V o r w o r t :

Leider sieht es so aus, als würde meine ff ein paar von euch krank machen (fieber, sucht...) – das möchte ich natürlich vermeiden, darum die Pause (und weil ff.net wieder mal gezickt hat *gg*)

Außerdem hab ich was Tolles herausgefunden – ihr könnt es gern selbst ausprobieren, alles was man dazu braucht, ist einer dieser praktischen Büro- Drehstühle!

Also, macht folgendes:

Setzt euch ganz locker hin, die Beine hängen lassen, die Arme auch, schaut, dass ihr genug Platz um euch frei habt, um Verletzungen zu vermeiden.

Dann schließt die Augen, legt den Kopf in den Nacken und dreht euch, indem ihr mit den Füßen (wenn nötig auch Händen) nachhelft. Wichtig: Immer die selbe Richtung, Kopf hinten und Augen geschlossen halten!

Dann, nachdem ihr euch solange gedreht habt, dass ihr vergessen habt, wo rechts links unten oder oben ist, hebt den Kopf und lasst ihn nach vorne sinken. Dann macht die Augen auf. ( euch wird furchtbar schwindelig sein. Oder schlecht. Oder beides. Ihr könnt die Prozedur so oft wiederholen, wie es euch gefällt.

Es empfiehlt sich aber, vorher nichts zu essen.

Viel Erfolg!

Eure Doktor Connatica

(ohhoo....Aneignung eines Doktortitels, der mir nicht zusteht...kriminell....;-)

Nein, mir ist nicht langweilig.

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While my heart is a shield

And I won't let it down

While I am afraid to fail so I won't even try

Well how can I say I'm alive?

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("Life for Rent" von Dido.)

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„.....und ich sagte mir noch : Der ist schon tot! Aber falsch gedacht....da hebt er plötzlich seinen Bogen und- WUSCH! Ich konnte gar nicht rechtzeitig reagieren, so schnell ging das. Alita hat mich ja immer davor gewarnt, zu viele Zwiebeln zu essen, das macht schlechten Mundgeruch und ich fühle mich danach immer so unwohl. Ich glaube, es waren fünf, könnten aber auch sechs gewesen sein. Das Huhn ist dann noch eine zeitlang ohne Kopf weiter gelaufen und ich fragte mich...."

„Kann man ihn denn nicht irgendwie zum Schweigen bringen!?".

Oxana blieb stehen und stierte Obhart wütend an, der schlaff zwischen den beiden Elben hing, sich nur mühsam auf den Beinen haltend.

Sein Blick war verschleiert, sein Gesicht schweißüberzogen und blass- aber von irgendwo- wussten die Götter woher- nahm er trotzdem noch die Kraft, pausenlos dahinzumurmeln.

Sie sah sich nervös um, denn schon seit einiger Zeit hatte sie das ungute Gefühl, beobachtet zu werden. Vermutlich lag das an dem Heulen und Winseln der Wölfe, das mit der Nacht seinen Einzug gehalten hatte.

„Sarnir, darf ich ihm..."- begann Legolas flehend, „NEIN!", unterbrach der dunkelhaarige Elb ihn streng, „er ist schwer verletzt, ein Schlag auf den Kopf würde seinen Zustand nur noch verschlimmern!"

Oxana fragte sich, ob die beiden sich wohl gegenseitig in die Köpfe blicken konnten oder sich einfach nur lange genug gut kannten. Egal.

Sie grunzte. „Er brabbelt nun schon seit Stunden wirres Zeug vor sich her, SO schlecht kann es ihm also auch wieder nicht gehen!"

„Nein", wiederholte Sarnir bestimmt, „und wenn ich ihn alleine schleppen muss- er bleibt bei Bewusstsein! Wer weiß, ob er überhaupt wieder aufwachen würde, wenn er..."

„Schon gut, schon gut", murrten Legolas und Oxana fast gleichzeitig.

Sarnir wusste, wovon er sprach. Keiner von ihnen konnte ihm in diesem Punkt auch nur annähernd das Wasser reichen- Sarnir war unumstritten der erfahrenere Heilkundige von ihnen.

Sie setzten ihren Marsch zügig fort.

Dem bewaldeten Hügel, auf dem sie gerade mühsam hinaufgestiegen waren , folgte ein weiterer, und diesem wieder einer und so fort.

Diese Bäume!

Oxana wusste, dass sie es sich vermutlich bloß einbildete- aber sie wurde das Gefühl nicht los, dass diese Nadelbäume Augen hatten, die jeden ihrer Schritte argwöhnisch verfolgten.

Einmal suchte sie sogar- natürlich in einem Moment, in dem die Elben nicht hersahen- nach ungewöhnlichen Einbuchtungen an den Baumstämmen.

Natürlich war da nichts.

Diese Bäume waren nicht so wie die im Fangornwald. Die Bäume dort waren alt, uralt und hatten im Laufe der Zeit ihren eigenen Willen und Charakter entwickelt.

Diese hier waren Kinder im Vergleich. „Und außerdem haben Bäume keine Augen", erinnerte sich Oxana, „Ents haben Augen, aber nicht Bäume. Nein. Man SAGT, dass Ents Augen haben. Aber wer hat schon je einen Ent gesehen?"

Ihre Umgebung hatte sich in den letzten Stunden kaum verändert, der Wald war dicht geblieben, die Bäume von der gleichen Art und der Boden nach wie vor sumpfig.

Das einzige, was sich verändert hatte, war der Regen:

Aus dem sinnflutartigen Niederschlag war zuerst ein gleichmäßiges Nieseln geworden, anschließend ein abnehmendes Tröpfeln, und später, gerade als Oxana an ein Ende des Dauerregens zu denken wagte, hatte alles wieder von vorne begonnen.

Zusammengefasst: Sie waren nass, schmutzig, stanken, waren erschöpft und hungrig und ihre Stimmung war dementsprechend.

