Von dem fürchterlichen Schwurbruch

V o r w o r t:

@Aureliel: * gggggggggggggggggggggggggggggggggggggggg* --- das ist gut * tränenlach * ich denk darübernach!! ())))))) danke für deine reviews! Und das mit dem kraut/feenstaub überlasse ich vorerst eurer fantasie! @DragonSleep : Woww!!! Ich habe einen echten FAN!! * glückstränenvergieß*! Aber sei ja vorsichtig mit Schoki!! Schoki kann dein bester Freund sein, aber er kann auch zu deinem schlimmsten Feind werden ! * fingerwedel* und was machen wir mit den haaren? Wer sagt, dass eine Frau immer lange Haare haben muss? Ich will keine perfekte Mary-Sue-Gestalt erfinden- und er soll sie ja nicht ihrer haare wegen lieben! EMANZIPATION!!!!!!!!!! (ich habe kurze haare)

@Ondin: „Eine Priese Sarnir für unseren faulen Autor"(wann kommt das nächste kappi von „haldirs tunika"??)

@JustSarah : hast du denn gar nichts an meinen kappis auszusetzen? Was genau war denn so SUPER ? * heul * kommt schon, kritisiert mich!! ()

@all the others: danke- merci- thanks !!!!!!!!!

()

Dieses Kapitel widme ich all jenen, denen meine Kaps ansonsten immer zu kurz sind, die sich in der Schule/im Beruf grade furchtbar langweilen und keine Lust auf gar nichts haben, all jenen die sich nun schon seit Wochen vornehmen, endlich mal an die frische Luft zu gehen und all denen, die sich furchtbar drüber ärgern, dass es so wenig Updates bei den anderen FFs gibt.

Voilá: Mit Liebe geschrieben und langsam gereift- frisch, saftig, fertig- dieses Kapitel (

***********************************************************

°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

When my insides are wrecked with anxiety

You have the touch that will quiet me

You lift my spirit

You melt the ice

When I need inspiration

When I need advice

(aus: "I turn to you" von Mel C.)

°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

***********************************************************

Ein kreisrunder Übungsplatz, noch feucht von den tagelangen Regenschauern.

Die Schüler hatten die Blätter der mächtigen alten Buchen, die den Platz umgaben, schon lange beiseite geschafft- ihnen war der Platz beinahe heilig, denn auf ihm lernten sie mit Pfeil und Bogen umzugehen, fochten und rangen sie.

Es waren nur noch zwei, allerhöchstens drei Stunden bis Sonnenuntergang hin, die zukünftigen Krieger und Gelehrten des Landes tummelten sich nun auf dem großen Platz , traten mit dem Schwert gegeneinander an oder unterstützten die jeweiligen Duellierenden mit ihren Zurufen.

Unter ihnen stand eine richtige Rarität in diesen Gemäuern - eine Frau.

Sie trug ein blutrotes Kleid, hatte feuriges Haar und strahlendblauen Augen.

In ihren Händen hielt sie eine kleine Armbrust, auf die sie geschickt Bolzen um Bolzen auflegte und abschoss.

Etwa dreißig Schritte vor ihr ragte ein geschälter Baumstamm aus der Erde, auf dem drei aus Stroh geflochtene, runde Zielscheiben hingen. Ihr äußerer Rand war schwarz hervorgehoben, das Zentrum durch einen Kreis aus roter Farbe gekennzeichnet.

Zum unzähligsten Male schoss sie einen Bolzen. Er traf- wie die vielen Male zuvor- ins Rote.

Doch der erfolgreiche Schuss entlockte der jungen Frau nicht einmal ein Lächeln. Ihr blasses Gesicht blieb konzentriert und angespannt.

Ein dünner Schweißfilm lag auf ihrer Stirn.

Ihre Bolzen waren verbraucht. Sie wusste nicht, zum wievielten Male sie nun zu den Zielscheiben hinging und ihre verschossene Munition herauszog. Die Bolzen hatten die für Pfeile gedachten Scheiben ziemlich in Mitleidenschaft gezogen, eine von den dreien drohte, in zwei Teile zu zerbrechen.

Oxana kümmerte sich nicht darum. Mühsam riss sie einen Bolzen nach dem anderen aus dem harten Stroh.

Einige Schüler saßen, sich leise unterhaltend, auf steinernen Bänken am Rande des Feldes und beobachteten die Fremde neugierig. Sie wusste nicht so recht, was sie von dieser Frau halten sollten- aber sie konnte verdammt gut schießen.

Sorgfältig schob Oxana die Bolzen in ihren Gürtel zurück, richtete die Zielscheiben, nahm erneut Aufstellung.

Es tat gut, sich nur auf diese eine Sache zu konzentrieren und den Rest der Welt zu vergessen- zumindest für kurze Zeit.

Sie legte auf, visierte an, schoss, traf, legte auf, schoss....

„Sag, bekommst du nicht langsam einen Krampf im Arm?"

Sie hatte zwar bemerkt, wie Sarnir auf den Platz gekommen war, hatte ihn aber noch keines Blickes gewürdigt. Der Elb trat hinter sie, sah ihr einen Weile bei ihren Übungen zu.

„Du solltest aufhören, dir andauernd Sorgen um mich zu machen", murmelte sie, während sie konzentriert den roten Punkt anvisierte. Sie schoss, traf exakt in die Mitte.

„Ich komme leider nicht gegen meine Natur an", grinste Sarnir, „meine Aufgabe ist es nun einmal, Leben zu schützen und Wunden zu heilen- so wie es wohl deine ist, dich immer wieder in Schwierigkeiten zu bringen."

Sie grinste. „Und bisher bin ich noch jeder brenzligen Situation heil entronnen."

„Du hast Recht", gab der dunkelhaarige Elb zu, „die Valar scheinen dir gnädig gestimmt zu sein..."

„So bezeichnest du also Legolas und dich?", fragte sie scherzhaft und ließ die Armbrust sinken.

