33. VON DEM BRAND
V o r w o r t :
OH MEIN GOTT MAN KANN FORMATIEREN!!!!!!!! luftzuwedel waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhh!!!!!!
So, und jetzt mal ein längeres Kapitel. Ich könnte jetzt in den Staub fallen und mich entschuldigen für das späte Update- aber ich bin sogar dafür zu müde ( . Arbeite übrigens gerade an einer zensierten Version von Kappi 32.......... sabber ... hups, jetzt bin ich aufeinmal wieder munter...komisch
DragonSleep: Iss nur soviel du willst gg!! Damit schwimmst du nämlich gegen den- ich muss-straffe-haut-und-einen-waschbrettbauch-haben- Strom an ;)- EMANZIPATE YOURSELF!!!
Aureliel: Keine Angst, ich hab mir schon etwas ausgedacht, dass den „Friede-Freude"- Eierkuchen zerbröseln wird fg . Mehr verrat ich aber noch nicht ;). Und ja, du hast recht, als ich das „ich- lieb-sie-so"- Zeug geschrieben hab, kam ich mir richtig döflich vor, aber, na ja, Leggi is nun mal ein Elb von der alten Schule ;)
Samira Nin: Lies mal GANZ genau nach, ich glaub du wirst was entdecken in diesem Kapitel (die stelle, wo die frauen vor dem haus stehen) ( hehehehehehehehehehehehehehe)
SFMK: Mensch, schreib mal ein längeres Review, ich WEISS dass du es kannst !!!! (
JustSarah: Dasselbe gilt für dich. Trau dich aufmunter . Hups: Danke übrigens.
Haselmaus: Du bist echt brutal- Stricknadeln???? Wenn dir so was gefällt, dann wirst du mit dem neuen kappi zufrieden sein....
Acht Frauen.
Mehr hatten sich innerhalb der kurzen Zeit, die ihnen zur Verfügung stand, nicht finden lassen.
Oxana musterte ihre kleine „Armee"zufrieden. Größtenteils bestand sie aus rotbäckigen, dunkelhaarigen Frauen in der Blüte ihrer Jahre. Robuste, starke Menschen, die wussten, worauf sie sich einließen.
Sie bedankte sich bei Mirielle und begann dann, den Frauen ihren Plan in wenigen Worten mitzuteilen. Es galt, Zeit aufzuholen. Mirielle hatte länger als es gut war dazu gebraucht, Freiwillige aufzutreiben.
„Und das soll funktionieren?", murmelte eine zweifelnd, als sie abgeschlossen hatte.
Oxana nickte.
„Es wird", sagte sie selbstsicher.
„Es muss", fügte sie im Gedanken hinzu.
„Schhhht!"
Der Blutjäger schien nichts zu hören.
Oxana grunzte verärgert. Eine Schande, dass man so schwerhörig sein konnte in diesem Beruf! Ihr wäre eine solche Unachtsamkeit niemals unterlaufen!
Kurzerhand hob sie einen faustgroßen Stein auf und schleuderte ihn in Richtung des maskierten Mannes in Schwarz. Der Brocke landete geräuschvoll auf der untersten Stufe der Treppe, die zum Säulengarten vor dem Elbenhaus hinaufführte.
Endlich reagierte der Mann.
Sein Kopf zuckte herum, er zog sein Schwert und folgte, sich misstrauisch umsehend, dem Kiesweg, der zum Haus hinführte.
Oxana, an den Stamm einer mächtigen Buche gepresst, spannte sich, als der Mann auf ihr Versteck zukam. Noch einmal erzeugte sie ein Geräusch, indem sie mit dem Fuß im Laub scharrte.
Dann, als der Blutjäger beinahe neben ihr stand, packte sie ihn mit einer Hand am Kragen, während sie ihm mit der anderen blitzschnell das Schwert aus der Hand schlug.
Mühelos zog sie ihn hinter den Baum, umschloss seinen Kopf und seinen Nacken mit beiden Händen, fast wie eine Mutter, die ihr Kind geborgen hält.
Dann brach sie ihm mit einer schnellen, ruckhaften Bewegung das Genick.
Schnellstens tauschte sie ihr Kleid mit den schwarzen Sachen des Blutjägers, nahm dessen Schwert an sich und band sich letztendlich seine Maske um.
Die zweite Wache, die vor dem Eingang positioniert und damit beschäftigt war, ihr Schwert zu schleifen, bemerkte zu spät, dass ihr Kollege sich in eine Frau verwandelt hatte. Er kam nicht einmal mehr dazu, einen Schreckenslaut auszustoßen. Oxana rannte die letzten Schritte auf ihn zu, zog, ohne länger darüber nachzudenken, ihr Schwert und schnitt ihm mit Schwung die Kehle durch.
Eine Fontäne dunkelroten Blutes ergoss sich über sie.
Der Kopf des Mannes fiel etwas nach hinten, als er gegen die Wand sank, die Schnittwunde, die sie ihm zugefügte hatte, klaffte rot vor ihr auf wie ein grässlicher, zweiter Mund.
Sie verspürte einen leichten Schauder.
Nicht den Bruchteil einer Sekunde hatte sie darüber nachgedacht, ob es wirklich nötig war, auch diesen Blutjäger zu töten. Sie hatte es einfach getan. Und auch, wenn er ihr mit Sicherheit keine andere Wahl gelassen hätte- es gefiel ihr ganz und gar nicht.
Und doch war es so erschreckend selbstverständlich gewesen.
Nachdem sie sich versichert hatte, dass keine weiteren Wachen vor dem Haus platziert waren, gab sie den im Wald versteckten Frauen ein Zeichen, ihr zu folgen.
Zu neunt standen sie vor dem großen Eingangstor. Einige der Städterinnen trugen große Körbe voller Essen mit sich, andere hölzerne Fässchen mit Öl.
„Sie werden uns alle umbringen", jammerte plötzlich eine jüngere Frau namens Samira, „sie werden uns durchschauen und dann sind wir alle des Todes! Sie werden uns und unsere Kinder töten und dann..."-
Oxana verpasste ihr eine Ohrfeige.
„Gar nichts werden sie, solange ihr euch schön ruhig und möglichst unterwürfig verhaltet", fuhr sie die Frau grob an.
