Von Fragen und Antworten

V o r w o r t :

: es wird viel geredet werden (Futur II.) : hier werden sehr, sehr viele Fragen beantwortet, die sich in den letzten kappis aufgeworfen haben. Wer von anfang an genau mitgelesen hat, wird sich auskennen- dem rest empfehle ich, noch einmal von vorne anzufangen* gg* . irgendwie bekommt die geschichte ähnlichkeit mit einem krimi... : lest genau. Denn einige Inhalte könnten für spätere Kappis wichtig werden. : * pendelhinundherschwing* - Connatica sagt: Schreibt Revieeeeews! Schreibt



@Ondin: mehr über Sarnir? *Seufz*. Was finden alle an dem? Der ist doch irgendwie zu soft, meiner Meinung nach. So fürsorglich und nett.

Aber wenn du (und einige andere) drauf bestehen....gut, dann lass ich die beiden mal miteinander sprechen. Aber vorher kommt dieses Kappi. Bin gespannt, ob ihr danach noch immer mehr über Sarnir wissen wollt.....*grins *

@MistWoman: danke! Fühl mich richtig geehrt (

@HexenLady: ich bin draufgekommen, dass die elbische und die chinesische Kultur einander irgendwie ähneln. Diese innere Ruhe, der Kampfstil, die Tiefgründigkeit.... vielleicht gibt's ja doch Elben auf unserer Welt. Wenn ja, dann sind sie aber eher klein und dunkelhaarig.

@Niennay : merci beaucoup! Hab mir deine Bio gelesen... : du spielst Bass??? G- e – i – l !!! Welche Musik macht ihr denn so? Selbstgeschriebenes? Ein paar Kumpelinen und ich wollen auch eine Band gründen! Hätten auch schon ein Lied...müssen es bloß noch vertonen. Ich singe- keine Ahnung, ob ich es kann- aber es macht Spaß! Und außerdem bring ich mir grad Gitarre bei (akustische), na ja, in einer Band eher weniger zu gebrauchen, aber egal, es is sehr cool!

@Nilli: *knuddel * DANKE!!!!!!! *gg * war ganz überrascht, wie schnell eure reviews gekommen sind! Eine frage: funktioniert bei dir das Suchen- Dingsbums auch nicht?

@DragonSleep: ich hoffe, du bist noch irgendwo da draußen * umguck* . Dein Review war so was von süß! Danke! Würd mich freuen, wenn du öfter so süßen Senf abgibst



@rachel: das gleiche gilt auch für dich.

@jinx: (das ist jetzt etwas verspätet, sorry). *Rotwerd* „sprachlich korrekt"....mhm, das tut gut. „Wortgewandt"....schön, * schnurr *. Ja ähm....warum? Naja, ich schreib schon so vor mich hin seit ich schreiben kann und hatte also genug zeit, ein ausgeprägtes rechtschreibgewissen zu entwickeln. Aber VÖLLIG fehlerlos ist meine geschichte auch wieder nicht , da kann ich dich beruhigen. Es gab ein paar logikfehler, die aber niemandem auffielen und somit mein geheimnis bleiben....;-). Und auch so schleichen sich immer wieder wortwiederwiederholungen wieder ein

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So, so you think you can tell Heaven from Hell,

Blue skies from pain.

Can you tell a green field from a cold steel rail?

A smile from a veil?

Do you think you can tell?

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(aus: "Wish you were here", Pink Floyd- * schmacht*. Dieser Song ist wohl das Schönste, den ich kenne.)



Vorsichtig ließ sie sich ins Wasser gleiten.

Es dampfte vor Hitze, und für einen Moment war sie nahe dran, wieder aus dem großen Holztrog herauszuspringen, denn ihre Haut verfärbte sich schon beim ersten Kontakt krebsrot und brannte wie Feuer.

Doch sie biss mutig die Zähne zusammen, holte noch einmal tief Luft und tauchte dann zur Gänze in das wohlriechende, heiße Badewasser ein.

Unter Wasser öffnete sie die Augen und beobachtete, wie sich das Licht der Kerzen sich an der bewegten Wasseroberfläche brach.

Erst als diese sich geglättet hatte, tauchte sie wieder auf, atmete tief durch und ließ sich entspannt gegen den Rand des Troges sinken.

Die getrockneten Kamilleblüten, die sie ins Wasser geworfen hatte, waren eigentlich für Tee gedacht gewesen.

Sie hob ein Bein an und beobachtete, wie ihr Knie aus dem Wasser emportauchte und weißer Dampf davon aufstieg. Hinter den Vorhängen, die die kleine Waschecke vom Rest der Küche abschirmten, knisterte leise das Kaminfeuer.

Dampf stand im Raum und es war beinahe unangenehm warm, denn sie hatte kräftig heizen müssen, um soviel Wasser aufzuwärmen.

Die Seife war teuer und roch nach Honig, Asona hatte sie für besondere Anlässe aufgehoben. Sorgsam begann Oxana sich damit zu waschen, kreiste solange mit dem Seifenstück über ihre Haut, bis weißer Schaum sich bildete.

Dann nahm sie die grobe Bürste und begann sich sorgsam damit abzuschrubben.

Abschließend seifte sie ihre Haare ein, wusch sich den Schaum vom Kopf und wiederholte die Prozedur solange, bis aus den zotteligen Strängen an ihrem Kopf wieder weiche, gewellte Locken wurden.

Genießerisch schloss sie die Augen und ließ sich wieder ganz unter Wasser versinken.

In heißen Sommern waren Rion, sie und einige andere Kinder oft in den Zierbrunnen am Hofe zu Edoras gesprungen und hatten sich so etwas Abkühlung verschafft . Sie war eine der besten gewesen, wenn es darum ging, die Luft lange anzuhalten.