Oxanas Schulter schmerzte, ihr Bein tat weh, auch wenn sie vermied, es unnötig zu belasten.

Sie versuchte, so wenig wie nur möglich zu reden.

Nicht nur aus Erschöpfung, sondern auch aus Angst, einen der anderen schwer zu beleidigen.

Im Moment hegte sie einen unbeschreiblichen Groll gegen jeden, der mit Schuld an ihrer Anwesenheit hier und somit an diesem Zustand war.

Der Gedanke führte sie zu Colen. Die Elben vermuteten, dass er Rawen und Nîthiel alleine gefolgt war.

Verfluchter alter Narr! Bildete er sich allen Ernstes ein, alleine etwas gegen die Elbe und diejenigen, die hinter dem Ganzen standen, ausrichten zu können? Er würde nicht als Held, sondern als Selbstmörder in die Geschichte eingehen!

Sie musste sich eingestehen, dass sie sich große Sorgen um den Alten machte.

„Da unten ist eine Lichtung mit einer Hütte!", sagte Sarnir, während sie den Hügel hinabstiegen. Nun ja, die Elben gingen, Oxana rutschte und stolperte abwechselnd.

Sie sah auf, hielt die Fackel ein wenig vor und kniff die Augen zusammen, um besser sehen zu können.

Trotz größter Mühe gelang es ihr aber nicht, etwas anderes als dunkle Baumstämme vor sich auszumachen. Von einer Lichtung war keine Spur, ganz abgesehen von „Licht".

Dennoch beeilte sie sich, das letzte Stück des Abhanges schnell hinter sich zu bringen.

Getrieben von der Hoffnung auf ein trockenes, warmes Plätzchen für die Nacht legte sie an Tempo zu und ignorierte die mahnenden Ausrufe der Elben, sie möge doch einmal in ihrem Leben auf sie hören und auf warten, um kein unnötiges Risiko einzugehen.

Da war tatsächlich eine Lichtung.

Der Wald endete so abrupt, dass Oxana es zuerst gar nicht bemerkte.

Erst nach einigen Schritten blieb sie stehen und drehte sich verwundert um. Diese Lichtung war ganz eindeutig auf keinem natürlichen Wege entstanden- jemand hatte mit viel Mühe und Arbeitsaufwand eine kreisrunde Schneise mitten in die Wälder geschlagen.

Das Zentrum des Kahlschlages von sicher mehr als fünfzig Schritt Durchmesser stellte ein geducktes, strohgedecktes Hüttchen und ein kleiner Brunnen dar.

Oxana runzelte die Stirn. Warum rodete jemand eine so große Fläche, um eine solche.... Hundehütte darauf zu erbauen?

Ein leises Knacken und ein schlurfender Laut, begleitet von Obharts nun kaum mehr verstehbaren Gebrabbel teilten ihr mit, dass die drei Männer zu ihr aufgeschlossen hatten.

„Wer hier wohl lebt, so abgeschlossen und einsam?", murmelte Legolas grüblerisch.

Oxana hob die Hand und macht eine Geste auf zwei schwarze, unförmige Haufen etwas abseits der ärmlichen Behausung.

Es waren nasse, verkohlte Holzscheite.

„Köhler- was habe ich euch gesagt?", antwortete sie fröhlich, „kommt, von diesen Leuten haben wir nichts zu befürchten!"

„Woher willst du das so genau wissen? Vielleicht mögen sie keine Elben- so etwas soll vorkommen", befürchtete Sarnir.

Legolas ergänzte : „Oder sie mögen zumindest keine dreckverschmierten, verwundeten Männer die schwerbewaffnet mitten in der Nacht an ihre Tür hämmern."

Oxana seufzte resignierend. „Nun gut- lasst mich vorgehen und mit den Bewohnern sprechen. Ich komme euch dann holen, wenn alles geregelt ist."

Die Elben nickten überraschenderweise und ließen sie tatsächlich alleine vorgehen. Oxana lächelte stolz. Einer ihrer Vorschläge war eben angenommen worden- ein erhebendes Gefühl!

Es sollte nicht lange anhalten.

Nach exakt drei Schritten brach der Boden unter ihr ein.

Alles geschah einfach zu plötzlich und unvorhergesehen, um darauf reagieren zu können.

Bloß eines fiel ihr noch auf: Der Boden war plötzlich nicht mehr schlammig- weich sondern federte seltsam.

Aber die Erkenntnis, dass sie soeben in eine Falle getreten war, überkam sie zu spät, denn schon knickten die Äste und Zweige unter ihrem Gewicht ein und sie stürzte schreiend in die Tiefe. Wurzeln und Äste schrammten über ihre Haut und hinterließen blutige Striemen darauf. Die Landung war hart und trieb ihr die Luft aus den Lungen.

Einige Sekunden blinzelte sie nach oben und wagte sich nicht zu rühren. Die Grube war mindestens vier Schritte tief und hatte ungefähr den gleichen Durchmesser.

Nachdem sie sich versichert hatte, dass sie alle Körperteile noch problemlos bewegen konnte, richtete sie den Oberkörper auf.

Die Fackel hielt sie nach wie vor verkrampft in der Hand.

Behutsam hob sie sie etwas über den Kopf und beleuchtete die Umgebung.

Als sie erkannte, woran das orange Licht sich brach, keuchte sie vor Entsetzen. Zwischen ihren Beinen ragte ein Holzpfahl aus der Erde, dessen Ende sorgfältig zu einer langen Spitze gearbeitet worden war. Er war mindestens so lang und dick wie ihr gesamter Arm.

Und dieser Pfahl war nicht der einzige- neben ihrer Schulter steckte einer, über ihrem Kopf, dicht neben ihrem Oberschenkel- kurzum: Der Boden der gesamten Grube war damit gespickt.

