Stefan starrte mich fassungslos an und zog die Augenbrauen tief.

Ich fing an, hemmungslos zu weinen, wiederholte mich aber trotzdem: „Nein."

Er ließ den Kopf hängen und stand auf.

„Was hast du gesagt?", fragte er und das nahm mir noch mehr den Willen, bei meiner Entscheidung zu bleiben, aber ich konnte nicht.

Ich konnte einfach nicht!

Als Damon mir indirekt gestanden hatte, dass er mich noch immer liebte, da hatte ich gezweifelt.

Nicht an Stefans Liebe, sondern an Meiner.

Ich könnte nicht schwören, dass ich nur ihn liebte und das für immer!

…weil es nicht der Wahrheit entsprach.

Er hatte einen so großen Schmerz nicht verdient, dazu war er viel zu gut.

Ich konnte ihn nicht verletzen, zumindest nicht so sehr.

Aber Damon war auch nur ein Grund von vielen…

„Ich kann dich nicht heiraten, Stefan.", sagte ich erneut und diesmal schien es in seinem Kopf anzukommen.

Er kam noch einen Schritt näher und sah mir tief und prüfend in die Augen.

„Hat er dich manipuliert?", kam es trotzig, aber auch sehr wütend, über seine Lippen.

Manipuliert?

Wer?

Damon…?

Dachte er wirklich, Damon würde mich manipulieren?

Ich schüttelte schnell den Kopf: „Nein!"

Stefan schnaubte nur.

Er sah weg, scheinbar ertrug er meinen Anblick nicht mehr oder müsse stark über etwas nachdenken.

Als er sich wieder zu mir herumdrehte, lag ein ziemlich verbitterter Ausdruck auf seinem Gesicht, der ganz und gar nicht zu ihm passte.

Das war nicht der Stefan, den ich kannte und liebte, nein, das war jemand anderes.

Ich sah so viel Hass in seinen Augen, dass es mir wehtat, zu sehen, wie sich zwei Brüder so hatten zerstreiten können.

„Ach nein?

Hat er nicht?

Dann sag mir, warum!

Sag mir, warum du nicht willst!", forderte er mich auf, während mit unaufhörlich Tränen über die Wangen liefen.

Es interessierte ihn gar nicht, er ignorierte es einfach.

„Ich bin noch nicht so weit, Stefan!

Ich…kann das jetzt noch nicht, verstehst du?", schluchzte ich und wischte mir die grauen Schleier von den Augen, die mir die Sicht versperrten.

Er lachte auf: „Du bist noch nicht so weit?

Was soll das heißen?"

Jetzt wurde ich wütend!

Wieso lachte er, wenn er sah, wie weh mir das tat?

Natürlich war das schwer, auch für mich!

Aber war es deshalb etwa nicht möglich, ein normales Gespräch zu führen?

„Das soll heißen, dass ich finde, dass die Zeit dazu noch nicht gekommen ist!", fuhr ich ihn an, weil er es scheinbar nicht anders verstand!

Er schüttelte energisch den Kopf und entfernte sich ein paar Schritte von mir.

Die Hand, in der er das Etui mit dem Ring hielt, war zur Faust zusammen gepresst.

Seine Knöchel waren weiß, so viel Kraft wandte er auf, und die Haut spannte sich dünn über die Knochen darunter.

„Du liebst mich nicht.", flüsterte er, doch ich hörte es so deutlich in meinem Kopf widerhallen, als hätte er es mir ins Gesicht geschrieen.

„Natürlich liebe ich dich!", schrie ich zurück, doch er drehte sich nicht um, sondern versteckte das Gesicht hinter den Händen.

„Ich bin so blind…", sagte er, als hätte ich überhaupt nicht geantwortet: „Natürlich liebst du mich nicht, du liebst ihn!"

Ihn?

Wer-

…Damon?

Ich wollte nicht darüber nachdenken, um nicht zu erschrecken.

Stefan fuhr herum: „Nicht wahr?

Ist es nicht so?

Du liebst Damon."

Ich zuckte zusammen, als er dabei näher kam und mit dem Finger auf mich zeigte.

„Ich liebe dich."

Wieder kam nur ein Schnauben von ihm.

„Weißt du was?"

Er sah auf das Kästchen in seiner Hand, dann holte er aus und warf es mit einer schnellen Bewegung in den Abgrund.

„Stefan!", kreischte ich und stürzte auf ihn zu.

Doch er widmete mich keines Blickes und war dann mit einem Mal verschwunden.