VON RAWENS ENDE
V o r w o r t:
Hatte leider keine Zeit zum Schreiben, weil eine Fliege in den Rechner gekommen ist und irgendwas durchgebrannt ist. Ergo musste ich alles auf dem PC meines Vaters tippen. Wie erniedrigend. :)
Es trudeln übrigens noch immer Beschwerden wegen Aragorn ein ggg ! Hab schon überlegt eine kleine ff über Aragorns kleines Alkohol – Problem zu schreiben, quasi „28 Tage"(der Film mit Sandra Bulldogge, kennt den wer??) in ME. Hehehehe..
mannomanno ....... händeauflocker und jetzt auf zu den Antworten auf eure Reviews:
Neogoddess: Gut, dass du mich nur loben kannst : )))). Was anderes würd ich dir nicht verzeihen ....
DragonSleep: Jap, ich weiß, das 34er war ein totaler Quantensprung, war auch so gedacht, ich dachte nach 33 kaps kann ich mir das erlauben! Und ja, ich kann den Sinn deiner Reviews entnehmen, keine Angst, wenn's was Positives ist find ich's auch ;)
SFMK: Hm...stimmt, „Blutgeld"hört sich gar nicht romantisch an. Ich könnte ja so einen dämlichen untertitel wie „Blutgeld- liebe auf umwegen" oder „Blutgeld- Für dich würd ich töten"dazugeben........nein, bevor ich das tue schau ich mir lieber Rosamunde- Pichler Filme an. Obwohl, die sind teilweise ganz gut......hehehehe
JustSarah: Nö, also das mit Oxanas beruflicher Laufbahn war so: Zuerst Kopfgeldjägerin, d. h. sie hat im Namen von irgendwelchen Adeligen oder ganz normalen Leuten Verbrecher ausfindig gemacht und eingefangen (oder umgebracht, je nach dem) und die dafür angeschriebene Belohnung bekommen. Da war sie quasi noch eine freiberufliche Kopfgeldjägerin, ist alleine herumgezogen und hat sich ausgesucht, was sie macht. Und sie hat, das ist SEHR wichtig, nur Leute gejagt, die was Böses getan haben, also Dörfer ausgeraubt, Bauern niedergemetzelt usw..
Amrun : Keine Angst, Rückblenden wird ich mir in Zukunft (glaub ich ;) sparen. Das mit der Unsterblichkeit kann ich dir noch nicht beantworten, das halt ich noch geheim, du wirst schon sehen ob sie's ist oder nicht- musst nur weiterlesen ;). (bin wirklich eine gute Geschäftsfrau, oder??)
Sheila: Ich hoffe es is rausgekommen, dass Oxana sich an die schlimmsten Sachen ihrer Gefangenschaft nicht mehr erinnert....? Aber stimmt, sie müsste jetzt eigentlich ziemliche Störungen haben. Aber- HEY- sie bringt Menschen um, ist das nicht Störung genug? Und so ein „Leben-vor-innerem- auge-vorbeiziehen"-kapitel wars nicht, es war eher ein „autorin-möchte-auf- die-folter-spannen-und-dabei-ein-paar-sachen-abklären-haha"- kapitel : : )
HexenLady: Das war leider nicht so schnell wie gewünscht, weil PC kaputt. Weitere Erklärungen im Nachwort ;). Bis dahin bitte alles lesen .
SamiraNin: Zu Rawens Character: Sie ist kühl, äußerst kühl. Und bei uns würde man sie vermutlich eine absolute Realistin nennen. Aber sie hat auch Gefühle. Und Oxana ist für sie fast so eine Art...Tochter. Sie haben ziemlich viel gemeinsam (beide sind kühl, beide haben ihre Brüder verloren, beide sind stark, beide sind kämpfende Frauen [!!] und beide sind gut darin, ihre Gefühle zu überspielen. Und sie trinken beide Hirschblut würg . Stimmt, war eigentlich grauslich .....). Aber na ja, wer lang leben will muss leiden (. Ähm....wo war die Antwort..?? Aja, hier: Ja, das zwischen ihnen ist keine richtige Freundschaft, eher eine „Schüler- Lehrer- Beziehung"(Rawen hat ihr ja beigebracht, mit der Armbrust umzugehen). Sie haben viel zusammen durchgemacht, das schweißt zusammen.