Die Soße, in der sie lag, stank zum Himmel, und zu allem Überfluss begann Oxana langsam noch tiefer darin einzusinken.

„LEGOLAAAAS !!! SARNIIIR!!!"

Mit gerümpfter Nase zog sie eine Hand aus dem Schlamm und umfasste einen der Pfähle, um sich daran in die Höhe zu ziehen. Dieser bewegte sich dabei kein bisschen- jemand musste ihn tief in die Erde gerammt haben. Es war wohl derselbe jemand, der den Wald kahlgeschlagen und diese Grube ausgehoben hatte.

Als sie sich mit weit aufgerissenen Augen in der Grube umsah, wurde ihr erst richtig klar, welch unfassbares Glück sie gehabt hatte.

Vorsichtig berührte sie die Spitze eines Pfahls und zog ihre Hand entsetzt zurück, als sie sich den Finger daran verletzte.

Dies hier war eindeutig das Werk eines Verrückten.

Die Gesichter der beiden Elben tauchten über dem Rand der Grube auf. „Geht es dir gut!?", rief Legolas und Sarnir fragte: „Bist du verletzt??"

Sie nickte und schüttelte gleichzeitig den Kopf.

„Ich bin noch ganz! Aber seht euch das an!!" Sie wies auf die Pfähle, „werft mir ein Seil runter und holt mich hier raus, und dann nichts wie weg von hier!!"

Während sie sprach, hatte einer der Elben bereits ein Seil von seinen Gürtel gelöst und es zu ihr heruntergeworfen.

Oxana fasste den dünnen, elbischen Strang mit einer, die Fackel mit der anderen Hand und hangelte sich mühsam an der steilen Erdwand in die Höhe.

Sarnir beförderte sie das letzte Stück hinauf, indem er sie bei der Hand nahm und mühelos nach oben zog.

Keuchend stürzte Oxana auf den Boden und warf erst nach Sekunden einen Blick in die Grube hinab.

Als sie den mit Pfählen übersäten Boden von oben sah, wurde ihr ganz anders zumute. Ihr Herz begann schnell und hart gegen ihre Brust zu hämmern.

Hier ging etwas eindeutig nicht mit rechten Dingen zu. Denn wäre es dem so gewesen, hätte sie gar nicht mehr am Leben sein d ü r f e n , sondern wäre gepfählt in der Grube gelegen.

Sarnir kniete sich neben sie.

„Geht es dir auch wirklich gut?"

Kurz trafen sich ihre Blicke, doch sie sah hastig wieder fort, denn seit dem Vorfall in der Trollhöhle weckte sein Blick stets Schuldgefühle bei ihr.

Sie nickte.

„Ich hatte wohl Glück". „Du hattest wohl mehr als das", murmelte der Elb und strich prüfend über den engen Verband an ihren Hals, den er ihr vor Stunden angelegt hatte.

„Wie geht es deinem Hals?" Sie nahm seine Hand und schob sie sanft zur Seite. „Es geht mir gut", betonte sie und lächelte beruhigend. Seine Sorge schmeichelte sie, doch war sie unbegründet. Hatte er denn noch nicht gemerkt, dass sie hart im Nehmen war?

Sie räusperte sich und wies auf Obhart, der im Schlamm hockte und mühsam gegen die Schwerkraft ankämpfte. „Jemand sollte ihn stützen."

„Sie hat Recht", mischte sie Legolas ein, der in der Zwischenzeit das Seil aufgerollt und wieder an seinem Gürtel befestigt hatte, „es geht ihr gut, das siehst du doch. So ein kleiner Sturz kann ihr nichts anhaben. Es müsste schon mehr geschehen, um diese Frau ernsthaft zu verletzen."

Oxana sah ärgerlich auf. „Ich bin gerührt über deine Sorge um mich", brummte sie. Der eine sorgte sich ununterbrochen um sie, der andere schien sie für einen Mann zu halten. Reizend.

Für einen Herzschlag starrten die beiden Männer einander undeutbar an. Dann drehte sich Sarnir etwas steif um und tat, was Legolas von ihm verlangt hatte.

Oxana richtete sich auf, versuchte dabei, ihr Gewand vom gröbsten Schmutz zu befreien. „Was ist eigentlich los zwischen euch zwei? Was ist in der Schlucht passiert? Und sag mir jetzt nicht, er wäre gegen einen Baum gelaufen- das würde ich dir einfach nicht abnehmen".

Legolas schien sie nicht zu hören- oder zumindest tat er so. Er starrte zu dem Köhlerhäuschen hin und runzelte die Stirn.

„Da kommt jemand."

Oh, wie praktisch, dachte Oxana sarkastisch.

Oxana und Sarnir schwenkten die Blicke.

Tatsächlich, aus dem Häuschen war eine kleine, gebückte Gestalt mit einem Stock getreten. Ihr Gang war unregelmäßig, was daher rührte, dass sie einen Fuß etwas nachzog.

„WER SEID IHR???", kreischte die hysterische Stimme eines alten Weibes.

„Wir sollten hier verschwinden", wiederholte Oxana eindringlich, „lass uns lieber weitersuchen!"

„Und Obhart verbluten lassen?" Legolas schüttelte den Kopf, trat vor und hob die Hand zum Gruß.

„Wir sind Reisende auf dem Weg nach Erech!", antworte er, „wir haben einen Verwundeten dabei und bitten um Obdach!"

„Wie viele seid ihr?!", schrie die Alte und blieb stehen. Den Stock hielt sie mit beiden Händen vom Körper weg und wies damit auf sie.

„Drei! Zwei Elben und eine Frau!"

„Elben?"

Die Stimme der Frau klang verändert. Eine Spur weicher, etwas weniger misstrauisch. Aber dennoch noch nicht freundlich.