Dann drehte sie sich um und musterte ihn kurz.

Er hatte sich umgezogen, trug nun eine einfache Tunika in einer dunkelroter und schwarzer Farbe - dies mussten wohl die Farben dieses Hauses sein, vermutete Oxana- auch viele der Schüler waren in diesen Farben gekleidet. Eine seltsam dunkle, schwermütige Farbe, fand sie.

Sie lächelte. „Das steht dir ausgezeichnet".

„Dasselbe gilt für dich", antwortete Sarnir, verschmilzt grinsend.

„Heuchler!". Trotzdem musste sie lachen. „Sag schon, was willst du- oder warum schmeichelst du dich dermaßen bei mir ein?"

Sein Grinsen wurde noch breiter. „Das müsstest du doch wissen..."- mit schelmisch funkelnden Augen ließ er seinen Blick langsam ihren Körper hinab gleiten.

„Du bist dir schon darüber im Klaren, dass ich eine Armbrust in den Händen halte?"

„Sie ist nicht geladen".

„Das wird sie aber gleich sein wenn du so weitermachst", grinste sie und strich wie nebenbei über einen der Bolzen an ihrem Gürtel.

„Warum bist du nur so gemein?", tat Sarnir gekränkt, „ich habe doch bloß versucht, nett zu dir zu sein!"

„Eben darum", gab sie zurück, „ich kann falsche Komplimente nicht ausstehen."

„Ich würde es nie wagen, dich anzulügen, Narmî*"

Sie grinste. Sarnir war wirklich ein Meister der Worte und wusste genau, was er sagen musste, um sie sanfter zu stimmen.

„Weißt du schon mehr über die Hausherrin? Mich würde ihre Geschichte interessieren...", fragte sie und sah sich bedeutend um.

Selbst die flachen, gemauerten Gebäude und den Übungsplatz, in denen die Schüler untergebracht waren, waren kaum weniger prächtig ausgestattet wie das Hauptgebäude selbst.

Und hinter dem Torbogen, durch den man den Platz verlassen und in die umliegenden Gärten gelangen konnte, standen Stallungen voller prächtiger Pferde- und es waren nicht bloß die der Rohirrim und der anderen Gäste.

„Ihr Name ist Nimbrethil, die Städter nennen sie die Lehrerin. Sie und die Ihrigen siedeln schon seit Jahrhunderten an diesem Ort, die Schule gibt es schon so lange, dass selbst die Ältesten nicht genau wissen, wann genau und wie sie entstand. Doch es heißt, Nimbrethil und ihre Kinder würden das Erbe der Elben an die Menschen weitergeben, damit etwas von uns in Mittelerde zurückbleibt, wenn es an der Zeit ist, zu gehen. "

„Ein nettes Märchen", lächelte Oxana und knetete gedankenverloren ihren Nacken, „und was hältst du davon?"

Sarnir zuckte mit den Schultern. „Ob Märchen oder nicht, wir wurden freundlich empfangen und aufgenommen- und haben somit keinen Grund, ihr nicht zu trauen."

„Deine Worte klingen nicht allzu überzeugt", bemerkte Oxana.

Sarnir sah sich um, hob erneut die Schultern. „Ich weiß nicht. Etwas gefällt mir nicht an diesem Haus- oder vielleicht ist es ja gerade das- es gefällt mir zu sehr. Eine Familie, die sich ein solches Haus leisten kann und eine solch ungewöhnliche Schule betreibt, müsste mir eigentlich bekannt sein..."

Er legte den Kopf schräg. „Bist du etwa verspannt?"

Sie nickte widerstrebend. „Ich sollte ein heißes Bad nehmen".

Sarnir schüttelte den Kopf. „Komm mit. Ich habe eine bessere Idee."

***********************************************************

„Sarnir, du hast begnadete Hände. Du solltest aufhören, andere zu heilen und dich stattdessen ganz in meine Dienste stellen..."

Sie fühlte sich herrlich.

Zum ersten Mal hatte sie einen Schimmer davon, wie reiche Leute wohl leben mussten und beneidete sie dafür unendlich.

Vollkommen geschafft lag sie auf dem dicken Teppich in ihrem Zimmer. Die Arme lagen eng am Körper an, den Kopf hatte sie in ein weiches Kissen vergraben und so genoss die absolut wohltuendste, professionellste, beste Massage, die sie je gehabt hatte.

„Du weißt, dass mir das ein Vergnügen wäre, Narmî", hörte sie Sarnir scherzend sagen und lächelte müde.

Zwar hatte er sie dazu überredet, ihr Kleid auszuziehen und den Rücken freizumachen, doch wusste sie, dass er nichts wagen würde.

Nicht zuletzt weil sie ihn dafür wohl erdolcht hätte.

Sie gähnte, ließ weiter widerstandslos die unbekannten Massagegriffe über sich ergehen und seufzte manchmal schwach, wenn die Hände des Elben eine besonders hartnäckige Verspannung lösten.

„Warum trägst du eigentlich immer diese Armschoner?", wollte der Elb wissen.

„Gewohnheit. Wo waren wir?", murmelte sie geschafft.

„Du wolltest mehr über die Noldor wissen", grinste Sarnir. Er hatte, auf ihren Wunsch hin, begonnen, sie über die Kulturen der Elben aufzuklären.

Oxana fand, dass eine Schule der passende Ort war, um ihre fehlenden Kenntnisse über diese Kultur nachzuholen. Bisher hatte sie sich nie sonderlich für das Volk der Erstgeborenen interessiert, nur als kleines Kind hatte sie manchmal alte Bücher über sie gelesen.

Und außerdem hatte sie es satt, sich ungebildet gegenüber all den Königen und Prinzen in diesem Haus vorkommen zu müssen.

„Die Noldor sind die Tiefelben, und Finwe führte sie nach Westen, wo sie lange in Valmar lebten, und von all den Valar verehrten sie Aule am meisten, denn er lehrte ihnen von den Schätzen der Erde und wie sie damit umzugehen hatten.

