Kapitel 27
Von der Welt durch Kinderaugen
V o r w o r t :
In Mittelerde gibt's auch Gnome, Feen und Kobolde und eine Menge anderer Fabelwesen von denen im HDR keine, bzw. kaum die Rede ist. Bei diesem Kappi habe ich mich von „Kortirion among the trees"- eine lange, laaaange Ballade über die Stadt Kortirion im Feenreich inspirieren lassen. Wenn ich mich richtig erinnere, ist auch im Silmarillion einmal die Rede von diesem Volk...sie lebten wohl auch einmal in Valinor, aber bitte fragt nicht noch mehr nach, ich will/kann mich nicht an die Einzelheiten dieses doch ziemlich umfangreichen Buches erinnern ( Einen kleinen Ausschnitt aus dem Gedicht habe ich im Unteren abgeschrieben.
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The Last Verse:
I need not know the desert or red palaces
Where dwells the sun, the great seas or the magic isles,
The pinewoods piled on mountain-terraces;
And calling faintly down the windy miles
Touches my heart no distant bell that rings
In populous cities of the Earthly Kings.
Here do I find a haunting ever-near content
Set midmost of the Land of withered Elms
(Alalminórë of the Faery Realms);
Here circling slowly in a sweet lament
Linger the holy fairies and immortal elves
Singing a song of faded longing to themselves.
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Hustend und würgend stürzten sie aus der Hütte und atmeten gierig die frische, kalte Nachtluft ein.
„Bei Eru, was ist das für ein Teufelszeug?!", krächzte Legolas und hustete kläglich.
Dass sie es nicht wüsste und dass sie es für Pfeifenkraut gehalten hatte, wollte Oxana sich rechtfertigen, aber sie fand ihre Stimme nicht mehr.
Sauron selbst musste dieses Kraut gezogen haben!!
Entsetzt schlug sie beide Hände gegen den Hals, stürzte zum Brunnen hin und kurbelte in aller Hast einen Eimer Wasser an die Oberfläche.
Sarnir stand im Türstock und beobachtete mit einem schadenfrohen Grinsen das Treiben vor der Hütte. Er ging in die Hütte und kehrte gleich darauf mit einer dampfenden Holzschale wieder. „Tee?".
Legolas griff ohne Zögern nach dem Getränk und stürzte es hinunter.
„Aaah! Das ist ja brennheiß!"
Die heiße Kräuterbrühe hatte ihm den Mund verbrannt und bahnte sich nun einen feurigen Gang in seinen Magen. Doch wenigstens ließ ihn dieser Schmerz das ätzende, vom Rauchen hervorgerufene Brennen in seinem Hals und die furchtbare Übelkeit für einige Momente vergessen.
Sarnir grinste. „Noch mehr?"
Legolas spießte ihn förmlich mit Blicken auf. „Solltest du dich nicht um Obhart kümmern?"„Wenn Ihr meint, Hoheit..."-Sarnir verbeugte sich untertänig und ging in das Krankenzimmer des Schiffführerst zurück.
Legolas stierte ihm wütend nach.
Seit zwei Tagen benahm sich sein alter Jugendfreund nun schon wie ein Kleinkind, stichelte, provozierte, trieb ihn zunehmend zur Weißglut. Der Faustschlag war ein Ausrutscher gewesen, zugegebenermaßen, aber mit der Zeit begannen ihm die wenigen Sekunden, in denen er unter Sarnirs lächerlichen Anschuldigungen die Beherrschung verloren hatte, immer weniger leid zu tun.
Währenddessen hatte Oxana ihren Durst am Brunnen gestillt und das furchtbare Kratzen in ihrem Hals mit kühlem Wasser auf ein erträgliches Maß reduziert.
Ihre Augen tränten immer noch, und darum hielt sie das verschwommene Leuchten, das sie für einen Moment am Waldrand gesehen zu haben glaubte, für eine Sinnestäuschung und beachtete es nicht weiter.
Erst als erneut ein schwaches, blasssilbernes Leuchten die Dunkelheit zwischen den Baumstämmen erhellte, drehte sie sich um und kniff die Augen zusammen. Da war eindeutig etwas im Busch. Im wahrsten Sinne des Wortes.
„Legolas!", hauchte sie und wusste, dass der Elb ihr Flüstern hörte, auch wenn er in einiger Entfernung stand. Der Prinz hatte das Leuchten ebenfalls bemerkt.
Mit ein paar weitausgreifenden Schritten rannten sie in die Hütte zurück.
Oxana holte ihr Schwert, das am Kamin lehnte und zog beim Verlassen des Hauses ihren beinahe wieder völlig trockenen Mantel von der Leine, auf die Asona ihre Sachen gehängt hatte. Legolas hatte mit erstaunlicher Schnelligkeit den Köcher umgeschlungen und seinen Bogen aufgehoben.
Der Prinz musterte Oxana mit vielsagendem Blick, zuckte dann aber mit den Schultern und nahm sie an der Hand, um sich gemeinsam mit ihr einen sicheren Weg zum Waldrand zu bahnen.
Es hatte ja ohnehin keinen Sinn, sie von etwas abhalten zu wollen.
Es dauerte länger als geplant, bis sie in den Wald eintreten und dem seltsamen Leuchten auf den Grund gehen konnten, weil Legolas seine liebe Not damit hatte, einen sicheren Weg zwischen den Fallgruben hindurch zu finden.
Die ganze Zeit über sprachen sie kein Wort und verursachten so wenig Lärm wie nur möglich. Oxanas Blick hing gebannt an dem gespenstischen Leuchten in der Ferne. Woher kam es? Und was war seine Ursache? Hand in Hand liefen sie los, gelangten tiefer und tiefer in den Wald hinein. Es war zwar dunkel darin, doch wie durch Zauberei stolperte sie kein einziges Mal, wohin sie auch trat fand sich keine Wurzel oder Dickicht, in dem ihr Fuß hängen bleiben konnte.
Nebenher fiel ihr auf, dass ein warmer Wind aus dem Süden wehte, vom Meer her. Für Sekunden glaubte sie, das Aroma der See vermischt mit dem schweren Geruch des noch nassen Waldes zu atmen, was aber natürlich Unsinn war. Das Meer war zwar näher gerückt, doch zwischen ihnen lagen dennoch zahllose Hügel und Tiefländer, es war unmöglich, dass sie das bisschen Meerluft überhaupt wahrnehmen konnte.
Sie sah sich kurz um. Von dem einzigen erhellten Fenster der Hütte, war schon lange nichts mehr zu sehen. Ihr wurde unheimlich zumute, sie zog aufgeregt an Legolas' Hand und brachte ihn damit zum Stehen.
„Was ist?", fragte er und zerrte sie dabei noch ein Stückchen weiter.
„Wonach suchen wir hier eigentlich?", flüsterte sie verwirrt.
Erst ihre Worte schienen den Elben zum Anhalten zu bringen. Er ließ ihre Hand los, sah sich mit zunehmender Verwirrung um.
Fast im selben Moment verschwand das Leuchten.
„Wo ist es hin?", murmelte Oxana und trat verwundert an eine mächtige Tanne, deren dunkle Äste sich über ihrem Kopf zu einem massigen, schwarzen Dach vereinigten. Nur an manchen Stellen fiel blasses Mondlicht ins Innere des Waldes und enthüllte einen schmalen Pfad, dem sie unbewusst die ganze Zeit über gefolgt waren.
Neugierig beschritt sie ihn und lief blind tiefer in den Wald hinein.
Legolas fluchte leise und hastete ihr nach.
Der Weg endete abrupt vor einer Gruppe von hohen, dornigen Büschen, die wie eine Mauer den Blick auf das, was hinter ihnen lag, verwehrte. Allerdings waren ihre Dornen und Ranken nicht dicht genug, um das schwache, silbrigweiße Leuchten ganz abzuschirmen. Vorhin war es noch an einer anderen Stelle gewesen, dessen war sie sich ganz sicher.
Oxana hob ihr Schwert, holte aus, um sich einen Weg durch das Dickicht zu hacken, da nahm ihr Legolas schnell und behutsam die Waffe aus der Hand und legte sie auf den Waldboden.
„Was...?"- „Schhhtt!"
Er legte hastig seine Hand auf ihren Mund und flüsterte in ihr Ohr: „Lass die Waffe liegen und bewege dich leise! Und kein Wort!"
Damit nahm er sie an der Hand und zog sie mit sich. Gemeinsam schlichen sie das dichte Gestrüpp entlang und entfernten sich zunehmend von dem unheimlichen Leuchten.
Oxana drehte sich danach um und fühlte eine unverständliche Enttäuschung in sich aufsteigen. Es drängte sie zu erfahren, was sich dort hinter den Büschen befand.
Das Buschwerk wurde nun offener und niedriger, erlaubte ihnen Blicke auf die andere Seite.
Dort, im schwachen Sternlicht, lag still eine kleine, bemooste Lichtung. Das geheimnisvolle Leuchten hatte seinen Ursprung in ihrem Zentrum, doch standen noch zu viele Büsche im Weg, um Genaueres erkennen zu können.
Sie stiegen leise über einen niedrigen Busch, Legolas bedeutete ihr, sich zu bücken und ihm zu folgen. Sie tat es ohne Gegenrede- ihre Aufmerksamkeit galt dem bleichen Leuchten, dem sie sich nun näherten.
Ihr Herz pochte schneller vor freudiger Erwartung.
Noch waren sie zu weit entfernt, und zwei junge Bäume verwehrten ihnen die Sicht. Vor diesen beiden Bäumen machte Legolas halt, legte sich flach auf den Boden und schob sich völlig lautlos unter den untersten Ästen nach vor.
Für einen Moment fürchtete sie, ein solches Kunststück nicht zustande bringen zu können.
Dann aber siegte ihre Neugier, sie schob alle Bedenken beiseite und legte sich ebenfalls auf den Bauch. Behutsam grub sie Fußspitzen und Finger abwechselnd in den weichen Waldboden und schob und zog sich mühsam nach vorne. Bei jedem noch so winzigen Geräusch, das sie verursachte, erschrak sie fürchterlich. Nach einer halben Ewigkeit hatte sie es dann geschafft:
Still lagen die beiden unter demselben Baum und spähten zwischen einigen kleinen Heidelbeersträuchern hindurch auf die Waldlichtung.