„Was treiben Elben in solchen Zeiten auf diese Seite der Berge?! Und was hat euer Verwundeter? Ihr seid doch nicht etwa unnutzes Kriegsgesindel??"

Die Alte war ein paar Schritte nähergehinkt, den Stock hielt sie noch immer erhoben.

Nun konnte Oxana im Schein der Fackel bereits Einzelheiten erkennen: Die Frau trug ein großes, schwarzes Kopftuch und blasse Haut, die aussah wie trockenes Pergamentpapier, spannte sich über ein schmales, knochiges Gesicht.

Ihre Augen waren klein und stechend grau wie die eines Habichts.

Obwohl ihre Gestalt gebeugt und von schmutziggrauen Fetzen verhüllt war, erkannte Oxana sogleich, dass sie einmal eine schlanke, hübsche Frau gewesen sein musste.

Außerdem war der Stock kein bloßer Stock sondern ein Speer.

Sie sog scharf Luft ein und stapfte nach vor.

„Bist du die Wahnsinnige, die das hier zu verantworten hat?!", rief sie zornig und fuchtelte wild zu der Grube hin.

Die Alte starrte lange misstrauisch auf die Waffen, die Oxana trug, dann erst folgte ihr Blick träge ihrer Geste.

Nach kurzem Nachdenken nickte sie. „Ach ja, die alte Grube, die habe ich schon fast vergessen. Sie war eigentlich für die Wehrwölfe gedacht."

Oxana atmete tief durch.

„Wehrwölfe."

Sie lächelte schief, sah zu Boden, dann wieder ins Gesicht der Alten.

„Wehrwölfe?"

Die Frau nickte eifrig. „Und für normale Wölfe. Und natürlich für all die bösen kleinen Dämonen, Kobolde und Geister, die sich in den Wäldern herumtreiben."

„Kobolde und Geister", wiederholte Oxana, mit einem steifen Lächeln auf den Lippen. Ihre Zähne begannen zu knirschen.

Legolas sah alarmiert auf.

Doch er reagierte zu spät.

Oxana sprang mit einem leisen Knurren vor, packte die Alte am Kragen ihres zerlumpten Kleides und begann sie heftig zu schütteln.

„DU WAHNSINNIGE! HAST DU VIELLEICHT SCHON EINMAL DARAN GEDACHT , DASS AUSSER DEINEN WEHRWÖLFEN UND KOBOLDEN NOCH ANDERE WESEN- ZUM BEISPIEL MENSCHEN WIE ICH- DIESEN WEG NEHMEN KÖNNTEN??!??"

Die Frau jaulte hysterisch und versuchte, mit ihrem Speer irgendwie nach Oxana zu schlagen. Diese schlug die Waffe mühelos beiseite. Die wenigen Zähne der Alten schlugen hörbar aufeinander, als Oxana sie erneut durchbeutelte.

„DEINE VERRÜCKTHEIT HÄTTE MIR UM EIN HAAR DAS LEBEN GEKOSTET!!"

„Lass sie los! Wir brauchen sie!", schaltete sich Legolas ein und löste ihre Hände mühevoll von den Kleidern der Alten.

„Warum?! Sie ist alt und verrückt, niemand wird sie vermissen!"

Wütend riss sie ihre Hände aus Legolas' festen Griff los.

Doch als sie ein weiteres Mal auf die Alte eindringen wollte, hielt Legolas sie wieder zurück, und schließlich verrauchte ihr Zorn ein wenig. Aber noch lange nicht ganz.

Als die Alte begann, einen ganzen Schwall von unaussprechlichen Schimpfwörtern über sie zu ergießen, wallte ihre Wut erneut auf, doch diesmal zwang sie sich selbst zur Ruhe.

Momentan war es wichtiger, Obharts Leben zu retten.

Mit zornsprühenden Blicken stand sie hinter Legolas und kaute auf ihrer Unterlippe.

„Verzeiht, sie ist etwas...aufbrausend", lächelte Legolas, ganz in seine gewohnte „Höflicher Prinz" -Manier zurückfallend.

Oxana verzog abfällig die Lippen und starrte zur Seite.

„Aufbrausend!?" Die Alte lachte schrill. „Sie ist ein Dämon! Ich habe Recht daran getan, eine Falle für solche Ungeheuer auszuheben!"

Oxana schnappte empört nach Luft und trat unvermittelt nach vor, die Arme herausfordernd hebend.

„Ihr Name ist Oxana", sagte Legolas und schlug sich damit auf ihre Seite, „und ich gebe ihr in allen Punkten Recht und würde sie nur zu gerne weitermachen lassen, glaubt mir das. Aber dazu ist keine Zeit. Und nehmt endlich diesen lächerlichen Stecken weg!"

Die Alte erbleichte, während Legolas sprach und senkte hastig ihren Speer.

„Wie lautet also Euer Name?"

„Asona*", murrte sie unwillig, und man sah ihr an, wie widerwillig ihre Furcht vor dem Prinzen und somit ihr Respekt wuchs. Oxana grinste schadenfroh.

„Gut, Asona. Lebt Ihr alleine hier?"

Asona nickte.

„Wir werden eine Weile bei Euch bleiben, um unseren Kameraden gesund zu pflegen."

Er machte eine Geste zu Obhart hin, der gerade von Sarnir aufgerichtet wurde.

Als die Alte Einwände erheben wollte, setzte Legolas fort: „Übrigens- ich bin der Prinz des Düsterwaldes und dies sind meine Untergebenen."

Was eine glatte Lüge war, denn weder Obhart noch Oxana waren dem Prinzen in irgendeiner Form dienstbar. Oxanas Kinnlade klappte nach unten, sie starrte den Prinzen entgeistert an.

Elben konnten also DOCH lügen!

Asonas Haut wurde um einige weitere Nuancen blässer- was eigentlich fast unmöglich war.

„Prinz!", schnarrte sie, „Düsterwald!"

