Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich wieder einigermaßen gefasst hatte und selbst als ich glaubte, es ginge wieder, war mir noch schwindlig von dem ganzen Gefühlschaos, das in mir stattfand.

Aber dennoch konnte ich mich zu einer Antwort durchringen, die dann allerdings viel aufbrausender und wütender rüber kam, als geplant: „Natürlich bedeutest du mir etwas, Damon!

Wie kommst du darauf, dass es nicht so wäre, nach allem, was passiert ist?

Und was glaubst du wohl, warum ich da unten dazwischen gegangen bin?

Weil du mir nichts bedeutest, oder was?

Ich bin dazwischen gegangen, weil du beinahe gesagt hättest, dass er wieder Menschenblut trinkt!

Und das in meiner Anwesenheit!

Der hätte dich dafür auf der Stelle kalt gemacht, so wie er in letzter Zeit drauf ist, sag ich dir."

Jeder einzelne dieser Sätze hatte meine gesamte Wut beinhaltet und wieder gespiegelt und doch hatte ich das Gefühl, nicht einmal die Hälfte davon losgeworden zu sein.

Damon, dem ich alles ohne Rücksicht ins Gesicht gebrüllt hatte, war hingegen ganz ruhig geworden.

Entweder aus Überraschung oder weil ihm darauf nichts mehr einfiel.

Seine nassen Augen sahen mich misstrauisch, aber vor allem ungläubig an und er schien im Geheimen abzuwägen, ob es möglich war, dass ich ihn von Angesicht zu Angesicht anlügen konnte.

Sein Ausdruck veränderte sich jedoch auch nach Minuten nicht, weshalb ich keine Antwort auf das Ergebnis seines Gedankenganges erhielt.

Und ohne dass ich es wollte, entfuhr mir ein tiefgründiges Seufzen, was verriet, wie genervt ich insgeheim davon war, dass er nichts mehr zu sagen hatte und es nun an mir lag, das Gespräch weiterzuführen, ohne dass ich genau wusste wie.

Einfach zu gehen stand nicht zur Debatte, denn ich hatte es satt, vor ihm weg zu laufen.

„Eigentlich…eigentlich wollte ich nur mit dir reden, um mich von dir zu verabschieden, Damon.

Ich hatte nicht vor, schon wieder mit dir zu streiten, es tut mir Leid.

Aber scheinbar können wir beide kein normales Gespräch miteinander führen.

Und es tut mir auch leid, dass unsere Beziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, aber vielleicht soll es auch einfach so sein, vielleicht ist es richtig. …zumindest richtiger als unser Zusammensein.", setzte ich mich trocken fort.

Damon starrte mich noch immer an.

Jetzt fand er allerdings seine Stimme wieder und die klang so vorwurfsvoll und bedrohlich, dass ich verwundert einen Schritt zurück stolperte, als er dann auch noch auf mich zukam: „Ist sie das, Elena?

Oder sagst du das nur, um mir noch einmal ordentlich eins auszuwischen?

Ich meine…was soll das heißen?

Du kannst nicht bestreiten, dass wir uns je gut verstanden haben, denn das haben wir.

Vielleicht willst du es nicht wahrhaben, vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir nie versucht haben, ein ruhiges Gespräch zu führen."

„Natürlich haben wir das!

Und es würde auch funktionieren, wenn du dich einmal zusammen reißen würdest und versuchen würdest, deine Gefühlsausbrüche im Zaum zu halten!"

Ich hatte gar nicht bemerkt, dass meine Stimme wieder laut geworden war.

Ich hatte einen Streit unbedingt verhindern wollen, aber wenn er es nicht anders konnte!

„Meine – was?", fauchte er und stellte sich mit nur zwei riesigen Schritten direkt vor mich.

Sein Gesicht beugte sich meinem entgegen und seine Züge waren jetzt so schmerzverzerrt wie schon lange nicht mehr.

„Ich und Gefühlsausbrüche?

Wenn hier jemand irgendwelche Gefühlsverwirrungen oder –ausbrüche hat, dann bist das ja wohl du!

Wer hat denn erst Stefan und dann mir schöne Augen gemacht?

Wegen wem bin ich denn überhaupt gegangen?

Und wegen wem bin ich zurückgekommen?

Wer hat Stefans Antrag ohne einen bestimmten Grund abgelehnt und mir dann damit wieder Hoffnungen gemacht, nach so langer Zeit?

Und wegen wem soll ich jetzt wieder gehen, weil ich dem verlogenen Glück mit Stefan im Weg stehe?", er sah mich eindringlich an und mir entfuhr überraschend mein letzter Atemzug: „Niemand anderes als du bist das gewesen!

Du, Elena, richtest hier dieses ganze Chaos an und hinterlässt nichts als einen Trümmerhaufen!

Wegen dir leiden hier alle!

Und du?

Du merkst es ja nicht mal mehr!

Sonst spielst du immer den Märtyrer und das kleine, unschuldige Mädchen, aber hintenrum ziehst du die Fäden wie es dir gerade gefällt!

Warum?

Warum, Elena?

Ich hätte gedacht, du wärst anders als Katherine!

Und weißt du was?

Auf den ersten Blick bist du es auch und du versteckst es ziemlich gut, wenn man bedenkt, dass selbst ich ziemlich lange gebraucht habe, das herauszufinden.

Aber im Grunde genommen gleicht ihr euch nicht nur im Aussehen, nein, man könnte glauben, ihr seid Schwestern!"