Turamarth: Was Rawen davon hat? Eine Schülerin, die sich nicht andauernd umbringen will, sondern brav weitermordet, und vielleicht hat Rawen doch so etwas wie ein weiches Herz- ich möchte davon abraten, immer bloß Schwarz/Weiß zu malen!
MistWoman: Hehe, dein Hundeblick hilft dir auch nicht weiter ;) . Mal sehen...hmm...lass ich sie sterben ? lalalalalaaa
Haselmaus: Naja, nach reichlicher Überlegung hab ich beschlossen, dir zu vergeben. Unter einer Bedingung: Du reviewst ab jetzt bei jedem kap mind. 1mal oder....hm....oder ich ignoriere dich! HAHA!
all anderen die ich mögl. Weise nicht antworten konnte: danke, aber ich hab keine zeit mehr, ich muss schnell machen, sorry, sorry, sorry, sorry sorry, sorry, sorry, sorry sorry, sorry, sorry, sorry......
Der Kampf war vorüber und das Haus stand in hellen Flammen. Obhart hatte sich mit einer Handvoll Männern daran gemacht, die Pferde aus den Stallungen zu befreien und über den von Leichen übersäten Hof nach draußen zu treiben.
Ihr ängstliches Wiehern, das Prasseln des wütenden Feuers und das qualvolle Stöhnen der wenigen Blutjäger, die zwar nicht tot, jedoch zu schwach waren, um sie fliehen, bildeten eine Gänsehaut hervorrufende Geräuschkulisse.
Für einen Moment lang fragte sich Legolas, was denn wohl mit den verwundeten Feinden geschehen würde und stellte sich die Frage, ob es denn wirklich nötig war, jeden einzelnen von ihnen zu töten- jetzt, wo alles vorbei war.
Doch er verdrängte den Gedanken, überließ Théoden diese Entscheidung und stellte sich stattdessen eine andere, viel gewichtigere Frage: Wo war Oxana? Er hatte sie aus den Augen verloren, sobald ihr Kampf mit Rawen ein Ende gefunden hatte und die blonde Elbe mitsamt ihrer Mutter im Haus verschwunden war.
In der Zwischenzeit war es für ihn zu einer Selbstverständlichkeit geworden, dass die junge Frau nicht auf seine Hilfe angewiesen war- etwas, das sie ihm ja immer und immer wieder versichert hatte. Nun jedoch bereute er diese nicht ganz gerechtfertigte Zuversicht.
Viele Gegner waren seinem wütenden Schwert zum Opfer gefallen, und für eine Weile musste er wohl im Blutrausch gefangen gewesen sein, denn er fühlte sich etwas orientierungslos, wie ein Schlafender, den man soeben aus einem verwirrenden Traum gerissen hatte.
Mit gesenkter Waffe ging er dorthin zurück, wo er sie zum letzten Mal gesehen hatte: Vor dem großen Haustor. Es war ein mühsames Vorankommen bis dorthin, denn der dicke Qualm brannte höllisch in seinen Augen und die Hitze in unmittelbarer Nähe des Hauses war inzwischen fast unerträglich geworden.
Er rief ihren Namen, hustete qualvoll und merkte bald, wie sinnlos es war, in ein brennendes Haus hineinzubrüllen.
„Habt ihr gesehen, wo sie hin ist?!", rief er Aragorn und Sarnir zu, die sich mit besorgten Mienen näherten.
Die beiden Männer schüttelten die Köpfe, sahen sich hilflos auf dem Hof um.