Es war erstaunlich, wie kooperativ sie sich plötzlich zeigte.

„DAS nenne ich seine Autorität ausspielen", flüsterte Oxana grinsend.

„Es ist nicht unbedingt immer von Nachteil, ein hochwohlgeborener Elb mit einem zum Himmel reichenden Stammbaum zu sein", schmunzelte Legolas.

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Das Haus war eng. Und niedrig.

So niedrig, dass Asona als einzige aufrecht darin gehen konnte.

Es bestand bloß aus zwei Zimmern- beide stellten eine Mischung aus Gerümpelkammer, Stall und Heuboden dar. Bloß in einem der beiden Räume gab es ein winziges Fenster, das aber beinahe blind war.

Davor stand eine Krippe, in der sich Heu für drei fette weiße Ziegen befand, die frei durch die Räume liefen.

Doch das war noch nicht einmal das Erstaunlichste. Daneben stand nämlich ein Pferd.

Asona war eine reichlich merkwürdige Frau. Und sie lebte an einem reichlich merkwürdigen Ort mit vielen Besonderheiten.

Zum Beispiel befanden sich zwischen Waldrand und Hütte etwa ein halbes Dutzend Fallgruben, ähnlich derer, in die Oxana unglücklicherweise gefallen war, deren genauen Standort nur Asona wusste.

Jeden Sommer, so erzählte ihnen die Alte, die sich als rechte Plaudertasche erwies- warum auch nicht, so oft bekam man nicht Besuch, wenn man alleine mitten im Wald lebte und offenbar nicht ganz richtig im Kopf war- zäunte sie ein Stückchen Wiese ein und ließ ihre Tiere darauf weiden.

„Bloß ein einziges Mal ist ein junges Geißlein in eine der Gruben gefallen. Aber das war nicht so schlimm, ich wollte es ohnehin schlachten."

Irgendwo unter den Bergen aus Töpfen, Kisten und Körben, Eimern, Gerätschaften, Waffen, Getreidesäcken, Fellen, Kleidungsstücken, die aus dem vorigen Jahrhundert zu stammen schienen, Kohlensäcken und Kräuterbündeln grub Asona ein Bett für Obhart aus.

Die Matratze darauf war löchrig und das Domizil einer kleinen Mausfamilie, die erst ausgesiedelt werden musste, bevor das Bett gerichtet wurde.

„Die Katze ist in die Grube hinter dem Haus gefallen", erklärte Asona, als wäre dies etwas ganz und gar Belangloses.

Oxana hingegen lief es kalt über den Rücken und auch die beiden Elben sahen einander mit vielsagenden Gesichtern an.

„Bringt mich wieder in den Wald zurück!", stöhnte Obhart leise.

Asona kicherte vergnügt, zog ihn von dem Stuhl, auf dem er gesessen war und ließ ihn auf das Bett sitzen.

„Leg dich hin!", befohl sie, und das Unfassbare geschah: Obhart gehorchte ohne Widerspruch.

Asona strahlte, trotz ihres vertrockneten, ungepflegten Äußeren eine Autorität aus, die Oxana staunen ließ. Auch wenn noch immer unverhohlenes Misstrauen in ihren Augen blitzte, verspürte Oxana einen Anflug an Sympathie für die Alte.

Ihre Lebensgeschichte war es sicher wert, gehört zu werden – es musste doch einen Grund geben, aus dem sich die Alte dermaßen verschanzt hatte- allerdings war nun nicht der richtige Moment für derlei Dinge.

Die ohnehin zahllosen Falten auf Asonas Stirn vermehrten sich, als sie Obhart das Hemd auszog und seine Wunde betrachtete.

„Nimm ihm die Waffen ab und trag sie nach draußen!", verlangte die Alte von Oxana. Sie gehorchte rasch, streifte, als sie den Gürtel abschnallte, unabsichtlich Obharts Haut und erschauderte.

Sie war eiskalt.

Oxana schluckte hart.

Obharts Haut hatte eine äußerst ungesund aussehende, bläuliche Färbung angenommen, wie man sie sonst nur bei Leichen sah.

Sein Blick war verschleiert und er schien größte Mühe zu haben, seine Augen überhaupt geöffnet zu halten. Sein gesamter Körper war von einem dünnen Schweißfilm überzogen und er roch nicht gut.

Plötzlich tat ihr alles, jede kleine Gemeinheit, die sie dem Schiffführer je an den Kopf geworfen hatte, unendlich Leid.

Hätte sie jetzt doch nur etwas tun können, um ihm zu helfen! Auf eine verdrehte Weise war ja eigentlich sie Schuld daran, dass er hier lag!

Was würde aus seiner Frau und seinen beiden Söhnen werden, wenn er jetzt starb?? Sie wusste aus eigener Erfahrung wie hart es war, seinen Vater zu verlieren.

„Wir müssen den Pfeil rausziehen, daran kommen wir nicht vorbei", seufzte Asona.

Sarnir trat hinzu und nickte, es schien ihm allerdings nicht sehr wohl dabei zu sein. Er verlangte nach heißem Wasser und sauberen Tüchern.

Es dauerte eine Weile, bis beides bereit stand, denn das Wasser musste erst aus dem Brunnen geschöpft und über dem offenen Feuer in einem kleinen Kamin in einem Kessel erhitzt werden.

„Geht solange ins andere Zimmer", verlangte Sarnir, als alles gerichtet war.

Sie nickten und gingen zur Tür. Asona, die von sich behauptet hatte, Erfahrung mit solchen Dingen zu haben, durfte bleiben, um ihm bei der heiklen Prozedur zu helfen.

„Du könntest doch in der Zwischenzeit diesen Tee zubereiten, den Nathana dir mitgegeben hat", schlug Sarnir vor, „er wird ihn sicher brauchen, wenn wir hier fertig sind."