Die Gedanken an jene glückliche Zeit in ihrer Heimat stimmten sie traurig.

Heimat....wo lag ihrer Heimat eigentlich?

In den blühenden Gärten Ithiliens, der Stätte ihrer Geburt? In Edoras, wo sie aufgewachsen war? Oder doch bei den Waldläufern, wo sie die Liebe kennen gelernt hatte? Die See...eine zeitlang waren ihre sanften Wogen, ihre blaue Endlosigkeit das einzige gewesen, das ihr Geborgenheit und Schutz vermitteln konnte.

Vielleicht war das Meer ihre Heimat?

„Entwurzelt bist du", dachte sie, und es kam ihr mit einer erschreckenden Klarheit in den Sinn, „entwurzelt und orientierungslos. Das Schicksal treibt seit jeher sein grausames Spiel mit dir, und du bist hilflos dagegen, so hilflos wie ein Blatt im Sturm."

Erst nach einer halben Stunde, als das Wasser kalt und trüb wurde, stieg sie wiederwillig aus der Wanne.

Ihre Haut brannte vom heftigen Schrubben und pochte sanft mit jedem Herzschlag. Sie war zu müde und erschöpft, um ihre Kraft an irgendwelche lästigen Gedanken zu verschwenden, im Moment bedurfte es ihrer gesamten Aufmerksamkeit, sich mit dem weichen Tuch abzutrocknen, das Asona ihr gerichtet hatte.

Irgendwie brachte sie es auch noch zustande, in das lange Nachthemd zu schlüpfen und ihre Armschienen anzulegen, die sie nur selten ablegte, ohne dabei einzuschlafen.

Als sie aus der Küche schlurfte, hatte sie plötzlich keine Probleme mehr damit, die Augen offen zu halten.

Legolas saß im Schneidersitz vor dem Kamin.

Mit entblößtem Oberkörper.

Auf seinen Knien lag das dunkelgrüne Hemd aus weichem Leder, das er die ganze Reise über getragen hatte. Er war gerade dabei, einige Löcher und Risse daran auszubessern.

Zwei große Holzscheite glühten im Kamin und warfen einen schwachscheinenden Halbkreis aus warmen Licht in die Stube. Sein Haar war nass, aber sauber, und klebte strähnig an seinem muskulösen Rücken.

Sie sah ihn nur von der Seite, doch das wenige, das sie zu Gesicht bekam, reichte, um ihren Herzschlag auf doppelte Geschwindigkeit zu erhöhen.

Ihre Müdigkeit fiel von ihr ab wie ein Schleier, ihre Augen saugten sich entgeistert an seiner glatten Haut fest, unter der sich feste, geschmeidige Muskeln abzeichneten.

Sie schluckte, stand wie angewurzelt und warf einen sehnsüchtigen Blick zum Gang hin, der in ihr Zimmer führte- und am gegenüberliegenden Ende des Raumes lag.

„Ich dachte schon, du wärst ertrunken. Sarnir und ich durften uns draußen am Brunnen waschen, weil irgendjemand einfach nicht aus dem Bad steigen konnte", maulte Legolas und ließ Nadel und Faden sinken. Er wandte das Gesicht und blinzelte überrascht.

Sie sah vollkommen verändert aus. Sehr viel weiblicher. Und sie roch auch besser. Nach Kamille und Honig...der Geruch war durchdringend und der gesamte Raum schien plötzlich davon ausgefüllt zu sein.

Augenblicklich sah Oxana an sich hinab. Dieser lächerliche Fetzen! Das Nachtkleid war ihr viel zu eng, wobei der Stoff so dünn und leicht war, dass er sich unangenehm eng an ihre weiblichen Formen anschmiegte. Asona hatte behauptet, nichts Besseres finden zu können. Oxana war es egal gewesen. Sie hatte ja nicht damit rechnen können, dass sie jemand darin sah.

Hastig verschränkte sie die Arme vor ihrer Brust. Ihre Ohren begannen zu glühen. Wenigstens war ihre Haut von dem heißen Bad noch so gerötet, dass dies nicht weiter auffiel.

„Wo sind die anderen?!" , fragte sie betont unfreundlich.

Legolas nickte zur Treppe neben der Küchentür hin.

„Oben. Sarnir kümmert sich um Obhart. Und Asona um die Tiere."

Oxana runzelte die Stirn. Wie spät war es eigentlich? Hier unten in diesem ständigen Halbdunkel verlor man völlig das Gefühl für Zeit!

„Wie geht es ihm?"

„Obhart? Besser. Aber noch nicht gut genug, um unsere Reise mit uns fortzusetzen. Wir müssen womöglich ohne ihn weiterziehen, wenn sich sein Zustand nicht bessert. Wir verlieren laufend Zeit...vielleicht bereits zuviel."

Er legte sein Hemd und das Flickzeug beiseite und streckte sich gähnend. Das Spiel seiner Muskeln dabei fesselte sie.

Seine Haut war heller als die Sarnirs, sein Oberkörper etwas länger und schmäler.

Auf einem der Lehnstühle lagen noch die beiden Pfeifen, die Sarnir und er vorhin benutzt hatten, neben einem kleinen Säckchen Pfeifenkraut.

Erst jetzt bemerkte sie den süßlichen, würzigen Geruch nach Pfeifenkraut, der in der Luft stand.

Legolas bemerkte ihren Blick und meinte: „Bedien dich nur. Es ist noch genug da."