Sie waren die Geschicktesten unter den Elben, und Feanor, Finwes Sohn, war der Größte und Berühmteste unter ihnen.

Er hat die drei Silmaril geschaffen, und in ihnen fasste er das Licht der beiden großen Bäume, Telperion, den man auch Silpion oder Ninquelóte oder anders nennt, und Laurelin, oder Malindala und Culúrien geheißen, die damals in Valinor wuchsen."

Oxana überlegte angestrengt, was ihr schwer fiel, denn sie war dem Schlaf bereits nahe, und draußen vor den Fenster dunkelte es bereits.

„...Feanor...man sagte ihm ein helles Feuer nach, das in seinem Inneren loderte....später wurde er doch aus Valinor verbannt, weil er...die Silmaril nicht hergeben wollte oder so ähnlich..."

Sarnir erklärte: „Sein Herz war an diese seine Werke gebunden und er kündigte seinen Tod an, wenn sie zerstört werden würden. Denn man wollte sie Silmaril aufbrechen, und Yavanna, die Erdherrin hätte mit dem darin enthaltenen Licht ihre beiden Bäume womöglich wieder aufblühen lassen können, nachdem sie von Ungoliath ganz ausgesaugt worden waren."

„Und Ungoliath war eine...Spinne..."

„Nein, sie hatte bloß die Gestalt einer Spinne angenommen", verbesserte Sarnir, „doch WAS sie wirklich war, kann ich dir nicht sagen. Es heißt, sie war einst eine Dienerin Morgoths, doch wurde sie gierig und es lüstete ihr nach Macht und so floh sie ins dunkle Avathar, um sich vor Oromes Jägern zu verbergen".

„....Orome- den kenne ich!", grinste Oxana freudig. „Der große Jäger, der Gemahl Vánas und einer der Valar."

Rawen hatte ihr viel von Orome und dessen Heldentaten erzählt, denn die Elbe war selbst Jägerin und eine große Verehrerin dieses Vala.

„Er beschützte die Kinder Illúvatars vor den dunklen Gestalten Morgoths. Sein Pferd hieß Nahar und war weiß am Tag und silbern in der Nacht, seine Hufe waren wie von Gold..."

„Aus! Stop! Halt!"

Oxana stöhnte entnervt. „Das ist anstrengend! Ich wollte von dir zwar mehr über Elben erfahren, aber nicht alles auf einmal! Mir schwirrt der Kopf vor all diesen Namen!"

„Wir haben noch nicht einmal die Hälfte dessen durchgenommen, was du wissen solltest! Und was wir bisher besprochen haben, war bloß oberflächlich. Und wenn dir jetzt schon die Namen im Kopf schwirren, dann sollte ich dir besser nicht von den sieben Söhnen Feanors erzählen...."

„Ihr Elben und eure Stammbäume", grunzte Oxana faul in ihr Kissen, „wie kann man nur soviel Wert auf die Namen von Toten legen?"

„Ein jeder von ihnen hat es verdient, dass man sich seiner und seiner Taten erinnert", entgegnete Sarnir ernst, „und ohne sie würde Mittelerde nicht das sein, was es jetzt ist- wer weiß, vielleicht würde es uns alle gar nicht geben- dich eingeschlossen..."

„Schon gut, schon gut", murrte Oxana, „ich bin zu schwach, um mich auf eine Debatte dieser Größenordnung einzulassen. Gib es zu, du bist ein Magier, denn im Moment würde ich nicht einmal aufstehen wollen, wenn Manwe selbst an die Tür klopfte".

Sarnir lachte leise.

Sie mochte diesen weichen, wohlklingenden Laut.

Mühsam drehte sie den Kopf zur Seite, beobachtete das Feuer im Kamin, welches neben einigen brennenden Kerzen auf dem Boden die einzige Lichtquelle in ihrem halbdunklen Zimmer war.

Dann sah sie zu Sarnir auf, der konzentriert ihre verspannten Nackenmuskeln massierte, und beobachtete ihn lange. Schließlich ließ der Elb seine Arme sinken und sah sie fragend an.

„Woran denkst du, Narmî?"

Sie zog das Oberteil ihres Unterkleides wieder hoch, lächelte verschmilzt, als Sarnir hastig den Kopf wandte.

Dann drehte sie sich auf den Rücken.

„In all den vergangen Jahren achtete ich nie besonders auf die Gefühle anderer", begann sie mit gedämpfter Stimme und beobachtete die tanzenden Schatten an der Decke.

Was für eine Aussage!

Sie zögerte fort zu fahren, denn es war ein Einblick in ihr Herzen, den sie ihm damit erlauben würde.

„Diese Reise hat mich verändert, mehr als du ahnst. Auch wenn es oft nicht so scheint und ich es nicht wollte, so habe ich euch doch alle drei ins Herz geschlossen. Was immer ich auch sagte oder tat, um euch zu kränken, es tut mir Leid."

Sie schwiegen beide für einige Sekunden.

Dann sagte Sarnir plötzlich, in einem fast widerstrebenden Tonfall: „Was ich in Asonas Hütte zu dir gesagt habe, war nicht richtig. Es gibt immer einen Weg, auf dem man zusammenfinden kann. Auch du und Legolas. Wenn es euer Schicksal ist, wenn ihr euch wahrhaftig liebt, dann habe ich nicht das Recht, mich dazwischen zu drängen."

Viel Trauer lag in seinen Worten, aber sie waren ehrlich gemeint und sie wusste nun, dass er zu ihr stehen würde, egal, für wen sie sich entscheiden würde.

Ja, sie empfand etwas für Legolas.

Und in diesem Moment wünschte sie sich, sie hätte solche Gefühle auch Sarnir gegenüber gehabt.

Sie verstand die Welt und sich selbst nicht mehr- wie konnte es nur sein, dass sie diesem in jeder Hinsicht vollkommenen Wesen nicht die Liebe entgegenbrachte, die es sich von ihr ersehnte?

