Ich wusste, er liebte sie und ich wusste, er würde ihr diesen Tag zum schönsten ihres Lebens machen…

Und ich wusste, dass sie ihn liebte und sich bei ihm wohler und geborgener fühlte, als sonst irgendwo.

Und leider wusste ich auch, dass es ihr größter Wunsch war, seine Frau zu werden und mit ihm ihr gesamtes Menschenleben, wenn nicht sogar die Ewigkeit, zu verbringen.

Sie würde ja sagen, da war ich mir sicher.

Natürlich würde sie!

Warum auch nicht?

Es gab keinen Grund, abzulehnen.

Stefan war ein ehrbarer Mann!

Er beschützte sie und brachte sie zum Lachen.

Ja, er war liebevoll und tausendmal besser, als ich.

Kurzum, er war alles, was sie wollte und brauchte.

Und sie war alles, was ich wollte und brauchte!

Aber wenn sie annahm – was natürlich der Fall war, dann hatte ich sie verloren.

Für immer.

Und wie sollte ich leben, wenn das, wofür ich lebte, auf Ewig in den Armen eines Anderen war?

Wie sollte ich es ertragen?

Auch, wenn es hier um meinen Bruder ging…

Wie sollte ich ihm noch in die Augen sehen, wenn ich ihn eigentlich am Liebsten gleich umbringen würde?

Nur, weil er das besaß, was ich nie bekommen würde?

Damit konnte ich nicht leben.

Kein Jahr, keinen Tag und keine Sekunde.

„Ja und?

Was hältst du davon?", fragte mich Stefan mit erwartungsvollen Blicken.

Ich sah von ihm weg, weil ich es nicht mehr ertragen konnte und sagte: „Das ist…toll.

Ich wunderte mich sowieso, warum du das nicht schon längst getan hast."

Er zuckte mit den Schultern, dachte aber darüber nach.

Eigentlich wollte ich es gar nicht hören, ich wollte nichts mehr hören.

Es war mir heute schon genug Leid geschehen, mehr konnte und wollte ich nicht aushalten.

„Na ja, es ist ziemlich viel los gewesen, in der Schule und bei uns…

Sie kam nicht recht darüber hinweg, dass du einfach verschwunden bist.

Sie glaubte, Schuld daran zu haben und hat sich die ganze Zeit Vorwürfe gemacht!

Und jetzt hat sich das ein wenig beruhigt und da du ja auch wieder da bist, ist alles in Ordnung."

Und wieder regte sich – gegen meinen Willen – etwas in meinem Innern.

Sie fühlte sich schuldig wegen meines Weggehens?

Sie war schuld!

Aber ich wollte nicht noch einmal alles durchgehen.

Lieber stocherte ich woanders weiter: „So, wie die heute unten durch war, ist aber gar nichts in Ordnung!"

Er zog fragend die Augenbrauen zusammen.

„Was meinst du?

Hat sie was gesagt?"

Gesagt?

Sie brauchte nicht reden, um mir zu erzählen, wie es ihr ging!

Ich sah es ihr an.

Für mich war Elena schon immer wie ein offenes Buch gewesen!

Dank ihrer Menschlichkeit konnte ich jeden Einzelnen ihrer Gedanken an ihrem Gesicht ablesen.

…bei der bloßen Vorstellung ihrer zart roséfarbenen Wangen stahl sich ein Lächeln auf mein Gesicht.

Der Kommentar, der mir darauf in den Sinn kam, war zwar nicht besonders, aber zu gut, um ihn einfach wieder zu verwerfen, weshalb ich ihn sofort aussprach: „Als baldiger Bräutigam solltest du allerdings schon wissen, wie es deiner Zukünftigen geht!"

Ich grinste ihn hämisch an, woraufhin er sich beschämt weg drehte.

Auch, es war einfach zu schön, ihn fertig zu machen…

„Hey Süßer!

Lust auf Spaß?

Ich lad dich ein!", erklang eine glockenhelle Stimme neben mir und sofort schnellte mein Kopf zur Seite.

Vor mir stand eine ziemlich schlanke, aber doch kurvige Blondine, die mich sexy aus ihren Augen heraus anfunkelte.

„Immer doch.", sagte ich – wie aus einem Reflex heraus – und stand auf.

Bevor ich allerdings mit ihr ging, beugte ich mich noch einmal zu Stefan herunter: „Viel Glück mit deinem Vorhaben, wir werden ja sehen, ob ich Recht hatte oder nicht!

Ich bin währenddessen anderweitig beschäftigt…"

Dann legte ich der attraktiven jungen Dame einen Arm um die Schultern und ließ mich von ihr zu einem Platz bringen, der sich ein ganzes Stück abseits der Menschen befand.

Sie setzte sich hin und strich sich dabei aufreizend über die mit wenig Stoff bedeckten Oberschenkel.

Oh ja, das würde ein langer Abend werden…

AM NÄCHSTEN MORGEN IM SALVATORE-ANWESEN

Ich drehte mich noch einmal auf die andere Seite und öffnete dann die Augen.

Die Schöne von gestern lag neben mir und schlief noch.