Kapitel 34
Von der Gefangenschaft in Dûnland
Sheila: HALLOOOO NEUE!!!!!!!!! Hey, stell dich doch mal vor!!! Wer gefällt dir am meisten? Welches kap mochtest du und warum? Warum liest du meine ff? hehehehe....
Amrun: WOW, NOCH WER! ;). Ich meine,...natürlich bekomm ich ANDAUERND reviews von neuen leuten, also SOO besonders is das nicht..... Ach geh, blödsinn, ich lach jedes Mal wie blöd wenn mir jemand schreibt. Das ist wie...laufen für sportler für mich ...hehe! danke, und ich freu mich, falls du wieder mal schreibst!
Haselmaus: noch da?? Nein, bitte kein Reviewentzug!! Ogott, du hast herausgefunden wie du mich erpressen kannst.....meine güte, was willst du? Mein taschengeld? Gut, fünf Euro pro monat.......
SFMK: Du magst Romantik? Gut, dann lass dieses Kapitel besser aus, du würdest bloß geschockt sein….
Neogodness: hab ich schon mal erwähnt, dass ich deinen Nicknamen cool finde? Danke fürs liebe Review! Ich weiß, es ist nicht leicht, was langes zu schreiben- aber immerhin waren es schon...4!!! Zeilen lach ...nö, ganz ehrlich: Ich freu mich über jede Art von Rückmeldung ;)
JustSarah: micherbarm ganz bald is es zwar nicht unbedingt...aber ich hab mich beeilt!
Haselmaus: Silaid oder nicht? Naja, die Antwort bekommst du ja bald.... Ist das Update früh genug da?
Hexenlady: Du bist gut . „Schreib schnell weida". Hoffentlich hast dir keinen Schreibkrampf geholt ggggggg !! Danke!
SamiraNin: Okay, dann bist du halt unverheiratet. Vielleicht bring ich dich mit Sarnir zusammen...mal sehen ;)
V o r w o r t :
Um euch noch ein wenig länger mit dem Fortgang der Story auf die Folter zu spannen hab ich beschlossen, eine kleine Rückblende einzubauen. HALT! Bitte trotzdem weiterlesen ;)—denn ich glaube, ihr findet hier drinnen die eine oder andere Erklärung auf gewisse elbische Züge einer gewissen weiblichen Hauptfigur mit roten Haaren und blauen Augen.....
„Und, habt ihr sie zum Reden gebracht?"
„Sie schweigt nach wie vor."
„Elbisches Miststück. Wie kann sie es wagen? Hat sie denn noch immer nicht genug? Was habt ihr schon an ihr gemacht?"
„Nur die üblichen Dinge, Herr: Wir haben ihr die Folterinstrumente gezeigt, ihr deren Funktionen erklärt und sie bei ein paar Behandlungen zuschauen lassen. Auch die Peitsche hat sie bereits zu spüren bekommen."
„Nahrung?"
„Ein paar Brotrinden und einen Krug Wasser am Tag".
„Das ist zuviel.....verringert die Ration. Gebt ihr bloß....einen Becher Wasser pro Tag. Abgestandenes Wasser."Der Alte runzelte seine von vielen tiefen Zornesfalten verunzierte Stirn und schüttelte den Kopf, während er sich ausbesserte: „Nein. Nicht abgestanden. Angefault. Ja, gebt ihr Wasser aus dem zugewachsenen Brunnen am hinteren Tor."
Der Diener nickte gehorsam, nicht weiter über die seltsamen Einfälle seines Herren nachdenkend. Was kümmerten ihn die Gelüste der Mächtigen? Das Mädchen im Keller tat ihm zwar schon seit Wochen leid, aber sicherlich hatte sie auch selbst ihren Teil dazu beigetragen, sich in einer solch misslichen Lage zu befinden. Und selbst wenn dem nicht so war- er hatte eine Frau und fünf Kinder zu ernähren. Er bekam seine Gulden nicht fürs Nachdenken, sondern fürs Gehorchen.
Und so trollte der schmächtige Diener mit den langen Armen sich, das Haupt demütig gesenkt, den gleichgültigen Blick auf seinen zerfledderten Schuhe gerichtet, und ließ den alten Monarchen auf seinem Sitz an der reich gedeckten Tafel zurück.
Ein jüngerer Mann mit schulterlangem, schwarzen Haar und gepflegtem Bart, der zur Linken des alten Fürsten saß, räusperte sich. „Herr, erlaubt mir meine Meinung vorzubringen".
Er war Featur Quor, ein Mann aus einfachen Verhältnissen, der sich mit viel Ehrgeiz, Können und Geduld bis an den Hof des alten Adeligen hochgearbeitet hatte. Ein Schmied war er, angesehen und bekannt in ganz Dûnland und sogar über seine Grenzen hinaus.
Einige Jahre war er bei den Elben im Bruchtal in Lehre gegangen, hatte von ihnen viele neue Fähigkeiten für sein Gewerbe erworben und war selbst so manchem Elben durch seine Begabung ins Auge gestochen.
Dann aber war diese peinliche Misere mit den Pferden passiert und von da an war jeder Kontakt zum schönen Volk abgebrochen und bittere Eiszeit herrschte zwischen Elronds Leuten und denen des Fürsten.