Es gab keine erkennbare Lichtquelle, die ganze Lichtung schien aus sich selbst heraus in einem angenehm gleichmäßigen, weißsilbernen Licht zu erstrahlen. Winzige glänzende Partikel flirrten durch die Luft, funkelnd wie Diamantenstaub.
Und dazwischen tanzten.....
Oxana blinzelte.
Sie litt unter Wahnvorstellungen. Sie hätte nicht soviel rauchen sollen. Das Kraut hatte ihr Hirn vernebelt und nun sah sie Dinge, die es nicht geben konnte.
Feen.
Winzige, geflügelte Wesen mit zarten, zerbrechlichen Körpern, kaum größer als ihr Daumen.
Ihre Flügelchen waren hauchdünn und durchscheinend, von einem feinen Netz aus silber-grauen Linien durchzogen.
So schnell wie die Flügel einer Libelle schlugen sie, wirbelten dabei den schillernden Staub auf und erzeugten ein leises, gleichbleibendes Sirren, dessen sie erst jetzt Gewahr wurde.
Sie versuchte die kleinen Waldgeister zu zählen, was sich als unmöglich erwies, denn die Erscheinungen hielten nie still sondern wechselten andauernd Plätze und bewegten sich dabei so schnell, dass es selbst Legolas schwer fallen musste, ihren Bewegungen mit den Augen zu folgen.
Oxana blinzelte. Vor zwei Jahrzehnten wäre sie von dieser märchenhaften Begegnung wohl entzückt gewesen – nun aber zweifelte sie an ihrem gesunden Menschenverstand.
Feen?? Es gab keine Feen. Andererseits hatte sie einen Troll kennen gelernt. Und es gab Menschen, die nicht an die Existenz solcher glaubten.
Aber ... Feen?!?
Sie erinnerte sich an Erzählungen darüber in Schriftrollen und alten Büchern. Genauso hatte man sie beschrieben: Anmutig und von einer Schönheit, die beinahe wehtat, wenn man sie erblickte.
Doch in den Schriften hatte es geheißen, das große Volk- und diese Bezeichnung traf auf alle Wesen zu, die größer als Feen waren- wäre nicht imstande, Feen zu sehen, selbst wenn man sie direkt vor der Nase hatte. Feen waren unsichtbare Geister, weder gut noch böse, schön und unsterblich wie die Elben.
Gefesselt beobachtete sie das Treiben der kleinen Geschöpfe. Was machten sie hier? Hielten sie eine Art...Tanz? Je länger sie dalag und ihnen zusah, desto größer wurde ihr Staunen.
Plötzlich verlangte es sie danach, eines der Wesen zu berühren.
Es wurde ihr gar nicht richtig bewusst, dass sie sich jäh aufrichtete und einen Schritt auf die Lichtung machte.
Sie hörte Legolas scharf Luft zwischen den Zähnen einziehen.
Dann war alles vorbei.
Mit dem ersten Schritt den sie auf die Moosdecke der Lichtung gesetzt hatte, war der Zauber verflogen. Das Leuchten war verschwunden, genauso wie die Feen. Verwirrt stand sie in der Dunkelheit.
„Hervorragend", murrte ein ziemlich verärgert klingender Elb und trat neben sie. „Wir waren vielleicht die ersten, die so etwas sehen durften! Dank dir werden sie nie wieder an diesen Platz zurückkehren! Ich sagte dir doch, dass du still sein sollst, aber in deiner Eigensinnigkeit konntest du ja nicht hören...."
Er verstummte, überrascht darüber, dass er solange reden hatte können, ohne durch verbale oder körperliche Angriffe unterbrochen zu werden.
„Ich konnte doch nicht wissen dass..."- Oxana zog geräuschvoll die Nase hoch und kämpfte gegen einen Weinkrampf an. Eine eindeutige befremdende Reaktion.
„Oh...nein, bitte! Nicht weinen!", flehte Legolas und tätschelte ihr unbeholfen auf die Schulter. „Natürlich werden sie wieder kommen.....in ein, zweihundert Jahren, wenn wir Glück haben.."
„Buaaaahhh!"
Legolas zuckte erschrocken zusammen. Das war vielleicht doch nicht die beste Wortwahl gewesen, um Trost zu spenden. Aber seit wann musste man diese Frau trösten? Sie war doch sonst nicht so empfindlich! Hilflos nahm er sie in den Arm und klopfte solange auf ihren Rücken, bis ihr steinerweichendes Schluchzen einigermaßen verklungen war.
„Ich.."- Oxana sah auf und rieb sich über die Augen, - „wollte sie doch nur..."- sie zog wieder die Nase hoch – „berüüühreeeeen!"
Gebeutelt von einem heftigen Weinkrampf warf sie den Kopf gegen seine Schulter und schlug ihm dabei ungewollt so hart mit der Stirn aufs Kinn, dass er fürchtete, es sei ausgerenkt.
„Schhhhttt.... No nan îdh [ganz ruhig]!", tröstete er sie und testete dabei unauffällig die Funktionen seines Gebisses ab. Aufmunternd strich er ihr übers Haar. „Du hast ja keine Schuld, du konntest es nicht wissen!"
„Natürlich ... habe .. ich Schuld!", schluchzte Oxana.
„Ich habe immer Schuld..."
Sie sah auf, blickte aus wässrigen Augen in sein Gesicht. Es war grau, genauso grau wie das Licht in dem sie beide standen. Etwas von dem feenhaften Leuchten war noch geblieben, aber es wurde schnell weniger.
Sie spürte seinen Atem im Gesicht, und mit einem Male versiegten ihre Tränen.
Ihr Herzschlag beruhigte sich.
Wie konnte man nur so blaue Augen haben?
Zögernd beugte sie den Kopf vor, drückte ihm einen unschuldigen Kuss auf den Mund. Der Elb erstarrte.
„Du riechst wie ein Haufen Asche", stellte sie stirnrunzelnd fest.
Verblüfft blinzelte er sie an.
Ihr Blick glitt an seinem Gesicht vorbei. „Da! Schau!".
Entzückt stieß sie ihn zur Seite und fasste nach ein paar flirrenden Glitzerpartikelchen, die von den Feen zurückgelassen worden waren.
Es löste sich auf, sobald sie damit in Berührung kam. Sie versuchte es noch einmal, rannte zum anderen Ende der Lichtung, sprang in die Luft, um etwas Feenstaub zu erwischen. Das Ergebnis war ein heftiger Niesanfall und wieder leere Hände. Sie machte ein beleidigtes Gesicht, dann gluckste sie fröhlich und setzte ihre Jagd fort. Ihn und das, was eben geschehen war, schien sie bereits wieder vergessen zu haben.
Legolas beobachtete sie mit schiefgelegtem Kopf. Nun gut, das Kraut hatte auch bei ihm Wirkung gezeigt, denn sein Herz klopfte plötzlich schneller- und es bedurfte einiges, um den Herzschlag eines Elben zu erhöhen.
Deswegen sprang er aber noch lange nicht wie ein Kleinkind durch die Gegend.
Nur gut, dass niemand außer ihm es sah. Er konnte es sich nicht erklären, doch auf eine gewisse Weise fand er diese fast kindliche Unschuld, die sie plötzlich zutage legte, hinreißend- auch wenn er wusste, dass ihr das Kraut gerade zu Kopfe stieg oder sie etwas zuviel von dem Staub eingeatmet hatte.
„Oxana....wir sollten wieder gehen, die anderen sorgen sich sicherlich schon.."
„Warum fliegen sie davon? Wieso kann ich sie nicht festhalten?"Oxana zog einen Schmollmund und stemmte die Arme in die Hüften.
In der gleichen Sekunde entdeckte sie aber noch ein weiteres Glitzerdings, das sich bisher erfolgreich vor ihr verborgen hatte und rannte lachend darauf zu.
„Ha! Jetzt hab ich dich!"
Sie wollte gerade in die Luft springen und danach greifen, da legte der Elb eine Hand auf ihre Schulter und hinderte sie somit daran, das begehrte Stäubchen zu ergattern.
„Oxana, ich bitte dich!"
Enttäuscht beobachtete sie, wie der Funke davon tanzte, noch ein letztes Mal hell aufleuchtete und sich dann in Luft auflöste.
Ärgerlich drehte sie sich um.
„Legolas! Nun ist es weg!", nörgelte sie vorwurfsvoll.
Der Elb zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Du kannst sie ja sowieso nicht festhalten. Keiner kann das. Ihre Welt ist eine andere, auch wenn wir sie sehen können- ihr Wesen ist uns fremd und unbegreiflich, so wie ihre Körper. Und jetzt lass uns gehen, die anderen..."–
„Still!", hauchte sie plötzlich.
Legolas tat, wie sie verlangte, doch seine Miene wurde von einem Anflug von Ärger verfinstert.
Langsam aber sicher begann er die Geduld mit ihr zu verlieren. Sie hatten das Licht gefunden, die Feen vertrieben- und nun sollten sie besser wieder zu Asonas Hütte zurückkehren. Ihr ging es nicht gut, und er selbst fürchtete ebenfalls nicht mehr lange Herr über all seine Sinne zu bleiben, wenn sie noch lange an diesem Ort verweilten. In all seinen Lebensjahren hatte er keine Erfahrungen mit Feen und Feenstaub sammeln können, doch die Geschichten, die man sich darüber erzählte, rieten zur Vorsicht.
Oxana legte die Hände auf seine Schultern und hielt ihn fest.
„Stillhalten", flüsterte sie. Ein schwaches, funkelndes Leuchten spiegelte sich in ihren hellen Augen.
Legolas verdrehte die seinen, tat aber, was sie verlangte. Sie hatte wieder Feenstaub entdeckt. Nun gut, aber nur dieses eine Mal noch...
Ein sanfter Windstoß wirbelte die kleine Wolke auf, ließ sie durch die Luft tanzen und trieb sie gleichzeitig näher an die beiden heran.
Oxanas Augen glänzten vor kindlicher Begeisterung. Er wollte ihr diesen Moment nicht verderben.
Gedankenlos betrachtete er ihr Gesicht.