„Du kannst dir nicht aussuchen, wen du liebst- nur für wen du dich entscheidest", lächelte Sarnir traurig und ihr Herz füllte sich mit einem Male mit Mitleid.

Sie richtete sich auf, nahm seine Hand. „Ich danke dir".

„Danke mir nicht- denn noch ist nichts entschieden, und ich will dich nach wie vor nicht aufgeben."

Sie grinste.

Und plötzlich sahen sie einander in die Augen und zum ersten Mal glaubte sie, ihn wirklich zu sehen. Ohne lange darüber nachzudenken, beugte sie sich nach vor und hauchte ihm einen sanften Kuss auf die Lippen. Sarnir zuckte leicht zusammen, dann spürte sie, wie er lächelte, als er ihren Kuss zärtlich erwiderte.

In diesem Moment klopfte es an der Tür.

Oxana sah auf und rief : „Herein!"und- als hätte irgendeine höhere Macht sich mit ihnen einen Scherz erlauben wollen- herein trat ein fröhlicher Legolas.

„Alae! Théoden ist endlich hier! Wir..."-

Er erstarrte als er sie sah, halbnackt, das Gesicht noch nahe an Sarnirs'.

Das Lächeln in seinem Gesicht gefror.

Oxana sog scharf Luft ein, fluchte leise, sprang hastig auf, auch Sarnir tat es ihr gleich. Sie trug nur ihr Untergewand, und das war noch nicht Mal ganz zugeknöpft.

Vermutlich verloren ihre Worte: „Warte- es ist nicht so, wie du denkst" dadurch irgendwie an Wirksamkeit.

„Ach, wie ist es denn sonst!?", schnappte Legolas. Sein Gesicht war wie Stein, in seinen Augen loderte ein eifersüchtiges Feuer.

„Er hat mich bloß ein bisschen massiert und mir Unterricht erteilt..."

„Ach, bitte, erspar mir die Einzelheiten!", fiel ihr der Prinz wütend ins Wort und fixierte Sarnir.

Lange starrte er ihn an, seine Hände ballten sich zu Fäusten. „Das ist dir also unsere Freundschaft wehrt!"zischte er zornig, drehte sich um und polterte wieder nach draußen.

„Was...?!"Oxana schnappte empört Luft, lief ihm ein paar Schritte nach. „Ich muss mich doch nicht vor dir rechtfertigen!! Hörst du?! Bleib stehen!!"

Oxana rannte zur Tür hin und trat auf den Gang hinaus, doch er rauschte bereits die Treppe hinunter und wäre vermutlich nicht einmal stehen geblieben, hätte sie mit der Armbrust auf ihn gezielt.

Massenhaft Flüche ausstoßend kehrte sie in ihr Zimmer zurück. Ein völlig zerknirschter Sarnir stand dort und zog sich seine Schuhe an.

„Ich rede mit ihm", meinte er entschlossen.

Sie schüttelte den Kopf. Ein fieser Gedanke wuchs in ihrem Kopf heran.

„Nein. Ich werde das tun- später. Doch ich habe nicht vor, ihn für etwas um Verzeihung zu bitten, was ich nicht getan habe- und was ich darüber hinaus hätte tun dürfen!! Er soll ruhig noch eine Zeit lang das glauben, was er sich einbildet. Ich möchte wissen, wie er reagiert."

„Du kannst richtig gemein sein, weißt du das?", grinste der dunkelhaarige Elb und hielt ihr die Tür auf.

Sie lächelte. „Das ist sozusagen meine Berufung".

******************** *********************************

Borgil hatte maßlos übertrieben. Théoden war weder besonders kräftig noch beeindruckend und sein Schwert wie sein Körper hatten ganz normale Größe.

Er war wesentlich jünger als sie ihn sich vorgestellt hatte.

Oxanas Vater hatte zwar unter seinem Vater gedient, sie selbst aber hatte weder Thengel noch dessen Sohn kennen gelernt.

Bloß an Morwen, Théodens Mutter, eine wunderschöne Frau mit auffallend dunklem Haar konnte sie sich noch erinnern.

Théoden war etwa so alt wie ihr Bruder Rion gewesen wäre, hätte er noch gelebt. Sein Haar war dunkelblond und reichte ihm bis an die Schultern, seine Augen waren graublau und leuchteten sanft.

Er hatte ein freundliches und friedliches Wesen und strahlte trotz seines geringen Alters bereits viel Klugheit und Selbstsicherheit aus- er hatte all das an sich, was man von einem König erwartete.

Nur körperlich war er ein wenig benachteiligt- er war etwas klein.

Aragorn stellte sie dem jungen König vor, der ihr ein strahlendes Lächeln schenkte und ihre Hand küsste- und ihr damit augenblicklich sehr sympathisch wurde.

Sie aßen zusammen zu Abend, und zwar in der Küche, die sich gleichzeitig als großer Speisesaal erwies.

Die Diener des Hauses tischten schweigend einen Gang nach dem anderen auf, es gab feine Rindersuppe mit Kräutern als Vorspeise, gehackte Leber mit Kartoffeln und undefinierbarer, aber wohlschmeckender gelber Soße als Hauptgang und süßen Kuchen mit duftendem Wein als Nachspeise.

Wer auch immer die Herren dieses Hauses waren- sie verstanden es, gut zu leben und zu speisen.

Die ganze Zeit über versuchte sie, Legolas Blick zu fangen, doch er wich ihr geschickt aus und tat so, als wäre nichts passiert. Nur sie merkte seine Wut und seine Enttäuschung über sie.

Nach dem Essen ging sie gemeinsam mit Sarnir in die Bibliothek, wo sich alle versammelten.

Doch zuvor versuchte sie noch, ein paar Worte mit den Dienern zu wechseln, die sich um ihr Geschirr kümmerten. Allerdings weitgehende erfolglos.

Entweder sie mochten Fremde nicht besonders oder man hatte ihnen verboten, mehr als unbedingt nötig über das Haus und seine Geschichte preiszugeben.

