37. Kapitel

Von dem Abschiedsfest

V o r w o r t:

Was gibt es schon, das ihr als Entschuldigung akzeptieren würdet? Ich könnte sagen, dass sich bei mir extrem viel im Privatleben getan hat- was der Wahrheit entspricht, aber nicht unbedingt entschuldigt, dass ich so schreibfaul war. Ich könnte auch sagen, dass ich die Nase voll hatte von kaputten Disketten und abstürzenden PCs- was ich auch wirklich habe. Ich kann euch auch von meiner Schreib-Blockade und meinem Gefühl, absolut gar nichts mehr auf die Reihe zu kriegen, vorjammern.

Aber ich denke am besten ist, dass ich mich ordentlich bei euch entschuldige- und bei mir selbst, und zwar dafür, dass ich meine Versprechen nicht gehalten (oder zu spät eingelöst) habe.

Hoffentlich kann ich mit diesem Kapitel zumindest ein bisschen was wieder gutmachen. Ich hab lange überlegt, ob ich es überhaupt online stellen soll- und je länger ich darüber nachdachte, desto schlechter wurde es....und nun riskiere ich es einfach.

Danke an all diejenigen, die Geduld mit mir hatten! Und an jene, die keine Lust mehr haben, weiterzulesen: Ich kanns euch nicht verübeln....;)

Viel Spaß, Conna


Alles hätte wunderbar werden können, und, auf eine Weise, die sich auf das Ende des Großteils aller Liebesgeschichten bezog, auch langweilig.

Nun, darin bestand keine Gefahr.

Denn bereits an jenem Tag, an dem sich die Wege der sieben...Schicksalsgefährten.... („Freunde" wäre wohl übertrieben gewesen für manche Personen) trennen sollten, traf etwas ein, mit dem keiner gerechnet hatte.

Sie bekamen Besuch, nämlich von einem Boten, der ihnen den Kopf eines unbekannten Mannes mit einer Botschaft in dessen Mund brachte.

Der Bote, ein verängstigter Bauernbursche, der sichtbare Mühe hatte, seinen rebellierenden Magen im Zaum zu halten, stammelte etwas von einem schwarzen Dämon, der ihm mithilfe einiger äußerst brutaler Drohungen zu dieser undankbaren Aufgabe verholfen hatte.

„Silaid", grummelte Oxana und nahm dem jungen Mann das blutige Haupt aus der Hand, worauf dieser sich schleunigst aus dem Staub machen wollte. Die Wachen hielten ihn allerdings rechtzeitig fest.

Oxana drehte den Kopf, musterte kurz das ihr unbekannte Gesicht und nahm ihm dann ein zusammengerolltes Stück blutiges Leder aus dem offenstehenden Mund.

Erst in diesem Moment traten Legolas und Théoden aus dem Hauptgebäude zu ihnen auf den mit rohem Stein gepflasterten Bereich davor, wo sich die ganze Szene abspielte.

„Was geht hier vor?", rief der König gebieterisch, sobald er erkannte, was Oxana da an den Haaren hielt und gerade beiläufig wie einen Krug neben sich auf dem Boden abstellte.

Eine Wache antwortete ihm: „Dieser Bursche hier bat darum, mit der Dame zu sprechen- wir konnten nicht ahnen, dass er...das dort...."- der Mann wies auf den Kopf des Toten, „unter seinen Mantel trägt!".

Théoden war nun ganz heran, ebenso wie Legolas. Oxana brauchte den Elb nur anzusehen um zu wissen, dass er, wie sie, sofort erkannt hatte, wessen Handschrift- im wortwörtlichen Sinne- das hier war.

Während der König von Rohan sich wortgewaltig vor den beiden Wachen darüber ausließ, wie man nur so töricht sein konnte, zu übersehen, dass ein Mann zwei Köpfe mit sich trug, entzifferte Oxana mühevoll das Geschriebene:

„° Ein Geschenk an die Braut. Auf dass sie nicht vergisst, wie kurzlebig ein Glück sein kann.°"

„Und was heißt das darunter?"

Oxana verdrehte die Augen und las etwas widerwillig: „°Und auf dass sie einen kühlen Kopf bewahrt°." Sie grunzte. „Typisch. Er lässt keine Gelegenheit aus, seinen schrägen Humor zum Einsatz zu bringen."

