Und dann…wurde alles ganz leise und die Welt vor meinen Augen verschwamm.
…da spürte ich plötzlich etwas an meinem Mund.
Zaghaft öffnete ich die Lippen, tastete danach, versuchte, es mithilfe meiner Zungenspitze zu identifizieren, aber alles was ich herausfand, war, dass es sich um etwas Warmes, Dickflüssiges und irgendwie…Lebendiges handelte.
Vorsichtig leckte ich daran und schluckte.
Es schmeckte bitter und geheimnisvoll und es tat gut.
Ich wollte mehr davon!
Langsam lenkte ich meine Augen darauf und…erstarrte.
Damon presste mir sein Handgelenk an die Lippen!
Frisches, tiefrotes Blut quoll daraus hervor und benässte meinen trockenen Mund.
Nicht nur das, inzwischen füllte es ihn vollkommen aus und gab mir das verwirrende Gefühl der Vollkommenheit.
Aber wollte ich wirklich trinken?
Hilfesuchend blickte ich Damon an, der bittend zurück starrte und dessen Adern unterlaufene Augen eine gewisse Gier, aber auch Kontrolle ausstrahlten.
Er nickte mir zu und ich wusste, wenn ich dieses unausschlagbare Angebot nicht innerhalb der nächsten Sekunden annahm, würde es zu spät sein.
Aber es gab sowieso nichts mehr zu entscheiden.
Ohne noch mehr Zeit zu verschenken, begann ich zu trinken.
Das erste Mal war in Ordnung, aber dann überkam mich ein Übelreiz, der mit jedem Schluck, den ich mich aber auch besser fühlte, zunahm.
Egal wie viel besser ich mich auch fühlte, umso mehr wollte ich das, was ich gerade so eifrig schluckte, wieder ausspucken.
Doch bevor es dazu kommen konnte, zog Damon seinen Arm selbst von mir weg.
Die Wunde hatte bereits wieder begonnen, sich zu schließen, was das Trinken nicht gerade erleichtert hatte.
Unsicher schluckte ich auch das letzte bisschen seines Blutes herunter und merkte förmlich, wie mein Körper sich wieder zusammenfügte, Stück für Stück, wenn auch sehr langsam.
Ich spürte, wie sich Damons warmer Lebenssaft sich in mir ausbreitete und ich davon ausgefüllt wurde.
Wie es sich schützend über meine Wunden ausbreitete und begann, sie zu schließen.
Aber so schön und glücklich dieser Moment auch war, so traurig war er auch.
Denn das hier war das erste Mal, dass ich mit Damon vereint war.
Und genau deshalb musste ich ihn unterbrechen und mit meinen Worten stören, denn ich hatte da so einiges zu erklären.
Besser, ich tat es jetzt sofort, als dass dieses Trugbild, dieser Traum, wie es schien, ein Ende hatte.
Wenn, dann konnte ich nicht einfach so aufstehen und gehen, nur weil es mir vielleicht jetzt wieder möglich sein würde!
Ich bekam ja schon die wunderbare Gelegenheit, Damon noch einmal zu sehen, also musste ich sie auch nutzen.
Obwohl mir noch immer jegliche Kraft dazu fehlte, hob ich erneut die Hand und legte sie um Damons markantes Gesicht: „Es…es tut mir so leid."
Tränen stiegen in meine Augen und überrollten mich, bevor ich auch nur daran denken konnte, sie zu unterdrücken.
Damon lächelte leicht, aber auch sehr gequält, und nickte, als wollte er damit jegliche weiteren Worte gänzlich ersticken.
„Er ist okay…", flüsterte er mit gebrochener Stimme, aber ich unterbrach ihn: „Nein!"
Heftig schüttelte ich den Kopf und sah eindringlich in seine vom Regen fast grauen Augen, die noch nie angsterfüllter ausgesehen hatten.
„Nein, Damon, es ist nicht okay!
Hörst du?
Es ist alles andere, aber es ist nicht okay!
Ich habe dir so großes Unrecht getan, dass ich nicht damit leben kann.
Ich musste dich gegen eine feige Lüge eintauschen und ich hasse mich selbst zutiefst dafür.
Du hast vollkommen richtig gehandelt, als du gegangen bist, ich habe genau das verdient.
Und auch wenn das jetzt in deinen Ohren absurd klingen sollte…diese Strafe hat gesessen.", erklärte ich, doch es war nur der schwache Hauch meiner Stimme neben dem lauten Prasseln des Regens: „Ich habe verstanden, dass das einzige, was ich all die Zeit zum leben brauchte, du warst.
Der einzige Grund, warum ich diese zwei langen Jahre der Trennung überlebt habe, war der Gedanke, dass du, da wo du bist, glücklich bist.
Dass es dir gut geht und dass du vergessen konntest, wie viel Leid ich dir – damals schon – angetan habe.
Auch, wenn es die schwerste Zeit meines Lebens war, kam ich damit zurecht, weil du glücklich warst.
Vielleicht liege ich genau deshalb jetzt hier, einfach, weil ich dachte, ich könnte es genau wie damals machen.
Ich dachte, ich könnte einfach aufgeben und mich damit zufrieden geben, dass du an einem Ort wärst, an dem du ohne Jemanden zu Undankbarem wie mir vollkommen und ganz sein könntest.
Aber nach allem, was passiert ist, nach allem, was ich erfahren habe, ist das unmöglich, weil du nie ganz warst und nie das Leben leben konntest, wie du es wolltest.
Weil ich im Weg war.
Ich habe es dir genommen und es gibt keine Möglichkeit, es dir zurück zu geben.
Aber du bist hier und ich weiß nicht, wann du beschlossen hast und warum, mich trotzdem nicht der Hölle zu übergeben, wo ich doch die Flügel eines Engels gebrochen habe."