Legolas bemerkte, dass Aragorn ein paar am Boden liegende Gestalten unauffällig beäugte.
„Sie ist nicht tot", kam es dem Prinzen gereizt über die Lippen. Doch hinter seiner scheinbaren Aggressivität verbarg sich eine aufkeimende Unruhe.
Aragorn nickte hastig. „Natürlich nicht."Er wich seinem Blick aus. „Lasst uns die Zimmer durchsuchen. Vielleicht hat sie sich versteckt."
Ein Geräusch ließ die drei Männer sich umsehen. Eine Tür in unmittelbarer Nähe war aufgesprungen und eine schlanke Gestalt in dunklem Mantel wankte daraus hervor ins Freie. Sie hielt sich am Türstock fest, schien Atem zu schöpfen.
„Oxana!"Legolas atmete erleichtert aus und ging auf sie zu. Doch je näher er ihr kam, desto merkwürdiger begann er sich zu fühlen. Seine Brauen wölbten sich. „Was ist mit dir?". Er wurde, ohne es zu bemerken, schneller.
Oxanas Haltung war unnatürlich gekrümmt, sie hatte beide Arme verkrampft um ihren Leib geschlungen.
Ein paar seltsam dunkle Augen starrten ihm ausdruckslos aus einem bleichen, schmerzverzerrten Gesicht entgegen.
Oxanas Hände, Unterarme und Kleider waren blutbesudelt.
„Oxana?!?"
Sie machte einen Schritt aus der Tür, öffneten den Mund. „Silaid?"Es klang wie eine Frage. Ihre Stimme hörte sich furchtbar an.
Dann brach sie zusammen.
Mirielle verließ das kleine Zimmer und hob den Kopf. Ihr Blick begegnete zuerst dem Aragorns, dann dem Théodens und schließlich dem des Prinzen.
Letzterer brachte sie dazu, hastig die Augen niederzuschlagen.
„Geht es ihr besser?"
Mirielle schloss bedächtig die Tür hinter sich und tat einen Schritt in die dunkle Stube hinein. Erst dann gab sie, mit dünner Stimme, die ihren Worten Lügen strafte, eine Antwort: „Ich denke, sie wird es schaffen."
Jeder im Raum wusste, dass dem nicht so war.
Mirielle fragte sich, ob sie den Leuten wirklich einen Gefallen tat, wenn sie ihnen ins Gesicht log. Noch einmal hob sie den Blick, bevor sie den Raum durchquerte und zur Küchentür ging.
Dabei konnte sie in Aragorns dunklen Augen sehen, dass er ihr dankbar für ihre gut gemeinte Unaufrichtigkeit war.
„Wie geht es Eurer Wunde, Herr?", wandte sie sich an Legolas, doch es war ihr nicht wohl dabei, sie mochte den Ausdruck nicht, den sein Gesicht angenommen hatte. Seine Augen waren die eines Mannes, der sich nur noch mit Mühe beherrschen konnte. Seine ruhige Haltung konnte sie nicht über sein aufgewühltes Inneres hinwegtäuschen.
Sie musste die Frage wiederholen, erst dann murmelte der Prinz ein: „Danke, es geht schon".
Kaum da die Hausfrau gegangen war, legte sich wieder ein Schleier dumpfen Brütens über die Köpfe der drei befreundeten Männer.
Théoden lehnte, auf einer einfachen Holzbank sitzend, an der warmen Kaminwand. Aragorn stocherte mit einem Haken in der Glut, die zum größten Teil nur mehr aus heißer Asche bestand.
Legolas saß halb auf einem Fensterbrett, halb lehnte er dagegen, mit gerade aufgerichtetem Oberkörper.
Kurz nachdem sie den kleinen Hof Mirielles und ihres Mannes erreicht hatten, hatte es zu regnen begonnen.