Drei Jahre, dachte Featur Quor bitter, drei Jahre in denen sich sein Herr von einer respekteinflößenden Erscheinung in einen verbitterten, misstrauischen alten Kauz gewandelt hatte. Welcher sich nun ihm zuwandte und mit einem süffisanten Lächeln meinte: „Ihr braucht gar nicht erst anzusetzen, alter Freund, ich kann Eure Gedanken an Eurem Gesicht ablesen. Ihr findet, dass ich zu hart mit dem Mädchen ins Gericht gehe. Nicht wahr?"
Featur lächelte zurück, doch unter dem Tisch spielten seine Finger nervös mit seinem selbst gegossenen Goldring. Er mochte es nicht, wie sein Herr seine Gedanken lesen konnte, und noch weniger mochte er das Misstrauen, das sich, besonders in letzter Zeit, zwischen ihm und den Monarchen entwickelte.
„Ein toter Spion wird Euch kaum von Nutzen sein", entgegnete er endlich.
Ein paar Herzschläge lang sah der Alte ihn an, mit dem selben, starren Lächeln wie zuvor.
Dann nickte er, entgegen Featurs Erwartung, zustimmend.
Seine Worte allerdings sollten Featurs naive Vorstellung, der Alte habe tatsächlich einen Ratschlag von seiner Seite angenommen, zerstören.
„Ihr scheint Euch ja offenbar gut auszukennen, junger Freund."
Der Alte nippte an seinem Wein. Wie er dieses Gesöff hasste- der Wein aus Bruchtal hatte besser geschmeckt, aber sämtliche Handelsbeziehungen waren ja schon lange eingestellt und der klägliche Rest, der in den Kellern lagerte, war für besondere Anlässe gedacht, nicht für die allwöchentlichen Treffen der Höherbediensteten an dieser Tafel.
Featur seufzte. „Was wollt Ihr damit sagen, Herr?"Er hatte keine Lust, sich auf eines der heuchlerischen Gespräche einzulassen, die der Alte so liebte.
Der Fürst kam jedoch schneller, als ihm lieb war, zur Sache: „Ihr werdet das Mädchen zum Reden bringen. Sollte es Euch nicht gelingen, so wird sie sterben und Ihr werdet Euch in Zukunft davor hüten, meine Befehle in Frage zu stellen."
Bei ihrer Gefangennahme hatte er einen Blick auf den Rotschopf erhaschen können.
Damals, vor etwa zwei Monaten, hatte sie eindeutig besser ausgesehen.
Ihre Haut war blass geworden, kränklich schimmernd. Vielleicht lag das aber auch bloß an dem schlechten Licht hier unten. Wenige Sonnenstrahlen, durch ein Gitterfenster an der Decke einfallend und eine Fackel waren die einzigen Lichtquellen in der feuchten Verlieszelle.
Der Schmied schauderte.
Er war kein Feigling, hatte auch schon andere Kerker von innen gesehen. Und dennoch, dieses unterirdische Verließ, vor langer Zeit aus rohem Felsen gehauen, strömte ungleich mehr Kälte und Trostlosigkeit aus.
„Und wer seid Ihr? Noch ein Folterknecht? Ein neuer Wächter, der sich bei mir vorstellen will?"
Bewundernswert, dass die Kleine noch Sinn für Humor hatte, in ihrer Lage und in ihrem Zustand.
„Featur Quor ist mein Name, und ich bin Schmied."
„Bist du gekommen, um mir neue Fesseln anzulegen, Featur Quor?"Sie bewegte ihre Füße und ließ die kurzen Ketten, die von den Ringen darum zur Wand hinführten, rasseln. „Die alten werden langsam rostig- kein Wunder, bei dieser ewigen Feuchtigkeit."Sie grinste breit.
Er sah, dass ihre Zähne dabei aufeinander schlugen. Sie fror, hatte womöglich Fieber- dem kranken Glanz ihrer Augen nach zu urteilen.
„Ich soll dich verhören", ignorierte er ihren ohnehin misslungenen Scherz.
Sie schien nicht sonderlich überrascht zu sein. „Schon wieder? Was wollt Ihr denn noch wissen? Die Haarfarbe meiner Großmutter väterlicherseits? Hm...ich glaube, grau..."
„Du solltest dies als eine Chance sehen", unterbrach er sie ernst, „ich möchte dir helfen. Du brauchst mir bloß die Wahrheit zu sagen."
Das Mädchen lachte schrill. Es klang hysterisch. „Welche Wahrheit?", fragte sie sarkastisch. „Die, die Ihr hören wollt- oder die WAHRE Wahrheit? Aber eigentlich ist es doch egal, nicht wahr? Ihr werdet mich so oder so töten lassen."
„Diese Entscheidung liegt nicht in meiner Hand", murmelte Featur ausweichend und ein wenig gereizt.
Er trat näher an sie heran, setzte sich ihr gegenüber auf den Boden. Ihr Blick haftete misstrauisch an ihm.
Sie hatte auffallend hellblaue Augen, bemerkte er nebenbei, und einen fast unangenehm scharfen Blick.
