Verdammt!

Wie blöd war ich eigentlich?

Natürlich liebte ich ihn!

Ich hätte nicht lügen sollen.

Aber Stefan triumphierte.

Es dauerte nicht lange, dann spiegelte sich diese unausgesprochene Wahrheit auch in seinem Gesicht wieder.

Es war das erste Mal seit langem, dass das Lächeln auf seinen Lippen echt und ohne jegliche Bitterkeit war, denn es erreichte sogar seine Augen.

Doch was war es, das ihn so glücklich machte?

Meine Aussage wohl kaum, ich war mir sicher, er wusste, dass es gelogen war!

Was also war es?

Er würde mir mit Sicherheit nichts erzählen, er hatte schon genug gesagt.

Seine Mundwinkel zogen sich noch etwas höher und als er dann anfing, sogar leicht zu lachen, schlug er sich selbst schüchtern die Hand vor den Mund.

Was – sollte das?

Ganz ehrlich!?

Aber darauf hatte ich jetzt nun wirklich keine Lust mehr und ich fand, dass es Zeit war, dieses Gespräch zu beenden.

Abgesehen davon, dass es sinnlos war, hatte es auch keinen Zweck mehr, es weiter zu führen.

Stefan war ein rücksichtsloser Arsch und daran konnte weder ich, noch irgendjemand anderes etwas mehr ändern.

Alles, was ich jetzt noch tun musste, war gehen.

Mit einem letzten enttäuschten Seitenblick auf Stefan machte ich mich auf den Weg nach unten und stieg langsam über die restlichen Treppen.

Doch bevor ich die Haustür auch nur annähernd erreichen konnte, hielten mich seine Worte auf: „Aber wenn du ihn nicht liebst, wo willst du dann hin?

Hier ist alles, was du brauchst.

Und…vielleicht überlege ich es mir ja sogar noch mal und vergebe dir, dass du mich belauscht hast.

Dann bekommst du sogar eine zweite Chance bei mir."

Ich starrte ihn entgeistert an, konnte darüber dann aber nur den Kopf schütteln, da es mir nicht möglich war, diese unverschämte Dreistigkeit zu kommentieren.

„Das mit uns ist vorbei, Stefan, schon lange.

Es ist wirklich traurig, dass du zu eingebildet bist, zu akzeptieren, dass ich dich nicht mehr lieben kann.

Aber das ist nicht mehr meine Angelegenheit.

Es ist dein Leben, das war es schon immer, nicht meines.

Katherine und du…ihr habt euch mehr als verdient.

Ich hätte früher die Augen aufmachen müssen, um dir deine Beziehung zu ihr leichter zu machen.

Ich habe ja doch nur gestört."

Schon während des letzten Satzes hatte ich mich wieder umgedreht und den Weg zur Tür fortgesetzt.

„Was lässt dich glauben, dass du so einfach mit mir Schluss machen kannst, Elena?", fragte er hinter mir und ich konnte sein überhebliches Grinsen quasi vor mit sehen.

Davon ließ ich mich aber nicht mehr beeindrucken.

„Das glaube ich nicht, Stefan.

Warum sollte ich auch noch glauben, wenn alles, worin ich glaubte, falsch war?

Es ist zu viel passiert, als dass ich noch Glauben in etwas Derartiges setzen könnte."

Mit diesen Worten griff ich nach der Türklinke und ging ohne weiteres nach draußen.

Sofort blies mir kühler Wind ins Gesicht und ein befreites Lächeln glitt über meine Lippen.

Wann hatte ich mich zum letzten Mal so frei gefühlt?

Es musste schon eine kleine Ewigkeit her sein, ich konnte mich jedoch nicht mehr daran erinnern.

Ab jetzt wird alles gut werden., dachte ich: Ab jetzt fängt ein anderes Leben an.

Mit diesen Gedanken im Kopf tat ich meine ersten Schritte in Freiheit.

Es waren die ersten paar Schritte und doch führten sie mich in ein neues Abenteuer, von dem ich weder Ahnung noch Vorstellung hegte, wie es aussehen würde, und trotzdem hatte ich ein wohliges Gefühl im Bauch, das von jungen Schmetterlingen und wilden, bunten Farben herrührte.

Das würde gut werden, ganz sicher.

Mit großen, fast riesigen Schritten überbrückte ich die kurze Strecke zwischen Haustür und Straßenrand, wo sich das Taxi befinden sollte und wollte mit vollster Vorfreude in Damons Arme laufen, die mir nun offener standen als je zuvor.

Ich wollte seine Wärme spüren, wie sie mich einhüllte und mir Sicherheit gab, und ich wollte in seinen Augen, wie in der tiefen See, versinken.

Ich wollte nichts mehr, als Damon endlich zu sagen, dass ich für ihn etwas empfand, dass ich ihn liebte und dass ich es schon lange tat, mir Scheuklappen jedoch versagt hatten, mich diesen Gefühlen zuzuwenden.

Gerade erreichte ich mit der Fußspitze den Bordstein und bremste ab, die Augen ganz öffnend…

Mit der einen Ausnahme, dass dort kein Taxi stand.

Und auch kein Damon.

Mit wild klopfendem Herzen blieb ich stehen und sah mich um, hektisch, mehrfach.

Weit und breit war niemand!

Sollte das heißen – er war…?

Aber, ich dachte…?!

Nein.

Nein, bitte er hatte doch nicht – er war doch nicht…deswegen…

Sofort lief ich auf die Straße, egal ob dort Autos kamen oder nicht, sprintete zur nächsten Kreuzung, aber es brachte nichts.

Er war fort.

Damon war fort!

Und obwohl ich noch längst nicht verstanden hatte, brach ich weinend auf dem tiefgrauen Asphalt zusammen.

Es drängte sich immer mehr in meinen Kopf, aber ich wollte es nicht herein lassen:

Er war gegangen, weil ich meine Gefühle für ihn erneut verleugnet hatte - vor Stefan.