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Von der grausamsten aller Strafen
V o r w o r t :
Es gibt noch einige Dinge zu bereinigen. Da wär mal Silaid, der kleine Giftpilz. Dann noch Nîthiel, die sich das alles nicht einfach so gefallen lässt. Oxana kennt darüber hinaus Thranduil noch nicht.... . Und das mit ihrer Unsterblichkeit ist auch so eine Sache...und natürlich ihr Erinnerungsvermögen. Also, noch genug Stoff für die letzten Kapitel! Leider muss ich zugeben, dass sich die Geschichte bereits näher am Ende als am Anfang befindet. ( wär ja auch irgendwie langweilig wenn noch mal 36 kapitel kommen würden ;) Und noch immer weiß ich nicht, obs ein Happy End wird... grummel ....
BACKREVIEWS:
Lithiun: Danke. Leider kann ich dir nicht alle Antworten auf deine Fragen geben- NOCH nicht ;). Nur soviel: Rawen war von Hass zerfressen, ihr Herz war schwarz und bevor sie Oxana glücklich sah, brachte sie sich lieber selbst um, denn sie vergönnte keinem etwas, was ihr vom Schicksal vorbehalten worden war.
SamiraNin: Danke. nun, das mit den Kräften, die auf Oxana übergehen könnten, ist eine interessante Theorie an die ich, ehrlich gesagt, bisher noch nicht gedacht hatte. Ich denke übrigens bereits daran, diese verdammte Fliege in die geschichte einzubauen und qualvoll verenden zu lassen....(der PC ist nach wie vor hin)
Sunshine: Danke. Du hast Recht, das kann und will ich dir nicht antun. Zumindest nicht in diesem Kapitel ;). Toll, dass du zu uns gestoßen bist! Würde gerne mehr von dir hören, falls du wieder mal was zu sagen hast!
Haselmaus: Danke. du bringst mich selbst beim düstersten Kapitel der ganzen ff zum Grinsen. Hier hast du dein chappi ;)
Aureliel: Danke. Ist sie sterblich....? Gute Frage....muss mich selbst erst entscheiden ;)
Nono: Danke. Also, deine Fragen hab ich ja eh schon in einem Mail beantwortet. Trotzdem schreib ich's noch mal her, wer weiß, vor wem ich damit noch aller angeben kann: NEIN, ich hab mir die Charaks kaum bzw. nicht überlegt, ebenso wenig den Handlungsfaden. Am Anfang stand bloß die Idee: Jemand will Legolas umbringen. Punkt. ()))
Amrun: Danke. Ja, du hast es ganz richtig verstanden!!! freu !!! Und ich finds schön, dass du auch die traurigen Kaps magst- ich hatte zwar nie vor, die geschichte tottraurig zu machen, aber die Dramatik schlich sich mit der Zeit einfach so ein, konnte nichts dagegen machen! Naja, vielleicht liegts auch dran, dass die Ferien einfach nicht kommen wollen...
Sheila: Danke. Also wirklich, da versucht man mal tiefgründig zu sein und du denkst bloß an dieses Kraut!!! lach ....
DragonSleep: Danke meine Süße ;) Die Fliege ist weg, der PC ist nach wie vor putt.
MistWoman: Danke. Und eine Bitte: Bitte schrei ganz laut, wenn alles ZU kompliziert wird! Aber ich denke, das Komplizierteste ist bereits vorüber- du darfst aufatmen ;)
SFMK: Danke! Übrigens, du hast mir noch nie verraten, was dein Nick bedeutet! (könnte unter Umständen daran liegen dass ich noch nie gefragt hab....)
JustSarah: Danke.Auch dich muss ich wohl noch ein bisserl auf die Folter spannen. ;). Hab sozusagen ein kleines „Von-Dramatik-Erholungs-Kapitel" geschrieben.
HexenLady: Danke. Meine Geschichte muss dich ganz schön mitreißen, deine Sätze bestehen nur mehr aus Wortfetzen ggg !
Wie das Schlagen einer riesigen Glocke in der Ferne hallte ihr eigener Schrei in ihrem Kopf wieder.
Der Raum drehte sich wie wild um sie herum.
Ihr Herz klopfte hart und wild und bei jedem Schlag hatte sie das Gefühl, dass ihre Venen ihrem Blutdruck nicht mehr länger standhalten würden. Sie fühlte sich wie ein Wasserschlauch, den jemand zu prall gefüllt hatte und der nun jeden Moment zu platzen drohte.
