V o r w o r t :

Wer gleich zur Geschichte will, der scrolle ein wenig nach unten ;)

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@Janina: Danke. Du könntest vielleicht auch gleich meine Topfpflanzen dazunehmen, irgendwie geht mir das Grünzeugs immer ein, keine Ahnung wieso. (einen kaktus muss man doch nur 1mal im Jahr gießen, weil's ja auch bloß eine Regenzeit gibt, oder?)

@Neogodness: Naja, eigentlich ist ja nur ein betrunkener Aragorn ein richtiges Ekel....und ich habe die geschichten schon satt, in dem Aragorn immer der liebe solidarische nette humorvolle gutaussehende Freund von Legolas ist, der ihn mit jeder verkuppelt *würg *. Aber ich wird natürlich versuchen, sein Image wieder ein bisschen aufzupolieren. Aber nur ein bisschen (

@Aureliel: also, ich hab noch mal im Silmarillion nachgeguckt, und von daher müsste „Aldudénie"stimmen- aber es kann auch sein, dass deine Version bloß eine etwas abgeänderte ist und trotzdem genauso stimmt. Woher hast du deine Informationen? Aja, ähm * ggg * - dangeeee für den Review ()

@theSilent: ich finde deine e-mail adresse interessant. Kannst du sie auswendig ? ;))) . Danke fürs review! Ich hab auch schon viele ffs abgebrochen, weil sie zu lang waren...* schäm* . und ich glaube, meine eigene wäre mir auch schon zu lang ())

@Thuringwen: ich kann Aragorn nicht sterben lassen, der muss ja noch Herrscher von Gondor werden und bei der Ringgefährtschaft mitmachen . *seufz *. Ich frage mich, ob ich Sarnir eine Hauptrolle in einer anderen ff geben soll ... * lach* er ist eindeutig ZU sympathisch geworden!

@haselmaus: hallo an bord! ( - . wer hat gesagt, dass es ein bad-end geben wird? Ich sagte bloß, dass es nicht sicher ist, ob es ein Happy-End geben wird! Ich weiß es ja selbst noch nicht so richtig...bei jedem Kapitel möchte ich ein anderes Ende haben...hehe...

@sabrinii: * gggggggg* !!! * lol *!!! Hehe, danke für deine ironische Bemerkung!!! Diesen „ich – deck- jetzt -meine -Vergangenheit –auf- und- finde-da-ganz-erstaunliche-Details"- Teil findet man ja schon fast in jeder FF!! * ggg* !!! (und keine Angst, ich lass mir schon von keinem dreinreden ;)

@ Samira Nin: 1. : danke für dein Review! Und 2. : danke fürs lied! Ich schau, dass ich es wo unterbringe, oder zumindest einen Teil davon, es ist nicht gerade unlang...*gg *

@ice : im gegensatz zu anderen autoren bin ich ja ein kugelblitz *schmoll * ())

@Dragon: hihihi * rotwerd* !! das ist doch nicht nötig (mehr davon!!!)

@Ondin: Mensch, beschimpf nicht meinen Hauptcharakter!! Gg ich mach doch auch Haldir nicht ferig!!!

@rachel: du bist die letzte, die jetzt noch eine antwort bekommt! Sind sie vegetarier? Hab ich das nicht schon beantwortet? * Nachblätter*...na ja, ich komm noch drauf zurück, wenn es sich ergibt, k?

soderle, danke leute!! Und auch danke an all die, die mir Kommis geschrieben haben!!

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I'm walking through the clouds

When you're looking at me

I'm feeling like a child

Vulnerability

I am shaking like a leaf

if you move beside me

And you're all that I see

But it's no good for me

(aus: "No good for me", von "the Corrs")

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Was am folgenden Morgen geschah, entsprach weder Oxanas noch den Vorstellungen aller Übrigen.

Mit Sonnenaufgang ritt eine Schar Bewaffneter, unter ihnen Aragorn, Legolas, Sarnir, Théoden und der junge Pseudo- Befehlshabende der Blutjäger Tinfing, vom Elbenhaus ostwärts in die verzauberten Wälder rund um die Stadt.

Lange bevor sie den mit den Blutjägern vereinbarten Treffpunkt erreichten, sahen sie in der Ferne eine Gestalt mit einem schmutziggrauen Mantel zwischen den Bäumen, sich auf sie zu bewegend.

Einige der Krieger zogen misstrauisch ihre Bögen, unterdessen den Unbekannten und ihre Umgebung genauestens in den Augen behaltend- selbst die Kronen der Bäume entgingen einer kritischen Musterung nicht.

Doch da war nur diese eine Gestalt, und sie ging langsam und schien keine Waffen zu tragen.

Da verengten sich plötzlich die Augen des Prinzen und er richtete sich gerade in seinem Sattel auf.

„Nîthiel?"

Ungläubiges Gemurmel ging durch die Reihen der Reiter. Schon alleine beim Klang ihres Namens sah Oxana bereits Gewitterwolken am Horizont herannähern.

Wenn dies die Prinzessin war, dann durften die Blutjäger nicht weit sein. Hockten sie etwa hinter den Baumstämmen und lauerten mit gespannten Bögen auf sie? Hatten sie Fallgruben ausgehoben oder sich andere Hinterhalte für sie einfallen lassen?

Legolas zögerte kurz, dann sprang er aus dem Sattel und eilte der Prinzessin entgegen, die nun nahe genug war, um ihr Gesicht erkennen zu können.

Zu der tiefen Abscheu, die Oxana der dunkelhaarigen Elbe gegenüber empfand, mischte sich ein ganz klein wenig Mitleid.

Das makellose Gesicht Nîthiels war schmutzig und wies einige Kratzer und blaue Flecken auf, die ihr wohl von ihren Entführern zugefügt worden waren. Auch ließ die Elbe unter dem zerfledderten Nachthemd und dem Mantel die Schultern kraftlos hängen und wirkte sehr erschöpft. Das ansonsten perfekt frisierte Haar hing ihr wirr in die bleiche Stirn, ihre Bewegungen wirkten müde und ungelenk.

Nîthiel warf sich schluchzend in Legolas' Arme, der Prinz streichelte sie beruhigend, während die Elbe auf Sindarin von den Qualen ihrer Entführung sprach.

Oxana drehte derweil den Kopf weg und tat, als müsse sie sich noch einmal versichern, dass auch wirklich keine Blutjäger in der Nähe waren.

Was Nîthiel erzählte interessierte sie nicht sonderlich, es waren ohnehin größtenteils nur Übertreibungen, mit denen die Prinzessin die Aufmerksamkeit aller auf sich ziehen wollte. Sicherlich war eine Geiselnahme keine angenehme Sache, wenn man selbst die Geisel war.

Aber sie brauchte nicht so zu übertreiben.

Théoden schwang sich nun als nächster aus dem Sattel, ging zur Prinzessin hin, begrüßte sie mit einem Handkuss- offensichtlich hieß er jedes weibliche Wesen auf diese Weise Willkommen- und sprach ein paar höfliche Worte.

Auf die Frage, wo denn ihre Entführer seien, sagte Nîthiel mit schwächlicher Stimme: „Heute morgen stülpten sie mir einen Sack in den Kopf, führten mich aus der Höhle, in der sie mich festhielten und warfen mich auf ein Pferd.

Dann brachten sie mich in diesen seltsamen Wald. Sie setzten sie mich aus, beantworteten aber meine Fragen nicht, sondern wiesen in diese Richtung und sagten, meine Freunde würden hier auf mich warten. Dann ritten sie wieder fort."

Auf diese Worte ertönte ein leiser Aufschrei, der von Tinfing (der angebliche Hauptmann der Blutjäger) stammte. „Oh nein! Ich hätte es wissen sollen! Sie haben mich übers Ohr gehauen!".

Ja, das hättest du dir wirklich denken können, auch wenn du noch so beschränkt bist, dachte Oxana sarkastisch, denn nicht einmal ein Kind sollte derartig naiv sein, sich ohne Absicherung auf ein Geschäft mit Söldnern einzulassen.

Tinfing jammerte noch eine Weile so vor sich hin, bis Legolas schließlich knurrte: „Von mir aus geh zu deinen Eltern zurück oder woher auch immer du gekommen bist. Du bist für uns nicht länger von Nutzen."

Einer der Rohirrim nahm sich des betrogenen Gauners an und ritt mit ihm in die Richtung davon, aus der sie gekommen waren.

„Ich bin zu Tode erschöpft", seufzte Nîthiel gerade, „ich brauche in paar Stunden Schlaf."

Da erzählte ihr Théoden von dem Elbenhaus, und auch Nîthiel schien noch nie von der Schule gehört zu haben.