Längst hatte er sich jede Einzelheit davon eingeprägt, so wie er es bei allen Leuten tat. Es war eine der Fähigkeiten, die man als Prinz haben sollte- ein gutes Gedächtnis für Gesichter.
Ihres hatte ihm schon von Anfang an gut gefallen.
Die helle Haut, die sich über ihre hohen Wangenknochen spannte, die schmale, gerade Nase, der Schwung ihrer hellen Brauen über den kristallblauen Augen, die gleichmäßige Wölbung ihrer Lippen. Auf den ersten Blick mochte man sie für eine Frau aus dem Norden halten, denn auch in Größe und Kraft stand sie den hochgewachsenen Nordmenschen in Nichts nach.
Er konnte sich nicht helfen- jedes Mal wenn er sie anblickte musste er an das Meer denken.
Das lag wohl an ihren Augen, die ihre Farbe ständig zu verändern schienen- hell und durchdringend und von einem kalten Feuer erfüllt, wenn sie aufgebracht war, warm und freundlich glitzernd wie die Wogen der See an sonnigen Tagen, wenn sie lachte.
Sie war schön, ja.....aber genau in diesem Moment schien es ihm, als sähe er sie zum ersten Mal wirklich.
Sie war schlank und beinahe so groß wie er.
Man sah ihr an, dass sie viel trainierte, und er hatte schon mehrere Male am eigenen Leibe ihre ungewöhnliche Kraft zu spüren bekommen. Asonas geliehenes Kleid brachte jene Weiblichkeit an ihr zur Geltung, die Oxana bisher unter Schichten von Gewand versteckt hatte.
Ihr Haar schien ständig in Bewegung zu sein, wie ein loderndes Feuer, und es passte hervorragend zu ihrem Charakter.
Sie war stark, starrköpfig und von einer wilden Schönheit, die mit nichts zu vergleichen war, was er bisher gekannt hatte.
Der Wind drehte ein weiteres Mal, blies den Staub zwischen ihre Gesichter.
„Ich muss gleich niesen", flüsterte er ungeduldig. „Tu etwas".
Oxana dachte panisch nach. Wenn man den Staub berührte, löste er sich auf. Nun ja, vielleicht würde er ja bleiben, wenn man...
„Fang soviel du kannst!", befohl sie, riss den Mund auf und schnappte damit nach dem Staub.
Legolas sah ihr verdattert dabei zu und tat nichts dergleichen.
„Und was jetzt?", frage er grinsend, als sie den Mund voller Feenstaub hatte und nicht mehr zu sprechen konnte. Sie sah ihn an, runzelte nachdenklich die Stirn und schielte auf ihre aufgeblähten Backen nieder.
Dann winkte sie ihn näher an sich heran.
Er tat einen Schritt.
Sie winkte erneut.
Er machte noch einen Schritt.
Nun standen sie Körper an Körper. Sie streckte den Arm aus, legte den Zeigefinger auf seine Lippen und presste sanft dagegen.
Legolas war zu überrascht, um lange nachzudenken- er öffnete den Mund, Oxana zog ihn am Kragen nah an sich und küsste ihn.
Es dauerte einen Moment, doch dann spürten sie es beide.
Etwas Kribbelndes, Warmes, Spannungsgeladenes. Wie eine Welle flutete es von ihren Lippen in seinen Körper über, brachte sein Blut in Wallung und schwemmte alles, was er gerade noch gedacht hatte, mit sich fort.
Der Feenstaub.
Er legte die Hände auf ihre Taille, zog sie noch etwas näher. Es mochten Sekunden, vielleicht aber auch Minuten gewesen sein, die sie so dastanden.
Schließlich ließ Oxana ihren Kopf mit einem leisen Stöhnen in den Nacken fallen. Ihr war ein wenig schwindelig, der Kuss hatte sie am Atmen gehindert.
„Jetzt haben wir sie in uns", lächelte sie glücklich, „jetzt können sie nicht mehr weg."
Als sie aufsah, starrte der Elb sie geradezu unheimlich an.
„Ich fürchte, ich habe es schon die ganze Zeit in mir gehabt", murmelte er wie zu sich selbst und schien über irgendetwas ziemlich aus der Fassung gebracht worden zu sein.
Sie zog eine Braue hoch. „Du hast schon einmal Feenstaub geschluckt?"
Legolas schüttelte hastig den Kopf. „Mhm?"Er räusperte sich. „Ach vergiss es". Er ließ seine Arme sinken, lächelte schräg. „Es war bloß ein Gedanke". Doch sie hielt ihn fest, lächelte schelmisch. „Du magst mich, nicht wahr?", fragte sie neckisch, nahm einen der dünnen Zöpfe, die ihm an den Schläfen das Haar aus dem Gesicht hielten und strich es ihm sacht hinter sein Ohr.
Dann nahm sie eine seiner Hände und legte sie auf die linke Seite ihrer Brust. Sein Blick saugte sich an seinen Fingern und ihrer samtenen, warmen Haut fest.
„Schnell wie ein Schmetterling, nicht wahr?"
Sie sah, wie sein Kehlkopf sich bewegte, als er verkrampft schluckte. Dann nickte er.
Wieder nahm sie seine Hand, führte sie an ihr Gesicht und schloss die Augen, als er zögernd über ihre Wange strich. Als Oxana sie wieder aufschlug, erkannte er eine erneute Veränderung darin. Zu der kindlichen Verspieltheit hatte sich etwas anderes gemischt...
Sie grinste, begann mit ihren Fingern die obersten Knöpfe seiner Tunika aus ihren Schlaufen zu lösen.
Der Elb beobachtete sie, unfähig, etwas dagegen zu tun. Gebannt folgten seine Augen ihren Bewegungen, und er tat auch nichts, als sie das Hemd ein Stück weit öffnete und einen sanften Kuss auf seine nackte Haut hauchte.
Und einen zweiten.
Oxana ließ ihre Finger seine Brust, dann den Hals hinaufwandern, ließ sie forschend über seine Gesichtskante gleiten und formte seine Ohren nach. Nun standen sie Wange an Wange. „Gib es zu, es gefällt dir", flüsterte sie, während sie mit beiden Händen durch sein Haar strich.
Legolas wagte es kaum zu atmen. Ein sanfter Windstoß wehte ihm ihren Duft ins Gesicht. Sie roch noch immer nach Honig und Kamille. Ihre Finger waren schwielig und rau vom Kämpfen, und doch berührten sie ihn mit einer unglaublichen Sanftheit.
Sie hatte ihn umbringen wollen.
Nîthiel würde ihn umbringen wenn er... .
Sie war nur eine Sterbliche, es war doch unmöglich, dass sie ihn auf diese Weise umgarnen konnte!
Wenn schon, dann hätte ER sie verführen müssen- was natürlich nicht in Frage kam, denn sie war nicht viel mehr als eine Zufallsbekanntschaft, sie unterschieden sich von Charakter wie Feuer und Wasser, es hatte ja auch lange genug gedauert, um so etwas wie Freundschaft zwischen ihnen wachsen zu lassen.
Was zwischen ihnen war, war zerbrechlich. Es würde zerstört werden, wenn sie...
Er würde sie bloß verletzen.
Aber sie wollte es offenbar.
Sie stand unter Drogen- und er womöglich auch!
Das wäre eine Ausrede.
Es würde keine Liebe sein.
Oder doch?
Nein. Nîthiel war seine Liebe. Oder doch nicht? Natürlich gefiel es ihm. Er war ja auch nur ein Mann.
„Ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist", schlussfolgerte er laut.
„Hör doch endlich einmal auf nachzudenken, du Idiot", zischte Oxana ärgerlich, griff in sein Haar und küsste ihn.
Ihr Kuss war herausfordernd, hitzig und von einer Leidenschaft, die seine Bedenken augenblicklich fortwischte, als hätte es sie nie gegeben.
Er umschlang ihren Körper, sie reagierte, indem sie sich vom Boden abstieß und die Beine fest um seine Hüften schlang.
Legolas keuchte überrascht, taumelte zurück und fiel.
Er landete auf etwas hartem, vermutlich ein Stein, der sich spitz in seinen Rücken bohrte.
Der Schmerz machte ihn auf ungewohnte Weise wütend, er packte Oxana an den Oberarmen, wälzte sich zur Seite und gleichzeitig über sie und hielt sie an den Handgelenken am Boden fest, als sie gleich wieder nach ihm greifen wollte.
„Aber Prinz", Oxana riss ihm gespielten Schrecken die Augen weit auf, „das geziemt sich nun aber wirklich nicht!".
Schwer atmend sah er auf sie nieder. Ihr helles Gesicht hob sich deutlich von dem dunkelgrünen Moosteppich ab. Wie von lebendigem Feuer wurde ihr Gesicht von ihren Haaren eingerahmt. Ihre Augen leuchteten, und er konnte nicht sagen, ob es die Sterne oder ihr Gemütszustand es war, die sie so zum Strahlen brachten. Auf ihren Lippen lag ein schelmisches Lächeln.
Noch nie hatte er etwas Schöneres gesehen.
Er beugte sich zu einem weiteren, langen Kuss zu ihr hinunter, legte ihre Handgelenke übereinander, sodass er sie mit einer Hand festhalten konnte. Mit der zweiten begann er ungeduldig an den Bändern ihres Kleides zu zerren. Das Ding ließ sich nicht öffnen. Mit einem leisen Knurren löste er sich von ihren Lippen, küsste sich einen Weg über ihr Kinn, ihrem Hals und ihr Brustbein bis zu dem rauen Stoff der Bluse und riss der Einfachheit halber mit den bloßen Zähnen an den dünnen Riemen.
Oxana beobachtete ihn kichernd, während sie sich, indem sie ununterbrochen strampelte und sich aufbäumte, um mehr Bewegungsfreiheit zu schaffen versuchte.
Legolas' Griff lockerte sich keinen Millimeter, sein Körpergewicht drückte sie weiter fest am Boden. Endlich hatte er es geschafft, die Riemen zu öffnen und das Kleid ein wenig auseinander zu ziehen. Sein Atem ging stoßweise, als er sich zu ihr hinunterbeugte und seinen heißen Atem über ihre kühle Haut streichen ließ.
