Von dem Elbenhaus

V o r w o r t :

jaja, ich geb zu, SOOooo risikoreich was das letzte Kap auch wieder nicht- das liegt daran, dass ich ursprünglich etwas anderes vorgehabt hätte...naja, aber das hat mir dann doch nicht so gut gefallen. Mhm...leider hab ich keinen Song für dieses Kappi....aber egal, ich musste es einfach online stellen, es war so wunderbar flüssig zum Schreiben!!!

@all: Ihr seid cool, nett, lieb, genial, fein, toll, .... und ihr reviewt hoffentlich brav ;)

* *********************************************************************

Und wieder galt es, Hügel um Hügel hinter sich zu bringen, denn die Umgebung dachte nicht daran, flacher zu werden.

Sarnir führte Asonas' zotteligen Gaul mit Obhart an den Zügeln und Oxana ging neben ihm her. Sie plauderten belangloses Zeug, unterhielten sich über das Wetter, das in diesen Breitengraden doch wesentlich milder sein sollte und andere aufregende Dinge.

Wenn sie gerade nicht sprachen, zerbrach sie Oxana den Kopf darüber, was denn an diesem wunderschönen Vormittag mit dem Prinzen los war, der ihnen mit hängenden Schultern und finsterer Miene voranging.

Er habe Kopfschmerzen und wolle bitte mit keinem von ihnen reden, hatte es vorhin geheißen. Normalerweise war dies eine passende Ausrede für Frauen, die sich vor ihren „ehelichen Pflichten"drücken wollten, nicht aber für einen Prinzen, dem offensichtlich irgendetwas schwer auf dem Gemüt lastete.

„Wenn er nicht von sich aus spricht dann lass ihn doch", dachte Oxana und versuchte, Gleichgültigkeit Legolas gegenüber zu empfinden.

Stattdessen konzentrierte sie sich auf Sarnir.

„Weißt du was er hat?"

Der dunkelhaarige Elb schüttelte den Kopf und beobachtete Legolas. Dieser knickte gerade den Ast eines jungen Baumes ab, an dem er vorbeiging.

„Nein. Aber es hat sicher etwas mit gestern Nacht zu tun..."

„Gestern Abend ist nichts Großartiges passiert, soweit ich mich erinnern kann", gab Oxana ratlos zurück. Wäre da irgendetwas Einprägendes geschehen, so war sie sich sicher, dann hätte sie es im Gedächtnis behalten.

„Und du bist dir ganz sicher?", fragte Sarnir zweifelnd.

Sie nickte. „Nein. Aber was immer der Grund ist, ich werde es schon aus ihm herausbekommen."

Gegen Mittag begann der Wald sich zu verändern. Kahle, hellstämmige Laubbäume lösten ihre spitzblättrigen Verwandten und verliehen dem Wald ein freundlicheres Aussehen.

Der Himmel war heute wolkenlos und strahlend blau, warmer Südwind blies sanft zwischen den Stämmen und ließ den Anschein entstehen, als stände der Frühling bereits vor der Tür.

In diesem Teil des Landes war das auch gut möglich, denn die Winter hier waren mild und kurz.

In der Ferne überragten zwei graue Zwillingswipfel die bewaldeten Hügel. Erech. Zwei Stunden später hatten sie den von Menschenhand geschaffenen Waldrand erreicht und sahen sich dem berüchtigten Berg gegenüber.

Oxana hatte den Berg Erech sowie die gleichnamige Stadt an seinem Fuße bereits mehrmals aus der Ferne gesehen, war aber nie länger hier verweilt.

Ein glücklicher Umstand, denn so konnte sie die Stadt betreten, ohne Angst haben zu müssen, darin gelyncht zu werden.

Der Berg war felsig und steil auf der einen Seite, auf der anderen Seite, wo die Menschen siedelten, waren seine Hänge hingegen flacher und sanfter, sodass Gras darauf Halt fand und es viele kleine Bergwiesen gab, auf denen das Vieh graste.