Samira verstummte augenblicklich und senkte ihren Blick. Oxana hasste es, wieder in ihre alten Verhaltensmuster zurückfallen zu müssen.
„Musste das sein?"
Mirielle wies auf den toten Blutjäger, den Oxana bloß notdürftig etwas zur Seite gezogen hatte, sodass man ihn nicht auf Anhieb entdecken würde.
Oxana nickte wortlos, während sie mit einem Tuch ihre Sachen abwischte und dann den Mantel zuzog, um die restlichen Blutflecken zu verbergen. „Entweder sie oder wir, du kannst es dir aussuchen."
Darauf wusste die Dienerin nichts zu erwidern.
Oxana zog die Kapuze ihres schwarzen Mantels tief in ihr Gesicht.
Sie klopften an der Tür, ein ziemlich schlecht gelaunter Blutjäger öffnete sie ihnen.
„Was soll das??"
„Wir wurden herbestellt um ein Mahl für Euch und Eure Kollegen anzurichten", erklärte Mirielle.
Oxana wunderte sich über den festen, überzeugenden Klang ihrer Stimme.
Der Blutjäger blieb regungslos stehen, sah Oxana fragend an. „Stimmt das?"
Sie nickte bloß. Noch immer schien der Mann nicht daran zu denken, zur Seite zu treten.
Neugierig spähte er in die Körbe der Frauen. „Wo ist Rangolf?", verlangte er misstrauisch zu wissen.
Sie machte eine wage Geste zu den Bäumen hin. Langsam begann ihr die Situation unangenehm zu werden. Unter ihrem Mantel hatte sie bereits den Schwertgriff umschlossen.
Doch da zuckte der Mann endlich mit den Schultern und ließ sie ein, unwissentlich seinem Tod entgehend. Vorerst, jedenfalls.
In der Küche angelangt, tauschte Oxana noch einige kurze Sätze mit Mirielle.
„Nehmt die Speisen und gebt sie zuerst den Wachen in der Halle. Danach bringt ihr sie in die Kerker hinunter."Sie nahm einen kleinen Lederbeutel aus ihrer Manteltasche und reichte ihn der Dienerin. In dem Beutel befanden sich die letzten Reste des geheimnisvollen Krautes. „Nehmt das und streut es auf das Essen, falls die Wirkung nicht ausreicht."
Bevor sie sich umwandte, um zu gehen, hielt Mirielle sie noch einmal zurück. „Was sollen wir mit den Blutjägern tun?"
Oxana zuckte mit den Schultern. „Tötet sie".
Mirielles Augen wurden groß. Oxana begriff, dass diese acht Frauen wohl kaum in der Lage sein würden, sich wegen dieser Sache in Mörderinnen zu verwandeln.
Sie seufzte geschafft. „Dann fesselt sie eben. Aber fest. Und vergesst nicht, sie zu knebeln! Wenn die Wachen außer Gefecht gesetzt sind, befreit ihr den König und seine Leute und erklärt ihnen unseren Plan. Hast du mich verstanden? Ich werde solange versuchen, die dort draußen zu beschäftigen"
Mirielle nickte. Es war ein komisches Gefühl, jemandem Anweisungen zu geben, der beinahe doppelt so alt war wie einer selbst.
Sie nickten einander ein letztes Mal zu, dann senkte Oxana den Kopf und verließ die Küche.
Mirielle sah ihr nicht lange nach, sondern verschloss die Tür, klatschte zweimal laut in die Hände. „Los Mädels! Wir werden ihnen ein Mahl bereiten, das sie ihren Lebtag nicht vergessen werden!"
„Das ist doch die Höhe! Ich verlange, euren Anführer zu sprechen! Du da! Du mit der Tätowierung auf der Wange! Tu nicht so, als ob du mich nicht hören könntest! Im Nîthiel Morfin- si dartho!!! He, DARO!!!! [Ich bin Nîthiel Morfin, bleib hier! He, bleib stehen!] "
Sarnir hielt sich gequält die Ohren zu.
„Die Blutjäger werden schon ihre Gründe gehabt haben, als sie die Frau im Wald aussetzten", murmelte Théoden.
Aragorn musste sich zusammenreißen, um nicht loszuprusten.
„DAS HABE ICH GEHÖRT!", rief Nîthiel aus der Nachbarzelle. Die finsteren Visagen der Wachen verzogen sich zu einem schadenfrohen Grinsen.
„Wenn Ihr darauf besteht kann ich sie gerne zum Schweigen bringen, mein König", schlug Obhart vor, der sich in der selben Zelle wie die Elbenprinzessin befand. Ein schwerer Fehler.
Er wurde daraufhin von Nîthiel mit einem Schwall von Flüchen und Beschimpfungen eingedeckt.
Sarnir, Théoden, Aragorn und all die anderen Krieger in ihrer Zelle waren plötzlich den Blutjägern dankbar, dass sie durch Zufall von Nîthiel getrennt worden waren.
„Und wie lautet euer Plan zu unserer Befreiung?", fragte Théoden schließlich, nachdem er lange umsonst gewartet hatte, dass Nîthiel verstummte.
Sowohl Aragorn als auch Sarnir zuckten mit den Schultern.
Na wunderbar, dachte der junge König und massierte sich die Schläfen. Da ist man hilfsbereit und eilt einem alten Freund zur Hilfe und im nächsten Moment findet man sich in einer Kerkerzelle wieder, kurz vor seiner Hinrichtung.
Allerdings sprach er die Worte nicht laut aus, er war ja immerhin der König und hatte die Aufgabe, seine Leute zu ermutigen, nicht umgekehrt.
„Uns wird schon noch was einfallen". Er versuchte ein Lächeln, doch es misslang ihm kläglich. Ein paar Männer murmelten sarkastische Bemerkungen. Die Stimmung in der Zelle hatte ihren Tiefpunkt erreicht.
„Wenn ich das richtig sehe", flüsterte Aragorn Sarnir zu, „dann können wir nur hoffen, dass irgendjemand den Blutjägern durch die Finger gegangen ist und uns von draußen helfen kann. Wobei ich mich frage, wie derjenige so etwas hinbekommen soll..."
