Kapitel 32
Von den Waffen der Frauen
V o r w o r t :
So, das Schlimmste ist zwar noch nicht geschafft, aber ich kann einfach nicht aufhören zu schreiben!!
Sabrini : Danke für deine Ungeduld gg!
all : ich hoffe, ihr seid noch alle da! Ich weiß es nervt, so lange auf kaps warten zu müssen! Und ich hoffe auch, die Geschichte gefällt euch nach wie vor und ihr seid noch nicht ausgestiegen!
Nun saß er hier, nachdem sie ihn, zwar nicht ganz mühelos, aber doch erstaunlich schnell gefangen genommen und gefesselt hatten.
Wie hatte das nur passieren können?
Warum hatten seine elbischen Sinne, die ihn doch in den Jahrhunderten davor noch nie im Stich gelassen hatten, diesmal versagt?
Nun ja, wenigstens auf diese eine Frage kannte er die Antwort.
Oxana.
Sie hatte ihm letzte Nacht alle Kraft aus dem Körper gesaugt und ihn schwach und verwundbar gemacht. Seine ganze Aufmerksamkeit hatte ihr gegolten, jeder einzelne seiner Sinne war auf sie ausgerichtet gewesen- und er bereute keine einzige Sekunde, in der er die Welt um sich herum vergessen hatte.
Noch nie hatte er sich erlaubt, sich einer Frau körperlich so hinzugeben, nie zuvor war sein Verlangen so groß, so unstillbar gewesen.
Ob sie wusste, was sie bei ihm angerichtet hatte?
Ob sie auch nur erahnte, welche Ausmaße seine Liebe zu ihr anzunehmen begann, wo er es nicht einmal selbst so recht verstand? Eine Sterbliche! Nie, selbst in seinen kühnsten Träumen nicht, hatte er geglaubt, dass er sein Herz an eine Zweitgeborene verlieren würde!
„Was hat sie, was andere nicht haben?", würde sein Vater ihn fragen.
Und er würde ihm keine zufrieden stellende Antwort geben können.
Sie war schön, ja, in mancher Hinsicht fast elbengleich und dennoch gab es unter seinem Volk, wenigstens in den Augen anderer, weit schönere Frauen. Genauso verhielt es sich mit ihrer Intelligenz- Wissen, das Frauen seines Volkes über Jahrhunderte erworben hatten, KONNTE Oxana gar nicht aufholen, selbst wenn sie alles daran setzte. Stattdessen besaß sie aber etwas anderes, weit Wichtigeres- ein kluges Herz. Auch wenn sie es selbst nicht wahrhaben wollte.
Er ahnte, dass er nicht mehr von ihr loskommen würde. Nicht nach dieser Nacht.
Er lächelte ironisch.
Auf eine gewisse Weise war sie ihm also doch noch zum Verhängnis geworden...
Hatte er nicht immer nach einer ebenbürtigen Partnerin gesucht? Eine Frau von großer Schönheit und ebenso großer Klugheit, die großmütig und sanft und verständnisvoll war? Und vor allem- eine Elbe!
Das einzige an Oxana, in dem sich keine Elbe mit ihr messen konnte, war ihr Temperament, das heller brannte als er es je bei einem Wesen zuvor erlebt hatte.
Er würde sie in das Waldlandreich mitnehmen. Um keinen Preis würde er sie wieder gehen lassen, nicht für alle Schätze dieser Welt würde er auf sie verzichten.
Doch er wusste, dass es kein Leichtes sein würde, Oxana dazu zu bringen, freiwillig mit ihm zu gehen. Sie mochte den Adel und seine Paläste nicht und Elben (mit Ausnahme weniger) waren ihr nach wie vor nicht ganz geheuer. Sie hatte Angst vor ihren Gefühlen, zeigte sie nur ungern.
Würde er sie darum bitten, ihn zu begleiten und ein Leben mit ihm unter den Seinen zu führen, würde sie ihn vermutlich auslachen.
Einen Moment lang erwog er ernsthaft, sie bewusstlos zu schlagen und gefesselt über den Rücken seines Pferdes zu werfen, um sie so in seine Heimat zu bringen. Seinen Vater würden die Augen übergehen, Oxana würde ihn vermutlich bei nächster Gelegenheit zur Strafe um ein paar Gliedmaßen erleichtern......er grinste.
Er machte sich eindeutig zu viele Gedanken, dafür, dass er momentan in Lebensgefahr schwebte....
Und dieser Gedanke schleuderte ihn wieder in die Wirklichkeit zurück.
Wieder zerrte er an den Fesseln, mit denen ihm Hände und Füße gebunden waren und erneut erwiesen sich seine Befreiungsversuche als sinnlos- diese festen Schnüre waren ohne Zweifel Elbenwerk. Diese Blutjäger waren nicht nur gute Kämpfer, sondern verwendeten offenbar nur die feinsten Werkzeuge für ihre Vorhaben.
Besonders diese eine Elbe war ihm sofort ins Auge gestochen, und das nicht nur, weil sie es gewesen war, die ihn letzten Endes überwältigt hatte.
Er musste sich eingestehen, dass seine Kampfkünste den ihren unterlegen waren.
Doch selbst wenn dem nicht so gewesen wäre, sie hätte ihn vermutlich dennoch besiegt- denn sie hatte mit einer Wut gekämpft, die er nicht verstand, und die ihre Kräfte wachsen ließ.
Es war nicht ihre Muskelstärke, die ihn schaudern ließ.
Es war der Hass, den sie gegen ihn hegte.
Legolas hatte gespürt, dass der Hass, der in ihren Smaragdaugen brannte, ihm galt, und zwar ihm alleine.
Aber wer war sie?
Sie war schön, goldblondes, gelocktes Haar, ein schmales Gesicht mit hohen Wangenknochen und vollen Lippen, eine edle Figur.
Äußerlichkeiten, die nicht viel mehr als ihre elbische Herkunft verrieten.
„Rawen....", murmelte er in das, in menschlichen Maßstäben, dunkle Zimmer, als hoffe er, der Klang ihres Namens würde verborgene Erinnerungen in ihm wecken.
Rawen- die Löwin.
Der Name passte zu ihr, ihrer geschmeidigen, katzenhaften Art, sich zu bewegen, ihren angespitzten Fingernägeln, ihren etwas schräg gestellten Augen.
War sie diejenige, die ihn tot sehen wollte, die hinter all dem stand?
Schritte wurden draußen laut, jemand blieb vor der Tür stehen.
Legolas straffte seine Haltung und empfing den Eintretenden in einer, so weit es möglich war, selbstbewussten, aufrechten Position.
Es war eine Elbe, doch nicht, wie er unbewusst erwartet hatte, diese Rawen.
Ihr glattes Haar floss wie ein silberner Bach ihre zierliche Figur hinab. Sie war blass, fast so blass wie die Wände des engen Zimmers und so zart, dass man Angst hatte, der nächste Windstoß könnte sie umwehen.
Das samtene, blutrote Kleid mit weiten Ärmeln und hoch aufgeschlossenem Kragen ließ sie noch unscheinbarer und blässer wirken.
Die Fremde sandte die beiden Wachen nach draußen, schloss die Tür hinter sich. Ihre Hände waren unglaublich zartgliedrig, sie trug einen schmalen Silberring mit einem wuchtigen, purpurnen Edelstein am kleinen Finger der linken Hand.
Um die Stirn war ihr ein feinsilberner Kranz geflochten, mit farblosen Edelsteinen und Efeublättern behangen.
Für eine Elbe war sie nicht außerordentlich groß und ihre Erscheinung war, trotz größter Mühe bei ihrer Kleiderwahl, nicht sonderlich beeindruckend.
Und trotzdem strahlte sie etwas Ehrfurchteinflößendes aus, das allen Elben eigen war, wenn sie ein gewisses Alter erreicht hatten. Diese Frau sah zwar keinen Tag älter als fünfundzwanzig aus, doch Legolas wusste augenblicklich, dass sie um einiges älter als er war.
Sie blieb in der Tür stehen, ihn ausdruckslos musternd.
Ihre Augen waren grau wie dichter Nebel an kalten Herbsttagen.
Schließlich meinte sie mit einer Stimme, die, passend zu ihrem Auftreten, dünn und klanglos war: „Seid gegrüßt, Prinz."
„Wer seid Ihr und warum trachtet Ihr mir nach dem Leben?", fragte Legolas scharf und ohne Umschweife.
Die Frau runzelte leicht verärgert ihre Stirn, dann lächelte sie verzeihend, als wäre sie nachsichtig mit einem Kind. „Ich verstehe Euren Ärger. Viele Dinge sind nicht so gelaufen, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Ich wollte Euch einen schnellen Tod gönnen. Ich konnte nicht damit rechnen, dass diese...unfähige Person....uns so lange Schwierigkeiten machen würde."– Sie seufzte bedauernd.
Er brauchte eine Sekunde um zu begreifen, wen sie meinte.
„Oxana? Wo ist sie? Was habt Ihr mit ihr getan?"Mit Mühe hielt er seine Stimme ruhig, zwang sich langsam zu sprechen.
Die Elbe machte eine wage Geste zum Fenster hin. „Sie ist bei ihren alten Kollegen und empfängt die Strafe, die ihr zusteht. Schade. Nach allem, was ich gehört habe, war sie eine fähige Söldnerin. Und..."– Sie lächelte wissend- „eine sehr schöne Frau. Es tut mir, wie gesagt, wirklich leid."
Legolas starrte sie lange an. Oxana würde nicht sterben. Soviel stand fest. Diese Frau starb nicht einfach.
„Sie ist trotzdem sterblich", flüsterte eine Stimme hinter seiner Stirn, „und selbst wenn dem nicht so wäre- sie ist verwundbar. Und dort draußen sind keine Freunde, die ihr helfen könnten, dafür aber fünfzig Feinde."
Von draußen erklang ein bedrohliches Knurren.
Sein Kopf ruckte zu dem verdunkelten Fenstern hin.
Wölfe? Hier, im Hof? Was, bei Eru, ging dort draußen vor?!
„Wer seid Ihr?", murmelte er tonlos und sah die Elbe fest an. „Und wofür habe ich, Eures Erachtens nach, den Tod verdient? Was habe ich Euch je getan?"
Sie fixierte ihn, ihre Augen verengten sich, ihr Blick wurde stechend wie der eines Habichts. Für eine Sekunde flammte reinster Hass in diesen bisher ruhigen Augen auf.
Dann entspannten sich ihre Gesichtszüge wieder.