Im Gegensatz zu der namenlosen Hafenstadt war Erech großzügig angelegt und machte einen freundlichen, sauberen Eindruck, wie es friedlich auf einer leicht hügeligen Graslandschaft unter ihnen lag.

Erech hatte keine Stadtmauer, was daran lag, dass Erech keine Stadt im eigentlichen Sinne war.

Es bestand ursprünglich bloß aus einer Anzahl von Gehöften, die durch ein loses Wegnetz miteinander verbunden waren. Mit der Zeit zog es immer mehr Gondorianer und einige wenige Rohirrim hierher, Bauern, Schmiede, Schuster und Schneider. Es gab zwei gemütliche kleine Gasthöfe und einen Bauern, dessen Vorfahren Rohirrim waren und der sich auf Pferdezucht spezialisiert hatte.

Das einzig große Problem für die einfachen Leute an diesem Ort stellten die Wölfe dar, die in den umhergelegenen Wäldern lebten und immer wieder Vieh auf den Weiden, manchmal sogar in den Gehöften rissen.

„Hier soll sich die legendäre Geisterarmee von Dunharg befinden?", murmelte Obhart enttäuscht. „Wo sind sie? Verstecken sie sich in den Brunnen?"

„Die Pfade der Toten liegen auf der anderen Seite des Berges", erklärte Sarnir, „und du solltest froh sein, sie nicht in Sichtweite zu haben- denn du würdest Nachts daneben kein Auge zu bekommen".

„Ach würde ich?".

„Glaub mir, du würdest", knurrte Legolas.

* *******************************************************************

Nicht, dass sie erwartet hatten, mit Blumen und Geschenken und einem rauschenden Fest empfangen zu werden....aber ETWAS mehr Herzlichkeit wäre doch ganz erfreulich gewesen.

Kein Begrüßungskomitee hieß sie in der Stadt Willkommen, keine Leute liefen neugierig aus den Häusern um sie zu sehen, nicht einmal Kinder kreuzten ihren Weg.

„Bist du sicher, dass die Geisterarmee auf der anderen Seite des Berges..ist (sie wollte eigentlich „lebt"sagen, aber das schien ihr etwas unpassend), und nicht zufällig hierher umgesiedelt ist?", grummelte Oxana missgelaunt.

Nun hatten sie ENDLICH Erech erreicht, der Ort, an dem alle Fäden zusammenliefen, an dem die Entscheidung stattfinden würde....und die Leute hier schienen sie offenbar mit den Bösen zu verwechseln.

Wo auch immer sie vorbeikamen, wurden Türen zugeschlagen, Fensterläden geschlossen und Menschen verschwanden überhastet in ihren Häusern.

Sie waren noch nicht weit in den Kern der Stadt vorgedrungen, da trafen sie auf eine kleine Gruppe spielender Kinder, die sofort kreischend nach allen Richtungen davonstoben , als sie die Neuankömmlinge erblickten.

Das nervtötende Gekreische der Kinder ließ ihr den Kragen platzen. Sie visierte einen rothaarigen, besonders frech aussehenden Jungen an, folgte ihm und packte ihn grob an seinem Hemd.

„Warum lauft ihr alle davon wie kopflose Hühner?!? Was ist hier los?! ANTWORTE!!"

Der Kleine starrte sie an, schien einen Moment über etwas nachzudenken und biss ihr dann mit erstaunlicher Kraft in die Hand.

Oxana brüllte, hob die Hand und war wirklich kurz davor, dem bissigen Rotschopf eine zu scheuern, als sie die Blicke der Männer auf sich ruhen spürte.

„Was?!", rief sie verteidigend, denn Legolas und die anderen sahen sie an, als hätte sie soeben ein kleines Kätzchen ermordet. Sie wies ihnen die winzige, aber schmerzhafte Bisswunde. „Er hat mich gebissen!"

„Kinder schlägt man nicht", meinte Legolas unbeeindruckt.

Obhart und Sarnir hörten nicht auf, sie vorwurfsvoll anzustarren. Grummelnd trat sie beiseite und lies Legolas mit dem verschreckten Kind reden.

„Wie heißt du?"

„Borgil", antwortete der Kleine zögernd.