Sarnir nickte. Seine Gedanken kreisten, wie so oft in den vergangenen Stunden, wieder um Oxana. Es war ein furchtbares Gefühl, nicht zu wissen, wie es um sie stand. Und dennoch glaubte er nicht, dass ihr etwas zugestoßen war. Es klang seltsam doch....er hätte es aus irgendeinem Grund gespürt, wenn sie Schmerzen empfand.
Jemand kam die Treppe herab. Es wurde geredet, die Stimmen der Blutjäger klangen misstrauisch, verwirrt.
Der dunkelhaarige Elb war als erster bei der Tür, um nachzusehen, was los war.
Zwei Frauen hatten den Keller betreten, sie trugen Körbe mit Essen und Krüge voll Wein bei sich.
Nach kurzem Zwiegespräch verteilten sie alles Mitgebrachte an die Wächter, die schon seit dem Morgen nichts mehr gegessen hatten und sich gleich hungrig über alles hermachten.
Dieser Geruch.....Sarnir wurde stutzig.
Es dauerte kaum eine Minute, da ging eine Veränderung mit den fünf Männern vor, und den Gefangenen bot sich das kurioseste Schauspiel, das sie je gesehen hatten:
Zwei der Männer fassten einander an den Händen und verschwanden, ein dämliches Lächeln auf den Lippen, in einem finsteren Gang. Es dauerte nicht lange, da drang unterdrücktes Stöhnen aus der Dunkelheit.
Sarnir sah aus den Augenwinkeln, wie Théoden rot anlief. „Was...?"
Sie verfolgten, was weiter geschah.
Der dritte ließ das Stück Braten fallen, von dem er gerade Mal einen Bissen genommen hatte und stürmte, wie von Dämonen besessen, die Treppe hinauf.
Der vierte wurde von einer der Frauen bewusstlos geschlagen, als er versuchte, ihr in den Ausschnitt zu fassen.
Der fünfte allerdings- er trug das Zeichen der Blutjäger auf seiner Wange- löste den Schlüsselbund von seinem Gürtel und sperrte Nîthiels Zelle auf. Die Gefangenen stürmten heraus, rissen den Mann von den Beinen und entwaffneten ihn, doch das schien ihm nicht viel auszumachen, er rappelte sich immer wieder auf und kroch auf die Zelle zu.
Obhart schloss die zweite Zelle auf und befreite somit die restlichen Gefangenen.
„Wie habt ihr das geschafft?", verlangte Aragorn verdutzt von den beiden dunkelhaarigen Frauen zu wissen.
Die beiden lächelten geheimnisvoll, gaben aber keine klare Antwort. „Sagen wir, sie sind unseren Kochkünsten erlegen", lachte eine und die andere kicherte wie ein kleines Mädchen. „Liebe geht ja bekannter Weise durch den Magen", fügte die andere hinzu. Die Zweite hielt sich den Bauch vor Lachen.
Keiner der Krieger verstand, was daran so lustig war.
„Ihr könnt nach oben gehen, die Blutjäger in der Halle sind bereits ruhig gestellt", sagte eine der Frauen.
„Wessen Idee war das hier?", fragte Sarnir. Er war gerade dabei, den Mann, der die Zelle aufgesperrt hatte, zu fesseln. Dieser wand sich wie ein Wurm und flüsterte hin und wieder ein Schwaches: „Nîthiel Morfin....was für ein schöner Name!"
„Eine junge Frau mit flammenden Haar. Sie nennt sich Oxana".
Sarnir grinste.
Er liebte diese Frau.
Der Himmel war mit dichten, weißen Wolken verhangen und ein kühler Wind streifte durch die Wälder von Erech, als man Legolas holte und auf den Hof hinausführte.
Der Elb ging stolz und aufrecht und wich den neugierig- misstrauischen Blicken der Blutjäger nicht aus. Wenn es tatsächlich sein Schicksal war, auf diese Weise zu sterben, so würde er wenigstens in Würde abtreten.
Er wollte Nimbrethil und ihren Schergen nicht die Genugtuung geben, ihn ängstlich wimmernd ins Jenseits zu befördern.
Zu seinen Lebzeiten war er ein Prinz gewesen- und als Prinz würde er in den Tod gehen, dachte er. Und gleichzeitig musste er sich eingestehen, eine Heidenangst zu haben.
Er blieb kurz stehen um sich umzusehen. Im Zentrum des Hofes türmte sich ein Haufen aus verkohltem Holz, Knochen und geschwärzten Rüstungsteilen. Der Wind trug ihm den Geruch von verkohltem Fleisch und verbrannten Fett in die Nase. Sein Magen verkrampfte sich.
Zu Dutzenden hatten sich die Blutjäger um den runden Platz versammelt und beobachteten jeden seiner Schritte. Der Prozess, den Nimbrehtil ihm angekündigt hatte, schien wohl ein groß aufgezogenes Spektakel zu werden.
Eine Hinrichtung zur Unterhaltung und gleichzeitig als Lehrbeispiel für die Blutjäger in Ausbildung. Nimbrethil war in der Tat eine gute Lehrerin, dachte er sarkastisch.
Seine beiden Aufseher, die nun zwei Speere trugen, stießen ihn unsanft an und Legolas stolperte weiter, ohne jedoch den Blick von den Gesichtern der Anwesenden zu wenden.
Viele von ihnen trugen Masken oder hatten ihre Kapuzen so weit ins Gesicht gezogen, dass nur noch ihr Kinn zu sehen war.
Ob Oxana wohl auch einmal eine Maske getragen hatte?, fragte er sich. Und was unterschied diese Menschen von all den anderen, die „normalen" Beschäftigungen nachgingen? Lagen ihre Gründe, so wie bei Oxana, in ihren Vergangenheiten? Konnte man einem Menschen Gefühle abgewöhnen, ihn zur Kälte erziehen? Wie verhielt es sich bei Elben?
Er wurde gegen den Baumstamm gepresst, an dem sonst die Zielscheiben für die Bogenschützen befestigt waren. Eine Wache löste ein elbisches Seil, eines von der Art , mit dem man seine Handgelenke aneinander gebunden hatte, von ihrem Gürtel und begann, ihn an dem Pfahl festzubinden.
Es hatte keinen Sinn sich zu wehren. Hätte er einen der Wächter niedergeschlagen- was ihm ohne Zweifel mühelos gelungen wäre, wären im nächsten Augenblick an die fünfzig Pfeile in seinem Rücken gesteckt.