„Mein Name ist Nimbrethil, ich bin die Herrin dieses Hauses. Ich werde Euch einen Prozess machen, wie es einem Fürsten unseres Volkes gebührt. Ich lasse Euch die Möglichkeit zuteil werden, Euch zu verteidigen. Doch was auch immer Ihr sagen werdet, Ihr werdet sterben. Ich habe lange auf diesen Tag gewartet. Noch vor Sonnenuntergang werdet Ihr für Eure Taten bezahlen."
Ihre Stimme war so gnadenlos und kalt, dass er plötzlich das Gefühl hatte, das Zimmer kühle um einige Grade ab. Er zweifelte nicht daran, dass sie die Worte ernst meinte.
„Warum?", fragte er bloß.
Sie sah ihn verwundert an. „Das wisst Ihr noch immer nicht? Nun gut....ich werde es Euch sagen."
Sie trat näher, fing seinen Blick.
Er versuchte, sein Gesicht abzuwenden, ihr nicht zu erlauben, seine Gedanken aus seinen Augen zu erahnen, doch es gelang ihm nicht.
Diese Augen....ja, er kannte sie. Doch woher....?
„Ihr erinnert Euch noch immer nicht", seufzte Nimbrethil plötzlich enttäuscht, ging wieder zur Tür zurück und legte die Hand auf die Klinke. „Aber was wundert es mich? Ich war bloß eine einfache Untergebene, einer der vielen dienstbaren Schatten im Leben der Reichen und Schönen."
Sie drehte sich der Tür zu. Bevor sie ging, sagte sie noch: „Ihr habt meinen Sohn getötet, Prinz. Und dafür sollt ihr zahlen. Blut für Blut, wie Ihr einst selbst sagtet. Alae, wir sehen uns später".
Blut für Blut...........
Und plötzlich fiel ihm alles wieder ein.
Der Mord an seinem Bruder.
Die Hinrichtung des vermeintlichen Mörders.
Und Nimbrethil. Endlich wusste er wieder, wer sie war.
Und das Schreckliche war, dass er ihren Hass nachvollziehen konnte.
Lange starrte er wie paralysiert auf die geschlossene Tür.
Dann rief er sich innerlich zurecht. Noch waren Aragorn, Obhart und all die anderen am Leben. Noch existierte ein, wenn auch winziger, Hoffnungsschimmer.
Er rückte unbeholfen zum vergangenen Fenster hin und versuchte einen Blick nach draußen zu erhaschen.
Alles was er erkennen konnte, bevor die Wachen ihn brutal wieder zurückstießen, war, dass sich eine Menge unter dem Torbogen neben den Stallungen versammelt hatte.
Dann, vielleicht fünf Minuten später, zerriss ein gellender Schrei die angespannte Ruhe, die auf dem Elbenhaus lag.
Er war nur kurz zu hören, dann brach er jäh ab.
Es war Oxanas Stimme.
Legolas erblasste.
In dem Moment, da sie das gierige Kläffen der beiden Wölfe vernahm, verpasste ihr Nervensystem ihrem Körper einen gehörigen Adrenalinschub. Noch nie in ihrem Leben war sie so schnell so weit gelaufen.
Der Wald wurde dichter und dunkler und das Knurren der beiden weißen Monster schien alles um sie herum auszufüllen, schien neben, hinter, ja, sogar vor ihr zu sein.
Es war nicht zu leugnen dass sie ein gewisses Maß an Panik verspürte.
Und als sie einen kurzen Blick über die Schulter zurückwarf, um zu sehen, wie nahe die beiden Tierchen in der Zwischenzeit wirklich waren, trug das auch nicht gerade dazu bei, diese Panik zu mindern.
Die beiden Gebilde aus messerscharfen Zähnen, gefährlichen Krallen und primitiver Kraft waren kaum mehr einen Steinwurf von ihr entfernt und dachten offenbar nicht daran, ihr Tempo zu drosseln.
„Schön", dachte Oxana in aller Hast, „Sarnir sagt, du bist eine Elbe. Legolas hält dich für eine Elbe. Und seit gestern beginnst du selbst die Möglichkeit in Betracht zu ziehen.... . Nimm an, du bist eine Elbe. Was können Elben?"
Ihre Gedanken drehten sich für eine Weile im Kreis. Blondes Haar, groß, schlank, überheblich, alt, schnell, guter Bogenschütze, scharfe Augen, gutes Gehör....
Bäume!!
Elben wohnten auf Bäumen!
Elben kletterten auf Bäume!
Beeindruckend, wie sie sich selbst in den verzwicktesten Lagen auf ihr Gehirn verlassen konnte!
Nun fehlte nur noch ein passender Baum.
Fichte, Fichte, Fichte, Tanne, Fichte, Tanne......EICHE!
Sie änderte die Richtung ein wenig, legte einen Zahn zu. Entschlossen steuerte sie auf die alte dicke Eiche zu.
Eins- zwei- drei- SPRUNG!
Sie schnellte vom Boden weg, griff nach dem untersten Ast und.....bekam ihn nicht zu fassen. Offenbar waren ihre Sprunggelenke doch nicht über Nacht zu denen einer Elbin mutiert.
Panisch grub sie ihre Finger in die raue Rinde des Stammes und versuchte so irgendwie Halt zu finden. Tatsächlich schaffte sie, indem sie den Stamm mit Armen und Beinen umschlang und sich notgedrungen nach oben hievte, etwa zwei Meter Abstand vom Boden zu gewinnen.
Verflucht, bei Legolas hatte das immer so einfach ausgesehen!!
Ein plötzliches hungriges Knurren ließ ungeahnte Kräfte in ihr erwachen und sie zog sich mühvoll und etwas weniger elegant als geplant nach oben, sodass sie unsicher, aber zumindest in größerer Höhe, auf einem Ast zu sitzen kam.
Die beiden Wölfe schnappten knurrend nach ihr, doch keiner erreichte sie.
Oxana atmete erleichtert auf.
Dann brach der Ast.
Sie brüllte vor Schreck, versuchte irgendwie, sich abzurollen, doch kam nicht mehr dazu, sich aufzurichten.
Einer der Wölfe nagelte sie mit seinen riesigen Pranke am Boden fest, sie spürte seinen stinkenden Atem in ihrem Nacken, hörte sein Knurren neben ihrem Ohr.
Dann begann das Vieh an ihr zu schnüffeln.
Musste das sein? Konnte er nicht einfach zubeißen und ihr einen schnellen Tod bereiten? Er musste doch wissen, wie sie roch...!
Plötzlich riss der Wolf ihr den Rucksack vom Rücken und begann ihn wie wild zu zerfetzen. Sein Kumpel schien hin- und hergerissen, wandte sich aber dann auch schließlich von Oxana ab und half dabei, den Rucksack sorgfältig zu zerlegen.
Oxana entfernte sich kriechend zu der Eiche und richtete sich hinter dem Stamm auf. Sie hätte laufen sollen, sich in Sicherheit bringen, aber ihre Neugierde hinderte sie daran.
Was war an ihrem Rucksack denn so Besonderes? Die Ziegenmilch? Vielleicht das Fleisch......oder......
Das KRAUT!
Wie auf Kommando zog in diesem Moment einer der Wölfe das getrocknete Bündel aus den Überresten ihres Gepäcks ( sie bemerkte nebenbei, dass sie einen ziemlichen Verschleiß an Rucksäcken hatte, das war nun schon der zweite in diesem Monat) und schnüffelte daran.
Gebannt beobachtete Oxana, was weiter geschah: Der Wolf leckte neugierig über Asonas geheimnisvolle Gewürzmischung.
Seine Augen wurden sonderbar dunkel.
Er hob den Schädel, hörte auf zu geifern und zu knurren und betrachtete stattdessen seinen Artgenossen auf eine Art die.....
„Also, wären das jetzt Menschen und keine Wölfe, würde ich sagen, er will was von dem anderen", dachte Oxana verdutzt.
Der zweite Wolf schien wohl das Gleiche zu denken, , denn er legte plötzlich die Ohren flach und stieß ein klägliches Jaulen aus. Rückwärts gehend entfernte er sich von seinem Kollegen.
Der aphrodisierte Wolf Nummer 1 gab darauf einen... gurrenden??.... Laut von sich, der absolut nichts mehr mit einer wilden, vor Hunger halb wahnsinnigen Bestie gemein hatte.
Wolf Nummer 2 ergriff panikartig die Flucht.
Sein Artgenosse setzte ihm hechelnd nach.
Oxana stand daneben und kratzte sich stutzig am Kopf.
Dann stürmte sie zu dem nassen Haufen aus Lederfetzen und sammelte eiligst alles von dem Kraut ein, was noch übrig war.
Ein solches Gras ließ sich gewiss hervorragend als Waffe einsetzen, dachte sie. Und, nun ja, es wäre sicher interessant, herauszufinden, welche Wirkung es auf Menschen hatte.
„Oder auf Elben", kicherte eine Stimme in ihrem Kopf.
„Reiß dich zusammen", murmelte sie verärgert zu sich selbst.
„In eurer Stadt wird der König von Rohan und ein Elbenfürst von Blutjägern gefangen gehalten! An einem Ort, an dem ihr eure Kinder schickt, von Menschen, denen ihr euren Nachwuchs anvertraut! Dieses Haus ist ein Schandfleck für Erech, und das schon seit Jahrhunderten! Man lehrt euren Kindern Hass und Gewalt, und ihr tut so, als ginge euch das alles nichts an! STEHT AUF UND WEHRT EUCH GEGEN SIE! GEMEINSAM KÖNNEN WIR ES SCHAFFEN!"
Es war nicht gerade ihre große Stärke, Aufstände anzuzetteln und große Reden zu schwingen.
Eigentlich hasste sie es ja, im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit zu stehen.
Aber diesmal fiel es ihr leicht.
Sie hatte sich wirklich ins Zeug gelegt für ihre Worte, sich sogar auf den Brunnen vor dem Gasthaus geschwungen, um für jeden gut sichtbar zu sein.
Trotzdem schien sie kaum jemand zu bemerken.
Die Leute trotteten an ihr vorbei und gingen weiter den Arbeiten nach, die in einer Kleinstadt am Nachmittag so anfielen.
Wenn jemand doch einmal stehen blieb und Oxanas bereits flehenden Reden lauschte, wurde er meist grob von den anderen Städtern weitergeschubst.
Sie spürte, dass die Menschen sie sehr wohl hörten, und dass viele ihr tief in ihren Herzen Recht gaben. Aber aus ihr unverständlichen Gründen brachte keiner den Mut auf, ihr Rede und Antwort zu stehen.
Man ignorierte sie einfach.
Und das war schlecht, denn ihre Zeit begann knapp zu werden.
Blutjäger waren nicht dafür bekannt, lange herumzufackeln. Wenn sie etwas unternahmen, dann noch vor Sonnenuntergang, ansonsten war es zu spät.