Zögernd ging sie zu dem Stuhl und setzte sich darauf, während Legolas ihr mit ungewohnter Höflichkeit eine Pfeife stopfte und entzündete.

Dann tat sie einen tiefen Zug, inhalierte den Rauch und spürte, wie ihr ein bisschen leichter zumute wurde. Auf Abstand achtend blieb sie neben dem Stuhl auf dem Teppich sitzen und konzentrierte sich voll und ganz auf ihre Pfeife.

Bereits nach wenigen Minuten musste sie das gute Stück ein weiteres Mal stopfen. Legolas hatte sich wieder seinem Hemd zugewandt.

Konnte er sich denn nichts überziehen?, dachte sie nervös und quetschte mit fahrigen Bewegungen das Kraut in ihre Pfeife. Sie sah kurz auf, bewunderte seinen nackten Oberkörper, seine festen, glatten Brustmuskeln für einen Sekundenbruchteil und senkte hastig wieder den Blick.

Dann stand sie auf und kniete sich vor den Kamin, um das Kraut anzubrennen.

„Woher stammen die Narben auf deinem Rücken?"

Sie schrie leise, aber nicht vor Schrecken, sondern aus Schmerz, denn die Pfeife war in die heiße Glut gefallen. In ihrer Unbedachtsamkeit hatte sie danach gegriffen und sich die Finger verbrannt.

Fluchend sprang sie auf und fasste nach einem Eisenhaken, mit dem sie die Pfeife aus dem Feuer fischte. Sie war an manchen Stellen etwas angeschwärzt, ansonsten aber noch heil.

Sie nahm die Fingerspitzen in den Mund und blies darauf.

„Aua! Siehst du was du getan hast?!", fluchte sie wütend und funkelte den Elben böse an.

Dieser war aufgestanden und starrte sie an. „Woher stammen die Narben auf deinem Rücken?", wiederholte er, ihre Frage ignorierend.

Sie spürte, wie sie erblasste.

„Welche Narben?", stellte sie sich dumm.

„Tu nicht, als wüsstest du nicht, wovon ich spreche. Ich habe sie deutlich gesehen, als du dich nach vor gebeugt hast. Woher stammen sie?"

„Ich wüsste nicht, was dich das anginge. Und warum siehst du mir überhaupt auf den Rücken?", antwortete sie überheblich.

Legolas gab ein tiefes, kehliges Knurren von sich, verdrehte die Augen und stöhnte: „Wann wirst du endlich begreifen, dass ich dir bloß helfen will?"

Sie grinste steif.

„Oh ja, das ist es ja, was alle tun wollen: Mir helfen. Mich zu einem besseren Menschen machen. Andauernd diese lachhaften Versuche, in mich vorzudringen.....dein ekelhaftes Verständnis, deine widerlich gute Laune! "

Sie spuckte die Worte geradezu aus. „Ich habe es schon so satt, dein kleiner Problemfall zu sein!"

„Was redest du da?", gab Legolas verwirrt zurück.

„Nun stell du dich nicht dumm!", fuhr sie ihn an, „wozu hast du mich auf diese tollkühne Reise mitgenommen? Wozu sonst hast du mich in Rohan erpresst, damit ich euch helfe, diesen Drachen von einer Elbe zu finden?! In deiner gönnerhaften, weltverbesserischen Art hast du dir eingebildet, mir eine Gehirnwäsche verpassen zu können! Wolltest mich auf die richtige- also deine- Seite bringen!"

Ihre Worte waren verletzend und troffen vor Arroganz . Sie lächelte kühl, senkte ihre Stimme.

„Du Narr. Wie du dich selbst überschätzt."

Mit ausdrucksloser Miene drehte sie sich um und ließ den bestürzten Elben stehen.

„Komm zurück! Sprich mit mir!", forderte dieser, als sie bei ihrer Zimmertür angelangt war.

„Reden...ist das alles, wozu du fähig bist?", entgegnete sie abfällig, drehte sich aber tatsächlich um.

Verächtlich ließ sie ihren Blick über seinen Körper gleiten, trat ihm mit einem spitzen Lächeln auf den Lippen entgegen, bis dass sie einander dicht gegenüber standen. Ihre Anspielung zielte eindeutig auf eine Ebene ab, die weitab ihrer sonstigen Gespräche lag.

„Was siehst du eigentlich in mir? Ein Kind? Bloß einen Menschen? Oder etwas....Begehrenswertes?" Sie flüsterte das letzte Wort, zog es genüsslich in die Länge.

Seine Bemühungen, sich keine Reaktion ankennen zu lassen, amüsierten sie.

Mit einem Male schien ihr seine Maske aus Beherrschung und Ruhe, die er sich über Jahrhunderte hinweg aufgebaut hatte, so durchsichtig wie Glas.

Vielleicht war er älter und erfahrener, als sie es zu begreifen imstande war.

Doch sosehr er es auch vor ihr – und womöglich auch vor sich selbst- verstecken zu versuchte, verbargen sich unter seiner ruhigen Oberfläche jene Instinkte und Bedürfnisse, die jedem Wesen von Natur her gegeben waren.

Und mit ihren Worten reizte sie exakt diesen Teil von ihm.

„Du lenkst ab", meinte Legolas ruhig, „was ich in dir sehe hat rein gar nichts mit dem zu tun, worum es hier geht."

„Oh!", lachte Oxana, „es hat mehr damit zu tun als du glaubst." Sie lehnte sich nach vor, streifte wie durch Zufall sein Gesicht und flüsterte in sein Ohr: „Und nun möchte ich eine Antwort."

„Nicht bevor du sie mir gegeben hast", antwortete Legoas kühl.