Legolas lächelte. „Wie der Stern. Der Name passt zu dir. Ich bin Legolas."

„Seid ihr Blutjäger?", fragte Borgil so unvermittelt, dass Oxana zusammenzuckte und automatisch auf ihre Hand hinabsah. Hatte der Kleine die Tätowierung gesehen? Nein, unmöglich, sie trug ja die Armschoner.

„Nein. Aber wir kommst du darauf?", fragte der Prinz freundlich.

Borgil schien sich ein wenig zu entspannen. „Der Papa hat gesagt wir sollen uns vor Fremden verstecken, weil das sind böse Blutjäger."

„Wieso glaubt dein Papa das?", fragte Legolas. Oxana beobachtete ihn verwirrt. Die Art, wie er mit dem Jungen umsprang war...süß. Es war lächerlich, aber sie wurde eifersüchtig auf Borgil.

„Der Mann mit dem Bart hat es gesagt", erklärte Borgil wichtigtuerisch.

„Und wie heißt der Mann mit dem Bart?", bohrte Legolas nach, ein unendlich geduldiges Lächeln auf den Lippen. Der Junge ließ sich ja wirklich alles aus der Nase ziehen, dachte Oxana ärgerlich, mit ihrer Methode wären sie sicher schneller fertig gewesen, aber nein, da wäre sie ja wieder einmal die Böse gewesen....agrrr!

Borgil schien zu überlegen, sah dabei über die Schulter des Prinzen zu Obhart und Sarnir hin und musterte sie interessiert. „Ich glaube...Oden. Oder Tiden, ich bin mir nicht ganz sicher. Seid ihr echte Krieger?"

Oxana verdrehte die Augen, stöhnte entnervt.

„Ist sie eine Hexe?"

Oxana errötete bis dicht unter den Haaransatz. „Was fällt dir ein...?!"

-„NEIN, sie ist keine Hexe", unterbrach Legolas. Seine Mundwinkel zuckten.

Wie zu erwarten, ließ Obhart diese Möglichkeit nicht ungenutzt verstreichen. „Wobei wir uns in dieser Hinsicht manchmal selbst nicht so ganz sicher sind", warf er grinsend ein.

Oxana murmelte etwas, was eindeutig NICHT für Kinderohren bestimmt war und das Sarnirs Gesicht um einiges länger werden ließ.

„Ist sie eine Elbe? Du bist schon ein Elb und der dort auch aber der andere nicht und bei ihr kann ich es nicht sagen..."- Borgil musterte sie kritisch.

„Also jetzt reicht's aber!", knurrte Oxana, „ich weder eine Hexe noch eine...Elbe...".

Ihr schauderte, denn in einer Blitzvision sah sie sich selbst mit spitzen Ohren und einem ekelhaften Honiglächeln auf einem Baum sitzen, ein weißes Gewand tragend, mit fließendem, goldenen Haar und übergroßen himmelblauen Glubschaugen, sich mit einem Eichhörnchen über die Vorkommnisse des vergangenen Zeitalters unterhaltend.

Sie ging nicht, sondern schwebte, sie sprach nicht, sondern sang, und sie war permanent glücklich.

Ihr wurde schlecht.

„Ich bin KEINE ELBE!", rief sie entsetzt, „und jetzt hör auf mit dem dummen Gebrabbel! Wer ist dieser Mann mit dem Bart? Wo können wir ihn finden?"

„Er wohnt bei den anderen Elben!", antwortete Borgil.

Sarnir und Legolas, Legolas und Oxana, Oxana und Sarnir sahen einander verdattert an. Elben auf dieser Seite des Gebirges?

„Mir ist schon einmal etwas von einer Schule hier in der Nähe zu Ohren gekommen, die anscheinend von Elben geführt wird...aber ich habe diesen Gerüchten bisher keinen großen Glauben geschenkt", gab Legolas zu. „Wo wohnen denn diese Elben?", fragte er den kleinen Rotschopf.

„Im Elbenhaus", antwortete dieser schlicht. Oxanas Augen verengten sich. Konnten Kinder keine klaren Antworten geben oder taten sie es absichtlich, um die Erwachsenen zu ärgern?

