Dass Stefan mir die Luft abschnürte war nicht mal halb so schlimm wie dieses Geständnis.

„Du…trinkst wieder Menschenblut?", stammelte ich fassungslos.

Ich konnte mir leider nicht verkneifen, sofort an Elena zu denken, weil ich mich fragte, ob er auch von ihr getrunken hatte.

Ich kannte Stefan und ich wusste, wie er war, wenn er Menschenblut trank!

Hatte er Elena auch nur einmal angerührt, ich schwor mir, ich würde ihn auf der Stelle töten!

Hier und jetzt!

Stefan lachte, als er meinen entgeisterten Blick sah und ließ mich dann los.

Ungebremst und hart kam ich auf dem Boden auf und war die ersten Sekunden lang nicht fähig, mich aufzurichten.

Zu intensiv und geradezu lähmend war der Schmerz, der von meinem Bauch ausging.

Mit aller Kraft umklammerte ich deshalb den Pflock und riss ihn dann aus mir heraus, wobei mir ein leiser Schrei entfuhr.

Ich zog meine Arme schnell zurück an meinen Körper und legte sie schützend auf die Wunde, die schon wieder zu heilen begann und sich teilweise schloss.

Trotzdem tat es unheimlich weh, weshalb ich lieben noch kurz liegen blieb.

„Damon, ich hätte wirklich früher auf dich hören sollen…

Du hattest Recht!

Es macht einen lebendig und stark und man findet es einfach überall auf den Straßen!

Dass es besser schmeckt als Tierblut, dass wusste ich schon, aber dass es so gut schmeckt…"

Er fuhr sich mit den Fingern über die Lippen und ließ sie dort verweilen, bis er sie zu seiner Hüfte führte, um sie mitsamt seiner Hände dagegen zu stemmen.

Über dieses Verhalten konnte ich nur den Kopf schütteln.

Ja, vielleicht hatte ich einmal von ihm gewollt, dass er das Blut von Menschen trank, okay!

Aber jetzt nicht mehr!

Diese Zeit war vorbei, weil es Elena gab und weil sie war, wie sie war.

Und genau wegen ihr stritten wir uns hier gerade auf Leben und Tod.

…und mit Elena wäre ich auch gleich beim nächsten Thema:

Hatte Stefan von ihr getrunken?

Ich verfluchte meine Erinnerung, weil diese nicht beinhaltete, ob sie in den letzten Tagen ein Halstuch oder etwas Ähnliches getragen hatte.

Ich hoffte von ganzem Herzen, dass Stefan sich – wie auch immer das bei einem Ex-Ripper funktionieren sollte – hatte beherrschen können.

„Aber jetzt hab ich es dir gesagt…

Das ist schlecht.

Das hätte nicht passieren dürfen…", murmelte Stefan und schien angestrengt nachzudenken.

Ich rappelte mich derweil auf, hielt mich aber vorsichtshalber an der Wand fest, um nichts zu überstürzen.

Als Stefan meinen fragenden Ausdruck bemerkte, sprach er zu Ende: „…also ich meine nicht, dass das für mich schlecht ist, nein!

Zumindest nicht direkt.

Für dich ist das schlecht, weil du für mich keine vertrauenswürdige Person bist.

Ich überlege nur gerade, ob ich dich jetzt schon umbringen sollte oder nicht."

Ach, wenn 's weiter nichts war!

Hallo?

Wer war der Typ eigentlich und was hatte er mit meinem Bambi-Bruder gemacht?!

„Aber weißt du was?

Ich denke, ich lasse dich leben, du könntest mir noch nützlich sein.

…oder etwa nicht?", sagte er dann und lächelte falsch.

ER hatte nicht gerade wirklich so einfach über mein Leben entschieden, oder?

Das war lächerlich!

Er war lächerlich!

Plötzlich ging er in die Hocke, hob das Stuhlbein in Vampirgeschwindigkeit auf und rammte ihn mir noch einmal in den Körper.

Ich schrie auf und sah dann entgeistert an mir herunter:

…der Pflock hatte mein Herz nur um einen Zentimeter verfehlt!

Stefan trieb ihn noch weiter in mein Fleisch und brachte mich dazu, auf zu sehen.

„Ich rate dir, deine vorlaute Klappe zu halten, sonst zerlege ich dich in Einzelteile, die keiner mehr definieren kann!", drohte er, drehte den Holzpflock in mir herum und war dann mit einem Mal verschwunden.

Kraftlos brach ich zusammen.