Wobei, dachte Legolas mit sonderbarer Gleichgültigkeit, es wohl keinen großen Unterschied mehr machte, ob er jetzt oder erst in ein, zwei Stunden starb.
Wie hatte sich ein Thronfolger in einer solchen Situation zu verhalten? Sollte er sich seinem Todesurteil stellen wie ein Mann oder doch bei dem Versuch zu fliehen sterben wie ein Krieger? Welches Ende war wohl würdiger?
Die beiden Wachen positionierten sich in kurzem Abstand zu beiden Seiten des Pfahles, stützten ihre Speere am Boden auf und warteten in ruhiger Haltung auf Nimbrethils Erscheinen.
Ein unwirkliches Gefühl beschlich Legolas, als befände er sich in einem grotesken Traum. Der Hof war voller Menschen, die auf seinen Tod warteten....jedes einzelne Augenpaar war auf ihn gerichtet, die meisten schwiegen, manche murmelten einander leise Worte zu.
Sie achteten darauf, nicht zu laut zu sprechen, da sie über die scharfen Ohren der Elben Bescheid wussten.
Und trotzdem fing Legolas einige Satzfetzen auf: „....nimmt glaube ich die Armbrust...."„Ich würde mich für die Pfeile von diesem gondorianischen Schmied entscheiden, du weißt schon, die braungefiederten..." „...würde auf Enthaupten tippen. Und sicher können später wieder Mal WIR den ganzen Schlamassel beseitigen....".
Es war immer ein gutes Gefühl, sich von Feinden umgeben zu wissen.
Das Tor des Elbenhauses wurde geöffnet und Nimbrethil, gefolgt von Rawen und Silaid trat ins weiße Tageslicht.
Im Hof wurde es augenblicklich gespenstisch ruhig, so ruhig, dass man hörte, wie das Tor knarrend geschlossen wurde.
Lautlos näherten sich die drei dem festgebundenen Prinzen und hielten in einigem Abstand vor ihm an.
„Der Prozess ist hiermit eröffnet", rief Nimbrehtil laut, und auch das letzte Geräusch erstarb mit ihrer Stimme.
Selbst der Wind hörte eine Sekunde lang auf, zu wehen.
Silaid zog eine Schriftrolle unter seinem dunklen Mantel hervor und entrollte sie.
Legolas traute seinen Ohren nicht, als der Halbork begann mit lauter, schnarrender Stimme die Anklagepunkte zu verlesen:
„Der Angeklagte Legolas Grünblatt, Sohn von Thranduil und Fürst und Thronerbe des Düsterwaldes wird beschuldigt, folgende Verbrechen begangen zu haben: Teilnahme am Mord von Himglîn, den Sohn Nimbrethils. Mord an einer Anzahl von Söldnern. Weiters die Verleumdung der Familie Nimbrethils, was die Verbannung ihrer Sippe aus dem Düsterwald und den Verlust der Ehre vor ihrem Volk zur Folge hatte. Hinzukommt Misshandlung zweier Söldner, indem er sie in den Bergen bei kalten Wetter an einem Stein gefesselt zurückgelassen hat."
Legolas' Brauen wölbten sich.
Silaid hob den Blick und fügte hinzu: „Und abschließend möchte ich noch hinzufügen, dass auch mir von dem Beschuldigten nicht unbeträchtliche Schmerzen zugefügt wurden."
Dieser schmierige kleine......
„Danke Silaid", sprach Nimbrethil und der Halbork trat lässig hinter sie zurück.
Die silberhaarige Elbe ging zu Legolas und blieb einen Schritt vor ihm stehen.
„Nun, konnten die Anklagepunkte Euer Gedächtnis wieder etwas auffrischen?", fragte sie kühl lächelnd.
Legolas nickte.
„Nimbrethil, Himglîns Mutter, Bedienstete am Hofe meines Vaters....ich erinnere mich an dich. Dein Sohn war es, der für den Tod meines Bruders mit seinem Leben bezahlen musste. Und Rawen..."- er wandte den Kopf, „...du musst Himglîns kleine Schwester sein, die damals noch fast ein Kind war. Selten sah man dich bei Hofe, denn du bist gerne mit den Jägern in den Wäldern umhergezogen. Du bist ein Kind Oromes, des großen Jägers, eine ruhelose Seele voller Jähzorn. Ja, ich erinnere mich an dich und deine Mutter."
Er spürte, dass Rawen leicht erschrocken war, als er ihren Namen und den ihres Bruders ausgesprochen hatte.
Nun aber wurde ihr Gesicht hart, und er spürte, wie sie versuchte, ihre Gefühle so gut wie möglich zu überspielen:
„Dann erinnert Ihr Euch auch sicher noch daran, wie die kleine Sippe meiner Mutter aus dem Düsterwald verbannt wurde, als Strafe für ein Verbrechen, das keiner von uns begangen hatte."
Legolas schwieg einen Moment und sah dabei Nimbrethil an. „So glaubt Ihr also an die Unschuld Eures Sohnes?"
„Ich WEISS um seine Unschuld", gab die zarte Elbe zurück, und plötzlich schien alle Kraft aus ihrem Körper zu weichen.
Das wenige, das ihrer zarten Erscheinung Halt gegeben hatte, die Entschlossenheit ihrer Augen, verschwand.
„Ich kannte mein Kind. Er war ein zarter, fast fragiler Junge. Selbst wenn er es gewollt hätte, er hätte Euren Bruder gar nicht töten können, denn er wäre zu schwach dazu gewesen."
Legolas erinnerte sich an das Bild des jungen Elben, an sein schmales, blasses Gesicht, seine Figur, die in ihrer Zartheit Ähnlichkeiten mit der seiner Mutter aufwies.
Sein Bruder hingegen war kräftig gewesen, größer als er selbst und dabei unglaublich schnell, selbst für einen Elben.
Widerstrebend musste er Nimbrethil Recht geben.
„Er stand vor dem Zimmer, in dem mein Bruder in seinem Blut lag, ein blutiges Messer in den Händen haltend", entgegnete er bitter, „welche Schlüsse hättet Ihr an der Stelle meines Vaters und mir gezogen?"
