Wieder Schmerz, nun – gefühlt - millionenfach schlimmer als vorher.

Es war kein Brennen mehr, jetzt trafen mich gleich unzählbar viele Nadelspitzen, ohne Pause, ohne Reue.

Ich fühlte mich so leer, so offen, als könnte jeder auf meine Seele sehen.

Und wieder schrie ich, diesmal kraftloser und noch immer voller Intensität.

Doch anstatt dass es mich ablenkte, konzentrierte ich mich noch mehr darauf!

Warmes Blut lief von meinen Armen, Ströme der purpurnen Flüsse färbten mich ein, und doch war es nicht genug.

Der Geruch von saurem Regen, vollkommen durchnässten und verschwitzten Klamotten und Eisen hüllte mich ein, ich sog auf, soviel ich konnte, und doch würde es nicht reichen.

Es würde nicht reichen.

Was sollte das heißen?

Mein Körper sträubte sich, mein Herz, das kaum noch feste Schläge zusammen brachte, schien mir etwas sagen zu wollen, doch es war zu schwach.

Und mein Kopf?

Der wurde langsam schwer, pulsierte aber noch immer wild, und wurde langsam gefühllos.

Aber das alles ging mir viel zu langsam.

Wie sollte das denn aussehen?

Ich stand hier auf dem Friedhof von Mystic Falls, im strömenden Regen, direkt vor Jennas Grab, die Arme offen, der Blick getrübt, die Beine zittrig und das Gehört beinahe taub.

Aber eben auch nur beinahe.

Ich sollte knien!

Ich sollte sterben!

Aber mein Körper wollte nicht aufgeben, noch nicht.

Warum nicht?

Worauf wartete er?

Damon würde nicht kommen, er war so lange nicht gekommen!

Und keiner meiner Freunde –

Was, wenn sie den Abschiedsbrief schon gefunden und gelesen hatten?

Wenn sie nun auf dem Weg hier her waren?

Ich wollte nicht gerettet werden!

Ich konnte nicht gerettet werden…

Ich holte tief Luft, verstärkte meinen schon locker gewordenen Griff um das Messer und setzte es erneut an meinem Bauch an.

Jetzt würde ich nicht wieder nachgeben, es war ja sowieso schon zu spät.

Aber so würde es schneller gehen, wesentlich schneller!

Mit vollstem Kraftaufwand holte ich aus, erhob meinen Blick erneut in den Himmel, blinzelte aufgrund des Regens, verhärtete meinen Gesichtsausdruck, verwarf jegliche Gedanken und…stieß zu.

Dunkelheit umhüllte mich, Kälte breitete sich in mir aus und meine Lider wurden schwer.

Ich hatte es geschafft, ich hatte nicht nachgegeben!

Und dafür würde ich mit einem schnellen Tod belohnt werden.

Zufrieden zog ich das Messer aus meinem Körper und wollte es in die Höhe heben, ihm danken, dass es mir geholfen hatte, wo ich doch zu feige gewesen war.

…aber in dem Moment hörte ich mein Herz kaum noch schlagen, instinktiv lauschte ich und wartete ab.

Doch es normalisierte sich nicht wieder, natürlich nicht!

Meine Beine, die sowieso schon kurz vor dem Zusammenbruch standen, gaben nur eine Sekunde nach und doch war es diese Sekunde, die mich beinahe zu Fall gebracht hätte, hätte meine Hand nicht aus Schrecken nach einem der Grabsteine hinter mir gegriffen.

Aber kaum war ich sicher, dass ich mich so halten konnte, kam auch schon ein ganz anderes Problem auf mich zu:

Ohne auch nur den kleinsten Anlass dafür begann ich zu husten.

Immer mehr stieg in mir auf, eigentlich hätte ich mich übergeben müssen, doch ich konnte den Hustenreiz nicht unterdrücken.

Intuitiv hielt ich mir eine Hand vor den Mund…als plötzlich Blut kam.

Ich hustete Blut!

Ich spuckte Blut!

Das waren die inneren Verletzungen, eindeutig.

Ich stand kurz davor, das musste es wohl heißen.

Mein Atem ging ganz zittrig und nur noch schwach, die Geräusche meines Umfeldes nahm ich kaum noch wahr, zu laut pulsierte das Blut in meinen Ohren und in meinem Kopf.

Und dann wurde ich schwach.

Nur ganz langsam, regelrecht schleichend, erfasste es mich, bis es mich dann auf einen Schlag vollkommen einnahm.

Für einen kurzen Moment wurde mir schwarz vor Augen und ich geriet in unvorstellbare Panik.

Plötzlich begann ich, meine Taten zu bereuen!

Aber dafür war es zu spät, diese Reue zählte nicht mehr, ich würde gleich sterben und dann war es sowieso vorbei.

Wild hustend und würgend stützte ich mich noch mehr auf den Grabstein, da meine Beine merkwürdig schlaksig wirkten und ich ihnen nicht mehr vertraute, wo sie mich doch gerade eben schon einmal im Stich gelassen.

…und dann wurde mit einem Mal alles ruhig.

Meine Ohren nahmen keine Geräusche der Umgebung mehr wahr, als wäre ich taub geworden.

Mein Herz wurde schwächer und schwächer und mein Kopf schaltete endgültig ab.

Ich glitt in eine Art Zwischenwelt; an der Alten konnte ich mich einfach nicht mehr festhalten, die Erinnerungen daran wurden dunkel und kalt, einfach nur abstoßend.

In der Traumwelt hingegen war es warm und die pastellenen Farben auf dem weißen Hintergrund schmeichelten meiner hellen, beinahe papiernen Haut.

Überall zwischen den Farben glitzerte es und es roch wunderbar angenehm, nach Blumen und Vanille.

Zwar wusste ich nicht, wo ich war, aber es musste sich um den Himmel handeln, denn es gab keinen Ort auf dieser Erde, an dem ich ohne Damon glücklich sein könnte.