Von düsteren Charakterzügen
„Lasst uns alleine."
Theoden nickte und gab seinen Männern mit einer Geste zu verstehen, dass sie dem Prinzen zu gehorchen hatten.
Legolas wartete ein paar Herzschläge ab.
Dann drehte er sich um, atmete tief durch und donnerte:
„WAS HAST DU DIR BLOSS DABEI GEDACHT!"
Die anderen hatten den Thronsaal noch nicht einmal ganz verlassen und Oxana sah, dass einige von ihnen erschrocken zusammengezuckt waren, als der Prinz zum ersten Mal seit sie sich erinnern konnten, die Stimme erhoben hatte.
Legolas riss sich mit einer einzigen, wütenden Bewegung seinen vom Regen feuchten Umhang von den Schultern und schleuderte ihn schnaubend auf die steinernen Treppenstufen, die zum Thron hinaufführten. Er kniff kurz die Augen zusammen und fuhr mit leiserer, aber nach wie vor stark bebender Stimme fort: „Weißt du, ich hatte dich bisher für klüger gehalten. Und ich hatte geglaubt, dass du mir vertrauen würdest..."-
„Das tue ich auch", warf Oxana protestierend ein, doch Legolas schüttelte den Kopf.
„Nein, das tust du nicht!"
Er runzelte kurz ärgerlich die Stirn, als sie langsam auf den Thron zuzugehen begann und ihm somit den Rücken zudrehte.
„Würdest du mir trauen, dann hättest du mir gesagt, was du vorhattest! Ich hätte dir geholfen, ich hätte an deiner Seite gekämpft! Aber nein, du musstest wieder die große Einzelkämpferin spielen- und zwar bloß aus purem Egoismus und aus Gedankenlosigkeit! Weißt du, du hättest mir wenigstens eine Botschaft hinterlassen können- aus reiner Höflichkeit, nur um mir wenigstens mitzuteilen, was du vorhast! Ich bin vor Sorge um dich beinahe gestorben!"
Oxana ließ sich auf dem Thron niederfallen und strich unsicher über die glattpolierten Armlehnen. „Nun übertreibst du aber", murrte sie, „ich wollte bloß nicht, dass dir etwas zustößt! Ich habe die ganze Zeit dabei nur an dich gedacht!"
Legolas lachte hämisch und ohne jeglichen Humor. „An dich selbst hast du gedacht, an dich und deine verdammte Blutjäger-Ehre, oder an dich und deine Rache- aber sicher nicht an mich oder an irgendjemand anderen außer dir selbst! DU hast einfach nur getan, was DU wolltest, ohne Rücksicht auf andere und deren Gefühle!"
Oxana sog scharf Luft ein. Bisher hatte sie die Vorwürfe ihres Verlobten ohne große Gegenrede hingenommen- was zum Teil daran lag, dass ihre Gedanken sich noch immer um das, was im Fangorn geschehen war, drehten. Außerdem war er in einem derartigen Wutausbruch gefangen, dass ihre Worte bis jetzt wohl ohnehin kaum zu ihm durchgedrungen wären.
Nun aber wurde sie trotzig, ja, fast wütend- eine Wesensart, die ihr zueigen war- sobald jemand sie angriff, fletschte sie selbst die Zähne und biss zurück.
„Du denkst, du würdest mir nichts bedeuten!"
Sie schob ihren Ärmel hoch und drehte ihr Handgelenk so, dass Legolas ihre Tätowierung sehen konnte. Die Haut an der Stelle, wo sich das Symbol befand, war so dünn, dass ihre Blutgefäße blau durchschimmerten.
„Siehst du das? Das ist meine Vergangenheit. Das ist Oxana, die Mörderin, der Todesengel, die herzlose Blutjägerin. Eine von Hass zerfressene Frau, die jedem den Tod brachte, der sich mit ihr einließ."
Mit einer fast dramatischen Geste zog den Dolch ihres Vaters aus ihrem Gürtel. Ihr Herzschlag raste vor wilder Entschlossenheit.
Und gleichzeitig hatte eine innere Ruhe von ihr Besitz ergriffen, die sie nicht verstand. Vielleicht hätte sie das hier schon längst tun sollen.
„Dies hier steht für all das, was ich nicht mehr bin. All das, was ich aufgegeben habe. Meine Vergangenheit und all der damit verbundene Hass, den ich für dich überwunden habe.
All der Schmerz und die Zweifel, die du mich ertragen hast lassen! Wie kannst du es wagen, an meiner Liebe zu zweifeln, Elb!"
Legolas' Augen weiteten sich entsetzt, als sie die Klinge gegen ihren Puls drückte. Eine einzelne, dunkelrote Träne quoll aus der winzigen Wunde und rann langsam über verhasste Tätowierung, bevor sie zu Boden tropfte.
„Was tust du da!" seine Stimme überschlug sich beinahe. Er machte einen Schritt auf sie zu, blieb aber stehen, als sie ihm einen warnenden Blick zuwarf. Jeglicher Zorn war aus seinen Zügen gewichen und tiefster Verwirrung und Erschütterung gewichen.
„Dies ist MEINE Vergangenheit", wiederholte Oxana flach, während sie mit der Waffe langsam, Stück für Stück die Haut abschabte.
Sie musste sich konzentrieren, nur eine einzige, unbedachte Bewegung und sie würde verbluten- sie hatte nicht vor, auf diese Weise herauszufinden, ob sie nun sterblich war oder nicht.