Die Bibliothek war riesig, nahm zwei Stockwerke ein und übertraf wohl den gesamten Rest des Gebäudes mitsamt all den Stallungen und Einrichtungsgegenständen an Wert.

Während man noch auf den Hauptmann Théodens Männer wartete, sah sich Oxana in der Bibliothek um und entdeckte ihre fast vergessene Liebe zu Büchern und alten Schriften wieder.

Da gab es Kopien des Aldudénie, des einzigen Buches der Eldar, in dem sie bereits früher schon einmal gelesen hatte und andere Bücher die sie kannte- aber noch viele, viele mehr, von denen sie bisher noch nicht einmal gehört hatte.

Der Raum war rund und glich einer langen Röhre, die sich durch zwei Stockwerke zog. Im Zentrum standen einige riesige Schreibtische mit großen, gepolsterten Sesseln- um sie herum wuchsen Bücherregale aus Holz oder Stein an den Wänden empor. Dazwischen gab es hin und wieder hohe und schmale Fenster ohne Vorhänge, durch die kalte Nachtluft wehte.

Eine steinerne Treppe schlang sich in das nächste Stockwerk, in das man von unten sehen konnte, denn es gab keine Decke, bloß einen Balkon entlang der Wände, auf dem die restlichen Bücherregale standen.

„Herrlich", murmelte sie, „was hätte ich als Kind dafür gegeben, in so eine Schule gehen zu dürfen."Nicht einmal in Edoras gab es eine Bibliothek dieser Größe.

Auch Sarnir, Obhart und Legolas waren sprachlos.

„Nimbrethil ist eine große Gelehrte", sagte Théoden, „und eine der schönsten Frauen, die ich bisher gesehen habe. Es ist mir unbegreiflich, warum ich nie zuvor von ihr gehört hatte!"

„Ich habe von diesem Haus gewusst, bevor ich hierher kam", eröffnete ihnen Aragorn, „doch hatte ich es viel kleiner in Erinnerung. Auch ich kann nur staunen über seine große Pracht."

Da öffnete sich die Tür und der Hauptmann der Rohirrim trat ein und die Besprechung konnte beginnen.

Sie haben, so erklärte ihnen Théoden in wenigen, kurzen Worten, Blutjäger gefunden, die ihnen den Ort verraten hatten, an dem Nîthiel gefangen gehalten wurde.

Es war eine Höhle auf der anderen Seite des Berges gewesen, doch man lauerte sie dort auf und das ganze hatte sich als Hinterhalt erwiesen. Allerdings gelang es ihnen, ihren Anführer gefangen zu nehmen, womit die Blutjäger nicht gerechnet hatten.

Sie hatten darauf die Freigabe von Nîthiel verlangt, denn erst, wenn sie die Prinzessin in Sicherheit wussten, würden sie den Söldnerhauptmann wieder freigeben.

„Morgen früh findet der Austausch in den Wäldern statt", schloss Théoden und ließ sich zufrieden lächelnd in seinen Stuhl zurücksinken. „Wie du siehst Legolas, waren wir nicht untätig während eurer Abwesenheit."

Der Elbenprinz nickte, doch schienen diese doch so guten Nachrichten ihn eher nachdenklich zu stimmen.

„Wer ist dieser Hauptmann und wo haltet ihr ihn gefangen?", fragte er, und sprach damit genau das aus, was Oxana brennend interessierte. Denn der Anführer der Söldner war, soweit sie wusste, Rawen.

Doch die Worte des jungen Königs wiesen weder darauf hin, dass es sich bei dem Gefangenen um eine Frau, noch um einen Elben handelte, und ihr Misstrauen war daher gewachsen.

Théoden und Aragorn führten sie daraufhin in die Keller des Elbenhauses, in denen sich ein paar robuste, saubere und größtenteils leere Kerkerzellen befanden.

Oxana schauderte, auch wenn diese Verließe hier klein waren und es weder übel roch noch besonders kalt war.

Wacker folgte sie trotzdem den Männern zu einer Zelle hin, vor der eine Wache saß und gelangweilt mit ihrem Speer am Boden kratzte.

„Öffne die Zelle!", befahl Théoden und der Mann sperrte hastig die hölzerne Tür mit dem kleinen Gitterfenster auf.

Im dunklen Inneren der Zelle kauerte ein schmächtiger Mann mit dunklem Haar und grauen Augenringen in einer Ecke.

Er trug einen breiten Verband um die Brust. Als sie eintraten zog er den Kopf zwischen die Schultern und begann leise zu klagen.

Oxana musterte ihn mitleidslos. Sie kannte den Mann nicht, und sie wusste, dass er kein Hauptmann unter den Blutjägern war, denn als solcher hätte er sich anders verhalten.

Diese knochige Witzfigur war vermutlich nicht einmal besonders klug.

„Wie ist dein Name?", fragte Legolas.

Der Mann murmelte etwas Unverständliches, hob nicht einmal den Kopf. Da wurde der Prinz plötzlich zornig, trat auf ihn zu und riss ihm am Kragen seines schmutzigen Hemdes in die Höhe.

„WIE HEISST DU?!", donnerte er, und nicht nur Oxana zuckte erschrocken zusammen über die Schärfe in seiner Stimme.

„Tinfing, Herr!", wimmerte der Mann, der fast noch ein Knabe war, wie Oxana erschüttert feststellte.

„Und du bist der Anführer der Blutjäger, Tinfing?"

Er presste den Mann gegen die harte Mauer, und hob ihn an, sodass dessen Füße den Boden kaum mehr berührten.

„Sei nicht zu grob zu ihm", meinte da Aragorn, „du siehst doch, dass er geschwächt ist von seiner Wunde."

Doch Legolas schien ihn nicht zu hören, sondern schüttelte Tinfing am Kragen und schrie ihm weiter ins Gesicht. Oxana konnte ihn gut verstehen. Sie hätte an seiner Stelle nicht anders gehandelt.