Sie runzelte die Stirn. Er war doch nicht ganz so leicht zu beeinflussen wie sie angenommen hatte. Bisher hatte es wenige Männer gegeben, die in einer solchen Situation einen klaren Kopf behalten hatten.

Scheinbar gleichgültig zuckte sie mit den Schultern. „Nun gut. Ich schlage dir einen Handel vor- für jede Frage, die du mir beantwortest, erhältst du umgekehrt eine Antwort von mir.

Sie drehte sich um, ging zu einem der hohen Stühle hin.

„Und ich fange natürlich an."

Während sie zum Kamin zurückging, schien Boden unter ihren Füßen ein klein wenig einzusinken, es war fast, als glitt sie viel eher als dass sie ging. Pfeifenkraut. Erstaunlich, wie unterschiedlich seine Auswirkungen auf den jeweiligen Raucher waren. Automatisch griff sie nach der Pfeife und feuerte sie an.

Dann ließ sie sich damit in einen der Armstühle fallen. „Lass dir eines gesagt sein- ich tue das hier bloß, weil ich möglicherweise noch zwei Tage mit euch in diesem Haus verbringen muss. Und eine Flucht gliche einem Selbstmord."

Legolas grinste. „Ein solcher Bunker hat auch seine gewissen Vorteile." - und erklärte sich damit mit ihrem kleinen Frage- Antwort- Spiel einverstanden.

Er nahm auf dem zweiten Stuhl Platz und rückte ihn so, dass sie einander gegenübersaßen. Gemütlich streckte Oxana die Beine von sich und legte sie auf seine Armlehne.

„Dein Bruder. Ich möchte wissen, was mit ihm geschehen ist."

Sie sah, wie sich die Sehnen in seinem Hals anspannten. Die Finger seiner rechten Hand schlossen sich knarrend um die Armlehne.

„Antwort gegen Antwort?", versicherte er sich und blickte sie durchdringend an. Sie nickte. „Antwort gegen Antwort", antwortete sie, und meinte, was sie sagte. „Ich kann dir glauben?" Sie nickte.

Er musterte sie unsicher, atmete tief durch und starrte auf seine Hand.

„Er und Nîthiel standen kurz vor ihrer Heirat. Es war....Mittsommer."

Er nahm einen kräftigen Zug aus der Pfeife und atmete den Rauch tief ein. Seine Gesichtszüge sowie seine gesamte Haltung entspannten sich ein wenig, als er weitersprach.

„Nîthiel war mitsamt ihrem Gefolge nach Düsterwald gekommen. Zu ihrer Begrüßung wurde an jenem Abend ein großes Fest im Palast meines Vaters gehalten. Zahlreiche wichtige Leute waren geladen..sie sollten auch bei der Hochzeit anwesend sein. Der Wein floss in Strömen, es wurde getanzt und gesungen. Mein Bruder hatte wohl auch ein wenig über den Durst getrunken. Er ging früh zu Bett."

Und während er weitererzählte, begann die Geschichte vor ihren Augen abzulaufen.

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„Sing! Oder bist du etwa zu feige dazu?"

„Ach lasst ihn doch- sei ihm lieber dankbar, dass er das teure Tafelglas verschont!".

Leriel kicherte und freute sich, dass sein Witz mit einigen hellen Lachern beantwortet wurde. Er hob sein Glas und prostete dem jungen Prinzen und der kleinen Gruppe von Sindar- Elben zu, die sich um Elladan, einen Sohn Elronds, gesammelt hatte zu.

Elladan strafte den Kerkerwächter und die anderen fünf jungen Elben mit einem seiner gefürchteten, todbringenden Blicke, die er wohl von seinem Vater geerbt hatte.

„Ich bin nicht feige", sagte er trotzig, „reicht mir eine Laute und etwas Wein!"

Was er verlangte, wurde ihm gegeben, und nach einigen kräftigen Schlucken war er soweit, sich selbst auf der Laute bei einer schwermütigen Weise zu begleiten.

Diese traurige Melodie war eine willkommene Abwechslung zu den fröhlichen Tanzliedern, die man bisher gespielt hatte. Bald kehrte Ruhe in den Hallen des Feuers ein und ein jeder lauschte Elladans weicher, melodiöser Stimme, die er nur selten erhob.

Legolas ließ sich, ein Glas feinsten südländischem Wein in den Händen, auf einen samtüberzogenen Diwan sinken und schloss genießerisch die Augen.

Die sanften, elbischen Worte entspannten ihn und bald schon war es, als würde er gemeinsam mit den Tönen durch einen schillernden Nebel gleiten, der ihn sanft umhüllte.

Wie alle von seiner Art liebte er die Musik, und es war ein erhebendes Gefühl, sein Volk durch diese Liebe für immer vereint zu wissen. Keiner unterbrach Elladan, denn er hätte damit wohl den Zorn aller Anwesenden auf sich gezogen.

Und doch kehrte gerade in dem Moment Unruhe ein, da das Lied an seiner schönsten Stelle angelangt war.

Legolas wurde unsanft aus seinen Träumen gerissen. „Was ist jetzt schon wieder los?", schimpfte er verärgert.

Viele Elben waren von ihren Sesseln und Diwanen aufgestanden und sahen in Richtung des Eingangstores. Dort standen Thranduil, in sein grünes Festgewand gehülllt und zwei Wachen in einem engen Kreis und unterhielten sich aufgeregt.

Ein Blick in das bestürzte Gesicht seines Vaters verrieten dem jungen Prinzen, dass etwas nicht stimmte. Er presste Leriel neben sich sein Glas in die Hand und drängte sich zwischen den murmelnden Gästen zu seinem Vater und den Wachen durch.