Dann legte sich etwas angenehm Kühles auf ihre Stirn, eine kräftige Hand presste sie behutsam, jedoch kräftig wieder in ihre Kissen zurück und nach einigen Augenblicken hörte das Zimmer auf, um sie herumzutanzen wie ein aufgeschreckter Mückenschwarm. Aus dem, was bisher nicht mehr als ein verschwommener heller Fleck gewesen war, wurde Sarnirs besorgtes Gesicht.
„Guten Morgen Narmî, wie fühlst du dich?", fragte er lächelnd.
Oxana stöhnte leise, presste die Hände gegen ihren hämmernden Kopf und keuchte flehend:
„Bitte....leise!!"
Sarnir nahm den eiskalten Lappen von ihrer Stirn, tauchte ihn in eine Schale kalten Wassers.
Sie beobachtete ihn dabei, sich langsam über das, was geschehen war, bewusst werdend. Und so kam es auch, dass sie sich selbst die Frage stellte, warum sie überhaupt noch am Leben war.
Verwirrt zog sie die Decke von ihrem Körper und entdeckte einen straffen, weißen Verband um ihre Mitte. Um die Wahrheit zu sagen- hatte mit Schlimmeren gerechnet. Ein Armbrustbolzen in den Weichteilen hinterließ ansonsten auffälligere Spuren.
Einen Herzschlag lang später begriff sie, dass sie darüber hinaus nackt war.
Hastig zog sie die Decke wieder hoch und starrte Sarnir mit geröteten Wangen an. „Wie hast du das bloß geschafft?". Sie kniff ihre Augen misstrauisch zusammen. „Doch nicht etwa mit Elbenmagie?"
Der Elb schmunzelte uns klatschte ihr den Lappen etwas unsanft auf die Stirn. „Ist doch nicht der Rede wert. Aber danke nicht mir, sondern deinem Verlobten."
Oxana brauchte ein paar Augenblicke um zu begreifen, wen der dunkelhaarige Elb eigentlich meinte.
„Legolas?"
„Gut, dass du gleich an mich gedacht hast", erklang die Stimme des Prinzen von der anderen Seite des Bettes her, „immerhin wache ich nun schon seit zwei Tagen an deinem Bett."Er klang ein wenig beleidigt.
Sarnir grinste vielsagend. „Ich werde euch jetzt Mal kurz alleine lassen. Ihr habt sicher einiges zu besprechen."Im nächsten Augenblick hatte er auch schon die Zimmertür hinter sich verschlossen.
Zum ersten Mal seit ihrem Erwachen sah sich Oxana nun genauer um. Das Zimmer war relativ niedrig und eng, alles, Boden, Wände und Decke waren aus groben Balken gezimmert. Auch ihr Bett, das übrigens so kurz war, dass sie ihre Beine nicht ausstrecken konnte, war ganz aus Holz. Das einzige Fenster an der gegenüberliegenden Wand war von Vorhängen verdunkelt, trotzdem herrschte im Zimmer trübe Helligkeit.
„Wo sind wir hier?", murmelte Oxana und zupfte an ihrem weißen Laken. Sie schienen frisch gewaschen worden zu sein, genauso wie Oxana selbst.
„In Mirielles Haus", antwortete Legolas.
Der Größe des Bettes nach zu schließen war das hier Borgils Zimmer. Oxana hoffte, dass es Mirielle gewesen war, die sie ausgezogen und gereinigt hatte.
Legolas saß auf einem Schemel neben ihrem Bett, bleich im Gesicht, mit tiefen Ringen unter den Augen. Die Art, auf die er sie anstarrte, ließ ihr kalte Schauer über den Rücken jagen. Er hatte die ganze Zeit über an ihrer Seite gewacht? Der Gedanke behagte ihr nicht. Was hatte es zu bedeuten, wenn ein Mann so etwas für einen tat?
„Was hat Sarnir vorhin gemeint?", fragte sie hastig.
„Ich habe Rawen getötet um an die Palúrien-Blätter zu kommen, mit denen Sarnir dich heilen konnte", erklärte Legolas in der selben, tonlosen Stimme wie zuvor.
„Oh". Oxana klopfte vorsichtig auf ihren Bauch und grinste. „Deswegen verspüre ich also keine Schmerzen. Und ich dachte schon, ihr hättet mich unter Drogen gesetzt. Obwohl, wenn man es genau betrachtet habt ihr das ja..."
Sein Blick ließ sie verstummen.
„Was?"Sie begann unruhig zu werden. „Was hast du? Warum siehst du mich so an?"
