Einen kurzen Moment lang starrte er mich einfach nur an.
Doch dann sprang er auf und kniete sich vor mir auf den Boden, seine Hände fuhren beruhigend über meine Knie: „Nicht doch!
Wie kommst du darauf, Elena?
Nein, nein, das ist immer noch deine Entscheidung, nicht meine, das weißt du!"
Meine Mundwinkel hoben sich kurz, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte.
Es war süß, wie e zu meinen Füßen saß, doch ich war mir nicht sicher, ob er es ernst meinte
Wie sollte ich ihn denn einschätzen, wenn er Menschenblut trank?
Fakt war, dass ich es nicht konnte.
Stefan war anders, aber in welcher Hinsicht wusste ich nicht.
Das alles war bisher nur ein einziges Mal vorgekommen und da hatte ich Damon mit seiner vollsten Unterstützung an meiner Seite gehabt.
…und ohne ihn?
Es war nicht dasselbe, doch ich konnte es nicht ändern.
Deine Entscheidung, Elena!, rief eine Stimme in meinem Kopf und es war schrecklich für mich, zugeben zu müssen, dass es stimmte.
Ich suchte Stefans Hände, ohne meine Augen von den seinen abzuwenden, und nahm sie fest in meine.
„Danke.", sagte ich und lächelte ein wenig: „Danke, das bedeutet mir wirklich viel."
Er spiegelte meinen Gesichtsausdruck, doch als ich sah wie er mich anblickte, da war mir klar, dass er Damon nach wie vor die Schuld gab.
Vielleicht nicht mehr für das hier, aber vielleicht dafür, dass er geboren worden war?!
Zumindest konnte ich mir das gut vorstellen.
Der Hass in Stefans Augen war abartig und am Liebsten hätte ich mich jetzt dafür über ihm übergeben!
Dafür, dass er Menschenblut trank, dass er Damon hasste (gut, wenn man bedachte wie er sich manchmal benahm, war das denkbar, aber Stefan gab Damon, seinem Bruder, nicht einmal eine Chance), dass ich die ganze Zeit nicht bemerkt hatte, dass er sich verändert hatte und dafür, dass ich nie erkannt hatte, wie wunderbar und (beinahe) perfekt Damon doch war.
Es gab so viele Dinge, die nicht so waren, wie sie sein sollten…
„Und…wegen Damon…brauchst du dir keine Sorgen mehr machen.
Er wird abreisen, heute noch."
Hatte ich das gerade wirklich gesagt?
Ich verabscheute mich selbst dafür!
Denn eigentlich hätte ich Damon so viel Zeit gegeben wie nur möglich, weil ich ja eigentlich auch nicht wollte, dass er ging.
Stefan stand auf, der Ausdruck auf seinem Gesicht war undefinierbar und bestimmt wollte er damit nur seine Freude unterdrücken.
Immerhin hatte er gerade erfahren, dass sein größter Konkurrent keine Chance mehr hatte!?
„W-Wirklich?", stammelte er und ich erhob mich ebenfalls.
Ich nickte leicht: „Ja, ich habe ihn darum gebeten zu gehen."
Stefan lächelte erneut.
Merkte er denn gar nicht, wie schlecht es mir ging?
Fiel ihm dann gar nichts auf…?
Plötzlich zog mich Stefan zu sich und umarmte mich fest.
ER drückte mich so fest an sich, dass das Atmen wehtat und ich die Luft anhalten musste, bis er mich dann los ließ.
Er schob mich schon kurz darauf wieder von sich und sah mich triumphierend an.
Es stimmte, was Damon gesagt hatte, jedes Wort.
Stefan wollte mir gerade einen Kuss aufdrücken, da schaffte ich es zum Glück noch, den Kopf beiseite zu drehen, sodass er nur meine Wange traf.
Ich wollte nicht, dass seine Lippen die meinen berührten, denn das letzte Mal waren es Damons gewesen, die mich geküsst hatten.
Aus irgendeinem Grund wollte ich das auch so lange wie möglich so bleiben lassen.
Zu schön war meine Erinnerung daran…
Stefan schloss erneut die Arme um mich, diesmal jedoch lockerer, was etwas angenehmer war, als vorher.
Das hieß nicht, dass ich es trotzdem genoss!
Es war nur eine Umarmung, nicht mehr.
Eine Umarmung mit dem Vampir, den ich einmal über jeden und alles andere geliebt hatte und für den ich gestorben wäre.
Doch das Gefühl von damals, die Geborgenheit, das alles war nicht mehr da.
Ich konnte einzig und allein an die unschuldigen Menschen denken, die er schon getötet hatte und an seine Lügen.
Früher hatte er mich nie angelogen!
Doch da war mir Damon auch noch nicht so unglaublich wichtig gewesen wie jetzt.
Aber jetzt war er mehr für mich als einfach nur der Bruder meines Freundes.
„Ach, schön dass die heile Welt wieder hergestellt ist.", sagte eine sarkastische Stimme und ich schlug die Augen auf.
Sofort traf mein Blick den seinen.