„LÜG MICH NICHT AN!", herrschte Legolas ihn an. Tinfing zuckte unter jedem seiner Worte zusammen wie ein geprügelter Hund und begann auf einmal leise zu weinen.

„Ich....ich.."- „Bist du der Anführer dieser Bande oder nicht?! Ich warne dich, wenn du lügst, soll der Zorn der Götter über dich hereinbrechen!"

Ein wenig übertrieben, fand Oxana, doch aus dem Mund eines Elben schien diese drohenden Worte auf Tinfing große Wirkung zu haben.

Er schlug die Hände vor sein Gesicht und begann schluchzend zu gestehen: „Vergebt mir, Herr Elb! Ich bin nur ein kleiner Dieb, der nichts mit alledem hier zu tun haben wollte! Aber sie haben mir Gold versprochen, viel Gold..."

„Wer?! Wo sind sie? Wer waren sie??"

„Ich kannte ihre Namen nicht- sie trugen Masken und hielten mich im Wald auf..."

Legolas ließ ihn los und drehte sich um. „Wenn das der Anführer der Blutjäger sein soll, dann bin ich ein Ork", grunzte er und verließ wutschnaubend den Kerker.

Théoden und der blonde Hauptmann folgten ihm mit zerknirschten Gesichtern.

„Er scheint ein wenig unter Stress zu stehen, in letzter Zeit", murmelte Obhart verdattert.

„Das würdest du auch, wenn deine Verlobte von Blutjägern entführt würde", gab Aragorn sarkastisch zurück

Sarnir und Oxana sahen einander vielsagend an, bevor sie den anderen folgten.

***********************************************************

„Das könnt ihr doch nicht tun!", regte Oxana sich auf, „ihr werdet ihnen in die Falle gehen!"

„Das wissen wir auch selbst, danke", knurrte Legolas und begann mit Daumen und Zeigefinger seine Nasenwurzel zu massieren.

Die Nacht war hereingebrochen und in der Bibliothek war es inzwischen so kalt, dass der Atem vor ihren Mündern zu kleinen Wölkchen gefror.

Obhart war zu Bett gegangen, ihm hatte seine Wunde wieder zu schaffen gemacht. Nur die beiden Elben, Aragorn und Théoden waren nun noch wach und zerbrachen sich die Köpfe darüber, was am nächsten Morgen geschehen sollte.

„Dann belassen wir es also bei dem, was wir ursprünglich vorhatten", murmelte Théoden zusammenfassend.

Die Männer waren zu dem Entschluss gekommen, dass dies womöglich ihre letzte Chance war, die Prinzessin lebend aus den Klauen der Blutjäger zu retten.

Närrisch, dachte Oxana aufgebracht, sie wäre im Elbenhaus geblieben, wo ihnen keine Gefahr drohte und hätte versucht, die Blutjäger unauffällig auszukundschaften, um herauszufinden, mit wie vielen Gegnern sie zu rechnen hatten.

Erst dann wäre ein Angriff für sie in Frage gekommen.

Aber es lag wohl an Aragorn und Théoden, dass ihre Meinung hier nicht allzu viel galt. Die beiden kannten sie nicht und nahmen sie nicht ernst. Und zusätzlich wollten die Männer, im Gegensatz zu ihr, Nîthiel um jeden Preis befreien.

All der Aufwand und die Probleme für diese dumme Gans, dachte sie insgeheim wütend.

„Wir werden unsere Leute mitnehmen und einige der besten Schüler dieses Hauses zusätzlich", legte Legolas fest, dessen Wort man große Bedeutung beimaß- schließlich ging es hier um SEINE Verlobte.

Die anderen drei murmelten zustimmend, bloß Oxana explodierte erneut: „Denkt ihr denn, die wissen nicht, wie viele ihr seid ?! Die haben sich doch schon längst auf euch eingestellt- die wissen genau, mit wem sie es zu tun haben!"

„Woher wollt Ihr das wissen?", fragte Théoden interessiert und musterte sie kritisch.

„Weil wir nun einmal so verfahren!", platzte es aus ihr heraus.

Oh nein.

Sie biss sich auf die Zunge.

Legolas' ließ sein Gesicht in seine Hände rutschen und raufte sich die Haare.

„Was soll das heißen?", bohrte der junge König nach und Misstrauen flammte in seinem Blick auf.

„Nichts, ich habe mich bloß versprochen, vergesst es..."- „Lass es sein", unterbrach sie Legolas müde. „Sie sollen die Wahrheit erfahren. Besser jetzt als zu einem späteren Zeitpunkt."

*** *******************************************************

„Damit erklärt sich dann vieles", murmelte Sarnir tonlos.

Oxana nahm die Armschiene vom Tisch, legte sie wieder an. Sie hatten ihre Tätowierung gesehen- nun gab es kein Zurück mehr.

Sie wussten alle, wer sie wirklich war.

Aragorns Augen drohten aus ihren Höhlen zu quellen. „Eine Blutjägerin...", krächzte er (zum siebten Mal, wenn sie richtig mitgezählt hatte), „wie kam es dazu? Wann? Warum?"

Sie blickte ihn schräg an. „Nachdem unsere Wege sich getrennt hatten. Ich musste meine Wut über unsere Trennung irgendwie loswerden", gab sie bissig zurück.

Aragorn senkte bestürzt den Blick, und sie war sich nicht sicher, ob er den Sarkasmus in ihrer Aussage begriffen oder sie führ wahr hingenommen hatte.

Sie sah Sarnir an, betete, was er eben gehört hatte, würde ihrer Freundschaft nicht schaden. Er lächelte, doch es wirkte ein wenig aufgesetzt- sie wusste, dass er erst noch verdauen musste, was er da gerade über sie erfahren hatte.

„Etwas besseres hätte uns nicht passieren können", murmelte Théoden und brach damit ein langes Schweigen von seiner Seite.