„Dann hat er uns also nicht vergessen", seufzte Legolas.

„Hast du denn etwas anderes erwartet?" Es waren Zorn, aber auch eine gewisse Müdigkeit, die sie in seinen Augen lesen konnte. Sie verstand ihn nur zu gut.

Der König bückte sich und besah den Kopf, ohne ihn anzugreifen. Dann stand er kopfschüttelnd auf. „Ich habe keine Ahnung, wer das ist."

„Es ist wohl auch nicht von Belang", murmelte Oxana, „er war vermutlich einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort."

Der junge König streckte die Hand aus. „Darf ich...?"

Oxana reichte die Botschaft an Théoden, der das Leder nachdenklich betrachtete. Plötzlich sog dieser erschrocken Luft ein und ließ es wie eine heiße Kartoffel fallen. „Das ist Menschenhaut!", krächzte er und seine Augen wurden groß.

Oxana nickte unberührt. „Und was draufsteht wurde ganz sicher nicht mit roter Tinte geschrieben".

Théoden wurde noch eine Spur blässer unter seinem Bart. „Keinen Schritt lasse ich euch von meiner Burg fort, solange dieser Verrückte da draußen herumläuft!", rief er entschlossen, mit etwas schriller Stimme. „Ich werde die Wachen verdoppeln, und dann sende ich Männer aus, die nach diesem Scheusal suchen und es töten sollen! Ich..."-

Legolas unterbrach ihn überraschend ruhig: „Théoden, ich bitte dich, sosehr wir deine Sorge um uns auch zu schätzen wissen- wir können uns nicht ewig hier verstecken".

Nach außen hin schien der Prinz die Tatsache, dass seiner Verlobten und ihm soeben eine Morddrohung zugesandt worden war, ziemlich gelassen hinzunehmen. Sicherlich war ihm Ähnliches schon öfter passiert, als Königssohn und einzigen Erben.

Ein Blick in sein Gesicht zeigte Oxana, dass sie sich geirrt hatte.

Er brodelte innerlich. Ebenso wie sie.

Dachte diese kleine Pestbeule ernsthaft, dass sie sich, nach allem was geschehen war, nach allem was sie durchgemacht hatte, noch von ihm einschüchtern ließ?!? Nein, nein, soweit würde es noch kommen! Sie würde den Spieß umdrehen, sie würde IHN jagen. Der einzige, der hier Grund zur Bange hatte, war Silaid selbst! Sie würde...

„Wir werden wie geplant morgen in den Düsterwald aufbrechen. Obhart wird uns bei den Raurosfällen verlassen und mit seinem Schiff flussaufwärts fahren, und Nîthiel wird von uns nach Lórien gebracht. In zwei Wochen werde ich meinem Vater gegenüberstehen und ihm meine Braut vorstellen- und keine Macht der Welt wird mich davon abhalten können. Schon gar nicht dieser missgebildete Möchtegern- Alptraum!"

Selbst Théoden, der gerade eben noch dazu angesetzt hatte, heftig zu widersprechen, verstummte und maß den Elben mit widerwilliger Bewunderung. Alleine die Bestimmtheit, mit der Legolas diese Worte gesprochen hatte, ließ jeden seiner Einwände lächerlich erscheinen.

Jedoch versuchte er es noch einmal: „Zwei Tage- ich bitte dich, gib mir zwei Tage, um die Gegend nach ihm abzusuchen".

Der Elb war drauf und dran, den Kopf zu schütteln, als Oxana ihm in den Unterarm kniff. „Zwei Tage", sagte sie eindringlich und blinzelte ihn auf eine Art an, die nun wiederum all SEINE Einsprüche im Keim erstickte.

„Na gut", sagte er zögerlich, „aber keine Minute länger. Es gefällt mir nicht, diesem Ekel gegenüber klein beizugeben."


Gemeinsam gingen sie in die Burg zurück- das Wetter war nicht besonders angenehm- und bald war Théoden vollauf damit beschäftigt, Suchtrupps einzuteilen und die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken.

Oxana fasste Legolas plötzlich an der Hand, führte ihn die Treppe hinauf und stieß ihn in den nächstbesten Raum- was in diesem Fall eine Dachkammer voller staubiger Spinnräder und altem Flachs war, in die bloß durch ein paar Ritzen etwas Licht sickerte. Es war ziemlich stickig hier heroben.