Im Osten, versteckt hinter zahlreichen Bäumen und eingehüllt vom Schleier der Nacht, glühten noch die verkohlten Reste des Elbenhauses in der Nacht.
Dies hier hätte das Ende sein können, dachte Legolas erschüttert, hier hätten sie einen Alptraum beenden und einen neuen, gemeinsamen Traum beginnen können. Wenn er doch nur ..... nein, Selbstvorwürfe führten zu nichts. Sie würde das schon schaffen. Sie war stark, sie war ... .
Unruhig knetete er an seinen Fingern.
Er würde ihn jagen.
Er würde Silaid finden, und wenn er ganz Mittelerde nach ihm absuchen musste, und dann würde er ihn jagen, jagen und letztendlich töten und zwar langsam, sehr, sehr langsam und er würde es genießen....
Der Elb sah erschrocken auf, für einen Moment hegte er die absurde Befürchtung, Aragorn und Théoden hätten diese- für ihn ungewöhnlich dunklen- Gedanken gehört.
Plötzlich stand er auf, als hätte ihn etwas gestochen.
„Was hast du vor?"Aragorn ließ das Eisen sinken.
„Ich will sie sehen. Und ich möchte mit Sarnir sprechen. Ich will wissen, wie es ihr wirklich geht....".
„Kannst du dir das nicht selbst denken? Sarnir bräuchte dieses elbische Kraut, um ihr zu helfen, doch es ist verbraucht...", murmelte Théoden müde .
Legolas' Augen blitzten wütend auf. „Was willst du damit sagen?", zischte er, und seine Augen verengten sich zu zwei Schlitzen.
Théoden rieb sich mit der Hand über die Augen und winkte dann mit derselben ab: „Ach, lassen wir das, es hat keinen Sinn zu streiten".
Darüber war sich Legolas sehr wohl im Klaren, aber es war ihm im Moment vollkommen egal.
„Du glaubst dass sie sterben wird, nicht wahr?!"Er machte einen bedrohlichen Schritt auf Théoden zu.
Aragorn seufzte leise. „Ich bitte dich Legolas, hör auf damit."
Alleine die Art wie Aragorn sprach ließ Legolas wieder Vernunft annehmen.
Er starrte seinen alten Freund sekundenlang leer an, dann drehte er sich um und blickte auf die niedrige Zimmertür, hinter der Sarnir sich um Oxana bemühte.
Ein Bild von ihr blitzte für eine Sekunde in seinem Gedächtnis auf, von dem Moment als er sie das letzte Mal gesehen hatte: Eingebettet in weiße Laken, die sich unter ihrem Körper unaufhörlich rasch dunkel verfärbten, bleich wie Kreide mit fiebrig glänzenden Augen. An die furchtbare Wunde in ihrem Leib wollte er gar nicht erst denken.
Sie hatte vorhin das Bewusstsein nicht verloren, doch er hoffte, dass dies inzwischen geschehen war, denn ihre Schmerzen waren so groß gewesen, dass er sie selbst körperlich zu spüren glaubte.
„Du weißt, dass Sarnir um absolute Ruhe gebeten hat", erinnerte Aragorn ernst.
Legolas nickte. Er konnte sich noch lebhaft daran erinnern, wie aus dem Versuch, ihn aus dem Zimmer zu schleifen, beinahe ein Handgemenge mit Aragorn und Théoden geworden wäre.
„Ich halte das nicht länger aus", murmelte er, ging zum Tisch und nahm seinen Mantel, der neben ihrem schwarzen lag, der blutgetränkt war.
Er starrte sekundenlang auf seine Finger, die rot von ihrem Blut waren.
„Ich werde in die Stadt zu Obhart und Nîthiel gehen."
Théoden sah überrascht auf. „Bei DEM Regen?"
Nur eine von vielen kleinen Bächen durchzogene Wiese trennte ihn noch von der Stadt, wo Obhart, Nîthiel und Théodens Leute in verschiedenen Gasthäusern untergekommen waren.