„Du bist keine Elbe", stellte er mit größter Bestimmtheit fest. Er hatte viele Elben gesehen, und dies hier war keine.
„Oh nein, und ich wollte doch unbedingt eine sein", motzte das Mädchen ihn darauf an.
Wobei...er musterte sie noch einmal genauer aus der Nähe....sie war schon eher eine Frau als ein Mädchen.
Er war sich sicher, dass sie den Ernst der Lage nur allzu gut begriff. Sie war eine Fremde, gefangen in einem fremden Land. Und noch dazu auf der Burg eines alten Griesgrams, der unter Verfolgungswahn litt und die fixe Idee hatte, dass jeder Elb sein Todfeind war. In diesem Fall offenbar auch jeder, der einem Elben ein wenig ähnlich sah.
„Ich habe nur diese eine Möglichkeit, mit dir zu sprechen. Darum sei bitte vernünftig und versuche ernst zu sein, denn diese Sache IST ernst..."- „Ach, ist sie das?", unterbrach sie ihn beißend.
Er blitzte sie warnend an.
Sie grinste, zuckte entschuldigend mit den Schultern.
„Du hast sicher schon erfahren, warum man dich festgenommen hat."
Sie nickte. „Pferde. Dein Herr war anscheinend einfältig genug, den Elben ihre Pferde zu stehlen und hat sich damit eine Menge Ärger eingefahren. Und ich soll...eine Art Spion sein, der diese Elbenpferde wieder befreien soll." Sie lachte böse. „Naja, kein Wunder dass die mich festgenommen haben, gefährlich wie ich aussehe. Gleich vier von ihnen haben mich nach einem heldenhaften Kampf gefesselt und hergebracht."
Featur senkte beschämt den Kopf. „Das tut mir leid."
Sie sah ihn nachdenklich an. „Featur Quor....was ist das nur für ein Name?"
Er grinste. „Die Elben nannten mich Featur. Der Name steht für Kraft und Willensstärke. Und Quor ist der Name, den mein Vater mir gab... ."Er lächelte schief. Wieso erzählte er ihr das eigentlich?
„Wie heißt du?"
Sie zögerte kurz. „Oxana."
„Und was hattest du alleine in der Einöde Dûnlands zu tun, wenn man fragen darf? Es heißt, du trugst Waffen bei dir und warst auch sonst ganz wie ein Krieger gekleidet. Ist das dort, wo du herkommst, bei Frauen so üblich?"
Sie lachte, schwach den Kopf schüttelnd. „Nein, ganz im Gegenteil". In wenigen Worten erzählte sie ihm von ihrem Werdegang zur Kriegerin und Kopfgeldjägerin, und von ihrem Vorhaben, sich in die Dienste eines Landlords zu stellen.
„Ich habe mich von Schusswaffen entfernt, benutze eigentlich viel lieber Schwert und Messer, auch wenn ich hin und wieder zum Bogen greife, wenn's nicht anders geht", erklärte sie.
Eine Frau, die sich für Waffen begeisterte? Featur wusste nicht so recht, ob er begeistert oder befremdet sein sollte.
Er entschied sich für Ersteres.
Schon bald führten sie ein lebhaftes Gespräch, zählten Vor- und Nachteile von zwergischer Metallverarbeitung auf und schwärmten sich gegenseitig von ihren Erlebnissen mit den seltenen Waffen aus Wahrsilber vor.
Aus diesem Gespräch lernten sie beide etwas über den jeweils anderen- Oxana musste sich neidlos eingestehen, dass der Schmied eindeutig mehr über Waffen und deren Herstellung wusste als sie und seine Begeisterung dafür die ihre sogar übertraf.
Für Featur hingegen stand eines fest: Diese Frau war weder eine Spionin noch eine Lügnerin.
Nur, wie sollte er das dem Fürsten klarmachen?
„Aber sie ist unschuldig!!"
„Und deswegen soll ich sie laufen lassen? Wie habt Ihr Euch das vorgestellt? Soll ich mir bei ihr entschuldigen, ihr vielleicht noch eine kleine Wiedergutmachung zahlen? Oh ja, und wenn ich ihr eines meiner Pferde gebe, wird sie mir sicher verzeihen! Seid kein Narr, Quor!"
Featur bebte vor Zorn.
Nicht nur, dass es diesem habgierigen Raffer offenbar zu viele Umstände machte, eine einzelne Gefangene freizulassen- er redete ihn nun auch noch bei seinem seinem bürgerlichen, unbekannten Namen an!
Wollte er ihm so etwa zeigen, wo sein Platz war? Nämlich weit unter ihm in der hierarchischen Rangordnung am Hof?
„Angenommen sie verlangt weder Geld noch ein Reittier noch wird sie verrückt genug sein, zurück zu kommen, um Rache zu nehmen- was habt Ihr zu verlieren?", fragte der Schmied mühsam beherrscht.
„Mein Gesicht", erwiderte der Alte ruhig und goss sich seinen Wein ein. Dieses Mal war es süßer Wein aus Bruchtal, den er sich ansonsten nur selten genehmigte- in letzter Zeit aber mit bereits auffallender Regelmäßigkeit.