„Du warst so gut wie tot", sagte er leise, „ich hatte dich schon beinahe aufgegeben". Er nahm ihre Hand und drückte sie so fest, dass es wehtat, und sah ihr dabei fest in die Augen.
„Du warst dem Tod sehr viel näher als dem Leben, ist dir das überhaupt klar?"
„Ich bin am Leben, das ist doch die Hauptsache", beruhigte Oxana und klopfte ihm auf den Handrücken, „ich bin nicht eine von diesen tragischen Heldinnen, die ausgerechnet dann sterben, wenn sich alles zum Guten wendet!"
Legolas schüttelte den Kopf. „Du scheinst nicht zu begreifen", murmelte er, „du bist weder unverwundbar noch....unsterblich. Ich hatte Angst um dich, große Angst...und du machst bloß Scherze darüber!"
Oxana funkelte ihn gleichermaßen verwirrt wie erbost an. Seine Begrüßung war nicht unbedingt von jener freudigen Überschwänglichkeit, die angebracht gewesen wäre.
„Dann tut es mir leid, wenn du meinetwegen in Sorge warst. Weißt du was? Das nächste Mal werde ich dich nicht so lange quälen sondern gleich sterben, so erspare ich dir großen Kummer!"
Sie schwieg, sich klar werdend, welchen Blödsinn sie da eigentlich daherredete.
Legolas' Augen weiteten sich entsetzt. „Sag so etwas nicht", rief er bestürzt und wieder kam Oxana das Schaudern. Warum sorgte er sich so entsetzlich um sie?
Er fing ihren Blick. „Es tut mir Leid", entschuldigte er sich und atmete schwer aus, wobei er seine Schultern sinken ließ, als wiche all seine Kraft aus seinem Körper. Sanft barg er ihre Hand in den seinen.
Oxana lächelte, zog ihn vorsichtig näher und küsste ihn zärtlich. Sie umarmte ihn fest, so wie er sie und erst jetzt merkte sie, wie gut es tat ihn bei sich zu haben.
„Und nun lass uns aufhören, über Angst und Tod zu sprechen. Lassen wir unsere Sorgen hinter uns und konzentrieren uns auf die Zukunft", schlug sie vor.
Legolas legte den Kopf schräg und löste sich aus ihrer Umarmung. „UNSERE Zukunft."
Sie stöhnte entnervt und strich ihm eine Haarsträhne hinters Ohr.
„Ich bitte dich, ich habe gerade den Tod besiegt- lass uns die Sache langsam angehen......"
Sie kniff die Augen zusammen und griff an ihren Hals. Da befand sich nach wie vor das grüne Collier, was sie ein wenig überraschte, angesichts der Tatsache, dass der Rest ihrer Kleidung neben dem Bett lag.
„Warum hat Sarnir dich eigentlich meinen VERLOBTEN genannt? Doch wohl nur, um mich zu ärgern?"
Am vierten Tag nach dem Kampf im Elbenhaus war Oxana bereits wieder kräftig genug, um auf dem Pferd zu sitzen- und sich sogar für eine Weile im Sattel zu halten.
Der Sieg der Rohirrim über die Blutjäger war zwar eindeutig gewesen, dennoch gab es auch auf Seiten der Pferdeherren Tote zu beklagen und man hatte beschlossen, sie an den Ufern des Morthond beizusetzen, denn es war ein Ding der Unmöglichkeit, die Leichname mit in die Heimat zu nehmen.
Der Morthond war der Fluss, der Erech am nächsten lag und viele Meilen südwärts direkt ins Meer mündete.
Legolas bestand darauf, dass auch Nimbrethil und Rawen die letzte Ehre erwiesen wurde, trotz allem. Und so bettete man die beiden Frauen auf Bahren und übergab sie dem Fluss, der sie sanft in die Ferne davontrug, während unweit davon Erdhügel über die weiß verhüllten Leichnahme der Rohirrim aufgeworfen wurden.
„Auch wenn sie Ausgestoßene waren, so waren sie doch Elben. Und in ihnen brannte, so wie in allen von uns, die Sehnsucht nach dem Meer", sprach Legolas, als er neben Oxana still am Ufer stand. „Sie ist auch in mir stark, diese Sehnsucht", murmelte Oxana in Gedanken versunken, ohne sich wirklich im Klaren darüber zu sein, was sie sprach.
Es waren ihre Gedanken, die sie gerade hatte, die ihr ohne ihr Zutun über die Lippen glitten. „Eines Tages werde ich auf die Zauberinseln zurückkehren und dort bleiben".
Legolas sah sie lange von der Seite an und ihm schien vieles durch den Kopf zu gehen.