Noch einmal versuchte sie es: „Ich bitte euch, Bürger von Erech! Nein- ich FLEHE euch an! Wie könnt ihr es verantworten, dass Unschuldige sterben, wo ihr es verhindern könntet! Wie könnt ihr zulassen, dass die Verbrechen der Blutjäger an euren Kindern und Vorfahren ungesühnt bleiben?! Es wäre doch ein Leichtes für euch, diesem Schrecken ein Ende zu bereiten- wenn ihr nur zusammen helfen würdet!"
Und tatsächlich, ein Mann, der zwei Eimer zum Gasthaus hin schleppte, blieb stehen.
Er hörte ihre Worte sogar bis ans Ende an, bevor er rief: „Glaubst du, du wärst die Erste, die versucht, eine Revolte anzuzetteln?! Schon viele Narren haben es vor dir versucht! Und weißt du, wo sie jetzt sind?"Er ließ einen Eimer sinken und deutete zum Berg hin. „Sie liegen unter den Hügeln am Fuße des Berges! Also, tu dir ein Gutes und steig vom Brunnen Mädchen, sonst fällst du noch hinein!"
Baff starrte sie ihm nach, als er ihr gleichgültig den Rücken zuwandte und in der Schenke verschwand.
Diese unglaubliche Ignoranz, welche die Städter ihr gegenüber aufwiesen, raubte ihr schier die Sprache.
Dumpfe Wut brodelte in ihr.
Etwas musste geschehen ! Aber sie konnte unmöglich alleine in das Elbenhaus gehen und eine Befreiungsaktion auf eigene Faust starten.
Stattdessen konnte sie ja gleich eine Wandertour auf den Pfaden der Toten unternehmen!
Diese verdammte Hilflosigkeit!
Sie sprang zu Boden, ließ sich erschöpft vom vielen Schreien und dem langen Lauf, der hinter ihr lag, gegen den alten Brunnen sinken und barg das Gesicht in ihren Händen.
Sie weinte nicht, Tränen brachten sie jetzt auch nicht weiter. Aber sie war sehr nahe dran.
„Du brauchst Hilfe?"
Sie sah überrascht auf und erkannte Borgils Lausbubengesicht wieder.
Er blickte sie fragend an. „Ist der Elbenprinz in Gefahr?"
Sie nickte vorsichtig. „Ja. Ich würde ihm ja gerne helfen, aber alleine geht das nicht."
„Ich helfe dir!", bot Borgil beherzt an, „mein Papa hat ein altes Schwert und..."- „NEIN", unterbrach sie ihn derb.
Als sie sah, dass er zusammenzuckte, bekam sie ein schlechtes Gewissen.
Sie erinnerte sich daran zurück, wie Legolas mit dem Jungen gesprochen hatte und versuchte, so gut wie möglich, dessen Tonfall zu imitieren, als sie hastig hinzufügte: „Das ist zwar ganz lieb von dir, aber du bist noch nicht alt genug für so was. Und außerdem bräuchte ich viele Leute für das, was ich vorhabe."
Borgil setzte sich neben sie, achtete aber darauf, sie nicht zu berühren. Er schien immer noch etwas Angst vor ihr zu haben.
„Was hast du denn vor?", wollte er wissen.
„Ich will..."- sie hielt inne. Ja, eigentlich hatte sie vorgehabt, genug Leute zusammen zu trommeln, um das Elbenhaus zu stürmen und alle Blutjäger niederzumetzeln. Nun ja, diesen Plan konnte sie hiermit vergessen.
Sie stöhnte. „Ach, vergiss es. Es hat ja sowieso keinen Sinn. Wenn es dunkel ist, wird es zu spät sein. Und gerade sieht es nicht so aus, als würde ich eine Armee aufstellen könnten."
Der rothaarige Junge schien zu überlegen. „Ich kann meine Mama fragen. Die mag die Elbenfrau auch nicht. Oder meine Oma..."
Oxana hob den Kopf und wollte erneut Borgils Angebot abschlagen, da kam ihr ein verrückter Gedanke.
„Kannst du mich zu deiner Mama bringen?", fragte sie nach kurzem Zögern.
Mirielle lachte leise und widmete sich wieder ihrer Arbeit zu. Mit gleichmäßigen Bewegungen wickelte sie ungesponnenen Garn von ihren Händen, der von Borgils Großmutter, einer buckeligen Alten mit runzeligem Gesicht, zu einem festen Faden gesponnen wurde.
Der Rhythmus, mit dem die Alte das Pedal des Spinnrades trat, hatte sich in den letzten Minuten kein bisschen verändert.
„Ihr wollt also alle Frauen zusammentrommeln, auf dass wir uns alle gemeinsam gegen die Lehrerin und ihre Leute auflehnen, wenn ich das richtig verstanden habe."
Oxana nickte eifrig. Genau das war ihr Plan.
Borgil, der die ganze Zeit über auf einem Hocker gesessen und ihren Worten gelauscht hatte, konnte sich nun nicht mehr länger ruhig halten. Er sprang auf, wieselte zu seiner Mutter hin und zog an ihrer Schürze. „Darf ich mitkommen? Bitte Mama! Ich bin schon stark genug um ein Schwert zu halten..."- „Kommt nicht in Frage", unterbrach Mirielle bestimmt, „du wirst schön zuhause bleiben, so wie wir alle."
Dabei sah sie Oxana an.
„Wieso ausgerechnet wir Frauen? Kaum eine von uns weiß, wie man ein Schwert führt oder einen Bogen richtig spannt! Was erwartet Ihr Euch? Wir können die Blutjäger niemals mit den Waffen unserer Männer schlagen!"
Oxana stieß innerlich einen triumphierenden Schrei aus.
Mirielle hatte nicht, im Gegensatz zu den anderen Dorfbewohnern, ihre Idee von vorne herein als Schwachsinn abgetan. Sie hatte gehofft, dass es so kommen würde.
„Die Frauen von Erech, ganz besonders die Mütter, sind doch die großen Leidtragenden dieser Schule! Eine Mutter würde alles dafür tun, um ihrem Kind eine sichere Zukunft an einem sicheren Ort zu bieten! Wenn es uns gelingt, Nimbrethil und ihre Blutjäger zu vertreiben, werdet ihr nie wieder um die Zukunft eurer Kinder bangen müssen!"
Sie schaute bedeutend auf Borgil, der ein wenig verwirrt aussah. Der kleine kampfbegeisterte Racker war doch das beste Beispiel.
„Dir würde es doch sicher gefallen, kämpfen und reiten zu lernen, nicht wahr?", fragte Oxana.
Borgil nickte eifrig.
Mirielles Antlitz verdüsterte sich. „Borgil, geh in die Küche und schäl die Kartoffeln fürs Abendessen."– „Aber Mama..."- „GEH!"Der kleine Rotschopf trollte sich beleidigt.
Oxana sah, dass es hinter Mirielles Stirn arbeitete.
„Und wie habt Ihr euch das gedacht?", wollte sie wissen.
„Lasst das nur meine Sorge sein. Zuerst gilt es, genügend beherzte Frauen aufzutreiben, die uns helfen werden. Und das möglichst schnell."
Sie wollte nicht zugeben, dass sie nicht den Funken einer Ahnung von einem Plan hatte. Es würde ihr schon was einfallen, darauf vertraute sie- musste sie vertrauen.
Nach langem Schweigen nickte Mirielle dann. „Gut. Ich werde gehen und versuchen, sie zu überzeugen. Aber es wird schwer werden, denn ihre Männer werden sie davon abhalten, wenn sie davon erfahren."
Oxana zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Dann dürfen die Männer eben nichts davon wissen, so einfach ist das."
Mirielle seufzte, stand auf und winkte sie herbei.
„Könntet Ihr das für mich fertig machen?"
Ohne Oxanas Antwort abzuwarten, stülpte sie ihr den ungesponnenen Garn über die Hände und zeigte ihr, was sie zu tun hatte. Dann nahm sie ihren Mantel und verließ das Hauptgebäude des kleinen Hofs.
„Die Frauen in Erech sind keine schwertschwingenden Amazonen", krächzte plötzlich die Alte am Spinnrad, die bisher kein einziges Wort von sich gegeben hatte.
Oxana wunderte sich ein wenig, sie hatte irgendwie angenommen, die Großmutter sei geistig nicht mehr ganz...na ja. Offenbar war sie es doch.
„Ich weiß", murmelte sie.
„Sie können gut kochen und sich um das Vieh kümmern und die Felder bestellen...aber kämpfen....nein, nein, das haben sie nicht gelernt, das ist nicht der Brauch hier", fuhr die Alte fort.
"Gut kochen...", wiederholte Oxana nachdenklich und starrte auf den Faden in ihrer Hand.
Und plötzlich wusste sie, wie sie es möglicherweise schaffen konnten.
Wenn sie mit den Waffen der Männer nicht kämpfen konnten, dann würden sie eben die Waffen der Frauen einsetzen.
N a c h w o r t:
Freu mich schon auf eure Reviews! ( - ich brauch wieder etwas Aufmunterung nach dieser anstrengenden Woche! – Also, lasst was von euch hören!!
EXTRAKAPITEL AB-18!
V o r w o r t: ( staind-CD einlegen)
Und was danach geschah, das bleibt der Fantasie eines jeden überlassen- außer natürlich, er liest sich dieses kleine Extrakapitelchen....;)
Falls jemand bisher noch nicht verstanden hat, warum ich die Altersbeschränkung für „Blutgeld"doch relativ hoch gesetzt habe, dem werden in den folgenden Zeilen die Augen aufgehen.
Ich möchte allerdings noch anmerken, falls jemand etwas gegen explizite sexuelle Darstellungen hat oder der festen Überzeugung ist, dass Elben ihre Tage und Nächte mit der Dichtung neuer Lobgesänge auf die Schönheit der Natur und das Wesen der Liebe zubringen, sollte er/sie ebenfalls davon absehen, dieses Kapitel zu lesen.
Ich will ja schließlich keine Träume zerstören.
Und falls jemand unter 18 ist, dann liest er sich das hier ja ohnehin nicht. Oder doch...?
Gut, um eure Geduld weiter zu belasten:
Unser guter alter Freund, der Disclaimer:
Tolkiens Welt und Tolkiens Figuren gehören dem Meister himself und werden es immer tun, denn selbst ein Wolfgang Hohlbein oder ein Terry Pratchett und schon gar keine mittelmäßige FF-Schreiberin wie ich wird je in der Lage sein, auch nur ein passendes Glas zu finden, mit dem man dem Gründungsvater der Fantasy-Literatur das Wasser reichen könnte. Ich habe mir seine Charaktere nur ausgeliehen und maße mich nicht an, irgendetwas auf und um Mittelerde für mich zu beanspruchen.