Dann legte der junge König die Hand auf seine Brust und gab Nîthiel ernst das feste Versprechen, die Schuldigen für dieses Verbrechen ausfindig zu machen und ihrer gerechten Strafe zuzuführen.

Gerade als er diese Worte sprach, machte sich Nîthiel von ihrem Verlobten los und stieß ihn achtlos zur Seite.

Legolas wirkte etwas überrumpelt.

Begriff er denn nicht schon alleine an dieser rücksichtlosen Geste, wer die WIRKLICHE Nîthiel war? Wie konnte er es sich bloß gefallen lassen, dass sie so mit ihm umging? Er war ein PRINZ!! Und ein elbischer noch dazu! Wo war all sein Scharfsinn, seine Menschenkenntnisse, wenn es um diese Frau ging?!

Nîthiels giftgrüne Augen verengten sich zu zwei funkelnden Schlitzen und böse Blitze schossen daraus zu Oxana hin, sodass selbst das Pferd zwischen ihren Schenkeln unruhig wurde.

„SIE ist schuld!", zischte die Elbe und zeigte mit ihrem spitzen Zeigefinger auf die junge Frau, „sie ist eine von ihnen! Sie ist eine Blutjägerin! Mit ihr hat das ganze Übel seinen Anfang genommen! Nehmt sie gefangen und kerkert sie ein!"

Ein paar Männer machten darauf tatsächlich Anstalten, den schrillen Befehlen der Elbe Folge zu leisten, doch Théoden hielt sie mit einem Kopfschütteln zurück.

Oxana runzelte verwundert ihre Stirn, denn wenn es darum ging, sie vor allen zu denunzieren, schien Nîthiel wieder zu ihrer alten Form aufzulaufen und alle Müdigkeit von ihr abzufallen.

„Wir wissen es bereits", erklärte Legolas.

„Und sie lebt immer noch?!?", keifte Nîthiel und riss entsetzt die Augen auf.

Natürlich war es nicht fair, sie jetzt einfach zu erschießen, denn sie saß bewaffnet auf einem Pferd und Nîthiel stand gänzlich ungeschützt vor ihr am Boden. Andererseits, im Elbenhaus würde es schwer werden, sie loszuwerden. Armbrust ziehen, auflegen, kurbeln, schießen- gestern hatte sie das einmal innerhalb von drei Sekunden geschafft.

Das Pferd war schnell, der Wald dunkel und groß genug....

„Sieh sie dir doch an! Sie führt doch ganz offensichtlich Böses im Schilde!", rief Nîthiel außer sich. Nun, in dieser Hinsicht musste sie der Elbe Recht geben. Oxana verzog schmerzhaft das Gesicht. Sie musste sich erst wieder an Nîthiels „wohlklingende"Stimme gewöhnen.

„Wenn du so weiterzeterst, lassen wir dich hier stehen und du kannst dir einen Wehrwolf zähmen, auf dem du reiten kannst. Vorausgesetzt, die Tierchen laufen nicht weg von dir", knurrte Oxana entnervt.

Jetzt hatte sie sich so schön in Schale geworfen, hatte von den gestohlenen Schienbeinschützern über ihre Armschienen und ein paar schweren Reitstiefeln alles mitgeschleppt, was sich in einem Kampf als irgendwie nützlich erweisen hätte können.

Doch anstatt sich in ein schönes Gemetzel stürzen zu dürfen, musste sie sich von der Königin aller Drachen beleidigen lassen.

„Oxana!", ermahnte sie Legolas scharf und schüttelte den Kopf.

Oxana machte einen abfälligen Laut, murmelte „Weichling!"in ihren Kragen, schwieg dann aber. Auch wenn es sie nur noch zorniger machte, auf diesen elenden Schwurbrecher hören zu müssen.

„Einer von uns ist den Blutjägern und dir vor einigen Tagen gefolgt- Colen, ein alter Rohir- hast du etwas von ihm gesehen?", fragte Legolas, doch Nîthiel verneinte. Der Prinz sah ziemlich besorgt aus, und auch Sarnir und Oxana fragten sich, was bloß aus Colen geworden war, von dem sie so lange nichts mehr gehört hatten.

„Nun zieht doch keine so langen Gesichter!", rief Aragorn plötzlich aus, „wir haben endlich einen großen Erfolg zu verbuchen! Und heute Abend werden wir ihn feiern! Vergesst euren Kummer- wenigstens bis morgen!"

Und so schwiegen alle über das Thema, was sie auch nur zu gerne taten, denn sie hatten es alle schon lange satt, sich ständig Sorgen zu machen.

Einen Abend lang würden sie die Sache ruhen lassen und sich wieder auf die Freuden des Lebens konzentrieren, beschlossen sie.

Doch das Schicksal hielt noch einige Überraschungen für sie bereit und jeder von ihnen spürte, dass etwas in der Luft lag.

Doch keiner wollte den anderen mit seinen Sorgen belasten und so schwiegen sie.

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„Die Prinzessin ist eine echte Schönheit!"

„Ihr Haar ist so schwarz wie eine Rabenschwinge und glänzt wie der Sternenhimmel! Und ihre Augen, klar und von so selten schöner Farbe!"

„Diese Taille....hätte ich bloß DIESE Taille!"Ein paar Frauen seufzten ergeben und nickten.

Oxana verdrehte die Augen, sodass sie irgendwo in ihren Hinterkopf verschwanden und schlug die Tür zur Küche lautstark hinter sich zu.

Brummig biss sie in den Apfel, den sie sich aus einem der vielen Körbe mit Obst für das Fest genehmigt hatte.

Nîthiel hin, Schminke her....agrrrr!!!! Diese dummen Küchenmägde hatten doch keine Ahnung! Hätten sie auch nur einen einzigen Blick HINTER diese scheinbar perfekte Fassade aus reiner Haut und strahlender elbischer Schönheit geworfen, sie hätten ihre Meinungen gründlich revidiert! Und SOOOO schön war Nîthiel nun auch wieder nicht......

Lustlos setzte Oxana sich auf die unterste Stufe der Treppe und beobachtete das Treiben in der großen Halle, die soeben für das Fest am Abend umgestaltet wurde. An den Wänden entlang standen lange Holztische, auf die verschiedenste Speisen gestellt wurden, deren bloßer Anblick ihr das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ.

Sie hatte zwar versucht, sich etwas Schinken abzuschneiden, aber die Mägde waren erstaunlich wachsam und hatten sie höflich davon abgehalten, indem sie ihr das Messer aus der Hand nahmen- was wiederum beinahe in einen handfesten Streit ausgeartet wäre, aber letzen Endes gab Oxana doch nach und begnügte sich mit diesem Apfel.

Es war nie gut, es sich mit dem Küchenpersonal zu verscherzen.

In der Mitte der Halle wurde eine Tafel aus schwerem Eichenholz aufgebaut mit unzähligen Stühlen - schließlich mussten alle Gäste, der Großteil der Schüler und einige hohe Persönlichkeiten (oder zumindest welche, die sich dafür hielten) aus Erech und Umgebung an ihm Platz finden.

Diener eilten geschäftig zwischen Küche und Halle, Vorder- und Hinterausgang, Treppe und Küche, Küche und Ausgang, Halle und Treppe hin- und her, brachten Speisen, Möbel, Holz für den großen Kamin und Blumenschmuck, der an den Stiegengeländern aufgehängt wurde.

Oxana erwog für einen Moment, in der Küche ihre Dienste anzubieten, denn sie war hier allen nur im Wege. Doch da kam ihr wieder das grimmige Gesicht der Küchenchefin in den Sinn und sie ließ es vorsorglich bleiben.

Die Treppe hinaufgehen wollte- konnte sie nicht, denn da oben waren Nîthiel, Aragorn und Legolas und somit die Personen, die ihr zur Zeit am meisten verhasst waren.

Legolas.

Dieser Heuchler.

Sie biss so fest in den Apfel, dass der Fruchtsaft nach allen Seiten davon spritzte und begann grimmig zu kauen. Einem Diener, der soeben stehen geblieben war und etwas zu ihr sagen wollte, warf sie einen vernichtenden Blick zu. „Sprich ein Wort und dir wird es wie diesem Apfel ergehen", schien in ihren Augen geschrieben zu stehen. Der junge Mann machte sich übereilt aus dem Staub, Oxana versank in düsterem Brüten.

Was stimmte nicht mit ihr?

Warum konnte sie nicht einmal in ihrem Leben Glück haben?

Na gut, sie war einige Male nur knapp dem Tod entronnen, aber das betraf einen anderen Bereich ihres Lebens.

Was sie meinte, war ihr Privatleben.

