Stefans größtes Geheimnis?

Was sollte das sein?

Hatte ich was verpasst?

Und überhaupt…es gab noch etwas, von dem ich nicht wusste?

War überhaupt noch eine Steigerung von all dem möglich?

Immerhin war es schon ein ziemlich großes Stück, dass Stefan hinter meinem Rücken wieder Menschen umbrachte, um sie dann kaltblütig auszusaugen!

Und schon dieses Geheimnis hätte er mir bestimmt niemals verraten.

Also war es fast undenkbar, etwas Schlimmeres zu finden.

Aber in der Sache vertraute ich Damon verwunderlicher Weise.

ER war es ja gewesen, der mir von dem Antrag (auch, wenn ich es schon geahnt hatte, es war die Bestätigung dessen gewesen) und dem Menschenblut erzählt hatte.

Deshalb war es irrsinnig, dass er jetzt log.

Aber wie wollte er…?!

Ich riss die Augen auf.

Wo war Damon denn plötzlich hingegangen?

Ratlos und Hilfe suchend blickte ich mich um, drehte mich mehrmals um die eigene Achse.

Natürlich, ich hatte ihn gehen sehen!

Sofort trat ich ebenfalls nach draußen auf den Flur und da bemerkte ich ihn schon.

Damon stand am oberen Treppenabsatz und sah nach unten.

Ich wollte gerade zu ihm laufen, da fuhr er herum und machte eine abfällige Handbewegung.

Allerdings verstand ich ganz und gar nicht, was er von mir wollte und formte ein fragendes ‚Was?' mit meinen Lippen.

In dem Moment sprang unten die Tür auf und ich erschrak dermaßen, dass ich einen Moment lang nicht fähig war, mich zu bewegen und zu verschwinden, obwohl ich wusste, dass es Stefan war.

Damons Kopf schnellte erneut zu mir, nachdem er sich ebenfalls aufgrund des Knallens bei der sich wieder schließenden Tür weggedreht hatte.

Als die eisigen Augen mich fanden, keimte Wut in ihnen auf, aber auch Sorge und bevor ich mich fragen konnte, warum er sich sorgte, zeigte mir Damon wild gestikulierend, dass ich mich gefälligst irgendwo hin verkrümeln sollte, von wo aus ich ungestört zuhören könnte.

Und als hätte er einen bestimmten Schalter bei mir umgelegt, wurden meine Gliedmaßen freigegeben und kamen ohne zu zögern seiner Anweisung nach.

Schnell, aber bedacht und leise bewegte ich mich zur nächsten Ecke, von wo aus ich eine beinahe perfekte Sicht auf den Treppenabschnitt hatte, den Damon gerade betrat, um mich dahinter zu verstecken.

Noch einmal schon ich knapp meinen Kopf an der Wand vorbei und linste unbeobachtet auf das Geschehen, bevor ich mich komplett gegen die Mauen an meiner Seite drückte und eine betarnte Stellung einnahm.

Damon sah sich noch einmal kurz und unauffällig um und betrachtete mich mit brennendem Blick, genau wie gerade eben, als er mir einen Kuss auf die Stirn gegeben hatte, um seinen Schwur, Stefan sein am besten gehütetes Geheimnis zu entlocken, zu besiegeln.

(die Stelle spürte ich noch immer, als hätten seine Lippen meine Haut nie verlassen, auch jetzt nicht.)

Ich nickte ihm leicht zu, als Bestätigung, dass ich lauschen und warten würde, wie auch immer er Stefan zu reden bringen wollte.

Eigentlich war das ziemlich kindisch und bescheuert, aber ich musste einfach wissen, ob er mich mit noch mehr belogen oder es verheimlicht hatte.

In gewissen Weise war ich wirklich neugierig darauf, auch wenn das eigentlich nicht eine meiner Eigenschaften war.

Damon nickte zurück, während er mir abwesend in die Augen starrte.

Es handelte sich um einen der Momente, in denen alles stillstand.

Dabei war es kein Wunder, dass ich bisher alle dieser Augenblicke mit Damon hatte.

Meine Beziehung mit ihm war einfach anders, nicht gewöhnlich und vernünftig wie die mit Stefan.

Weder war Damon vernünftig, noch ich, wenn ich in seiner Nähe war.

Ich wusste nicht, was an ihm mich so anzog und dazu brachte, mich zu verändern, aber es war etwas Besonderes,.

Und wenn ich darüber nachdachte, dann wurde mir klar, dass ich ohne genau dieses Besondere nicht leben wollte.

Ob ich es konnte, war mir auch nicht klar, wahrscheinlich allerdings nicht.

Zu gut tat es mir und zu schön war das Gefühl, das es bei mir auslöste.

Doch bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, wurde dieser schöne Moment unterbrochen, weil Damon den Kopf mit einem Ruck abwandte.

Kaum eine Sekunde später erschien Stefan in meinem Blickfeld.

Automatisch wich ich etwas zurück, aus Angst, doch von ihm gesehen werden zu können.

Stefan schritt ein paar Stufen nach oben, wurde dann langsamer und breitete dann mit einem abartig triumphierenden Grinsen die Arme aus.

Auch Damon war ihm etwas entgegen gekommen, sodass sich beide nun auf dem Absatz in der Treppenmitte trafen.

Sie standen sich gegenüber wie Rivalen, als wollten sie sich wahrhaftig duellieren, aber das war natürlich Unsinn…oder?!

Konnte ich mir sicher sein, dass sie sich wirklich nur unterhielten und sich nicht wieder angriffen?

Nein, konnte ich nicht und selbst wenn es dazu kommen würde, könnte ich sie nicht aufhalten.

Ich konnte nur hoffen.