Featur sah stirnrunzelnd auf den silbernen Becher mit den stilisierten Blattmustern und konnte sich gut vorstellen, diesen bald am Boden liegend vorzufinden- der Fürst war bereits mehr als ein wenig angeheitert.
„Was würde die Dienerschaft von mir denken, wenn sie sehen, dass ich geirrt habe? Kann schon sein, dass das Mädchen"- „Oxana", warf Featur ein und handelte sich einen scharfen Blick ein- „DAS MÄDCHEN könnte unschuldig sein", fuhr der Alte unbeeindruckt fort, gähnte, kratzte sich seine ungepflegte Halbglatze und zuckte mit den Schultern. „Aber es müssen nun Mal Opfer gebracht werden, keiner wird sie vermissen, zumindest keiner, der mir etwas anhaben könnte."
Featur blieb schlichtweg der Atem weg vor soviel Ignoranz, um nicht zu sagen- Einfältigkeit. Der Fürst hatte sein Gesicht doch schon längst verloren, schon an jenem Tag, als er den Befehl gegeben hatte, die Pferde zu stehlen.
„Ihr könntet die Sympathie der Menschen gewinnen, wenn Ihr Oxana gehen lässt. Sie werden Eure Gnade und Eure Einsicht loben!"
„Sie werden mich für schwach halten".
„Im Gegenteil! Glaubt mir, sie werden Euch lieben!"Er verstummte, fügte dann aber hastig hinzu: „Nicht, dass sie das nicht schon tun würden, Herr..."
Der Alte grinste und Featur hasste sich selbst für sein schleimerisches Gesülze.
Wenn das alles hier vorbei ist, schwor er sich, würde er sich aus dem Staub machen. Er war dieser Staubkriecherei und diesem ewigen untertänigen Getue schon so überdrüssig.
„Was ist eigentlich so Besonderes an der Kleinen, dass du dich so für sie einsetzt, junger Freund?"
Er sprach zu ihm wie zu einem Hund. Dabei war der Altersunterschied zwischen ihnen nicht allzu groß, bloß dass Featur sich eindeutig besser gehalten hatte- was wohl daran lag, dass unter Featurs Vorfahren Dunedain gewesen waren.
„Sie ist unschuldig", knurrte Featur, „Ihr begeht einen schlimmen Fehler, wenn Ihr sie töten lässt."
Noch bevor der Fürst langsam seinen Becher sinken ließ erkannte Featur, dass er diesmal zu weit gegangen war.
Mühevoll erhob der Alte sich von seinem Holzthron, trat Stirn an Stirn mit Featur.
„Sage du mir nicht, was ich zu tun habe, du Bauerntölpel! Denn das bist du, wenn ich dich von meinem Hof schmeißen lasse- ein jämmerliches, mittelloses Nichts. Denkst du ich merke nicht, wie du versuchst, mir meinen Platz auf der Burg streitig zu machen? Hältst du mich für blind und schwachsinnig, bloß weil ich alt bin!? Hüte in Zukunft deine Zunge, oder ich sorge dafür, dass du sie nie wieder benutzen kannst. Und nun geh mir aus den Augen!!"
Featur erstarrte, aber nicht aus Angst, sondern, im Gegenteil, aus Zorn.
„Verschwinde von meiner Burg!", zischte der Alte, hob seinen Becher auf und schüttete ihm dessen Inhalt über die Kleider.
Featurs Hände ballten sich zu Fäusten, während er auf den Wein starrte, der vor seine Fußspitzen tropfte.
„Ihr macht einen großen Fehler", sagte er mit bebender Stimme, bevor er sich umwandte und wütend nach draußen marschierte.
Der Fürst starrte ihm böse nach und tobte noch lange in seinem finsteren Thronsaal, schimpfte die Dämonen der Hölle herbei und verfluchte Featur auf die unsäglichsten Weisen.
Dann ließ er die Wachen rufen.
„Tötet das Mädchen. Egal wie, bringt dieses Weibsstück um. Und bereitet ihr Schmerzen."
„Kleine Wildkatze!"
Er schlug ihr hart ins Gesicht, ihr Kopf wurde in den Nacken zurückgeschleudert, ihr Kiefer krachte.
Warmes Blut sammelte sich in Oxanas Mundhöhle, floss salzig ihre Luftröhre hinab.
Für eine Sekunde hatte sie das Gefühl, ersticken zu müssen. Und für eine Sekunde hoffte sie, dass sie es würde.
Ihre Kleider hingen in Fetzen an ihrem abgemagerten Körper. An einigen Stellen sickerte Blut aus den Schürfwunden, die er ihr zugefügt hatte. Ihre Wirbelsäule war umrahmt von Blutergüssen und Schrammen, ihre Handgelenke rot und zerkratzt.
Zuerst hatte sie vor Zorn geschrieen, dann vor Scham gewimmert und gekeucht. Und nun hatte sie nicht einmal mehr die Kraft, ein schmerzhaftes Stöhnen über die Lippen zu pressen.
