Damon stand mit einem Koffer und einer Tasche bepackt im Salon und sah zu uns herüber.
Sein Blick war leer und so endlos traurig und unbeseelt, dass ich sofort hätte anfangen können, hemmungslos zu weinen.
Er schien mein kleines Geständnis vorhin nicht gehört zu haben, was nur positiv für mich sein konnte.
So würde er mich nicht darauf ansprechen und mich in Verlegenheit bringen können.
Damon formte mit den Lippen ein tonloses ‚Hey' und ich antwortete ihm ebenso.
Er wirkte erschüttert und bedrückt und ich konnte es ihm nicht verübeln.
Mir ging es nicht anders und eigentlich hätte ich auch lieber in seinen Armen gelegen als in Stefans.
…aber das würde sich sicherlich ändern, wenn Damon weg war.
Stefan hob mit einem Mal den Kopf und löste sich von mir, dann drehte er sich um.
Kaum blickte Damon ihm in die Augen, verhärteten sich seine Züge und sein Blick wurde unergründlich.
„schade, dass du schon wieder mit dem falschen Bein aufgestanden bist, Bruder.
Deshalb, finde ich, ist es genau die richtige Entscheidung, wieder abzureisen.", sagte Stefan mit einem belustigten Unterton, für den ich ihn am liebsten geohrfeigt hätte: „Elena hat mir alles erzählt."
Sofort schwang Damons Blick zu mir und nun funkelte er mich dunkel an.
Ich beantwortete das mir einem entschuldigenden Blick, aber er ignorierte ihn ganz einfach.
„Natürlich.", meinte er dann, ohne sich von mir abzuwenden: „Aber hat sie dir auch den Grund dafür gesagt?"
Was sollte das jetzt werden?
Stefan sah von mir zu ihm und wieder zurück.
Er schien verunsichert, würde das aber unter keinen Umständen zeigen.
„Weil…sie dich darum gebeten hat, nehme ich mal an, oder etwa nicht?"
Damon schnaubte und kam näher, die Gepäckstücke ließ er liegen w sie waren.
Warum war die Art und Weise, wie er einen Fuß vor den anderen setzte, so verängstigend und einschüchternd?
Das gefiel mir nicht, ganz und gar nicht!
Vielleicht stand es ihm sogar, aber - und…ja, irgendwie war es verdammt sexy, aber trotzdem war es auch schlecht!
Ich wusste nicht, wann ich ihn das letzte Mal so gesehen hatte und ehrlich gesagt wollte ich es auch gar nicht wissen.
Ja, Damon wäre nicht Damon, wenn er das Feld einfach so jemandem überlassen würde, aber war das hier wirklich nötig?
Damon war gerade achtlos an mir vorbei gelaufen und stand nun direkt vor Stefan, welcher ihn unerschrocken ansah.
Während dessen Blicke geradezu einladend und auffordernd waren, waren Damons einfach nur kühl, nein, eiskalt.
So wie das wunderschöne Blau seiner Augen.
„Nein.", sagte Damon ruhig und ich erinnerte mich daran, dass Stefan etwas gesagt hatte: „Ich will mir einfach nicht mehr das Haus mit einem egoistischen, selbstgefälligen Lügner teilen!"
Diesen Satz hatte er ihm ins Gesicht geschrieen und trotzdem hatte sich in seinem Gesicht gar nichts verändert.
Bei dem Wort ‚Lügner' war ich einen Schritt rückwärts gestolpert, denn die Wucht dieser Aussage war unglaublich heftig gewesen und ich war nicht die Einzige, die so empfand:
Stefan schien ebenfalls ziemlich überrascht, was er jedoch schnell mit einem amüsierten Grinsen kaschierte und verdeckte.
Das hingegen reizte Damon umso mehr!
Mit einem Mal war er richtig unsicher und wollte sich mehrmals kurz zu mir umdrehen, was er aber nie wirklich tat.
Was zum Teufel war zwischen den beiden bei dem ‚klärenden Gespräch' vorgefallen?
Hätte Damon nicht von Stefan erfahren, dass diesen wieder Menschenblut trank, sondern von seiner…seiner Kraft?
Durch – einen Kampf?!
Ich wollte nicht weiter darüber nachdenken, aber so wie sich beide verhielten, stimmte meine Überlegung wirklich.
„Einen Lügner nennst du mich?", wiederholte Stefan gut gelaunt und grinste noch breiter.
Aber während ich noch betete, dass Damon jetzt nichts von der Blutsache verriet – weil ich dabei war und Stefan sonst womöglich wer-weiß-was mit ihm machen würde – ging Damon schon auf ihn los und schmetterte ihn mit ungeheurer Kraft durch den Raum, wobei mehrere Möbel zu Bruch gingen.
Als Stefan sich schließlich wieder aufgerichtet hatte (was kaum eine Sekunde in Anspruch nahm), war Damon in Vampirgeschwindigkeit bei ihm und hatte ihn gegen die Wand gedrückt.
Mein Herzschlag holperte und stolperte mehrmals über sich selbst und mir wurde ganz schlecht bei dem Gedanken, nein, mit dem Wissen, dass ich der Grund für das war, was hier gerade von Statten ging.
Und zwar für alles.