Er musterte sie, doch dieses Mal auf eine andere Weise, als wäre sie irgendeine Geheimwaffe, deren Handhabung er in diesem Moment begriff.

„Ihr kennt den Feind und seine List, denn Ihr seid...wart... selber eine von ihnen. Wenn Legolas es tut, dann will auch ich Euch trauen."

Nachdenklich strich er über seinen kurzen Bart. „So sprecht! Was schlagt Ihr vor, was morgen früh zu tun ist?"

Nun, ein Gutes hatte es doch, dass sie nun mit offenen Karten spielte- Mann lauschte jetzt voller Ernst ihren Worten.

Sie brachte ihren Vorschlag vor, den, die Blutjäger am Morgen am besten nicht zu treffen und stattdessen ihr Lager ausfindig zu machen.

Doch am Ende ihrer Ausführungen schüttelte nicht nur Théoden den Kopf, sondern auch Aragorn und die anderen.

„Unser oberstes Ziel ist es, die Prinzessin zu retten- dann erst suchen wir nach den Drahtziehern. Und vielleicht bietet sich morgen die einzige Gelegenheit dazu. Wir dürfen sie nicht ungenutzt lassen, auch wenn wir Gefahr laufen, ihnen zahlenmäßig unterlegen zu sein."

„Was hieße, dass wir womöglich alle sterben", beendete Oxana kühl. „Seid Ihr wirklich gewillt, ein solches Risiko einzugehen wegen dieser....Frau?"

„Diese FRAU ist meine Verlobte", brachte sich Legolas ruhig ein. „Auch wenn du sie nicht magst, ich liebe sie."

In Oxanas Augen blitzte es zornig auf. Sie lieben?? Am liebsten hätte sie ihm ins Gesicht schreien wollen, dass er endlich aufhören sollte, sich etwas vorzumachen. Er liebte diese Frau doch nicht! Sie passte nicht zu ihm! Er brauchte....VERDIENTE...etwas besseres als diese intrigante, hochnäsige Schminkschatulle! „Und du meinst, eine ehemalige Mörderin wäre ein passender Ersatz?", flüsterte eine Stimme in ihrem Kopf, doch sie ignorierte sie.

„Gut. Du hast Recht. Sie ist DEINE Zukünftige. Also darfst du sie ganz alleine retten, niemand stellt sich dir in den Weg- schon gar nicht ich! Seht zu, wie ihr alleine zurecht kommt- ich habe nicht vor, den Heldentod für diese Hexe zu sterben!"

„Niemand zwingt dich mitzugehen", entgegnete Legolas in gleichgültigem Ton.

„Na, dann ist es ja gut! Dann ist meine Anwesenheit hier nicht mehr länger von Nöten!", rief sie zornig, drehte sich um und stapfte zur Tür hin.

Schon hatte sie die Hand auf die Klinke gelegt, da hielt sie plötzlich inne und drehte sich um.

„So ist das also!", zischte sie leise, ließ die Hand sinken. „Ich soll hier bleiben, in Sicherheit, damit mir nichts geschieht! Ich muss zugeben- beinahe wäre ich darauf reingefallen! "

Sie ging zurück, stieß mit einem Finger gegen die Brust des Elben.

Sie war sich darüber bewusst, dass dies hier eine Sache zwischen Legolas und ihr war, und auch spürte sie die Befremdung der anderen über ihr Verhalten.

Dennoch fuhr sie fort: „Glaubst du, ich hätte deine Spielchen nicht schon längst durchschaut?! Natürlich komme ich morgen mit! Und glaube nicht, dass du mich davon abhalten kannst!!"

Und damit verließ sie die Bibliothek, ihr Kleid blähte sich wie eine rote Wolke hinter ihr auf, und innerlich brodelte sie noch vor Wut.

Legolas starrte die Tür an, dass man fürchtete, sie würde jeden Moment in Flammen aufgehen, wirbelte herum und trat kräftig gegen das Tischbein.

Sarnir verzog wie unter Schmerzen sein Gesicht.

„Irgendwie konnte ich ihren Gedankengängen nicht ganz folgen", murmelte Aragorn völlig perplex.

Théoden legte den Kopf schräg. „Hast du etwas verstanden? Sie sprach so unglaublich schnell..."

** ********************************************************

In dieser Nacht schlief sie schlecht.

Unruhig wälzte sie sich in ihrem Bett, misshandelte ihr Kopfkissen aufs Gröbste und trat die Decke so weit ans Fußende des Bettes, dass diese schließlich zu Boden fiel.

Einem der Diener hatte sie befohlen, sie am Morgen rechtzeitig aufzuwecken.

Doch bis dahin waren es noch einige Stunden.

Lange starrte sie an die schwarze Decke und lauschte dem leisen Rauschen des Waldes von draußen, dem einzigen Geräusch in dieser sternenlosen Nacht.

Dann schwang sie sich aus ihrem Bett, warf etwas Holz in die Glut und suchte im Scheine des schwachen Feuers nach ihrem alten Mantel, den sie über ihr Nachtgewand warf.

So gewandet trat sie auf den Balkon hinaus, um etwas frische Luft zu atmen und die Müdigkeit zu verbannen, denn zum Schlafen war es nun bereits zu spät.

Schwache Stimmen, die von einem anderen Balkon irgendwo neben ihrem Zimmer stammten, erregten ihre Aufmerksamkeit.

Offenbar war doch noch jemand wach, zu dieser späten Stunde.

Neugierig schlich sie aus dem Zimmer und den Gang entlang. An jeder Tür blieb sie stehen, lauschte kurz, bis dass sie schließlich zu dem Zimmer des Prinzen gelangte.

Es waren die Stimmen von Legolas und einem zweiten Mann, und, wie sie schon bald erkannte, gehörte sie zu Aragorn.

„...meinte doch nur, sie könnte noch eine Gefahr sein. Du kennst die Blutjäger nicht, sie sind nicht bloß hirnlose Söldner und Mörder....sie haben Kodexe und Schwüre, an die sie sich halten- für die sie sogar oftmals sterben!", sagte Aragorn gerade.