°°°°°°°°°°°°
You fill me up, you're in my veins
A look could take my breath away
And all these things, you give away
Sometimes I take for granted
It's just like poetry inside
To hear you breathing by my side
Like I'm in heaven and I've died
So glad you're with me for this ride
°°°°°°°°°°°°°
(aus: "fill me up", Staind)
Er küsste sie sanft. Und je zärtlicher seine Berührungen waren, desto schwächer wurde sie.
Was sie spürte war mehr als seine Haut auf der ihren, mehr als das Verlangen eines Mannes nach einer Frau. Es war.....sie konnte es nicht sagen, denn bisher war es ihr fremd gewesen.
Doch es fühlte sich gut an, besser als alles andere.
Und es war weder der Moment in dem er sie küsste, noch der, als er seine Lippen zart über ihre Schultern tanzen ließ, in dem ihr klar wurde, dass sie jede einzelne Nacht in ihrem bisherigen Leben ohne Zögern gegen diese Eine umgetauscht hätte. Nein- es waren jene Momente, in denen er ihr erlaubte, in seine Augen einzutauchen.
Alles andere war plötzlich selbstverständlich. Seine Finger auf ihrer Haut, warm, und auf eine unerklärbare Weise...fühlend. Sie wusste, dass er sie EMPFAND.
Etwas schien ihre Brust zerreißen zu wollen, es fühlte sich an wie gebündeltes Glück und plötzlich hatte sie Tränen in den Augen.
Sie hielt still, als sein Atem über ihren Hals strich. Immer wieder hielt sie den Atem an, wagte es nicht, ihren Brustkorb zu heben aus Angst, ihre Eindrücke würden sich dadurch ändern oder ihre Sehnsucht würde gar verfliegen.
Vorsichtig streichelte er ihre Brüste, betastete mit den Fingerspitzen das empfindliche, weiße Fleisch, erforschte jede Erhebung, küsste sie und ließ bis zuletzt ihre steifen Brustwarzen unbeachtet.
Erst als er merkte, dass sie sich ihm bereits ungeduldig entgegenstreckte, schenkte er ihnen endlich Aufmerksamkeit, blies nacheinander einen Kuss auf die dunklen Rauheiten der Haut und sog sie dann zärtlich in den Mund.
Sie stieß ein leises Keuchen aus. Mehrere Male hintereinander jagten heißkalte Schauer in kurzen Abständen über ihren Körper.
Sie spürte das Lächeln, das sich über das Gesicht des Elben stahl, als er ihre Erregung wahrnahm.
Beinahe zornig grub sie ihre Hände in sein Haar, drückte sein Gesicht an ihren Körper und dann weg davon.
Er sollte aufhören damit.
Warum machte er nicht weiter??
Etwas unsanft und in vollkommener Verwirrung zog sie ihn näher, küsste ihn ungeduldig, aggressiv. Wieso quälte er sie? Bei all den anderen war es so schnell gegangen...bei ihm hatte sie das Gefühl, als fräßen sie glühende Flammen von innen her auf, ganz langsam und es....tat so verdammt gut.
Ihre Armmuskeln verkrampften sich, sie spürte, dass er von ihr zurückweichen wollte, aber sie ließ es nicht zu, fasste ihm im Nacken, versuchte, ihn irgendwie über sich zu ziehen. Er nahm ihre Handgelenke, bog sie mit sanfter Gewalt zur Seite und machte damit seinen Kopf frei.
Seine Augen flackerten, doch er sagte nichts. Wozu auch?
Ein wütendes Knurren entfloh ihrer Kehle. Sie bäumte sich auf, versuchte, ihn mit ihren Beinen zu umklammern, in irgendwie an sich zu zwingen. Missmutig nahm sie wahr, dass er seine Beinkleider noch immer trug.
Auch wenn er sie davon abhalten hatte können, ihn festzuhalten- so schaffte er es doch nicht, zu verhindern, dass sie ihm den Gürtel löste und ihn vollständig auszog. Für Sekunden glich ihre Vereinigung eher einem Kampf. Dann schleuderte sie das lästige Gewebe gegen den Spiegel. Mit hungrigen Augen betrachtete sie seinen durch und durch männlichen Körper. Ihre Finger bebten vor Verlangen, ihr Blick war seltsam dunkel. Der Elb war überrascht- noch nie hatte er sich so begehrt gefühlt, beinahe gejagt. Nun gut, sie war eine Blutjägerin...
Schnell zog sie ihn an sich, schlang ihre Arme um ihn, sodass es schon eher einer Umklammerung glich. Gierig kostete sie seinen Mund, riss seine Lippen auf. Ihre Zungen rangen miteinander, lösten sich für einen Augenblick, nur um gleich darauf wieder mit einer Begierde, die an Brutalität grenzte, aufeinander zu treffen.
Plötzlich riss Legolas den Kopf zurück. Seine Zunge strich kurz über seine brennenden Lippen. Er schmeckte salziges Blut aus einer winzigen Wunde strömen.
Sie hatte ihn gebissen!
Mit einer Mischung aus Entsetzen und wachsender Erregung beobachtete er, wie seine Geliebte sein Blut mit der Zunge aufnahm und kostete.
Dann lächelte sie und zeigte ihm ihre Zähne auf denen noch etwas von dem Lebenssaft haftete.
Der Anblick hätte ihn schockieren, abstoßen sollen. Stattdessen weckte er etwas in ihm, von dem er bisher nicht gewusst hatte, dass es existierte. Was immer es auch war- Wut, tierisches Verlangen oder ein anderer dunkler Urinstinkt, den man ansonsten Orks und anderen niederen Wesen zugeschrieben hätte- es erwachte mit einer Macht, die ihn jegliche Rücksicht vergessen ließ.
Wie ein trockener Grashalm, der in einem Feuer verglühte, vergaß er alles, was er bisher im Umgang mit einer Frau für wichtig gehalten hatte.
Sie schrie, als er ihre Schenkel ruckartig mit seinen Beinen auseinander zwang. Gleichzeitig verstärkte er den Druck um ihre Handgelenke, so dass es für sie unmöglich sein musste, sich zu befreien. Doch irgendwie schaffte sie es doch, riss seinen Kopf in den Nacken und saugte an seiner Kehle, als wäre sie ein Vampir.
Er konnte sich nicht mehr länger zurückhalten.
So langsam wie es ihm möglich war, und doch viel zu schnell, begann er in sie einzudringen.
Ihr praller, muskulöser Oberkörper wand sich wie unter Qualen unter seinen Bauchmuskeln, während ihr Körper von ihrem Nabel abwärts eine andere Sprache zu sprechen schien, denn sie versuchte ununterbrochen, ihn mit ihren Beinen zu umschlingen.
Mit beiden Händen strich er ihr das schweißnasse Haar aus dem Gesicht. Sie umklammerte seine Finger, denn ohne es zu merken, zerrte er fester als nötig an ihren Locken. Sein Atem ging stoßweise, blies eiskalt gegen ihre glänzenden Körper. Seine Halsmuskulatur bewegte sich angespannt unter der schimmernden Haut, es war ihm anzukennen, dass es ihm größte Mühe bereitete, noch länger zu warten.
Oxana hielt plötzlich still. Er spürte, wie ihre Schenkel sich lockerten und ihm mehr Platz gewährten.
„Milin cen or gurieb [Ich liebe dich auf ewig]", stieß er heiser hervor. Sie verstand seine Worte nicht, doch der Ausdruck seiner Augen genügte ihr. Es war eine Flamme der Liebe, die selbst in diesem Moment größter Intimität nur für sie brannte und nicht für das, was sie gerade war. Seine Bettgefährtin.
Es schien ihm eine Ewigkeit, die sie ihn warten ließ. Dann nickte sie endlich, ganz sacht und noch mal schimmerte...Unsicherheit in ihren Augen.
Er küsste sie, während er langsam in ihr versank. Er wäre mit wenigen, kräftigen Stößen beim Höhenpunkt gewesen, doch er hatte lange genug Zeit gehabt, um sich kontrollieren zu lernen, und so wartete er. Sie fanden einen sanften Rhythmus, und es dauerte nicht lange, da begann Oxana leise zu keuchen, ihr Atem beschleunigte sich um ein weiteres und die Muskeln in ihrem Inneren zogen sich fest um sein Glied zusammen.
Dann, nach einer weiteren kleinen Ewigkeit, die Legolas gesamte Willenskraft erforderte, kamen sie gleichzeitig.
Oxana hatte das Gefühl, verglühen zu müssen. Unkontrollierbare Hitzewellen durchjagten ihren Körper, und es schmerzte wie Peitschenhiebe und bereitete ihr gleichzeitig unsäglichen Genuss. Was immer da gerade mit ihr geschah, es war wundervoll und grässlich zugleich und so tief ihre Liebe für den Mann über ihr auch war, so tief war für eine Sekunde der Hass, den sie gegen ihn hegte.
Ihre Finger krallten sich in seine Hände, so tief, dass Blut unter ihren Fingernägeln hervorquoll, doch Legolas bemerkte es nicht. Alles was er empfand war schiere Verzückung und unermessliches Erstaunen darüber, dass es ausgerechnet eine Sterbliche war, die ihm nach so vielen Jahren nun zeigte, dass er noch lange nicht alles über Frauen wusste.
Er stöhnte, als die Wellen des Orgasmuses sich ebbten und er sich endlich zurückzog. Nun glänzte auch sein Körper vor Schweiß und er musste sich eingestehen, dass er mehr als ein wenig erschöpft war.
Minutenlang langen beide still da, regungslos so eng aneinandergeschlungen, als wären ihre Körper miteinander verwachsen.
Oxana war die erste, die ihre Hand erhob und zärtlich mit seinem blonden Haar zu spielen begann.
„Das war wunderschön", hauchte sie schwach und küsste ihn auf den Scheitel.
Legolas lächelte. „Ich weiß."
Sie schwiegen einige Minuten, genossen das Gefühl der kalten Luft auf ihren überhitzten Körpern.
„Und?"Oxana stütze ihren Kopf auf ihre Hand auf und betrachtete ihren Geliebten liebevoll. Wie gut es ihm stand, wenn er verschwitzt war und sein Haar in seiner Stirn klebte!
Legolas runzelte die Stirn. Sie liebte es, wenn er das tat. Vorsichtig zeichnete sie mit dem Zeigefinger die Furchen auf seiner Stirn nach.
„Und was?", fragte er und fuhr mit einem Finger beiläufig über die gerötete Stelle an seinem Hals.
„Na ja", Oxana grinste breit, „bin ich so gut wie Nîthiel?"
Legolas ar, um es sachte auszudrücken, überrascht.
Selbst im Bett entwickelte sie Ehrgeiz.
Diese Frau war einfach nur unglaublich.