„Lass mich los", keuchte Oxana plötzlich leise. Es klang dünn, er wusste, dass sie es nicht so meinte. Es war ihr Spiel, ihn bis ans Äußerste zu reizen. Ihre Worte ließen seine Leidenschaft nur noch anwachsen. Er entblößte ihre Schultern und begann sie zu liebkosen.
Und riss sie mit voller Wucht das Knie hoch.
Ein heiseres Brüllen zerriss die Stille der Nacht.
Er konnte nicht sagen, wann er zum letzten Mal solchen Schmerz empfunden hatte. Vermutlich noch nie. Nur ein Mann kann nachempfinden, WIE weh ihr Tritt tat.
Leise wimmernd krümmte er sich zur Seite und schnappte nach Luft, während Oxana sich rasch unter ihm hervorzog und aufstand.
Krampfhaft wand er sich auf dem Boden, keuchte leise.
Der Schmerz war umso schlimmer, weil er nicht bloß körperlich war.
Er war zu grob mit ihr umgegangen, hatte rücksichtslos versucht, sein Begehren zu stillen –dies war die Strafe für seine Unbeherrschtheit.
Wie hatte er nur dermaßen die Kontrolle über sich verlieren können?! So etwas war doch sonst nicht seine Art!!
Oh, es schmerzte so erbärmlich....als hätte ein Ork mit bloßen Zähnen versucht ihm den Unterleib abzureißen....
„Das hast du verdient!", schimpfte Oxana und richtete ihr Gewand.
Legolas grunzte, er hörte kaum, was sie sagte.
Mit vor Schmerz verzerrtem Gesicht stand er auf.
„Verzeih mir..."– er sog scharf die Luft ein, versuchte, den Schmerz zu ignorieren. Sie hatte ein sehr hartes Knie und viel Kraft. Wie viel wurde ihm erst jetzt wirklich bewusst.
Sie musste ihn für ein Monster halten. Ihn verabscheuen.
Er ließ sich auf die Knie fallen, nahm ihre Hand und flüsterte:
„Gohenach! Sen daer aen ir iell i venn in istui [Es tut mir leid! Ich wollte dich nicht bedrängen!*]!"
Abwartend starrte er ihr ins Gesicht.
Sie schien angestrengt zu überlegen. „Ú-oston....dînen, Legolas...ortho[Ich habe keine Angst...still, Legolas...steh auf]", fand sie schließlich die richtigen Worte auf Sindarin.
Doch er blieb knien. „Gohenach", wiederholte er beschämt.
„Was?"
Sie blinzelte. Er sah bestürzt auf.
„Warum schaust du so traurig drein?"
Sie blickte ihn verwirrt an, legte den Kopf schräg. Dann zuckte ihre Hand zu ihrem Gürtel, um ihr Schwert zu fassen, griff aber ins Leere. Ihre Miene verfinsterte sich.
„Was zum...?"Sie sah sich befremdet um. „Wo sind wir hier??"
Stirnrunzelnd sah sie auf ihn nieder. „Und warum kniest du?"
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Ein kleiner Kobold in ihrem Kopf hatte wohl beschlossen, sich mit Hammer und Meißel aus demselben zu befreien.
Die Kopfschmerzen, mit denen Oxana am nächsten Tag erwachte, als furchtbar zu beschreiben, wären untertrieben gewesen. Sie fühlte sich hundeelend, hatte Probleme, sich zu orientieren und roch nach....Asche.
Angewidert verzog sie das Gesicht, stand wankend auf und ging in die Küche, um sich den Mund auszuspülen und zu waschen.
Die Elben waren bereits lange vor ihr wach, wahrscheinlich waren sie nie Schlafen gegangen, dachte Oxana säuerlich und nahm ihre guten alten Reisekleider von der Leine, um sie gegen Asonas luftabschnürende, altmodische Garderobe auszutauschen.
„Schade. Der Schnitt stand dir gut", bedauerte Obhart mit einem schmutzigen Grinsen. Sie bedachte ihn keines Blickes, stellte sich aber heimlich die Frage, über was sie sich eigentlich gefreut hatte, als der Schiffführer aufgewacht war. Asona hatte sich widerwillig bereit erklärt, ihn auf ihrem Pferd reiten zu lassen- einen Fußmarsch wollte Sarnir seinem Patienten noch nicht zumuten.
Unter der Vorraussetzung allerdings, sie würden ihnen den zotteligen Gaul zurückbringen, sobald sie in Erech angekommen waren.
Asona stand in der Küche und richtete ihnen etwas Wegzehrung - etwas gepökeltes Fleisch, Brot und Ziegenkäse wurden von ihr in ihre Rucksäcke gepackt.
Noch einmal ging Oxana durch das Haus, sah im Schlafzimmer nach, ob sie denn nicht etwas liegen gelassen hatte. Vor dem Kamin in der Stube fand sie ein trockenes Kräuterbündel auf dem Boden liegen. Übelkeit kroch in ihr hoch, sie erinnerte sich verschwommen daran, etwas von dem Zeug geraucht zu haben. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass da etwas Wichtiges war, das im Zusammenhang mit diesem Kraut stand, aber es wollte ihr einfach nicht mehr in den Sinn kommen.
„Was ist das hier eigentlich?", erkundigte sie sich bei Asona und nahm einen Schluck warme Ziegenmilch, welche die Alte ihr gereicht hatte.
Asona sah zuerst nicht von ihrer Arbeit auf, als sie es dann aber doch tat, verlor ihr Gesicht den letzten Rest von Farbe.
„Hast du etwas davon gegessen?!", fuhr sie Oxana an und riss ihr das Bündel grob aus der Hand. Mit großen Augen starrte sie die Alte an.
Oxana legte den Kopf schräg. „Warum?"
„Ob du etwas davon genommen hast lautete die Frage!", zischte Asona ungeduldig.
Oxana zuckte unwillig mit den Schultern. „Wir haben ein bisschen davon geraucht. Aber es schmeckte abscheulich."
Asona atmete erleichtert aus und lehnte sich gegen die Küchenplatte, die ihr bis zum Rücken reichte. Das Kraut barg sie dabei in ihren Händen wie einen wertvollen Schatz. „Gut. So hat es vermutlich keine große Wirkung gezeigt. Wie habt ihr euch danach gefühlt?"
Oxana runzelte die Stirn und versuchte sich angestrengt zu erinnern. „Uns war beiden übel", murmelte sie, „wir liefen nach draußen um etwas frische Luft zu erhaschen...und dann..."– Da war doch etwas gewesen.... „Dann gingen wir schlafen. Und heute brummt mir der Schädel", schloss sie ab.
„Gut."Asona lächelte etwas gezwungen. Doch die Anspannung völlig aus ihren Zügen zu verbannen gelang ihr nicht. „Aber ihr hättet mich fragen sollen, es ist sehr wertvoll".
Oxana wurde neugierig. „Wertvoll? Was hat es damit auf sich? Ist es ein Heiltee?"
Asona grunzte unwillig. „Ja, es ist ein Heiltee. Und nun bring das deinen Freunden!"
Sie lud ihr die Rucksäcke auf. Oxana ächzte und wankte einen Moment unter ihrem Gewicht. Die Alte grinste und trug die übrigen Lebensmittel in die Speisekammer zurück. Zuvor aber stopfte sie den Heiltee in eine Lade mit Kochbesteck.
Oxana war bereits bei der Tür angelangt, da machte sie noch einmal Kehrt, öffnete die Lade und fischte die Kräuter daraus hervor. Grinsend ließ sie sie in ihrem Rucksack verschwinden. Sie würde schon herausfinden, was so Besonderes an diesen Blättern war!
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Das Kraut war weg.
Asona schwindelte. Zum vierten Mal durchsuchte sie die Lade, kramte panisch zwischen den Kochlöffeln, Gabeln, Kuchenschaufeln und Messern.
„Ruhig.... ganz ruhig...", flüsterte sie zu sich selbst, mit den Händen auf ihren Knien aufgestützt.
Den pochenden Kopf hielt sie gesenkt.
Ihr Kreislauf drohte zu versagen. Diese hinterlistige kleine Hexe hatte ihr geliebtes Kraut mitgehen lassen!
Einatmen, ausatmen. Sie musste die Beherrschung behalten. Sorgfältig darüber nachdenken, was sie tun sollte. In all den Jahren hatte sie das Kraut nicht angefasst- es war einfach zu wertvoll, um es zu verschwenden.
Und nun hatte es dieses undankbare Kind eingepackt! Sie hatte ihnen Obdach gewährt, ihnen zu Essen und zu Trinken gegeben und sogar ihre beste Seife extra für sie angefangen- und nun das!
Sie hob den Kopf, lächelte zuversichtlich. Es würde schon nichts passieren. Das Mädchen wusste nicht, wie man das Kraut zubereitete, es würde schon alles gut gehen.
Hab Vertrauen zu den Göttern, sagte sie sich und ging gemächlich in die Stube.
Dann stürmte sie los.
Mit einer Geschwindigkeit, die man einer Frau ihres Alters nicht zugetraut hätte, stürzte sie die Treppe hinauf, warf sich einen Mantel über die Schultern und stürmte aus dem Haus, folgte einem unsichtbaren, gezackten Weg zwischen den Fallgruben und lief zum Waldrand hin.
Es war zwar schon über zwei Stunden her, seit ihre Gäste sich in aller Form verabschiedet hatten, doch Elben hatten gute Ohren- sie würden ihre Rufe sicher hören.
„PRIINZ!!!", brüllte sie in den Wald und folgte den Hufabdrücken des Pferdes im weichen Boden, „WARTET! KEHRT UM, ES IST .... LEBENSNOTWENDIG- Aaaah!"
Sie stolperte, schlug der Länge nach hin.
Ihr Fuß hatte sich in einer Wurzel verhängt.
Gestern, dachte Asona sauer und drehte sich stöhnend auf den Rücken, gestern war die noch nicht hier, darauf verwette ich meinen....
