Stefan sah zwar, dass ich aus Schuldgefühlen immer tiefer in die weichen Polster der Couch sank, aber seinem blöden Lachen nach zu urteilen, war ihm das völlig egal.
Und das alles, weil ich den Antrat abgelehnt hatte…?
Gut, Damon hatte gesagt, er trank Menschenblut, aber änderte das denn so viel?
Ich brauchte nicht darüber nachdenken, denn es gefiel mir nicht, aber das änderte nun mal auch nichts.
Das sah man bei Damon.
Damon…
Ob er inzwischen wach war?
Ich hoffte es nicht, denn ihm sollte das hier wirklich erspart bleiben.
„Was tut dir leid?", half mir Stefan auf die Sprünge und holte mich zurück ins Gespräch.
„…alles?", flüsterte ich und fühlte mich dabei ziemlich unbehaglich.
Stefan schien noch immer auf etwas zu warten, aber je länger ich seinem vorwurfsvollen Blick ausgesetzt war, desto weniger wurden die Worte in meinem Kopf und so schwand von Sekunde zu Sekunde die Chance, dass ich ihm ‚alles' erklären konnte.
Stefan zuckte mit den Schultern und hob fragend und abwartend die Hände, welche er jedoch sofort wieder sinken ließ.
Bevor er zu etwas ansetzen konnte, hatte ich meinen Faden allerdings wieder gefunden und lehnte mich leicht ihm entgegen: „Hör mir zu, Stefan…
Ich weiß, dass ich Mist gebaut habe, ziemlich großen sogar, und ich weiß, dass du glaubst, die Antwort zu kennen, aber…
Du irrst dich.
Selbst, wenn du mir nicht glauben willst, ich schwöre dir, dass Damon nichts getan hat!
Er hat mich nicht manipuliert oder erpresst oder sonst was, er hat nicht einmal etwas damit zu tun."
Das war eine Lüge.
Sollte ich ihn jetzt wirklich noch anlügen?
„Jedenfalls…nicht viel.", berichtigte ich mich: „Ich kann mir auch vorstellen wie du darauf gekommen bist und kann es nachvollziehen, aber er war es wirklich nicht.
Er hat mich nicht angerührt und deshalb bitte ich dich, dass du ihm verzeihst oder…na ja, einfach, dass du ihm und mir Glauben schenkst."
Noch immer war Stefans Ausdruck grüblerisch und versunken und ehrlich gesagt wollte ich ihn in seinen Gedanken auch nicht unterbrechen, indem ich ihn fragen würde, ob er das beherzigte, selbst wenn ich das zu gern noch einmal aus seinem Mund gehört hätte.
„Und ich…
Stefan, ich musste ablehnen!
Ich musste ablehnen, weil ich das einfach nicht konnte."
Er schnaubte und ich sah ihn daraufhin wütend an, konzentrierte mich aber schnell wieder auf das, was ich hatte sagen wollen.
Es brachte nichts, ihm das vorzuwerfen, wahrscheinlich würde er nicht einmal zuhören.
„Verstehst du denn nicht, dass ich dazu noch nicht bereit bin?
Stefan, ich habe gerade mal die Schule fertig und arbeite seit kurzer Zeit.
Ich bin noch nicht mal zwanzig!
Und ich soll schon heiraten?
…selbst wenn ich wollte, ich glaube, das wäre zu früh.
Ich will mir Zeit lassen und nicht durch mein Leben rennen und vor allem möchte ich die richtigen Entscheidungen treffen, solange ich noch ein Mensch bin."
Entsetzen, aber auch unterdrückte Freude trat in seine Augen.
Und als ich das sah, konnte ich mir etwas nicht verkneifen: „Ja, du hast richtig gehört.
Ich habe darüber nachgedacht, mich verwandeln zu lassen.
Natürlich, um immer hier zu bleiben, aber…aber ich wollte es auch aus einem anderen Grund.
Gestern…habe ich Damon gebeten, mich zum Vampir zu machen.
Ich wollte mich damit bei dir entschuldigen und es sollte eine Art Geschenk für dich sein…
Aber Damon hat mir davon abgeraten.
Vielleicht hatte er Recht, vielleicht aber auch nicht."
Ich hob den Kopf und blickte ihm in die Augen.
Alles, was ich sah und dachte, warum Fragen.
Aber eines wusste ich: Ich liebte ihn tatsächlich.
Und ich wusste, dass diese Entscheidung richtig war.
Aber dann?
Noch war ich mir nicht sicher, ob ich ihm je wieder küssen könnte, ohne dabei an Damon zu denken.
…wahrscheinlich nicht.
Wie grausam musste da dann die Ewigkeit sein?
Ich hatte doch nur ein Herz brechen wollen!
…und eigentlich sollte es meines sein.
Ich hatte den Schmerz verdient, ich war es nicht wert.
„Aber…Elena?!"
Ich sollte bestraft werden!
Weil ich nicht nur so aussah, wie Katherine, sondern auch so war!
Ich würde die Geschichte umschreiben, heute.
„Hättest du gewollte, dass ich mich für dich verwandeln lasse?", fragte ich ihn.