„Was ist geschehen!?", rief er schon bevor er bei ihnen angelangt war. Ein ungutes Gefühl breitete sich in ihm aus.

Thranduil schüttelte sein silbernes Haupt kaum merklich, als Zeichen für seinen Sohn, dass dies weder der richtige Ort noch der rechte Zeitpunkt für eine Erklärung war.

Rasch trat er nach vor und hob die Arme, um die Gäste zur Ruhe zu bringen.

„Es ist alles in Ordnung, eine der Wachen hat einen Eindringling gefasst, ich werde nur kurz nach dem Rechten sehen. Bitte, verzeiht die Störung!" Diese Meldung beruhigte die Leute zwar nicht wirklich, doch begannen die Spielleute augenblicklich mit einem fröhlichen Lied, und zogen damit schnell die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich. Der Abend war bisher bestens gelungen und keiner der Elben hatte große Lust, sich die Laune verderben zu lassen.

Thranduil gab seinem Sohn einen unauffälligen Wink und forderte ihn somit auf, ihm und den Wachen auf den Gang hinaus zu folgen.

„Ein Eindringling?", fragte Legolas dort verwirrt. Es erschien ihm unmöglich, dass jemand ungeladen in den Palast eingedrungen war- dazu standen zu viele Wachen an den Toren. Thranduil zuckte mit den Schultern.

Je länger sie den verwinkelten Gängen in den Palast hinein folgten, desto unruhiger wurde er.

„Wo habt ihr ihn gefunden?", fragte Thranduil, „und wer von euch hat geschlafen, dass so etwas passieren konnte?"

Einer der blonden Wachen zuckte hilflos mit den Schultern. „Wir griffen ihn in der Nähe der Schlafgemächer auf- ich kann mir auch nicht erklären, wie er so weit kommen konnte, Hoheit!"

Schon aus einiger Entfernung hörten sie aufgebrachte Stimmen, wie von einem Streit. Sie bogen in jenen Gang ein, an dem die Schlafgemächer der Prinzen angrenzten. Dort standen gleich drei Wachen, einer von ihnen hielt einen blonden Jüngling fest, dessen silberne Tunika mit dunklen Flecken bedeckt war. Der junge Mann wehrte sich heftig gegen den Festen Griff des Wachmannes und protestierte. Als er den König und dessen Sohn erblickte, begann er sofort, ihnen mit lauten Worten seine Unschuld zu beteuern.

Die Tür zu Legolas' Zimmer stand weit offen, gedämpfte Stimmen drangen daraus hervor.

Legolas begriff nicht. Die Wachen erklärten, dass sie den Mann mit einem blutigen Messer in der Hand hier aufgegriffen hätten.

Weder Thranduil noch Legolas schenkten ihnen große Beachtung.

Sie hatten eine blutige Spur entdeckt, die in Legolas' Zimmer führte.

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„Er hatte sich irrtümlich ins falsche Zimmer gelegt", schloss Legolas mit flacher Stimme

Oxana starrte ihn an, sah ihn auf einmal auf eine ganz andere Weise. Was hatte sie ihm alles an den Kopf geworfen, ohne auch nur zu ahnen, was er schon alles durchgemacht hatte?

„Das heißt, der Mordanschlag könnte eigentlich ...." Sie wagte es nicht, es auszusprechen.

Legolas nickte. Er hatte möglicherweise ihm gegolten.

Und plötzlich wurden ihr einige Dinge klar.

Warum man in Thranduils Palast so hartnäckig darauf bestanden hatte, dass sie ihre Waffen ablegte. Warum Legolas so vorsichtig war, nicht zuviel Wein zu trinken und so übertrieben wachsam war. Warum ihm der Tod des Rohirjungen so nahe gegangen war.

Er gab sich die Schuld am Tode seines Bruders.

„Wer war er?"

„Der Sohn einer Bediensteten. Ich kannte ihn bloß vom Sehen...er war betrunken. Seine Gründe konnte er uns nicht nennen."

„War er tatsächlich der Mörder?"

Legolas sah sie an, als hätte sie soeben etwas furchtbar Dummes gesagt. „Natürlich war er das", gab er zurück und klang ein wenig zornig, „das war doch offensichtlich!"

„Dann gab er es also zu?"

Legolas' Augen funkelten. „Nein. Was erwartest du? Dass er sich freudig seiner Hinrichtung stellt?"

„Hinrichtung?" Sie riss die Augen weit auf. „Ihr habt ihn...?"

„Was dachtest du?", fuhr Legolas auf, „auf den Mord an einem Mitglied des Königshauses steht die Todesstrafe. Blut für Blut. Warum sollte es bei uns Elben anders sein als bei euch Menschen?"

Sie murmelte eine Entschuldigung, ließ sich wieder in den Sessel zurücksinken. Er hatte Recht. Es mochte ihr nicht zu diesen Wesen passen- aber auch Elben hegten dunkle Gefühle, kannten Rache und Hass.

Und doch hatte sie das Gefühl, dass Legolas etwas verbarg.

Vielleicht lag es an dem, was Silaid im Wald gesagt hatte. Nachdenklich sah sie den Elben an, der den Kopf gedreht hatte und in die Glut starrte. Dunkle Schatten auf seinem Antlitz ließen es plötzlich fremd und älter erscheinen.

„Du zweifelst an der Richtigkeit des Urteils, nicht wahr?" Sie spürte es. Seit ihrer Begegnung mit Silaid machte ihm etwas zu schaffen.

Er drehte den Kopf und starrte sie stirnrunzelnd an. „Siehst du in meinem Kopf?"