Ihr Vater, ihr Bruder, ihre Mutter- tot.

Aragorn, ihre erste große Liebe- ein ebenso großer Hereinfall.

Rawen, Silaid, die sie einstmals Freunde nannte- nun trachten sie ihr nach dem Leben.

Sarnir- nun, das war ein Kapitel für sich.

Legolas......

Gemein, schwurbrechend.

Alles, was sie bisher zusammen getan hatten, war zu kämpfen und sich immer wieder gegenseitig in die Haare zu kriegen.

( Einmal davon abgesehen, dass sie ihn ursprünglich hatte töten wollen und sicherlich ebenfalls mit dem Gedanken gespielt hatte. )

Er war reich, ein Besserwisser, ein Alleskönner, vermutlich sogar Vegetarier. Hatte eine Verlobte, die sie auf den Tod nicht ausstehen konnte und eine perfekt sitzende Frisur, die vermutlich nicht einmal ein mittlerer Orkan durcheinander gebracht hätte.

Folglich gab es für sie keinen Grund, ihn auch nur sympathisch zu finden. Er hatte es nicht verdient, dass sie sich seinetwegen den Kopf zerbrach.

Warum kann ich dann – bei Eru und all seinen Vallar!- nicht aufhören an ihn zu denken?!?, dachte sie wütend.

Oh, es war eine Schande! Diese Reise hatte sie schwach gemacht, anfällig für Gefühle und sinnlose Gedanken.

Sie sollte wieder von diesem Kraut nehmen, um ihren Kopf frei zu bekommen.

Aber nein, nicht vor dem Fest heute Abend.

Wenn sich ihre Gedanken schon nicht abschalten ließen, dann konnte sie wenigstens versuchen, sie in andere Bahnen leiten.

Nimbrethil, oder „die Lehrerin", wie die Hausherrin auch genannt wurde, erwartete man erst am nächsten Morgen zurück.

Oxana brannte bereits darauf, die geheimnisvolle Elbe und ihre Familie endlich mit eigenen Augen zu sehen.

„Ihr solltet anfangen, Euch für das Fest zu richten!"

Oxana drehte den Kopf und zweifelte an der Ernsthaftigkeit dieser Worte.

Die Stimme gehörte zu einer Dienerin.

Sie mochte etwa 40 Jahre alt sein, hatte ihr dunkles Haar zu einem dicken Zopf geflochten. Wasserblaue Augen waren in ein Netz aus Lachfalten eingebettet. Ihr Gesicht war rundlich, ihre Backen stark gerötet. Vorhin in der Küche waren sie einander bereits einmal begegnet. Sie hatte ihr das Messer abgenommen.

„Es sind noch drei, wenn nicht vier Stunden bis dahin!", brummte Oxana, „ich brauche nicht solange um in ein Kleid zu schlüpfen und mir die Haare zu kämmen- aber danke für Eure Fürsorge."

Und damit wandte sie sich wieder von der Frau ab.

Diese aber blieb hartnäckig. „Ihr müsst Euch baden, die Nägel feilen, ein Kleid aussuchen, die Haare zurechtmachen, Euch schminken.."- „OH NEIN!", unterbrach Oxana und schüttelte energisch den Kopf, „ich werde mir sicher KEINEN Russ ins Gesicht schmieren! Was soll das denn bringen?"

Die Frau in den dunkelblauen Kleidern der Dienerschaft runzelte missbilligend die Stirn, musterte sie kritisch von oben bis unten. „Schaden würde es Euch auf jeden Fall nicht", gab sie in einem Tonfall zur Antwort, der Oxanas Laune um einige Grade abkühlen ließ. Doch bevor sie etwas sagen konnte, fuhr die Frau fort: „...und außerdem schminken sich heute abend alle Frauen. Auch Lady Nîthiel..."

Oxana schluckte den letzten Bissen ihres Apfels hinunter.

„Ach?"

Die Frau nickte.

Oxana stand auf.

„Wie heißt Ihr?"

„Mirielle."

„Gut. Ich bin Oxana. Könntet Ihr mir vielleicht ein wenig..."– sie räusperte sich. Das hier lag eindeutig unter ihrer Würde. Wie hatte es nur soweit kommen können?? Aber was Nîthiel konnte, das konnte sie schon lange! - „..könntet Ihr mir ein wenig behilflich sein?"

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„Was habt Ihr bloß mit Euren Haaren angestellt?! Bei Melian, das ist doch eine Schande! All die schönen Haare! Wie konntet Ihr bloß? Es ist ein Verbrechen! Was sollen wir da jetzt nur machen? Oh weh, oh weh..."

„Das sind doch bloß Haare! Die wachsen wieder nach!", jammerte Oxana, zweifelte aber inzwischen selbst an dieser Aussage.

Mirielle hatte es doch tatsächlich geschafft, sie an den Rand der Verzweiflung zu treiben.

Bisher war ihr nicht klar gewesen, dass sie durch ihren unbedachten self- made- Haarschnitt praktisch sämtliche Dämonen der Hölle entfesselt und deren Zorn auf sich beschworen hatte.

Mirielle hatte ein unglaubliches Talent darin, die Aussichtlosigkeit einer Situation hervorzuheben.

Die Dienerin stieß einen lang gezogenen Seufzer aus tiefstem Herzen aus und murmelte: „Naja, mal sehen..."- Sie hob einen Kamm von dem Frisiertischchen auf und begann geduldig solange damit durch Oxanas Haar zu streichen, bis es trocken war.

Oxana staunte nicht schlecht über das Resultat dieser Bemühungen: Ihre Locken hatten sich in sanfte Wellen verwandelt, das feurige Haar reichte ihr nun bis an die Schultern.

„Ihr seid eine Magierin!", rief sie verwundert. Die Frau im Spiegel schien ihr plötzlich fremd, sonderbar gepflegt und irgendwie....ruhig. Sie konnte nicht sagen, woran das lag. Es wurde etwas unheimlich zumute.

Mirielle verzog keine Miene. „Das war erst der Anfang. Gebt mir eure Hand."

Oxana tat zögernd, wie ihr befohlen.

Da zückte die Dienerin plötzlich ein schmales Messer und setzte es an ihre Fingerkuppen an. Automatisch riss Oxana ihre Hand zurück , griff reflexartig nach der Schere, die vor ihre auf der Frisierkommode lag und hielt sie Mirielle drohend unters Kinn.

Diese erbleichte und krächzte :„Das ist doch nur... eine Feile! Damit feilt man die Nägel!"

Oxana murmelte eine hastige Entschuldigung und legte die Schere weg. Natürlich wusste sie, was eine Feile war. Aber antrainierte Reflexe ließen sich nicht von einem Tag auf den anderen abstreifen wie ein alter Mantel.

Mirielle schüttelte den Kopf und warf ihr Blicke zu, die Bände sprachen.

Oxana erinnerte sich daran, dass Rawen ihre Fingernägel auch immer gefeilt hatte- was sie nie so richtig verstanden hatte. Wozu brauchte man lange Fingernägel, wenn man kein Raubtier war oder jemanden damit schaden wollte?

„Das macht einen gepflegten Eindruck", begründete Mirielle gewichtig, als sie eine entsprechende Frage stellte.

„Ich könnte sie ja ganz einfach abbeißen, wie immer, dann ist es egal, ob sie schön geschliffen sind oder nicht", schlug Oxana vor. Mirielle gab sich nicht die Mühe, darauf zu antworten..

Als sie fertig war, verschwand Mirielle für eine Weile aus ihrem Zimmer. Zurück kam sie mit einer kleinen Gestalt, deren Gesicht hinter einem Haufen Kleider verborgen war, die es trug.

Als der Junge seine Last schnaufend auf Oxanas Bett ablud, erkannte sie ihn sogleich wieder: Borgil.

Der Junge sah sie grinsend an, eine frische Zahnlücke enthüllend. Sie hatte ihn heute bereits öfter durchs Haus eilen sehen, seine Mutter war eine Dienerin und spannte den Jungen kräftig ein.

„Hallo Borgil", grüßte Oxana ihn mit einem schiefen Grinsen, denn mit seinen abstehenden Ohren und dem roten Haar bot er ein hinreißend witziges Bild.

„Geh und sag Finwen, sie soll dir das Öl mitgeben! Huschhusch!", befahl Mirielle und staubte den kleinen Bengel aus dem Zimmer.

Das Kleid, das Oxana am Vortag und an diesem Tag trug, stand als Garderobe für den Abend gar nicht erst zur Debatte.

Daraufhin begann Oxana zu bocken.

Sie mochte das dunkelrote Kleid, es gefiel ihr und passte und sie hielt es für unnötig, andauernd Gewänder zu wechseln. „Das ist nichts als pure Verschwendung! Ich will nicht so enden wie die Prinzessin!", maulte sie stur.