Einige schliefen sogar bei ihren geliebten Pferden in den Ställen oder ritten, trotz Dunkelheit und Regens, noch durch die Gegend, um die restlichen entflohenen Tiere einzufangen.
Legolas blieb stehen, zum ersten Mal seit Minuten verstummte das leise, saugende Geräusch, das seine Stiefel im Schlamm verursachten.
Er warf durch die nebelverhangene Nacht einen Blick auf Mirielles Haus, in der Ferne zu einem faustgroßen, verschwommenen Fleck zusammengeschrumpft, zurück. Dort sollte er sein, nicht hier, denn wenn sie starb, während er weg war, würde er sich das nie verzeihen.
Dennoch kehrte er nicht um, sondern ging, die Kapuze tief in die Stirn gezogen, weiter- jedoch nicht weiter auf die Stadt, sondern auf die Ruinen des Elbenhauses, zu.
Der Weg, der sich durch die Wälder zum einstmaligen Eingang der Schule schlängelte, war sauber und makellos wie eh und je. Die alten Birken streckten ihre kahlen, schwarzen Zweige dem Himmel entgegen, der die gleiche Färbung hatte.
Kein Stern leuchtete in dieser Nacht, selbst der Mond war verhangen. „Kein Licht, wo keine Hoffnung ist", dachte Legolas bitter, und diese Worte erinnerte ihn an ein altes Lied aus der Lúthien und Beren Saga.
Doch ihm war nicht nach Singen.
Plötzlich ragten die Reste des zusammengestürzten Eingangstores vor ihm auf.
Die einstmals weiße Treppe war rußgeschwärzt und schmutziggraue Bäche, Wasser und Asche, tropften von den Stufen. Vom prächtigen Säulengarten stand kaum mehr die Hälfte, der Rest lag in Trümmern.
Er streifte die Kapuze vom Kopf. Bald klebte sein Haar an Schultern und Nacken und kaltes Wasser floss seinen Rücken hinab.
Dann stiegen die ersten, heißen Tränen in seinen Augen auf und ein leises Schluchzen entfloh seiner Kehle. Zornig presste er seine Augenlider aufeinander, blinzelte die Tränen weg.
Er machte sich nun nichts mehr vor.
Ihre Wunde war tödlich. Er würde sie verlieren. Und es WAR seine Schuld. Nach einer halben Ewigkeit, so schien es ihm, drehte er sich wieder um. Er würde ihr beistehen. Mehr konnte er ohnehin nicht für sie tun.
Er hatte erst wenige Schritte getan, als er die Umrisse eines Pferdes und einer Gestalt wahrnahm, die das Tier an den Zügeln führte. Noch bevor er erkannte, um wen es sich handelte, lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken und er spürte, dass dies nicht etwa einer der Rohir war.
Seine Hand legte sich auf den Griff seines Schwertes.
„Wer hätte gedacht, dass ich euch je weinen sehen würde, mein Prinz!", drang eine helle Stimme aus der Dunkelheit unter einer schwarzen Kapuze. „Dabei habe ich es mir oft gewünscht, doch Ihr solltet Tränen der Reue vergießen, nicht welche aus Trauer um diese dumme Göre!".
Er stellte fest, dass er nicht wirklich überrascht war, diese Stimme zu hören. Aus irgendeinem Grund hatte er gewusst, dass Rawen noch lebte.
„Wie bist du aus dem Feuer entkommen?", murmelte er dennoch, nun doch ein wenig verwundert.
Rawen lachte leise. „Nicht nur die Zwerge bauen unterirdisch. Im Übrigen habe ich selbst dabei mitgeholfen, dieses Haus aufzubauen." Sie blieb stehen, ihr Pferd schnaubte und drehte sich ein wenig zur Seite.
Vergeblich versuchte Legolas, ihr ins Gesicht zu sehen.
