Ich wusste nicht, wie lange wir hier schon so standen und uns einfach nur im Arm hielten, aber es musste nun eine halbe Ewigkeit gewesen sein.

Und wenn man bedachte, dass ich jede einzelne Sekunde davon genoss, war das hier der Himmel für mich!

Ich hatte meine Arme sacht um ihren zierlichen Körper geschlossen, während ihre Hände auf meinen Schultern lagen und sie ihr Gesicht an meine Brust gedrückt hielt.

Sie schluchzte nicht, aber dass sie weinte war unbestreitbar.

Stefan musste ja auch immer alles kaputt machen!

War es das Menschenblut, das ihn zu einem selbstsüchtigen Egoisten gemacht hatte? (Ich hatte ihn schon von Anfang an für einen gehalten, das hier bestätigte mich nur wieder mal!)

Bei dem Gedanken wollte ich mir gar nicht vorstellen, was in der Zeit passiert war, in der ich versucht hatte, das Mädchen, welches ich gerade voller Liebe umarmte, zu vergessen!

Zu grausam war das, was mir dabei in den Sinn kam…

Wenigstens dafür müsste ich ihn eigentlich schon umbringen!

Aber im Moment fand ich auch noch tausend andere Gründe, ihm etwas anzutun.

Wenn es um Elena ging, verstand ich keinen Spaß, das müsste er sich doch langsam mal gemerkt haben!

Immerhin war sie alles, was ich hatte und doch genau das, was ich nie haben würde…

Elena bewegte sich um schob sich leicht von mir, um mich ansehen zu können.

Tusche hatte ihr Gesicht angeschwärzt und noch immer waren da Tränen.

Trotzdem umspielte ein kleines Lächeln ihre Lippen.

„Danke, dass du für mich da bist, Damon.

Das bedeutet mir wirklich viel."

Sie hob eine Hand in die Höhe und strich mir eine Strähne von der Stirn, die schon die ganze Zeit über mitten in meinem Gesicht gehangen haben musste, die ich aber gar nicht bemerkt hatte.

Ich konnte nicht anders, als meine Wange an ihre Hand zu schmiegen, während diese weiter über mein Gesicht fuhr.

Wärme strömte durch meinen Körper und alles fing an, laut zu pochen, ja, wirklich alles!

Komischer Weise hatte ich Angst, sie könnte es bemerken…

Schließlich fiel ihre Hand jedoch wieder von meinem Gesicht ab auf meine Brust.

Wie durch einen Reflex öffnete ich die Augen, die ich beim Genießen geschlossen hatte.

Aber wie ich sie da so ansah, breitete sich ein ziemlich mulmiges Gefühl in mir aus und ich wusste, dass ich ihr die Wahrheit sagen musste.

Sie hatte sie verdient und ich konnte sie ohnehin nicht über längere Zeit anlügen, außerdem wollte ich es auch nicht!

„Ich sollte es dir nicht sagen, Elena, aber jetzt kann ich nicht anders…

Mir ist egal, was er dann mit mir machen wird, ich werde dich nicht anlügen, nur damit er weiter hinter deinem Rücken machen kann, was er will.", sagte ich ruhig, immer darauf bedacht, das hier nicht wieder in einen Streit ausarten zu lassen.

Ich würde es nicht aushalten, würde sie jetzt erneut gehen!

Dass sie mich verunsichert und sogar ein wenig erschüttert ansah, musste ich in Kauf nehmen, aber ich würde sie trotzdem nicht loslassen.

„W-Was meinst du, Damon?

Wovon redest du?

Und…wer ist ‚er'?", stammelte sie und ich konnte, sehen, wie stark ihre Hände zitterten.

Ich atmete tief durch und beschloss, wenn ich schon mal die Gelegenheit dazu hatte, gleich die ganze Geschichte zu erzählen, von vorne weg: „Stefan kam zu mir und hat mir von deiner Absage erzählt, deshalb weiß ich davon.

Er war wütend und völlig außer sich und hat mich verdächtigt, dass ich dich manipuliert hätte…"

„Oh ja!", unterbrach mich Elena: „Das hat er mich auch gefragt!

Ich hätte wissen müssen, dass er damit zu dir kommen würde…"

Sie sah zu Boden und ich fragte mich, ob er da auch schon so gewalttätig vorgegangen war wie bei mir.

Aber vielleicht war in diesem Körper ja auch irgendwo noch der Stefan, der seine Elena liebte und alles für sie tun würde.

…besser gesagt hoffte ich das für ihn, denn ich konnte nicht garantieren, dass ich mich dann noch im Zaum halten konnte!

„Jedenfalls hab ich es bestritten, was ja auch stimmt, ich habe dich nicht angerührt, aber er ist ausgetickt und wollte unbedingt von mir hören, dass ich es gewesen bin!

Er dachte, ich würde ihn die ganze Zeit anlügen und…dann wollte er die Wahrheit durch einen Kampf aus mir rausprügeln.

Ich dachte, er hätte keine Chance gegen mich, aber das war falsch.", meine Stimme wurde immer leiser und leiser, vor allem, wenn ich daran dachte, dass der große Damon Salvatore gerade tatsächlich etwas petzte: „Elena, er ist nicht so unschuldig und nett und richtig wie du glaubst."

Elena, die nicht die geringste Ahnung hatte, wovon ich sprach, rückte etwas von mir ab.