Überhaupt war er in den letzten Tagen oft anders als sonst. Sie nahm seine Hand, wissend, dass Obhart, Nîthiel, Sarnir und alle anderen, die bei ihnen standen, sie sehen konnten, hob sie und platzierte einen Kuss auf seinen Knöcheln.
Was immer ihm auf den Herzen lag, irgendwann würde er es ihr schon mitteilen. Und wenn es schlechte Nachrichten waren, konnte er sie gerne noch eine Weile bei sich behalten.
Drei Wochen lang blieben sie noch in Erech, um ihre Wunden zu heilen und den Stadtbewohnern dabei zu helfen, die Trümmer des Elbenhauses zur Gänze abzutragen. Keiner wollte je wieder an die Vorkommnisse jener Tage und die Fehler der zurückliegenden Jahre erinnert werden.
Oxana und Legolas blieben weiterhin bei Mirielle, während die anderen sich in der Stadt Unterkünfte besorgten. Die Zeit wurde zu einer schönen, erholsamen Pause, die sie sich gönnten, bevor sie wieder in die Heimat zurückkehren würden, wo sich sicher schon alle um sie sorgten.
Oder zumindest um alle außer Oxana.
Tagsüber unterhielt sie sich oft und lange mit Legolas, aber auch mit Sarnir, Aragorn und Obhart.
Doch Nachts, wenn sie in den Armen des Elben lag, fragte sie sich oft, wo sie denn nun eigentlich hingehörte. „Genau hierhin", wisperte darauf stets eine Stimme in ihrem Kopf und sie wusste, dass sie Recht hatte.
Und dennoch....im Gegensatz zu allen anderen freute sie sich nicht auf ihre Rückkehr in die Heimat. Weder der Gedanke in Edoras zu verweilen, noch der, im Düsterwald zu wohnen, behagte ihr.
Es war der Tag vor ihrer Abreise, als Obhart und Sarnir zu ihnen kamen und eine traurige Nachricht mit sich brachten: Man hatte Colens ziemlich übel zugerichtete Leiche in einer Höhle gefunden.
Der alte Rohir wurde noch in der selben Nacht beigesetzt und es war an Legolas, eine Grabesrede zu halten.
Nachdem er geendet hatte, waren die Herzen aller Anwesenden aufgewühlt und selbst am nächsten Morgen, als sich alle mit voll gepackten Pferden bei Mirielle einfanden, sah man nur in betrübte, nachdenkliche Gesichter.
Und so kam es, dass der Abschied von Erech und seinen Bewohnern ein trauriger wurde. In tiefstem Schweigen reichte Mirielle Oxana ein Abschiedsgeschenk, umarmte sie kurz und dankte ihr und den anderen für alles, was sie für die Leute in Erech, ganz besonders aber für deren Kinder getan hatten.
Im Morgengrauen ritten sie nach Nordwest, auf die Berge zu. Langsam versank die Stadt und die Wälder um sie herum im grauen Nebel, bis dass kein einziger Wipfel mehr zu sehen war.
Mirielle, Borgil, Asona und die starken Frauen von Erech- würden sie einen von ihren je wieder sehen?
Nun war die traurige Geschichte rund um Nimbrethils Familie also abgeschlossen.
Erech, so dachte Oxana, während sie starr auf die vor ihnen liegenden weißen Gipfel des Ered Nimrais blickte, würde nie wieder zu dem werden, was es einst gewesen war.
So wie sie.
Obhart grinste breit. „Nun? Wie oft hat sie schon versucht, dich umzubringen?"
„Vier...fünf Mal, wenn man das eine Mal auf dem Begräbnis mitzählt. Sie wollte mich ins Wasser stoßen."
„Wie geschmacklos."
„So ist Nîthiel eben."
Obhart lachte leise, während Oxana sich darüber bewusst wurde, wie lästig es eigentlich war, immer darauf achten zu müssen, der Elbe nicht den Rücken zuzuwenden.
Selbst jetzt ritt sie hinter Nîthiel, etwas, das in den letzten Tagen zur Gewohnheit geworden war. Es lag wohl auch daran, dass seltsamer Weise immer nur Nîthiel diese fiesen Orks sah, die ab und zu einen Pfeil in Oxanas Richtung abschossen.
„Und? Hast du vor, etwas dagegen zu unternehmen? Ich meine, du kannst nicht immer darauf achten ob dort, wo du hintrittst, auch wirklich Boden ist." Obhart schmunzelte vergnügt über seine Anspielung, ganz besonders, als er merkte, wie Nîthiel zu ihnen zurückschielte.