Dann bemerkte er, dass irgendetwas, versteckt unter einer schmutzigen Pferdedecke, quer über dem Sattel lag.
Er brauchte einen Moment um zu begreifen, dass es sich um den Körper einer Frau handelte. Unter der Decke stand etwas angesengtes Haar hervor, eine völlig verkohlter Arm und.....ein wuchtiger, blutroter Edelstein an einer bis aufs Skelett verbrannten Hand.
„Es tut mir Leid", flüsterte er und senkte den Blick.
Rawen versteckte hastig alles, was von Nimbrethils Leichnam zu sehen war. „Spart euch euer Mitleid, Prinz", zischte sie und schien seinen Titel geradezu auszuspucken. „Ich bin nicht hier um zu trauern. Ich bin hier, um das Werk meiner Mutter zu vollenden."Mit einer bedeutungsvollen Geste zog sie ihr Schwert und trat ein paar Schritte zur Seite.
Dabei merkte Legolas, dass etwas von der Geschmeidigkeit ihrer Bewegungen verloren gegangen war.
Er seufzte, schüttelte den Kopf. „Nein."
„Nein?!"Sie lachte heiser. „Ich habe euch nicht vor eine Wahl gestellt! KÄMPFT!"
Sie schwang ihr Schwert einmal über dem Kopf, dann schlug sie zu, doch es war ungezielt, sie wollte ihn bloß dazu bringen, endlich seine Waffe zu zücken. Er tat nichts dergleichen, wich nicht einmal von der Stelle.
„Nein", wiederholte er und wies bedeutend auf die Ruinen des Hauses, „siehst du nicht? Es ist vorbei. Deine Kameraden sind tot. Deine Mutter ist tot. Ihr habt verloren. Es ist vorbei."
„Und warum weint Ihr dann?"
Die Frage verwirrte ihn, machte ihn aber gleichzeitig zornig.
Rawen kicherte. Es hörte sich nicht normal an. „Oxana liegt im Sterben und es gibt nichts, was Ihr dagegen tun könntet. Trotz eurer Macht, trotz eures Reichtums, trotz eurer Unsterblichkeit! Es ist nicht schön, aus einem so lang andauernden Traum gerissen zu werden, nicht wahr? Aber gegen den Tod sind selbst wir Elben machtlos.....ist es nicht so?"
Er schnaubte wütend. „Wenn du glaubst, du könntest mich reizen, dann..."- „Reizen?"Rawen schüttelte den Kopf. „Nein, ich weiß, dass mir damit nicht geholfen wäre. Aber ich könnte euch einen Preis in Aussicht stellen. Ein Preis, um den es sich in Zeiten wie diesen zu kämpfen lohnt."
Langsam ließ sie eine Hand unter ihren Mantel gleiten und zog ein braunes Ledersäckchen darunter hervor.
„Palúrien-Blätter", grinste sie und schwenkte das Säckchen in der Luft, „ich verlasse meine Heimat nie, ohne welche davon mitzunehmen."
In Rawens' Augen blitzte es triumphierend auf, als Legolas Gesichtsausdruck sich abermals wandelte.
„Das ist nicht fair", murmelte er, das Säckchen nicht aus den Augen lassend, als hätte er Angst, dass sie es jeden Moment wegwerfen würde.
„Ich bin eine Blutjägerin", entgegnete Rawen schulterzuckend, „wer sagt, dass ich fair wäre?"
Sie nahm den Beutel und steckte ihn in ihre Manteltasche. „Ihr könnt sie haben."Sie grinste und hob das Schwert. „Aber nur über meine Leiche".
Ohne länger zu zögern zog er sein Schwert. „Fangen wir an."
Irgendwann während sie kämpften, glitt die Kapuze von Rawens Kopf und enthüllte ihr einstmals engelsgleiches, nun durch die Flammen völlig zerstörtes Antlitz.