„Ich bin beeindruckt", grinste sie im Halbdunkeln.

Legolas legte den Kopf schräg. „Wovon?"

Sie machte einen Schritt auf ihn zu und strich über seinen Oberarm. Ihre Augen hatten sich schnell an das Zwielicht hier gewöhnt, eine Fähigkeit, die ihr schon oft von großem Nutzen gewesen war. „Von vorhin. Du warst so...gebieterisch...."

Legolas grinste nun ebenfalls. „Als Thronfolger ist es manchmal ganz von Vorteil, wenn man so ist...es macht vieles leichter, beschleunigt die Dinge.." Er brach ab und beobachtete ihre Hand, die sich ihren Weg unter sein Hemd bahnte, während sie mit der anderen über seine Wange strich.

„Ich weiß noch nicht ob es mir gefallen oder ich mich darüber ärgern sollte, wenn du andere- oder mich- herumkommandierst...."- „Ich würde ersteres vorziehen", lächelte Legolas und zog sie näher an sich, „obwohl....ich finde dich auch ganz reizend, wenn du wütend bist..."- „Auf jeden Fall solltest du es nicht zur Gewohnheit werden lassen", wisperte Oxana unbeirrt in sein Ohr und lachte leise, als er erschauderte. „Zu Befehl, Herrin", flüsterte der Elb zurück. Sie biss zärtlich in seinen Hals und zog ihm das Hemd mit einer schnellen Bewegung über den Kopf.

„DAS gefällt mir..."


Ein Tag verging ohne besondere Vorkommnisse.

Théodens Männer fanden den Rest des Mannes in einem Weiher am Stadtrand. Jemand hatte ihm am Ufer meuchlings erdolcht. Auch fand man heraus, um wen es sich bei dem Toten gehandelt hatte: Er war ein kauziger Einsiedler gewesen, hatte keine Familie, bloß einen Halbbruder in Edoras, der sich keine große Mühe gab, Bedauern über seinen Tod vorzutäuschen.

Oxana wusste, dass die Tatsache, dass der Mann weder Frau noch Kinder hinterließ, seinen Tod nicht weniger schlimm machte – aber zumindest erleichterte es ihr Gewissen ein wenig.

Aber es nagte dennoch an ihr, dass ein Mensch so sinnlos und im Grunde nur ihretwegen getötet worden war. Und das war etwas, das sie nicht verstehen konnte.

Es dauerte lange, bis sie begriff, dass sie sich verändert hatte, und es noch immer tat.

Die Dinge begannen ihr zu Herzen zu gehen und sie begriff, dass ihr Théoden, Obhart, Sarnir und ganz besonders Legolas wirklich wichtig geworden waren. Wichtiger, als gut für sie war. Sie konnte nur beten, dass Silaid auf diesen neuen Schwachpunkt an ihr noch nicht aufmerksam geworden war.

Und noch etwas fiel ihr auf: Wo auch immer sie war, Sarnir war ständig in ihrer Nähe.

Zwar versuchte er diesen Umstand ständig auf einen Zufall zurückzuschieben, aber Oxana wusste, dass dem nicht so war. Nicht zuletzt deswegen, weil sie sich immer häufiger einen Spaß daraus machte, plötzlich zu verschwinden, um den Elben aus irgendeinem finsteren Winkel heraus dabei zu beobachten, wie er hektisch nach ihr suchte.

Er machte sich Sorgen um sie, was sie irgendwie reizend fand, zugleich aber auch befremdend. Weshalb diese große Aufregung? Silaid war gefährlich, aber er war alleine. Er würde wohl kaum in eine bewachte Festung eindringen, um sie im Schlaf zu erdolchen. Der Halbork war zwar verrückt, aber weder dumm noch lebensmüde.

Von allen Menschen die auf der Burg verweilten, hatte sie am meisten Grund, sich zu fürchten. Aber sie tat es nicht. Sie sorgte sich bloß, dass Silaid möglicherweise einem ihrer Freunde etwas antun würde. Der Gedanke, dass sie selbst in Lebensgefahr schwebte, schien ihr sonderbar abwegig.

Am Ende des zweiten Tages wurde ein großes Abschiedsfest für sie alle veranstaltet.