Nimbrethil funkelte ihn böse an.
„Gerade ein Elb sollte wissen, dass selbst das Offensichtlichste hinterfragt gehört! Was, wenn Himglîm an jenem Tag bloß zufällig in der Nähe gewesen ist? Was, wenn ihm der wahre Mörder das Messer in die Hand gedrückt und sich danach unauffällig aus dem Staub gemacht hat, im allgemeinen Chaos, das herrschte? Viele Möglichkeiten fielen mir noch ein, wie es sich damals zugetragen haben könnte- doch Ihr und Euer Vater schient ganz versessen darauf zu gewesen zu sein, den erstbesten Schuldigen an den Galgen zu bringen!"
Sie hielt inne, ihr Atem ging schnell und ungleichmäßig. Sie hatte ihm ins Gesicht geschrieen.
Er verstummte für eine Weile.
Ja, vielleicht hatte sie Recht. Was konnte er zu seiner Verteidigung sagen? Dass er nicht der einzige gewesen war, der den Tod des Jungen gefordert hatte, sondern auch sein Vater und die Freunde der Familie?
Damals hatte er nicht eine Sekunde an der Schuld Himglîns gezweifelt. Er hätte es sollen, das wurde ihm jetzt klar, denn sein Einspruch hätte den Tod des Jungen verhindern, oder zumindest aufschieben können. Doch damals hatte sein Herz nach Rache geschrieen und seine Augen hatte Blut sehen wollen für das, was seinem Bruder angetan worden war.
„Denkt Ihr, mein Tod würde Euch Euren Sohn zurückbringen?", fragte er tonlos.
Nimbrethil lachte leise. „Natürlich nicht. Aber ich werde durch Euren Tod endlich zu meiner lang ersehnten Rache kommen."
Ihre Stimme wurde gefährlich leise.
„Ihr und Euer Vater habt mir meinen Sohn genommen. Ihr habt meine Sippe verbannt und uns zu einem Leben unter Sterblichen verdammt! Der Name meiner Familie wurde aus den Schriften und somit aus dem Gedächtnis unseres Volkes gestrichen, und somit habt ihr uns auch um unsere Vergangenheit und unsere Zukunft gebracht! Mein Gatte starb vor vielen Jahren aus Gram über diese Sache, und ich schwor an seinem Sterbebett, seinen Tod zu rächen. Und endlich, endlich, nach langer Zeit der Vorbereitung und des Wartens auf den richtigen Moment, ist der Tag meiner Rache gekommen."
Ein kühler Wind ließ ihr dünnes Haar tanzen.
Sie streckte die Hand mit dem roten Ring aus und gab ihrer Tochter ein Zeichen. Rawen nahm ihren Bogen und spannte bedächtig einen Pfeil ein.
„Nun sollt Ihr am eigenen Leibe den Schmerz erfahren, den Ihr meinem Sohn zugefügt habt. Aber die Gnade eines schnellen Todes werde ich Euch nicht zuteil werden lassen. Euer Leiden wird groß sein, aber dennoch nur ein Bruchteil des Leides, das die meinen erfahren mussten. Einzig Euer Vater wird nachempfinden können, was ich einst empfand, wenn er von Eurem Tod erfährt."
Rawen spannte den Bogen und zielte erst auf seinen Hals. Dann wanderte die Pfeilspitze weiter nach unten. Sie ließ sich Zeit, schien diesen Moment voll auszukosten. Sie würde ihn nicht töten, bloß verwunden.
Vielleicht wollten sie ihn verbluten lassen oder ausprobieren, wie viele Pfeile sein Körper ertragen konnte, bevor er das Leben aushauchte.
Legolas sah zum Himmel auf und versuchte nicht an den Schmerz zu denken, der vor ihm lag, als eine bekannte Stimme aus der Menge ertönte.
„WARTET!"
Ein unmutiges Raunen ging durch die Reihen der Blutjäger. Die allgemeinen Aufmerksamkeit richtete sich auf eine schlanke, maskierte Gestalt mit in einem schwarzen Mantel, die gerade das Tor des Hauses hinter sich schloss und sich ins Zentrum des Übungsplatzes drängte.
Mit einer wirkungsvollen Bewegung streifte der Blutjäger die Kapuze von seinem Kopf.
Ungebändigte, rote Locken umtanzten das helle Gesicht einer jungen Frau.
„Oxana?!", flüsterte Legolas verdutzt.
„DU?!", kreischte Silaid und ließ vor Schreck seine Schriftrolle fallen.
Rawen wirbelte herum, und innerhalb einer Sekunde waren einige Dutzend Pfeile und Schwerspitzen auf Oxanas Kopf gerichtet und Legolas' Herz machte einen gewaltigen, erschrockenen Sprung.
Auch Nimbrethil verlor das Interesse an ihrem Gefangenen.
Wie hatte Oxana es geschafft, bis hierher zu kommen?!
Legolas versuchte vergeblich, Blickkontakt zwischen ihnen aufzubauen. Es schien fast, als bemerke sie ihn gar nicht.
„Du lebst", stellte Rawen nicht ohne Verwunderung fest.
„ Ich habe ja schon immer gesagt , dass sie eine Hexe ist!", kreischte Silaid aufgeregt, „erschießt sie, bevor sie uns alle mit einem Zauber belegt!"
Nimbrethil brachte ihn mit einer herrischen Handbewegung zum Schweigen. Nachdenklich musterte sie Oxana, die offenbar ganz gelassen war und nicht vorzuhaben schien, das Schwert an ihrer Hüfte zu benützen.
Was hatte sie vor?!
„Du musst Oxana sein, wenn meine Augen mich nicht täuschen. Die Söldnerin mit dem Eisblick...meine Tochter hat mir bereits viel von dir erzählt. Ich gebe zu, sie hat in keiner Hinsicht übertrieben- du bist genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Auch wenn du eigentlich tot sein müsstest..."Sie warf Silaid einen scharfen Blick zu.
Oxana lächelte ausdruckslos. „Und Ihr seid wohl die berüchtigte Nimbrehtil. Ich muss allerdings sagen, dass Ihr nicht im Entferntesten so ausseht wie ich es mir vorgestellt habe. Rawen muss nach ihrem Vater gekommen sein..."