„Und wo finden wir dieses Elbenhaus?"

Einige der anderen Kinder hatten sich aus ihren Verstecken hervorgewagt und beäugten die Fremdlinge neugierig.

„Am Waldrand!", rief ein Mädchen mit dunklen Zöpfen und wies nach Osten, „dort hinter dem Hügel!"

** **********************************************************************

Borgil und seine Freunde wiesen ihnen den Weg zum Elbenhaus.

Sie versuchten die Kleinen so gut wie möglich darüber auszufragen, wer denn der Mann mit dem Bart war, erfuhren aber nicht wirklich etwas, was ihnen weiterhalf.

Das „Elbenhaus"lag am östlichsten Ende der Stadt. Es war umgeben von kahlen Buchen und Eichen und eine Seite grenzte direkt an den riesigen, dunklen Wald an. Eine gefährliche Lage, wenn man bedachte, dass es in diesen Wäldern von Wehrwölfen und anderem Getier wimmelte.

Hinter all den Bäumen hatte man das Gebäude aus hellgrauem Stein aus der Ferne kaum gesehen, erst als sie den schmalen Kiespfad beschritten, der sich durch eine parkähnliche Anlage bis zum Eingangstor des Hauses schlängelte, erkannten sie, wie groß und prächtig das Gebäude war.

Staunend standen sie vor einer kurzen, breiten Treppe, die zu einem eindrucksvollen offenen Säulengarten hinaufführte.

Die Säulen waren fein gearbeitet, jede einzelne war mit steinernen Blätter- und Blütenornamenten verziert, an manchen rankte sich dunkelgrüner Efeu empor.

Legolas und Oxana folgten den lärmenden Kindern die Treppe hinauf. Borgil und seine Spielgefährten schienen keine Scheu vor dem Haus und seinen Bewohnern zu haben, was sie als gutes Zeichen deuteten.

Trotzdem prüfte Oxana den Sitz ihres Schwertes, als sie vor dem großen, hölzernen Eingangstor standen.

Alles, was sie wussten war, dass vor zwei oder drei Tagen ein oder zwei Dutzend Männer (oder auch ein paar Frauen, Borgil war sich da nicht ganz sicher gewesen) nach Erech gekommen waren.

Sie hatten wunderschöne Pferde und riesige Schwerter.

Und ihr Anführer hieß Oden oder Tiden, hatte einen Bart, war etwa zwei Meter groß und hatte ebenfalls ein riesiges Schwert.

„Jetzt bin ich ja gespannt, wer dieser Oden ist", grinste Legolas.

„Oder Tiden", warf Oxana ein.

„Oder Toden", meinte Legolas, „das war die dritte Variante, soweit ich mich erinnere..."

Borgil war so freundlich, für sie anzuklopfen.

Es dauerte nicht lange, da wurden drinnen Stimmen laut, und ein Torflügel schwang nach außen auf. Oxana und Legolas traten einen Schritt zurück. Warme Luft schlug ihnen entgegen.

Zwei leichtbewaffnete Rohirrim traten aus dem Tor. Und ihnen folgte....

„Estel!"Legolas lächelte erfreut.

Thorongil?!? Was hatte Thorongil...Aragorn...Estel...Elessar...ach, wie auch immer- was hatte er hier zu suchen?!?

„Alae Legolas! Suilad enech! [Sei Willkommen!]"

Er reichte ihm die Hand, sie klopften einander äußerst männlich auf die Schultern.

„Gen suilon Estel [Ich grüße dich]! Wie lange seid ihr schon hier?"

„Seit drei Tagen...willst du mich nicht deiner bezaubernden Begleiterin vorstellen?"

Legolas' Brauen wölbten sich.

Oxana war völlig vor den Kopf gestoßen. In ihren Ohren sauste das Blut. „Aber...Thorongil!", krächzte sie heiser. Er sah aus wie damals. Sein Haar war ein wenig kürzer, doch sein Gesicht war nach wie vor unrasiert, sein Lächeln dasselbe.