Oxana nickte. Sie wusste, dass der Elb ihr diese Arbeit bloß auftrug, weil er merkte, wie unnütz sie sich vorkam. Und dafür war sie ihm dankbar. Hastig folgte sie Legolas nach draußen und begann den Tee zu kochen.

Schweigend warteten sie ab, die einzigen, die Geräusche erzeugten, waren die drei Ziegen. Es hätte sicherlich viel zwischen ihnen zu bereden gegeben....aber kein Wort kam über ihre Lippen, weder über Legolas' noch über Oxanas. Beklemmende Stille kehrte ein.

Schließlich tauchte die Sonne über den Tannenwipfeln auf und vertrieb die Nacht sowie den Regen. Mit dem Morgen verstummten Obharts Schreie.

Oxana, die lange starr vor dem Kamin gestanden und in die Glut gestarrt hatte, straffte sich und sah mit klopfendem Herzen zur Tür hin.

Legolas drehte sich vom Fenster weg und tat es ihr gleich.

Erst nach Minuten öffnete sich die Tür knarrend und Asona trat, den Wassereimer in der einen, einen blutigen Fetzen in der anderen Hand, aus dem Zimmer. Ihr schwarzgraues, dünnes Haar klebte in ihrer blassen Stirn. Sie machte einen müden Eindruck, lächelte aber.

Sarnir folgte ihr.

Seine Hände und Teile seines Gewandes waren voller Blut, doch auf seinem Gesicht stand ein entlastetes Lächeln.

„Der Pfeil ist entfernt", meinte er und fügte besorgt hinzu: „Aber die Blutung ist noch nicht gestillt."

Oxanas anfängliche Erleichterung verging so schnell wie sie gekommen war. Als der Elb ihr bekümmertes Gesicht sah, meinte er vorsichtig:

„Obhart ist zäh. Er hat wirklich schon Schlimmeres überstanden. Er wird es schon schaffen, dessen bin ich mir sicher."

Natürlich log er. Aber er klang dabei sehr überzeugend. Sie lächelte. Er gab sich solche Mühe, sie zu schonen und sanft mit ihr umzugehen.

Es rührte sie, doch zeigte ihr auch, dass er sie nicht kannte.

Er sah in ihr etwas, das seinen Schutz benötigte. Doch sie wollte- brauchte- diese Art von Fürsorge nicht.

„Asona- wo sollen wir schlafen?"

Sie Alte schien mit einer Antwort zu zögern. Dann zuckte sie mit den Schultern, ging zum Kamin, schob mit dem Fuß das Fell beiseite, das davor lag und bückte sich nach einem eisernen Ring im Boden.

Mit wachsendem Staunen sahen die Elben und Oxana dabei zu, wie die Frau die Bodenklappe umkippte und selenruhig eine Fackel entzündete.

„Was ist DAS?"

Sie traten nach vor und starrten ungläubig auf eine schmale Holztreppe, die senkrecht in die Tiefe führte.

Das Haus hatte einen Keller?

Asona grinste.

„Denkt ihr, ich hause mit den Tieren in einem Zimmer?" Sie schüttelte angewidert den Kopf.

Die anderen sahen einander überrascht an. Nun, um ehrlich zu sein....das hatten sie geglaubt.

Asona blähte stolz die alte Brust und wies auf die Treppe.

„Ich lade euch herzlich in mein WAHRES Zuhause ein!"

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Bevor sie hinunterstiegen, mussten sie ihre Waffen ablegen. Oxana allerdings ließ geschickte ihren Dolch in ihrem Stiefel verschwinden und „schmuggelte" ihn mit sich die Treppen hinab. Es behagte ihr nicht, so ganz ohne Waffen in der Nähe dieser Verrückten zu sein.

Hier unten gab es alles, was das Herz begehrte:

Eine Vorratskammer, die vor Essen überquoll, eine Küche mit einer Waschecke, eine große, behagliche Stube mit einem eingeheizten Kamin und eine kleine, gemütliche Schlafkammer mit einem weichen Bett darin.

Asona bat- wie sollte es auch anders sein?- Legolas zuerst an, in ihrem Zimmer zu schlafen. Dieser lehnte aber ab.

Sarnir, der Asonas zweite Wahl war, schlug ihr Angebot ebenfalls freundlich, aber bestimmt aus.

Oxana schüttelte innerlich den Kopf über die beiden- wie konnte man nur darauf verzichten wollen, in dem herrlich weichen Bett zu schlafen? Nun ja, ihr sollte es recht sein.

So kam es, dass die beiden Elben sich ein Lager in der Stube richteten, während Oxana ein ganzes Zimmer für sich allein hatte.

Asona tischte ihnen reichlich Obst, Gemüse, Fleisch, Käse und Brot auf, dazu reichte sie frisches, klares Wasser, das von dem Brunnen neben dem Haus stammte und frischgemolkene Ziegenmilch.

Als sie das einfache, aber sättigende Mahl beendet hatten stopften Sarnir und Legolas die Pfeifen, die sie von den Rohirrim erhalten hatten, setzten sich in zwei große Armsessel vor dem Kamin und unterhielten sich.

Ein kurzer, breiter Gang, der von der Stube abzweigte, führte zur Tür von Asonas Schlafzimmer.

„Am besten, du greifst nichts an", schlug die Alte vor. Sie gab sich Mühe, ein wenig freundlicher zu klingen, oder zumindest höflich, aber es gelang ihr nicht.

Mit verzogenem Mund beobachtete sie, wie Oxana aus ihren zerfledderten, schmutzigen Stiefeln schlüpfte und den nassen Mantel abstreifte.

„Du stinkst", stellte sie fest.

Die Beleidigung prallte an Oxana ab, insofern die Alte damit Recht hatte. Sie stank wirklich.

