Ich konnte mein Entsetzen nicht verbergen, zu groß war die Erschütterung über ihre Forderung, die ich empfand.
Noch immer war ich unfähig zu denken oder ihre Hand zu fühlen, die sich nun um meine legte und deren Finger sich wie automatisch mit meinen verschränkten.
Sie war so nah heran gekommen, dass ich von ihrer Körperwärme förmlich eingenommen wurde.
Liebevoll legte sie ihre andere Hand auf meine Brust und forderte mich damit auf, endlich etwas zu antworten.
Ihr Blick war so samtig und weich, dass es mir eigentlich unmöglich war, ihr zu widerstehen oder ihre Forderung abzulehnen.
„Ich…
Ich weiß, das kommt jetzt ziemlich überraschend, aber es ist die einzige Möglichkeit.
Stefan wünscht sich das sehnlichst und mit deiner Hilfe kann ich ihm diesen Wunsch erfüllen, Damon.", sagte sie leise.
Als sie meinen Namen aussprach huschte ein kalter Schauer über meinen Rücken, so voller Liebe hatte sie ihn gesagt.
Aber das hieß nicht, dass ich mich davon beeinflussen lassen würde, im Gegenteil!
Genau das erweckte meinen Beschützerinstinkt (von dem ich niemals irgendwie zugeben würde, dass er existierte)und machte mir klar, dass ich sie vor dieser übereilten Entscheidung schützen musste.
„Die Einzige?", fuhr ich sie etwas zu laut und zu aggressiv an: „Es gibt immer zwei Möglichkeiten, Elena, und das hier ist definitiv die Falsche!"
Sie ließ mich empört los und trat zurück.
Ihre Augen musterten mich wütend, dann senkte sie den Blick.
„Ich wusste, du würdest es nicht verstehen.
Das war klar!?
Ich meine, wieso solltest du mir auch mit Stefan helfen, nicht?"
Mit großen, schnellen Schritten ging sie an mir vorbei und wollte mein Zimmer verlassen, doch ich folgte ihr und hielt sie am Oberarm zurück, was sie mit einem genervten Seufzen bemerkte und sich schnell los riss.
Trotzdem blieb sie mit dem Rücken zu mir stehen, als würde sie auf irgendetwas warten und sofort gehen, sobald sie es gehört hatte.
„Elena, kannst du mich denn nicht wenigstens ein bisschen verstehen?
Ich meine, du wolltest nie, niemals, so werden wie einer von uns!
Und ich kann nachvollziehen, dass du es Stefan zuliebe tun willst, aber denkst du nicht, dass das zu viel ist?
Du willst das nicht, du wolltest das nie, zumindest nicht jetzt und nicht so!
Und ich möchte nicht, dass du etwas tust, was du später bereuen wirst und das wirst du mit Sicherheit!
Weil es nicht das Richtige ist.
Ich werde dir bestimmt nicht dabei helfen, etwas zu tun, was dich unglücklich macht.", antwortete ich mit sanfter, aber zutiefst ernst gemeinter Stimme.
Sie drehte sich langsam um und offenbarte mir ihre todtraurige Miene.
Ihre Augen waren glasig von den Tränen, die sich bereits in ihnen gesammelt hatten.
Ich hatte Recht und ehrlich gesagt verwunderte mich das auch gar nicht.
Sie ging an Stefan kaputt, scheinbar schon seit den letzten zwei Jahren, weil sie ihm nicht das geben konnte, was er wollte!
Und in meinen Augen war Katherine die Einzige, die das wirklich konnte, auch wenn er sich das niemals eingestehen würde.
Ich hingegen liebte Elena wie sie war und das würde ich auch immer tun, aber darum ging es jetzt nicht.
„Aber was soll ich denn sonst tun?
Was kann ich tun, damit Stefan mir verzeiht?
Er will ja kein einziges Wort von mir hören, keine Entschuldigung, keine Erklärung, gar nichts!
Und selbst wenn ich etwas sage, dass interessiert es ihn einfach nicht…
Er ignoriert mich, wo er nur kann!", schluchzte sie und während sie sprach, verlor sie die Beherrschung und ein paar einzelne Tränen bahnten sich den Weg über ihre Wange.
Es tat mir so unglaublich weh, sie so leiden zu sehen, aber nach dem heftigen Streit beim letzten Mal verwehrte ich mir jeglichen näheren Körperkontakt mit ihr. Ich wollte es nicht noch schlimmer machen.
„Er ist verletzt, Elena, und bestimmt braucht er nur ein wenig Zeit.
Es ist echt hart, bei einem Heiratsantrag eine Absage zu bekommen, vor allem, wenn man sich seiner Sache eigentlich schon sicher war.", erklärte ich ihr und hielt dezenten Abstand, obwohl sich nun schon mein ganzer Körper nach ihr verzehrte und mein Herz mich aufforderte, sie in den Arm zu nehmen, um ihr Trost zu spenden.
Sie blickte endlos traurig und enttäuscht zu Boden und schien im Stillen nachzudenken.
Einen Moment lang gab sie überhaupt keinen Laut von sich, doch dann hob sie den Kopf und sah mir direkt in die Augen.
Dann flüsterte sie leise: „Halt mich einfach nur fest, Damon."
Ich zögerte, aber als sie auf mich zukam musste ich sie einfach an mich drücken und gemeinsam gaben wir unserer beider Sehnsucht nach.