Aragorn legte den Kopf schräg, schien scharf nachzudenken.

„Aaaahh!"Nach einer Weile lächelte er milde. „Jetzt erinnere ich mich wieder! Uxana!"

„OXANA", verbesserte Legolas mit seltsam verhärteter Stimme. „Ich dachte ihr beide habt euch...gut gekannt?"

Oxana hörte ihn kaum. Nach all dem, was sie zusammen erlebt hatten. Nach all den Tagen- nach all den Nächten, WUSSTE ER NICHT EINMAL MEHR IHREN NAMEN!!!!!!!

Sie hätte wütend werden sollen....aber ihr war zum Weinen zumute. Thorongil! Am liebsten hätte sie sich um seinen Hals geworfen, ihn geküsst, ihm gesagt, wie sehr er ihr gefehlt hatte.....

Aber in Legolas' Gegenwart wollte sie solche Gefühlausbrüche nicht zulassen.

Er sollte sie weiterhin für stark halten, stark und stur, wie er in Asonas Hütte gesagt hatte.

„Wir haben uns sogar ziemlich gut gekannt", grinste Aragorn breit. „Nicht wahr?"Er zwinkerte ihr zu.

Sie reagierte nicht.

Momentan war sie unfähig, auch nur einen vernünftigen Gedanken zu denken. Thorongil....nach all den Jahren....die Erinnerungen an jene Zeit trafen sie nun mit unvorhergesehener Wucht und raubten ihr die Sprache.

Aragorn zuckte schließlich mit den Schultern. „Wer sind die beiden da unten?"

Schweigen.

„Legolas!?"

Der Prinz räusperte sich. „Das ist Sarnir...du müsstest ihn noch kennen, er ist ein Teil meiner Leibgarde...und der auf dem Pferd ist Obhart."

„Der Orkschlächter?"

„Mhm."

„Eine interessante Konstellation."

„Stimmt."

Schweigen.

„Oh, wo bleiben meine Manieren? Kommt rein, trinkt, esst und schlaft euch aus! Die Herrin des Hauses ist zur Zeit leider auswärts beschäftigt, aber sie wird in ein, zwei Tagen zurück sein. Kommt! Erzählt uns alles, was bisher passiert ist- und ich werde dir später erklären, was wir bisher herausfinden konnten."

Endlich kehrte Leben in den Elben zurück. „Woher wusstet ihr, dass wir hierher kommen würden? Und wen meinst du mit WIR?"

„Vor einigen Tagen kamen zwei Rohirrim namens Bareth und Kear an den Hof zu Edoras. Sie erzählten uns eine nahezu unglaubliche Geschichte, nämlich dass es jemand auf dich abgesehen hätte und deine Verlobte entführt worden sei und sie gaben uns das hier, um ihre Glaubwürdigkeit zu unterstreichen."

Er zog Legolas' schmalen Dolch unter seinem Mantel hervor.

Ein grauer Mantel.

Es war ein Elbenmantel. Früher hatte er noch einen normalen Mantel getragen. Einen dunkelgrünen mit vielen Flecken. Er hatte immer noch Wald und feuchter Erde gerochen. Heute roch er nach...Veilchen...Gänseblümchen......PARFUM?!

Seit wann trug Thorongil Parfum auf? Und warum würdigte er sie keines Blickes?! Tat er das bloß, um seine Gefühle zu überspielen? Sicherlich hatte er bloß so getan, als würde er sie nicht kennen. Auf diese Weise wollte er ihr mitteilen, dass er erst später mit ihr reden wollte.

Ja, so war es ganz sicher....

„Wir folgten euren Spuren- und trafen dabei übrigens auf die Leichen von gleich drei Trollen...saubere Arbeit, alter Freund". Er grinste. Legolas' Miene blieb ausdruckslos.

Aragorn blinzelte irritiert, zuckte dann aber mit den Schultern und fuhr fort:

„Außerdem fanden wir zwei Blutjäger, die jemand an einen Stein gefesselt hatte. Sie waren bereits ziemlich verfroren und plapperten etwas von einem hinterlistigen Elben und einer rothaarigen Teufelin..."