Hieß es nicht, dass Geist und Körper sich voneinander trennen konnten, wenn der Schmerz zu groß, die physische Qual zu ungeheuerlich wurde? Wann, wann würde sie endlich jenen Punkt erreichen, wann würden die Götter ihr die Gnade erweisen und ihre Seele zu sich rufen, und sei es nur für wenige Minuten?
Der Wärter kam näher, ein dunkler Mann mit breiten Schultern und kräftigen Armen, der selbst sie um einen Kopf überragte.
Blut tropfte von seinem Kinn, lief in wellenförmigen Linien seinen Hals hinab und teilte sich an seinem dichten Brusthaar. Es stammt von der grässlichen Bisswunde an seiner Wange, die sie ihm zugefügt hatte als er.....
Sie wankte, stolperte rückwärts. Ihre Ketten spannten sich, hinderten sie daran, mehr Platz zwischen sich und ihrem Schänder zu schaffen. Das metallene Klirren erweckte heftige Übelkeit in ihr.
Ihr Magen krampfte sich.
Dieser dumpfe Rhythmus. Sie bekam ihn nicht mehr aus ihrem Kopf.
Ihre Arme zuckten unkontrolliert. Sie konnte dabei zusehen, wie sich ihre Hände öffneten und schlossen, krampfhaft, als wollen sie etwas festhalten. Immer wieder dieselbe Bewegung. - Auf und Zu-
Der Dunkle richtete seine Worte an seinen Kameraden, der sie die ganze Zeit über im Auge behalten hatte. Sie hatte ihm Hilfeschreie zugebrüllt, bis sie beinahe bewusstlos gewesen war.
Nun schnallte er seinen Gürtel auf.
Die beiden Männer lachten.
Vielleicht waren es aber auch mehr Männer, ihre rauen Stimmen hallten so oft in ihrem Kopf wieder, dass sie es nicht genau sagen konnte.
Er ging auf sie zu, seinen Mantel und sein Schwert ablegend.
Seine Augen glänzten lüstern, schienen ihren geschundenen Körper verschlingen zu wollen.
Gierig leckte er sich über die Lippen. Murmelt etwas und warf dann seinen Gürtel zur Seite. Oxana hörte dumpf das leise Geräusch, als die Gürtelschnalle gegen den kalten Stein prallte. Warum hörte sie dieses Nebengeräusch, aber nicht die Worte, die aus dem Mund des Mannes kamen?
Ihr Gefühl für die Wirklichkeit begann sich zu verschieben. Sie spürte, dass etwas in ihrem Kopf nicht stimmte, dass das, was ihr angetan worden war, ihre Wahrnehmungsfähigkeit verändert hatte. Alles war dumpf und grau und irgendwie gleichgültig.
Sie spürte seine gierigen Finger auf ihrem Gesicht, ihrem Körper. Wieder setzte sie sich zur Wehr, auch wenn es aussichtslos war, denn sie war gefesselt und geschwächt durch die Schläge des Ersten.
Sie packte seinen Arm, verdrehte ihn mit größter Kraftanstrengung, zog ihr Knie hoch und rammte es dagegen. Der Arm brach nicht, dazu war sie zu schwach- aber es tat ihm weh. Vielleicht war sein Knochen geprellt oder angeknackst.
Plötzlich war der Dunkle wieder da, packte sie am Haar und brachte sie zu Fall.
Sein Kumpel war über ihr, bevor sich die schwarzen Punkte vor ihren Augen auflösten. Mit Gewalt zwang er ihre Schenkel auseinander, positionierte sich dazwischen und machte sich bereit.
Der andere sorgte dafür, dass die Gefangene sich nicht allzu sehr zur Wehr setzte. Drehte ihren Kopf, sodass der andere Gelegenheit fand, ihr lüstern seine Zunge in den Mund zu rammen und darin zu toben wie ein Besessener.
Sie biss schwach zu, doch es entlockte ihm bloß einen amüsierten, kehligen Laut. Schon lange hatte sich keine mehr so zur Wehr gesetzt.
Oxana trat nach ihm, traf ihn an der Schulter. Der Dunkle ließ seine Faust von oben herab auf ihr Gesicht knallen, und ihr Schädel prallte hart gegen den Steinboden.
Für Augenblicke verlor sie das Bewusstsein.
Als sie aufwachte, war der andere bereits in ihr und alles begann von vorne.
Diese Schande. Sie wollte sterben.
„Beeil dich!", rief Rawen ungeduldig. Die Tür zu den Verließen, die sie mit einer Hand aufhielt, ächzte gequält, als sie hinter Oxana die Treppe hinauflief.
Das Menschenmädchen sah nicht gut aus, fand die blonde Elbe. Sie war leichenblass und Blut klebte an ihren Händen, das Blut des Wärters, den sie vorhin erstochen hatte.
Jenes Blut, das an ihren Schenkeln hinabfloss und eine auffällige Spur hinterließ, war allerdings ihr eigenes.
Das arme Ding hatte sein Kind verloren. Diese Bastarde hatten es ihr aus dem Leib geprügelt.
Rawen empfand Mitleid gegenüber Oxana, auch wenn es sich in Grenzen hielt.
Vielleicht was es so ja besser, sie war jung und hatte kein festes Zuhause, dachte die Elbe. Welche Zukunft hätte sie ihrem Kind schon bieten können?