Sie lachte leise, denn genau diese Frage hatte sie sich zuvor schon Dutzende Male gestellt, bloß umgekehrt.

„Ich bin dran", bemerkte Legolas , bevor sie das Thema weiter ausbreiten konnte, „ich denke du weißt, was ich wissen will. Diese Narben. Woher kommen sie?" „

Oxana starrte ihn böse an.

„Die Narben....", überwand sie sich schließlich und stöhnte entnervt, „sie sind alt und stammen von Peitschen. Ein paar Dûnländer hielten mich für eine elbische Spionin, die gekommen war, um ihnen die Pferde wegzunehmen. Als sie ihren Irrtum bemerkten, war es ihnen so peinlich, dass sie mich kurzerhand eingesperrt ließen."

Der Elb legte den Kopf schräg und meinte dumpf:

„Irgendwie kenne ich mich jetzt noch weniger aus als vorher."

Resignierend begann sie zu erzählen.

Von einem Räubertrio, dem sie bis nach Dûnland gefolgt waren, von den eifrigen Schäfchen irgendeines dûnländischen Landlords, die sie eingefangen und in dessen Burg gebracht hatten. Und von den Kerkern, in die man sie brachte.

Die Folter erwähnte sie bloß oberflächlich- Legolas musste ja nicht alle Details wissen.

„Erst nachdem mich meine Kollegen nach drei Monaten aus diesem Höllenpfuhl befreien konnten, fanden wir heraus, WARUM ich eigentlich eingesperrt war. Jener Landlord hatte nämlich den Elben im Bruchtal ein Dutzend wertvoller Pferde entwendet, sie mit seinem Zeichen gebrandmarkt und gehütet wie einen Schatz. Die Elben waren natürlich entsprechend wütend auf ihn und schworen, die Tiere eines Tages zurückzuholen. Der Landlord lebte von da an in Angst und Schrecken und schlief stets mit einem geöffneten Auge. Nun, und da Elben bekannter Weise groß, schlank und hellhäutig sind, hielt man mich für einen Spion aus Bruchtal, der die Stallungen der Viecher ausfindig machen sollte. Meine Ohren waren zwar nicht spitz genug, aber auch darin sah unser lieber Lord eine List des Feindes."

Sie grinste vergnügt. „Und so wurde mein Leben wegen einem Dutzend stinkender, elbischer Pferde zerstört."

Legolas Blick zeugte von seinem Entsetzen.

„Bei den Vallar, das konnte ich nicht wissen", flüsterte er und senkte etwas schuldbewusst den Kopf.

Sie zuckte mit den Schultern. „Schon gut."

Es war ihr wirklich egal. Daran war wohl auch das Pfeifenkraut schuld. Es stimmte sie seltsam gleichgültig.

„Und deswegen wurdest du zur Söldnerin?", fragte Legolas. Sie legte den Kopf schräg. „Das sind zwei Fragen, ich hoffe das ist dir klar."

„Nun gut. Du bist dran."

Nachdenklich wickelte sie eine Locke um ihren Finger. Sie würde ihm eine Frage stellen, die ihn aus dem Kozept brachte.

„Nîthiel. Warum heiratest du sie?"

Legolas grinste. „Mit dieser Frage habe ich bereits gerechnet. Du magst sie wirklich nicht, oder?"

„Nun lenkst du ab", entgegnete Oxana und reichte ihm ihre Pfeife.

Er nahm einen tiefen Zug und blies einige Rauchringe in die Luft.

„Du bist eine harte Gesprächspartnerin", scherzte er, sprach aber schnell weiter, als sie ihm warnende Blicke zuwarf.

„Nun gut. Warum ich Nîthiel heirate....." Er räusperte sich, rückte unruhig in seinem Stuhl herum. Dann starrte er auf seine Füße. „Sie ist...". Er stoppte, setzte er erneut an. „Sie hat....- muss das sein? Frag mich etwas anderes."

Sie nickte streng. „Du willst Antworten? Dann tu etwas dafür."

Er runzelte die Stirn. Endlich erklärte er: „Nicht, dass ich sie nicht liebte....aber unsere Liebe hat sich mit den Jahren verändert."

Er schien andächtig nach richtigen Worten zu suchen.

„Weißt du, an manche Sachen gewöhnt man sich mit der Zeit. Es ist irgendwie...selbstverständlich. Lúthien war mit Beren zusammen, Celeborn und Galadriel sind ein Paar, Tom Bombadil und Goldbeere- Nîthiel und ich."

„Das ist keine klare Antwort", beschwerte sich Oxana.

„Es ist die einzige, mit der ich im Moment dienen kann", bedauerte Legolas. Es war ein starkes Stück, wie hinterlistig sie ihre Fragen stellte. Und ihre Beine, die sein Knie immer wieder streiften, hielten ihn zusätzlich vom Nachdenken ab.

Sie verzog den Mund und schüttelte den Kopf. „Das mag ich nicht gelten lassen."

„Bitte!" Legolas legte den Kopf schräg und blickte sie so unwiderstehlich flehend an, dass ihr gar nichts anderes übrig blieb, als widerwillig nachzugeben.

„Dann stell deine Frage", murrte sie ärgerlich. Er grinste triumphierend. Oxana ahnte, gerade einen großen Fehler begangen zu haben.

„Dann will ich wissen, warum du zur Blutjägerin wurdest."

Oh nein, genau das hatte sie befürchtet. Mit einem überlegen wirkenden Lächeln nahm sie einen Zug aus der Pfeife.

„Zuallererst: Ich bezeichne mich selbst lieber als Söldnerin", wies sie hin, „und ich will es dir erklären- doch ich möchte, dass du mir vorher versprichst, dass nichts, was hier gesprochen wird, diesen Raum je verlässt."

