Ich wehrte mich nicht dagegen, denn ich selbst hatte ja genau das gewollt.
Ob er sich nun besser fühlte?
Ich hoffte es.
Als wir langsam wieder begannen, einen Tanzschritt einzulegen, schloss ich meine Augen, um die seichte Wärme zu genießen, die von ihm ausging.
Und mir war nicht ganz klar, warum, aber mit einem Mal wusste ich, dass jetzt die Zeit gekommen war, um über ein Thema zu sprechen, das wir schon viel zu lange vor uns her geschoben hatten.
„Wo bist du nur die ganze Zeit gewesen?", fragte ich und ärgerte mich, wie sehnsüchtig das doch klang.
„Nun…ich war in New York."
New York?
Was war da?
Kannte er dort jemanden?
„Nicht etwas zu…belebt?", murmelte ich ganz nah an seinem Körper und kostete seinen mir so gewohnten Geruch vollkommen aus.
Wie war er denn auf New York gekommen?
Ich kannte Damon und besonders seine Vorliebe für ‚frisches Menschenblut'…
Hoffentlich hatte er sich wenigstens ein bisschen gezügelt.
„Ach, wenn man sie meiste Zeit in Casinos und Bars verbringt, bekommt man von dem Rummel auf den Straßen eigentlich gar nichts mit."
Ich zog die Stirn kraus und grummelte leise vor mich hin.
Sollte das heißen, er war nie nach draußen gegangen?
…ungewollt erschien das Bild von hunderten blutleeren Leichen auf einem Haufen vor meinem geistigen Auge.
Doch diesen Gedanken verwarf ich sofort wieder, denn das war dann schon etwas zu hart.
Nicht, dass ich ihm das nicht zutrauen würde, nein!
Er war ja immer noch Damon.
„Du kannst mir nicht erzählen, dass du dich zwei Jahre lang nur in einem abgeschlossenen Raum aufgehalten hast.", sagte ich scherzhaft.
Ich glaubte, ein Schmunzeln vernommen zu haben, aber als ich kurz nach oben sah, starrte er einfach nur ins Leere.
„Natürlich hab ich auch Mädchen aufgerissen, wenn du das meinst."
Ich erstarrte.
Was hatte er da gerade gesagt?
Als ich den Kopf hob, um ihn erneut anzusehen, grinste er: „In beiderlei Hinsicht."
Kopfschüttelnd sah ich wieder nach unten.
War das nicht klar gewesen?
Natürlich, er war ein Vampir und ein ziemlich anziehender noch dazu!
Außerdem gab es ja auch noch die Manipulation.
Wenn ich daran dachte, wie er die Frauen erst geködert und hinterher eiskalt ausgesaugt hatte, wurde mir schlecht.
Schauer überliefen meinen Rücken und mir wurde richtig schwindlig, aber ich konnte mich ja bei Damon festhalten, um nicht umzukippen.
Warum vertraute ich ihm eigentlich so sehr, wenn er mich jederzeit töten könnte?
Weil ich wusste, dass er es nicht tun würde.
War das zu wenig?
Aber so war es nun mal!
Ich hatte bei ihm das starke Gefühl der Geborgenheit, ich fühlte mich sicher.
Und wahrscheinlich wäre es völlig egal, wie viele schreckliche Dinge ich noch über ihn hören würde.
Auch dann würde ich fest daran glauben und darin vertrauen, dass ich ihm etwas bedeutete und er mich nicht verletzen würde.
Doch woher kam dieser Glaube, dieses Wissen?
Darin war ich mir noch nicht ganz sicher, jedoch wusste ich, dass nur einer seiner Blicke meine Meinung ändern konnte.
Es würde immer so sein.
Schnell flog mein Blick zu ihm auf und meine Augen trafen sofort auf Seine, als hätte er mich die ganze Zeit über schon angestarrt.
Aber was ich dort sah, erschütterte mich!
Was war das für eine Unsicherheit, für eine Angst, die in dem tiefen Blau schimmerte?
Hatte er mich angelogen?
War alles, was er mir hier so großspurig erzählt hatte, eine einzige Lüge?
Ja, genau das war es.
Schnell verschleierte ich meine Bestürztheit mit einem unbekümmerten Gesichtsausdruck.
Er sollte glauben, ich hätte die ganze Zeit gewusst, was Sache war.
Er grinste.
Gab es einen Grund dazu?
Natürlich, denn das war seine Maske.
Wieder einmal versteckte er sich vor mir und genau das wollte ich ändern.
Gelangweilt sprach ich aus, was dazu beitragen sollte: „Und jetzt die Wahrheit."
Ich kuschelte mich wieder an seine Brust, merkte aber, wie er scharf die Luft ein sog.
Ich hatte ihn überrascht und – endlich einmal – in Verlegenheit gebracht.
