Ja, ich musste zugeben, es machte wahnsinnig Spaß,
ihn mal richtig zu verarschen!
Aber die Blicke der Leute nervten langsam und ich war nicht darauf aus, mich hier schamlos beglotzen zu lassen.
…ach, wenn ich sie alle verstehen konnte, denn ich sah wirklich gut aus.
„Spaß!", lachte ich und grinste ihm breit entgegen.
Er seufzte und setzte sich wieder: „Musste das sein?
Du hättest auch einfach mal von Anfang an die Wahrheit sagen können…"
Die Situation entspannte sich und jetzt fingen die Leute auch wieder an, sich zu unterhalten.
Mit einem Schmunzeln erwiderte ich: „Aber das wäre ja langweilig gewesen, oder?"
„Und es wäre nicht der Damon, den ich kenne.", gab er mit einem Nicken zu: „Du hast dich echt nicht verändert, Bruder.
Aber mal ehrlich…was hast du da gesucht?
Ich weiß, du hasst große Menschenmengen um dich rum und diesen ganzen Trubel!"
Da musste ich ihm allerdings Recht geben, das war nicht ganz meins.
Würde er mit Menschenmengen aber bereitwillige Opfer meinen, dann…
„Ich brauchte Abwechslung!
Und da boten mir die vielen Pubs, die Casinos und die schönen Frauen einfach eine perfekte und unschlagbare Vielseitigkeit.", sagte ich und ließ mir einen weiteren Drink einschenken.
Dabei wusste ich ganz genau, was Sache war.
Und das, was ich hier erzählte, was frei erfunden und besaß keinen Funken Wahrheit.
Aber Stefan sollte ruhig glauben, dass ich Spaß hatte.
Spätestens wenn Elena danach fragen würde, würde ich alles so erzählen, wie es wirklich gewesen war.
„Und jetzt wollte ich einfach mal sehen, wie es euch ergangen ist, ohne mich.
Also, schieß los, was habt ihr getrieben?"
Bei diesen Worten hob ich mehrmals verräterisch die Augenbrauen und versuchte, mein arrogantes, früheres Ich perfekt zu spielen.
Denn das alles hier war künstlich.
Ich konnte ihm nicht sagen, dass ich mich in wirklich unsterblich in Elena verliebt hatte!
Und ich konnte ihm auch nicht sagen, dass ich wegen ihr ein richtiges Weichei geworden war!
Und wieder einmal gab es einen Grund, mich selbst zu fragen, was ich verdammt noch mal hier wollte!
Aber eigentlich wusste ich das ja schon die ganze Zeit:
Ich wollte Elena.
Ich hatte versucht, sie mir aus dem Kopf zu schlagen und mich mit einer Anderen abzulenken!
Ich hatte mir jeden verdammten Tag eingeredet, dass es so besser war, für uns alle, aber besonders für sie!
Aber das hatte nichts geholfen.
Sobald ich die Augen öffnete, sah ich sie vor mir.
Ich schlief am Abend mit ihr vor meinen Augen ein, ja, ich träumte sogar von ihr!
Und wenn ich aufwachte, galt ihr mein erster Gedanke!
Egal, wo ich war, was ich tat oder ob ich den wohlbekannten ‚Schalter der Gefühle' umlegte…sie schlich sich immer in meinen Kopf.
„Ehrlich gesagt…fühlt es sich an, als wäre es gestern gewesen, dass du gegangen bist.", meinte er plötzlich: „Ich meine, es hat sich kaum was verändert und Elena ist zwar aus der Schule raus, aber…"
Aber?
War das jetzt sein Ernst?
Er fand sein Leben mir ihr langweilig?
Etwas, das ich nicht nachvollziehen konnte.
Denn schon allein ein einziger Moment mit ihr war wie der Himmel für mich!
Selbst, wenn sie mich anschrie, mich schlug oder sonst was…ich würde sie immer noch lieben und diesen einen Augenblick, in dem sie mich ansah und mit mir redete, würde ich so besonders und einzigartig finden…
Wie konnte er nur?
„Und ich dachte…vielleicht sollte ich ihr ja… Alo ich könnte-„
„Was, Stefan?", unterbrach ich ihn, weil ich keine Lust auf dieses Herumgestottere hatte.
Weil er noch immer mit seinen Worten rang, trank ich noch einen Schluck Bourbon und ich bestellte zwei weitere Gläser.
Dann sah Stefan mich eindringlich an: „Ich werde ihr einen Antrag machen."
Ich verschluckte mich beim Trinken und hustete.
Das hinderte mich jedoch nicht daran, sämtlichen Alkohol, der noch in Reichweite stand, einfach in mich rein zu kippen.
…er würde was?
In mir zog sich alles zusammen und ich verspürte einen schrecklichen Schmerz, der sich durch meinen gesamten Körper zog.