„Wenn ich erst KÖNIGIN VON DÜSTERWALD bin , werde ich mich dieses Problems schon entledigen", antwortete Oxana so laut wie nur möglich, um sicher zu gehen, dass Nîthiel sie auch hörte.
„Dann stimmt es also?"Sarnir ritt plötzlich zu ihrer Linken.
„Was?"
„Dass ihr heiraten werdet!"Er tat verwundert.
Sie schnappte ärgerlich nach Luft und senkte ihre Stimme, weil ja Nîthiel nicht die einzige Elbe mit Fuchsohren in der Gruppe war.
„Das war doch nicht ernst gemeint..."-
- „Dann nimmst du mein Verlobungsgeschenk also nicht ernst?", wunderte sich Legolas, der ebenfalls irgendwo aus dem Nichts heraus aufgetaucht war und Obharts Platz eingenommen hatte.
Oxanas Ohren wurden rot und griff automatisch nach der wertvollen Halskette. „Natürlich tue ich das...es ist bloß...das geht alles so schnell...müssen wir das ausgerechnet HIER besprechen?"
Sie sah sich etwas krampfhaft um und hätte sich zu wetten getraut, dass Théodens halbe Mannschaft ihnen interessiert zuhörte, auch wenn sie alle ganz und gar anderwärtig beschäftigt zu sein schienen.
Dass nur Frauen gerne tratschen ist eine glatte Lüge.
Legolas sah sich um. Da türmten sich schneebedeckte Felsen vor, hinter, neben und über ihnen. Ein kräftiger Wind pfiff eiskalt um ihre Ohren und riss an ihren Mänteln.
„Warum nicht? Dieser Platz ist so gut wie jeder andere. Also, was hältst du davon?"
Sie starrte ihn baff an. „Das kann doch nicht dein Ernst sein."
„Ich meine es todernst", grinste er und hielt an. „Heirate mich."
„Das ist doch...!"Die Gebirgsluft schien doch dünner zu sein, als sie geglaubt hatte.
„Erfreulich?"-, schob Legolas grinsend ein.
-„Du sitzt auf einem Pferd und machst mir mit den Worten: WAS HÄLTST DU DAVON einen Antrag?? Mitten im Gebirge, am helllichten Tag, umgeben von einer Horde Krieger??"
Er sah sie abwartend an. „Und?"
„Weißt du eigentlich wie unromantisch das ist?!", rief Oxana explosiv. Das war doch die Höhe! Wenn sie jetzt Nein sagte, dann verlor er sein Gesicht vor all diesen Männern, die übrigens nun WIRKLICH zuhörten, und zwar jeder einzelne.
Bei einem Ja allerdings hätte sie gegen ihre eigene, feste Überzeugung, dass ein Antrag auf Knien bei Vollmond in einer lauen Sommernacht auf einem duftenden Kornfeld in Ithilien gemacht zu werden hatte, verstoßen.
Und überhaupt, was brachte ihn dazu zu denken....!??
Er grinste. „Ich wollte eigentlich noch etwas abwarten, aber ich finde, das Ambiente ganz gut zu dir."
Irgendwo in den hinteren Reihen der Krieger kicherte jemand.
„Und? Was sagst du?"
Sie knurrte leise. Das tat das sicher mit voller Absicht. Egal, wie gern sie ihn hatte- im Moment HASSTE sie ihn.
„Ich....werde.....darüber nachdenken", presste sie mühsam hervor. Was sonst hätte sie sagen sollen, ohne ihn völlig bloßzustellen?
An Thengels- nein, Théodens Hof, so hieß er ja jetzt, wurden sie aufs Herzlichste empfangen und- zu Obharts ganz besonderer Freude- ausgezeichnet verköstigt.
Seit dem Antrag waren drei Tage vergangen, drei Tage in denen Oxana Legolas so oft mit eisigen Blicken durchbohrt hatte, dass von dem Prinzen im Grunde nicht mehr viel übrig hätte sein dürfen.
Gestern Abend hatten sie Edoras erreicht.
Sie teilten sich ein Zimmer im Ostflügel des Königspalastes, ein prächtiger, mit Tierfellen ausgehangener Raum, der nicht allzu gut geheizt war. Es war nicht so, das Théoden ihnen etwas heimzahlen hätte wollen oder dass eines der Dienstmädchen zu faul war, um ab und zu einen Scheit ins Feuer zu werfen- es war bloß- na ja, der Raum war riesig. Und zusätzlich herrschte eine Kühle darin, die im Moment von keinem Feuer der Welt vertrieben werden konnte.