Théoden ließ Gaukler kommen, die bereits bei seiner Krönung ihre Kunststücke vorgeführt hatten und sich großer Beliebtheit erfreuten. Man schlachtete einen Ochsen, schaffte ein halbes Dutzend Bierfässer und Krüge voller starken, würzigen Wein aus den Kellern und lud Musiker aus der Stadt ein.

Der König beschloss, die Feier in einem überschaubaren Kreis abzuhalten. „Nur die engsten Freunde und Verwandten aus der Umgebung", ordnete er an, als die Gästeliste zusammengestellt wurde. „Wir wollen nicht riskieren, dass sich dieser Silaid einschleicht".

Am Eingang, in den Gängen, selbst im Festsaal wurden Wachen aufgestellt. Alle Gäste und Bewohner der Burg sollten sich an diesem Abend sicher wie im Schoße ihrer Mütter fühlen.

Und wahrlich, die Stimmung hätte nicht besser und ausgelassener sein können.

Doch dann traten die Gaukler auf.

Oxana und Legolas beobachteten das Treiben der lustigen Gesellen in ihren bunten Gewändern von ihren Plätzen an der Festtafel aus. Sie hatten beide lange und ausgiebig gespeist und sich, während der Großteil der anderen Gäste den Musikern gelauscht, getanzt oder gesungen hatten, angeregt unterhalten.

Nun aber war es mit einem Schlag so ruhig im Saal geworden, dass sie beide überrascht aufsahen: Alle Blicke waren in den hinteren Teil des Saales gerichtet, wo sich eine Abstellkammer mit einem Dienstboteneingang befand.

Heute jedoch sah man die Tür zur Abstellkammer nicht, denn ein riesiger, purpurner Vorhang war mit Stangen und Seilen davor aufgebaut worden. Vor diesem Vorhang stand ein junger Bursche in einem roten Kostüm und schwarz bemaltem Gesicht und jonglierte vor den staunenden Gästen mit vier Holzkeulen.

Ein bewunderndes Raunen ging durch die Reihen, als ihm ein Kollege eine fünfte, schließlich eine sechste Keule zuwarf.

Dann- Oxana konnte nicht genau erkennen WIE er es tat- steckte der junge Gaukler eine Keule nach der anderen in Brand.

Einige Zuschauer stießen erschrockene Rufe aus und wichen hastig zurück, doch bald hatten sie sich wieder gefangen und stimmten in den begeisterten Applaus und die Zurufe der anderen Gäste mitein.

Als die Künstler ihre Darbietung beendet hatten, verschwanden sie wieder in der Abstellkammer und eine schlanke Frau mit schwarzer Haut trat hinter dem Vorhang hervor.

Die Götter schienen ihr kein Rückgrad gegeben zu haben, denn sie konnte sich so weit zurückbiegen, dass ihr Kopf zwischen ihren Beinen hindurchpasste.

Oxana stand auf und drängte sich in die erste Reihe zu Sarnir und Obhart, um völlig fassungslos mit zu beobachten, wie die schwarze Frau ihre Füße in ihrem Nacken kreuzte. Es tat beinahe weh, ihr auch nur dabei zuzusehen.

Danach lief sie auf ihren Händen, als hätte sie ihren Lebtag nichts anderes getan, schlug Saltos und tat auch sonst noch allerlei Dinge, bei denen sich ein jeder Anwesende wohl sämtliche Knochen im Leib gebrochen hätte.

Die Begeisterung unter den Gästen kannte keine Grenzen und der Applaus wollte nicht nachlassen.

Als nächstes war ein kleiner, verhüllter Schwertkämpfer an der Reihe. Sein Gesicht war hinter einer schwarzen Stoffmaske versteckt, die nur die Augen freiließ und die auch sein Haupt bedeckte. Alles an ihm war schwarz, selbst seine seltsamen Schuhe, die eher an Strümpfe erinnerten.

Seine fremdartige Kriegerkluft hätte an einem Mann größerer Statur wohl beeindruckend gewirkt, bei ihm sah sie allerdings lächerlich aus.

Er trug gleich zwei schlanke, leicht gekrümmte Klingen auf seinem Rücken. Schnell sprang er nach vor, zog die Waffen und fuchtelte damit auf komplizierte Weise vor seinem Körper herum.