Für einen Moment hielten sie beide inne und Legolas konnte ihre Scham spüren. Er sah hastig zur Seite.
„Seht sie euch nur an, die Spuren eurer Heldentaten", spottete Rawen. Ihre Stimme zitterte sachte. Dann stieß sie einen wütenden Schrei aus, ihre Klingen kreuzten sich funkensprühend und mit einer solchen Wucht, dass sie beide zurückgeworfen wurden.
Legolas schnaubte wütend. Der Kampf dauerte schon viel zu lange an, er spürte, wie ihm die Zeit davonlief.
Er griff an, diesmal gezielt und entschlossen, die heimliche Absicht, sie am Leben zu lassen, aus seinem Hinterkopf verbannend.
Bald trieb er sie vor sich her durch den Regen, seine Schläge hagelten unbarmherzig auf sie herab und er konnte sehen, wie ihre Bewegungen immer behäbiger, ihre Abwehr immer durchlässiger wurde.
Und endlich stolperte sie und fiel rücklings zu Boden. Mit einer geschickten Bewegung schlug er ihr die Waffe aus der Hand.
Sein Atem ging schnell und unregelmäßig. Trotzdem schaffte er es, seine Hände und das Schwert ruhig gegen Rawens Kehle zu halten.
„Meine Wunden haben mich geschwächt", stellte Rawen fest und musste, während sie sprach, immer wieder kurze Pausen einlegen.
„Ich weiß", entgegnete Legolas steif, „doch du wolltest ja unbedingt den Kampf".
„Bereitet es euch Freude, eine hilflose Frau besiegt zu haben?", fragte die Blutjägerin mit einer Kaltschnäuzigkeit, bei der man sich unweigerlich die Frage stellen musste, ob sie denn das Schwert an ihrem Hals nicht bemerkt hatte.
„Du bist weder hilflos noch ein würdiger Gegner in deinem Zustand, Tochter Oromes. Ich will dich nicht töten. Gib mir deine Medizin und ich lasse dich dieses Mal noch mit dem Leben davonkommen." Rawens Augen funkelten wütend wie zwei glühende Edelsteine. „Ich habe gekämpft wie ein Mann, nun wollt Ihr mich schonen, weil ich ein Weib bin? Diese Schande werde ich nicht auf mich nehmen!"Sie stand auf, gefolgt von der Spitze seines Schwertes und fischte ihre Waffe aus dem Morast.
„Vollendet euer Werk", verlangte sie vollen Ernstes und hob auffordernd ihre Waffe. Legolas blinzelte verständnislos. Sie war ohne Zweifel am Ende ihrer Kräfte angelangt und würde einem erneuten Schlagabtausch keine weitere Minute standhalten. Und das wusste sie genau.
Voll widerwilliger Bewunderung merkte er, wie sie versuchte, eine möglichst aufrechte, stolze Position einzunehmen. Sie war eine starke Frau und erinnerte ihn in mancher Hinsicht an Oxana.
Er nickte.
Nach kurzem Zögern seinerseits setzten sie ihren Kampf fort, dessen Ausgang jedoch von vorne herein klar stand.
Und bald wies sein Schwert wieder auf ihre Brust, nachdem er ihr die Waffe aus der Hand geprellt und sie gegen einen Baum getrieben hatte.
Sie atmete flach, ließ ihren Blick das schimmernde Metall entlang zu seinem Gesicht wandern.
Obgleich sie in ihm ihren Tod erkannte, lächelte sie triumphierend. Wieder überkam Legolas für eine Sekunde tiefes Bedauern wegen der grässlichen Brandmale, die ihr Gesicht entstellten. Und für einen Moment verspürte er einen tiefen Stich in seiner Brust, denn er wusste, dass er Schuld an ihrem missratenen Leben war. Hätte er den Tod ihres Bruders verhindert, wäre alles anders gekommen. Sie wäre womöglich jetzt eine berühmte Kriegerin oder Jägerin, vielleicht sogar Ehefrau und Mutter.
