EINIGE TAGE SPÄTER AN ELENAS AUSBILDUNGSPLATZ…
Elenas PoV
Ich zog mein vibrierendes Handy aus meiner Jackentasche und sah auf das Display.
STEFAN, stand da.
Ich sah mich kurz um und empfand den Raum als ziemlich leer, aber ein wenig ungeschützt, was mich dazu veranlagte, mit schnellen Schritten in eine ruhige Ecke zu gehen.
Erst, als ich dort angekommen war und mich erneut nach meinen Kollegen umgesehen hatte, nahm ich ab.
„Hey, Stefan."
„Hallo Schatz!
Na, wie geht es dir?
Was machst du gerade?", kam es gut gelaunt vom anderen Ende.
Wollte er sich jetzt wirklich mit mir unterhalten?
Eigentlich sollte ich arbeiten…
„Mir geht's gut!
Und eigentlich ist es gerade wirklich schlecht…das weißt du doch.
Also, was ist, Stefan?", sagte ich leise und lugte um die Ecke ins Zimmer.
Dann ging ich ein paar Schritte und warf einen Blick in den Gang, wo – zum Glück – niemand war.
„Ja, ich wollte nur sagen, dass ich dich heute leider nicht abholen kann!
Aber ich werde jemandem Bescheid sagen, dass er dich abholen soll."
„Was?
Warum?
Hast du was vor?
Ist irgendwas passiert?", fragte ich hektisch, denn wo sollte Stefan denn bitte hin wollen?
„Ich…hab noch was zu tun.
Mit Ric.
…aber mach dir keine Sorgen, es ist alles in Ordnung!
Wir wollen…etwas unternehmen."
Etwas unternehmen.
Heute.
Warum?
Ich verstand nicht, warum er das nicht heute Morgen hatte sagen können!
Ich nickte, auch, wenn er es nicht sehen konnte: „Okay.
Geht klar."
Plötzlich fiel mir noch etwas ein: „Ähm, wen schickst du?"
Aber da hatte er schon aufgelegt.
2 STUNDEN SPÄTER…
Ich packte mein Handy und meinen Regenschirm in meine Tasche und stand dann auf.
Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass jetzt alles ordentlich war und ich auch nichts vergessen hatte, zog ich mir meine Jacke an.
„Na dann, ein schönes Wochenende, Elena!", ertönte hinter mir eine Stimme und ich drehte mich ruckartig um.
Catelyn lächelte mir aufmunternd entgegen.
Ich spiegelte ihren Gesichtsaudruck und erwiderte ebenso freundlich: „Danke, dir auch!
Wir sehen uns dann Montag."
Ich schob meinen Stuhl an den Tisch und verabschiedete mich dann von ihr.
Zum Glück regnete es nicht und konnte ohne Bedenken ins Freie spazieren.
Draußen angekommen, zog ich den Kragen meiner Jacke zurecht und hielt ihn an meinem Hals zu, denn es war doch ein wenig windig und ich fror bei dem kleinen Luftzug, der mir durch die Haare fuhr.
Dann sah ich mich erwartungsvoll um.
Vor dem Gebäude war eigentlich nicht viel los, aber ich wusste ja nicht, wer hier auf mich wartete.
Mein Blick wanderte über die wenigen Menschen, die entweder vorbei liefen oder sich am Straßenrand mit jemandem unterhielten.
…und schließlich geradewegs auf das mir direkt gegenüber stehende Auto.
Aber das war nicht irgendein Auto!
Es war der mir so vertraute hellblaue Mustang Shelby, in den ich jederzeit sofort einsteigen würde!
Und an der Wagentür lehnte natürlich der Fahrer des Sportwagens.
Die pechschwarzen, verwuschelten und völlig wirren Haare, durch die ich in Gedanken schon tausendmal gestrichen hatte.
Das zynische und typische Grinsen auf dem Gesicht, was mehr als einfach nur anziehend war und bei dem ich jedes Mal von jetzt auf gleich in Ohnmacht fallen könnte, weil es für mich nichts anregenderes gab…
Und vor allem die eisblauen, unheimlich tiefen Augen, in denen ich immer wieder versank und mich nicht dagegen wehren konnte, dass ich mich einfach zu Hause fühlte, wenn ich sie ansah.
Gab es überhaupt irgendeine Frau auf der Welt, die ihm widerstehen konnte?
Außer mir natürlich!
Gut, wenn er genauso nett sein würde, wie er aussah, dann könnte ich vielleicht…nein.
Nein, nicht einmal dann.
Er war einfach ein hinterfotziger Mistkerl!
Das würde wohl nie jemand ändern können.
Weder Stefan, noch Katherine oder…ich.
Er war eben wie er war und wenn ich ehrlich war, musste ich zugeben, dass ihm das stand.
Seine Seele war schwarz, nicht nur, weil er ein Vampir war.
Hörte ich seinen Namen, dachte ich an das Böse, das Dunkle, aber doch klang es geheimnisvoll.
Für mich war er anziehend, das musste ich gestehen.
Aber für mich hatte dieses ‚Mögen', diese Anziehung, etwas mit der Liebe zum Verbotenen zu tun.
Es war nicht richtig und das würde es nie sein.
Ich atmete tief durch und fügte mich schließlich doch meinem Schicksal.
Es ist nur eine Autofahrt, Elena, da kann nicht viel passieren!, redete ich mir ein und zwang mir dann ein kleines Lächeln auf's Gesicht.
Er beugte sich leicht vor und stieß sich vom Wagen ab, um mir ein paar Schritte entgegen zu kommen.
„Hi.", begrüßte er mich und grinste breit.
Ich erwiderte allerdings nur ein simples ‚Hallo'.
Denn irgendwie kam ich mir komisch vor…
Eigentlich sollte ich voller Freude auf ihn zu gelaufen kommen und ihn dann in meine Arme schließen, nur, um ihm wenigstens ein bisschen meiner Beglückung zu zeigen, die ich gerade empfand.
Ich freute mich, weil er es war, der mich abholen kam und nicht Bonnie oder Caroline…
Denn ich hatte keine Lust, mich von ihnen mit irgendwelchen Fragen löchern zu lassen, die mich ungewollt in Verlegenheit bringen könnten, weil es bei denen zurzeit ja sowieso nur ein Thema gab: Damon.
Dieser hielt mir gerade eben übrigens die Tür auf!
Verwirrt stieg ich ein und legte den Gurt an, währen Damon sich auf dem Fahrersitz platzierte und den Wagen startete.
Ich betrachtete ihn heimlich, als er aus der Parklücke fuhr und das Anwesen ansteuerte.
Ja, eigentlich sollte ich ihn ignorieren oder zumindest meine Blicke ein wenig kontrollieren, aber mein Körper arbeitete mal wieder gegen meinen Verstand.