Es war ein leichtes gewesen, als- zwar sehr schöne- Küchenmagd in die Burg zu gelangen, es würde aber ein größeres Problem darstellen, sie wieder zu verlassen. Vor allem mit einer über und über besudelten Oxana im Schlepptau. Es würde kompliziert werden, sie bei den Wachen als „die kleine Metzgerstochter"vorbeizuschmuggeln.
Sie seufzte, zog Oxana hinter sich her in eine Wandnische und dachte angestrengt nach.
Dabei bemerkte sie, wie die Hände des Rotschopfes ununterbrochen zuckten.
„Was ist mit dir?", fauchte sie teils verärgert, teils verwirrt. Oxana reagierte nicht. Wütend griff Rawen nach ihrem Gesicht und zwang sie, ihr in die Augen zu sehen.
Sie erschrak.
Sie waren vollkommen leer. Wo auch immer Oxana gerade war, sicherlich war es nicht Dûnland, und schon gar nicht diese Burg hier.
„Mädchen, du solltest langsam lernen, mit dem Tod umzugehen", murrte sie, aber es klang nicht halb so hartherzig, wie sie es gerne gewollt hatte. „Hast du eine Idee, wie wir hier rauskommen sollen?"
Wie erwartet kam keine Antwort.
Rawen seufzte. „Na wunderbar. Weißt du, du kannst gern in deiner Zelle bleiben, wenn's dir so gefällt darin".
Endlich reagierte Oxana. „Der Gesindelausgang", murmelte sie bloß. Rawen knurrte etwas, richtete das Kleid, das sie trug und war kurz davor, aus ihrem Versteck zu treten, als ein Schatten an der Wand neben ihnen erschien. Ein Mann kam die Treppe herab.
„Oxana?!", rief eine bekannte Stimme.
Rawen blinzelte überrascht. „Wer ist das?"
Oxana reagierte nicht, ihr Blick war wieder dunkel und stumpf. Vermutlich hörte sie nicht einmal mehr die Worte der Elbe.
Rawen fluchte leise, wartete, bis der Fremde nahe genug war, sprang dann unvermittelt aus der Nische und zog den Mann am Kragen hinter sich her in den Schatten.
Einen kleinen Dolch gegen seinen Hals gedrückt und ihm den Mund zuhaltend zischte sie: „Einen Laut und du bist tot. Wer bist du?"
Langsam senkte sie ihre Hand.
Der schwarzhaarige Mann starrte sie an und meinte: „Featur Quor. Ich habe dich hier runtergehen gesehen und Laute gehört. Ich will euch helfen, hier rauszukommen."
Während er sprach, schielte er neben sich, wo Oxana stand. Seine dunklen Augen weiteten sich ungläubig. „Was haben diese Idioten mit ihr gemacht?!", hauchte er entsetzt.
Rawen zögerte kurz, dann ließ sie den Dolch sinken. „Was bist du? Und warum hilfst du uns?"
Featur erzählte ihr in wenigen Worten von seinem Streit mit dem Burgherrn und von seinen Bemühungen, Oxana zu befreien.
Schließlich nickte Rawen. „Wenn du uns helfen willst, solltest du dich beeilen. Die Wachablöse ist auf dem Weg."
Quor nickte und führte sie, dabei helfend, Oxana zu stützen, zum Gesindelausgang.
Über einen kleinen Hinterhof führte er sie zu den Stallungen den Pferde. Er und Rawen zügelten einen schwarzen Hengst, führten ihn aus dem Hof hinaus zu einem steilen Abhang an der fensterlosen Rückseite der Burg.
Das Pferd war übrigens eines der Tiere, die man Elrond entwendet hatte. Die Anwesenheit der Elbe schien ihm sehr zu behagen, kein Wunder, schließlich war es monatelang in einem engen Stall eingesperrt gewesen- Rawen erinnerte es wohl an seine ursprüngliche Heimat, wo es genug Platz und viel besseres Futter gab.
„Du bist dir darüber bewusst, dass sie dich töten werden?", fragte die Elbe geradeaus, als Oxana ungeschickt vor ihr aufgesessen war. Featur nickte schweigend. „Sag ihr, dass es mir Leid tut", bat er. Er ahnte, was ihr angetan worden war und hasste sich im Moment dafür, auch wenn es wohl nicht in seiner Macht gelegen wäre, es zu verhindern.
Die beiden Frauen sprengten los, gen Osten, weg von der Burg und weg von Dûnland.
Featur blinzelte. In seinen Augen standen Tränen. Er hatte das alles nicht gewollt. Eines Tages würde der Alte dafür bezahlen.
Das schwarze Wasser der Waldteiches umspülte sanft ihre nackten Beine. Langsam watete sie weiter, freute sich, als das eiskalte Nass ihre Knie erreichte, ihre Schenkel, dann ihren Bauch.
Je länger sie in dem Teich stand, desto irrelevanter wurde der Schmerz. Es war so leicht. Alles, was sie zu tun hatte, war weiterzugehen, bis die Wasseroberfläche sich wieder über ihrem Kopf schloss.