„Hüte deine Zunge oder ich werde sie dir an den Gaumen nageln", zischte Rawen und trat einen Schritt vor. Die Sehne ihres Bogens surrte bedrohlich.
Nimbrethil hielt sie mit einer Geste zurück.
„Was willst du? Ich nehme an, du bist nicht so dumm dir einzubilden, den Prinzen alleine befreien zu können, so wie dieser alte Rohirrim. Also, warum bist du hier? Sprich!"
Oxana warf einen Blick über Nimbrethils Schulter zu Legolas hin. Seine Verwirrung wuchs, als er dem Blick ihrer Augen begegnete. Kühl und eisig wie am Tage ihrer Begegnung. Jegliche Wärme war darauf verschwunden.
Sie sah wieder Nimbrethil an.
„Ich bin gekommen, um meine Loyalität unter Beweis zu stellen. Dieses doppelzüngige Ekel dort"- sie zeigte auf Silaid, „hat meinen guten Ruf zerstört und mich vor all meinen Kollegen unmöglich gemacht. Nichts von all dem, was er Euch an Lügen erzählt hat, ist wahr. Ich will Euch meine Treue unter Beweis stellen- sagt mir nur wie!"
„Sie lügt!", schrie Silaid außer sich, „sie will mich bloß denunzieren! Ich habe Euch immer treu gedient, Ihr kennt mich doch!!"
„Gerade deswegen scheint mir ihre Erklärung glaubhaft zu sein", murmelte Nimbrethil und rieb sich nachdenklich übers Kinn. Ihr durchdringender Blick entdeckte keine Lüge in den Augen ihres Gegenübers, und ihre Worte klangen überzeugend.
Was für eine bemerkenswerte junge Frau! Da war viel Hass in ihr und eine Kühle, die sie wie eine Aura umgab. Und sie hatte etwas Elbisches an sich, auch wenn sie nicht genau sagen konnte, was es war.
Nach einigen Sekunden des Schweigens nickte sie.. „Gut. Ich gebe dir eine Chance, deine Fehler wieder gut zu machen."
„Aber Mutter!", rief Rawen empört. Nimbrethil ignorierte sie.
„Gib ihr deinen Bogen und tritt zur Seite."
Rawen tat zähneknirschend, wie ihr geheißen.
Oxana nahm die Waffe, legte mit geübten Bewegungen den Pfeil auf.
„Wenn das, was du behauptest, wahr ist", begann Nimbrethil, und das Blitzen ihrer Augen dabei gefiel Legolas ganz und gar nicht, „dann wird es dir sicher nichts ausmachen, deinen Auftrag hier und jetzt zu Ende zu führen."
Sie lächelte. „Schieß ihm ins Bein."
Legolas schluckte.
Das würde sie nicht tun.
Oxana nahm vor ihm Aufstellung, hob den Bogen mit quälender Langsamkeit und zielte auf seinen linken Oberschenkel.
Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn. Er fühlte einen Kloß in seinem Hals entstehen.
Das würde sie doch nicht tun?
Er liebte sie! Sie hatten sich geliebt!! Sie war ein guter Mensch!!! „Sie ist eine Blutjägerin", konterte seine innere Stimme. Er wurde bleich wie eine Wand.
„Worauf wartest du?", rief Rawen, „schieß!"
DAS WÜRDE SIE DOCH NICHT TUN?!?!?
Sein Herz setzte aus.
Sie tat es.
Ein markerschütterndes Brüllen zerriss die gespannte Stille im Hof, so laut, dass es selbst in den Wäldern zu hören war.
Legolas stöhnte, für einen Moment wurde ihm Schwarz vor Augen, als in seinem Oberschenkel sich ein explosionsartiger Schmerz ausbreitete.
Erst nach Sekunden senkte er den Blick und starrte vollkommen fassungslos auf den rot gefiederten Pfeil in seinem Bein.
Ein dunkelroter Fleck breitete sich mit erschreckender Geschwindigkeit auf seiner Hose und einem Teil seiner Tunika aus.
Ihm schwindelte. Er hob den Kopf und glotzte Oxana völlig perplex an.
WAS, IN SAURONS NAMEN, HATTE SIE SICH DABEI GEDACHT?!?
„Oxana!", stöhnte er, „was tust du?"
Sie lächelte kühl, senkte ihre Waffe und zuckte mit den Schultern. „Meinen Job."[A/N: Wie cool ]
Rawens Augen gingen über.
Silaid hatte sein endloses Gejammer eingestellt und lief zu dem Elben hin, um zu überprüfen, ob die Wunde auch echt war.
Legolas brüllte vor Agonie, als der Halbork an dem Pfeil rüttelte und er spürte, wie noch mehr Blut sein Bein hinunterfloss.
Das Geschoss stak fest, ließ sich kaum bewegen.
„Beeindruckend. Ich gebe zu, das hatte ich dir nicht zugetraut", lobte Nimbrethil. „Ich muss mich wohl bei dir entschuldigen, ich hatte dich falsch eingeschätzt."
„Ich bin immer wieder für Überraschungen gut", schmunzelte Oxana.
Er starrte sie an wie eine Erscheinung.
Wie hatte er sich nur so in ihr täuschen können?! Er, in seiner weltverbesserischen Art, hatte doch tatsächlich geglaubt, sie zu kennen. Er hatte sogar geglaubt, dass sie ihn liebte!
Mit schmerzverzerrtem Gesicht sah er auf seine Tunika, die sich dunkelrot zu verfärben begann.
Eine Blutjägerin. Erst jetzt wurde ihm bewusst, was dieses Wort bedeutete. Sie hatte ihr Leben, ihre Seele diesem Beruf geopfert, und ihre Vergangenheit würde sie niemals loslassen.
Der schmerzhafte Stich in seiner Brust hatte nichts mit der Verletzung an seinem Bein zu tun.
Er hätte es wissen sollen. Alles was er empfunden hatte...eine Lüge.
So kam man sich also vor, wenn man von jemanden ausgenutzt und betrogen wurde.
„Es sei dir vorerst verziehen", lächelte Nimbrethil, „ich werde dafür sorgen, dass Silaid seiner gerechten Strafe zugeführt wird. Du weißt ja, welche Strafe auf Verrat steht...."