Da zog Mirielle ein dunkelblaues Kleid aus dem Stoß hervor und sagte: „Die trägt übrigens heute Abend ein Kleid in dieser Farbe. Sie sieht wunderschön darin aus, es ist genau ihre Farbe..."

Oxana musterte die Kleider mit neuem Interesse und überlegte. „Und was denkt Ihr, wäre....meine Farbe?", frage sie zögernd.

In Mirielles Auen blitzte es kurz auf.

Sie lächelte und meinte: „Grün."

Und so verbrachten sie die verbliebenen Stunden bis zum Fest damit, ein passendes Kleid zu finden, es an manchen Stellen etwas zu ändern oder zu kürzen, die passenden Schuhe dazu auszusuchen und mit..........Schminken.

An diesem Tag entwickelte Oxana eine ganz besondere Abneigung gegen sämtliche Gesichtsfarben und vor allem die Prozedur, mit der sie aufgetragen wurden.

Mirielle nahm ein dünnes Holzstäbchen zu Hilfe um ihr schwarze Paste um die Augen aufzutragen, und Oxana schlug ihre Hand dreimal erschrocken beiseite, weil etwas von dem Zeug ihr in die Augen floss.

Als die Dienerin nach einer guten Stunde wiederholtem Auftragens ihre Hand geschafft sinken ließ, war Oxana stolze Besitzerin eines perfekten Liedstriches.

Mehr Farbe ließ sie nicht mehr in ihr Gesicht.

Borgil hatte Öl gebracht, das nach Rosen duftete und mit dem sie sich einreiben durfte. Eine Magd kam ins Zimmer, um ihr die Haare zu frisieren und schwärmte ihr bei der Gelegenheit gleich von Nîthiel vor, die sie gerade gesehen hatte und deren dunkle Schönheit diesen Abend sicher alle Blicke auf sich ziehen würde.

Von da an ließ Oxana alles mit sich geschehen, was die Frauen ihr rieten und vertraute voll und ganz auf deren Urteil, denn sie selbst hatte keine Erfahrung in solchen Dingen.

Schließlich war es so weit: Die Schüler des Elbenhauses kamen aus ihren Zimmern und gingen ins Hauptgebäude. Die ersten Gäste ritten auf dem von vielen Fackeln erhellten Weg vor das Elbenhaus und versammelten sich in der Halle.

Mit ihnen trafen einige Spielleute ein, die an diesem Abend mit ihren Harfen und Geigen für Stimmung sorgen würden.

Und als im Erdgeschoss die ersten Weisen erklangen und sich immer mehr Gäste um die Tafel scharten, sich unterhaltend, der Musik lauschend und etwas Wein trinkend, stemmte Mirielle ihre Arme in die Hüften und betrachtete stolz ihr lebendiges Kunstwerk.

„Zwar fehlen Euch noch die passenden Manieren- aber man könnte Euch wahrhaftig für eine Adelige halten!"

Das Dienstmädchen neben ihr wischte sich den Schweiß von der Stirn und nickte entzückt.

Auch Borgil befand sich noch im Raum, er hatte voller Schadenfreude ihre Qualen beobachtet. Nun schien allerdings selbst er beeindruckt zu sein.

Oxana trat vor den Spiegel, sah aber nichts, denn inzwischen war es sehr dunkel im Zimmer geworden.

Die aufmerksame Mirielle nahm einen Kerzenleuchter, entzündete ihn und hielt ihn hinter ihr hoch, sodass sie etwas erkennen konnte.

Oxana erstarrte.

Und mit einem Male verstand sie die ständigen Fragen ihre Herkunft betreffend und die schiefen Blicke, die man ihr so oft zugeworfen hatte.

In ihrem Haar waren Efeublätter verflochten und dazwischen schimmerten zwei zarte silberne Spangen, mit winzigen, grünen Edelsteinen besetzt.

Dies war eine Leihgabe des Hauses, hatte ihr Mirielle mitgeteilt, die Herrin habe ihr die Erlaubnis gegeben, ihre Gäste in diese Schätze zu hüllen.

Ein Schatz war auch das Kleid, das sie trug- von einer satten, grünen Farbe, aus einem Stoff gewoben, der sich wie Seide anfühlte und trug und doch dichter und wärmender war.

Doch es fiel wunderbar leicht, ließ ihre Schultern und einen Teil ihres Rückens frei und betonte ihre Weiblichkeit, ohne unerwünschte Blicke preiszugeben.

Heute hatte sie ihre Armschienen abgelegt.

Allerdings verschwanden ihre Handgelenke stattdessen unter den engen Ärmeln ihres Gewandes und dem silbernen Armband an ihrer rechten Hand.

Es war wohl Gewohnheit, die sie dazu brachte, die Ärmel so lang wie möglich zu ziehen.

Auch wenn nun einige um ihr Geheimnis wussten- dieses Mal würde immer ein Zeugnis ihrer Schandtaten bleiben, würde sie und jeden anderen immer daran erinnern, dass Blut an ihren Händen klebte.

Doch sosehr Oxana diese ungewohnte Aufmachung auch verwirrte, am meisten verstörte sie ihr Gesicht- besonders ihre Augen.

Denn die schwarze Farbe ließ das Blau ihrer Augen noch durchdringender erscheinen, so stechend und kalt, dass Oxana ein wenig vor sich selbst Angst bekam.

Und ihr Gesicht schien ihr schmal und zerbrechlich, mit einer Haut die beinahe so blass war wie die Nîthiels.

„Gefällt es Euch nicht?", fragte Mirielle besorgt.

„Könntet Ihr Herrn Sarnir mitteilen, dass ich fertig bin? Er hat mir angeboten , mich hinunter zu begleiten", murmelte Oxana anstatt eine Antwort zu geben.

Die beiden Frauen huschten nach draußen, und Oxana starrte noch lange befremdet in den Spiegel.

„Wer bist du eigentlich?", murmelte sie ihrem Spiegelbild zu, strich gedankenverloren über das Armband und entblößte dabei ihre Tätowierung. Dies hier ist das einzige, das bleibt, wenn man all die Farbe wieder abwäscht, dachte sie dumpf.

Sarnir kam bald in ihr Zimmer.

Er verharrte mitten in der Bewegung, legte den Kopf schräg und starrte sie an. „Wer seid Ihr und was habt Ihr mit Oxana gemacht?", fragte er drohend.

Dann lächelte er aber, trat an sie heran und verbeugte sich vor ihr. Es war ihr peinlich, sie hielt nichts von lächerlicher Etikette und vorgetäuschter Höflichkeit. Doch auch wenn sie es nicht wahrhaben wollte, das Verhalten des Elben schmeichelte ihr, denn es wirkte durchaus ehrlich.

„Hiril Narmî , erlaubt mir, Euch als Freund an der Hand zu führen und mich an diesem Abend Eurer Schönheit an meiner Seite zu erfreuen!"

„Nur wenn du aufpasst, dass mir niemand aufs Kleid steigt", grinste Oxana . Dann gab sie ihm die Hand und gingen nach draußen.

„Théoden schwärmte von den Spielleuten, die heute geladen sind- sie sollen hervorragend sein", erzählte Sarnir, „und Obhart wird auch dabei sein, seine Verletzung heilt gut, wenn auch nicht so schnell wie sie könnte- er wird alt. Wer weiß- vielleicht können wir ihn dazu bringen, ein kleines Ständchen zu halten?"Er grinste fröhlich. „Du hältst ihn und ich flöße ihm den Wein ein", schlug er vor.

Oxana lachte boshaft. „Gut, so machen wir es. Glaubst du, wir schaffen es auch, Legolas betrunken zu machen?"

Sarnir schüttelte entschlossen den Kopf. „Nein. Nie und nimmer. Der Prinz betrinkt sich so oft wie.....ein Ork sich wäscht."

„Oh. Also nie", folgerte Oxana enttäuscht.

Sie hatten die Treppe erreicht, schritten Hand in Hand ins bunte Durcheinander des rauschenden Festes hinab.

Unter all den farbenfroh gekleideten Gästen sprangen einem sofort zwei eher monoton gekleidete Gäste ins Auge:

Nîthiel, gekleidet in einem fließenden Traum von einem Kleid, in den Farben einer Sommernacht. Ihr Haar trug sie offen, es legte sich wie ein schwarzer Schleier aus Seide um ihre Schultern .

Legolas stand neben ihr in einem silberweißen Gewand, dessen Pracht den Mond erinnerte und sein Gesicht in einem fremdartigen Licht erstrahlen ließ.