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irgendwas stimmt bei dieser Übersetzung nicht. Ich hoff, ich komm bald drauf, was es ist...(
N a c h w o r t :
Zerreißt mich bitte nicht. Aber ich MUSSTE einfach Feen unterbringen. Ich find sie sooo süß!! Und in einen magischen Wald gehörten nun mal solche Märchenwesen! Ich bin wirklich gespannt auf eure reviews (bringt es mir sanft bei, bitteee!! )
Von der Welt durch Kinderaugen
V o r w o r t :
In Mittelerde gibt's auch Gnome, Feen und Kobolde und eine Menge anderer Fabelwesen von denen im HDR keine, bzw. kaum die Rede ist. Bei diesem Kappi habe ich mich von „Kortirion among the trees"- eine lange, laaaange Ballade über die Stadt Kortirion im Feenreich inspirieren lassen. Wenn ich mich richtig erinnere, ist auch im Silmarillion einmal die Rede von diesem Volk...sie lebten wohl auch einmal in Valinor, aber bitte fragt nicht noch mehr nach, ich will/kann mich nicht an die Einzelheiten dieses doch ziemlich umfangreichen Buches erinnern ( Einen kleinen Ausschnitt aus dem Gedicht habe ich im Unteren abgeschrieben.
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The Last Verse:
I need not know the desert or red palaces
Where dwells the sun, the great seas or the magic isles,
The pinewoods piled on mountain-terraces;
And calling faintly down the windy miles
Touches my heart no distant bell that rings
In populous cities of the Earthly Kings.
Here do I find a haunting ever-near content
Set midmost of the Land of withered Elms
(Alalminórë of the Faery Realms);
Here circling slowly in a sweet lament
Linger the holy fairies and immortal elves
Singing a song of faded longing to themselves.
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Hustend und würgend stürzten sie aus der Hütte und atmeten gierig die frische, kalte Nachtluft ein.
„Bei Eru, was ist das für ein Teufelszeug?!", krächzte Legolas und hustete kläglich.
Dass sie es nicht wüsste und dass sie es für Pfeifenkraut gehalten hatte, wollte Oxana sich rechtfertigen, aber sie fand ihre Stimme nicht mehr.
Sauron selbst musste dieses Kraut gezogen haben!!
Entsetzt schlug sie beide Hände gegen den Hals, stürzte zum Brunnen hin und kurbelte in aller Hast einen Eimer Wasser an die Oberfläche.
Sarnir stand im Türstock und beobachtete mit einem schadenfrohen Grinsen das Treiben vor der Hütte. Er ging in die Hütte und kehrte gleich darauf mit einer dampfenden Holzschale wieder. „Tee?".
Legolas griff ohne Zögern nach dem Getränk und stürzte es hinunter.
„Aaah! Das ist ja brennheiß!"
Die heiße Kräuterbrühe hatte ihm den Mund verbrannt und bahnte sich nun einen feurigen Gang in seinen Magen. Doch wenigstens ließ ihn dieser Schmerz das ätzende, vom Rauchen hervorgerufene Brennen in seinem Hals und die furchtbare Übelkeit für einige Momente vergessen.
Sarnir grinste. „Noch mehr?"
Legolas spießte ihn förmlich mit Blicken auf. „Solltest du dich nicht um Obhart kümmern?"„Wenn Ihr meint, Hoheit..."-Sarnir verbeugte sich untertänig und ging in das Krankenzimmer des Schiffführerst zurück.
Legolas stierte ihm wütend nach.
Seit zwei Tagen benahm sich sein alter Jugendfreund nun schon wie ein Kleinkind, stichelte, provozierte, trieb ihn zunehmend zur Weißglut. Der Faustschlag war ein Ausrutscher gewesen, zugegebenermaßen, aber mit der Zeit begannen ihm die wenigen Sekunden, in denen er unter Sarnirs lächerlichen Anschuldigungen die Beherrschung verloren hatte, immer weniger leid zu tun.
Währenddessen hatte Oxana ihren Durst am Brunnen gestillt und das furchtbare Kratzen in ihrem Hals mit kühlem Wasser auf ein erträgliches Maß reduziert.
Ihre Augen tränten immer noch, und darum hielt sie das verschwommene Leuchten, das sie für einen Moment am Waldrand gesehen zu haben glaubte, für eine Sinnestäuschung und beachtete es nicht weiter.
Erst als erneut ein schwaches, blasssilbernes Leuchten die Dunkelheit zwischen den Baumstämmen erhellte, drehte sie sich um und kniff die Augen zusammen. Da war eindeutig etwas im Busch. Im wahrsten Sinne des Wortes.
„Legolas!", hauchte sie und wusste, dass der Elb ihr Flüstern hörte, auch wenn er in einiger Entfernung stand. Der Prinz hatte das Leuchten ebenfalls bemerkt.
Mit ein paar weitausgreifenden Schritten rannten sie in die Hütte zurück.
Oxana holte ihr Schwert, das am Kamin lehnte und zog beim Verlassen des Hauses ihren beinahe wieder völlig trockenen Mantel von der Leine, auf die Asona ihre Sachen gehängt hatte. Legolas hatte mit erstaunlicher Schnelligkeit den Köcher umgeschlungen und seinen Bogen aufgehoben.
Der Prinz musterte Oxana mit vielsagendem Blick, zuckte dann aber mit den Schultern und nahm sie an der Hand, um sich gemeinsam mit ihr einen sicheren Weg zum Waldrand zu bahnen.
Es hatte ja ohnehin keinen Sinn, sie von etwas abhalten zu wollen.
Es dauerte länger als geplant, bis sie in den Wald eintreten und dem seltsamen Leuchten auf den Grund gehen konnten, weil Legolas seine liebe Not damit hatte, einen sicheren Weg zwischen den Fallgruben hindurch zu finden.
Die ganze Zeit über sprachen sie kein Wort und verursachten so wenig Lärm wie nur möglich. Oxanas Blick hing gebannt an dem gespenstischen Leuchten in der Ferne. Woher kam es? Und was war seine Ursache? Hand in Hand liefen sie los, gelangten tiefer und tiefer in den Wald hinein. Es war zwar dunkel darin, doch wie durch Zauberei stolperte sie kein einziges Mal, wohin sie auch trat fand sich keine Wurzel oder Dickicht, in dem ihr Fuß hängen bleiben konnte.
Nebenher fiel ihr auf, dass ein warmer Wind aus dem Süden wehte, vom Meer her. Für Sekunden glaubte sie, das Aroma der See vermischt mit dem schweren Geruch des noch nassen Waldes zu atmen, was aber natürlich Unsinn war. Das Meer war zwar näher gerückt, doch zwischen ihnen lagen dennoch zahllose Hügel und Tiefländer, es war unmöglich, dass sie das bisschen Meerluft überhaupt wahrnehmen konnte.
Sie sah sich kurz um. Von dem einzigen erhellten Fenster der Hütte, war schon lange nichts mehr zu sehen. Ihr wurde unheimlich zumute, sie zog aufgeregt an Legolas' Hand und brachte ihn damit zum Stehen.
„Was ist?", fragte er und zerrte sie dabei noch ein Stückchen weiter.
„Wonach suchen wir hier eigentlich?", flüsterte sie verwirrt.
Erst ihre Worte schienen den Elben zum Anhalten zu bringen. Er ließ ihre Hand los, sah sich mit zunehmender Verwirrung um.
Fast im selben Moment verschwand das Leuchten.
„Wo ist es hin?", murmelte Oxana und trat verwundert an eine mächtige Tanne, deren dunkle Äste sich über ihrem Kopf zu einem massigen, schwarzen Dach vereinigten. Nur an manchen Stellen fiel blasses Mondlicht ins Innere des Waldes und enthüllte einen schmalen Pfad, dem sie unbewusst die ganze Zeit über gefolgt waren.
Neugierig beschritt sie ihn und lief blind tiefer in den Wald hinein.
Legolas fluchte leise und hastete ihr nach.
Der Weg endete abrupt vor einer Gruppe von hohen, dornigen Büschen, die wie eine Mauer den Blick auf das, was hinter ihnen lag, verwehrte. Allerdings waren ihre Dornen und Ranken nicht dicht genug, um das schwache, silbrigweiße Leuchten ganz abzuschirmen. Vorhin war es noch an einer anderen Stelle gewesen, dessen war sie sich ganz sicher.
Oxana hob ihr Schwert, holte aus, um sich einen Weg durch das Dickicht zu hacken, da nahm ihr Legolas schnell und behutsam die Waffe aus der Hand und legte sie auf den Waldboden.
„Was...?"- „Schhhtt!"
Er legte hastig seine Hand auf ihren Mund und flüsterte in ihr Ohr: „Lass die Waffe liegen und bewege dich leise! Und kein Wort!"
Damit nahm er sie an der Hand und zog sie mit sich. Gemeinsam schlichen sie das dichte Gestrüpp entlang und entfernten sich zunehmend von dem unheimlichen Leuchten.
Oxana drehte sich danach um und fühlte eine unverständliche Enttäuschung in sich aufsteigen. Es drängte sie zu erfahren, was sich dort hinter den Büschen befand.
Das Buschwerk wurde nun offener und niedriger, erlaubte ihnen Blicke auf die andere Seite.
Dort, im schwachen Sternlicht, lag still eine kleine, bemooste Lichtung. Das geheimnisvolle Leuchten hatte seinen Ursprung in ihrem Zentrum, doch standen noch zu viele Büsche im Weg, um Genaueres erkennen zu können.
Sie stiegen leise über einen niedrigen Busch, Legolas bedeutete ihr, sich zu bücken und ihm zu folgen. Sie tat es ohne Gegenrede- ihre Aufmerksamkeit galt dem bleichen Leuchten, dem sie sich nun näherten.
Ihr Herz pochte schneller vor freudiger Erwartung.
Noch waren sie zu weit entfernt, und zwei junge Bäume verwehrten ihnen die Sicht. Vor diesen beiden Bäumen machte Legolas halt, legte sich flach auf den Boden und schob sich völlig lautlos unter den untersten Ästen nach vor.
Für einen Moment fürchtete sie, ein solches Kunststück nicht zustande bringen zu können.
Dann aber siegte ihre Neugier, sie schob alle Bedenken beiseite und legte sich ebenfalls auf den Bauch. Behutsam grub sie Fußspitzen und Finger abwechselnd in den weichen Waldboden und schob und zog sich mühsam nach vorne. Bei jedem noch so winzigen Geräusch, das sie verursachte, erschrak sie fürchterlich. Nach einer halben Ewigkeit hatte sie es dann geschafft:
Still lagen die beiden unter demselben Baum und spähten zwischen einigen kleinen Heidelbeersträuchern hindurch auf die Waldlichtung.