Der Halbork begann wieder vor sich herzujammern.
„Einen Moment!", mischte sich Rawen plötzlich ein und war mit ein paar schnellen Schritten bei Legolas. Mit zusammengekniffenen Augen besah sie sich die Wunde aus der Nähe.
Dann lachte sie hell auf und schüttelte den Kopf. „Ha! Ich wusste es! Ein Fehlschuss. Die Wunde wird schnell heilen und keine Schädigungen hinterlassen. Ich muss es wissen, ich habe ihr gezeigt, wie man solche Schüsse platziert."
Sie ging zu Oxana, um ihr den Bogen aus den Händen zu reißen. Diese setzte sich allerdings zur Wehr, schlug Rawen ins Gesicht- was dieser allerdings nicht allzu viel ausmachte- und sah sich im nächsten Moment von einem halben Dutzend Blutjäger umringt.
Legolas verstand überhaupt nichts mehr.
Ein Fehlschuss? Was hatte diese Aktion sollen?!
Und wieso, verdammt, musste ein Fehlschuss so weh tun?!?
Rawen rieb sich verärgert die Wange, nahm ihren Bogen wieder an sich und legte einen Pfeil auf, den sie auf Oxanas Stirn richtete.
„Du hättest nicht versuchen sollen, mich mit meinen eigenen Tricks zu täuschen", lächelte sie kühl.
Oxana grinste plötzlich breit. „Riechst du das?", fragte sie.
Legolas schnupperte automatisch in die Luft.
Es roch nach.....verbranntem Öl....und der Geruch kam dieses Mal vom Haus her.
Und im selben Moment stürzte eine dunkle Gestalt, von dunklen, qualmigen Rauch eingehüllt, aus dem Hauptgebäude und schrie:
„DAS HAUS BRENNT!!".
In wunderbarer Kürze brach ein herrliches Chaos unter den Anwesenden aus.
Auf Rawens und Nimbrethils gebrüllte Befehle gab plötzlich keiner mehr Acht, alles strebte zu dem Torbogen hin, der aus dem Hof hinausführte.
Keiner allerdings tat auch nur einen Schritt nach draußen, denn plötzlich standen dort Théodens Krieger, und fällten jeden, der an ihnen vorbeizugelangen versuchte, mit mächtigen Schwerthieben.
Ihre Wut verlieh den Rohirrim zusätzliche Kräfte und die Blutjäger in ihrer Panik reagierten anfänglich nicht rechtzeitig, und wenn, dann falsch.
Oxana indessen hatte ihr Schwert gezogen und eilte zu Legolas hin, um ihn vom Pfahl los zu schneiden.
Als er frei war, sank er augenblicklich nach vor, doch es gelang ihr im letzten Moment noch, ihn aufzufangen und abzustützen.
„Kannst du mir erklären, was das sollte?!", krächzte Legolas. Sein Gesicht war schmerzverzogen.
„Ich musste sie ablenken", erklärte sie eiligst, zog ein Küchenmesser unter ihrem Mantel hervor und drückte es ihm ohne Erklärung in die Hand. Sie hatte improvisieren müssen.
„Hättest du das nicht etwas weniger schmerzhaft für mich gestalten können? Singen zum Beispiel? DIE Schäden hätten mich zumindest nicht beim Kämpfen gehindert..."
„Mach nur so weiter, Elb", zischte Oxana humorlos, „..und der nächste Schuss sitzt."
Das Grinsen in Legolas' Gesicht gefror.
Oxana hob den Blick. „VORSICHT!", rief sie erschrocken.
Legolas duckte sich hastig und zog sie mit sich zu Boden. Ein Pfeil bohrte sich surrend in den Pfahl.
„Ihr werdet schön hier bleiben!", rief Rawen wütend und legte einen zweiten Pfeil auf.
Oxana rollte sich hastig über die Schulter ab, sprang auf und rannte im Zick-Zack- Lauf und mit offensichtlich selbstmörderischer Absicht auf die blonde Elbe zu, die mit einer fließenden Bewegung ihr Schwert zog.
Legolas fluchte etwas Unfeines auf Sindarin und humpelte hastig zu der Leiche eines Blutjägers, um seine Waffe gegen dessen Schwert einzutauschen. Hastig brach er den Pfeil in seinem Schenkel ab, wagte er es jedoch nicht, ihn herauszuziehen.
Mit dem Schwert in der Hand hielt er Oxana andere Blutjäger vom Leibe, während die sich in einen nahezu epischen Kampf mit ihrer ehemaligen Kollegin stürzte.
Es wäre, unter anderen Umständen, für einen Kenner ein wahrer Genuss gewesen, den beiden Frauen beim Kämpfen zuzusehen.
Ihre Bewegungen waren perfekt aufeinander abgestimmt, gingen so fließend ineinander über, als könne die eine die Gedanken der anderen lesen. In einem gewissen Sinne war dem auch der Fall, denn jede kannte die Methoden der anderen bestens.
Schließlich wichen sie voneinander zurück, schöpften kurz Atem.
Rawen stand mit dem Rücken zu Nimbrethil und dem brennenden Haus.
„Meine Bücher....all die schönen Bücher!", hörte man die Lehrerin klagen.
Dichter, fettiger Qualm strömte aus dem Tor in den Hof und die Hitze des Feuers war bereits spürbar.
Unter dem Verband um ihre Stirn glänzte Rawens Gesicht vor Schweiß. Ihre Brust hob und senkte sich schnell.
Oxana wunderte sich, wie schnell sie die Elbe außer Atem gebracht hatte. Es lag wohl daran, dass auch ihr die Wut ungeahnte Kräfte verliehen hatte.
„Du hast mich noch nie besiegt und du wirst es auch dieses Mal nicht", lächelte Rawen atemlos.
Oxana zuckte mit den Schultern und ließ ihr Schwert ein Kreuz in die Luft schneiden.
„Das kann schon sein. Aber eine von uns wird wohl daran glauben müssen. Das weißt du. Das wusstest du von Anfang an, nicht wahr, Thalaron?"
Rawen grinste breit. „Ich habe ja schon immer gewusst, dass du ein cleveres Mädchen bist."
Oxana setzte ihr nach, ihre Klingen kreuzten sich erneut, diesmal regnete es dabei Funken.