Er hob die Hand und legte sie auf seine Brust. „Ich schwöre es."

Umständlich stülpte sie den Ärmel ihres Nachthemdes zurück.

Es dauerte etwas länger als üblich, die Armschiene von ihrem linken Handgelenk zu lösen. Mühevoll lockerte sie die ledernen Fäden und zog ihre Hand aus der schwarzen Lederhülle.

Stolz wies sie auf eine münzgroße, blasschwarze Tätowierung auf ihrem Puls.

Legolas rutschte etwas nach vor, nahm ihre Hand und musterte die Zeichnung. „Das Mal der Blutjäger", -„SÖLDNER"-, unterbrach sie ihn spitzfinderisch, doch Legolas ging darüber hinweg, „warum zeigst du es mir?"

Nachdem sie einen tiefen Zug aus ihrer Pfeife genommen und diese beiseite gelegt hatte, beugte sie sich nach vor, drückte ihren Zeigefinger fest auf ihre Haut.

„Hier sehen wir einen Kreis und ein Schwert", begann sie mit belehrender Stimme, „der Kreis ist zerbrochen, er scheint vom Schwert durchschnitten worden zu sein."

Sie räusperte sich.

„Und nun werde ich dir erklären, was dies zu bedeuten hat. Der Kreis steht für das Leben. Manche Witzbolde behaupten zwar, er steht für einen Ehering"- sie grinste vergnügt- „andere- meist Magiegläubige- meinen, es sei ein Zeichen, sozusagen einer der Ringe der Macht, der durch uns zerstört wird oder so ähnlich- aber egal, ich sage, er ist der Kreis des Lebens."

Ihr Finger bewegte sich ein Stück von dem Kreis weg, sie wies auf den Dolch, dessen Griff von einer Schlange umwunden war.

„Dieses Schwert steht für uns Söldner. Wir unterbrechen den Kreis des Lebens. Wir zerstören ihn. Dies ist unsere Aufgabe. Unser Schicksal. Es haftet uns an, so wie...." Sie überlegte, „...Baumharz."

Sie nickte. Ein guter Vergleich, fand sie.

„Nimm mich als Beispiel", fuhr sie ernst fort, „der Tod ist ein guter, alter Bekannter von mir. Zuerst holte er meine Eltern und meinen Bruder. Und dann beinahe mich. Und als er sah, dass ich alleine und hilflos war, machte er mich zu seiner Dienerin, und ich brachte ihn zu all meinen Opfern, kein einziges sollte mich überleben."

Dumpf starrte sie an ihrer Hand vorbei auf sein Bein. Sie hatte noch gar nicht bemerkt, dass er barfuß war und seine Hose etwas hochgestülpt hatte.

Legolas hob den Armschoner wieder auf, nahm ihren Arm und strich behutsam über die Tätowierung.

„Ich höre viel Bitterkeit und Schmerz deinen Worten. Aber keine Antwort auf meine Frage. Erzähl mir nicht, du hättest dich nie gegen dein Schicksal, wie du es nennst, aufgelehnt. Dazu bist du zu stark."

Sie streckte den Arm aus, er nahm ihn, schob ihn behutsam wieder in die lederne Hülle zurück und begann die Lederriemen zuzubinden. Hingerissen beobachtete sie, wie geschickt seine Finger einen Knoten nach dem anderen schnürten.

„Willst du wirklich wissen, was geschah, als ich mich dagegen auflehnte?", flüsterte sie. „Als ich dem Tod meinen Dienst kündigen wollte?"

Sie hob den Blick, starrte in die Augen des Elben. Sein Bild begann zu verschwimmen. Tränen hatten sich in ihren Augen gesammelt. Zornig blinzelte Oxana sie weg. Keine Tränen. Auch wenn sie daran zerbrechen sollte. Tränen waren Zeichen der Schwäche. Er hatte sie schon einmal weinen sehen- und das war bereits einmal zu oft.

Seine Finger kamen zur Ruhe, blieben auf ihrem Arm liegen.

Dann nickte er. „Das will ich."

Sie näherte ihr Gesicht dem seinen, beobachtete das Spiel seiner Wangenknochen, sah, dass seine Mundwinkel leicht zuckten. Ihre Nähe bewirkte etwas bei ihm....Angst?

Vielleicht. Denn auch sie fürchtete sich. Davor, dass er sie mit dem, was er von ihr wusste, zerstören konnte. Oder dass es ihn zerstörte. Woher kamen diese wirren Gedanken? Das Kraut... oder?

Sollte sie es ihm verraten? Er würde der erste sein, der davon wusste.... Doch er hatte geschworen, nichts hiervon weiterzusagen. Und sein Schwur band ihn. Aber Elben konnten lügen. Konnte auch er lügen? Dem ungeachtet- wenn sie ihm jetzt keine Antwort gab, würde er ihr keine Fragen mehr beantworten....sie hatte sich selbst eine Falle gestellt.

Sie riss sich von seinem Anblick los, lehnte sich zurück und sagte leise:

„Er nahm mir mein Kind. Riss es mir aus dem Leib und nahm es an sich."

Legolas brauchte eine Weile. „Du warst schwanger?", krächzte er. Seine Augen saugten sich an ihrem schlanken Leib fest.

„Ganz recht", lächelte sie traurig, „ich trug Aragorns Kind unter meinem Herzen."

„Estel?", platzte Legolas hervor und sprang auf, „Estel war der Vater??"

Sie nickte stirnrunzelnd. Er reagierte ziemlich überzogen auf diese Neuigkeit, fand sie.