Er grinste Oxana an, ließ seinen Blick kurz über ihren Körper streichen.

„...und nach einer ...eingehenden Unterhaltung"- sein Grinsen wurde breiter- „...verrieten sie uns, dass ihre Kollegen auf dem Weg nach Erech seien. Wir folgten euren Spuren soweit wir konnten, doch der Boden war aufgeweicht und wir verloren sie bald. Und so ritten wir direkt hierher und warteten auf euch."

„WIR?"

„Ich, ein Dutzend der stärksten Krieger Edoras' und Rohans frisch gekrönter König! Wie es der Zufall so wollte hielt ich mich nach der Krönung noch ein wenig länger in Edoras auf, darum bin ich jetzt auch hier."

„THEODEN!", riefen Legolas und Oxana gleichzeitig und sahen einander grinsend an. Das war also ihr bärtiger Riese.

Eine Wache half Obhart dabei, die Treppen herauf und ins Haus zu gelangen, während die andere sich um ihr Pferd kümmerte.

Aragorn führte sie in das Herrschaftshaus hinein.

Selbst den Elben blieb vor Staunen der Mund offen stehen, denn das Innere des Gebäudes übertraf seine äußere Pracht noch einmal um vieles.

Die Eingangshalle, die man wohl auch als Festhalle nutzte, war geradezu monströs, ganz aus weißem Marmor gemacht und von unzähligen Kerzen erhellt.

Sie nahm beinahe das gesamte Erdgeschoss für sich ein und hatte zwei Eingänge- den, durch den sie gekommen waren und ein etwas kleineres Tor am gegenüberliegenden Ende.

„Dort geht es zu den Trainingsplätzen und den Zimmern der Schüler", erklärte Aragorn. (A/N: Einigen wir uns auf diesen Namen ;)

„Welche Art von Schule ist dies hier?", erkundigte sich Legolas und sah sich interessiert um.

Zwei prächtige weiße Treppen mit goldenem Stiegengeländer wanden sich an den Rändern der Halle ins nächste Stockwerk empor.

Dies war eindeutig der Baustil der Elben, auch wenn alles beinahe ZU prunkvoll war.

Dieses „Haus"konnte in Größe und Pracht getrost mit Thranduils Palast konkurrieren, dachte Oxana ehrfürchtig.

„Junge Menschen können hier lesen und schreiben lernen- ohne dass ihre Eltern dafür bezahlen müssten. Und später, wenn sie wollen, bildet man sie in den verschiedensten Kampfkünsten aus- Fechten, Reiten, Bogenschießen, Ringen...eine großartige Einrichtung, nicht wahr? Wäre ich König, ich würde solche Schulen im ganzen Land errichten lassen!"

Legolas grinste. „Du weißt, was ich denke".

-„Und du weißt, dass ich über dieses Thema ungern spreche", gab Aragorn zurück, „was wollt ihr zuerst tun? Etwas essen? Die Küche ist dort hinten, neben der Treppe"- er wies auf eine schmale Tür. Es gab übrigens nur zwei Türen, die von der riesigen Halle abzweigten.

„Oder möchtet ihr euch ein wenig ausschlafen? Die Gästezimmer sind oben und werden gerade für euch gerichtet. Morgen Abend müsste die Hausherrin zurückkommen und dann geben wir ein riesiges Fest zu euren Ehren..."

„...denkst du, dass ein Fest angebracht ist, in Anbetracht der Umstände?", fragte Legolas zweifelnd.

„Du meinst wegen deiner Verlobten?"Aragorn nickte. „Mach dir deswegen keine Sorgen. Wir haben bereits große Fortschritte gemacht. Wenn alles gut geht, wird sie morgen früh freigelassen."

„WAS?", platzte Oxana hervor. Sie räusperte sich, senkte peinlich berührt den Kopf. „Entschuldigt bitte..."

Aragorn nickte eifrig.

„Jaja, wir haben einige Dinge herausgefunden, während ihr in den Wäldern herumgeirrt seid. Aber bevor wir darüber reden, sollten wir Theodens Rückkehr abwarten. Er durchforstet mit einigen Männern den Wald auf der Suche nach Blutjägern und wird erst gegen Abend zurück sein."