Oxanas Blick fiel auf den Prinzen und sein festlicher Anblick erweckte vielerlei Gefühle in ihrem Herzen, sodass sie für ein paar Augenblicke bloß starr dastand und ihn ansah.

Er hatte sein Versprechen gebrochen.

Er hatte sein Versprechen gebrochen.

Sie durfte sich nicht erlauben, ihren Schmerz zu zeigen. Denn das empfand sie, als sie ihn an Nîthiels Seite erblickte.

Schmerz. Und Wut.

War alles vorbei, nun, da Nîthiel wieder da war? Warum hatten die Blutjäger sie nicht noch eine Weile behalten können?

Die Weg vom Düsterwald bis hierher war mit Gefahren und Entbehrungen gespickt gewesen, trotzdem mochte Oxana sie jetzt um nichts missen.

Obhart, Sarnir, Colen und sie- in dieser Gruppe hatte sie sich wohl gefühlt. In jener Nacht im Schnee, die sie in Legolas' Armen verbracht hatte, hatte sie sich heimlich gewünscht, dass dieser Zustand für immer anhalten würde.

Nun ja, ein Traum.

Träume waren etwas für Narren und Kinder.

Legolas schien ihren Blick nicht zu bemerkten. Nîthiel, die es aber tat, verstellte ihm geschickt die Sicht, indem sie schnell einen Schritt nach vor machte.

Darauf entbrannte in Oxana ein solcher Hass auf die Elbe, dass sie erschrak und hastig wegsah.

Sarnir an ihrer Seite schwieg, doch seine Augen wurden einen Moment dunkel vor Sorge.

Auch wenn ihre Hand in seiner lag, so wusste er doch ganz genau, wo ihr Herz gerade war. Er würde mit Legolas reden.

Sie nahmen alle Platz an der Tafel, Théoden am Ende der Tafel, zu seiner Rechten saß Aragorn, Sarnir und Oxana, zu seiner Linken Legolas mit Nîthiel und Obhart.

Théoden, begann nun eine Rede über die Erfolge des zurückliegenden Morgens, von den Gefahren die sie alle durchzustehen hatten und von diesem Fest, das sie sich nun redlich verdient hätten.

Was er genau gesagt hatte, daran vermochte sich Oxana im Nachhinein nicht mehr zu erinnern, denn sie und Nîthiel lieferten sich die ganze Zeit über einen erbitterten Kampf.

Sie saßen einander beinahe direkt gegenüber und die Blicke, die sie sich zuwarfen, hätten selbst in den heißesten Höllenschlünden Morgoths tiefsten Winter einkehren lassen.

Auch Legolas starrte sie die ganze Zeit über an, als wäre ihr ein drittes Auge gewachsen und erst als sie alle die Becher erhoben und anstießen, schaffte er es, seinen Mund wieder zu schließen.

Dann begann das Essen und für eine zeitlang vergaßen alle Anwesenden, Oxana eingeschlossen, was um sie herum vorging und machten sich mit Heißhunger über all die Köstlichkeiten der gondorianischen, rohanischen und elbischen Küche her.

Nach und nach leerte sich die Tafel und die Gäste- Oxana schätzte ihre Zahl auf etwa Fünfzig, verteilten sich in der Halle, schwatzte und diskutierten, aßen von den Kleinigkeiten, die auf den übrigen Tischen an den Wänden angerichtet waren oder lauschten ganz einfach nur den lustigen Weisen der Spielleute.

Danach wurde getanzt.

Oxana hasste tanzen.

Noch nie hatte sie ein besonderes Gespür für Takt gehabt und Musik war noch nie eine ihrer Leidenschaften gewesen.

Meist tanzte sie mit Sarnir, einige Male mit Obhart, der sich aus unerfindlichen Gründen plötzlich größte Mühe gab, einen höflichen Ton ihr gegenüber einzuschlagen, und auch mit Théoden und ein paar anderen Männern.

Zum Glück konnten wenigstens die passabel tanzen und ihr Kleid war lang genug, um ihre zwei linken Füße zu verbergen.

Es dauerte nicht lange, da bemerkte sie, dass über sie geredet wurde und sie spürte die neugierigen, manchmal begehrlichen Blicke der Männer und die neidischen der Frauen auf sich und begann sich unwohl zu fühlen.

Sie kannte die Reaktionen der Männer auf ihre Erscheinung und hasste sie. Nicht umsonst hatte sie sich die letzten Jahre in ungünstige Kleider gehüllt und sich hässlicher gemacht, als sie war.

Es war kein gutes Gefühl, wie ein Stück Fleisch betrachtet oder grundlos für sein Aussehen gehasst zu werden.

„Wir können gerne einen Spaziergang machen, wenn du dich hier unwohl fühlst", schlug Sarnir vor.

Doch ihr Misstrauen reichte inzwischen so weit, dass sie selbst diesem freundschaftlichen Angebot nicht traute und so schüttelte sie den Kopf und ging mit ihren Bechern zu den Tischen, um sich etwas Wein nachzuschenken.

Vielleicht würde der ihr dabei helfen, ihre Angespanntheit loszuwerden.

„Wie ein Wolf im Schafspelz", bemerkte da eine altbekannte, nasale Stimme und Nîthiel trat neben sie, um sich etwas von dem Schinken abzuschneiden. „Aber glaube nicht, dass ich so blind bin wie sie. Irgendwann wirst du im Gefängnis schmoren, der Platz, an dem Leute wie du landen, wenn die Götter gerecht sind."

Oxana behielt die Beherrschung.

„Wo ist denn dein nettes Collier, dieses Verlobungsgeschenk?", gab sie im Plauderton zurück.

Denn ihr war aufgefallen, dass der Stein, den die Elbe verloren und der danach von Legolas gefunden und in Verwahrung gehalten worden war, noch nicht wieder an seinem alten Platz an Nîthiels Hals zurückgekehrt war.

„Ich brauche keinen solchen Klunker um meine Schönheit zu betonen", antwortete die Elbe und warf ihr seidiges, schwarzes Haar mit einer schwungvollen Kopfbewegung hinter ihre schmalen, freigelegten Schultern.

Ihr Hals und ihre bloßen Schultern glänzten, als läge silberner Staub darauf. Vermutlich irgendeine elbische Tinktur, welche die Haut zum Schimmern brachte.

Für einen Moment schweifte Oxana im Gedanken ab, denn sie hatte das Gefühl, sich Angesichts der glitzernden Partikel an etwas erinnern zu müssen.

Ein Wald....Feen....

Ach, Unsinn.

„Und wie schmeckt der Schinken?", fragte sie.

In Nîthiels Augen blitzte es spöttisch auf. „Sehr gut. Weich und würzig, wie ich ihn haben wollte. Du siehst, meine Rezepte gelingen immer."

Dann beugte sie sich etwas nach vor, sah ihr in die Augen und flüsterte: „Ich verspreche dir, ich werde dafür sorgen, dass du deiner gerechten Strafe zugeführt wirst, Mörderin!"

Oxanas Hand krampfte sich um ihren Becher. Sie war noch nie so nahe dran, echte Begeisterung für ihr altes Handwerk zu entwickeln.

Sie lächelte krampfhaft, ersparte sich ein Kommentar, das ohnehin zu nichts geführt hatte und ging zu Sarnir zurück.

In der Festhalle wurde es zunehmend stiller und bald hörte man, wenn eine Pause zwischen den Liedern eingelegt wurde, das Knacken des Feuers im riesigen Kamin. Die Diener zündeten nun alle Kerzen an.

Die Gäste saßen auf Sesseln, Bänken und Diwanen, rauchten und tranken und unterhielten sich leise.

Oxana reichte Obhart seinen fünften Becher Wein. Sarnir, neben ihr an der Tafel sitzend, grinste und prostete den Schiffführer zu.

Aragorn stand in der Nähe, sich mit einer dunkelhaarigen Schönheit in einem rotgoldenen Kleid unterhaltend und warf, wenn er sich unbeobachtet fühlte, immer wieder scheu- schuldbewusste Blicke zu Oxana hin.

Diese musste bald schon vor Schadenfreude grinsen.

Er hatte ein schlechtes Gewissen.

Ausgezeichnet.

Da erhob sich plötzlich Théoden und forderte Nîthiel auf, ihnen ein Lied zu singen, denn ihre Stimme war angeblich eine der schönsten unter den Elben- etwas, das Oxana als glatte Lüge hinnahm.

Nîthiel schien diesen Wunsch mit Freude zu erfüllen, sie nahm ein goldene Laute und setzte sich auf einen Stuhl vor dem Kamin.

Alle Aufmerksamkeit richtete sich auf sie, Gespräche wurden eingestellt, als sie die ersten Töne anschlug.