Er machte einen weiteren Sprung, drehte sich dabei und kam etwas ungeschickt am Boden auf, wofür er Lacher im Publikum erntete. „Was soll das sein?", brummte ein Mann in ihrer Nähe. Er war nicht der einzige der murrte.

Oxana jedoch beobachtete den Zwerg gebannt.

Irgendetwas stimmte nicht mit ihm.

Sie suchte Legolas' Blick, doch der schien sich bloß so wie die anderen ein wenig zu langweilen und auch Sarnir neben ihr erging es wie ihm.

Sie sah dem Kleinen wieder bei seiner stümperhaften Darbietung zu. Die Art, auf die er sich bewegte, wirkte ungeschickt aber....auf eine, schwer zu beschreibende, gewollte Weise. Sie verstand bloß nicht, warum sich der Mann da vorne absichtlich zum Gespött der Leute machte.

Eine Sekunde später begriff sie.

Alles ging viel zu schnell, als dass sie im Nachhinein genau sagen hätte können, was in den wenigen Sekunden genau passiert war.

Das einzige, was sie wahrnahm, war ein leises Röcheln zu ihrer Linken.

Und noch bevor die ersten Menschen hysterisch schreiend zurückwichen begriff sie, dass es von Sarnir stammte.

Die Zeit schien einen Herzschlag lang stehen zu bleiben.

Sie drehte sich zur Seite, schnell zwar, doch zugleich schien ihr, als würden ihre Glieder plötzlich Zentner wiegen. Eines der Krummschwerter stak tief in seiner Brust, inmitten eines rapide wachsenden, hässlichen Blutflecks.

Völlig geschockt starrte Oxana den Elben an, dessen Augen sich genauso ungläubig weiteten wie ihre. Wie in Zeitlupe sank er in die Knie, beide Hände um die Klinge gelegt. Dunkles Blut quoll zwischen seinen Fingern hervor.

Es war grotesk. Völlig abwegig.

Gerade noch hatte er neben ihr gestanden und gelacht!

Die Zeit stand nicht mehr still, doch trotzdem verging sie noch immer viel zu langsam, zog und dehnte sich wie Pech, das langsam aus der Wunde eines Baumstammes sickerte. Es war, als wollten die Götter sie dazu zwingen, jede einzelne letzte qualvolle Sekunde von Sarnirs Leben am eigenen Leibe mitzuempfinden.

Sein Schmerz schien zu ihrem zu werden. Sie fiel auf die Knie, ihre Augen brannten, doch sie konnte nicht weinen, zu alles umgreifend war die Pein.

Seine Augen waren gebrochen.

Er war tot.

Sarnir war tot.

Sie sah auf, direkt in ein gelbglühendes Augenpaar.

„Denkst du ich schenke dir den Tod, wenn ich das hier stattdessen haben kann?", zischte eine abgrundtief böse, altbekannte Stimme.


Oxana erwachte und hatte plötzlich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen.

Sie lag auf einem Bett. In ihrem Zimmer. Es dauerte lange, bis sie gänzlich in die Wirklichkeit zurückgefunden hatte und begriff, dass sie einen Alptraum gehabt hatte. Trotzdem schlug ihr Herz noch wie wild, und in ihrem Kopf hallten noch immer die entsetzten Schreie der Gäste.

Es war dunkel um sie herum, bloß im Kamin brannte ein kleines Feuer. Wie war sie noch mal hier raufgekommen? Ach ja....das Fest....ihr war langweilig geworden und sie hatte zuviel getrunken. Daraufhin hatte Legolas sie raufgeführt. Sie glaubte sich zu erinnern, dass er noch dagewesen war, als sie einschlief.

Nur ein Traum.

Und dennoch war sie starr vor Angst und traute sich nicht, sich zu rühren. Nein, es war mehr gewesen. Vielleicht eine Vorahnung, wer konnte das schon sagen? Auf jeden Fall war es eine Warnung gewesen.

Sie würde etwas unternehmen müssen. Sie wusste nicht genau was, aber wenn es jemanden gab, der Silaid jagen und fangen konnte, dann war sie es- denn sie kannte ihn. Und was auch immer sie in Zukunft sein würde- Prinzessin, Königin, Adelige.....ein Teil von ihr würde immer ein Jäger bleiben.

Und dies würde ihre letzte Jagd werden.


N a c h w o r t: Ich würde mich natürlich wie immer über Rückmeldungen freuen....;).