Von den Waffen der Frauen
V o r w o r t :
So, das Schlimmste ist zwar noch nicht geschafft, aber ich kann einfach nicht aufhören zu schreiben!!
Sabrini : Danke für deine Ungeduld gg!
all : ich hoffe, ihr seid noch alle da! Ich weiß es nervt, so lange auf kaps warten zu müssen! Und ich hoffe auch, die Geschichte gefällt euch nach wie vor und ihr seid noch nicht ausgestiegen!
Nun saß er hier, nachdem sie ihn, zwar nicht ganz mühelos, aber doch erstaunlich schnell gefangen genommen und gefesselt hatten.
Wie hatte das nur passieren können?
Warum hatten seine elbischen Sinne, die ihn doch in den Jahrhunderten davor noch nie im Stich gelassen hatten, diesmal versagt?
Nun ja, wenigstens auf diese eine Frage kannte er die Antwort.
Oxana.
Sie hatte ihm letzte Nacht alle Kraft aus dem Körper gesaugt und ihn schwach und verwundbar gemacht. Seine ganze Aufmerksamkeit hatte ihr gegolten, jeder einzelne seiner Sinne war auf sie ausgerichtet gewesen- und er bereute keine einzige Sekunde, in der er die Welt um sich herum vergessen hatte.
Noch nie hatte er sich erlaubt, sich einer Frau körperlich so hinzugeben, nie zuvor war sein Verlangen so groß, so unstillbar gewesen.
Ob sie wusste, was sie bei ihm angerichtet hatte?
Ob sie auch nur erahnte, welche Ausmaße seine Liebe zu ihr anzunehmen begann, wo er es nicht einmal selbst so recht verstand? Eine Sterbliche! Nie, selbst in seinen kühnsten Träumen nicht, hatte er geglaubt, dass er sein Herz an eine Zweitgeborene verlieren würde!
„Was hat sie, was andere nicht haben?", würde sein Vater ihn fragen.
Und er würde ihm keine zufrieden stellende Antwort geben können.
Sie war schön, ja, in mancher Hinsicht fast elbengleich und dennoch gab es unter seinem Volk, wenigstens in den Augen anderer, weit schönere Frauen. Genauso verhielt es sich mit ihrer Intelligenz- Wissen, das Frauen seines Volkes über Jahrhunderte erworben hatten, KONNTE Oxana gar nicht aufholen, selbst wenn sie alles daran setzte. Stattdessen besaß sie aber etwas anderes, weit Wichtigeres- ein kluges Herz. Auch wenn sie es selbst nicht wahrhaben wollte.
Er ahnte, dass er nicht mehr von ihr loskommen würde. Nicht nach dieser Nacht.
Er lächelte ironisch.
Auf eine gewisse Weise war sie ihm also doch noch zum Verhängnis geworden...
Hatte er nicht immer nach einer ebenbürtigen Partnerin gesucht? Eine Frau von großer Schönheit und ebenso großer Klugheit, die großmütig und sanft und verständnisvoll war? Und vor allem- eine Elbe!
Das einzige an Oxana, in dem sich keine Elbe mit ihr messen konnte, war ihr Temperament, das heller brannte als er es je bei einem Wesen zuvor erlebt hatte.
Er würde sie in das Waldlandreich mitnehmen. Um keinen Preis würde er sie wieder gehen lassen, nicht für alle Schätze dieser Welt würde er auf sie verzichten.
Doch er wusste, dass es kein Leichtes sein würde, Oxana dazu zu bringen, freiwillig mit ihm zu gehen. Sie mochte den Adel und seine Paläste nicht und Elben (mit Ausnahme weniger) waren ihr nach wie vor nicht ganz geheuer. Sie hatte Angst vor ihren Gefühlen, zeigte sie nur ungern.
Würde er sie darum bitten, ihn zu begleiten und ein Leben mit ihm unter den Seinen zu führen, würde sie ihn vermutlich auslachen.
Einen Moment lang erwog er ernsthaft, sie bewusstlos zu schlagen und gefesselt über den Rücken seines Pferdes zu werfen, um sie so in seine Heimat zu bringen. Seinen Vater würden die Augen übergehen, Oxana würde ihn vermutlich bei nächster Gelegenheit zur Strafe um ein paar Gliedmaßen erleichtern......er grinste.
Er machte sich eindeutig zu viele Gedanken, dafür, dass er momentan in Lebensgefahr schwebte....
Und dieser Gedanke schleuderte ihn wieder in die Wirklichkeit zurück.
Wieder zerrte er an den Fesseln, mit denen ihm Hände und Füße gebunden waren und erneut erwiesen sich seine Befreiungsversuche als sinnlos- diese festen Schnüre waren ohne Zweifel Elbenwerk. Diese Blutjäger waren nicht nur gute Kämpfer, sondern verwendeten offenbar nur die feinsten Werkzeuge für ihre Vorhaben.
Besonders diese eine Elbe war ihm sofort ins Auge gestochen, und das nicht nur, weil sie es gewesen war, die ihn letzten Endes überwältigt hatte.
Er musste sich eingestehen, dass seine Kampfkünste den ihren unterlegen waren.
Doch selbst wenn dem nicht so gewesen wäre, sie hätte ihn vermutlich dennoch besiegt- denn sie hatte mit einer Wut gekämpft, die er nicht verstand, und die ihre Kräfte wachsen ließ.
Es war nicht ihre Muskelstärke, die ihn schaudern ließ.
Es war der Hass, den sie gegen ihn hegte.
Legolas hatte gespürt, dass der Hass, der in ihren Smaragdaugen brannte, ihm galt, und zwar ihm alleine.
Aber wer war sie?
Sie war schön, goldblondes, gelocktes Haar, ein schmales Gesicht mit hohen Wangenknochen und vollen Lippen, eine edle Figur.
Äußerlichkeiten, die nicht viel mehr als ihre elbische Herkunft verrieten.
„Rawen....", murmelte er in das, in menschlichen Maßstäben, dunkle Zimmer, als hoffe er, der Klang ihres Namens würde verborgene Erinnerungen in ihm wecken.
Rawen- die Löwin.
Der Name passte zu ihr, ihrer geschmeidigen, katzenhaften Art, sich zu bewegen, ihren angespitzten Fingernägeln, ihren etwas schräg gestellten Augen.
War sie diejenige, die ihn tot sehen wollte, die hinter all dem stand?
Schritte wurden draußen laut, jemand blieb vor der Tür stehen.
Legolas straffte seine Haltung und empfing den Eintretenden in einer, so weit es möglich war, selbstbewussten, aufrechten Position.
Es war eine Elbe, doch nicht, wie er unbewusst erwartet hatte, diese Rawen.
Ihr glattes Haar floss wie ein silberner Bach ihre zierliche Figur hinab. Sie war blass, fast so blass wie die Wände des engen Zimmers und so zart, dass man Angst hatte, der nächste Windstoß könnte sie umwehen.
Das samtene, blutrote Kleid mit weiten Ärmeln und hoch aufgeschlossenem Kragen ließ sie noch unscheinbarer und blässer wirken.
Die Fremde sandte die beiden Wachen nach draußen, schloss die Tür hinter sich. Ihre Hände waren unglaublich zartgliedrig, sie trug einen schmalen Silberring mit einem wuchtigen, purpurnen Edelstein am kleinen Finger der linken Hand.
Um die Stirn war ihr ein feinsilberner Kranz geflochten, mit farblosen Edelsteinen und Efeublättern behangen.
Für eine Elbe war sie nicht außerordentlich groß und ihre Erscheinung war, trotz größter Mühe bei ihrer Kleiderwahl, nicht sonderlich beeindruckend.
Und trotzdem strahlte sie etwas Ehrfurchteinflößendes aus, das allen Elben eigen war, wenn sie ein gewisses Alter erreicht hatten. Diese Frau sah zwar keinen Tag älter als fünfundzwanzig aus, doch Legolas wusste augenblicklich, dass sie um einiges älter als er war.
Sie blieb in der Tür stehen, ihn ausdruckslos musternd.
Ihre Augen waren grau wie dichter Nebel an kalten Herbsttagen.
Schließlich meinte sie mit einer Stimme, die, passend zu ihrem Auftreten, dünn und klanglos war: „Seid gegrüßt, Prinz."
„Wer seid Ihr und warum trachtet Ihr mir nach dem Leben?", fragte Legolas scharf und ohne Umschweife.
Die Frau runzelte leicht verärgert ihre Stirn, dann lächelte sie verzeihend, als wäre sie nachsichtig mit einem Kind. „Ich verstehe Euren Ärger. Viele Dinge sind nicht so gelaufen, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Ich wollte Euch einen schnellen Tod gönnen. Ich konnte nicht damit rechnen, dass diese...unfähige Person....uns so lange Schwierigkeiten machen würde."– Sie seufzte bedauernd.
Er brauchte eine Sekunde um zu begreifen, wen sie meinte.
„Oxana? Wo ist sie? Was habt Ihr mit ihr getan?"Mit Mühe hielt er seine Stimme ruhig, zwang sich langsam zu sprechen.
Die Elbe machte eine wage Geste zum Fenster hin. „Sie ist bei ihren alten Kollegen und empfängt die Strafe, die ihr zusteht. Schade. Nach allem, was ich gehört habe, war sie eine fähige Söldnerin. Und..."– Sie lächelte wissend- „eine sehr schöne Frau. Es tut mir, wie gesagt, wirklich leid."
Legolas starrte sie lange an. Oxana würde nicht sterben. Soviel stand fest. Diese Frau starb nicht einfach.
„Sie ist trotzdem sterblich", flüsterte eine Stimme hinter seiner Stirn, „und selbst wenn dem nicht so wäre- sie ist verwundbar. Und dort draußen sind keine Freunde, die ihr helfen könnten, dafür aber fünfzig Feinde."
Von draußen erklang ein bedrohliches Knurren.
Sein Kopf ruckte zu dem verdunkelten Fenstern hin.
Wölfe? Hier, im Hof? Was, bei Eru, ging dort draußen vor?!
„Wer seid Ihr?", murmelte er tonlos und sah die Elbe fest an. „Und wofür habe ich, Eures Erachtens nach, den Tod verdient? Was habe ich Euch je getan?"
Sie fixierte ihn, ihre Augen verengten sich, ihr Blick wurde stechend wie der eines Habichts. Für eine Sekunde flammte reinster Hass in diesen bisher ruhigen Augen auf.
Dann entspannten sich ihre Gesichtszüge wieder.
