Lange würde ich das hier wirklich nicht mehr durchhalten!
Zu laut waren die Anschuldigungen, die sich in meinen Gedanken zudem ständig wiederholten, zu weh tat die Grundwahrheit, dass das alles Wirklichkeit und Wahrheit war.
Mein Kopf dröhnte und mein Herz zog sich immer wieder schmerzhaft zusammen, sodass ich nur unter Qualen atmen konnte.
Plötzlich wirkte alles so irreal auf mich, als würde ich gar nicht Beteiligter sein, sondern nur von fern auf die Szene herunter sehen.
Ja, plötzlich…plötzlich war ich mir kaum noch etwas sicher, weder meiner Liebe zu Stefan, noch der Tatsache, dass ich wirklich Teil dieses großen ganzen Wirrwarrs war und sogar darin mitgemischt hatte.
Mehr noch, ich war der Mittelpunkt dessen.
Bei allem hier ging es um mich, ich hatte es ausgelöst, ich!
Und ich hatte keine Ahnung, wie ich mich dabei fühlen oder wie ich damit umgehen sollte.
Eigentlich hasste ich es ja, die Hauptperson zu sein und so war es auch immer noch.
Damon wusste das.
…und vielleicht war auch genau das der Grund, weshalb er das Hauptaugenmerk auf etwas ganz anderes legte.
„Naah?", setzte Damon Stefan noch weiter unter Druck.
Mittlerweile würde er sicherlich alles tun, um das zu bekommen, was er wollte und das nur, um es mir zu ‚beweisen'.
Aber wollte ich das?
Brauchte ich überhaupt noch einen Beweis?
Eigentlich war schon lange klar, wer im Recht und wer im Unrecht war, aber Damon hatte es mir versprochen.
Und er war jemand, der seine Versprechen hielt, egal was kam.
Eine bewundernswerte Eigenschaft, und nicht die einzige an ihm, auch wenn sie mich gerade in dem Augenblick unbarmherzig an diese verdammte Ecke kettete.
Stefan haderte mit sich, er schien vollkommen unentschlossen und durcheinander, und das, obwohl er am Anfang noch eine ziemlich große Klappe gehabt hatte.
„Ach-", fing er an, verlor sich dann allerdings schnell wieder und brach diesen begonnenen Satz einfach ab.
„Was?
Hast du was gesagt, Stef?"
Warum kürte er jetzt auch noch seinen Namen auf liebevolle und freundschaftliche Weise ab?
Aber das war wahrscheinlich nur eine weitere Anstachelung, als dass es in irgendeiner Art ernst gemeint war.
„Man-"
„Hm?", forderte Damon und für einen kurzen Moment sah es aus, als würde Stefan gleich explodieren und einfach so nachgeben, obwohl mir das langsam aber sicher immer unmöglicher schien.
Sonst hätte er ja schon längst eingelenkt, hätte er es wirklich vor gehabt.
Doch Damon, der noch immer fest auf eine Antwort beharrte, schien wirklich Hoffnung zu hegen.
Hoffnung für etwas, für das es keine Hoffnung mehr gab.
Denn eigentlich stand ich noch immer am Anfang, zwischen der Liebe zum einen und der Liebe zum anderen, jedoch mit dem Unterschied, dass die eine Liebe nur aus Verpflichtungsgefühlen bestand und die andere aus tiefster und unkontrollierbarer Anziehung, die ich endlich begriffen hatte, gegen die ich aber auch nichts ausrichten konnte, selbst wenn ich es wollen würde.
Für mich stand fest, dass nur Letzteres noch eine Chance hatte und auch bekommen könnte und ich kurz davor stand, sie dem zu geben.
Alles, was mich noch davon trennte, waren ein paar Schritte, zumindest körperlich.
Geistig stand ein Geständnis dazwischen, welches ich nicht unbedingt brauchte, aber mein Verstand verlangte danach.
Doch dann, mit einem Mal, ballten sich Stefans Hände zu Fäusten und er startete eine Kurzschlusshandlung, mit der nun wirklich keiner mehr gerechnet hatte:
Mit bebendem Körper und ausgesetztem Verstand, brüllte er wild und ungezügelt: „JA, VERDAMMT!
IcH HAB ES IHR AUFGETRAGEN, UM DICH AUS DEM WEG ZU SCHAFFEN, DU BLÖDMANN!
DU HÄTTEST MIR ELENA NOCH WEG GENOMMEN!"
Doch anstatt, dass Damon nun aufhörte, zu rebellieren, führte er diesen Streit – ohne nachzudenken, wie es schien – weiter.
„Ja und, dafür hast du ja noch Katherine, oder nicht?"
„JA UND?
ZWEI SIND BESSER ALS EINE!
…oder in deinem Fall: KEINE!", lachte er bitter und ich spürte einen Stich im Herzen, als er Damon so abgrundtief beleidigte, obwohl er keine Ahnung hatte, dass sich das schon geändert hatte.
Auch Damon zögerte jedoch, es fiel ihm schwer, das ohne dieses Wissen, dass ich eigentlich ihm gehörte, zu ignorieren, aber er konterte trotzdem: „Im Gegensatz zu dir lüge ich nicht jeden an!"
„Ach nein?
Du hast sie also nicht angelogen?"
Nein, hatte er nicht!
Aber das würde er jetzt nicht sagen können…
„Natürlich hab ich das, weil ich nicht anders konnte, wegen deiner dämlichen Möchtegern-Hexe!"
Wieder kam daraufhin nur ein Lachen in Stefans Kehle auf.
Am Liebsten hätte ich ihm dafür das Gesicht unkenntlich geprügelt!
„Als…wie ‚Möchtegern' sahen ihre Sprüche und der ganze Hokuspokus aber nicht aus."
Damon wurde schon wieder wütender und sein Kopf roter, obwohl ich glaubte, dass das bei ihm nicht passieren konnte, nicht bei einem Vampir.
„SO IST ES ABER!", fauchte Damon: „JETZT SAG SCHON, DASS DU ES MIT KATHERINE GETRIEBEN HAST!"