Sie würde ihre Augen schließen, ein letztes Mal die kühle Waldluft einatmen- zum letzten Mal in ihrem Leben- und mit dem nächsten Atemzug würde eisiges, reinigendes Wasser in ihre Lungen strömen und sie erlösen.
Sie würde sterben. Und sie freute sich darauf.
Nur noch wenige Schritte. Ihr Herzschlag war ganz ruhig, fast träge, was wahrscheinlich am Wasser lag. Ihr Haar schwamm um ihre Schultern wie ein Vorhang dunklen Blutes.
Noch einmal nahm sie das Bild der Natur in ihren Geist auf: Die dünnstämmigen Bäume mit den kleinen Blättern am Ufer, leise im frischen Nachtwind rauschend, die nassen, moosbewachsenen Felsen, die im Sternenschein weiß-bläulich schimmerten, das Rascheln im hohen Schilf, wenn der Wind es in Bewegung versetzte.
Dann schloss sie die Augen und tauchte mit dem nächsten Schritt unter.
Etwas riss ihren Kopf an den Haaren aus dem Wasser.
„BIST DU WAHNSINNIG?!?"
Rawen verpasste ihr eine Ohrfeige, die einem Fausthieb bereits sehr nahe kam. Oxana versuchte, ihre Hand wegzustoßen, doch Rawen dachte nicht daran, dieser kleinen Sterblichen den Gefallen zu tun, loszulassen.
Brutal zerrte sie Oxana hinter sich her aus dem Wasser, stieß sie mit einem Knurren zu Boden und hielt sie fest, als die Menschenfrau wie verrückt um sich zu schlagen begann. Es war nicht schwer für sie, so dazusitzen und abzuwarten, bis ihre Kräfte erlahmt waren, aber es kostete sie trotzdem mehr Anstrengung als sie erwartet hatte.
„Lass mich!", kreischte Oxana mit sich überschlagender Stimme, „lass mich! Verschwinde! Das geht dich nichts an!!"
Sie versuchte sogar, ihr in den Arm zu beißen.
„Das mag schon sein", konterte Rawen gelassen, „aber ich werde nicht zulassen, dass du dein ohnehin so kurzes Leben wegen eines solchen...Zwischenfalles wegwirfst!"
Oxana starrte sie aus glasigen Augen an. „Zwischenfall?!? Sie haben mir meine Ehre genommen! Das einzige, was mir noch geblieben ist! Ich kann mit dieser Schande nicht weiterleben, ich werde es beenden, es liegt in meiner Hand, darum lass mich los und verschwinde!!"
Sie bäumte sich auf und schaffte es, Rawens starken Griff zu sprengen und aufzuspringen. Die Elbe keuchte ungläubig, erschrocken über die Kraft, die Oxana zutage brachte.
Sie meinte es ernst.
Oxana war bereits wieder im Wasser, watete schnell ins Tiefe, als könnte sie es gar nicht mehr erwarten, dem Tod zu begegnen.
Rawen seufzte und hob einen Stein auf.
„Na gut, du wolltest es so", murmelte sie. Dann warf sie ihn.
Oxana schlug die Augen auf. Tiefste Dunkelheit umhüllte sie.
„Bin ich tot?"
„Nein, da muss ich dich leider enttäuschen. Das Leben hängt an dir und ich habe beschlossen, dieses Band ein klein wenig zu bestärken."
Oxana blinzelte. Wovon sprach Rawen? Und wo war die Elbe überhaupt?
„Wo sind wir hier?"
Erst jetzt spürte sie, dass sie gefesselt auf hartem, kalten Stein lag. Sie drehte den Kopf und stöhnte plötzlich schmerzhaft. Da war eine riesige Beule auf ihrem Hinterkopf, die höllisch wehtat.
„Ein Ort der Tauron geweiht und euch Sterblichen vorbehalten ist", erwiderte Rawen unwillig.
Tauron? Was das eine elbische Gottheit?
„Wer ist Tauron?", fragte sie verwirrt.
Etwas klirrte, es klang wie das Scheppern von Töpfen in einer Küche. Oxana spürte, dass die Elbe ganz in ihrer Nähe stand, vielleicht hätte sie sie sogar berühren können, wären ihre Hände nicht aneinandergefesselt gewesen. „Orome", knurrte Rawen, „der große Jäger. Ich sehe schon, ich muss dir einmal mehr von ihm erzählen."
Sie begann wieder zu kramen.
„Wozu die Fesseln? Was hast du vor?!" Oxana begann nervös zu werden. War das eine verrückte Elben- Zeremonie? Brachte dieses Volk Menschenopfer dar?? Was hatte sie an diesem, offenbar „heiligen"Ort zu suchen?!
Die Luft war stickig, es gab ein Echo. Sie befanden sich folglich in einer Höhle. Was ihr allerdings nicht viel weiterhalf, sie befanden sich nach wie vor im Nebelgebirge und Höhlen waren hier keine Seltenheit.
Wie lange war sie bewusstlos gewesen?
„Hier, trink". Ein metallener Becher wurde gegen ihre Lippen gepresst. Sie drehte automatisch den Kopf beiseite, doch Rawen umfasste ihr Kinn und zwang sie gewaltsam, den Mund zu öffnen.