Es gab keine erkennbare Lichtquelle, die ganze Lichtung schien aus sich selbst heraus in einem angenehm gleichmäßigen, weißsilbernen Licht zu erstrahlen. Winzige glänzende Partikel flirrten durch die Luft, funkelnd wie Diamantenstaub.
Und dazwischen tanzten.....
Oxana blinzelte.
Sie litt unter Wahnvorstellungen. Sie hätte nicht soviel rauchen sollen. Das Kraut hatte ihr Hirn vernebelt und nun sah sie Dinge, die es nicht geben konnte.
Feen.
Winzige, geflügelte Wesen mit zarten, zerbrechlichen Körpern, kaum größer als ihr Daumen.
Ihre Flügelchen waren hauchdünn und durchscheinend, von einem feinen Netz aus silber-grauen Linien durchzogen.
So schnell wie die Flügel einer Libelle schlugen sie, wirbelten dabei den schillernden Staub auf und erzeugten ein leises, gleichbleibendes Sirren, dessen sie erst jetzt Gewahr wurde.
Sie versuchte die kleinen Waldgeister zu zählen, was sich als unmöglich erwies, denn die Erscheinungen hielten nie still sondern wechselten andauernd Plätze und bewegten sich dabei so schnell, dass es selbst Legolas schwer fallen musste, ihren Bewegungen mit den Augen zu folgen.
Oxana blinzelte. Vor zwei Jahrzehnten wäre sie von dieser märchenhaften Begegnung wohl entzückt gewesen – nun aber zweifelte sie an ihrem gesunden Menschenverstand.
Feen?? Es gab keine Feen. Andererseits hatte sie einen Troll kennen gelernt. Und es gab Menschen, die nicht an die Existenz solcher glaubten.
Aber ... Feen?!?
Sie erinnerte sich an Erzählungen darüber in Schriftrollen und alten Büchern. Genauso hatte man sie beschrieben: Anmutig und von einer Schönheit, die beinahe wehtat, wenn man sie erblickte.
Doch in den Schriften hatte es geheißen, das große Volk- und diese Bezeichnung traf auf alle Wesen zu, die größer als Feen waren- wäre nicht imstande, Feen zu sehen, selbst wenn man sie direkt vor der Nase hatte. Feen waren unsichtbare Geister, weder gut noch böse, schön und unsterblich wie die Elben.
Gefesselt beobachtete sie das Treiben der kleinen Geschöpfe. Was machten sie hier? Hielten sie eine Art...Tanz? Je länger sie dalag und ihnen zusah, desto größer wurde ihr Staunen.
Plötzlich verlangte es sie danach, eines der Wesen zu berühren.
Es wurde ihr gar nicht richtig bewusst, dass sie sich jäh aufrichtete und einen Schritt auf die Lichtung machte.
Sie hörte Legolas scharf Luft zwischen den Zähnen einziehen.
Dann war alles vorbei.
Mit dem ersten Schritt den sie auf die Moosdecke der Lichtung gesetzt hatte, war der Zauber verflogen. Das Leuchten war verschwunden, genauso wie die Feen. Verwirrt stand sie in der Dunkelheit.
„Hervorragend", murrte ein ziemlich verärgert klingender Elb und trat neben sie. „Wir waren vielleicht die ersten, die so etwas sehen durften! Dank dir werden sie nie wieder an diesen Platz zurückkehren! Ich sagte dir doch, dass du still sein sollst, aber in deiner Eigensinnigkeit konntest du ja nicht hören...."
Er verstummte, überrascht darüber, dass er solange reden hatte können, ohne durch verbale oder körperliche Angriffe unterbrochen zu werden.
„Ich konnte doch nicht wissen dass..."- Oxana zog geräuschvoll die Nase hoch und kämpfte gegen einen Weinkrampf an. Eine eindeutige befremdende Reaktion.
„Oh...nein, bitte! Nicht weinen!", flehte Legolas und tätschelte ihr unbeholfen auf die Schulter. „Natürlich werden sie wieder kommen.....in ein, zweihundert Jahren, wenn wir Glück haben.."
„Buaaaahhh!"
Legolas zuckte erschrocken zusammen. Das war vielleicht doch nicht die beste Wortwahl gewesen, um Trost zu spenden. Aber seit wann musste man diese Frau trösten? Sie war doch sonst nicht so empfindlich! Hilflos nahm er sie in den Arm und klopfte solange auf ihren Rücken, bis ihr steinerweichendes Schluchzen einigermaßen verklungen war.
„Ich.."- Oxana sah auf und rieb sich über die Augen, - „wollte sie doch nur..."- sie zog wieder die Nase hoch – „berüüühreeeeen!"
Gebeutelt von einem heftigen Weinkrampf warf sie den Kopf gegen seine Schulter und schlug ihm dabei ungewollt so hart mit der Stirn aufs Kinn, dass er fürchtete, es sei ausgerenkt.
„Schhhhttt.... No nan îdh [ganz ruhig]!", tröstete er sie und testete dabei unauffällig die Funktionen seines Gebisses ab. Aufmunternd strich er ihr übers Haar. „Du hast ja keine Schuld, du konntest es nicht wissen!"
„Natürlich ... habe .. ich Schuld!", schluchzte Oxana.
„Ich habe immer Schuld..."
Sie sah auf, blickte aus wässrigen Augen in sein Gesicht. Es war grau, genauso grau wie das Licht in dem sie beide standen. Etwas von dem feenhaften Leuchten war noch geblieben, aber es wurde schnell weniger.
Sie spürte seinen Atem im Gesicht, und mit einem Male versiegten ihre Tränen.
Ihr Herzschlag beruhigte sich.
Wie konnte man nur so blaue Augen haben?
Zögernd beugte sie den Kopf vor, drückte ihm einen unschuldigen Kuss auf den Mund. Der Elb erstarrte.
„Du riechst wie ein Haufen Asche", stellte sie stirnrunzelnd fest.
Verblüfft blinzelte er sie an.
Ihr Blick glitt an seinem Gesicht vorbei. „Da! Schau!".
Entzückt stieß sie ihn zur Seite und fasste nach ein paar flirrenden Glitzerpartikelchen, die von den Feen zurückgelassen worden waren.
Es löste sich auf, sobald sie damit in Berührung kam. Sie versuchte es noch einmal, rannte zum anderen Ende der Lichtung, sprang in die Luft, um etwas Feenstaub zu erwischen. Das Ergebnis war ein heftiger Niesanfall und wieder leere Hände. Sie machte ein beleidigtes Gesicht, dann gluckste sie fröhlich und setzte ihre Jagd fort. Ihn und das, was eben geschehen war, schien sie bereits wieder vergessen zu haben.
Legolas beobachtete sie mit schiefgelegtem Kopf. Nun gut, das Kraut hatte auch bei ihm Wirkung gezeigt, denn sein Herz klopfte plötzlich schneller- und es bedurfte einiges, um den Herzschlag eines Elben zu erhöhen.
Deswegen sprang er aber noch lange nicht wie ein Kleinkind durch die Gegend.
Nur gut, dass niemand außer ihm es sah. Er konnte es sich nicht erklären, doch auf eine gewisse Weise fand er diese fast kindliche Unschuld, die sie plötzlich zutage legte, hinreißend- auch wenn er wusste, dass ihr das Kraut gerade zu Kopfe stieg oder sie etwas zuviel von dem Staub eingeatmet hatte.
„Oxana....wir sollten wieder gehen, die anderen sorgen sich sicherlich schon.."
„Warum fliegen sie davon? Wieso kann ich sie nicht festhalten?"Oxana zog einen Schmollmund und stemmte die Arme in die Hüften.
In der gleichen Sekunde entdeckte sie aber noch ein weiteres Glitzerdings, das sich bisher erfolgreich vor ihr verborgen hatte und rannte lachend darauf zu.
„Ha! Jetzt hab ich dich!"
Sie wollte gerade in die Luft springen und danach greifen, da legte der Elb eine Hand auf ihre Schulter und hinderte sie somit daran, das begehrte Stäubchen zu ergattern.
„Oxana, ich bitte dich!"
Enttäuscht beobachtete sie, wie der Funke davon tanzte, noch ein letztes Mal hell aufleuchtete und sich dann in Luft auflöste.
Ärgerlich drehte sie sich um.
„Legolas! Nun ist es weg!", nörgelte sie vorwurfsvoll.
Der Elb zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Du kannst sie ja sowieso nicht festhalten. Keiner kann das. Ihre Welt ist eine andere, auch wenn wir sie sehen können- ihr Wesen ist uns fremd und unbegreiflich, so wie ihre Körper. Und jetzt lass uns gehen, die anderen..."–
„Still!", hauchte sie plötzlich.
Legolas tat, wie sie verlangte, doch seine Miene wurde von einem Anflug von Ärger verfinstert.
Langsam aber sicher begann er die Geduld mit ihr zu verlieren. Sie hatten das Licht gefunden, die Feen vertrieben- und nun sollten sie besser wieder zu Asonas Hütte zurückkehren. Ihr ging es nicht gut, und er selbst fürchtete ebenfalls nicht mehr lange Herr über all seine Sinne zu bleiben, wenn sie noch lange an diesem Ort verweilten. In all seinen Lebensjahren hatte er keine Erfahrungen mit Feen und Feenstaub sammeln können, doch die Geschichten, die man sich darüber erzählte, rieten zur Vorsicht.
Oxana legte die Hände auf seine Schultern und hielt ihn fest.
„Stillhalten", flüsterte sie. Ein schwaches, funkelndes Leuchten spiegelte sich in ihren hellen Augen.
Legolas verdrehte die seinen, tat aber, was sie verlangte. Sie hatte wieder Feenstaub entdeckt. Nun gut, aber nur dieses eine Mal noch...
Ein sanfter Windstoß wirbelte die kleine Wolke auf, ließ sie durch die Luft tanzen und trieb sie gleichzeitig näher an die beiden heran.
Oxanas Augen glänzten vor kindlicher Begeisterung. Er wollte ihr diesen Moment nicht verderben.
Gedankenlos betrachtete er ihr Gesicht.