„Mein Name ist Nimbrethil, ich bin die Herrin dieses Hauses. Ich werde Euch einen Prozess machen, wie es einem Fürsten unseres Volkes gebührt. Ich lasse Euch die Möglichkeit zuteil werden, Euch zu verteidigen. Doch was auch immer Ihr sagen werdet, Ihr werdet sterben. Ich habe lange auf diesen Tag gewartet. Noch vor Sonnenuntergang werdet Ihr für Eure Taten bezahlen."
Ihre Stimme war so gnadenlos und kalt, dass er plötzlich das Gefühl hatte, das Zimmer kühle um einige Grade ab. Er zweifelte nicht daran, dass sie die Worte ernst meinte.
„Warum?", fragte er bloß.
Sie sah ihn verwundert an. „Das wisst Ihr noch immer nicht? Nun gut....ich werde es Euch sagen."
Sie trat näher, fing seinen Blick.
Er versuchte, sein Gesicht abzuwenden, ihr nicht zu erlauben, seine Gedanken aus seinen Augen zu erahnen, doch es gelang ihm nicht.
Diese Augen....ja, er kannte sie. Doch woher....?
„Ihr erinnert Euch noch immer nicht", seufzte Nimbrethil plötzlich enttäuscht, ging wieder zur Tür zurück und legte die Hand auf die Klinke. „Aber was wundert es mich? Ich war bloß eine einfache Untergebene, einer der vielen dienstbaren Schatten im Leben der Reichen und Schönen."
Sie drehte sich der Tür zu. Bevor sie ging, sagte sie noch: „Ihr habt meinen Sohn getötet, Prinz. Und dafür sollt ihr zahlen. Blut für Blut, wie Ihr einst selbst sagtet. Alae, wir sehen uns später".
Blut für Blut...........
Und plötzlich fiel ihm alles wieder ein.
Der Mord an seinem Bruder.
Die Hinrichtung des vermeintlichen Mörders.
Und Nimbrethil. Endlich wusste er wieder, wer sie war.
Und das Schreckliche war, dass er ihren Hass nachvollziehen konnte.
Lange starrte er wie paralysiert auf die geschlossene Tür.
Dann rief er sich innerlich zurecht. Noch waren Aragorn, Obhart und all die anderen am Leben. Noch existierte ein, wenn auch winziger, Hoffnungsschimmer.
Er rückte unbeholfen zum vergangenen Fenster hin und versuchte einen Blick nach draußen zu erhaschen.
Alles was er erkennen konnte, bevor die Wachen ihn brutal wieder zurückstießen, war, dass sich eine Menge unter dem Torbogen neben den Stallungen versammelt hatte.
Dann, vielleicht fünf Minuten später, zerriss ein gellender Schrei die angespannte Ruhe, die auf dem Elbenhaus lag.
Er war nur kurz zu hören, dann brach er jäh ab.
Es war Oxanas Stimme.
Legolas erblasste.
In dem Moment, da sie das gierige Kläffen der beiden Wölfe vernahm, verpasste ihr Nervensystem ihrem Körper einen gehörigen Adrenalinschub. Noch nie in ihrem Leben war sie so schnell so weit gelaufen.
Der Wald wurde dichter und dunkler und das Knurren der beiden weißen Monster schien alles um sie herum auszufüllen, schien neben, hinter, ja, sogar vor ihr zu sein.
Es war nicht zu leugnen dass sie ein gewisses Maß an Panik verspürte.
Und als sie einen kurzen Blick über die Schulter zurückwarf, um zu sehen, wie nahe die beiden Tierchen in der Zwischenzeit wirklich waren, trug das auch nicht gerade dazu bei, diese Panik zu mindern.
Die beiden Gebilde aus messerscharfen Zähnen, gefährlichen Krallen und primitiver Kraft waren kaum mehr einen Steinwurf von ihr entfernt und dachten offenbar nicht daran, ihr Tempo zu drosseln.
„Schön", dachte Oxana in aller Hast, „Sarnir sagt, du bist eine Elbe. Legolas hält dich für eine Elbe. Und seit gestern beginnst du selbst die Möglichkeit in Betracht zu ziehen.... . Nimm an, du bist eine Elbe. Was können Elben?"
Ihre Gedanken drehten sich für eine Weile im Kreis. Blondes Haar, groß, schlank, überheblich, alt, schnell, guter Bogenschütze, scharfe Augen, gutes Gehör....
Bäume!!
Elben wohnten auf Bäumen!
Elben kletterten auf Bäume!
Beeindruckend, wie sie sich selbst in den verzwicktesten Lagen auf ihr Gehirn verlassen konnte!
Nun fehlte nur noch ein passender Baum.
Fichte, Fichte, Fichte, Tanne, Fichte, Tanne......EICHE!
Sie änderte die Richtung ein wenig, legte einen Zahn zu. Entschlossen steuerte sie auf die alte dicke Eiche zu.
Eins- zwei- drei- SPRUNG!
Sie schnellte vom Boden weg, griff nach dem untersten Ast und.....bekam ihn nicht zu fassen. Offenbar waren ihre Sprunggelenke doch nicht über Nacht zu denen einer Elbin mutiert.
Panisch grub sie ihre Finger in die raue Rinde des Stammes und versuchte so irgendwie Halt zu finden. Tatsächlich schaffte sie, indem sie den Stamm mit Armen und Beinen umschlang und sich notgedrungen nach oben hievte, etwa zwei Meter Abstand vom Boden zu gewinnen.
Verflucht, bei Legolas hatte das immer so einfach ausgesehen!!
Ein plötzliches hungriges Knurren ließ ungeahnte Kräfte in ihr erwachen und sie zog sich mühvoll und etwas weniger elegant als geplant nach oben, sodass sie unsicher, aber zumindest in größerer Höhe, auf einem Ast zu sitzen kam.
Die beiden Wölfe schnappten knurrend nach ihr, doch keiner erreichte sie.
Oxana atmete erleichtert auf.
Dann brach der Ast.
Sie brüllte vor Schreck, versuchte irgendwie, sich abzurollen, doch kam nicht mehr dazu, sich aufzurichten.
Einer der Wölfe nagelte sie mit seinen riesigen Pranke am Boden fest, sie spürte seinen stinkenden Atem in ihrem Nacken, hörte sein Knurren neben ihrem Ohr.
Dann begann das Vieh an ihr zu schnüffeln.
Musste das sein? Konnte er nicht einfach zubeißen und ihr einen schnellen Tod bereiten? Er musste doch wissen, wie sie roch...!
Plötzlich riss der Wolf ihr den Rucksack vom Rücken und begann ihn wie wild zu zerfetzen. Sein Kumpel schien hin- und hergerissen, wandte sich aber dann auch schließlich von Oxana ab und half dabei, den Rucksack sorgfältig zu zerlegen.
Oxana entfernte sich kriechend zu der Eiche und richtete sich hinter dem Stamm auf. Sie hätte laufen sollen, sich in Sicherheit bringen, aber ihre Neugierde hinderte sie daran.
Was war an ihrem Rucksack denn so Besonderes? Die Ziegenmilch? Vielleicht das Fleisch......oder......
Das KRAUT!
Wie auf Kommando zog in diesem Moment einer der Wölfe das getrocknete Bündel aus den Überresten ihres Gepäcks ( sie bemerkte nebenbei, dass sie einen ziemlichen Verschleiß an Rucksäcken hatte, das war nun schon der zweite in diesem Monat) und schnüffelte daran.
Gebannt beobachtete Oxana, was weiter geschah: Der Wolf leckte neugierig über Asonas geheimnisvolle Gewürzmischung.
Seine Augen wurden sonderbar dunkel.
Er hob den Schädel, hörte auf zu geifern und zu knurren und betrachtete stattdessen seinen Artgenossen auf eine Art die.....
„Also, wären das jetzt Menschen und keine Wölfe, würde ich sagen, er will was von dem anderen", dachte Oxana verdutzt.
Der zweite Wolf schien wohl das Gleiche zu denken, , denn er legte plötzlich die Ohren flach und stieß ein klägliches Jaulen aus. Rückwärts gehend entfernte er sich von seinem Kollegen.
Der aphrodisierte Wolf Nummer 1 gab darauf einen... gurrenden??.... Laut von sich, der absolut nichts mehr mit einer wilden, vor Hunger halb wahnsinnigen Bestie gemein hatte.
Wolf Nummer 2 ergriff panikartig die Flucht.
Sein Artgenosse setzte ihm hechelnd nach.
Oxana stand daneben und kratzte sich stutzig am Kopf.
Dann stürmte sie zu dem nassen Haufen aus Lederfetzen und sammelte eiligst alles von dem Kraut ein, was noch übrig war.
Ein solches Gras ließ sich gewiss hervorragend als Waffe einsetzen, dachte sie. Und, nun ja, es wäre sicher interessant, herauszufinden, welche Wirkung es auf Menschen hatte.
„Oder auf Elben", kicherte eine Stimme in ihrem Kopf.
„Reiß dich zusammen", murmelte sie verärgert zu sich selbst.
„In eurer Stadt wird der König von Rohan und ein Elbenfürst von Blutjägern gefangen gehalten! An einem Ort, an dem ihr eure Kinder schickt, von Menschen, denen ihr euren Nachwuchs anvertraut! Dieses Haus ist ein Schandfleck für Erech, und das schon seit Jahrhunderten! Man lehrt euren Kindern Hass und Gewalt, und ihr tut so, als ginge euch das alles nichts an! STEHT AUF UND WEHRT EUCH GEGEN SIE! GEMEINSAM KÖNNEN WIR ES SCHAFFEN!"
Es war nicht gerade ihre große Stärke, Aufstände anzuzetteln und große Reden zu schwingen.
Eigentlich hasste sie es ja, im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit zu stehen.
Aber diesmal fiel es ihr leicht.
Sie hatte sich wirklich ins Zeug gelegt für ihre Worte, sich sogar auf den Brunnen vor dem Gasthaus geschwungen, um für jeden gut sichtbar zu sein.
Trotzdem schien sie kaum jemand zu bemerken.
Die Leute trotteten an ihr vorbei und gingen weiter den Arbeiten nach, die in einer Kleinstadt am Nachmittag so anfielen.
Wenn jemand doch einmal stehen blieb und Oxanas bereits flehenden Reden lauschte, wurde er meist grob von den anderen Städtern weitergeschubst.
Sie spürte, dass die Menschen sie sehr wohl hörten, und dass viele ihr tief in ihren Herzen Recht gaben. Aber aus ihr unverständlichen Gründen brachte keiner den Mut auf, ihr Rede und Antwort zu stehen.
Man ignorierte sie einfach.
Und das war schlecht, denn ihre Zeit begann knapp zu werden.
Blutjäger waren nicht dafür bekannt, lange herumzufackeln. Wenn sie etwas unternahmen, dann noch vor Sonnenuntergang, ansonsten war es zu spät.
