Unmöglich.
Vollkommen unmöglich und eigentlich völlig indiskutabel.
…aber hier?
Langsam begann ich zu verstehen und doch fühlte ich mich noch immer ganz am Anfang.
Ich hatte ja gerade mal einen kurzen Blick auf das bekommen, was hier im Untergrund und ohne mein Wissen ablief.
War ich so blind dafür, weil ich ein Mensch war oder wurde das alles die ganze Zeit mit viel Aufwand vor mir versteckt gehalten?
Ich betrachtete beides als falsch, aber ob das so tatsächlich stimmte, wusste ich nicht.
Scheinbar war es für alle hier ein Leichtes, mich an der Nase herum zu führen und mich von vorne bis hinten zu verarschen.
Damon traf allerdings keine Schuld.
Er war jedes Mal ehrlich gewesen, hatte mir alles erzählt, was er wusste oder ahnte, hatte mir beigestanden wie kein Zweiter und…und jetzt erfuhr ich, dass er für das alles etwas aufs Spiel hatte setzen müssen, vielleicht sogar sein Leben?
Natürlich, ich hatte keinen blassen Schimmer, wie stark die Hexe war, die Damon erwähnt hatte, aber sie würde wohl kaum eine Anfängerin sein, das brachte Stefan ja sonst nicht besonders viel.
Außerdem musste er schon mit ganz schön was angerückt kommen, um Damon außer Gefecht zu setzen, denn der war auch kein Anfänger mehr!
Aber mal ernsthaft, wer erwartete denn schon von seinem eigenen Bruder einen solchen Verrat?
Niemand.
Niemand war so gestört und voller Hass.
Wie ich jetzt wusste – niemand außer Stefan.
Besagter schien gerade allerdings ziemlich sprachlos und überrascht, sein Gesicht war ganz bleich und ich glaubte, sogar kleine Schweißperlen auf seiner Stirn glitzern zu sehen.
Damon hatte ihn gerade bis ins Mark getroffen und für mich gab es keinen besseren beweis, dass Stefan ein mieser Lügner war, aber für dessen Bruder reichte das wahrscheinlich noch nicht.
Er wollte Rache, ja, Vergeltung für all das und ich musste zugeben, dass ich das sogar mehr als nur gut verstand, nein, mehr als das, ich fühlte genauso.
„Wie – wie hast du das raus bekommen?", stammelte Stefan völlig durcheinander und noch immer ungläubig vor sich hin starrend.
„Du gibst es also zu, ja?", fuhr ihm Damon sofort über den Mund.
Er war noch immer rasend vor Wut und ich hoffte inständig, dass er damit nicht Stefans Geständnis gefährdete, denn das würde er zweifellos, so wie Stefan gerade wieder aussah.
Dieser versuchte erfolglos, seine offensichtliche Verblüffung hinter einem reglosen Gesichtsausdruck zu verbergen, was weder nach kurzer, noch nach längerer Zeit funktionierte.
Damon interessierte das jedoch nach wie vor nicht, ich hatte das Gefühl, dass er so oder so wusste, wie es in Stefans Innerem gerade aussah, völlig unabhängig davon, wie er guckte, was er tat oder was er behauptete.
Das hatte er nichts anderem als ihrem Geschwistertum zu verdanken!
„Nein, tu ich nicht!", wandte Stefan dann nach einigem Zögern aufgebracht ein, auch seine Stimme klang nun anders, allerdings eher auffälliger, als das Gegenteil dessen: „Aber…aber wie kommst du auf so viel Unsinn?
Ist es das, was du dir in deinem kranken Hirn zusammen reimst, wenn du allein bist?"
Damons Antwort darauf folgte prompt und sie war auch auf seinen Gesichtsausdruck zugeschnitten, so dröhnend klang er dabei: „ICH REIME MIR GAR NICHTS ZZUSAMMEN!"
Ich hatte das Gefühl, das ganze Haus würde in seinem Fundament erschüttert und so ging auch durch meinen Körper ein Schauer, von dem ich nicht konkret sagen konnte, ob er heiß oder kalt war.
Aber Stefan, der Damons Äußerung komplett ignorierte (obwohl mir das beinahe unmöglich schien), spann den Faden ganz ruhig weiter.
„Das hast du also in New York gemacht, du hast dir Geschichten ausgedacht?
Wie einfallsreich, Damon, ich hätte dich wirklich für reifer gehalten."
„DU WARST, ES DOCH, DER MICH FORTHIN GESCHICKT HAT!
DER, DER MIR GESAGT HAT, ER WÜRDE ELENA SONSTWAS ANTUN!
Aber nicht, dass ich darauf gehört hätte, nein, natürlich nicht!
Deswegen musstest du ja diese aufgetakelte Schlampe aus Georgia anheuern, damit sie mich mit ihren kleinen Zaubertricks manipuliert!
Aber wie du siehst, HIER BIN ICH!", schrie Damon zurück und wenn er ein Mensch wäre, hätte sein Kopf bestimmt schon längst eine tiefrote Farbe angenommen, so sehr regte er sich auf.
Stefan wollte jedoch genauso wenig nachgeben: „SIE HAT ZUGEGEBEN, DASS DER ZAUBER NICHT LANGE ANHÄLT!"
Das war nicht sein Ernst!
Das konnte jetzt wirklich nicht sein Ernst sein, oder?
Er gab das alles zu, es stimmte?!
Ich war perplex, obwohl ich das schon gewusst hatte, zumindest geahnt.
Das Wissen, der Beweis dafür, waren dann doch etwas anderes…
Und während ich mit mir haderte, stellte Damon seinem Bruder die ultimative Frage: „ALSO STIMMTE ES, JA?
DU GIBST ES ZU?"