Längst hatte er sich jede Einzelheit davon eingeprägt, so wie er es bei allen Leuten tat. Es war eine der Fähigkeiten, die man als Prinz haben sollte- ein gutes Gedächtnis für Gesichter.
Ihres hatte ihm schon von Anfang an gut gefallen.
Die helle Haut, die sich über ihre hohen Wangenknochen spannte, die schmale, gerade Nase, der Schwung ihrer hellen Brauen über den kristallblauen Augen, die gleichmäßige Wölbung ihrer Lippen. Auf den ersten Blick mochte man sie für eine Frau aus dem Norden halten, denn auch in Größe und Kraft stand sie den hochgewachsenen Nordmenschen in Nichts nach.
Er konnte sich nicht helfen- jedes Mal wenn er sie anblickte musste er an das Meer denken.
Das lag wohl an ihren Augen, die ihre Farbe ständig zu verändern schienen- hell und durchdringend und von einem kalten Feuer erfüllt, wenn sie aufgebracht war, warm und freundlich glitzernd wie die Wogen der See an sonnigen Tagen, wenn sie lachte.
Sie war schön, ja.....aber genau in diesem Moment schien es ihm, als sähe er sie zum ersten Mal wirklich.
Sie war schlank und beinahe so groß wie er.
Man sah ihr an, dass sie viel trainierte, und er hatte schon mehrere Male am eigenen Leibe ihre ungewöhnliche Kraft zu spüren bekommen. Asonas geliehenes Kleid brachte jene Weiblichkeit an ihr zur Geltung, die Oxana bisher unter Schichten von Gewand versteckt hatte.
Ihr Haar schien ständig in Bewegung zu sein, wie ein loderndes Feuer, und es passte hervorragend zu ihrem Charakter.
Sie war stark, starrköpfig und von einer wilden Schönheit, die mit nichts zu vergleichen war, was er bisher gekannt hatte.
Der Wind drehte ein weiteres Mal, blies den Staub zwischen ihre Gesichter.
„Ich muss gleich niesen", flüsterte er ungeduldig. „Tu etwas".
Oxana dachte panisch nach. Wenn man den Staub berührte, löste er sich auf. Nun ja, vielleicht würde er ja bleiben, wenn man...
„Fang soviel du kannst!", befohl sie, riss den Mund auf und schnappte damit nach dem Staub.
Legolas sah ihr verdattert dabei zu und tat nichts dergleichen.
„Und was jetzt?", frage er grinsend, als sie den Mund voller Feenstaub hatte und nicht mehr zu sprechen konnte. Sie sah ihn an, runzelte nachdenklich die Stirn und schielte auf ihre aufgeblähten Backen nieder.
Dann winkte sie ihn näher an sich heran.
Er tat einen Schritt.
Sie winkte erneut.
Er machte noch einen Schritt.
Nun standen sie Körper an Körper. Sie streckte den Arm aus, legte den Zeigefinger auf seine Lippen und presste sanft dagegen.
Legolas war zu überrascht, um lange nachzudenken- er öffnete den Mund, Oxana zog ihn am Kragen nah an sich und küsste ihn.
Es dauerte einen Moment, doch dann spürten sie es beide.
Etwas Kribbelndes, Warmes, Spannungsgeladenes. Wie eine Welle flutete es von ihren Lippen in seinen Körper über, brachte sein Blut in Wallung und schwemmte alles, was er gerade noch gedacht hatte, mit sich fort.
Der Feenstaub.
Er legte die Hände auf ihre Taille, zog sie noch etwas näher. Es mochten Sekunden, vielleicht aber auch Minuten gewesen sein, die sie so dastanden.
Schließlich ließ Oxana ihren Kopf mit einem leisen Stöhnen in den Nacken fallen. Ihr war ein wenig schwindelig, der Kuss hatte sie am Atmen gehindert.
„Jetzt haben wir sie in uns", lächelte sie glücklich, „jetzt können sie nicht mehr weg."
Als sie aufsah, starrte der Elb sie geradezu unheimlich an.
„Ich fürchte, ich habe es schon die ganze Zeit in mir gehabt", murmelte er wie zu sich selbst und schien über irgendetwas ziemlich aus der Fassung gebracht worden zu sein.
Sie zog eine Braue hoch. „Du hast schon einmal Feenstaub geschluckt?"
Legolas schüttelte hastig den Kopf. „Mhm?"Er räusperte sich. „Ach vergiss es". Er ließ seine Arme sinken, lächelte schräg. „Es war bloß ein Gedanke". Doch sie hielt ihn fest, lächelte schelmisch. „Du magst mich, nicht wahr?", fragte sie neckisch, nahm einen der dünnen Zöpfe, die ihm an den Schläfen das Haar aus dem Gesicht hielten und strich es ihm sacht hinter sein Ohr.
Dann nahm sie eine seiner Hände und legte sie auf die linke Seite ihrer Brust. Sein Blick saugte sich an seinen Fingern und ihrer samtenen, warmen Haut fest.
„Schnell wie ein Schmetterling, nicht wahr?"
Sie sah, wie sein Kehlkopf sich bewegte, als er verkrampft schluckte. Dann nickte er.
Wieder nahm sie seine Hand, führte sie an ihr Gesicht und schloss die Augen, als er zögernd über ihre Wange strich. Als Oxana sie wieder aufschlug, erkannte er eine erneute Veränderung darin. Zu der kindlichen Verspieltheit hatte sich etwas anderes gemischt...
Sie grinste, begann mit ihren Fingern die obersten Knöpfe seiner Tunika aus ihren Schlaufen zu lösen.
Der Elb beobachtete sie, unfähig, etwas dagegen zu tun. Gebannt folgten seine Augen ihren Bewegungen, und er tat auch nichts, als sie das Hemd ein Stück weit öffnete und einen sanften Kuss auf seine nackte Haut hauchte.
Und einen zweiten.
Oxana ließ ihre Finger seine Brust, dann den Hals hinaufwandern, ließ sie forschend über seine Gesichtskante gleiten und formte seine Ohren nach. Nun standen sie Wange an Wange. „Gib es zu, es gefällt dir", flüsterte sie, während sie mit beiden Händen durch sein Haar strich.
Legolas wagte es kaum zu atmen. Ein sanfter Windstoß wehte ihm ihren Duft ins Gesicht. Sie roch noch immer nach Honig und Kamille. Ihre Finger waren schwielig und rau vom Kämpfen, und doch berührten sie ihn mit einer unglaublichen Sanftheit.
Sie hatte ihn umbringen wollen.
Nîthiel würde ihn umbringen wenn er... .
Sie war nur eine Sterbliche, es war doch unmöglich, dass sie ihn auf diese Weise umgarnen konnte!
Wenn schon, dann hätte ER sie verführen müssen- was natürlich nicht in Frage kam, denn sie war nicht viel mehr als eine Zufallsbekanntschaft, sie unterschieden sich von Charakter wie Feuer und Wasser, es hatte ja auch lange genug gedauert, um so etwas wie Freundschaft zwischen ihnen wachsen zu lassen.
Was zwischen ihnen war, war zerbrechlich. Es würde zerstört werden, wenn sie...
Er würde sie bloß verletzen.
Aber sie wollte es offenbar.
Sie stand unter Drogen- und er womöglich auch!
Das wäre eine Ausrede.
Es würde keine Liebe sein.
Oder doch?
Nein. Nîthiel war seine Liebe. Oder doch nicht? Natürlich gefiel es ihm. Er war ja auch nur ein Mann.
„Ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist", schlussfolgerte er laut.
„Hör doch endlich einmal auf nachzudenken, du Idiot", zischte Oxana ärgerlich, griff in sein Haar und küsste ihn.
Ihr Kuss war herausfordernd, hitzig und von einer Leidenschaft, die seine Bedenken augenblicklich fortwischte, als hätte es sie nie gegeben.
Er umschlang ihren Körper, sie reagierte, indem sie sich vom Boden abstieß und die Beine fest um seine Hüften schlang.
Legolas keuchte überrascht, taumelte zurück und fiel.
Er landete auf etwas hartem, vermutlich ein Stein, der sich spitz in seinen Rücken bohrte.
Der Schmerz machte ihn auf ungewohnte Weise wütend, er packte Oxana an den Oberarmen, wälzte sich zur Seite und gleichzeitig über sie und hielt sie an den Handgelenken am Boden fest, als sie gleich wieder nach ihm greifen wollte.
„Aber Prinz", Oxana riss ihm gespielten Schrecken die Augen weit auf, „das geziemt sich nun aber wirklich nicht!".
Schwer atmend sah er auf sie nieder. Ihr helles Gesicht hob sich deutlich von dem dunkelgrünen Moosteppich ab. Wie von lebendigem Feuer wurde ihr Gesicht von ihren Haaren eingerahmt. Ihre Augen leuchteten, und er konnte nicht sagen, ob es die Sterne oder ihr Gemütszustand es war, die sie so zum Strahlen brachten. Auf ihren Lippen lag ein schelmisches Lächeln.
Noch nie hatte er etwas Schöneres gesehen.
Er beugte sich zu einem weiteren, langen Kuss zu ihr hinunter, legte ihre Handgelenke übereinander, sodass er sie mit einer Hand festhalten konnte. Mit der zweiten begann er ungeduldig an den Bändern ihres Kleides zu zerren. Das Ding ließ sich nicht öffnen. Mit einem leisen Knurren löste er sich von ihren Lippen, küsste sich einen Weg über ihr Kinn, ihrem Hals und ihr Brustbein bis zu dem rauen Stoff der Bluse und riss der Einfachheit halber mit den bloßen Zähnen an den dünnen Riemen.
Oxana beobachtete ihn kichernd, während sie sich, indem sie ununterbrochen strampelte und sich aufbäumte, um mehr Bewegungsfreiheit zu schaffen versuchte.
Legolas' Griff lockerte sich keinen Millimeter, sein Körpergewicht drückte sie weiter fest am Boden. Endlich hatte er es geschafft, die Riemen zu öffnen und das Kleid ein wenig auseinander zu ziehen. Sein Atem ging stoßweise, als er sich zu ihr hinunterbeugte und seinen heißen Atem über ihre kühle Haut streichen ließ.