„Ich habe gewonnen, selbst wenn ich sterbe", lächelte die Blutjägerin.
„Tötet Ihr mich nun, werdet Ihr sie möglicherweise retten können, aber Ihr werdet sie trotzdem verlieren."
Sie kicherte, und Wahnsinn loderte dabei in ihren Augen. Er verstärkte den Druck auf ihren Leib, eine einzige Blutsträne quoll aus einer winzigen Wunde. „Wovon sprichst du?", zischte er ungeduldig.
Unbeeindruckt sah sie auf sein Schwert hinab. „Denkt Ihr, das könnte mir noch Angst einjagen? Jetzt, nachdem ich alles verloren habe?"
Er spürte, wie unermesslicher Hass in ihr aufwallte, der einzig und alleine ihm galt. Aber schon im nächsten Moment war sie wieder ruhig. Bloß ihre Augen lachten böse weiter. „So ist es, jeder bekommt das, was er verdient. Oder es wird ihm genommen. Einst erteilte ich ihr die Gnade des Vergessens. Ich ließ sie sogar an meinem unsterblichen Leben teilhaben. Wisst Ihr, sie hatte eine große Zukunft vor sich liegen, denn ihr Geist ist stark und ihr Herz wild. Doch mit meinem Tod stirbt auch unser Bund."
„Die Gnade des Vergessens?"Legolas begann seine Geduld zu verlieren. Sprach sie wirr? Oder gab es da etwa Dinge in Oxanas Vergangenheit, von denen sogar Oxana selbst nichts wusste?
„Habt Ihr denn nicht den Hass in ihr gespürt?", tat Rawen überrascht, „denkt Ihr, die Dûnländer hätten sich damit zufrieden gegeben, ihr ein Leben aus dem Leib zu prügeln?"Sie legte den Kopf schräg. „Bei einer SO schönen Frau?"
Langsam dämmerte es Legolas. Er erstarrte zur Salzsäule. „Sie haben sie...?"
„Das einzige was zwischen ihr und dem Wahnsinn steht, bin ich", lächelte Rawen.
Dann wurde sie schlagartig ernst.
„Und nun tötet mich".
Er konnte nicht, selbst wenn er es gewollt hätte. Der Gedanke, dessen Keim Rawen in seinen Kopf gesät hatte, ließ ihn nicht mehr los.
„TUT ES!", schrie Rawen zornig.
Er starrte sie an. Rawen hatte all das hier geplant. Es war nicht fair. Doch eines verstand er nicht. „Warum hast du ihr damals geholfen?"
Rawen verzog abfällig den Mund. „Man könnte es einen Anflug von Sympathie nennen, oder auch Dummheit. Vielleicht auch die Einbildung, auf diese Weise mein Erbe auf der Welt zu lassen. Ich weiß es nicht. Doch auf jeden Fall bereue ich es."
Sie schwieg und starrte auf das Schwert.
„Ich sehe, Ihr werdet es nicht tun."
Er schüttelte denn Kopf, und Rawen seufzte leise.
Plötzlich umfasste sie die scharfe Klinge mit beiden Händen, schien nicht zu spüren, wie sie sich tief in ihr Fleisch schnitt. Legolas riss erschrocken die Augen auf und versuchte zu reagieren, doch dieses Mal war er zu langsam: Rawen stieß sich seine Waffe zielsicher ins Herz.
„Gegen diese Wunde ist kein Kraut gewachsen", keuchte sie, während sie den Baustamm entlang zu Boden sank.
Sie war tot, noch bevor ihr Körper den Boden berührte.
N a c h w o r t:
Ihr wisst gar nicht, wie sehr ich mich auf eure Reviews freue ;)
PS: Nimmt mir irgendjemand Rawens Erklärung ab? frag also ICH versteh's.....
