Wilde Stromschläge zuckten daraufhin durch meinen Körper und mir wurde zur selben Zeitkalt und heiß.

Mein Kopf glühte, meine Hände wurden schweißnass und mein Atem blieb komplett stehen.

Ich hielt das alles hier nicht aus!

Seine Berührungen, seine Küsse, seine Liebe…

Alles das fühlte sich so wunderschön an!

…und doch versuchte ich noch immer vehement, mich dagegen zu wehren und mir vorzumachen, es würde mir nicht gefallen.

Aber in Wahrheit hatte mich Damon schon seit langer Zeit.

Eigentlich schon immer, aber erst so richtig, als er mir ins Gesicht gesagt hatte, dass er sich immer – egal in welcher Situation – für mich entscheiden würde.

Es war das erste Mal gewesen, dass er etwas vollkommen ernst gemeint hatte, zumindest hatte ich nie vorher einen beharrlicheren, ernsteren Ausdruck bei ihm gesehen.

Und das mochte schon was heißen!

Denn ich kannte niemanden, der mehr Dinge so locker und sarkastisch belustigter nahm als Damon.

Er war ein Einzelstück – und scheinbar musste er mir das gerade erst noch einmal richtig klar machen!

„Wie ist es jetzt?", hauchte er dann plötzlich wieder direkt neben meinem Ohr und zur beinahe selben Zeit drängte sich seine Hand, die mir gerade eben den Träger von der Schulter gezogen hatte, am Bund meiner Jeans unter mein Oberteil und strich samtig weich meinen Rücken nach oben.

Ich schnappte atemlos nach Luft und wäre mit Sicherheit in Ohnmacht gefallen, wenn nicht genau in dem Moment wieder welche in meine Lunge geströmt wäre.

Für einen Augenblick war ich im Himmel!

…anders konnte ich diesen tranceartigen Zustand einfach nicht beschreiben.

„Willst du wirklich, dass ich gehe?

Für immer?"

Seine Stimme wurde leiser, regelrecht traurig, war jetzt aber nicht mehr so nah, besser gesagt hatte er sich leicht zurückgezogen und sah mir nun wieder direkt in die Augen.

Ohne jeglichen Widerstand versank ich darin, als sollte ich nie wieder auftauchen.

„Nein…?"

WAR DAS GERADE WIRKLICH VON MIR GEKOMMEN?

Ich war geliefert!

Ich hatte mich verraten!

Ich hatte meinen Plan endgültig ruiniert!

Aber statt einen Rückzieher zu machen und wieder mal den sprichwörtlichen ‚Schwanz' einzuziehen, begann ich gegen mich selbst zu rebellieren: „NEIN!", kreischte ich hysterisch und war froh, dass es raus war, denn ich bereute es bereits wieder.

Besser gesagt…die ‚alte Elena' tat es.

Wer dann gerade lauthals ‚Nein' gerufen hatte?

Vielleicht war es das Schicksal gewesen.

…jedenfalls war es auch das Schicksal, das mir gerade voller Vorfreude ins Gesicht sah.

Natürlich waren es Damons Augen, aber das dahinter, das Blau, das war mein Schicksal.

Nie hatte ich es so deutlich gespürt…

Und gerade sprach es wieder durch meinen Mund: „Das wollte ich nie, Damon. Aber kennst du denn eine andere Möglichkeit? Ich liebe Stefan und das weißt du."

Er nickte leicht und ein wenig enttäuscht, aber das war auch kein Wunder.

„Aber mich liebst du auch.

Viel mehr.

…zumindest tue ich das."

Ich sah sofort zu Boden, als ich das hörte, wusste aber, dass es keinen Grund mehr gab, es zu leugnen.

Zumindest nicht für die ‚neue Elena'.

„Ich möchte niemanden verletzen.", erklärte ich und hob erneut den Kopf.

Wie selbstverständlich fand mein Blick den seinen.

Er würde ihn immer wieder finden.

„Das tust du aber, Elena!", dröhnte er verärgert, beherrschte sich diesmal aber einigermaßen.

Ich seufzte und verzog schmerzhaft das Gesicht.

„Das tue ich immer, Damon!

Egal welchen Weg ich nehme, immer ist irgendjemand unglücklich!"

„Ach, und ich dem Fall bin das mal wieder ich, ja?

Bei mir macht es ja nichts mehr aus, schließlich war ich schon immer unglücklich!

Aber du verletzt auch dich selbst damit und das kann ich nicht zulassen-"

Sofort unterbrach ich ihn bestürzt: „Das stimmt nicht!

Ich will auch nicht, dass du unglücklich bist!

Aber-"

Mir fiel nichts mehr ein, war ich zu meiner (oder eher Stefans) Verteidigung sagen konnte, was auch nur ein klein wenig gerechtfertigt war.

„Aber – aber du kannst doch nicht so tun, als würde Stefan nicht mehr in der Lage sein, etwas zu fühlen!

Auch ihn könnte ich verletzten…", fuhr ich ihn an und er zog ruckartig seine Hand unter meinem Shirt hervor.

…und mit ihr verschwand der Himmel, die Welt, in der ich keine Sorgen hatte, die Wärme, die Geborgenheit…

„Elena, es tut mir ja Leid für dich, aber es ist so!

Alles, was der noch fühlt, ist das warme Menschenblut, wenn es seine gierige, verdammte Kehle runter fließt!

Er ist ein Ripper, Elena!

Und er hat dich nicht verdient, zumindest nicht mehr!

Du hättest ihn sehen sollen, als er mir einen Pflock knapp neben 's Herz gerammt hat!

Das war nicht mein Bruder, das war ein herzloser, kranker, egoistischer Drecksack!

Und er nutzt es aus, dass du nichts davon mitbekommst.

Es freut ihn sogar richtig!

Bitte, Elena…"