Man führte sie auf ihre Zimmer, um Obhart kümmerte sich der hauseigene Arzt. Die Zimmer waren prächtig, wie zu erwarten gewesen.

Oxana ging gedankenverloren durch ihren zugeteilten Raum, legte ihre Waffen aufs Bett und sah sich um. Vorhänge aus reiner, weißer Seide, ein Bett mit feinstem weißen Laken, weich wie eine Wolke. Überall wertvolle, geschnitzte Möbel und silberne Kerzenleuchter. Ihr Zimmer hatte sogar einen eigenen Kamin und eine Frisierkommode. Wie weiblich.

Wie konnte man nur in solchem Luxus leben? Sie musste zugeben, die Verzierungen an den Wänden und an den Bettpfosten, die Ornamente der Kerzenleuchter und die bunten, geknüpften Teppiche waren schön, aber....sinnlos.

Sie hatte Verschwendung und reiche, eingebildete Leute schon immer verachtet. Wie konnte sich die Herrin des Hauses es sich leisten, in solchem Reichtum zu schwelgen- besonders, wenn sie ja angeblich kein Geld von den Eltern ihrer Schüler verlangte?

Und wer war diese Herrin überhaupt, von der Aragorn die ganze Zeit über gesprochen hatte?

Aragorn....augenblicklich vergaß sie alles andere, als ihr sein Name in den Sinn kam.

Was war los mit ihm? Unglücklich sah sie an sich hinab. Hatte sie sich tatsächlich so verändert in den letzten Jahren?

Mhm...sie war etwas muskulöser geworden, und ihr Haar war kürzer als damals. Da war die eine oder andere Narbe mehr...aber ansonsten war sie doch die Alte- oder?

Unsicher tastete sie über ihren Bauch, ihre Hüften. Sie hatte schon einiges zugelegt. Wie hatte sie damals ausgesehen?

Sie hatte manchmal Kleider getragen...vielleicht sollte sie wieder damit anfangen.

In einem der Kästen entdeckte sie eine Reihe von Gewändern, die ihr passend erschienen. Sie wählte ein dunkelrotes Kleid mit langen, weit ausgeschnittenen Ärmeln und großzügigem Dékolte, in das sie umständlich hineinschlüpfte.

„Du hast auch schon mal weiblicher ausgesehen", murmelte sie ihrem Spiegelbild zu und drehte sich einige Male nach allen Seiten. Zögernd nahm sie einen Kamm und begann ihre Locken zu ordnen. Es schmerzte höllisch. Wann hatte sie zuletzt ihr Haar ordentlich ausgebürstet? Sicher vor einer Ewigkeit....

Silaid hatte gut daran getan, Söldner zu werden- als Haarschneider wäre er verhungert. Ihr Haar sah furchtbar aus. Sie suchte nach einer Schere, schnipselte ein wenig auf der einen, ein wenig auf der anderen Seite ab.

Am Ende reichte ihr das Haar gerade noch bis zu den Ohren.

Wütend schleuderte sie die Schere auf den Frisiertisch zurück, versetzte ihm zusätzlich einen so kräftigen Fußtritt, dass er beinahe kippte und sie hastig hinzuspringen und ihn festhalten musste.

Dann stieß sie einen gellenden Wutschrei aus und knallte die Türen des Kleiderschrankes lautstark zu. Kein Wunder, dass er sie nicht mehr erkannt hatte! Sie sah wirklich aus wie ein Mann! Na gut....wenn dem so war...

Sie stand auf, packte ihre Armbrust und den Gürtel mit den Bolzen.

Zielübungen hatten ihr bisher noch immer geholfen, sich zu beruhigen. Sie raffte ihre Kleider und rauschte die Treppe hinunter, durch die Festhalle und raus auf den Übungsplatz.

*************************************************************************

N a c h w o r t :

Hab ich schon erwähnt, dass mir Aragorn im Buch extrem unsympathisch war? Nicht? ...hehe...