„Das habe ich dir und deinen prächtigen Fallgruben zu verdanken", antwortete sie und lächelte ahnteilnahmslos.

„Außerdem siehst du aus wie ein Mann".

Oxana zuckte mit den Schultern. „Für wen sollte ich mich hübsch machen?"

Asona starrte sie kopfschüttelnd an.

„Für diese beiden Prachtkerle von Elben natürlich!", rief sie entgeistert und fuchtelte zur Tür hin.

Oxana spürte, wie ihr heiß wurde, denn die beiden „Prachtkerle" saßen nur wenige Schritte von der Tür entfernt und hatten äußerst scharfe Ohren.

Mit einem großen Schritt war sie bei der Tür und schlug sie zu. Mit funkelnden Augen drehte sie sich zu der Alten um.

„Was redest du, Weib?", zischte sie böse, „sie sind Weggefährten, nichts weiter! Und selbst wenn es anders wäre, würde es dich nichts angehen! Du solltest dein vorlautes Mundwerk zügeln, wenn dir deine verbliebenen Zähne noch lieb sind!"

„Mmhmm..." Asona nickte, Oxana war erstaunt über ihre Einsicht.

Doch dann setzte die Köhlerin fort: „Weißt du eigentlich, dass Elben die besten Liebhaber sind?"

Oxanas Kinnlade klappte nach unten, sie trat einen Schritt auf die Alte zu und streckte die Hände nach ihr aus. Mitten in der Bewegung hielt sie aber inne.

Ein Teil von ihr schrie danach, die Alte aus dem Zimmer zu werfen- ein anderer Teil aber, der weit stärker war, wurde durch die Worte der Frau neugierig.

Sie haderte mit sich selbst. Was interessierten sie solch dummes Geschwätz?

Nun ja, ein Gerücht wie dieses war ihr auch schon einmal zu Ohren gekommen, aber das war doch ausgemachter Unsinn.

Natürlich hatte sie manchmal eher unbewusst darüber nachgedacht, was hinter dem hirnlosen Gerede der Stadtweiber stecken mochte, an so etwas kam man nicht vorbei, es war wie eine Art...Gehirnwäsche. Nicht, dass solch belangloses Gerede irgendwelchen Einfluss auf sie gehabt hätte. Aber die Theorie war doch ganz interessant. Denn wenn ein Lebewesen länger lebte, konnte es doch auch gut sein, dass es länger...

„Woher willst du das wissen?", kam es ihr über die Lippen. Sie biss sich auf die Zunge und war über sich selbst wütend, weil sie ihren Mund nicht hatte halten können.

In Asonas Augen glomm ein schelmischer Funke.

Hinterlistige alte Eule!, dachte Oxana verblüfft, sie muss gewusst haben, dass ich weiterfrage!

„Weißt du, als ich in deinem Alter war, zogen eine Menge Elben durch Gondor. Sie waren auf dem Weg zur Bucht von Belfalas, um nach Valinor hinüberzusegeln. Was für eine Verschwendung..." Sie seufzte von Herzen.

„Nun, und eines Tages kamen welche in unser Dorf und..." Sie grinste. Ihre Zähne waren noch spärlicher als die Colens.

Oxana brauchte einige Sekunden, um Asonas Satz zu Ende zu denken.

„Ihr habt...?"

Ihre Stimme klang schrill und laut. Erschrocken sah sie zur Tür hin und trat gleichzeitig einen Schritt davon weg. Die Elben durften auf keinen Fall hören, was hier drinnen gesprochen wurde!

Oxana setzte sich aufs Bett.

Das war einfach zuviel. Diese alte, feindselige....sie sollte...?

Asona nickte und ein breites, glückseliges Lächeln verschönerte ihr Antlitz. Für eine Sekunde begannen ihre Augen zu leuchten, ihre Wangen röteten sich und Oxana glaubte, die junge, schöne Gondorianerin von einst vor sich zu haben.

„Glaub mir Kind- ich weiß, wovon ich spreche".

Die Situation war grotesk. Hier saß sie, fühlte sich wie eine unartige Göre, die zum ersten Mal von Dingen hörte, die nur für Erwachsene bestimmt waren.

Sie räusperte sich und versuchte dem Klang ihrer Stimme wieder etwas von dem gewohnt Abschätzigen beizumengen, um wenigstens den letzten Rest von Würde zu retten, der ihr vor der Alten noch geblieben war.

„Und?" Sie fühlte sich jämmerlich und schämte sich, aber mehr als dieses eine Wort brachte sie nicht zustande.

Ihre Augen klebten geradezu an Asonas Lippen, als diese verträumt zu erzählen begann.

„Weißt du, als ich IHN kennen lernte, hatte ich bereits einen Mann gekannt. Meine Mutter hatte mir geraten, nur ja keine zu hohen Erwartungen an das andere Geschlecht zu stellen, ich würde ja ohnehin bloß enttäuscht werden. Aber romantisch, wie ich als junges Mädchen war, war ich mir sicher, dass es sicher ganz aufregend sein würde, wenn er bloß der Richtige war. Schließlich stellte sich heraus, dass der Richtige der Nachbarsjunge war, den ich schon von Kindesbeinen an kannte."

Das Bett krachte leise, als die Alte sich neben Oxana setzte. Sie nahm ihr Kopftuch ab und breitete es auf ihrem Schoß aus, während sie weiterersprach.

„Wir liebten uns, auf beide Arten. Doch es war niemals so...wie ich es mir vorgestellt hatte".

Oxana zog verwirrt eine Braue hoch. Dann verstand sie. Asona hatte eine etwas seltsame Art, sich auszudrücken.

„Habt ihr euch getrennt?", fragte sie neugierig.

Die Alte nickte. „Zumindest für einige Monate. Und in dieser Zeit kam dann ER."

„ER", wiederholte Oxana, „ich nehme an, damit meinst du einen Elb."