Dann begann sie zu singen.

Bisher hatte Oxana Rawens' Stimme für die schönste gehalten, die sie bisher gehört hatte. Sie hatte sich geirrt. Nîthiel war um Welten besser.

Ihr Lied war traurig, klagend, mitreißend, bewegend.

Einen jeden Ton traf sie sicher, schmückte die Melodie mit großer Kunstfertigkeit aus. Ihre Stimme hob- und senkte sich in fließenden Übergängen, die Worte verschlangen sich ineinander, verschmolzen zu einem vollendeten Werk.

Ir lîn i rhoa lîn band în

ir i faeg rhoa mad

ir morn gwaith or edonna-gen

ir dreg pain moeth ar gling

ir cen mellyn edonna-telec

ir heiru at narcha-tuir

ir i daedelos lîn în tuir

coelia-nin ech at nin cûn în [1]

Zuletzt gab es kaum eine Person im Raum, die nicht zutiefst gerührt oder aufgewühlt war. Viele hatten Tränen in den Augen.

Nîthiel lächelte milde, senkte dankend den Kopf, als ihre Darbietung mit tosenden Applaus belohnt wurde und begab sich wieder auf ihren Platz an Legolas' Seite.

Oxana beobachtete sein Gesicht.

Seine Augen glänzten, auch ihn hatte das Lied zutiefst berührt.

Er sagte ein paar leise Worte zu ihr, als sich die Prinzessin neben ihm auf den Diwan setzte.

Nîthiel sah kurz wie zufällig in Oxanas Richtung. „Das mach erst Mal nach, Menschlein", schien ihr Blick zu sagen.

Ihre Hände ballten sich zu Fäusten.

Théoden lobte Nîthiel, sah sich unter den Anwesenden um.

„Ich glaube, Obhart möchte noch etwas vortragen!", rief da Sarnir laut und jeder sah überrascht zu ihnen hin.

Glaubte da etwa jemand, diese unübertreffliche Vorstellung von eben überbieten zu können?

„Ich bin betrunken, aber nicht SO betrunken!", rief Obhart und hob abwehrend die Hände, worauf er einige Lacher im Publikum erntete. „Aber ich habe einen besseren Vorschlag- lasst Oxana singen!"

Oxanas Wangen röteten sich leicht. „Nein nein, schon gut, ich bin eine schreckliche Sängerin", stammelte sie.

Doch Obharts Vorschlag traf auf Zustimmung unter den Anwesenden, man begann Oxana mit lauten Rufen und Klatschen zu einem Auftritt zu motivieren.

Ihre Ohren begannen zu glühen, ihr Herz schneller zu schlagen. Ihre angeschliffenen Nägel bohrten sich knirschend in die hölzernen Armlehnen ihres Sessels. Wie sie es hasste, im Mittelpunkt zu stehen.

„Ach komm schon, ein Lied! So schlimm kann deine Stimme schon nicht sein!", munterte Sarnir sie auf. „Zier dich nicht so!", grinste Obhart böse.

„Nein". Sie schüttelte den Kopf.

Als sie gesagt hatte, sie sei eine schreckliche Sängerin, hatte sie das auch so gemeint. Sie war furchtbar. Ihr Gesangsstimme erinnerte in tiefen Lagen an eine sterbende Kuh, in hohen Lagen klang sie wie ein gequälter Hund.

Und das ohne Übertreibung.

Sie lächelte verkrampft, schüttelte energisch den Kopf.

„Nur über meine Leiche."

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Wieviele hatte sie geschätzt dass es waren? Fünfzig? Unsinn, es mussten mindestens doppelt so viele sein.

Und alle sahen sie sie an.

Erwarteten sich eine großartige Vorstellung von dieser schönen Fremden, auf die alle schon neugierig waren. Wenn man gut aussah musste man ja auch gut singen können.

Käseweiß blickte sie auf die Laute in ihren Händen. Ihre Knie waren weich. Ihre Hände kalt und steif. Ihr Magen verkrampft. Wäre sie nicht bereits gesessen, sie wäre umgefallen.

Hundert Menschen. Zweihundert Augen. Mindestens Hundert Zeigefinger, die auf sie gerichtet sein würden, wenn sie sie auslachten.

Théoden reichte ihr einen Becher mit Wein. „Das lockert die Stimmbänder", lächelte er aufmunternd. Gierig leerte sie den kräftigen Rotwein. Gut. Endlich begann der Alkohol zu wirken- sie spürte, wie ihr wärmer wurde, ihre Finger und Beine sich etwas entspannten.

Sie schlug den ersten Laut an und sah wieder in die Menge.

„Nur keine Scheu!", rief jemand.

Sie schlug wieder einen Ton an. Sie hatte nicht die geringste Ahnung, wie mit dem Ding in ihrer Hand umzugehen war. Vielleicht zupfen. Sie zupfte vorsichtig, freute sich über einen sauberen Laut, fand einen weiteren Ton, der ihr gut gefiel.

Der Wein machte sie zuversichtlicher, sie war wohl die einzige im Raum, die das Leiden des gequälten Instrumentes nicht hörte.

Ein Lied, ein Lied! Sie kramte in ihrem Gedächtnis.

Zum letzten Mal hatte sie als Kind gesungen, in Edoras.Sie erhob ihre Stimme, sang stockend die erste Strophe:

*Ich ging allein an einem See entlang

Und träumte vor mich her

Da fing es stark zu stürmen an

Ich ängstigte mich sehr....*

Hier legte sie eine Pause ein, überlegte, wie es weiterging. Im Publikum räusperte sich jemand. Sie hörte es nicht, zu konzentriert war sie auf ihren Auftritt. Sie würde es Nîthiel zeigen!

Laut sang sie weiter:

*Ich flüchtete zu einem Haus

Und nahm mir einen Sitz

Sah angsterfüllt zum Fenster raus

Da traf mich der Blitz*

Und nun kam der Refrain. Sie fand einen dritten Ton, schlug ihn kräftig an und grölte:

*Au! Einmal, zweimal , dreimal

Tat es einen Krach

Au! Einmal , zweimal, dreimal

Schlug der Blitz ins Dach

Am Ende hörte der Regen auf

Und ich lebte noch

Und ich zog mich schwach hinaus

Und schleppte mich zu einem Loch

Da hört ich es leise grollen

Und ich hob langsam das Gesicht

Ich hät' es besser lassen sollen

Denn schon sah ich ein helles Licht...

Au! Einmal, zweimal , dreimal

Tat es einen Krach

Au! Einmal , zweimal, dreimal

Schlug der Blitz ins Dach*

Sie ließ ihre Laute sinken, schnappte nach Luft. Das war alles, woran sie sich noch erinnern konnte.

Gespannt sah sie in die Menge.

Schweigen.

Ein paar Leute räusperten sich verlegen, sahen weg, als sie ihnen in die Augen zu blicken versuchte.

„Ähm....ein sehr...ungewöhnliches Lied", murmelte Théoden und grinste.

„UNPASSEND würde es eher treffen!", rief da eine Stimme aus dem Publikum. Verhaltenes Lachen. Breites Grinsen in den Gesichtern der Menschen. Es war Nîthiel gewesen, die gesprochen hatte, wer sonst?

„Oh, seht, die Gläser sind zersprungen!", rief da eine andere Frau. Und nun begann es wirklich weh zu tun, denn manche begannen ungehemmt loszuprusten. Selbst Sarnir grinste.

Das laute Gelächter ließ die Wirkung des Weines zunichte werden. Sie blinzelte, kam sich vor, als wäre sie soeben aus einem Traum erwacht.

Hatte sie soeben das Blitzlied gesungen, vor all diesen Leuten?! Oder war es nur ein böser Alptraum gewesen?

Nein.

Es war Wirklichkeit. Sie war soeben zur großen Lachnummer des Abends geworden. Sie Leute bogen sich auf ihren Bänken, lachten brüllend. Legolas schmunzelte. Sarnir hielt die Hand verdächtig vor den Mund. Nîthiel grinste abgrundtief böse. Aragorn senkte schnell schuldbewusst den Blick, doch sie sah die Lachtränen in seinen Augen.

Sie stand auf, legte die Laute beiseite und ging steif zum nahen Hinterausgang, der auf den Übungsplatz hinausführte.

Die letzten Schritte lief sie bereits.

Draußen standen Wachen, grinsten sie verhalten an. Sie lief an ihnen vorbei, riss eine der Fackeln aus dem Boden, überquerte damit den Hof, rannte durch den Torbogen nach draußen in die künstlichen Wälder, die das Haus umgaben.