Auf dem breiten Bett (dunkelrot überzogen, alles in diesem Raum war irgendwie dunkel und überdimensional) lag Legolas, in zwei dünne Decken gewickelt und fror ganz leicht.
Oxana lag vor dem Kamin auf der Haut eines toten Berglöwen und schmiegte sich in zwei Polster, ein Laken, zwei weitere Felle und eine Wolldecke.
„Legolas?"
„Mhm?"
Er klang müde. Gut. Vermutlich wäre er gerade eben eingeschlafen.
Oxana grinste böse.
„Mir ist kalt."
Sie wartete eine Sekunde. Dann fragte sie mit unschuldiger Kinderstimme: „Kann ich deine Decke haben?"
Sie hörte den Elb leise grunzen, dann raschelte etwas, als er sich bewegte. Schlielich landete die Decke hinter ihr.
Oxana wickelte sich darin ein, wischte sich den Schweiß von der Stirn und wartete, bis die Atemzüge des Elben wieder gleichmäßiger geworden waren.
Legolas rannte bereits fröhlich singend durch den Düsterwald, als eine Stimme ihn aus dem Schlaf riss.
„Legolaaaaas?"
Er schreckte auf. „WAS?!"
„Bist du noch wach?"
Er ersparte sich eine Antwort.
Oxana musste sich zusammenreißen, um nicht glucksen. „Ich friere noch immer."
Wütend packte er sein Kissen und schleuderte es zu Oxana hin. „Jetzt reicht's aber dann! Ich habe dir doch schon fast alles gegeben, was ich hatte!! Denkst du, diese Hundskälte könnte mir nichts anhaben, bloß weil ich ein Elb bin?"
Oxana setzte sich auf und ordnete sein Kissen zwischen die ihren. „Warum bist du so aggressiv? Du brauchst mich doch nicht gleich so anzuschreien!", meinte sie kopfschüttelnd.
„Ich schreie nicht!", schrie der Elb.
Oxana grinste. Ihre Augen funkelten schadenfroh. „Nein, natürlich nicht, reg dich nicht auf".
„Ich rege mich nicht auf! Ich bin ganz normal, du bist es, die sich wie ein Kleinkind aufführt!! Was ist eigentlich los mit dir? Was habe ich dir getan?? Seit Tagen darf ich dich nicht einmal berühren!"
Sie stand auf, warf ein Holzscheit in die Glut.
„Für diese Anmaßung, die du einen Antrag nanntest, hast du ein ganzes Monat verdient!", zischte sie giftig.
Legolas stand auf, stolperte beinahe über seine letzte Decke, die er wütend um die Hüften knotete.
„Was willst du eigentlich?", rief er aufgebracht, „soll ich vor dir auf die Knie gehen?! Gedichte und Lieder vortragen und dich mit Blumen überhäufen? Dich ANFLEHEN?!"
Sie nickte. „Genau das. Weißt du, es mag sein, dass du es vergessen hast- aber ich bin trotz allem eine Frau und habe meine Bedürfnisse."
„Was für eine fadenscheinige Ausrede! Ich kenne dich..."– „Ach, tust du das?"- „...du willst dich bloß vor einer Antwort drücken! Was ist so schlimm daran, meine Frau zu sein?"
„Dreh mir nicht das Wort im Mund um- ich habe nie gesagt, dass es schlimm wäre! Aber du weißt genau, dass es noch viel zu früh ist! Ich kenne dich nun gerade Mal ein Monat.."
„Du kennst mich besser als jeder andere!"
„Ich brauche Zeit!", rief sie zornig, „wieso lässt du sie mir nicht?!"
Er starrte sie ausdruckslos an.
Sie konnte förmlich sehen, wie der Elb in sich zusammensank. Ihr Zorn verflog und wich tiefster Verwirrung, als er endlich sprach.
„Entschuldige bitte. Es ist nur...jedes Mal, wenn ich mit dir zusammen bin, scheint mir die Zeit davon zu laufen. Es gibt so viele Sachen, die ich mit dir unternehmen möchte, so viele Orte und Menschen, die ich dir zeigen will....und uns bleibt so wenig Zeit."
„Und das bedeutet, dass wir alles überstürzen? Falls du es vergessen haben solltest- auch ich habe bei dem, was zwischen uns ist, ein Wörtchen mitzureden."
Er nickte schuldbewusst. „Ich weiß. Und es tut mir Leid, dass ich dich zu etwas drängen wollte. Es ist nur...nun, ich liebe dich, und dessen bin ich mir ganz sicher. Doch du bist sterblich..."