Noch einmal versuchte sie es: „Ich bitte euch, Bürger von Erech! Nein- ich FLEHE euch an! Wie könnt ihr es verantworten, dass Unschuldige sterben, wo ihr es verhindern könntet! Wie könnt ihr zulassen, dass die Verbrechen der Blutjäger an euren Kindern und Vorfahren ungesühnt bleiben?! Es wäre doch ein Leichtes für euch, diesem Schrecken ein Ende zu bereiten- wenn ihr nur zusammen helfen würdet!"
Und tatsächlich, ein Mann, der zwei Eimer zum Gasthaus hin schleppte, blieb stehen.
Er hörte ihre Worte sogar bis ans Ende an, bevor er rief: „Glaubst du, du wärst die Erste, die versucht, eine Revolte anzuzetteln?! Schon viele Narren haben es vor dir versucht! Und weißt du, wo sie jetzt sind?"Er ließ einen Eimer sinken und deutete zum Berg hin. „Sie liegen unter den Hügeln am Fuße des Berges! Also, tu dir ein Gutes und steig vom Brunnen Mädchen, sonst fällst du noch hinein!"
Baff starrte sie ihm nach, als er ihr gleichgültig den Rücken zuwandte und in der Schenke verschwand.
Diese unglaubliche Ignoranz, welche die Städter ihr gegenüber aufwiesen, raubte ihr schier die Sprache.
Dumpfe Wut brodelte in ihr.
Etwas musste geschehen ! Aber sie konnte unmöglich alleine in das Elbenhaus gehen und eine Befreiungsaktion auf eigene Faust starten.
Stattdessen konnte sie ja gleich eine Wandertour auf den Pfaden der Toten unternehmen!
Diese verdammte Hilflosigkeit!
Sie sprang zu Boden, ließ sich erschöpft vom vielen Schreien und dem langen Lauf, der hinter ihr lag, gegen den alten Brunnen sinken und barg das Gesicht in ihren Händen.
Sie weinte nicht, Tränen brachten sie jetzt auch nicht weiter. Aber sie war sehr nahe dran.
„Du brauchst Hilfe?"
Sie sah überrascht auf und erkannte Borgils Lausbubengesicht wieder.
Er blickte sie fragend an. „Ist der Elbenprinz in Gefahr?"
Sie nickte vorsichtig. „Ja. Ich würde ihm ja gerne helfen, aber alleine geht das nicht."
„Ich helfe dir!", bot Borgil beherzt an, „mein Papa hat ein altes Schwert und..."- „NEIN", unterbrach sie ihn derb.
Als sie sah, dass er zusammenzuckte, bekam sie ein schlechtes Gewissen.
Sie erinnerte sich daran zurück, wie Legolas mit dem Jungen gesprochen hatte und versuchte, so gut wie möglich, dessen Tonfall zu imitieren, als sie hastig hinzufügte: „Das ist zwar ganz lieb von dir, aber du bist noch nicht alt genug für so was. Und außerdem bräuchte ich viele Leute für das, was ich vorhabe."
Borgil setzte sich neben sie, achtete aber darauf, sie nicht zu berühren. Er schien immer noch etwas Angst vor ihr zu haben.
„Was hast du denn vor?", wollte er wissen.
„Ich will..."- sie hielt inne. Ja, eigentlich hatte sie vorgehabt, genug Leute zusammen zu trommeln, um das Elbenhaus zu stürmen und alle Blutjäger niederzumetzeln. Nun ja, diesen Plan konnte sie hiermit vergessen.
Sie stöhnte. „Ach, vergiss es. Es hat ja sowieso keinen Sinn. Wenn es dunkel ist, wird es zu spät sein. Und gerade sieht es nicht so aus, als würde ich eine Armee aufstellen könnten."
Der rothaarige Junge schien zu überlegen. „Ich kann meine Mama fragen. Die mag die Elbenfrau auch nicht. Oder meine Oma..."
Oxana hob den Kopf und wollte erneut Borgils Angebot abschlagen, da kam ihr ein verrückter Gedanke.
„Kannst du mich zu deiner Mama bringen?", fragte sie nach kurzem Zögern.
Mirielle lachte leise und widmete sich wieder ihrer Arbeit zu. Mit gleichmäßigen Bewegungen wickelte sie ungesponnenen Garn von ihren Händen, der von Borgils Großmutter, einer buckeligen Alten mit runzeligem Gesicht, zu einem festen Faden gesponnen wurde.
Der Rhythmus, mit dem die Alte das Pedal des Spinnrades trat, hatte sich in den letzten Minuten kein bisschen verändert.
„Ihr wollt also alle Frauen zusammentrommeln, auf dass wir uns alle gemeinsam gegen die Lehrerin und ihre Leute auflehnen, wenn ich das richtig verstanden habe."
Oxana nickte eifrig. Genau das war ihr Plan.
Borgil, der die ganze Zeit über auf einem Hocker gesessen und ihren Worten gelauscht hatte, konnte sich nun nicht mehr länger ruhig halten. Er sprang auf, wieselte zu seiner Mutter hin und zog an ihrer Schürze. „Darf ich mitkommen? Bitte Mama! Ich bin schon stark genug um ein Schwert zu halten..."- „Kommt nicht in Frage", unterbrach Mirielle bestimmt, „du wirst schön zuhause bleiben, so wie wir alle."
Dabei sah sie Oxana an.
„Wieso ausgerechnet wir Frauen? Kaum eine von uns weiß, wie man ein Schwert führt oder einen Bogen richtig spannt! Was erwartet Ihr Euch? Wir können die Blutjäger niemals mit den Waffen unserer Männer schlagen!"
Oxana stieß innerlich einen triumphierenden Schrei aus.
Mirielle hatte nicht, im Gegensatz zu den anderen Dorfbewohnern, ihre Idee von vorne herein als Schwachsinn abgetan. Sie hatte gehofft, dass es so kommen würde.
„Die Frauen von Erech, ganz besonders die Mütter, sind doch die großen Leidtragenden dieser Schule! Eine Mutter würde alles dafür tun, um ihrem Kind eine sichere Zukunft an einem sicheren Ort zu bieten! Wenn es uns gelingt, Nimbrethil und ihre Blutjäger zu vertreiben, werdet ihr nie wieder um die Zukunft eurer Kinder bangen müssen!"
Sie schaute bedeutend auf Borgil, der ein wenig verwirrt aussah. Der kleine kampfbegeisterte Racker war doch das beste Beispiel.
„Dir würde es doch sicher gefallen, kämpfen und reiten zu lernen, nicht wahr?", fragte Oxana.
Borgil nickte eifrig.
Mirielles Antlitz verdüsterte sich. „Borgil, geh in die Küche und schäl die Kartoffeln fürs Abendessen."– „Aber Mama..."- „GEH!"Der kleine Rotschopf trollte sich beleidigt.
Oxana sah, dass es hinter Mirielles Stirn arbeitete.
„Und wie habt Ihr euch das gedacht?", wollte sie wissen.
„Lasst das nur meine Sorge sein. Zuerst gilt es, genügend beherzte Frauen aufzutreiben, die uns helfen werden. Und das möglichst schnell."
Sie wollte nicht zugeben, dass sie nicht den Funken einer Ahnung von einem Plan hatte. Es würde ihr schon was einfallen, darauf vertraute sie- musste sie vertrauen.
Nach langem Schweigen nickte Mirielle dann. „Gut. Ich werde gehen und versuchen, sie zu überzeugen. Aber es wird schwer werden, denn ihre Männer werden sie davon abhalten, wenn sie davon erfahren."
Oxana zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Dann dürfen die Männer eben nichts davon wissen, so einfach ist das."
Mirielle seufzte, stand auf und winkte sie herbei.
„Könntet Ihr das für mich fertig machen?"
Ohne Oxanas Antwort abzuwarten, stülpte sie ihr den ungesponnenen Garn über die Hände und zeigte ihr, was sie zu tun hatte. Dann nahm sie ihren Mantel und verließ das Hauptgebäude des kleinen Hofs.
„Die Frauen in Erech sind keine schwertschwingenden Amazonen", krächzte plötzlich die Alte am Spinnrad, die bisher kein einziges Wort von sich gegeben hatte.
Oxana wunderte sich ein wenig, sie hatte irgendwie angenommen, die Großmutter sei geistig nicht mehr ganz...na ja. Offenbar war sie es doch.
„Ich weiß", murmelte sie.
„Sie können gut kochen und sich um das Vieh kümmern und die Felder bestellen...aber kämpfen....nein, nein, das haben sie nicht gelernt, das ist nicht der Brauch hier", fuhr die Alte fort.
"Gut kochen...", wiederholte Oxana nachdenklich und starrte auf den Faden in ihrer Hand.
Und plötzlich wusste sie, wie sie es möglicherweise schaffen konnten.
Wenn sie mit den Waffen der Männer nicht kämpfen konnten, dann würden sie eben die Waffen der Frauen einsetzen.
N a c h w o r t:
Freu mich schon auf eure Reviews! ( - ich brauch wieder etwas Aufmunterung nach dieser anstrengenden Woche! – Also, lasst was von euch hören!!
EXTRAKAPITEL AB-18!
V o r w o r t: ( staind-CD einlegen)
Und was danach geschah, das bleibt der Fantasie eines jeden überlassen- außer natürlich, er liest sich dieses kleine Extrakapitelchen....;)
Falls jemand bisher noch nicht verstanden hat, warum ich die Altersbeschränkung für „Blutgeld"doch relativ hoch gesetzt habe, dem werden in den folgenden Zeilen die Augen aufgehen.
Ich möchte allerdings noch anmerken, falls jemand etwas gegen explizite sexuelle Darstellungen hat oder der festen Überzeugung ist, dass Elben ihre Tage und Nächte mit der Dichtung neuer Lobgesänge auf die Schönheit der Natur und das Wesen der Liebe zubringen, sollte er/sie ebenfalls davon absehen, dieses Kapitel zu lesen.
Ich will ja schließlich keine Träume zerstören.
Und falls jemand unter 18 ist, dann liest er sich das hier ja ohnehin nicht. Oder doch...?
Gut, um eure Geduld weiter zu belasten:
Unser guter alter Freund, der Disclaimer:
Tolkiens Welt und Tolkiens Figuren gehören dem Meister himself und werden es immer tun, denn selbst ein Wolfgang Hohlbein oder ein Terry Pratchett und schon gar keine mittelmäßige FF-Schreiberin wie ich wird je in der Lage sein, auch nur ein passendes Glas zu finden, mit dem man dem Gründungsvater der Fantasy-Literatur das Wasser reichen könnte. Ich habe mir seine Charaktere nur ausgeliehen und maße mich nicht an, irgendetwas auf und um Mittelerde für mich zu beanspruchen.
