Das glaubte ich nicht, das glaubte ich nun wirklich nicht!
Erst spielte Damon vor mir auf diese Schlampe an, meinte, ich würde nicht nur äußerlich ihn ähnlich sein und jetzt wollte er Steffan auch noch sonst was mit ihr nachsagen?
Wie kam er denn auf diese wortwörtliche Schnapsidee, wo doch jeder von uns hier wusste, dass sie sich schon ewig nicht mehr hatte blicken lassen und dass das auch gut so war!
Alles, was Katherine konnte, waren intrigante Spielchen und Lügen, die sie hoffentlich noch mal irgendwann ins Grab bringen würde, so hinterhältig wie sie war!
Und warum in aller Welt sollte Stefan dann mit so jemandem noch etwas zu tun haben wollen?
(Zumal beide Brüder ja schon einmal vor längerer Zeit von ihr hinters Licht geführt worden waren…)
Das verstand ich nicht und irgendwie hoffte ich, dass das nur ein Trick seitens Damon war, wenn auch ein sehr schlechter.
„Pfff…
Tja, keine Ahnung, das muss eine Ewigkeit her sein, lass mich kurz nachdenken…", murmelte Stefan nachdenklich, grinste dabei jedoch so breit, dass er überhaupt nicht mehr vertieft, sondern provozierend rüber kam: „Vielleicht als…ja – ja, das kann stimmen – als wir zusammen Luka's Vater getötet haben!
Dann war sie weg und…es war auch gut so, nicht wahr?"
Damon biss sich genervt auf der Lippe herum und wartete, scheinbar so lange, bis Stefan noch mehr sagen würde.
Aber alles, was da noch kam, war ein mehr oder weniger freudiges: „Fertig, Damon?
Alles beantwortet?"
Daraufhin schnaubte Damon nur und – wenn ich es gerade richtig erkannte – verdrehte er die Augen mit einem ziemlich sarkastischen Zucken der Mundwinkel.
Mir war klar, dass er sich diese Sache hier einfacher vorgestellt hatte, nicht so kompliziert wie sie jetzt war.
Vielleicht hatte ich sogar ein wenig Mitleid mit ihm, so verwirrend das auch war, aber ich konnte mir vorstellen, dass er nun mehr als nur enttäuscht war.
Enttäuscht, mir nichts liefern oder geben zu können, womit er mir zeigen könnte, dass Stefan keinen Deut besser war als Katherine, aber so funktionierte das nun mal nicht.
Da war nichts, was Damon noch helfen würde, meine Meinung zu ändern und ich wollte nicht, dass er sich wegen mir in einen Haufen Lügen verstrickte und sich unglücklich - und unbeliebt bei seinem Bruder - machte.
Das wollte ich Damon ersparen, wo er doch auch sonst noch nie wirklich Glück im Leben und (aus irgendeinem Grund musste ich gerade schmerzhaft schlucken) …in der Liebe gehabt hatte.
„Das ist eine Lüge.", sagte Damon dann plötzlich und es überraschte mich positiv, wie hartnäckig er war und wie energisch er an ich und die Wahrheit glaubte.
Auch, wenn es jetzt keine Chance mehr gab und das hier nur pure Zeitverschwendung war.
Es beeindruckte mich und doch wusste ich, dass das nichts mehr brachte, egal welche Behauptungen er aufstellen oder was er auch tun würde, am Ende würde es nichts mehr ändern können.
Was ich mich jedoch fragte, war, wann er das Ende sehen und nicht mehr herauszögern würde.
Stefan verzog die Augenbrauen und machte einen schritt vorwärts, den Kopf fragend zur Seite geneigt: „Wie bitte?"
Diese Haltung wirkte merkwürdig bedrohlich und wenn ich könnte, würde ich jetzt auf beide zustürmen, mich vor Damon werfen und Stefan bitten, gnädig zu sein und ihn in Ruhe zu lassen, er habe es doch gar nicht so gemeint und niemals seine Aussagen in Frage stellen wollen.
Allerdings konnte ich das nicht, ich war hier gefesselt und konnte nicht weg, selbst wenn ich wollte, aus Treue zu Damon.
Aber im Gegensatz zu mir wirkte Damon kein bisschen beeindruckt von dieser Haltung und das war es, was mich in dem Moment richtig stolz machte, aus welchem Grund auch immer.
„Du lügst.", wiederholte er sich in der Kurzfassung.
Und wieder erklang ein schallendes und erniedrigendes Lachen von Stefan, dem sich Damon jedoch kein Stück beugte.
Vielleicht hörte Stefan deshalb auch schnell wieder damit auf und wandte sich wieder dem ‚Gespräch' zu.
„Tut mir Leid, dass ich dich enttäuschen muss, Bruder, aber ich lüge nicht."
Damon schüttelte den Kopf und erwiderte Stefans Blick voller Hass, sodass ich wirklich langsam begann, mir Sorgen zu machen.
„Und jetzt sag mir einfach, was Elena schon wieder treibt."
Ich sog scharf die Luft ein und versteckte ich sofort gänzlich hinter der Ecke, in die ich mich gehockt hatte.
Ob er – ob er mich riechen konnte?
Ob er meine Atemzüge oder meinen Herzschlag ganz nah vermutete?
Was, wenn er…wenn er ahnte, dass ich hier war?
Und selbst wenn jetzt noch nicht, spätestens an Damons Reaktion würde er doch erkennen können, dass etwas nicht stimmte!
Und dann…waren wir geliefert, alle beide!
Ich schloss fieberhaft die Augen und betete, dass es nicht so war.