Erst als die beleuchteten Fenster des Elbenhauses klein geworden und die Musik, die inzwischen wieder eingesetzt hatte, kaum mehr zu hören war , blieb sie stehen, rammte die Fackel in den Boden.

Dann riss sie den Efeu und die Spangen aus ihrem Haar und schleuderte sie mit einem frustrierten Schrei gegen den Stamm einer mächtigen Eiche.

Wütend streifte sie auch das Armband vom Handgelenk, warf es hinterher, rammte ihre Faust in die raue Rinde des Baumes.

Das Kleid wagte sie nicht zu zerreißen, auch wenn ihr danach war.

Stattdessen schlüpfte sie aus ihren Schuhen, warf sie im hohen Bogen in die Dunkelheit. All dieser Zierrat war doch bloß Verkleidung- ein Schafspelz, so wie Nîthiel gesagt hatte. Ja, die Elbe hatte Recht gehabt. Sie passte nicht hierher, nicht zu diesen Menschen. All dieser Prunk, dieser Reichtum....das war nicht sie.

„Du hast da etwas fallen lassen", sagte eine Stimme.

Sie stieß einen schrillen, erschrockenen Schrei aus, wirbelte herum, sprang gleichzeitig zurück.

„LEGOLAS!", rief sie mit erhobenen Fäusten, „tu das nie wieder! Schleich dich nie von hinten an mich heran, hörst du?? NIE!!"

Der Elb grinste.

„Warum bist du mir nachgegangen? Solltest du nicht bei den anderen sitzen und dich über mich zu Tode lachen? Oder willst du dich hier draußen über mich lustig machen??", fragte sie gereizt. Er schüttelte den Kopf. „Ich finde, ich bin es dir schuldig. Sarnir hat mit mir gesprochen. Er hat mir erklärt, was zwischen euch vorgefallen ist."

„Gar nichts".

Legolas senkte schuldbewusst den Kopf. „Es tut mir leid, dass ich an dir gezweifelt habe."

Sie zuckte mit den Schultern. „Was macht es schon? Ich bin es gewohnt, dass man mir nicht traut. Bloß von dir hätte ich mir mehr erwartet. Aber ich habe mich wohl in dir getäuscht. Ich sollte dir wohl nicht böse sein- ein Schwur, den man einer Blutjägerin leistet, ist wohl kein richtiger Schwur in deinen Augen."

Er legte den Kopf schräg. Dann konnte man regelrecht sehen, wie es ihm endlich dämmerte. „Oh nein....", murmelte er bestürzt. „Oh nein oh nein......ich bitte dich, vergib mir! Aber ein betrunkener Aragorn ist das Unausstehlichste, dass es auf Arda gibt! Verzeih .... aber ich wollte bloß deine Ehre verteidigen!"

„Indem du ein Versprechen brichst?"Sie zog eine Braue hoch.

„Ich weiß, es ist keine Rechtfertigung, und ich hätte es nicht tun sollen..."- „Schon gut", unterbrach sie ihn müde, denn es war ihr unangenehm, dass Legolas ein so schlechtes Gewissen hatte.

Er sah wirklich bemitleidenswert aus und schien die Sache sehr zu bereuen.

Sie lächelte schief. „Wenigstens hat er jetzt ein wunderbar schlechtes Gewissen und wird sich in Zukunft wohl meinen Namen merken."

Sie spürte regelrecht, wie ihm ein großer Stein vom Herzen fiel. Eine Weile standen sie einander in betretenem Schweigen gegenüber. „Nun, da ja jetzt alles geklärt ist, kannst du ja wieder mit erleichtertem Gewissen zu Deinesgleichen zurückkehren und ihnen helfen, ein paar Anekdoten über mich zu dichten", bemerkte Oxana spöttisch.

„Du solltest es mit Humor nehmen", lächelte er aufmunternd.

„Mit HUMOR?!". Sie lachte schrill. „Ich habe mich soeben bis auf die Knochen blamiert! Mich absolut lächerlich gemacht!"

Legolas zuckte mit den Schultern. „Wenigstens hast du sie wieder zum Lachen gebracht, nachdem Nîthiel unsere Tränendrüsen so belastet hat".

Oxana zog eine Braue hoch. „Du willst dich über mich lustig machen", stellte sie fest.

Er schüttelte den Kopf. „Nein. Nîthiel hatte schon immer einen Hang zum Dramatischen. Sie neigt dazu, sich die Dinge zu sehr zu Herzen zu nehmen."

„Aber nein, Nîthiel doch nicht... », Oxana verzog satirisch den Mund.

„Das Lied war ihre Art, das Vorgefallene zu verarbeiten."

„Die Entführung", vermutete Oxana.

„Nein."

„Sondern?"

„Die Trennung."

„Von den Entführern?"

Sie blinzelte dumpf, fragte sich, warum Legolas' Mundwinkel zuckten.

„Was? Wieso lachst du?"Sie war schon wieder nahe dran, wütend zu werden.

Bevor es dazu kommen konnte, hob Legolas eilig die Hand, hielt ihr die beiden grün funkelnden Haarspangen vors Gesicht. „Die gehören doch dir, oder?". Sie deutete ein Nicken an. „Ja, aber sie sind bloß geliehen. Du kannst sie behalten. Gib sie Nîthiel oder Obhart....dieses ganze Schmuckzeugs passt nicht zu mir."

„Dann nimm wenigstens das Armband zurück", schlug Legolas vor. Sie schüttelte den Kopf. „Nein! Was soll das?! Was.....?"- Sie brach ab, als er sie and den Schulter nahm und sie sanft umdrehte.

Dann spürte sie plötzlich seine Finger an ihrem Nacken und etwas Geschmeidiges, Warmes legte sich um ihren Hals.

Ihre Hände griffen reflexartig nach dem metallenen Etwas, für eine Sekunde glaubte sie wirklich, er wolle sie erwürgen. Es würde ihr wohl nie ganz gelingen, diese seltsamen Angewohnheiten abzustreifen.

Er hatte ihr eine Kette umgehängt.

Entsetzt sah sie auf den in Silber eingefassten grünen Stein hinab.

Das Collier. NÎTHIELS Verlobungscollier.

„Was soll das werden?!", krächzte sie und versuchte automatisch, das Ding wieder abzustreifen.

Legolas sah ihr dabei zu, ein amüsiertes Glitzern in den Augen.

Teufel noch eins, das Stück war ungeheuer stabil, dafür, dass es so zart und zerbrechlich aussah!

„Ich finde, DAS passt zu dir", meinte Legolas.

„Sag, hast du getrunken?! Ist das ein Scherz? Warum hängst du mir Nîthiels Geschmeide um? Soll das irgendeine nähere Bedeutung haben? Ist das Ding verflucht? Mit einem Zauber belegt? Oder ist es...."- „Ein Geschenk", schlug Legolas vor.

„Warum?"

„Darf man einer schönen Frau kein Geschenk machen?"

Misstrauisch kniff sie die Augen zusammen. „Es ist eine Art von Markierung, nicht wahr? Damit mich irgendjemand erkennt....was heckst du aus? Willst du..."

Sie stockte.

Hatte er sie soeben SCHÖN genannt?!

Moment....was hatte er vorhin über Nîthiel gesagt? Ihre Augen wurden groß, sie drehte sich langsam um. Tief Luft holend fragte sie:

„IHR HABT EUCH GETRENNT?!"

„Eine halbe Minute", grinste Legolas, „du brauchtest eine halbe Minute, um es zu begreifen."

„Ihr habt euch getrennt", wiederholte Oxana und war hin- und her gerissen zwischen einem Gefühl des Triumphes, der Schadenfreude und einer tiefgehenden Verwirrung. Damit hatte sie nicht gerechnet. „Warum?", war das einzige, was ihr über die Lippen kommen wollte.

Ihre Augen klebten an seinen Lippen.

„Es hat sich viel...verändert zwischen uns", begann Legolas, mit nervtötender Gemächlichkeit. „Dinge sind geschehen, mit denen wir nicht gerechnet haben. Ich habe lange darüber nachgedacht und kam zu dem Schluss, dass..."- er brach ab.

„WAS?!". Ihre Stimme überschlug sich beinahe vor Unbeherrschtheit. Sie räusperte sich, peinlich berührt. „Zu welchem Schluss bist du gekommen?", fragte sie, sich zwingend, ruhig zu bleiben.

Legolas schien zu überlegen, sah über ihre Schulter zum Haus zurück. „Das sage ich dir, wenn du mir einen Tanz schenkst. Denn leider hatte ich heute Abend noch nicht die Ehre, und ich will die einmalige Gelegenheit, ein wenig mit dir anzugeben, nicht ungenützt verstreichen lassen."