„Lass mich los", keuchte Oxana plötzlich leise. Es klang dünn, er wusste, dass sie es nicht so meinte. Es war ihr Spiel, ihn bis ans Äußerste zu reizen. Ihre Worte ließen seine Leidenschaft nur noch anwachsen. Er entblößte ihre Schultern und begann sie zu liebkosen.
Und riss sie mit voller Wucht das Knie hoch.
Ein heiseres Brüllen zerriss die Stille der Nacht.
Er konnte nicht sagen, wann er zum letzten Mal solchen Schmerz empfunden hatte. Vermutlich noch nie. Nur ein Mann kann nachempfinden, WIE weh ihr Tritt tat.
Leise wimmernd krümmte er sich zur Seite und schnappte nach Luft, während Oxana sich rasch unter ihm hervorzog und aufstand.
Krampfhaft wand er sich auf dem Boden, keuchte leise.
Der Schmerz war umso schlimmer, weil er nicht bloß körperlich war.
Er war zu grob mit ihr umgegangen, hatte rücksichtslos versucht, sein Begehren zu stillen –dies war die Strafe für seine Unbeherrschtheit.
Wie hatte er nur dermaßen die Kontrolle über sich verlieren können?! So etwas war doch sonst nicht seine Art!!
Oh, es schmerzte so erbärmlich....als hätte ein Ork mit bloßen Zähnen versucht ihm den Unterleib abzureißen....
„Das hast du verdient!", schimpfte Oxana und richtete ihr Gewand.
Legolas grunzte, er hörte kaum, was sie sagte.
Mit vor Schmerz verzerrtem Gesicht stand er auf.
„Verzeih mir..."– er sog scharf die Luft ein, versuchte, den Schmerz zu ignorieren. Sie hatte ein sehr hartes Knie und viel Kraft. Wie viel wurde ihm erst jetzt wirklich bewusst.
Sie musste ihn für ein Monster halten. Ihn verabscheuen.
Er ließ sich auf die Knie fallen, nahm ihre Hand und flüsterte:
„Gohenach! Sen daer aen ir iell i venn in istui [Es tut mir leid! Ich wollte dich nicht bedrängen!*]!"
Abwartend starrte er ihr ins Gesicht.
Sie schien angestrengt zu überlegen. „Ú-oston....dînen, Legolas...ortho[Ich habe keine Angst...still, Legolas...steh auf]", fand sie schließlich die richtigen Worte auf Sindarin.
Doch er blieb knien. „Gohenach", wiederholte er beschämt.
„Was?"
Sie blinzelte. Er sah bestürzt auf.
„Warum schaust du so traurig drein?"
Sie blickte ihn verwirrt an, legte den Kopf schräg. Dann zuckte ihre Hand zu ihrem Gürtel, um ihr Schwert zu fassen, griff aber ins Leere. Ihre Miene verfinsterte sich.
„Was zum...?"Sie sah sich befremdet um. „Wo sind wir hier??"
Stirnrunzelnd sah sie auf ihn nieder. „Und warum kniest du?"
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Ein kleiner Kobold in ihrem Kopf hatte wohl beschlossen, sich mit Hammer und Meißel aus demselben zu befreien.
Die Kopfschmerzen, mit denen Oxana am nächsten Tag erwachte, als furchtbar zu beschreiben, wären untertrieben gewesen. Sie fühlte sich hundeelend, hatte Probleme, sich zu orientieren und roch nach....Asche.
Angewidert verzog sie das Gesicht, stand wankend auf und ging in die Küche, um sich den Mund auszuspülen und zu waschen.
Die Elben waren bereits lange vor ihr wach, wahrscheinlich waren sie nie Schlafen gegangen, dachte Oxana säuerlich und nahm ihre guten alten Reisekleider von der Leine, um sie gegen Asonas luftabschnürende, altmodische Garderobe auszutauschen.
„Schade. Der Schnitt stand dir gut", bedauerte Obhart mit einem schmutzigen Grinsen. Sie bedachte ihn keines Blickes, stellte sich aber heimlich die Frage, über was sie sich eigentlich gefreut hatte, als der Schiffführer aufgewacht war. Asona hatte sich widerwillig bereit erklärt, ihn auf ihrem Pferd reiten zu lassen- einen Fußmarsch wollte Sarnir seinem Patienten noch nicht zumuten.
Unter der Vorraussetzung allerdings, sie würden ihnen den zotteligen Gaul zurückbringen, sobald sie in Erech angekommen waren.
Asona stand in der Küche und richtete ihnen etwas Wegzehrung - etwas gepökeltes Fleisch, Brot und Ziegenkäse wurden von ihr in ihre Rucksäcke gepackt.
Noch einmal ging Oxana durch das Haus, sah im Schlafzimmer nach, ob sie denn nicht etwas liegen gelassen hatte. Vor dem Kamin in der Stube fand sie ein trockenes Kräuterbündel auf dem Boden liegen. Übelkeit kroch in ihr hoch, sie erinnerte sich verschwommen daran, etwas von dem Zeug geraucht zu haben. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass da etwas Wichtiges war, das im Zusammenhang mit diesem Kraut stand, aber es wollte ihr einfach nicht mehr in den Sinn kommen.
„Was ist das hier eigentlich?", erkundigte sie sich bei Asona und nahm einen Schluck warme Ziegenmilch, welche die Alte ihr gereicht hatte.
Asona sah zuerst nicht von ihrer Arbeit auf, als sie es dann aber doch tat, verlor ihr Gesicht den letzten Rest von Farbe.
„Hast du etwas davon gegessen?!", fuhr sie Oxana an und riss ihr das Bündel grob aus der Hand. Mit großen Augen starrte sie die Alte an.
Oxana legte den Kopf schräg. „Warum?"
„Ob du etwas davon genommen hast lautete die Frage!", zischte Asona ungeduldig.
Oxana zuckte unwillig mit den Schultern. „Wir haben ein bisschen davon geraucht. Aber es schmeckte abscheulich."
Asona atmete erleichtert aus und lehnte sich gegen die Küchenplatte, die ihr bis zum Rücken reichte. Das Kraut barg sie dabei in ihren Händen wie einen wertvollen Schatz. „Gut. So hat es vermutlich keine große Wirkung gezeigt. Wie habt ihr euch danach gefühlt?"
Oxana runzelte die Stirn und versuchte sich angestrengt zu erinnern. „Uns war beiden übel", murmelte sie, „wir liefen nach draußen um etwas frische Luft zu erhaschen...und dann..."– Da war doch etwas gewesen.... „Dann gingen wir schlafen. Und heute brummt mir der Schädel", schloss sie ab.
„Gut."Asona lächelte etwas gezwungen. Doch die Anspannung völlig aus ihren Zügen zu verbannen gelang ihr nicht. „Aber ihr hättet mich fragen sollen, es ist sehr wertvoll".
Oxana wurde neugierig. „Wertvoll? Was hat es damit auf sich? Ist es ein Heiltee?"
Asona grunzte unwillig. „Ja, es ist ein Heiltee. Und nun bring das deinen Freunden!"
Sie lud ihr die Rucksäcke auf. Oxana ächzte und wankte einen Moment unter ihrem Gewicht. Die Alte grinste und trug die übrigen Lebensmittel in die Speisekammer zurück. Zuvor aber stopfte sie den Heiltee in eine Lade mit Kochbesteck.
Oxana war bereits bei der Tür angelangt, da machte sie noch einmal Kehrt, öffnete die Lade und fischte die Kräuter daraus hervor. Grinsend ließ sie sie in ihrem Rucksack verschwinden. Sie würde schon herausfinden, was so Besonderes an diesen Blättern war!
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Das Kraut war weg.
Asona schwindelte. Zum vierten Mal durchsuchte sie die Lade, kramte panisch zwischen den Kochlöffeln, Gabeln, Kuchenschaufeln und Messern.
„Ruhig.... ganz ruhig...", flüsterte sie zu sich selbst, mit den Händen auf ihren Knien aufgestützt.
Den pochenden Kopf hielt sie gesenkt.
Ihr Kreislauf drohte zu versagen. Diese hinterlistige kleine Hexe hatte ihr geliebtes Kraut mitgehen lassen!
Einatmen, ausatmen. Sie musste die Beherrschung behalten. Sorgfältig darüber nachdenken, was sie tun sollte. In all den Jahren hatte sie das Kraut nicht angefasst- es war einfach zu wertvoll, um es zu verschwenden.
Und nun hatte es dieses undankbare Kind eingepackt! Sie hatte ihnen Obdach gewährt, ihnen zu Essen und zu Trinken gegeben und sogar ihre beste Seife extra für sie angefangen- und nun das!
Sie hob den Kopf, lächelte zuversichtlich. Es würde schon nichts passieren. Das Mädchen wusste nicht, wie man das Kraut zubereitete, es würde schon alles gut gehen.
Hab Vertrauen zu den Göttern, sagte sie sich und ging gemächlich in die Stube.
Dann stürmte sie los.
Mit einer Geschwindigkeit, die man einer Frau ihres Alters nicht zugetraut hätte, stürzte sie die Treppe hinauf, warf sich einen Mantel über die Schultern und stürmte aus dem Haus, folgte einem unsichtbaren, gezackten Weg zwischen den Fallgruben und lief zum Waldrand hin.
Es war zwar schon über zwei Stunden her, seit ihre Gäste sich in aller Form verabschiedet hatten, doch Elben hatten gute Ohren- sie würden ihre Rufe sicher hören.
„PRIINZ!!!", brüllte sie in den Wald und folgte den Hufabdrücken des Pferdes im weichen Boden, „WARTET! KEHRT UM, ES IST .... LEBENSNOTWENDIG- Aaaah!"
Sie stolperte, schlug der Länge nach hin.
Ihr Fuß hatte sich in einer Wurzel verhängt.
Gestern, dachte Asona sauer und drehte sich stöhnend auf den Rücken, gestern war die noch nicht hier, darauf verwette ich meinen....
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irgendwas stimmt bei dieser Übersetzung nicht. Ich hoff, ich komm bald drauf, was es ist...(
N a c h w o r t :
Zerreißt mich bitte nicht. Aber ich MUSSTE einfach Feen unterbringen. Ich find sie sooo süß!! Und in einen magischen Wald gehörten nun mal solche Märchenwesen! Ich bin wirklich gespannt auf eure reviews (bringt es mir sanft bei, bitteee!! )
