Ich wusste nicht, ob sie mir glauben würde und eigentlich konnte ich es auch nur hoffen.

Aber wenn nicht?

Verlor sie dann sämtliches Vertrauen in mich und wollte mich schließlich gar nicht mehr sehen?

Aber das alles war es wert.

Denn um nichts in der Welt wollte ich Elena mehr anlügen oder ihr etwas vorenthalten, weil ich glaubte, sie würde nicht damit zurecht kommen.

Doch inzwischen wusste ich, dass sie das konnte und dass sie ziemlich stark war für eine junge Frau.

Und liebte ich sie nicht auch wegen solcher Eigenschaften?"

Weil sie nicht so war wie sie sein sollte und genau so war wie sie nicht sein sollte?

Egal, feststand, sie verdiente die Wahrheit, auch wenn oder gerade weil sie hart war.

„…wir haben uns bekämpft und er war so stark wie noch nie zuvor.

Jedenfalls hatte ich keine große Chance, was heißt…", ich zögerte und suchte Elenas Blick, den ich daraufhin auch fand.

Sie wunderschönen braunen Augen waren leer und sahen mich leblos an.

Die Wärme, die sie sonst ausstrahlten, war verschwunden und hatte blanke Angst, Kälte und Unsicherheit hinterlassen.

„Elena, er trinkt wieder Menschenblut, vermutlich schon sehr lange und…sehr viel."

Jetzt war es raus.

Elena schien für einen Moment, als hätte sie mich gar nicht gehört oder mich einfach ignoriert.

Sie reagierte nicht, sie blinzelte nicht und wirkte wie eingeschlafen, selbst mit offenen Augen.

Dann atmete sie ruckartig aus und stolperte ein paar kleine Schritte von mir weg, bevor ihre Beine nachgaben.

Sie knickten einfach ein und wollten ihren Körper mit in die Tiefe ziehen, doch ich reagierte schnell und fing sie auf, bevor irgendetwas passieren konnte.

Energisch hielt ich ihre Taille fest umklammert und half Elena zu meinem Bett, wo sie sich hinsetzte.

Ich ließ mich neben ihr nieder, traute mich jedoch nicht, diese Situation auszunutzen und ihr meine Nähe aufzuzwingen, weshalb ich der Versuchung widerstand, ihr einen Arm um die Schultern zu legen.

Trotzdem rückte ich nicht von ihr ab und sah sie erwartungsvoll an.

„Woher weißt du das?", fragte sie leise, erwiderte meinen Blick aber nicht.

Sie hatte die Arme schützend um ihren Körper geschlungen und drückte sie an sich, als hätte sie Angst, sonst in viele kleine Teile zu zerfallen.

Ich seufzte: „Er hat es mir triumphierend ins Gesicht gesagt und war auch noch stolz darauf…

Aber er war ein Ripper, Elena, wir wissen beide, dass er nicht von selbst aufhören wird."

Das mochte verwunderlich klingen, aber ich hatte tatsächlich vor, Stefan zu helfen.

Nicht nur, weil er mein Bruder war und ich mich in gewisser Weise verpflichtet fühlte ihm beizustehen, sondern auch, weil Elena ihn brauchte.

Eigentlich hatte ich vorgehabt, den Kampf um sie nicht aufzugeben und einmal schien ich damit auch Erfolg zu haben, aber sie wollte mich eben nicht so sehr wie sie Stefan wolle und das würde ich irgendwann akzeptieren müssen.

Und gerade weil ich sie liebte, musste ich für sie da sein und ihr helfen, ohne irgendwelche Hintergedanken dabei zu haben (was sich sowieso nicht vermeiden ließ, aber ich konnte es ja immer noch behaupten).

Wenn das alles hier dann wieder gut war, konnte ich doch auch noch zurück nach New York!

„Damon…", ich erschrak leicht, als Elena krampfhaft meine Hand umklammerte und mich mit erstickter Stimme fragte: „Warum tust du das?

Warum sagst du mir das?"

Ich blickte sie verwundert an: „Weil du es wissen sollst!

…und weil ich dich nicht anlügen kann, Elena, das weißt du doch!"

Eine einzelne verlassene Träne rollte über ihre Wange und ohne darüber nachzudenken, wischte ich sie mit meiner Hand weg.

Sie hob die müden Lippen zu einem kurzen, dankbaren Lächeln, dann ließ sie sie wieder fallen.

„Warum sagst du mir das, wenn du doch genau weißt, dass ich ihn nicht…

…dass es mich…"

Sie brach ab und atmete erschütternd aus, wobei sie kalte Schauer über meine Haut jagte.

Was kam denn jetzt?

Nicht etwa ein…Dankeschön?!

Allein bei der Vorstellung wurde mir schwindelig.

Sie holte erneut Luft: „Warum sagst du mir das, wenn du weißt, dass es nichts ändern wird?

Wenn ich Stefan sowieso nicht böse sein kann und es ihm wieder vergebe?

…warum?"