Sie stimmte zähneknirschend zu, ergriff nach kurzem Zögern seine Hand. „Erpresser. Aber danach bekomme ich eine Antwort!"

Er legte die Hand aufs Herz. „Ich gelobe es!".

Schließlich standen sie gemeinsam vor dem Tor, durch das sie vorhin geflüchtet war. „Ich habe keine Schuhe", stellte sie fest, „ich kann nicht tanzen."Es klang nicht besonders bedauernd.

„Kümmere dich nicht darum, keiner wird auf deine Füße achten", schmunzelte Legolas vielsagend.

Und dann traten sie ein.

Es war erstaunlich, wie schnell sich aufmerksame Ruhe über den Saal breitete, als sie, gefolgt von einem kühlen Luftzug, eintraten.

Alle Augen richteten sich auf das seltsame Pärchen- der strahlende Prinz und die zerzauste Rothaarige an seiner Seite.

Oxana wurde wieder nervös, versuchte, einfach nur geradeaus durch die Menschen zu starren, als sie sich der Tanzfläche näherten. Nervös leckte sie über ihre Lippen. Beruhigend legte Legolas seine zweite Hand auf die ihre, die sich, ohne dass sie es gemerkt hatte, krampfhaft in seinen Arm gekrallt hatte.

Es wirkte- sie wurde ruhiger, ihr Herzschlag beruhigte sich ein wenig.

Und erst als die Musik einsetzt, und sie die ersten, vorsichtigen Tanzschritte, gefolgt von unzähligen Augenpaaren, wagten, wurde ihr klar, welches Risiko der Prinz da gerade einging.

„Wie hältst du es bloß aus ständig im Licht der Öffentlichkeit zu stehen?", krächzte sie. „Ich hatte einige Jahre Zeit, mich daran zu gewöhnen", gab der Prinz scherzhaft zurück. „Entspann dich. Konzentriere dich auf die Musik. Schließ am besten die Augen", schlug er vor. Die Augen schließen?? Damit sie bei der nächsten Gelegenheit, die sich bot, auf die Nase fiel??

„Sie werden reden", flüsterte Oxana, drehte sich und stellte erleichtert fest, dass es ohne Schuhe um vieles leichter war, sich elegant zu bewegen.

„Das werden sie", bestätigte Legolas, grinsend und zog sie nahe an sich heran, „sie werden sich die Münder über uns zerreißen, und bald wird ganz Gondor hiervon wissen."Und nach Gondor wahrscheinlich Rohan und im schlimmsten Falle ein ganzer gewisser Wald voller neugieriger Grauelben, fügte Oxana im Gedanken hinzu.

Sie stieg ihm auf die Füße, murmelte eine Entschuldigung. „Lass mich führen", flüsterte er. Sie ignorierte seine Worte, folgte steif seinen Bewegungen. „Sie werden glauben, dass wir ein Paar....ein Liebespaar sind!"

„Eine entsetzliche Vorstellung!", stimmte Legolas ernsthaft zu. Seine Augen funkelten spitzbübisch. „Entspann dich!", wiederholte er und zog sich näher an sich heran.

Dann flüsterte er an ihr Ohr: „Ich werde dich führen, und alles wird gut sein. Boro nin! [Vertraue mir]!"

Vertrauen......

Sie wusste nicht, ob sie zu so etwas noch fähig war. Hatte sie die Bedeutung dieses Wortes nicht schon längst vergessen?

Vertrauen bedeutete für sie, ihr Schicksal blindlings in die Hände eines anderen zu legen.

War er es wert?

Sie atmete tief durch. Es war ein Risiko. Aber es wäre nicht das erste, das sie in ihrem Leben einging.

Und schließlich ließ sie sich fallen.

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Mit der Zeit waren andere Paare auf die Tanzfläche getreten, und bald schon war die Fläche so gedrängt voll, dass es unmöglich wurde, sich frei zu bewegen.

An dieser Stelle teilte Oxana dem Prinzen mit, dass ihre Füße bald zu Brei getreten sein würden, und dass sie wünschte, das Parkett zu verlassen.

„Darüberhinaus schuldest du mir noch eine Erklärung", erinnert sie, denn sie hatte sein Versprechen nicht vergessen.

Und so gingen sie die Treppe hinauf, auf der Suche nach einem ruhigern Ort, an dem sie vor allem unbeobachtet sein würden. Sie gelangten auf einen kleinen, gemauerten Balkon, der in die Richtung wies, in der die Stadt lag. Das Licht der Sterne und des abnehmenden Mondes war das einzige, dass Oxana die Umrisse des Prinzen in der kalten Dunkelheit wahrnehmen ließ.

„Und? Ich warte!", drängte sie und setzte sich auf die hüfthohe steinerne Balustrade. Frierend schlang sie die Arme um ihren Oberkörper und ärgerte sich, dass sie die Gesichtszüge des Prinzen nicht genau erkennen konnte.

Dieser schien gerade die Sterne zu betrachten. „In alten Tagen...", setzte er an, doch sie fuhr im ungeduldig dazwischen: „Was in alten Tagen war interessiert mich nicht! Und ich will auch keine Geschichte von Sternen und Göttern hören! Ich will bloß eine Antwort- Warum hast du dich von ihr getrennt?"

Wie sie es satt hatte, immer bloß zu reden und zu reden und nie zum Punkt zu kommen. Ihm mochte so etwas gefallen- aber ihr schien das Leben zu kurz, als um es mit schönen Worten und langen Reden auszufüllen.

Legolas seufzte. „Du machst es einem nicht leicht, dich zu lieben. Und trotzdem kann ich nicht damit aufhören."

Einen Herzschlag lang war es totenstill auf dem Balkon.

Draußen in der Nacht heulte irgendwo ein Wolf.

Von unten drangen die gedämpften Geräusche des Festes zu ihnen.

Oxana starrte das Profil des Prinzen an. Das WAR eine direkte Antwort gewesen. Wie reagierte man auf so etwas? Davonlaufen...ja, davonlaufen, das hätte zu ihr gepasst. Oder sich nach hinten kippen lassen und hoffen, dass sie einen Sturz aus dieser Höhe überlebte....

In ihrem Bauch kribbelte etwas....als krabbelten Tausende winzige Käfer in ihrem Magen herum. Ein furchtbares, zugleich erhebendes Gefühl.

Das war doch lächerlich, so etwas geschah in diesen verbotenen Liebesromanen, die sie früher gelesen hatte, aber nicht in der wirklichen Welt- und schon gar nicht IHR!

„Aber....WARUM?", krächzte sie.

Er drehte ihr endlich sein Gesicht zu, sie brauchte sein Lächeln nicht zu sehen, um zu wissen, dass es da war. „Ich weiß nicht. Vermutlich habe ich einen Vorliebe für Lebensgefahren", antwortete er scherzhaft. Aber in seiner Stimme klang ein Ernst mit, der sie schaudern ließ. Er MEINTE, was er sagte.

Plötzlich hob er seine Hand, strich ihr Haar sachte zurück. „Sag mir, was du denkst."

Sie überlegte eine Sekunde. Dann nahm sie seine Hand, hob sie an ihre Wange und lächelte sanft.

„Ich denke, dass nun nicht der richtige Moment für Worte ist."

******** *************************************************************** [1] Übersetzung:

Wenn der Körper dein Gefängnis ist,

wenn der Hass die Seele frisst,

wenn schwarze Schatten über dich ziehn,

wenn alle Gedanken und Gefühle fliehn,

wenn Freunde dir den Rücken kehren,

wenn Winden an den Kräften zehren,

wenn die Angst dein Herrscher ist,

glaub mir,dass du bei mir geborgen bist.

(einen schönen Dank an Annelena Whittus!)

************* ********************************************** N a c h w o r t :

Sorry, aber ich finde das ist lang genug. Lasst bis zum nächsten Mal eure Fantasie spielen ;) Die klassische „Leggi-geht-mit-Frau-auf-Ball"-Szene fand ich irgendwie passend, gerade WEIL es so klassisch ist! (...gut, ich vermute das hat jetzt keiner richtig verstanden. Conna, du verwirrst die Leute nur. Behalt deine Flausen für dich und schreib einfach nur) Gut..... Mann, bin ich gemein. Ich bin ja so was von fies. ( * an meinem kleinen Finger nage* ) Ich glaube, das nächste Kap wird euch ...ganz gut gefallen.................................... ........................................................hihi................ ................................................

So und jetzt her mir eurer Kritik! Weil bei über 8000 wörtern (connatica , du hast dich wieder mal selbst übertroffen – ja, danke, ich weiß) und diesem absolut hirnrissigen, selbstgebastelten Reim (Blitzlied) MÜESST ihre einfach euren Senf dazugeben. * gg*