„Woher willst du das wissen? Noch vor ein paar Wochen habt ihr mir einzureden versucht, dass ich das nicht bin!", unterbrach sie ihn.
Er blinzelte. „Ich habe Rawen getötet", antwortete er, als wäre damit alles gesagt. „Der Bund zwischen euch ist zerbrochen und du bist wieder sterblich."
Eine Weile schwiegen sie beide.
„Dann gab es ihn also wirklich, diesen Bund", murmelte Oxana schließlich und starrte ins Feuer, „ich habe es bisher für einen Traum gehalten. Bisher war da immer etwas, das mich daran gehindert hat, mich daran zu erinnern. Jetzt jedoch beginne ich die Dinge klarer zu sehen. Ich wusste immer, dass sie damals etwas mit mir gemacht hat. Ich habe es gespürt. Es gab viele Hinweise und dennoch....nun ergibt einiges Sinn."
Sie strich über ihre Lippen und starrte angeekelt auf ihre Finger. „Sie hat mich Hirschblut trinken lassen...widerlich..."
„Ich habe das nicht gewollt", erklärte Legolas bitter.
Natürlich wusste sie, dass er derjenige von ihnen war, der am meisten unter dieser Tatsache litt.
Trotzdem winkte sie ab. „Ich habe etwas verloren, von dem ich nie wusste, dass ich es besaß. Keine Angst, ich habe mich bisher als Mensch ganz gut durchgeschlagen und ich werde es auch weiterhin tun."
Er legte eine Hand auf ihre Schulter und zwang sie sanft, sich umzudrehen.
„Ist da noch etwas, das du möglicherweise vergessen hast und das dir nun wieder einfällt?"
Sie schüttelte dumpf den Kopf. Da war nichts.
Sie nahm seine Hand und hauchte einen Kuss darauf. Behutsam zog er sie näher, hob ihr Kinn an und küsste sie, zuerst vorsichtig, dann immer fordernder. Alleine an der Art, wie sein Körper auf sie reagierte merkte sie, dass er sich wirklich nach ihr gesehnt haben musste.
„Ist dir noch immer kalt?", hauchte sie an sein Ohr und schmunzelte, als er zusammenzuckte. Seine Ohren waren wirklich äußerst empfindlich....eine Schwäche, auf die sie später noch einmal zurückkommen würde...
„Kaum mehr..."Er strich ihr mit beiden Händen das Haar zurück und küsste sie erneut. Dann sah er ihr fest in die Augen. „Versprich mir, dass du wieder wütend auf mich bist." „Das kommt drauf an obmhmmmmmm!!"Er erstickte den Rest des Satzes mit einem inständigen Kuss, während er ihr mit erstaunlicher Geschicklichkeit das Nachthemd auszog, ohne sich dabei auch nur einmal von ihr zu lösen.
Wieder einmal musste Oxana sich eingestehen, dass in seinem schlanken Körper mehr Kraft steckte als man ihm ansah, denn im nächsten Moment fand sie sich auf dem Rücken liegend am Boden wieder, verzweifelt versuchend, das störende Laken von Legolas' Hüften zu reißen.
Es wollte ihr einfach nicht gelingen, bis tatsächlich Tränen der Verzweiflung in ihren Augen standen.
Sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie inzwischen weitaus aktiver als der Elb geworden war, der sie verwundert, mit einem beinahe niederträchtigen Grinsen im Gesicht, beobachtete.
„Du hast mich also auch vermisst", stellte er fest.
„Ich wäre dir sehr dankbar wenn du mir bei diesem verdammten Laken behilflich sein könntest!", fauchte sie und brach sich im selben Moment den zweiten Fingernagel ab. „Ist das ein Achterknoten oder was?!?"Sie zerrte wütend an dem zerfetzten Stoff.
Legolas löste den Knoten innerhalb einer Viertelsekunde und grinste. „Du hast die Kontrolle über dich verloren...das gefällt mir"Er packte ihre Handgelenke und presste sie gegen den Boden. Dann ließ er seinen Atem über ihre Brüste streichen, küsste ihre Schultern und dann wieder ihren Mund.
Oxana umschlang seinen Leib mit ihren kräftigen Beinen und zog ihn näher. Legolas stieß einen kehligen Laut aus, als sie ihr Becken fest gegen seine Erektion presste. Gleichzeitig gelang es ihr, einen Arm zu loszureißen und zog den Elben an den Haaren an sich heran.
„Die Kontrolle verlieren nennst du das?"Sie grinste. „Du hast keine Ahnung wie es ist, wenn ich die Kontrolle verliere".