„Ich will nicht, dass ich an deinem oder dem Verderben eines anderen Schuld ist. Zu viele mussten schon wegen mir ihr Leben lassen. Colen, Nimbrethils Krieger, der Junge aus dem Lager der fahrenden Händler, Théodens Männer...verstehst du das denn nicht? Ich liebe dich, ich liebe dich unendlich- aber wenn es sein muss, dann breche ich all meine Schwüre und tu dir damit weh, denn ich könnte es mir nie verzeihen, wenn dir wegen mir etwas zustößt!"
Einige Herzschläge lang herrschte ein seltsames, beklemmendes Schweigen zwischen ihnen. Dann wanderte Legolas' Blick zu ihrem Handgelenk und...sie wusste nicht wie er es schaffte, aber plötzlich stand er vor ihr, und der Dolch lag in seiner Hand anstatt in ihrer.
„Mach das nie wieder", flüsterte er und warf die Waffe rasch beiseite, während er besorgt ihre Wunde musterte.
„Ich schwöre es", lächelte Oxana sanft.
In seinen Augen blitzte es auf, doch es war zu kurz als dass Oxana erkennen hätte können, ob es nun ein amüsiertes Funkeln oder ein zorniges Lodern war.
„Verzeihst du mir noch einmal?", fragte sie sicherheitshalber.
Er nickte.
„Weißt du...ich verstehe dich. Zu viele Menschen sind in den letzten Monaten um ihr Leben gekommen und auch ich habe mir Anfangs die Schuld dafür gegeben. Genauso wie ich mir wegen dem Tod meines Bruders lange Zeit Vorwürfe machte. Aber was geschehen ist, ist nun einmal nicht mehr rückgängig zu machen. Sie sind tot und unsere Selbstvorwürfe bringen sie nicht mehr zurück. Genauso wenig wie unsere Rache".
Gegen Ende war seine Stimme leiser, nachdenklicher geworden.
Oxana spürte, dass die Kraft aus ihrem Körper zu weichen begann.
„Ich bin ein wenig müde...könntest du vielleicht...?"
Wortlos schob Legolas seinen Arm unter ihren Achseln und führte sie auf ihr Zimmer. Sie hatte mehr Blut verloren als es ihr lieb war.
Sie blieben noch drei weitere Monate in Edoras, lange genug, um das Land der Pferdeherren in seiner ganzen frühlingshaften Pracht zu erleben und den einziehenden Sommer zu begrüßen.
Nîthiel allerdings reiste bereits nach einigen Tagen ab, da sie die Gegenwart der Menschen nicht ertrug und sie die Gemäuer der Burg als einengend, ja, geradezu als beklemmend empfand.
Sarnir erklärte sich bereit sie nach Lórien zu begleiten, etwas, das Oxana nicht im Geringsten überraschte.
Der Elb versuchte Abstand zwischen sich und ihr zu bringen. Nur sie beide wussten, warum. Es war ein sonderbar ruhiger, emotionsloser Abschied- was vielleicht aber auch daran lag, dass die Freude über Nîthiels Abschied all das Kummervolle um Sarnirs aufwog. Sie versprachen einander, sich in zwei Monaten wiederzusehen, wenn Hochzeit gehalten werden sollte.
Sarnirs Abschiedsworte, die er Oxana bei ihrer letzten Umarmung ins Ohr flüsterte, ließen ihr kalte Schauer über den Rücken laufen und verwirrte sie zutiefst.
„Egal, was ist oder was war- ich werde ihm meine Treue halten und ihn schützen- und somit auch dich".
Er warf einen Blick in die Richtung des Prinzen.
„Doch ich muss dir gestehen- meine Treue zu ihm hat stark gelitten und meine Sinne waren schon mehr als einmal getrübt von Bitterkeit und Schmerz. Darum kann es vorkommen, dass ich das Surren einer Bogensehen über 100 Schritte Entfernung höre, einen Dolch, der seinem Rücken bestimmt ist, allerdings zu spät bemerke."
Bevor sie etwas erwidern konnte, hatte er ihr den bemäntelten Rücken zugewandt und war auf sein Pferd gestiegen. Er zwang das Tier mit ungewohnt harten, ruckhaften Bewegungen herum und folgte dem bereits vorausgerittenen Trupp Nîthiels.
Vergeblich suchte Oxana nach einer Spur von Wärme, einem Gefühl in seinen Augen.
Was hatte sie ihm angetan?
„Kann es sein, dass er krank ist?", murmelte sie gedankenverloren, „er wirkt so blass….so abwesend."
„Er verhält sich seit Tagen schon so", antwortete ein Soldat, der Sarnirs Pferd an den Zügeln herbeigeführt hatte, „es muss etwas geschehen sein, das ihm zu denken gegeben hat".
Der Mann grinste und zeigte dabei ein paar hässliche Zahnlücken. „Vielleicht hat ihm ja eine das Herz gebrochen. Daran gehen Elben doch zugrunde, ist es nicht so?"
Oxanas' Atem stockte für eine Sekunde. „Du meinst…sie sterben daran?" Ihre Stimme klang viel zu hoch und kratzig.
Der Mann zuckte mit den Schultern. „Zumindest heißt es so. Aber was weiß ich. Ich habe jakaum mit den Spitzohren zu tun. Ich muss jetzt wieder an die Arbeit. Schönen Tag noch, Lady".
Er verbeugte sich grinsend und ging von Dannen.
N a c h w o r t
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