Asona nickte. Ihre Wangen verdunkelten sich ein wenig.

„Es war eine ganze Truppe, die in unserem Dorf Rast einlegte. Mein Vater betrieb ein Wirtshaus und vermietete ihnen die Zimmer. So lernte ich IHN kennen. Er war....wunderschön. Sein Haar war blond, wie das vieler Elben, und es glänzte wie geschmolzenes Gold, wenn die Sonne es beschien. Seine Augen- ich erinnere mich noch genau- sie waren blaugrün, mit winzigen, silbernen Sprenkeln darin, die zu tanzen schienen, wenn er lachte. Ich liebte sein Lachen. Er nahm mich auf einen Ausritt mit- ich durfte mich an ihm festhalten- und wir ritten durch die Kornfelder am Rande der Siedlung, bis hin zu einem kleinen Buchenhain."

Oxana beobachtete fasziniert, wie der Blick der Köhlerin sich verlor, wie ihre Gedanken fühlbar das Zimmer, das Häuschen und auch den Wald verließen und in die Vergangenheit zurückreisten.

„Ich war ein hübsches junges Ding, musst du wissen. Das hat auch ER gesagt. Ich wusste, dass ER log, denn ich hatte eine Elbenfrau gesehen und wusste, dass ich im Vergleich zu dieser Rose bloß ein wildes Gänseblümchen war, nicht mehr. Und trotzdem gab ER mir das Gefühl, mehr zu sein. Viel mehr. Und als wir uns liebten....unter Hainbuchen und Birken...." - Sie seufzte hingebungsvoll- „....da wusste ich plötzlich, dass ich nie wieder einen anderen Mann halten können würde, ohne an ihn denken zu müssen. Es war das Schönste und Unglaublichste das ich je erlebt habe."

Ein verzücktes Lächeln trat in ihr Antlitz.

Beide trugen denselben, verträumten Ausdruck im Gesicht, beider Blick war entrückt.

Oxana seufzte tief. Der Klang von Asonas Stimme und die Art, auf die sie sprach, sagten mehr als tausend Worte. Darum hatte sie vorhin also so ungewöhnlich auf Sarnir und Legolas reagiert!

„Was geschah danach?", wollte sie wissen.

Asonas Stimme wurde leiser, traurig.

„Er zog mit seinen Leuten weiter. Ich hatte gewusst, dass ich ihn nicht aufhalten würde können. Und trotzdem versuchte ich es. Der Abschied war umso bitterer für mich, weil ich spürte, dass sein Herz mir nicht gehörte. Es muss wunderbar sein, wenn ein solches Wesen dir sein Herz schenkt. Es kann dir soviel Liebe geben, so viele Dinge zeigen, die du von einem Sterblichen nicht erwarten kannst, selbst wenn er dich von ganzem Herzen liebt."

Sie stand auf und ging zur Tür hin. Schweigend sahen sie einander an, schließlich lächelte Asona.

„Wenn du baden willst, dann musst du dir selbst Wasser aus dem Brunnen holen und es wärmen. Hinten in der Speisekammer steht ein Trog und etwas Seife."

Ihre Stimme zitterte ein wenig. Ihre Augen schimmerten matt.

Als sie die Tür öffnete, um zu gehen, fragte Oxana vorsichtig: „Was wurde aus dem Nachbarsjungen?"

Asona lächelte. „Wir heirateten und zogen vier Kinder zusammen groß. Ich liebte ihn ja noch immer. Und das Leben musste weitergehen- man kann nicht ewig in der Vergangenheit leben."

Mit einem Gutenachtgruß trat sie nach draußen und schloss die Tür.

„Man kann ja nicht ewig in der Vergangenheit leben", hallte es in Oxanas Kopf nach.

Natürlich konnte man das nicht. Aber es war schwer, sie zu vergessen- vielleicht sogar unmöglich. Auch Asona hatte es offenbar nie ganz geschafft, diesen Elben und das, was zwischen ihnen vorgefallen war, zu vergessen.

Sarnir liebte sie. Zumindest hatte er das behauptet. Hieß es nicht, dass Elben starben, wenn ihr Herz gebrochen wurde? Gab es tatsächlich eine Möglichkeit, ein Wesen auf so eine Weise zu töten? Konnte Gefühle SO stark sein?

Dieser Gedanke gefiel ihr nicht, er jagte ihr Angst ein. Sie mochte ihn, konnte sich mit ihm unterhalten, mit ihm lachen....aber da war kein Verlangen, keine Begierde, sowie bei.... sie stutzte.

„So wie heute im Wald, mit Legolas, das dachtest du doch", wisperte eine Stimme in ihrem Kopf.

Sie schüttelte den Kopf, versuchte die unliebsamen Gedanken damit fortzutreiben. Und doch wich die Erinnerung an seine weichen Lippen, an den Regen, den sie darauf geschmeckt hatte, an seinen Geruch und vor allem an die Heftigkeit seiner Berührungen nicht aus ihrer Erinnerung. Der bloße Gedanke daran ließ ihr Herz schneller schlagen und löste ein Kribbeln in ihrem Leib aus. Noch nie hatte der bloße Gedanke an jemanden solche Reaktionen bei ihr hervorgerufen- selbst in ihrer Zeit mit Aragorn nicht.

Sie hasste dieses Gefühl. Es war dumm und unmöglich. Und vor allem konnte sie nichts dagegen machen. Es war entwürdigend. Sie sehnte sich nach der Berührung eines Mannes, der einer anderen gehörte!

Sicherlich würden ein schönes, heißes Bad und ausreichend Schlaf ihr dabei helfen, Ordnung in ihrem Kopf zu schaffen.

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* Asona=Azona= meine Lautsprecherboxen. (

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N a c h w o r t :

Wieso gibt's bei uns keine Elben?????? * schluchz * .... W a r u m ???!!???? jammer