Eigentlich war das hier einer der Momente, denen sie doch zu gern aus dem Weg ging?!

Aber jetzt machte sie keinen Rückziehen, im Gegenteil!

Sie blieb standhaft.

Und in ihren Augen sah ich, wie ernst sie das hier gerade meinte.

Egal, ob das jetzt alles kaputt machen würde oder nicht, egal, ob sie sie damit vielleicht für immer verlieren würde…

Ich konnte mich einfach nicht zurück halten!

Nicht mehr.

Langsam beugte ich mich zu ihr herunter, den Blick noch immer auf ihren Augen haftend.

Unsere Nasenspitzen berührten sich ganz sanft und das machte mir Mut, dass sie nicht zurückweichen würde.

Ich spürte ihren warmen Atem, der in meinen schon leicht geöffneten Mund strömte.

Wir würden uns küssen!

Hier und jetzt!

Genießerisch schloss ich die Augen und…

„Damon?", kam es vom Flur und schon waren wir wieder in der Realität angekommen.

Wir gingen ein paar Schritte voneinander weg und sahen uns entschuldigend, aber auch betrübt an.

Olivia kam in die Küche.

Sofort sprangen Elenas Blicke zu ihr und dann wieder zu mir.

„Damon, wer ist das?", fragte sie und sah mich dabei warnend an.

Nein, nein!

Warum konnte die denn nicht mal oben bleiben?

Wäre ja auch zu einfach gewesen, nicht?

So war ich jetzt wieder unten durch, aber richtig!

Elena kam näher, noch immer mit diesem extrem wütenden Ausdruck auf dem Gesicht, der ihre Stirn in Falten legte.

Sie sah mich so abfällig an, dass ich mich am Liebsten selbst dafür geißeln wollte, dass ich mich überhaupt auf Olivia eingelassen hatte!

Wie war ich bloß da drauf gekommen?

In den verdammten 2 Jahren in New York hatte ich keine Einzige abgeschleppt!

Und jetzt?

Kaum war ich einen Tag hier, hatte sich mein Verlangen nach Elena so sehr gesteigert, dass ich mich schon wieder mit einer Anderen ablenken musste!?

„Damon, ist das wieder eine von deinen Schlampen?", kam es nun wilder von ihr und da mischte sich auch Olivia ein.

„Also ich darf doch sehr bitten!

Sie kennen mich doch überhaupt nicht!

Aber…

Damon, was soll das heißen?

Was meint sie?

Ich bin eine von Vielen, oder was?"

Jetzt bekam ich also die volle Ladung von beiden Seiten ab?!

Das hatte ich wirklich verdient.

Da mir das hier zu viel wurde, wollte ich mich lieber verdrücken, aber Elena hielt mich auf, indem sie weiter auf Olivia einredete: „Genauer gesagt bist du Nummer 300 von diesem Jahr!

Also nehm jetzt dein Zeug und verschwinde aus meinem Haus!

Sie zeigte auf die Tür und fing dann an, sie nach draußen zu schieben, weil sie sich nicht selbst in Bewegung setzte.

Diese hatte allerdings nicht vor, zu gehen!

„Stimmt das, Damon?", rief sie und ich verdrehte entnervt die Augen, denn ich hatte keine Lust mehr auf dieses Aneinander-vorbei-Gerede!

„Du wolltest Spaß, du hattest Spaß!

Punkt.

Aus.

Ende!", fuhr ich sie an und half Elena, sie nach draußen zu bugsieren.

Ob sie jetzt halb nackt war oder nicht, war mir dabei völlig egal!

Nachdem die Tür endlich wieder geschlossen war, machte ich mich auf den weg in mein Zimmer.

…zumindest versuchte ich das.

„Wer war das?", fragte Elena.

„Olivia.", sagte ich knapp, ohne mich umzudrehen.

Aber ich hörte, wie sie mir hinterher kam: „Wie bitte?

So weit seid ihr schon?

Echt, reife Leistung, Damon!

Ich dachte, du hättest dich geändert."

Das dachte ich auch!

Bis ich in deine Augen gesehen hatte…

Ich brauchte jetzt meine Ruhe!

Deshalb ging ich auch schnurstracks auf die Treppe zu.

Da überholte sie mich allerdings und stellte sich vor mich.

Um mich zu stoppen und – scheinbar wie von selbst – legte sich ihre Hand dabei auf meine Brust.

Gott, diese Frau machte mich wahnsinnig!

Und wie sie mich jetzt wieder ansah…ich würde für jeden dieser Blicke sterben, würde einer auch nur annähernd ernst gemeint sein!

Ihre warmen Finger brachten die Haut unter dem dünnen Stoff zum pulsieren und machten mich vollkommen verrückt.

Deshalb war ich ihr auch sehr dankbar, als sie ihre Hand sinken ließ.

Sie atmete noch einmal tief ein, bevor sie anfing, zu reden: „Was soll das werden?

Bitte sei ehrlich mit mir."

Ihre Stimme war ruhiger, aber auch ernster.

Was sollte ich denn darauf antworten?

Ich hielt inne.

Einen Moment lang dachte ich wirklich darüber nach, ob ich jetzt mit allem rausrücken sollte.

Aber dann kam mir in Erinnerung, dass sie gesagt hatte, sie bräuchte Zeit.

Und mit dem Einen müsste ich dann auch das andere erzählen, denn ohne das würde es keinen Sinn ergeben.

Doch ich wollte nicht ohne eine Erklärung gehen, denn die hatte sie verdient.

Gerade öffnete ich meinen Mund, da wurde draußen eine Autotür zugeschlagen und somit hatte sich meine Antwort erledigt.

Denn es war mit Sicherheit Stefan und der musste davon ja nicht unbedingt Wind bekommen…

Deshalb nickte ich Richtung Tür und verzog mich dann schnell in mein Zimmer.

Es stellte sich heraus, dass der Gast Bonnie war, weswegen ich mich dann ein wenig hinlegte, um möglichen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen.

Spätestens im nächsten gemeinsamen, ungestörten Moment würde Elena auf mich zurückkommen.

Aber der konnte warten.