Sowohl Rawen als auch sie wurden durch die Wucht des Aufpralls zurückgeworfen.
Langsam begann Oxana einiges klar zu werden. „Du wusstest bereits im Düsterwald, dass ich ihn nicht töten konnte, darum auch der Angriff deiner Söldner. War dein Misstrauen mir gegenüber tatsächlich so groß? Oder bist du unter die Hellseher gegangen? "
Rawen lachte. „Ich bin eine Elbe, Mensch, vergiss das nie! Dinge, die du wohl nie begreifen wirst, erkenne ich auf einen Blick!"
„Was meinst du?!"Oxana senkte vor Verwirrung das Schwert.
Ein fataler Fehler, denn Rawen nutzte diesen Moment der Unachtsamkeit, um einen erneuten Angriff zu starten. Gerade noch rechtzeitig riss Oxana ihre Waffe hoch und wehrte die kräftigen, gezielten Hiebe, Stiche und Tritte der Elbe ab.
Sie fühlte, wie ihre Kräfte nach und nach schwanden.
Legolas indessen hatte alle Hände voll damit zu tun, sich selbst am Leben zu erhalten, auch wenn die Zahl der Blutjäger dank der Rohirrim beständig schrumpfte.
In der Zwischenzeit hatten sich Aragorn, Obhart, Sarnir und einige andere Krieger einen Weg in den Hof freigekämpft und unterstützten ihn.
Das Feuer des Hauptgebäudes begann an manchen Stellen bereits auf die Zimmer der Schüler um den Hof überzugreifen. Aus den Stallungen drang das hysterische Wiehern der Pferde, welche die Gefahr spürten.
Endlich gelang es Oxana, das Blatt zu wenden und nun Rawen vor sich herzutreiben, bis sich beide plötzlich direkt vor dem Tor befanden und somit mitten im beißenden Qualm standen.
Oxana sah nichts mehr, stolperte hustend und mit tränenden Augen nach hinten.
Sie hörte Rawen siegessicher auflachen, und erkannte verschwommen ihren Schemen, der auf sie zukam. Im letzten Moment warf sie sich instinktiv zur Seite. Sie konnte hören, wie Rawens Schwert neben ihr in den Boden fuhr.
Oxana fand nicht einmal ausreichend Zeit, um erleichtert aufzuatmen- denn Rawen schien alles daran zu setzen, diese verpatzte Chance auszubessern.
Rawen setzte ihr unbarmherzig nach, ließ ihr keine Möglichkeit, wieder auf die Beine zu kommen oder gar in die Defensive überzugehen.
Schließlich fühlte Oxana, dass sie am Ende war. Jeder einzelne Fleck an ihrem Körper schmerzte, ihre Schwerthand zitterte und krampfte, sie brachte kaum noch die Kraft auf, sich ein weiteres Mal herumzuwerfen, um nicht Opfer Rawen's wütender Klinge zu werden.
Es kam, wie es kommen musste: Rawen gelang es, ihr die Waffe aus den Händen zu prallen und ihr mit einem brutalen Tritt in die Bauchgegend die Luft aus den Lungen zu treiben.
Oxana krümmte sich, unfähig zu atmen. Mühevoll sah sie zu Rawen auf, die mit erhobenem Schwert über ihr stand.
Dann nahm sie eine Bewegung hinten am Tor war.
Eine zierliche Gestalt näherte sich, gebeugt und qualvoll hustend dem verrauchten Hintereingang.
Nimbrethil. Sie lief in ihren Tod.
Rawen war Oxanas Blick gefolgt und erstarrte.
Eine Sekunde zögerte sie.
Dann senkte sie das Schwert, wirbelte herum und lief ihrer Mutter nach. Oxana zweifelte, dass eine von ihnen das Haus je wieder lebend verlassen würde.
Die Kämpfe im Hof neigten sich ihrem Ende zu- und es sah ziemlich schlecht für die Blutjäger aus.
Erschöpft kroch Oxana auf allen Vieren von dem Tor weg, ließ sich schwer atmend gegen eine kalte Wand sinken. Funken stoben durch die Luft, die Sicht im Hof wurde immer schlechter.
Sie entschied sich dafür, sich, solange noch Feinde am Leben waren, in einem der Zimmer um den Hof zu verstecken. Einem weiteren Gegner hätte sie in ihrem Zustand sicher nicht lange standgehalten.
Mühsam rappelte sie sich auf, öffnete eine der Türen und schlüpfte in die Dunkelheit, die dahinter lag.
Die Geräusche und Schreie von draußen wurden dumpf und irgendwie unwirklich, der unangenehme Rauch hatte es hier drinnen noch nicht geschafft, sich auszubreiten.
Mit dem Vorsatz, nur ein paar Augenblicke Rast zu machen, ließ sie sich auf das schmale Bett sinken, das in der hintersten Ecke des kleinen, quadratischen Raumes stand. Trübes Licht sickerte durch die geschlossenen Fensterläden, zeichnete blasse Streifen vor ihre Füße.
Noch immer raste ihr Puls, pochte ihr Kopf.
Sie legte das Schwert beiseite, senkte den Oberkörper und ließ ihn kraftlos auf ihre Oberschenkel sinken. Vielleicht würde diese Haltung dem Kopfweh entgegenwirken.
Schritte.
Die Tür wurde aufgerissen, sie sah erschrocken auf, griff reflexartig nach ihrer Waffe. Das Licht tat in ihren Augen weh.
Eine schwarze, kleinwüchsige Gestalt.
Eine Armbrust blitzte für eine Sekunde auf.
Dann ein leises Klicken und ein Surren, als der Hebel umgelegt und der Bolzen abgeschossen wurde.
Und bevor ihr sie auch nur einen klaren Gedanken fassen konnte, traf sie etwas mit der Wucht eines stählernen Fausthiebs in der Magengegend und bohrte sich tief in ihre Eingeweide.
N a c h w o r t:
Seid ihr jetzt ganz geschockt und wartet auf eine Fortsetzung?
Könnt ihr es gar nicht mehr erwarten???
Zittert ihr schon vor Spannung?????
Dann schreibt ein Review, das nächste Update kommt erst in einer Woche, frühestens.
Harharharharharharharharhahr
Mann bin ich böse.