°°°°°°°°°°°°
You fill me up, you're in my veins
A look could take my breath away
And all these things, you give away
Sometimes I take for granted
It's just like poetry inside
To hear you breathing by my side
Like I'm in heaven and I've died
So glad you're with me for this ride
°°°°°°°°°°°°°
(aus: "fill me up", Staind)
Er küsste sie sanft. Und je zärtlicher seine Berührungen waren, desto schwächer wurde sie.
Was sie spürte war mehr als seine Haut auf der ihren, mehr als das Verlangen eines Mannes nach einer Frau. Es war.....sie konnte es nicht sagen, denn bisher war es ihr fremd gewesen.
Doch es fühlte sich gut an, besser als alles andere.
Und es war weder der Moment in dem er sie küsste, noch der, als er seine Lippen zart über ihre Schultern tanzen ließ, in dem ihr klar wurde, dass sie jede einzelne Nacht in ihrem bisherigen Leben ohne Zögern gegen diese Eine umgetauscht hätte. Nein- es waren jene Momente, in denen er ihr erlaubte, in seine Augen einzutauchen.
Alles andere war plötzlich selbstverständlich. Seine Finger auf ihrer Haut, warm, und auf eine unerklärbare Weise...fühlend. Sie wusste, dass er sie EMPFAND.
Etwas schien ihre Brust zerreißen zu wollen, es fühlte sich an wie gebündeltes Glück und plötzlich hatte sie Tränen in den Augen.
Sie hielt still, als sein Atem über ihren Hals strich. Immer wieder hielt sie den Atem an, wagte es nicht, ihren Brustkorb zu heben aus Angst, ihre Eindrücke würden sich dadurch ändern oder ihre Sehnsucht würde gar verfliegen.
Vorsichtig streichelte er ihre Brüste, betastete mit den Fingerspitzen das empfindliche, weiße Fleisch, erforschte jede Erhebung, küsste sie und ließ bis zuletzt ihre steifen Brustwarzen unbeachtet.
Erst als er merkte, dass sie sich ihm bereits ungeduldig entgegenstreckte, schenkte er ihnen endlich Aufmerksamkeit, blies nacheinander einen Kuss auf die dunklen Rauheiten der Haut und sog sie dann zärtlich in den Mund.
Sie stieß ein leises Keuchen aus. Mehrere Male hintereinander jagten heißkalte Schauer in kurzen Abständen über ihren Körper.
Sie spürte das Lächeln, das sich über das Gesicht des Elben stahl, als er ihre Erregung wahrnahm.
Beinahe zornig grub sie ihre Hände in sein Haar, drückte sein Gesicht an ihren Körper und dann weg davon.
Er sollte aufhören damit.
Warum machte er nicht weiter??
Etwas unsanft und in vollkommener Verwirrung zog sie ihn näher, küsste ihn ungeduldig, aggressiv. Wieso quälte er sie? Bei all den anderen war es so schnell gegangen...bei ihm hatte sie das Gefühl, als fräßen sie glühende Flammen von innen her auf, ganz langsam und es....tat so verdammt gut.
Ihre Armmuskeln verkrampften sich, sie spürte, dass er von ihr zurückweichen wollte, aber sie ließ es nicht zu, fasste ihm im Nacken, versuchte, ihn irgendwie über sich zu ziehen. Er nahm ihre Handgelenke, bog sie mit sanfter Gewalt zur Seite und machte damit seinen Kopf frei.
Seine Augen flackerten, doch er sagte nichts. Wozu auch?
Ein wütendes Knurren entfloh ihrer Kehle. Sie bäumte sich auf, versuchte, ihn mit ihren Beinen zu umklammern, in irgendwie an sich zu zwingen. Missmutig nahm sie wahr, dass er seine Beinkleider noch immer trug.
Auch wenn er sie davon abhalten hatte können, ihn festzuhalten- so schaffte er es doch nicht, zu verhindern, dass sie ihm den Gürtel löste und ihn vollständig auszog. Für Sekunden glich ihre Vereinigung eher einem Kampf. Dann schleuderte sie das lästige Gewebe gegen den Spiegel. Mit hungrigen Augen betrachtete sie seinen durch und durch männlichen Körper. Ihre Finger bebten vor Verlangen, ihr Blick war seltsam dunkel. Der Elb war überrascht- noch nie hatte er sich so begehrt gefühlt, beinahe gejagt. Nun gut, sie war eine Blutjägerin...
Schnell zog sie ihn an sich, schlang ihre Arme um ihn, sodass es schon eher einer Umklammerung glich. Gierig kostete sie seinen Mund, riss seine Lippen auf. Ihre Zungen rangen miteinander, lösten sich für einen Augenblick, nur um gleich darauf wieder mit einer Begierde, die an Brutalität grenzte, aufeinander zu treffen.
Plötzlich riss Legolas den Kopf zurück. Seine Zunge strich kurz über seine brennenden Lippen. Er schmeckte salziges Blut aus einer winzigen Wunde strömen.
Sie hatte ihn gebissen!
Mit einer Mischung aus Entsetzen und wachsender Erregung beobachtete er, wie seine Geliebte sein Blut mit der Zunge aufnahm und kostete.
Dann lächelte sie und zeigte ihm ihre Zähne auf denen noch etwas von dem Lebenssaft haftete.
Der Anblick hätte ihn schockieren, abstoßen sollen. Stattdessen weckte er etwas in ihm, von dem er bisher nicht gewusst hatte, dass es existierte. Was immer es auch war- Wut, tierisches Verlangen oder ein anderer dunkler Urinstinkt, den man ansonsten Orks und anderen niederen Wesen zugeschrieben hätte- es erwachte mit einer Macht, die ihn jegliche Rücksicht vergessen ließ.
Wie ein trockener Grashalm, der in einem Feuer verglühte, vergaß er alles, was er bisher im Umgang mit einer Frau für wichtig gehalten hatte.
Sie schrie, als er ihre Schenkel ruckartig mit seinen Beinen auseinander zwang. Gleichzeitig verstärkte er den Druck um ihre Handgelenke, so dass es für sie unmöglich sein musste, sich zu befreien. Doch irgendwie schaffte sie es doch, riss seinen Kopf in den Nacken und saugte an seiner Kehle, als wäre sie ein Vampir.
Er konnte sich nicht mehr länger zurückhalten.
So langsam wie es ihm möglich war, und doch viel zu schnell, begann er in sie einzudringen.
Ihr praller, muskulöser Oberkörper wand sich wie unter Qualen unter seinen Bauchmuskeln, während ihr Körper von ihrem Nabel abwärts eine andere Sprache zu sprechen schien, denn sie versuchte ununterbrochen, ihn mit ihren Beinen zu umschlingen.
Mit beiden Händen strich er ihr das schweißnasse Haar aus dem Gesicht. Sie umklammerte seine Finger, denn ohne es zu merken, zerrte er fester als nötig an ihren Locken. Sein Atem ging stoßweise, blies eiskalt gegen ihre glänzenden Körper. Seine Halsmuskulatur bewegte sich angespannt unter der schimmernden Haut, es war ihm anzukennen, dass es ihm größte Mühe bereitete, noch länger zu warten.
Oxana hielt plötzlich still. Er spürte, wie ihre Schenkel sich lockerten und ihm mehr Platz gewährten.
„Milin cen or gurieb [Ich liebe dich auf ewig]", stieß er heiser hervor. Sie verstand seine Worte nicht, doch der Ausdruck seiner Augen genügte ihr. Es war eine Flamme der Liebe, die selbst in diesem Moment größter Intimität nur für sie brannte und nicht für das, was sie gerade war. Seine Bettgefährtin.
Es schien ihm eine Ewigkeit, die sie ihn warten ließ. Dann nickte sie endlich, ganz sacht und noch mal schimmerte...Unsicherheit in ihren Augen.
Er küsste sie, während er langsam in ihr versank. Er wäre mit wenigen, kräftigen Stößen beim Höhenpunkt gewesen, doch er hatte lange genug Zeit gehabt, um sich kontrollieren zu lernen, und so wartete er. Sie fanden einen sanften Rhythmus, und es dauerte nicht lange, da begann Oxana leise zu keuchen, ihr Atem beschleunigte sich um ein weiteres und die Muskeln in ihrem Inneren zogen sich fest um sein Glied zusammen.
Dann, nach einer weiteren kleinen Ewigkeit, die Legolas gesamte Willenskraft erforderte, kamen sie gleichzeitig.
Oxana hatte das Gefühl, verglühen zu müssen. Unkontrollierbare Hitzewellen durchjagten ihren Körper, und es schmerzte wie Peitschenhiebe und bereitete ihr gleichzeitig unsäglichen Genuss. Was immer da gerade mit ihr geschah, es war wundervoll und grässlich zugleich und so tief ihre Liebe für den Mann über ihr auch war, so tief war für eine Sekunde der Hass, den sie gegen ihn hegte.
Ihre Finger krallten sich in seine Hände, so tief, dass Blut unter ihren Fingernägeln hervorquoll, doch Legolas bemerkte es nicht. Alles was er empfand war schiere Verzückung und unermessliches Erstaunen darüber, dass es ausgerechnet eine Sterbliche war, die ihm nach so vielen Jahren nun zeigte, dass er noch lange nicht alles über Frauen wusste.
Er stöhnte, als die Wellen des Orgasmuses sich ebbten und er sich endlich zurückzog. Nun glänzte auch sein Körper vor Schweiß und er musste sich eingestehen, dass er mehr als ein wenig erschöpft war.
Minutenlang langen beide still da, regungslos so eng aneinandergeschlungen, als wären ihre Körper miteinander verwachsen.
Oxana war die erste, die ihre Hand erhob und zärtlich mit seinem blonden Haar zu spielen begann.
„Das war wunderschön", hauchte sie schwach und küsste ihn auf den Scheitel.
Legolas lächelte. „Ich weiß."
Sie schwiegen einige Minuten, genossen das Gefühl der kalten Luft auf ihren überhitzten Körpern.
„Und?"Oxana stütze ihren Kopf auf ihre Hand auf und betrachtete ihren Geliebten liebevoll. Wie gut es ihm stand, wenn er verschwitzt war und sein Haar in seiner Stirn klebte!
Legolas runzelte die Stirn. Sie liebte es, wenn er das tat. Vorsichtig zeichnete sie mit dem Zeigefinger die Furchen auf seiner Stirn nach.
„Und was?", fragte er und fuhr mit einem Finger beiläufig über die gerötete Stelle an seinem Hals.
„Na ja", Oxana grinste breit, „bin ich so gut wie Nîthiel?"
Legolas ar, um es sachte auszudrücken, überrascht.
Selbst im Bett entwickelte sie Ehrgeiz.
Diese Frau war einfach nur unglaublich.
