…und mein Lächeln blieb mir im Hals stecken.
Nicht, weil er meine nett gemeinte Warnung vor einem Antrag an Elena ignoriert und sie trotzdem gefragt hatte!
Das wunderte mich nämlich nicht einmal, denn warum sollte er auch auf seinen gehässigen, egoistischen Bruder hören?
Vor allem, wenn er wusste, wie ich für Elena empfand – zumindest glaubte er das.
Er würde nie auch nur ansatzweise so tiefe Gefühle für sie haben, wie ich sie hatte.
Vielleicht lag es daran, dass sie mit ihm zusammen war und er alles für selbstverständlich ansah, denn ich tat das nicht.
…zurück zu dem, was er gerade gesagt hatte.
Sie hatte also wirklich verneint?
Ich hatte geglaubt, sie hätte einfach nur Angst gehabt, aber dass sie das wirklich wahr machen würde…?!
Ich hatte sie eindeutig unterschätzt.
Sei wollte nie in Schutz genommen werden, weil sie andere auch nicht in Schutz nahm.
Zumindest mich nicht.
Aber Stefan?
Was zum Teufel musste da vorgefallen sein, dass sie sich so weit voneinander entfernt hatten?
„Also wenn ich jetzt sehe, wie angepisst du bist, dann ärgere ich mich wirklich, dass ich das nicht gemacht hab…", sagte ich bedauernd und verschob damit die Zweifel und Fragen, die ich hatte, auf später.
Stefan schnaubte angewidert und sah mich einfach nur voller Hass an.
Ich konnte mich nicht daran erinnern, als er zum letzten Mal so wütend auf mich gewesen war…
Scheinbar vertrug er die Wahrheit nicht, dass Elena ebenso Gefühle für mich hatte.
…eigentlich wollte ich mir den Gedanken, dass ich vielleicht auch ein Grund an Elenas Ablehnung des Antrages war, gar nicht erst durch den Kopf gehen lassen, aber es war unvermeidlich.
Zu sehr wünschte ich mir, sie würde meine Gefühle auch nur eine Sekunde lang erwidern.
„Aber eigentlich bist du ja selbst Schuld, nicht?
Ich hab dir doch gesagt, dass es der falsche Zeitpunkt ist."
Bei diesem Satz konnte ich mir ein dreckiges Grinsen nun wirklich nicht verkneifen, denn dessen Wahrheit entwickelte sich gegen Stefan zu einer gewaltigen Schlagkraft, die ihn viel schneller zur Weißglut trieb, als eigentlich geplant.
„Du bist wirklich gut darin, das Unschuldslamm zu spielen…
Vielleicht glaubt Elena dir deswegen diese ganze Scharrade.
Aber ich kenne dich, Damon, und ich weiß, dass du dir keine Gelegenheit entgehen lässt, mit der du mich blamieren könntest."
Er kannte mich?
Warum glaubte er das?!
Weil wir Brüder waren?
Trotzdem brachte mich diese absurde Behauptung irgendwie zum Lachen.
Lauthals fing ich an, aus voller Kehle heraus zu lachen und krümmte mich auf dem Sofa zusammen.
Nur mit Mühe konnte ich meine Augen offen halten: „Ja?
Stefan, ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal einen so guten Witzgehört hab, der mal nicht von mir war…
Und das muss schon was heißen!"
Stefan sah mich aus misstrauischen Augen an und legte verständnislos den Kopf zur Seite.
„Damon, lass den Quatsch!", forderte er mich auf, noch immer verwundert über meinen plötzlichen Lachanfall, der sich mittlerweile zu einem dicken Grinsen verflüchtigte.
Ich stand auf und kam langsam auf ihm zu.
„Du glaubst also, mich zu kennen?
Wir sind zwar Brüder, aber das heißt nicht, dass du automatisch nachvollziehen kannst, wie ich denke!
Und weißt du, was ich gerade denke?
Ich denke, du suchst nur einen plausiblen Grund für Elenas Absage, weil du nicht glauben kannst, dass sie dich nicht heiraten will!
…wie gesagt, ich muss dich enttäuschen, ich hab sie nicht manipuliert, sie hat ganz von selbst verstanden!"
Das war zu viel.
Ohne ein Wort stieß er mir mein Glas aus der Hand, welches folglich an die Wand gestoßen wurde, wo es mit einem dröhnenden Klirren in tausend Teile zersprang.
Wütend sah ich meinem Bourbon nach, der nun an der Wand herab lief.
Ob er wusste, was er damit angerichtet hatte?
Ich war es leid, das jetzt zu erfahren, denn gerade gab er mir eine Ohrfeige, die so heftig war, dass ich dadurch auf die andere Seite des Raumes befördert wurde.
