnd.
Sarnir hatte sich bereits ohne zu zögern an den Abstieg gemacht.
Sie sah ihn tadelnd an. "Du solltest aufhören, mich mit einem Kind zu verwechseln, Elb! Natürlich kann ich da hinunterklettern. Du müsstest mich inzwischen besser kennen."
Legolas zuckte mit den Schultern. "Wenigstens kenne ich dich gut genug um zu wissen, dass es keinen Sinn hat, dich davon abbringen zu wollen", seufzte er.
"Wenn der Alte und Nîthiel das geschafft haben, werde ich es wohl auch hinbekommen", lächelte Oxana, "und nun los. Wir wollen doch deine Verlobte finden."
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N a c h w o r t : Ich hör an dieser Stelle mal auf. Bin völlig geschafft. Tut mir leid, aber auch ich bin nur ein Mensch.... * gähn *... und habe meine Bedürfnisse. Hab mir gestern "das Leben des Brian" angesehen. Wieder mal. Ich LIEBE den Film!! Einfach nur genial. Bis bald! Conna