„Wusste er...?" - „Nein, nein!", unterbrach sie beruhigend, „natürlich nicht! Ich erwog es als klüger, darüber zu schweigen. Er wollte gehen- ihn durch dieses Kind an mich binden zu wollen wäre ein Akt der Verzweiflung gewesen- und so tief ließ ich mich nicht sinken."

Sein Gesicht gewann erst nach und nach wieder an Fassung zurück. „Aragorn...", murmelte er kopfschüttelnd, „das ist..."-

„Das war die Antwort auf deine Frage"- fiel sie ihm ernst ins Wort, „und folglich bin ich wieder an der Reihe. Sag"- sie starrte in die Flammen, „was siehst du in mir? Ich meine... Obhart hält mich für eine kampfwütige Amazone, Sarnir bildet sich ein, mich zu lieben, denn in seinen Augen bin ich ein zartes Wesen, das nur zufällig gut kämpfen kann- wenn er wüsste, was ich wirklich bin..."

Sie grinste schräg. „Der einzige, der mich wirklich kennt, scheinst du zu sein- auch wenn es mir ein Rätsel ist, wie du mir alles entlocken konntest. Und nun möchte ich wissen, was du in mir siehst."

Abwartend sah sie ihn an.

Er hatte ihren Worten bedachtsam gelauscht. Ein angedeutetes Lächeln huschte über sein Gesicht. „Du willst wissen, ob du ein guter Mensch bist, nicht wahr? Du denkst, ich könnte so etwas beurteilen. Es würde dein Gewissen erleichtern."

Unter anderen Umständen hätten seine Worte sie verletzt. Er jedoch sprach sie auf eine sanfte, leicht amüsierte Weise aus, die ihr es unmöglich machte, sie ihm nachzutragen. Darüber hinaus hatte er Recht.

Lächelnd ließ er sich vor ihrem Stuhl auf die Knie sinken, nahm ihren Arm und drehte ihn ein wenig, sodass das schwache Licht des Feuers die Tätowierung darauf erhellte.

„Ich kenne zwar nicht all deine Taten. Aber ich kenne dich".

Er sah auf und fing ihren Blick. „Nun ja, ein wenig zumindest. Vermutlich ist es unmöglich, eine Frau je ganz und gar zu kennen." Er grinste, wurde schlagartig wieder ernst. „Und du bist wohl der interessanteste, sturste, stärkste und unglaublichste Mensch, den ich je getroffen habe."

Damit beugte er sich vor und hauchte einen sanften Kuss auf ihren Puls.

Gebannt spürte sie ihren Körper unter dieser flüchtigen, eher freundschaftlichen Geste erbeben.

„Und wohl auch der müdeste", scherzte sie, von einer plötzlichen Unruhe erfüllt und zog ihren Arm zurück.

Umständlich richtete sie sich auf und legte die Pfeife beiseite. „Ich gehe nun besser zu Bett. Und hör bitte auf zu heizen. Man kann ja kaum noch atmen vor Hitze."

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Kurz nachdem Oxana zu Bett gegangen war, wurde die Bodenklappe mit einem heftigen Ruck aufgezerrt und ein zornesroter Sarnir kam die Treppe heruntergepoltert.

Legolas, der noch immer auf dem hohen Lehnsessel saß, wandte den Kopf und fragte, was denn los sei.

„Unsere Gastgeberin hielt es für nötig den großen Wasserkessel auf die Bodenklappe zu rollen, um ihn ausgerechnet dort zu schrubben. Zwei Stunden lang konnte ich warten, bis sie freiwillig von ihrem Platz wich und ich hier runter konnte!"

„Zwei volle Stunden?", wiederholte Legolas überrascht.

Sarnir nickte aufgebracht, ging zum Feuer und stopfte sich eine Pfeife. „Unglaublich, nicht wahr? Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Alte es mit Absicht getan hat". Er nahm einen tiefen Zug aus der Pfeife.

Legolas sah stirnrunzelnd zu Oxanas Zimmertüre hin. Sie hatten sich wirklich ZWEI STUNDEN unterhalten? Es war ihm wesentlich kürzer erschienen.

„Sie ist eben ein bisschen wirr, das ist alles", murmelte er geistesabwesend. Zwei Stunden?!

Sarnir nickte zustimmend. „Das kann man wohl sagen."

Asona, die am oberen Treppenansatz heimlich mitgelauscht hatte, grinste über beide Ohren. Sollten die nur von ihr halten, was sie wollten. Sie wusste es besser.

Stolz besah sie ihr Werk. Der Kessel war wirklich blitzblank geworden.

Sie hatte ihn dreimal mit eingelegtem Zinnkraut* solange geschrubbt, bis auch der letzte Rest von Schmutz restlos beseitigt war. Schmunzelnd rollte sie den Kessel wieder zum Kamin zurück und begann ein Essen zu richten. Dabei streifte ihr Blick ein kleines, unauffälliges Kräuterbündel an der Wand. Zögernd trat sie näher, roch daran. Es duftete herrlich, selbst nach all den Jahren.

„Nein", dachte sie, „halt dich zurück. Es läuft doch ganz gut zwischen den beiden. Das hier ist nur für schlimmsten Fall, wenn alle Stricke reißen sollten."

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Zinnkraut= Schachtelhalm *gg *. Früher haben sie damit bei uns das Geschirr damit gescheuert, um es blitzeblank zu bekommen. Es bringt doch was, wenn man in BU aufpasst (



N a c h w o r t : Wir kiffen. *heheheh *

@all: okay- ich will 100 reviews. Sobald ich 100 hab, stell ich ein weiteres kapitel online. Nicht eher. * bösegrins*