Aber was war das dort, dort hinten?

Das Blaue, das wie ein Schmetterling seine Kreise zog und immer wieder Haken schlug?

Ich wollte es fangen, unbedingt wissen, was so hübsch und vertraut war!

Doch natürlich würden mich meine Beine keinen Schritt mehr tragen.

Auch wenn der Schmerz betäubt war, so blieb ich doch unfähig zu leben und zu atmen, wie ich sollte.

Aber das brauchte ich auch gar nicht mehr, denn das Etwas kam näher.

Kurz vor meinem Gesicht verharrte es, als würde es mich ansehen.

Jetzt wusste ich auch, was es war!

Doch ich kam nicht auf dessen Namen.

Stattdessen traf mich ein mir wohlbekannter Geruch.

Eine ferne Stimme ertönte, doch sie war zu weit weg, als dass ich sie hätte verstehen können.

Aber selbst ohne das Verständnis der Worte, die sie sprach, löste sie ein wohliges Gefühl in mir aus.

Allein der Ton war so rau und trotzdem ganz samten, dass es mir sofort eine Gänsehaut über die Haut jagte!

Elena…

Ja, ich war hier!

Ich lebte!

Ich atmete!

Wer auch immer du sein solltest…geh weg. Mein Tod steht fest! Ich wünsche keine Rettung, wenn ich nun für immer hier sein kann. Wenn das der Tod ist, heiße ich ihn willkommen.

Elena, bitte…

Aber bevor ich antworten konnte, traf ein harter, gezielter Schlag meinen Brustkorb und ich riss erschrocken die Augen auf.

Da waren der Friedhof, der dunkle Himmel über mir, der Regen und die vielen Gräber.

…und da war der Schmerz.

Vollkommen überrascht und getroffen davon, schrie ich auf, so laut, dass meine Ohren fast klein bei gaben.

Doch schon legte sich etwas ganz sanft und beruhigend auf meine Stirn.

Eine Hand, wie ich bemerkte.

Aber das konnte nicht irgendeine Hand sein!

Denn sie lieb einen Impuls, einem Stromschlag gleich, durch meinen Körper laufen und ihn erzittern.

Davon aufgeschreckt sah ich nach oben…und blickte ehrfürchtig in ein Paar eisblaue Augen.

Nein, Damon war fort, er hatte mich im Stich gelassen, nachdem ich ihn im Stich gelassen hatte!

Aber bedeutete das auch, dass er nicht wieder zurückkommen würde…?

„Elena, was zur Hölle tust du hier…?!", kam es dann plötzlich ziemlich laut und wütend von ihm und ich begegnete daraufhin seinem undurchdringlichen Blick.

Aber wieder musste eine Antwort meinerseits ausbleiben, denn ein riesiger Schwall Blut kam ohne Vorwarnung aus meinem Mund und besudelte meine sowieso schon mit Wasser und Blut durchtränkte Kleidung.

Erst dann, als ich mich wieder auf das Gesicht vor mir konzentrieren konnte, realisierte ich, dass es tatsächlich Damon war!

Panisch sah ich mich um und bemerkte, dass ich auf dem schlammigen Boden lag, über und über voll mit Blut, Damons Arme um mich und noch immer lebte ich.

Warum war ich noch nicht tot?

Meine Wunden waren doch wohl groß genug?!

Eigentlich hätte es schon längst vorbei sein müssen, ich könnte schon längst auf der anderen Seite sein…

Aber wie es schien, wollte meine Seele nicht loslassen.

Nicht, wenn Damon tatsächlich zurückgekommen war!

Besagter nahm gerade mein Gesicht in seine Hände und zog meinen Kopf in seinen Schoß.

Damon war warm und roch genauso vertraulich wie immer, weshalb mir fast schon wieder meine Augen zufielen.

Gerade so konnte ich sie offen halten und in sein wunderschönes Gesicht sehen.

Ich konnte nicht glauben, dass er wirklich hier war!

Hier, bei mir!

„Elena…", hauchte er und ich bildete mir ein, Tränen auf seinen Wangen zu sehen, erinnerte mich aber dann daran, dass es ja in Strömen regnete,

Kraftlos hob ich den Arm und fasste ebenfalls nach seinem Gesicht.

Dabei wurde mir allerdings der vollkommen offene Arm vor Augen geführt, der blutüberströmt war und nunmehr aus Hautfetzen und Knochen bestand.

Erschrocken wollte ich mich wieder zurückziehen, doch er ließ es nicht zu und kam noch näher.

„D-D-Damon…?", stammelte ich und bemerkte, dass sein Name im Moment das einzige war, das ich kannte.

Erleichtert sah ich, dass sich daraufhin ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen ausbreitete.

Ich versuchte, es ihm gleich zu tun, doch es gelang mir nicht.

Stattdessen baute sich mit einem Mal ein ungeheurer Druck in mir auf, was ich versuchte auszublenden, was mir jedoch nicht gelang.

Im Gegenteil, er wurde immer größer und größer und ich glaubte, beinahe platzen zu müssen!

Und dann, plötzlich, unerwartet, riss etwas in mir.

Ein lautes, reißendes Geräusch erklang und mit einem Schlag brachte ich keinen einzigen Atemzug mehr über die Lippen.

Ich wollte, und wie ich wollte, aber ich konnte nicht!

Mit noch immer tapfer kämpfendem Herzen lag ich nun da, meine Hand fiel von seiner Wange ab und dann…wurde alles ganz leise und die Welt vor meinen Augen verschwamm.