„Keine Angst, es schadet dir nicht. Im Gegenteil."
Schließlich gehorchte Oxana und trank den Becher mit nur zwei großen Schlucken leer. Die Flüssigkeit schmeckte etwas salzig und klebte in ihrer Kehle. Sie hustete angeekelt. „Was war das?"
„Hirschblut".
„WAS?!" Oxana spie aus, versuchte vergeblich, das, was bereits auf dem Weg in ihren Magen war, wieder heraufzuwürgen. „Bist du wahnsinnig?! Mach mich los! Verdammt, wofür hältst du dich eigentlich, mich hier festzubinden?!"
Rawen antwortete nicht. Oxana hörte, wie sie den Becher abstellte und wieder zu kramen begann.
Dann hörte Oxana plötzlich Worte in einer fremden Sprache, die zugleich schön doch auch unheimlich in ihren Ohren klang: „Nessa lasto, i gurth têg nîn bith [Nienna höre, der Tod bringt meine Worte]"! „Was tust du da?!", rief Oxana aufgeregt. Da stimmte doch etwas nicht...irgendetwas in der Höhle begann sich zu verändern. Sie verstand es nicht, aber es jagte ihr Angst ein.
„Sei still!", fuhr Rawen sie an, „glaub mir, es ist besser so".
Wieder sagte sie einen Satz in dieser seltsamen Sprache: „Tulkas lasto, i alagos têg nîn bith [Tulkas höre, der Sturm bringt meine Worte]!"
Oxana begann zu zittern.
Sie versuchte, ihre Angst zu verdrängen, aber es gelang ihr nicht. Eine Furcht wuchs in ihr heran, die größer als alles bisher Gekannte war. Sie vernebelte ihr Denken und trieb Schweiß auf ihre Stirn.
Sie hatte das Gefühl, dass in ihrem Leib etwas zu kochen begann, dass sie von innen heraus verbrennen müsse. Ihr wurde übel, aber es war schlimmer als der starke Brechreiz von vorhin. Es war ein furchtbares Gefühl.
Als müsse sie sterben.
Sie krümmte sich, doch starke Fesseln hielten sie in einer gestreckten Lage. .
Unbarmherzig drangen die Worte in ihren Kopf, brannten sich wie glühende Eisen in ihr Hirn.
Was immer Rawen da tat, es war nicht richtig. Und das wusste die Elbe so gut wie sie.
„Nicht...", wimmerte Oxana. Ihr Kopf schien sich zusammenzuziehen, der unglaubliche Schmerz ließ sie für einen Moment das Bewusstsein verlieren, doch sie wachte schnell wieder auf, gerade rechtzeitig, um Rawens Worte zu hören. Mit einer Stimme, so mächtig und durchdringend wie das Brüllen des Meeres rief die Elbe: „Arda Orome lasto, i sereg têg nîn bith [Vater Orome höre, das Blut bringt meine Worte]"
Und bei diesen Worten verlosch Oxanas Schmerz mit einem Schlag.
Sie blinzelte. „Wo sind wir hier?"
Rawen lächelte nachsichtig. „Meine Güte, du musst am Ende deiner Kräfte sein."
Oxana war verwirrt. „Rawen? Wovon sprichst du?"
„Du bist vom Pferd gefallen aus Müdigkeit", erklärte Rawen. Oxana sah sich um. Über ihr wölbten sich Blätterdächer und ein junger Himmel.
Oxana wunderte sich nur kurz über das leichte Zittern in der Stimme der Elbe. Vielleicht war ja auch diese erschöpft.
Dann erinnerte sie sich wieder an ihre Gefangenschaft.
Diese Monster. Sie hatten ihr ihr Kind genommen.
Für einen Moment blitzte ein Bild in ihrer Erinnerung auf:
Ein Gürtel, der scheppernd zu Boden fiel.Schadenfrohes Gelächter. Das Gesicht eines Mannes, dessen Wange blutete.
Dann verschwamm aber das Bild und sie verbrachte den Rest den Tages damit, sich zu fragen, was es wohl zu bedeuten hatte.
Und mit Untergang der Sonne vergaß sie auch dieses eine, undeutliche Bild und alles was sie noch wusste war, dass sie ein Kind verloren hatte. Doch dieser Schmerz sollte ausreichen, um ihren Hass für viele Jahre zu nähren.
Anmerkungen:
Tulkas: Ein Vala. Großer Krieger, kämpft ohne Waffen, braucht kein Pferd und
läuft extrem schnell (mehr Info: siehe Silmarillion ;)
Nessa: Eine Vala. Schwester von Orome, Frau von Tulkas. Liebt Hirsche (..)
N a c h w o r t : Wieso ausgerechnet Nessa, Orome und Tulkas? Naja, bei Orome versteht es sich ja von selbst, er ist Rawens Lieblingsgott. Nessa ist seine Frau und hat somit auch mit Jagd etc. zu tun. Tulkas ist Krieger und war mir einfach schon immer sympathisch :)
Irgendwie finde ich Rawen gerade ziemlich cool. Ihr auch? Freu mich schon auf eure Reviews!
Und ich mag diese Striche...