„Dann zeig es mir".
Nun, und das tat sie.
„Ich glaube, ich liebe dich".
Legolas grinste. „So sollte ein guter Morgen beginnen."
Sie legte eine Hand auf seine Brust, ließ sie über seine glatten Muskeln wandern. Mit einem Finger schob sie die Decke bis zu seinem Nabel hinab und formte ihn nach. Es war eiskalt im Zimmer, doch der schöne Körper an ihrer Seite reichte aus, um sie warm zu halten.
„Was würde ich jetzt wohl tun, wenn ich dir nicht begegnet wäre?", wunderte sich Oxana und legte den Kopf auf seine Brust. Sie liebte es, sein Herz schlagen zu hören. Es gab nichts Beruhigenderes auf der Welt.
„Leute umbringen", schätzte Legolas.
Sie schlug ihm vorwurfsvoll mit der flachen Hand auf den Bauch, sodass es laut klatschte. Legolas stieß ein hörbares „Uff!"aus.
Oxana sah nachdenklich durch das hohe Fenster in den weißen Morgenhimmel.
Heiraten.
Das hieß für immer am selben Ort zu bleiben, oder? Etwas, das sie sich unmöglich vorstellen konnte. Heiraten bedeutete, bis ans Ende ihres Lebens mit diesem Mann auskommen zu müssen. Das wiederum bedeutete ständigen Streit, Kummer, weil er ja unsterblich war und die üblichen Probleme die sich einem stellten, war man mit einem elbischen Thronfolger verheiratet.
Natürlich hatte eine Ehe auch ihre Vorteile.
Er war richtig nett.
Ach was, er war mehr als das, auch wenn es ihr schwer fiel, es sich einzugestehen.
Seelenverwandt?
Konnten ein elbischer Prinz und eine- im wahrsten Sinne des Wortes -menschliche Mörderin seelenverwandt sein? Nein, sie beschloss, dass es ihr Kopfschmerzen bereitete, darüber nachzudenken.
Aber Heiraten hieß doch auch, ihr ganzes Leben lang die Möglichkeit auf eine Nacht wie die vorhergehende zu haben....
Sie sah ihm ins Gesicht. „Willst du mich noch?"
Legolas seufzte. „Na gut, aber du bist dir hoffentlich bewusst, dass fünfmal eine ziemliche Leistung ist für eine Nacht..."- „Nein", fiel sie ihm ins Wort, „denk nicht immer bloß an das eine!"„ICH? Moment mal, soweit ich mich erinnere warst DU es die..."- „Schhhhht!"
Sie presste einen Finger auf seine Lippen und sah ihm tief in die Augen. „Dinen. [Still]"
Er verstummte augenblicklich.
Es kostete Oxana unendlich viel Mühe, Folgendes über die Lippen zu bringen:
„Willst du mich heiraten?"
Wann war sie zum letzten Mal so nervös gewesen? Wahrscheinlich an dem Tag, als ihr Bruder Rion darauf bestanden hatte, dass sie ihm den Apfel vom Kopf schoss....
Plötzlich hatte sie unsinnigerweise Angst, dass er Nein sagen würde. Für zwei Herzschläge hing ihr gesamtes Selbstvertrauen an einem seidenen Faden und Legolas war derjenige, der die Schere hielt.
Er zog sie an sich und küsste sie unendlich zärtlich.
„Weißt du eigentlich, dass du mich soeben zum glücklichsten Mann Mittelerdes gemacht hast?", flüsterte er.
Sie verzog unwillig den Mund, konnte ein erleichtertes Lächeln aber nicht ganz aus ihrem Gesicht verbannen. „Du hattest Recht. Ich mag es nicht, wenn du so geschwollen daherredest."
N a c h w o r t:
S-E-U-F-Z ....was für ein Mann..........haaaaaaaaacccccchhhhhhhhhhh
räusper
Hehe, ehrlich gesagt vermute ich, dass es gar keinen Achterknoten gibt ()) - ich weiß bloß, dass es einen Knoten gibt, wo man eine 8 legen muss.....
Falls sich jemand über die vielen Similis /Metaffern in der Geschichte gewundert hat- ich lese gerade die „Death Triology"von Terry Prachett- wer ihn kennt weiß, was ich meine ;). Hab übrigens 2 Bilder zu der Geschichte bekommen- eine Zeichnung und eine Collage von Oxana. Sehr genial...ich werd mal sehen, ob ich wo Platz zum online stellen finde- (vielleicht hat ja einer von euch eine Idee....) jedenfalls vielen, vielen Dank dafür!