„Ich weiß. Einer von ihnen hat sich vor meinen Augen einen Dolch in den Leib gerannt, nur damit wir ihn nicht vernehmen konnten... . Doch Oxana ist nicht wie sie. Wir können ihr vertrauen, davon bin ich ganz und gar überzeugt."

Es herrschte kurzes Schweigen.

„Sie gefällt dir, nicht wahr?". Er lallte ein wenig, bemerkte Oxana. Aragorn trank gern etwas über den Durst.

Ihr Herz begann schneller zu schlagen. Sie presste vorsichtig ihr Ohr fester gegen die Tür. Ungeduldig wartete sie auf eine Antwort des Prinzen.

„Ich mag sie." , antwortete Legolas ausweichend.

„Mögen?"Aragorn lachte laut. „Das ist wohl die Untertreibung dieses Zeitalters, mein lieber Freund! Selbst Théoden konnte die Funken zwischen euch sehen und du weißt, dass er alles andere als ein Experte in solchen Dingen ist!"

Wieder kurzes Schweigen, das Geräusch von Schritten im Zimmer.

Dann wieder Aragorn Stimme, zu einem anzüglichen Murmeln gesenkt: „Ich kann dir versichern, sie wäre keine schlechte Nummer. Weißt du, ihre Zunge ist nicht nur scharf, wenn sie spricht- glaub mir, ich weiß wovon ich rede..."

Seine Ausführungen wurden von einem schallenden, klatschenden Laut unterbrochen.

Oxana erschrak zuerst, dann grinste sie schadenfroh. Das hatte er verdient.

„AUA! Bist du verrückt!?", heulte der Waldläufer geschockt.

Was hätte sie in diesem Moment dafür gegeben, ihn sehen zu dürfen!

Nun wurde ihr klar, wie lächerlich es von ihr gewesen war, diesem schmierigen, ungepflegten Frauenhelden nachzuweinen.

Was war vorhin nur in sie gefahren?

Genau das war doch der Grund ihrer Trennung gewesen- die Art, auf die er sie seine Überlegenheit spüren ließ, sein gönnerhaftes Gehabe.

Und sie, dumm und naiv wie sie offenbar damals wie heute noch war, hatte sich stets selbst unbewusst die Schuld für den Bruch zwischen ihnen gegeben.

Sprich nicht so über sie", hörte sie Legolas eindringlich sagen.

Aragorn lachte arrogant.

„Die kleine Wildkatze scheint dir ja ziemlich den Kopf verdreht zu haben", bemerkte er. „Ihr habt doch nicht am Ende schon...? Ich wollte dich ohnehin noch fragen, was ihr die letzten beiden Tage im Wald getrieben habt..."

„Aragorn, um unserer Freundschaft Willen- halt endlich deinen Mund. Du hast zuviel getrunken, sag nichts, was du nachher bereuen könntest."

„Wieso? Willst du mich verprügeln?", er gluckste vergnügt, „sie ist doch bloß eine kleine Mörderin, nicht einmal besonders hell im Kopf. Naja, sie ist hübsch und ganz gut im Bett, aber ansonsten...nichts Besonderes."

Nichts Besonderes.

Diese schleimige Ausgeburt eines Orks! Dieser unrasierte Schmierfink von einem Waldläufer! Dieser....

„Als ich sie verließ hat sie geweint wie ein Schlosshund. Peinlich. Ich wundere mich, wie aus ihr eine Killerin werden konnte. Ob es wirklich wegen mir war?"

ER hatte SIE verlassen?!? Moment Mal, das war doch vollkommen verfälscht! Sie hatten damals eine Vereinbarung getroffen, mit der beide einverstanden waren. Er log doch wie gedruckt! Legolas nahm ihm diesen Unsinn noch hoffentlich nicht ab!

Ja, zugegeben, sie hatte ein wenig geweint....

„Du hast sie geschwängert und allein gelassen, du Tölpel!!", brauste Legolas auf, „aber wahrscheinlich sollte sie dir dafür dankbar sein! Nimm dich nur ja nicht zu wichtig, denn du hast ja keine Ahnung was sie durchgemacht hat! Und jetzt verschwinde aus meinem Zimmer und schlaf deinen Rausch aus, bevor ich mich vergesse!"

Oxana sprang auf, hastete Hals über Kopf den Gang zurück und presste sich fest hinter einen Mauervorsprung.

Die Tür wurde geöffnet, und sie sah im schwachen Licht Aragorn aus dem Zimmer des Prinzen stolpern, irgendeine wüste Beschimpfung von sich gebend.

Während der König sich seinen Weg zur Treppe ertastete, verhärtete sich Oxanas Herz.

Legolas hatte seinen Schwur ihr gegenüber gebrochen. Er hatte Aragorn von dem Kind verraten.

Wenn sie etwas mehr hasste, als als Lügnerin bezeichnet, mitten im Reden unterbrochen und diskriminiert zu werden, weil sie eine Frau war, dann waren es Leute, die Versprechen brachen.

Dafür würde er büßen.

***********************************************************

*Narmî= Feuerjuwel

******************************************************

N a c h w o r t :

Ja, ich weiß, Aragorn hat die A***karte gezogen ( - Hoffentlich bring ich jetzt nicht sämtliche Viggo-Mortensen-Fans gegen mich auf....* angsthab * (denn das sind doch relativ viele ;) Ach, stellt euch einfach vor es ist der Aragorn ausm Buch , dann isses nur halb so schlimm.

Bitte bitte Reviewt mir!!!!!!!!! Ich bin immer völlig depressiv und unten und mir kommen keine guten Einfälle, wenn man mich nicht pflegt und liebhat wie eine Topfpflanze (*erpress*) – und wenn ihr wieder mal was Lustiges haben wollt, muss man natürlich BESONDERS nett zu mir sein * zwinker * (hab schon einige Ideen fürs nächste Kappi...)